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Full text of "Beiträge zur Vaterländischen Geschichte"

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HARVARD LAW SCHOOL 
LIBRARY 



Received APR 1 6 1936 




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Baßol 



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Inhaltsübersicht. 



Seite. 

Quellen- und Litteraturangaben 117—120 

Werenfels* Jugend, 1627 — 1660 1—6 

"WerenfeU in Ortenburg und als Gemeinhelfer, 1651 bis 

1655 6—8 

Werenfels in Wolfisheim, 1665 8—14 

Werenfels als Oberßthelfer, 1665 — 1671 14—30 

Pestpredigten 18—22 

Regimentspredigt 22—30 

Werenfels als Pfarrer zu St. Leonhard, 1671 — 1675 . 30— 31 

Werenfels als Antistes und Professor, 1675 — 1703 . . 31 — 116 

Wissenschaftliche Thätigkeit 35— . 40 

Confessionelle Stellung 40—43 

Katholische Ansprüche und politische Getahren . 44 — 50 

Aufnahme der Refugianten . . , 51 — 59 

Im „Einundneunziger Wesen •* 59 — 74 

Kirchliche Ordnung 75 — 81 

Jugendunterricht 81 — 83 

Taufe 83—85 

Abendmahl (Nachtmahlspredigt) .... . . 85 — 92 

Gebet 93—95 

Kirchenzucht 95—98 

Predigten 98 — 111 

Werenfels' Alter und Tod 111 — 1 IG 



Peter Werenfels. 

Antistes Eccl. BasiL VIII. 1675-1703. 



Ein Beitrag zur Kirchengeschichte Basels. 



Von 

Arnold v. Salis 

Antistes. 



Beititg« XV. 



\. \ ■ 



I ZfcK 



Peter Werenfels wurde am 20. Mai 1627 in 
LiestaP) geboren, wo sein Vater, der damalige Diakon 
und Pfarrer zu Munzach,^) M. Job. JaL Werenfels, 
wohnte, kurz bevor derselbe nach St. Martin in Basel 
berufen ward. Der Urgrossvater des letzteren, Rudolf 
von Werenfels, war s. Z, von Bern nach Basel gekommen; 
seine Frau, eine geborene Murrer, war die Tochter der 
Margaretha Zscheckenbürlin und die Nichte des letzten 
Karthäuser-Prioren, Hieron. Zscheckenbürlin, gewesen.®) 



^) Zwinger a. a. O. sagt: Locus natalis Defancto fait Lucis- 

vallum, exiguum ditionis nostrae oppidum Kimirum nti terra 

sterilis et inoulta saepe gemmas lapideaque preciosos profert; ita 
haud raro loca obscura viris pietate, doctrina, fortitudine eminen- 
tissimis ortum dant. Prout David, ipseque Christus non HierosolymsB, 
Jadffiorum Metropoli splendidissimse, sed Bethlemse, quee minima 

fuit inter duces Jud», nati — Unter den Pathen Peter^s 

war n. A. Antistes Job. WoUeb. (ibid.) 

*) üeber Munzach vgl. Boxt. a. a. O. p. 5. Die Pfarrkirche 
von Manzacb, am Ausgang des Roserenthaies, wo jetzt der Spital- 
gottesacker von Liestal sich befindet, diente den Herrschaftsleuten 
der Edlen von Schauenburg in Frenkendorf und FflUinsdorf. Das 
Dörflein Munzach selbst erlosch ca. 1444. Als die Pfarrkirche nach 
Frenkendorf verlegt wurde, behielten die Seelsorger von da den 
Titel eines Pfarrers von Munzach bei. In dem einsamen Kirchlein 
wurde noch bis ca. 1750 jeweilen am Osterfest Gottesdienst ge- 
halten. — Büchel hat es noch a. 1751 gestochen. Erst 1766 ist 
es abgebrochen worden. 

') Üeber die Familie der Werenfels vgl. besonders 
Leu, Iselin und Zwinger a. a. 0. 



Peters Mutter war Jahel Ryff, Tochter des hoch- 
gelehrten Arztes und Mathematikers Peter RyflF. Nach- 
dem sie im December 1631 in Basel (bei St. Martin) 
gestorben, verehelichte sich Joh. Jak. Werenfels zum 
zweiten Male, mit Jungfrau Anna Hübscher. 

Sechs Jahre alt, wurde Peter mit seinem Bruder 
Rudolf in's Gymnasium geschickt und 1641 zu den öffent- 
lichen Vorlesungen promovirt. Im Griechischen war sein 
Lehrer Joh. Rud. Wettstein.*) Nachdem er „ohne fremde 
Hilfe** eine Rede über die Bacchanalien gehalten, er- 
warb er sich 1642 seine ersten Lorbeeren (primam lau- 
ream) mit einer Rede über das Thema: „Nicht aus 
jedem Holz wird ein Merkur.** Li den Ferien 1643 er- 
klärte er als Lector die Apologie des Athenagoras, und 
nach wohlbestandener Prüfung im Herbst 1644 wurde 
er Magister philosophiae. Sein Promotor, Dr. med. Felix 
Platter, hatte ihm das Thema gegeben: „Wer Anderen 
Lehrer zu werden wünscht, und selber zu wenig ge- 
bildet und geschickt ist, der schadet sich und Anderen.**^) 

Nun wandte er sich dem Studium der Theologie zu, 
und hörte bei Prof. Seb. Beck N. T., bei Antistes Theod. 
Zwinger A. T.,*) bei Joh. Buxtorf hebräische Sprache, 
auch ein theologisches CoUegium bei seinem eigenen 
Vater, der seit 1627 bei St. Martin Pfarrer war.*) 



^) Seine Übrigen Lehrer siehe bei Zwinger a. a. 0. 

*) Z w i n g e r a. a. 0. erwähnt von ihm noch Dissertationen, 
von 1645, de anima humana; 1646, de causa efficiente. 

•) Erst 1647 wurde ein dritter theolog. Lehrstuhl gestiftet, 
für Dogmatik und Polemik, — Prof. Locorum communium et Contro- 
versiarum Theologicarum. (Ochs TU, 319.) 

*) L e n a. a. O. pag. 330, erwähnt einer Anzahl gedruckter 
Predigten des letzteren, wobei er aber ihm, der 1655 starb, jeden- 
falls irrthümlich die „Homiliee in Ecclesiastem Salomonis** von 16(56 
zuschreibt. 



Den 22. October 1647 bestand er sein Candidaten- 
examen und hielt seine erste Predigt „bei den Barfossem^ 
über den Kelch des Leidens. Am folgenden Weihnachts- 
fest predigte er zu St. Martin, bald darauf im Münster; 
und zwar that er das von nun an öfters, seinen kränkeln- 
den Vater vertretend. Ueberhaupt predigte er wacker 
drauf los zu Stadt und Land,^) ohne darob seine wissen- 
schaftlichen Studien zu vernachlässigen ; ^) auch ertheilte 
er ehrbaren Jünglingen Unterricht in Kunst und Wissen- 
schaft, zu ihrer und seiner eigenen Förderung. 

Im Mai 1649 wurde er von der theologischen Fa- 
cultät neben Lukas Gernler, dem nachmaligen Antistes, 
vorgeschlagen und empfohlen für die Predigerstelle am 
Hofe des erlauchten Herrn Joh. Ludwig von Erlach, 
Generalmajors und nach des Herzogs von Weimar Tode 
Feldherrn von dessen Armee, damals Statthalters der 
eroberten Festung Brei s ach.^) Gernler erhielt zwar die 
Stelle;*) aber dass Werenfels neben ihm vorgeschlagen 
worden, zeugt schon für dessen Tüchtigkeit ; ' wie wir 
ihn denn überhaupt auch in Zukunft öfter dem um zwei 
Jahre älteren Gernler nachrücken sehen, sowie sich Ge- 
legenheit dazu bot. Er muss klares Denken mit grosser 
Geistesgegenwart und Schlagfertigkeit verbunden haben 
und mit männlicher Unerschrockenheit. Als er a. 1650 
mit einem Freunde zu Fuss nach Baden gewandert war. 



^) Strenae me exercui in concionando. (Buxt. a. a. 0.) 

*) Zwinger a. a. 0. erwähnt von ihm 1649 eine ^Diatribe 
theologica in psalmam primum de unica et vera hominis felicitate^ 
sub praesidio D. D. Theod. Zwingen. 

•) Später im französischen Heeresdienste, wurde Ton Erlach 
noch zwei Tage vor seinem Tode a. 1650 zum Marschall von 
Frankreich erhoben. (Buxt. a. a. O.) 

*) post tergiversationem quandam, wie Werenfels sich aus- 
drückt in seiner «Vita.** 



J 



6 

dort an der Tagsatzung die Rede des französischen Am- 
bassadoren La Barde gehört hatte, und dann in Zürich 
einige Tage Hottingers Gast gewesen war, beschlossen 
die beiden jungen Männer, auf ihrem Rückweg das 
Eioster Wettingen zu besichtigen. Dort fand eben 
eine öflFentliche Disputation statt; die Klosterväter ge- 
statteten ihnen bereitwilligst, derselben beizuwohnen, 
und wiesen ihnen einen Ehrenplatz im .Hörsaale an. 
Nachdem sie eine Zeit lang einige Doctoren der Theo- 
logie und auch den Abt selber hatten argumentiren hören, 
wurde Werenfels die Aufgabe des Opponirens zugetheilt. 
Obwohl ganz unvorbereitet und vom Regen der Tage- 
reise völlig durchnässt, unterzog er sich der Aufforderung 
mit soviel Geschick, dass er zur Disputation des folgen- 
den Tages und zur Tafel geladen wurde. Die Streit- 
frage lautete: „Darf ein Richter allein nach Dem, was 
vorgebracht und zugegeben worden, sein Urtheil fallen, 
oder nach seinem Gewissen?^ (An judex debeat judicare 
secundum allegata et probata, an vero secundum con- 
scientiamP) Sein Argument war, man solle niemals etwas 
zur Streitsache aufwerfen, das bei Keinem in Zweifel 
liege, oder nicht bezweifelt werden könne, ausser von 
einem Atheisten oder Gottlosen, der mit der Stimme 
des Gewissens Spott treibe. Er scheint damit seinen 
Opponenten so in die Enge gebracht zu haben, dass der 
Präses denselben ermahnen musste, Muth zu fassen und 
munter zu bleiben. 

Gegen Ende 1650 ersuchte Graf Friedrich Kasimir 
von Ortenburg bei Passau die theologische Facultät 
von Basel, sie möchte ihm einen Candidaten ihres Mini- 
steriums als Hofprediger bestellen. Die Wahl fiel auf 
Werenfels. Nur nach vielem Zureden willigte sein Vater, 
der selbst des Beistandes bedürftig war, ein. Mit Er- 



laubniss des Rathes^) und versehen mit Empfehlungen 
der geistlichen und der weltlichen Oberbehörden, reiste 
Werenfels Anfangs 1651 von Basel ab. Ueber Schaff- 
hausen, St. Gallen, Lindau, Ravensburg, Ulm (wo er 
eine ganze Woche warten musste, bis die ausgetretenen 
Wasser der Donau wieder schiffbar wurden), Lauingen, 
Neuburg, Ingolstadt, Regensburg, Straubing, u. s. w. ge- 
langte er, bald zu Pferd, bald zu Schiff, nach Ortenburg. 
Drei volle Jahre verbrachte er daselbst; der Graf ver- 
gütete ihm die Reisekosten und verabfolgte ihm einen 
Jahresgehalt von 200 fls., Kost und Eieidung nicht in- 
begriffen. 

Bei einem Besuche im nahen Pas sau speiste er 
einst im Jesuitencollegium, dessen Rector, P. Hafenegger, 
früher ebenfalls Hofprediger gewesen war, u. A. bei Erz- 
herzog Leopold. Bei Tische musste Werenfels an des 
Rectors Platz sitzen, während jener sich ihm gegenüber 
niederliess; und als Aufwärter bediente die Tafel ein 
Graf von Traun, der Jesuitennovize war. Nach der 
Mahlzeit zeigte man dem Gaste das hochgelegene Schloss 
und die Kirche mit ihrem reichen Kirchenschatz. Als 
ihn der begleitende Jesuite fragte, wie ihm das alles 
gefalle, erwiderte Werenfels: „Dem Material nach ist 
alles höchst kostbar, der Form nach höchst kunstreich; 
meine übrige Meinung will ich dir sagen, wenn du mich 
in Ortenburg besuchen wirst.* — »Nun, entgegnete Jener, 
ich will dahin kommen, wenn du mir auch dergleichen 
Dinge zeigen kannst oder willst." — „Unser Cultus, ant- 
wortete der Protestant, der in aller Einfachheit oder 
mit Christus zu reden im Geist und in der Wahrheit 
geübt wird, bedarf keiner solchen köstlichen, prangcn- 



') Ohne besondere Erlaubniss durften die Candidaten Über- 
haupt nicht auswärts gehen. Vgl. Acta Eccl. ad 1676, pag. 575. 



den Hebemittel.^ Da wiederholte der Jesuite höhnisch 
lächelnd die Worte: „Im Geist und in der Wahrheit!" — 

Ende 1653 wurde Werenfels zum Nachfolger von M. 
Lukas Gernler, welcher Archidiaconus (Obersthelfer) 
geworden, im Amt eines städtischen Gemeinhelfers (Dia- 
conus communis) berufen, und sein gräflicher Patron um 
gnädige Entlassung des Hofpredigers ersucht. Ungern 
wurde ihm dieselbe bewilligt; und beim Abschied ver- 
sicherte ihn der Graf unter Thränen: er werde bereit 
sein, auch das letzte Stücklein Brotes mit ihm zu theilen, 
wenn das nöthig würde. ') 

Mit sehr ehrenvollem Zeugniss auf Pergament und 
einem gar nicht zu verachtenden Reisegeld, kehrte 
Werenfels 1654 heim, nachdem er unterwegs in Regens- 
burg, wo Kaiser Ferdinand III. eben den Reichstag 
hielt, etliche Wochen geblieben war. 

Zu Hause traf er den Vater dergestalt von Podagra 
niedergedrückt, dass derselbe keinen Ausgang mehr 
machen konnte; und so musste der Sohn alle Predigten 
an dessen Statt übernehmen, neben seinen eigenen Func- 
tionen eines Gemeinhelfers, sowohl die Predigt um 9 
Uhr zu St. Martin, als auch die Morgenpredigt um 7 
Uhr und die Abendpredigten im Münster. Ganz uner- 
warteter Weise wurde er aus dieser Thätigkeit wieder 
herausgerissen. 

Im Jahre 1655 geschah es nämlich, dass Graf Fried- 
rich Easimir von Hanau -Lichtenberg zu Ehren seiner 
reformirten Gemahlin Sibylla Christina, einer Fürstin 
von Anhalt, den reformirten Bürgern von Strassburg, 
welche bisher im Dorfe Buschwiler bald in französischem, 



^) Quamdiu sibi frustum panis reliquum sit futurum, sibi 
illud cum ipso, si eo opus habuerit, commune fore. (Zwinger, 
a. a. 0.) 



9 

bald in deutschem Gottesdienste das heilige Abendmahl 
genossen hatten, die Erlaubniss ertheilte, in seinem Dorfe 
Wolfisheim, unfern Strassburgs, ihren Gottesdienst 
frei und ungehindert zu feiern und mit der Zeit selbst 
eine Kirche zu bauen. Wiederum wurde die theologische 
Pacultat von Basel ersucht, einen ihrer jüngeren Geist- 
lichen dorthin zu senden, und wieder fiel ihre Wahl auf 
Peter Werenfels. Er reiste nach Strassburg, um sich 
der Unterstützung oder des Schutzes zu versichern, 
deren er bedurfte. Zu seinem grössten Erstaunen erfuhr 
er, dass ein Herr Abraham Herff, welcher dort ihn be- 
herbergte, um G^ld gestraft ward und genöthigt, ihn in 
eine öfiFentliche Herberge zu verweisen. Und nachdem 
er einige Wochen in diesem Wirthshause gewohnt, er- 
hielt er eines Tages eine Vorladung aufs Rathhaus 
(„auff die Pfaltz**) und dort vom Rathe den Befehl, noch 
vor Abend die Stadt zu verlassen oder anderswo ein 
Unterkommen zu suchen. Ursache dieser Verweisung 
war allein der Hass der lutherischen Geistlichen, welche 
den Rath wider den Calvinisten aufgestiftet hatten. 
Werenfels beklagte sich am folgenden Tag beim Grafen 
in Buschweiler über diese schimpfliche Behandlung durch 
die Strassburger, und erhielt nun einen sichern Wohnort 
auf dem Schlosse zu Wolfisheim. Im untern Geschosse 
desselben fanden die Gottesdienste statt, dieweil die 
Kirche noch nicht gebaut war. Der Graf selber wohnte 
vier Male dem Gottesdienst bei, er tühlte sich durchaus 
nicht beleidigt, wenn Werenfels über die AbendmahU- 
lehre predigte, sondern angenehm berührt davon, dass 
derselbe ganz ohne Schmähungen seine Meinung vorge- 
tragen habe. 

So weilte und lehrte Werenfels etwa fünf Monate 
in Wolfisheim vor einer nicht geringen Zuhörerschaft, 
indem aus der ^Nachbarschaft die Glaubensgenossen, be- 



10 

sonders zur Abendmahlsfeier, in grosser Anzahl sich 
zusammenfanden. In die Yaterstadt zurückberufen, 
musste er schon am 1. Juli 1655 seine Abschiedspredigt 
halten vor der ihm lieb gewordenen Gemeinde. Auf 
Begehren der Gräfin wurde sie gedruckt und der hohen 
gnädigen Frau gewidmet.*) Sie ist so charakteristisch 



*) Es wird ihrer Erwähnung gethan im „Irenicum" von Th. 
Heinrich, SofFrag. Basil. (Buxt. a. a. 0., vgl. auch Zwinger a. a. O. 
pag. 19.) 

Sie ist enthalten in der 7 Bände umfassenden Sammlung ge- 
druckter Predigten von Werenfels, welche sich auf der Basier 
Univ. Bibl. befindet unter der Signatur: „P. Werenfelsii Concio- 
num funebrium Fascicul. I. seqq. NE. XII. 20—24. und nD. XIII. 
8. 9.** — Dabei ist zu bemerken, dass hier nur die einzeln- ge- 
druckten Predigten von Werenfels in chronologischer Reihenfolge 
gesammelt und zusammengebunden sind, nicht auch die von ihm 
selbst herausgegebenen kleineren Predigt Sammlungen, von 
denen an anderem Ort die Rede sein wird. In diese Sammelbände 
sind allerdings seine „Leichenpredigten *^, aber nicht nur diese 
aufgenommen worden, sondern auch andere zerstreute Einzelpredig- 
ten, besond. in Bd. 20 u. 24, und haben sich auch Predigten an- 
derer Verfasser eingeschlichen, z. B. drei von Gemler. &<D. enthält 
meistens Ergänzungen zu ^(E., besonders die unter letzterer Signa- 
tur fehlenden Predigten aus den Jahren 1689 bis 1696; von da an 
aber, für die Jahre 1697 bis 1699 auch einige Doubletten. — Ich 
citire diese Sammelbände einfach als L. P. (Leichenpredigten). 

Die hier in Betracht kommende Predigt ist die erste in Bd. 
20: „Christliche Abschieds-P redigt, gehalten Sonntags 
den 1. Julii a. 1655 zu Wolffsheim in der Oberen Graffschafft 
Hanaw, vor der Reformirten G-emeind, welche daselbsten versamb- 
let ward, und auff vielfaltiges begehren in Truck gegeben durch 
M. Petr. Werenfelsium, eccles. Basil. communem diaconum. — Der 
durchleuchtigen Hochgebornen Fürstin und Frawen Frawen Sibyl- 
le Christinae, Fürstin zu Anhalt, Grävin zu Ascanien etc., zu Hanaw, 
Reineck und zu Zweybrucken, Frawen zu Müntzenberg, Liechten- 
berg und Ochsenstein etc. Seiner gnädigeu Fürstin und Frawen 
übergiebet diese von Ihr Fürstlichen Gnaden angehörte und zum 



11 

für seine Predigtweise, dass wir sie hier skizziren wollen. 
In takt- und massvoller Einschränkung alles blos Per- 
sönlichen, verschmäht Werentels jede Sentimentalität *) 
und bestrebt sich, die evangelische Wahrheit zu ver- 
kündigen. Als Kind seiner Zeit bringt er womöglich die 
ganze confessionelle Dogmatik in jede Predigt; aber in 
der dabei unvermeidlichen Polemik freundlich und mild ; 
in geschicktester Weise seine Auseinandersetzungen aus 
dem biblischen Text ableitend, das Ganze klar und einfach 
disponirend, mit wahrhaft erbauender Absicht, in kräf- 
tiger, populärer Sprache, durch einzelne ganz vorzüg- 
liche Wendungen und Bilder oft überraschend und tief 
ergreifend, ein im besten Sinne geistvoller Mann. 

Sein Text war Judae v. 20. „Ihr aber, meine 
Lieben, erbauet euch auf eueren allerheiligsten Glauben 
durch den heiligen Geist und betet!" — ^Nach kurzer, 
seinen Abschied ankündigenden Einleitung, bemerkt er, 
dass er diessmal, statt des täglichen Evangeliums, seiner 
Gemeinde diesos Wort zum „Valete*' darbringen wolle, 
„die Ermahnung I. zu dem beständigen Wachsthum und 
wahren Glauben, und II. zu eiferigem Gebett.^ — Schon 
das Wort „Ihr Lieben" erinnere an die Pflicht des 
Predigers, zu sagen und zu untersagen in der Liebe, 
nicht immer Boanerges zu sein, sondern auch Barnabas ; 



Track gnädig begehrte Predigt, neben Wünschung alles stets- 
wehrenden Fürstlichen Wollstandes Ihr Fürstlich Gnaden ünder- 
thäniger gehorsamer Peter Werenfels.* (35 Seiten.) 

*) Er unterscheidet sich hierin z. B. aufs Vortheilhafteste 
Ton seinem nachmaligen Kollegen, Antistes Klingler in Zürich, vgl. 
O.K. Zimmermann, „Die Zürcher Kirche (von 1519-1819) 
.... nach der Reihenfolge der Zürcherischen Antistes geschildert**. 
Zürich, S. Höhr, 1878. — Welches sentimentale Phrasengeklingel 
findet sieh in dessen Abschiedspredigten, z. B. pag. 2S1 f. 235 
und überhaupt! 



12 

und an die Pflicht der Zuhörer, ihre Prediger lieb zu 
haben und zu bedenken: der Gerechte schlage mich 
freundlich! Diese „Lieben** sollen sich bauen durch 
Wort und Geist. Worauf? — Auf Christum, auf die 
Lehre der Apostel, auf den Glauben. Ist all Eins. Denn 
der Glaube, den weiland die Gläubigen zur Zeit Judae 
gehabt, ist derselbe, den wir heut bei Tag auch haben, 
im N. T. und in unserem churpfälzischen Catechismus. 
Er heisst der allerheiligst e, weil er allein auf dem 
allerheiligsten Wort Gottes ruht, nicht auf der Gewohn- 
heit, nicht auf der Menge, nicht auf den Kirchenlehren 
oder Reformatoren, denn „grosse Leute fehlen auch.** 
Am allerwenigsten folgen wir in Religionssachen der 
fleischlichen Vernunft (z. B. betr. Trinität, Creatio aus 
Nichts, partus virgineus, resurrectio carnis). Also das 
Wort Gottes ist sein Grund, nicht dessen Syllaben und 
Buchstaben; sondern der rechte Verstand desselben. 
Heilig heisst dieser Glaube aber nicht nur, weil er 
eitel heilige Sachen in sich begreift (Jesum Christum, 
aein Blut und Tod), sondern auch weil er abhält von 
Sünde und anhält zu gottwohlgefälligem Leben; er 
macht, trotz der Botschaft von der Vergebung, nicht 
ruchlos, er ist nicht Glauben ohne Werke. (Geschickte 
Apologie der reformirten Prädestinations-,. Versöhnungs- 
und Abendmahlslehre.) — Habt ihr diesen Glauben, so 
lasset ihn leuchten! nicht wie Einige, die ein sehr „un- 
reformirtes Leben** führen. — Das alles bezeichnete 
«rst den Grund, worauf wir bauen müssen. Nun aber 
die Sachen, die wir darauf bauen sollen! Da heisst 
es denn: bauet euch! — wir selbst uns als Steine zum 
geistlichen Hause, so, dass wir wachsen in festem Ver- 
trauen auf jene Wahrheiten! „Man findet Leut, welche 
in der Religion wohl fundirt, von allen Pimkten der- 
selben meisterlich zu reden wissen, underdessen aber so 



13 

schwach seind im Vertrawen, dasa sie, wann ihnen nur 
das geringste begegnet, den Muth allerdings fallen 
lassen. Diese Leut haben zwar ein erleuchtetes Gemüth, 
aber kein von lebendigem Vertrawen brennendes Hertz; 
sie sind gleich dem Mond, welcher Liechts genug hat, 
aber kein Hitz von sich gibet.'^ . . . Ein wohlerbauter 
Christ hält sich in Zucht, liebt Gottes Haus, hält Frieden, 
^lässt sich auch gleich einem Stein, der auff das Fun- 
dament wol auffgebawet ist, nicht wegen und wiegen 
von allerley Wind der Lehr, sondern bleibet bestendig 
bey dem das er gelernet. Er lasst sich nicht irr und 
abwendig machen durch die liebliche Yerheissung: das 
alles will ich dir geben, so du niderfallest und mich 
anbetest; noch auch durch die erschröckliche Dräwung: 
wer nit niderfallet und das Bild anbettet, soll in den 
glüenden Ofen geworffon werden." — „Sind das die 
Kennzeichen eines wolerbawten Christen, wird jetzunder 
ein mancher gedenckon, so manglet mir noch sehr viel. 
Freilich manglet, beydes, mir und dir noch sehr viel . . . 
so haben wir desto weniger Ursach, uns zu erheben, 
sollen auch destomehr uns bearbeiten, diesen Mangel zu 
ersetzen, .... underdessen uns dessen trösten, dass Qott 
das Gold unseres Glaubens nicht so fast auff die Gold- 
wag lege, zu sehen, wie schwer es seye, sondern viel- 
mehr an den Probierstein streiche, zu sehen, ob es auch 
just und gut seye. Wann unser Glauben nur aufi&ichtig, 
sollte er gleich so klein seyn, als ein Senffkörnlein, will 
Gott damit vorlieb nehmen...., beyneben das ange- 
fangene gute Werk je mehr und melur vollenden.** 

„Und bettet!** — Wofür? Hiess es erst: „Erbawet 
euch im Glauben!** und jetzt: „bettet!** — nun so sollen 
wir eben, nechst der Ehr Gottes, fümemlich um dieses 
Wachsthum bitten .... Und zwar, wann irgend ein 
Mittel ist, welches da dienlich zu erhaltung und ver- 



14 

mehrung des Glaubens, so ist es gewisslich das Gebett. 
Das Gebett fleusst zwar auss dem Glauben und wird 
gleichsam von dem Glauben erzeuget; aber die Tochter 
erhaltet hernach die Mutter.'' Also thut uns noth Gebet 
um Glauben, um evangelische Predigt, woraus der Glaube 
kommt, um Gehorsam gegen treue Prediger, und für 
die fürstlichen Häuser, denen man solche Erbauungsge- 
legenheit verdankt. — Und wie ist zu beten? — Im 
heiligen Geist, d. h. im Geist, nicht nur mit Wor- 
ten, und mit Hilfe des heiligen Geistes von oben. — 
Und nun geht der Prediger über in ein Gebet für sich 
und sein geistliches Amt; dann für die Gemeinde, der 
er „ad interim** dienen sollte, bis sie einen ordentlichen 
Seelsorger bekomme. Er habe es nach Kräften gethan, 
und wenn nicht umsonst, so gebühre Gott die Ehre. 
Dann dankt er schlicht für alle erfahrene Liebe, und 
schliesst mit Schriftworten des Segens, sie Gott befeh- 
lend und dem Wort seiner Gnade. 

In der Heimath traf er den Vater höchst leidend 
an; schon am 17. November 1655 entschlief derselbe, 
fromm und gelassen. Sein erbauliches Sterbebette ist 
dem Sohn unvergesslich geblieben bis auf sein eigenes 
Todbette. Als der letzte Todeskampf begann, betete der 
Kranke: „Der letzte Kampf steht noch bevor; Herr, 
verlass mich nicht, dass ich dich nicht verlasse.** (ülti- 
mus agon restat; Domine ne desere me, ne te deseram!) 
Und mit männlicher Stimme sang der Scheidende aus 
dem 103. Psalm die Verse: „Sag Lob und Dank Dem, 
der dir aus Gnaden Dein Sund vergibt und heilet deinen 
Schaden!^ — Zu St. Martin liegt er begraben, mit seinen 
beiden ihm vorangegangenen Ehefrauen. 

Am 11. December 1655 wurde Luk. Gernler Antistes; 
und Werenfels folgte demselben in das Obersthelferamt 



15 

nach, als Archidiaconus ; *) er trat diese Stelle an am 
22. März 1656, verliess Pfarrhaus und Vaterhaus zu St. 
Martin, um ,,hinter Münster^ einzuziehen. Bald darauf, 
am 9. Juni 1656, verehelichte er sich mit Jungfrau Mar- 
garetha Grynaeus, Tochter des Pfarrers Samuel 
Grynaeus zu St. Leonhard und der Frau Maria geb. Bux- 
torf. Am Hochzeitsmahle sassen sechs Professoren der 
Theologie, drei aus Basel und drei auswärtige. 

Von den zehn Kindern, welche ihm sein Weib von 
1657 bis 1671 geboren, fünf Söhnen und fünf Töchtern, 
überlebten ihn später nur drei Söhne und zwei Töchter. 
Sein Erstgeborener ist der als Theologe und Gelehrter 
nachmals berühmt gewordene Prof. Samuel "Werenfels.^) 

Neben seinem Pfarramte docirte er in den Jahren 
1656 bis 1658, an Stelle des in Urlaub auf einer weiten 
Reise abw^esenden Prof. Joh. Jak. Buxtorf, auch noch he- 
bräische Sprache. Dafür schenkte ihm Buxtorf nach 
seiner Rückkehr 100 Thlr., sammt einem vergoldeten 
Becher von etlichen 60 Loth. 

Was die Geschichte der Kirche Basels bis 1675 aus- 
macht, ohne dass dabei ein bestimmender Einfluss unseres 
Werenfels nachzuweisen wäre, gehört in die Biographie 
des vorangehenden Antistes Lukas Gernler. Wir über- 
gehen es darum hier, und beschränken uns auf die 
Erwähnung Dessen, was über Werenfels persönlich zu 
sagen ist. 

Im April 1660 feierte Basel das zweihundertjährige 



') In Beinen Druckschriften nennt sich Werenfels in dieser 
Stellung jeweilen ^Diener des göttlichen Worts im Münster", oder 
g Mitarbeiter an dem H. Wort Gottes daselbsten'*, oder ,,auch Diener 
am Wort Gottes im Münster.** 

*) üeber den Familienstand des Peter Werenfels vgl. B ii x t. 
a. a. O. pag. Uff. Zwing er a. a. 0. pag. 19 ff. L. Fr. Bd. 24. 
No 80. Leu a. a. 0. pag. 329 ff. 



16 

Jubiläum der Gründung seiner Universität. Vor „sehr 
volkreicher Versammlung*' im Münster predigte bei diesem 
Anlasse Mittwoch, den 4. April, Morgens um 7 Uhr M. 
Jakob Götz, Pfarrer zu St. Peter, über Psl. 122, um 9 
Uhr M. Peter Werenfels über Joel 2,23; und Sonntag, 
den 8. April, im Hauptgottesdienst D. Lukas Gernler, 
damals Rektor magnificus, über Luc. 7, 4. 5. ^) — Peter 
Ochs (Vn. 74. f.) erwähnt des letzteren „weitläufige Rede, 
in welcher er den Ursprung der Universitäten bis auf 
die Zeiten der Patriarchen und bis Koah zurückbrachte;^ 
und fügt kurz und unwillig bei : „Yon dieser Zeit schreibt 
sich die Uneinigkeit zwischen der Obrigkeit und der 
Universität her. Letztere träumte nur von päpstlichen 
Privilegien, und vergass, was im Jahr 1532 geschehen 
war.* — Wirklich sind jene Jubiläumspredigten besonders 
geschmacklos; auch die von Werenfels ist wohl eine seiner 
geringsten. Er führt den Ursprung der Universitäten 
gar bis auf den ersten Menschen zurück: „Adam hat 
schon zu seiner Zeit eine Schul gehalten, in deren er 
die seinigen underrichtet von Gott und seinem Wesen 
theologice; von dem gerechten Willen Gottes juridice; 
von Erafft und Eigenschafft der Frucht und Eräuteren 
auf Erden medice; von der Sternen Lauff astronomice; 
vom Baw dess Feldes und Gärten CBconomice; vom An- 
fang aller Creaturen und dem Fall dess Menschen his- 

torice ^ 

Vom September 1667 an begann die Pest in Basel 
ihre zahlreichen Opfer zu fordern.^) Man glaubte, ein 



^) «]>rey Christliche Predigten, in dem Mflnster zu Basel in 
dem Monat Aprilis dises lauffenden 1660. Jahrs; za danckbarer 
WidergedechtnusB der grossen Gatthat Gottes u. s. w. 
gehalten von Luca Gemlem u. s. w.* — L. Pr. Bd. XII, 20. 

«) Ochs YII. 99. ff. 



17 

Schuliniacher habe sie im Augstmonat mit einer Anzahl 
alter Schuhe aus dem Sundgau her eingeschleppt. Um 
ihrer Verbreitung zu wehren, wurde den benachbarten 
Bauern der Eintritt in die Stadt untersagt, und- auf den 
Grenzen ein Marktplatz mit Schranken abgesteckt, wo- 
hin die Dorfleute ihre Lebensmittel zum Verkauf bringen 
konnten ; das Geld warf man ihnen in den Hut, oder in 
einen Zuber mit Wasser, welches sodann abgesotten 
wurde. Zur Quarantaine für die Waaren Hess der Rath 
zwei mit Schranken eingefasste ^Niederlagen einrichten, 
die eine am Schützenhause vor dem Spalenthor, die 
andere jenseits „beim neuen Hause.^ Durch obrigkeit- 
liche Verordnung wurde den Almosengenössigen auf- 
erlegt, gegen Bezahlung, der Pestkranken zu warten. 
Im Jahre 1667 zählte man auf 409 Geburten 1651 Sterbe- 
falle in der Stadt;') siebenzig Ehen starben ganz aus 
an der Seuche ; dagegen verlor der Rath nur eines seiner 
Mitglieder. Nachdem sie im Winter etwas nachgelassen 
hatte, kehrte die Pest im Sommer 1668 heftiger wieder, 
und verbreitete sich nun auch auf der Landschaft. Doch 
Tcrschwand sie gegen Ende des Jahres. Die Anzahl 
der Gestorbenen betrug diessmal in der Stadt nur 716. 
In diesen Zeiten der Gefahr und des Schreckens wurde 
durch obrigkeitliche Verordnung jeder Einwohner auch 
ermahnt, sich mit Gott zu versöhnen, und sich zu 
dem Ende des heidnischen Tanzens und unzüchtiger 
Spiele zu enthalten. Die Geistlichen waren sehr in An- 
spruch genommen und erfüllten ihre Pflichten vielfach 
mit Auszeichnung. Der Pfiirrer Heinrich Brückner ver- 
hielt sich in der kleinen Stadt gegen die Kranken so 
herzhaft und tröstlich, dass ihm die dortigen drei Gesell- 



') Dabei ist zu berücksichtigen, dags die Stadt Basel a. 1700 
ent ungeffibr 15,000 Einwohner zählte. 

B«itTige XV. 2 



18 

Schäften einen Becher mit ihrem Wappen verehrten. 
Auch Werenfels stellte seinen Mann. Die Krankenbesuche 
in St. Alban-, Aeschen- und Steinenvorstadt, sowie die 
Leichengeleite lagen, da seine CoUegen z. Th. auch er- 
krankten, beinahe alle ihm allein ob. „Gott aber schenkte 
mir Gnade,** sagt er, „mit munterem Geiste und gesun- 
dem Leibe mein Amt zu verwalten.* Erst 1670 wurden 
auch vier seiner Kinder von der „ungarischen Seuche* 
ergriffen, doch nicht weggeraflFt. Man bewunderte seine 
Furchtlosigkeit und seelsorgerliche Pflichttreue.*) 

Damals, noch a. 1669, gab Werenfels ein Bändchen 
von „Pestpredigten* heraus über den 91''®"^ Psalm, unter 
dem Titel „Davids Pest-Artzney.* Er hatte während der 
angstvollen Zeit jenen Psalm in seinen Frühgottesdiensten 
„in Serie* der Gemeinde ausgelegt. Antistes Gernler 
hatte gleichzeitig „in den gewöhnlichen Dienstagspredig- 
ten im Münster das 24. Cap. des n. B. Sam.* erklärt. 
Diese sollten gedruckt werden, — erschienen jedoch erst 
1674; — und darauf bezieht sich's, wenn Werenfels in 
dem Vorwort zu seiner Sammlung, mit liebenswürdiger 
Bescheidenheit dem berühmten Gernler gegenüber, sich 
entschuldigt und also rechtfertigt : „Weiln die Predigten 
(seil. Gernlers über II. Sam. 24.) in den Truck kommen, 
haben ehrliche Leut dafür gehalten, Davids Pest und 
Davids Pest-Artzney wurden sich nicht übel zusammen 
schicken. Welches ihr Urtheil ich umb so viel desto 
ehender bey mir gelten lassen, weil ich mich zu dem 
guthertzigen Leser versehen, er werde in beyderlei Pre- 
digten fümemlich auff die Gleichheit der Materi und 
Lehr sehen, auch die Ungleichheit der Gaaben nicht 



*) Vgl. Zwinger a. a. 0. pag. 19. Hie certe nihil pericoli 
metuere, animam Buam in manu portare, loca infecta intrepide adire, 
decumbenteH admonere, instruere, solari, ad Deum erigere. 



19 

übel aufnemmen, sondern dabey sich zu Sinn kommen 
lassen, was ei* des Nachts bey Anschauung des Himmels 
gedencket, wann er wahrnimmt, wie ein Stern den an- 
deren an Grosse und Liecht übertreffe. Beyneben, wie 
vorzeiten die Soldaten nach dem Sieg ihr Harnisch und 
Gewehr, deren sie sich in der Schlacht gebraucht, in 
einen oder den anderen Tempel gebracht und allda zur 
Gedächtnuss auffgehänget: also haben wir auch diesem 
91. Psalmen, als unserem wider die fliegenden Pest-Pfeil 
gewesenen besten Schild, alle möglichste Ehr anthun, 
und denselben, sampt der Erklärung, auch in dem Truck 
vorstellen sollen, Gott dem Herrn, welcher uns in dieser 
Zeit durchgeholffen, zu schuldigen Ehren, wie nicht 
weniger auch uns und seiner lieben Gemeind allhier, zu 
danckbarer Widergedächtnuss dieser so grossen Gutthat 
und gnädigen Erhaltung.^ ^) 

Gewidmet liat Werenfels diese Predigtsammlung den 
„Herren Joh. Heinrich Ryhiner, des Rahts, und Jeremias 
Mitz, Eltesten der Christi. Gemeind in dem Münster, — 
beyden Inspectoren des unlängst auffgerichteten Zucht- 
und Waisenhauses^, aus Dankbarkeit für „die vätterliche 
Trew, welche sie an den armen Waisen erweisen.** Es 
lässt sich denken, dass der letzteren gerade damals viele 
werden gewesen sein. 

Die Sammlung enthält 18 Predigten über Verse des 
91. Psalmes, und zum Schluss die Dankpredigt vom 13. 
Mai 1669 über Joh. 5, 14. (Sündige hinfort nicht mehr, 
u. s. w.) Auf die einzelnen können wir hier nicht näher 



*) In einem Band auf der Univ.-Bibh Basel, unter der Sig- 
natur NE. V. 10 sind vereinigt: 

Lucae Gernleri Conciones in Cap. XXIY, Lib. II. Samuel. 

Basel, truckt's und verlegt's Jacob Bertsche, 1674, und 
Petri Werenfelsii Davids Pest-Artzney. Basel, getruckt 
und verlegt durch Jacob Werenfelss. 1669. 



20 

eingehen; ohne ausgiebige sachliche Wiederholungen 
geht es natürlich in einem solchen Predigt- Cyklus nicht 
ab. Es fehlt nicht an trockener Dogmatik und an man- 
cherlei gelehrtem Ballast lateinischer Sätze und Citate 
und historischer Beispiele aus allen Zeiten; aber auch 
nicht an kräftigen praktischen Gedanken, und selbst nicht 
an einem warmen, fast pietistischen Hauch, wenn er z. B. 
bemerkt zu Vers 2 (der spricht zu dem Herrn: Meine 
Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich 
hoffe I): „Der wahre Glaub' ist nicht stumm, sondern 
redet, in Gebätt u. s. w. Dieses „Mein** ist gleichsam die 
Seel des Glaubens.** 

Die Hauptgedanken, welche unter mancherlei Varia- 
tionen wiederkehren, sind etwa folgende: Gott ist der 
Urheber der Pest, kann sie auch wieder wegnehmen; 
darum soll man sich vor ihr nicht allzusehr furchten, 
denn er kann vor der Krankheit bewahren und aus der 
Krankheit erretten. Darum soll man auch nicht allzu- 
sehr auf menschliche Mittel zu Schutz und Heilung 
halten, sondern auf Gott vertrauen und sich an ihn 
wenden; am allerwenigsten natürlich in Lustbarkeit sich 
betäuben wollen, „das Weinglas und andere fleischliche 
Kurtzweil seinen Trost sein lassen.'^ Doch wird auch 
vor Vermessenheit gewarnt; vor dem Fatalismus, welcher 
urtheilt, „pestem esse inevitabilis Prsedestinationis sor- 
tem*, da Gottes Bathschluss die ziemlichen Hilfsmittel 
nicht auBschliesse; — wie vor dem unvorsichtigen und 
unnothigen „Zusammen- oder untereinanderlaufen.^ Auf 
die Frage, ob man wegen der Pest „weichen*' solle, ant- 
wortet Werenfels sehr verständig und christlich: „Fremde 
Leut, Studenten u. dgl., dürfen weichen** ; unter den „ein- 
heimischen** auch „die Blöden und Furchtsamen**, und 
es sollen hier die Starken der Schwachem Gebrechlich- 
keit tragen. Dagegen dürfen nicht weichen: Blutsver- 



21 

wandte, Medici, Apotheker, Obrigkeiten, Lehrer, Pro« 
feBsoren; vor allem dürfen ,, Prediger nicht Miedlinge 
sein^, sondern sollen Christum als ^die rechte ehrine 
Schlang'^ den Kranken vorstellen bei ihren Hausbesuchen. 
„Ich gestehe gern, dass Gefahr dabey seye, wann ein 
Prediger in Pestzeiten bey seinen Schäfflinen bleiben, 
sonderlich wann er die Kntnken in ihren Häuseren be- 
suchen soll. Es muss aber bey ihm die Liebe Christi 
und der durch Christi Blut erkaufften, ihm anvertrauten 
Gemeind die Forcht der Gefahr dergestalten übertreffen, 
dass er mit Paulo sein Leben nicht selbsten theuer 
achte.' . . . Die Zeit solcher Gefahr ist oben auch eine 
Zeit der Prüfung, da „der Jäger'', Satan, den Menschen 
„Fallstricke* legt, um sie von Gott und ihrer Christen- 
pflicht abzubringen. In sehr geschickter Weise nützt 
dabei der Prediger das Bild des Jägers aus, mit seinen 
Lockvögeln, Spürhunden, u. s. w. Der Jäger kennt die 
Natur des Wildes und richtet sich danach in den Mitteln, 
die er anwendet, es zu fangen. So kennt der Satan 
„eines Jeden Natur, Complexion und Zuneigung", und 
legt ihm darnach „Strick oder Aas.'' Den Gläubigen aber 
ist die Pest kein Strick, sondern treibt sie zu Gott. Um 
so mehr, da sie in der Seuche auch eine Strafe far die 
Sünde erblicken. Und nun werden die im Schwange 
gehenden Sünden gegeisselt: Verachtung des Gottes- 
wortes, Missbrauch seines Namens, Missbrauch des Sacra- 
mentes, Unglauben, Hochmuth, Unzucht, Unmässigkeit, 
u. s. w. Also ziemt sich, unter Gottes züchtigende, ge- 
waltige Hand sich zu demüthigen in Busse, und Gott 
zu danken für seine Durchhilfe und Verschonung. Das 
fuhrt der Prediger besonders schön aus in seiner ab- 
schliessenden „Dankpredigt" über das Wort Jesu an den 
Geheilten in Bethesda: „Sündige hinfort nicht mehr!" 
Nachdem ihm der Umstand, dass Jesus den Geheilten 



22 

im Tempel fand, Anlass geboten zu einer Digression 
gegen die Wiedertäufer, welche den Tempel verschmähen, 
fordert er die „ Gesundeten ** auf, desto fleissiger zur 
Kirchen zu gehen; aber nicht nur das, denn „Kirchen- 
gehen ohne Gehorsam und Gottseligkeit, Predigten hören 
ohne practic ist eine lautere NuUitet, Gott mehr ein 
Grewel, als ein angenehmes Opflfer.** . . . „Wann du dem 
Arzt, der dich curiert hat, recht danken willst, so musst 
du's bei einer blossen Mund-Danksagung nicht bewenden 
lassen, sondern auch etwas in die Hand nemmen.^ . . . 
Opfere mit Abraham aus Dankbarkeit für deinen ver- 
schonten Isaak^ der „schon das Messer hat an der Gurgel 
gehabt ! ^ Ach, dass in unserem Basel auch die Sünden- 
Pest nachgelassen hätte! 

Das ist ungefähr der Hauptinhalt der genannten 
„Pest-Predigten.** Gewiss hat Hagenbach Recht, wenn 
er dazu bemerkt:*) „Es ist in ihnen, wie in andern Pre- 
digten jener Zeit, wohl viel gelehrter Ballast, aber die 
Gedanken überraschen oft durch ihre Klarheit und prak- 
tische Eindringlichkeit. Sie treffen meist zum Zrelund 
halten sich von all dem Nebulosen ferne, in das die 
geistlichen Redner unsrer Zeit so leicht verfallen.** 

Auch in Gernlers Pest-Predigten begegnen uns we- 
sentlich dieselben Gedanken. Wenn wir zu dieser Einig- 
keit im Geist hinzunehmen die Gewissenhaftigkeit, wo- 
mit die damaligen Prediger, offenbar grossentheils, 
ihre Predigten, selbst „Wochenpredigten** vor kleinem 
Werktagsauditorium, ausarbeiteten, so bekommt man 
unwillkürlich Respect vor dieser vielgescholtenen und 
wenig gekannten Zeit der Orthodoxie. Sie ist auch 
nicht so „unpraktisch** gewesen, wie man gemeiniglich 
annimmt, und wie es Einer dem Andern nachdruckt. 



^) Hagenbach. Die theol. Schule Basers, pag. 35. 



23 

Auffallen wird, dass die Basler Prediger jener Zeit 
unter den Sünden, welche sie geissein, ganz besonders 
hervorheben „das Prakticiren, den Meineid und die 
Aemterjägerei.'' Man könnte geneigt sein, das als eine 
homiletische Hyperbel und Uebertreibung zu betrachten. 
Aber der Staatsmann und Historiker Peter Ochs betitelt 
die XVn. Periode seiner Geschichte Basels, von 1649 
bis 1691, geradezu als die Zeit der „ Aemter-Sucht*. 
Und wir werden nachher sehen, wie wahr und eigent- 
lich prophetisch Werenfels geredet hat, wenn er am 
Schluss seiner Pest-Predigten gerade mit Bezug auf jene 
Aemterjägerei das Wort betonte : „Sündige hinfort nicht 
mehr, auf dass dir nicht etwas Aergers wider- 
fahre!* Mit dem Jahr 1691 kam dann wirklich, was 
arger war, als die Pest — die Revolution. 

Aber die Geistlichkeit hatte ihre Pflicht gethan und 
hatte nicht geschwiegen zu all dem Unfug oben und 
unten im Volk. Schon a. 1667 (VI. I.) hatte, bei Ein- 
führung des neuen Rathes, eine Abordnung derselben, 
Oberstpfarrer Lukas Gernler, Pfarrer Bonaventura von 
Brunn zu St. Peter und Pfarrer Theod. Richardt zu St. 
Leonhard, persönlich der neuen Regierung Glückwünsche 
aul's Rathhaus gebracht, zugleich aber ein ausführliches 
Memoriale von acht Folioseiten eingereicht wider die 
herrschende „Dorophagia oder Gabenfresserey", mit Vor- 
schlägen zur Abhilfe. *) Obgleich kein Erfolg davon zu 
spüren war, hörten die Pfarrer nicht auf, zu rügen und 
zu mahnen. Auch Werenfels that sein Bestes. 

Am 20. Juni 1668, Sonntag vor Johannis Baptistee, 
„als nach vollendeter Predigt (im Münster), altem und 
loblichem Gebrauch nach, ein Ehren-Regiment der Statt 
theils ergäntzt, theils erneweret werden solte**, hielt 



>) Vgl. Ochß, VII. 95. ff. 



24 

Werenfels über 1. Mos. 41, 38. eine Predigt, welche 
„auff Begehren Hoch- und Ansehnlicher Herren eines 
Ehren-Regiments in Truck gegeben** wurdeJ) Sie ist 
in der That so Torzüglich und charakteristisch, dass wir 
sie hier skizziren. 

Nachdem der Prediger einleitend daran erinnert 
hat, wie schon im A. T. den Begenten „das Buch des 
Gesetzes* vorgehalten werde als ihre „instruction eines 
Regenten* und als „Brunnquell einer guten Politic*, 
schickt er sich an, bei diesem Anlasse ebenfalls aus jenem 
jjGesetzbuch* zu schöpfen, und zwar aus dem Worte (1. 
Mos. 41, 38.): „Pharao sprach zu seinen Knechten: wie 
könnten wir einen solchen Mann finden, in dem der 
Geist Gottes seye?* — zu zeigen: 

I. Dass die Bestellung des Regiments und allerhand 
Ehren und Aempteren in demselben der b e r- 
heit zustehe; 
II. dass man diss orts bedächtlich und gewissenhaft 
handien, und 

lU. auff solche Leut sehen solle, in denen der Geist 
Gottes seye. 

Das wird nun folgendermassen an Hand des Textes 
durchgeführt : 

I. Joseph hat seinen Rath gegeben, aber weder 
sich selbst, noch sonst Jemand zu dem Amt vorgeschla- 
gen. Er hält dafür, das stehe der Obrigkeit zu. Yon 
Pharao, von der Obrigkeit, ist dann Joseph zum Fürsten 
über Egypten gemacht worden. 

So sollen die Zünfte selbst ihre Häupter und Vor* 
Steher erwählen. Ihnen soll man diese Sache überlas- 
sen. — Aber „wir haben Leut under uns, auch von privat- 

L. Pr. XU. 20. No 14. Chrißtl. Predigt von Bestel- 
lung des Regiments, u. s. w. 



25 

personen, welche ihnen die Aempter-bestellung sehr viel 
zu schaffen geben lassen und, wo sie gehen und stehen, 
dayon reden, auch durch würckliche Practicken sich 
understehen einen zu hinderen, den anderen zu befür- 
deren. Das heisst der Oberkeit, ja Gott selbsten in das 
Ampt greiffen. Es ist diss ein hochsträfflicher Fürwitz. 
Warte ein jeder seines Beruffs, seiner Handthierung 
oder Hausshaltung ; wird genug darinn zu thun finden ! — 

So sind billich auch diejenigen zu straffen, welche 
allzusehr, und etwan durch unzimliche Mittel nach Ehren 
und Aempteren streben. Joseph hat sich beim Pharao 
nicht einmal anmelden wollen. Joseph, o demütiger 
und bescheidener ! o frommer, o redlicher und gläubiger 
Joseph! Wollte Gott, dass wir viel deines gleichen 
hetten! — Aber ach, wie viel sind deren, die da einen 
gantz anderen sinn haben! die kurtz und rund auch in 
dem Regiment seyn wollen, auch so gar nicht warten 
können, biss dass sie durch ein ordentliche* und uner- 
practicirte Wahl dahin gelangen; dass sie durch lauffen, 
rennen, flattieren, spendieren und andere dergleichen 
übele Mittel sich suchen herfurzubringen und in das 
Regiment einzudringen. Dieser Ruhm ist gar nicht fein, 
liebe Brüder 

Zu beklagen ist es freilich, wenn man auf andere 
Weise nicht mehr in's Regiment kommen kann. Under- 
dessen ist es tausendmal besser, es bleibe einer wie er 
ist, als dass er durch dergleichen faule Künste und 
schlechte Mittel weiss nicht wie hoch komme . . . Denn 
die rechte Ehr bestehet nicht darinnen, wann man für 
einem, den man in dem Gemüt gering schätzet, wegen 
eines erkaufften und ihm nicht gebührenden hohen Ampts 
den Hut abziehen, ihme die rechte Hand, den Obersitz 
lassen, auch andere dergleichen äusserliche Ehr anthun 
muss ; sonder darinnen, wann ehrliche rechtgesinnte Leut 



26 

von einem Menschen eine gute opinion und meinung 
haben, ihn seiner Tugend und qualitäten halben hoch 
halten; wiewol auch dieses letztere, gleichwie alles andere 
zeitliche, nach dem Urtheil des weisen Königs ein 
Eitelkeit ist. 

Wenn aber doch Einer Gaben zum Regieren hätte, 
soll er nicht trachten, dahin zu gelangen? — Antwort: 
Woher weistu es, dass du ein so begabter und qualifi- 
cirter Mann seyestP — Vielleicht ist diss dein selbst- 
eigenes Urtheil ; du bist partheyisch und kannst von dir 
Selbsten nicht wol urtheilen! (vgl. Jothams Fabel.) — 
Aber gesetzt, du seyest der Mann, wie du dir einbildest, 
von wem hastu deine Gaben? Zweifelsohne von Gott. 
Hastu sie von Gott, so kann es je nicht anders seyn, 
Gott muss es wissen, was hinder dir stecke. Will er 
sich nun dieser deiner Gaben in einem oder dem andern 
Stand oder Ampt gebrauchen, so wird er dir ohne dein 
ungestümes anklopifen die Thür darzu eröffnen; spricht 
er dann: „ich hab nicht lust zu dir", so seye auch zu- 
frieden! Der Herr meinet es ohne Zweifel gut mit dir. 
Hoher Stand ist nicht für einen jeglichen. Saul ist hoch 
kommen und auff den königlichen Thron erhoben worden; 
es were ihm aber tausendmal besser gewesen, wann er 
bcy seines Vatters Eseln geblieben wäre. — So ist auch 
kein Stand so nidrig, da man nicht gelegenheit habe, 
mit dem anvertrauten Talent zu handthieren und sich 
wol zu halten. Und wann einer sich in dem allemidrig- 
sten Stand wol haltet, wird sein Lob und Ehr so gross 
seyn bey Gott, als wann er weiss nicht wer gewesen 
were. Wann ein Bettler in einer Comoedi sein Person 
wol vertrittet, so hat er nach vollendeter Comoedi so 
gross lob davon, als wann er König gewesen were. Diss 
unser Leben ist ein Comoedi . . . 

Mit Sirach 3, 18. 21 und 7, 4—6 werden Diejenigen 



27 

abgewiesen, welche vorgeben, sie suchten mit ihrem 
Streben nach Amt und Würde die gemeine Wohlfahrt 
zu mehren. „Es seind auch diss bey einem manchen 
mehr reden, dadurch er sich recommendiren oder ihme 
Gunst bey den Leuten machen will, als dass er in seinem 
Hertzen warhafftig entschlossen, mehr die gemeine Wol- 
fahrt als seinen eigenen Nutzen in einem oder dem an- 
deren Stand zu suchen, . . . eben wie bey Absalom . . . ^ 
Der rechte und unsündliche Weg nach Ehren und 
Aempteren ist, dass einer Gott den Herrn ehre, unsträflF- 
lich lebe, sich ehrlich und redlich verhalte; dass er die 
von Gott anvertrawte Gaben in ihme selbsten nicht ab- 
gehen lasse, sondern erwecke, nicht under einen Sester 
verberge, sonder zeige und sehen lasse, wo er .immer 
gelegenheit hat, doch ohne alles eitele prangen und 
grosssprechen ; dass er fürbass in dem geringeren getrew 
seye, damit man ursach habe, ihn über ein mehreres zu 
setzen . . . Plautus sagt sehr wohl: 

Yirtute ambire oportet, non favitoribus. 

Sat habet favitorum, semper qui recte facit. 

U. In Bestellung des Regiments soll man bedächt- 
lich und gewissenhafft handien. Pharao beräth mit seinen 
Ministern: »Wie könnten wir" u. s. w. — ^ Die Regenten 
müssen auff alle Stand ein wachend Aug haben. So ist 
dann viel daran gelegen, dass das Regiment recht be- 
stellet werde. — Regis ad exemplum totus componitur 
orbis: wie der Rath ist, so seind auch die Burger. Wo 
in einem Regiment Leut sind, die da ihnen kein Ge- 
wissen machen, falsch zu schweeren, wann sie schon 
sprechen „bey dem lebendigen Gott*', Leut, die dem 
Trunck, der Unzucht ergeben sind, geitzen oder üble 
Haushalter sind, so soll man sich nicht wunder nemmen 
lassen, wann diese oder dergleichen Sünden in vollem 
Schwang gehen. Darum hat man wol fürzusehen, was 



man für Leut in ein Ehren-Regiment nemme. Diejenigen, 
welchen die Bestellung und Wahl zusteht, haben wol 
Ursach, bedächtlich zu gehen. Da sie dann alleryorderst 
und fümebmlich zu rath gehen sollen mit Gott dem 
Herrn und ihrem Gewissen, welches gleichsam Gottes 
Statthalter ist in ihrem Hertzen. Das Gewissen wird sie 
weisen auflf den Eyd, auf den theuren Eyd, welcher bey 
Bestellung des Ehren -Regiments nach Verrichtung des 
Gebätts mit auffgehobener Hand und gelehrten Worten 
zu dem wahren lebendigen dreyeinigen Gott, der da ein 
gerechter Gott ist'und ein Hertzerkundiger, geschworen 
wird; bey welchem Eyd ein jeder, der da schweeret, 
gelobet und verspricht, er wolle in diesem wichtigen 
Geschafft nicht handien nach Affecten, auch nicht durch 
Miet-, noch Miet-Wohn, das ist, er wolle keinem die 
Stimm geben darumb, dass er etwas von ihm oder seinet- 
wegen empfangen, etwas von ihm oder seinetwegen zu 
empfangen gedencke oder verhoffe. 

Dieser Eyd ist an diesem Ort schon, weiss nicht 
wie oft, angezogen, erkläret und geschärffet worden. 
Die gantze Sach gehet dahin: Diejenigen, welche zu 
der Bestellung des Regiments und allerhand Ehrenämp- 
teren zu reden haben, wann sie was nemmen von irgend 
einem derjenigen, welche dahin aspiriren oder trachten, 
so sündigen sie schwerlich wider das Gewissen und be- 
gehen einen grewlichen Meineyd, . . . auch wenn die 
Gabe ein „unverbindliches Geschenck*^ heisst, auch wenn 
sie aus zweiter oder dritter Hand kommt, lange vorher 
oder nachher gegeben wird, auch wenn der Spender 
„der Ehren wohl werth" . . . Wie die Wag auff der Sei- 
ten gegen der Erden sich neiget, da man mehr auffge- 
legt, also wird auch ein solcher auff Den nothwendig 
incliniren und sein absehen haben, der ihme gewaltig 
eingelegt und gegeben. — Alle Entschuldigungen sind 



hier ^Feigenblätter'^. Dieses Meineyds machen sich theil- 
hafftig diejenigen, die da geben, oder geben lassen. 
Wann ein Jungfraw geschändet wird, so sündiget nicht 
nur die Jungfraw, so sich schänden lässt, sonder auch 
derjenige, Ton dem sie geschändet wird. Also haltet 
sich auch die Sach allhier. 

Aber auch wir Prediger machen uns theilhafftig 
dieses Meineyds, wann wir denselben nicht straffen, 
nicht ernstlich und ohne ansehen der Person straffen. 
Ebenso Regenten, welche dergleichen nicht yerhindem. 
— Gemeine Burger und privat-personen können ein meh- 
reres nicht thun, als dass sie über diesen und andere 
Grewel der Statt seufzen und Gott bitten, er wolle uns 
gnädig seyn. — Nun gehe ein jeder in sich selbsten und 
prüffe sich! — Gegenwärtiger Druck, Pest und Pass- 
sperre, sind Gottes Strafen. Also mochte der Herr auch 
zu uns sagen: „Basel, es ist ein Bann under dir; thu 
den Bann von dir, wann du bey mir und den Menschen 
wilt Gnade finden I^ 

IIL Es ist demnach, bei Bestellung der Aemter, 
geboten, „dass m^n auf Leut sehen solle, in denen der 
Geist Gottes seye. ^ . . . Die Politici haben hier auch 
ihre Regeln. Sie sagen, man solle auff Leut sehen, die 
nicht aussländisch , von gutem Geschlecht, zimlichem 
Alter, ehrlichen Mittlen seyen. Diese politische Regel 
ist nicht allerdings auss der Acht zu lassen, wiewohl 
sie auch ihre exceptiones hat: Joseph war ein Fremd- 
ling in Egypten, ein junger Mann, Ton schlechtem Her- 
kommen und Mittlen, und ist dennoch dem Regiment 
wol und loblich vorgestanden. 

Die allerbeste Regul ist die unseres Textes: Leute, 
die den heil. Geist Gottes haben! das ist — der Geist 
der Erkandtnuss und Forcht Gottes, ohne welche alle 
anderen qualitäten nichts sind, als impietas armata; — 



30 

der Geist der Weisheit und des Rathes, urtheilsfahig, 
selbständig und doch nicht eigensinnig ; . . . der Geist 
der DapflFerkeit, ein gewisser Geist, . . . der Gerechtig- 
keit, ein sanffter und milder Geist, der wahrhafft „gnä- 
dige* Herren macht gegenüber den Armen ; ein keuscher 
und reiner Geist; ein Geist der Wahrheit. AuflF solche 
Leut soll man sehen bei Bestellung eines Ehren-Regi- 
ments. Es muss nicht heissen: wo finden wir Leut, die 
uns verwandt oder bekannt sind? Leut, die uns guts 
gethan, und denen wir yerbundenP Leut, die inskünfF- 
tig unser partey halten P — sondern Leut, in denen Got- 
tes Geist seye! 

Nun wohl, der Mund des Herrn hat uns treulich 
gerathen. — So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr 
es thut. Amen ! und alles Volk Sprech : Amen ! Amen ! ^ 

Es bedeutete eine Beförderung für Werenfels, als 
derselbe am 17. Januar 1671 zum Pfarrer bei St. 
Leonhard gewählt wurde, welche Stelle er nur vier 
Jahre lang bekleidete. Offenbar schätzte man nicht nur 
seine Predigtgabe, sondern auch seine seelsorgerliche 
Tüchtigkeit und seinen praktischen Siun. Aus der De- 
dication seiner Pestpredigten erhellte wohl bereits das 
besondere Interesse, das er an der Versorgung und Er- 
ziehung der Waisenkinder nahm ; und so wurde er denn 
im Jahre 1674 Lispector des seither reorganisirten und 
in das alte Karthäuserkloster a. 1669 verlegten Waisen- 
hauses. 

Am 6. December 1674 erschreckte ein Erdbeben, 
heftiger als das von 1650, die Stadt, an einem Sonntag- 
morgen während des Frühgottesdienstes. Alles Volk floh 
in Hauten aus den Kirchen, von denen die beiden höchst- 
gelegenen, das Münster und St. Leonhard, am stärksten 
erschüttert wurden. Hier stieg Werenfels im ersten 
Schrecken von der Kanzel herunter, dann aber sofort 



31 

wieder hinauf, seine Predigt zu beendigen. Im Münster 
dagegen flüchtete eine Jungfrau Valeria Battier in ihrer 
Seelenangst auf die Kanzel zum Obersipfarrer Gemler, 
der ruhig dort verharrte und aus dem Stegreif in seiner 
Predigt auf das Erdbeben übergieng. Bald darauf aber, 
am 9. Februar 1675, starb er, noch nicht fünfzigjährig. 
Mit unverkennbarem Sarkasmus bemerkt Ochs dabei, 
das Erdbeben sei von Vielen als ein Vorbote seines 
Todes aufgefasst worden.*) Nach Anderen wäre dem 
Erdbeben ein epidemisches Fieber gefolgt, welchem auch 
Antistes Gemler erlag.*) 

Der nun bevorstehenden Antisteswahl gieng am 
8. Mai 1675 ein Rathsbeschluss voraus über den zu be- 
obachtenden Wahlmodus. Ein Rathschlag der XIII. 
hatte darauf hingewiesen, dass noch im vorangehenden 
Jahrhundert der Hauptpfarrer am Münster durch die 
dortige Kirchgemeinde gewählt wurde „ ex jure patro- 
natus**; der Antistes und Oberstpfarrer aber, welcher 
„nicht allein den übrigen Ministris der Stadt vorgehet 
und in den Zusammenkünften präsidirt, sondern auch 
auf der Landschaft den perpetuum Decanatum exercirt", 
von der Obrigkeit „ex jure episcopatus** ernannt wurde. 
Die drei letzten Antistites, Joh. WoUeb, Theod. Zwinger 
und Luk. Gemler, waren bloss von der Münstergemeinde 
gewählt und „aus lauter und purer connivenz** dann 
zugleich als Antistites acceptirt worden. Jetzt sollte dem 
Staat sein Jus episcopale" wieder ausdrücklich gewahrt 
werden in der Weise, dass zunächst die Münstergemeinde 
ihren Pfarrer wähle; die Herren Deputaten sodann von 



») Vgl. OchB a. a. 0. 359 f. 

•) Acta EcoL pag. 647. Nach Gernlers Tod versahen die 
Predigt im Münster die Übrigen Pastoren, dem Range nach, die 
von St. Peter, St. Leonhard, St. Theodor. 



32 

der geschehenen Wahl den beiden Käthen Mittheilung 
machen; und es nun bei diesen „Gnädigen Herren und 
Oberen* stehen solle, „entweder den erwählten Pfarrer 
im Münster, oder Jemand anders aus dem Ministerio zu 
einem Antistiti und Archidecano aufm Lande zu er- 
wählen, oder aber anders zu verfahren, je nachdem es 
Ihre Gn. gefallen, und sich solches dem Stand, wie 
auch der Kirche, am nützlichsten zu seyn befinden 
möchte.*' — Das wurde beschlossen, und demgemäss 
Dienstag 11. Mai 1675 nach der Predigt von den Wählern 
der Münstergemeinde (Amtspersonen und Kircbgenossen) 
im Capitelhaus (dem späteren „Doctor-Saal*' oder „Bet- 
saal* beim Chor des Münsters) M. Peter Werenfels „mit 
einhelliger Stimme zu einem Pfarrherm im Münster er- 
wählt*; am folgenden Tage bestätigte die Obrigkeit 
diese Wahl und übertrug dem Gewählten auch „das 
Antistitium und Archidecanatum, samt allem, so solchem 
Antistitio anhangt.* ^) Unmittelbar nach der Wahl über- 
brachte der Stadtschreiber dem Gewählten die Mitthei- 
lung hievon, sammt der Gratulation des Eathes in sein 
Pfarrhaus, und Werenfels stattete noch desselbigen Tages 
jedem der Herren Häupter in deren Privatwohnung 
seinen persönlichen Dankbesuch ab.*) 

Am 21. Mai wurde er von der Begenz und den 
Herren Scholarchen zum „Prof. Loc. Communium et Con- 
troversiarum* ernannt, am 22. Mai als solcher vom Magi- 
strat bestätigt. Am 25. Mai hielt er seine Abschiedspredigt 
zu St. Leonhard über Ephes. 3, 14 ff., und am folgenden 



») Vgl. Ochs a.a.O. pag. 327—330. — Bei Ulli us T. II, 
pag. 631 ff. bemerkt Werenfels selber ad an. 1675 (11. Maii): elec- 
tus sam in Pasto^em Summi Templi a coetu et seq. die in Antis- 
titem a senatu. Dens adsiti 

•) Vgl. Acta Eccles. Tom. IV. (1656-1710.) 



33 

Sonntag Trinitatis, dem 30. Mai, seine Antrittspredigt im 
Münster über Col. 4, 3. — Seinem eigenhändigen Bericht 
hierüber in den Act. Eccl. (Protokoll des Eirchenrathes 
und des Statischen Kapitels) fügt er das innige und 
demüthige Gebet bei : ^ Ach, Herr, wer bin ich, was mein 
Leben, was meine väterliche Familie, dass ich des ober- 
sten Hirtenamtes in der Kirche und eines so wichtigen 
Lehramtes an der Hochschule gewürdigt werde? Ich 
bin solcher Ehre nicht werth, der Last nicht gewachsen ; 
und wer ist dazu tauglich P Du, der du allein es kannst, 
gewähre mir die nöthigen Gaben; in meiner Schwach- 
heit lass deine Kraft mächtig werden, und auf meine 
künftige Arbeit giess' aus Deinen Segen! Amen.^ <) 

Die Wahl des neuen Antistes wurde sofort den 
schweizerischen Schwesterkirchen angezeigt,^) wie denn 
überhaupt ein reger schriftlicher Verkehr zwischen den- 
selben stattfand und gegenseitige Theilnahme in Freud 
und Leid.*) 

Bevor Lukas Gernler s. Z. zum Antistes gewählt 
wurde (1655, XII, 11), war in den Behörden, und zwar 
damals nicht zum ersten Male, darüber berathen worden, 
ob es sich nicht empfehle, dem Antistes die ihm von 
Amtswegen zufallende theologische Professur an der 
Hochschule wieder abzunehmen und die beiden, bisher 
auf ihn vereinigten Aemter zu trennen. Als Grund hie- 



^) Ibid., Ygl. Zwinger's Oratio Parentalis pag. 28. 

O Domine, quia sum ego, qusB vita mea, qu» familia mea 
patria, ut primario in Ecclesia Pastoratu, et Professione tarn emi- 
nenti in Academia defungar? Indignus sum honore isto, impar 
oneri ; et qnig ad heec idoneas ? Tu, qui solus potes, dona concede 
necessaria, in infirmitate mea exere robur tuum, et laboribus secu- 
turis tnam affunde benedictionem ! Amen. ^ 

>) Acta Eccles. ad 1675. 

•) Ygl. Acta Eccles. ad 1677, pag. 581, ad 1688, pag. 651. 

BdtrlgeXV. 3 



34 

für wurde genannt die Ueberlastung eines Mannes durch 
solche Doppelbeamtung: „Der Pfarrer im Münster werde 
gleichsam vor der Zeit abgemattet und ausgemergelt* *) 
In Rücksicht aber auf die Besoldung des Antistes, welche 
dadurch reducirt worden wäre, und mit Vorbehalt künf- 
tiger Abänderungen, liess man es beim bisherigen Zu- 
stand bewenden. Immerhin sollte der Oberstpfarrer als 
Professor mit allen regentialen und andern Nebengeschäf- 
ten yerschont bleiben und nur Das yersehen, „was vom 
Pfarrdienste und von der Professur inseparabiliter und 
ohne Mittel abhänge*', und — bei allfalligen Conflikten 
zwischen Rath und Universität sich aller Einmischung 
enthalten. Diese letztere Bemerkung weist wohl auf den 
wirklichen Grund jenes Antrages der Aemtertrennung 
hin: er lag eher in der Besorgniss, der streitbare hie- 
rarchische Charakter des Oberstpfarrers könnte dem Rath 
Widerwärtigkeiten, als in der Sorge, das Doppelamt 
könnte dem neuen Antistes „Abmergelung* zuziehen. 

Jetzt, als es sich um die Wahl des Werenfels han- 
delte, wurden jene Bedenken nicht mehr laut. Seine 
akademische Beamtung galt als selbstverständlich, und 
auch von regentialen Geschäften u. dgl. fürchtete man 
offenbar keine Ueberlastung des Mannes; denn zu drei 
Malen ward er während seiner akademischen Thätigkeit 
Rector magnificus (1677, 1685 und 1697); elf Male Dekan 
der theologischen Fakultät, zweimal hatte er (1685 und 
1699) als Promotor drei Doctores theol. zu creiren. 

Die theologische Fakultät hatte seit 1647 drei Lehr- 
stühle, welche zugleich drei Rangstufen theologischer 
Würde repräsentirten. Seine Docentenlaufbahn musste 
jedes neue Mitglied der Fakultät beginnen als Professor 



') Siehe Ochs a. a. 0. pag. 327. 



35 

Locorum Communium et Controyersiarum theologicarum 
(Dogmatik und Polemik); dann wurde Einer, bei näch- 
ster Gelegenheit einer Sedisvakanz, Professor Yeteris 
Testamenti, und schliesslich Prof. Novi Testament!. 
Antistes Gernler hatte es nie bis zur letzteren Würde 
bringen können, weil Joh. Budolf Wettstein dieselbe von 
1655 bis 1684 bekleidete; sondern starb noch als Prof. 
Yet. Test. Nun rückte als solcher der dritte Professor, 
Joh. Zwinger, nach; und Werenfels wurde an dessen 
Statt Prof. Controv. et Loc. Comm. Um das werden und 
dociren zu können, musste er sich die Zuwendung des 
theol. Doctortitels am 5. October 1675 (durch Joh. Bud. 
Wettstein) gefallen lassen, und am 27. October öffent- 
lich sein Amt antreten,^) mit einer Inauguralrede „über 
die yerschiedenen Kunstgriffe, deren die römische Kirche 
sich bedient, um die Akatholischen zu ihrem Glauben 
hinüber zu ziehen.^ ^) 

Obgleich die Panegyrici seiner Kollegen der theolo- 
gischen Arbeit unseres Werenfels im gewohnten Stil jener 
Zeit nachsagen, „dass die gantze Universität unsterblichen 
Ruhm davon erlanget*,*) wird Hagenbach Recht behal- 
ten mit seinem Urtheil: „Werenfels war nicht gerade 
als Gelehrter, wohl aber als Prediger ausgezeichnet. * ^) 
Wir nehmen darum hier vorweg, was über seine wissen- 



^) Sibi DoctoriB theol. titalum imponi pasBUS est. A. R. 1. 54. 
Tgl. Hagb. a. a. 0. p. 84. 

•) A. R. I. 89. 

') De yariis modis et methodis doctorum pontificiorum, ut 
aiunt, oonTertendi Acatholicos, seu verius, rariis technis et fie&odst- 
tct^ perrertendi et ad Romanam communionem retrahendi vere 
Catholicos. A. R. I. 54. Hagb. a. a. 0. 84. 

*) Vgl. L. Pr. a. a. O. und Zwinger a. a. 0. pag. 24. ff. 

*) Hagenb. a. a. 0. pag. 34. 



36 

schaftliche Thätigkeit und seine Docentenleistungen zu 
sagen ist.') 

Er lebte lange genug, um successive auf allen drei 
Lehrstuhlen der theol. Fakultät eine Reihe von Jahren 
thätig sein zu können: als Prof. Contr. et Loc. Comm. 
von 1675 (V. 21.) bis 1685; 2) als Prof. Vet. T. von 
1685 (VII.' 10.) bis 1696; und als Prof. N. T. von 1696 
(IX. 5. oder X. 14) bis 1703. Dogmatik lehrte er an 
Hand des rühmlichst bekannten ,,Compendii Wollebiani.*' 
In seinen alttestamentlichen Vorlesungen beendigte er 
Gernlers' begonnene Auslegung der Psalmen Davids, und 
bearbeitete den Propheten Daniel so, dass seine Zeit- 
genossen auf den Druck dieses „opus dignissimum* 
hoflFten. Hinsichtlich des N. T. werden insbesondere 
seine Vorlesungen über die Apostelgeschichte erwähnt. 
Ohne Zweifel war sein Docenten - Repertoire mit den 
genannten CoUegia nicht erschöpft, da er auch in seinen 
Predigten die wichtigeren Bücher des A. und des N. T. 
in Serie zu besprechen liebte, und seine „Disputatio- 
nes Theologicae**^) eine Fülle mannigfaltigster The- 
mata behandeln, welche gröstentheils in den wöchent- 
lichen Disputationen mit den Studierenden besprochen 



^) Vgl. hierüber insbesondere Zwinger a. a. O. 

•) Bei UlliuB a. a. 0. T. IL bemerkt W. ad a. 1685 (VII. 
10) : Facultas theologica ex obitu Doctoris Wetstenii fissuram passa 

redintegrata est, me Petro Werenfelsio ad Profess. Yet. Test. 

in locum D. Zwingen, DD. Job. Kod. Wetstenio rov fjtaxa^ixov filii 
ad Prof. Loc. Comm. et Controv. theol. in looum mei Yocato. Spiri- 
tus Calvini hoc die nati descendat in nos! 

') Sie sind gedruckt und gesammelt in einem stattlichen Q. 
Bande: D isputationes Theologicae Petri Werenfelsii, An- 
tistitis. Fasciculus IX. 1676—1702. — (Biblioth.-Signatur ; KA. H. 
IlL 10.) 



37 

wurden. Von den mindestens 32 Themata nennt 
Zwinger a. a. 0. kaum den Drittheil. Einige derselben 
wurden in einmaliger Disputation ef ledigt; andere da- 
gegen abschnittweise mit je einem Studenten in längerer 
Reihe von solchen Redeturnieren behandelt, welche sich 
durch mehrere, sogar sieben, und neun, Jahre hinzogen. 
So wurde z. B. eine „Vergleichung des ersten und des 
zweiten Adam'', „Primi et secundi Adami coUa- 
tio*', in nicht weniger als zwölf Disputationen abgewan- 
delt! — Dasselbe christologische Gebiet streifen The- 
mata, wie die folgenden: De morte et sanguine 
Christi; De partu Yirginis, filioque ejus, hoc partu 
prognato Immanuele; De Christo Servatore, dua- 
bus in eo naturis, harumque unione, ut et officio Media- 
toris in genere; Meditatio theologica inauguralis 
Passionum animae Christi (zur theol. Doctor- 
promotion Yon J. J. Hofmann) ; De Baptismo Christi 
(ad Matth. 3, 13-17). 

Selbstverständlich wurden die einzelnen Artikel der 
Conf. Helvetica oft und gründlich erörtert, und dabei 
der specifisch reformirte Standpunkt energisch verfochten, 
gegenüber der katholischen Kirche, wie gegenüber der 
lutherischen und allen erdenklichen Sekten und Deno- 
minationen: De Traditionibus Ecclesiae Ro- 
manae; De Arte seu methodo nova cum Protestanti- 
bus disputandi, a Theologis Pontificiis quibusdam in- 
venta; Contra Calumniam Calvine a Bellarmino et Pon- 
tificiis impactam, quasi Deum authorem peccati faceret, 
etc. De Peccato; De natura et ordine actuum decreto- 
rum circa hominum salutem et interitum; De bonis ope- 



') Vgl. Zwinger, a.a.O. pag. 25. Praeter Diaputationes 
ordinarias hebdomadarias extraordinarias et Bolemnes quamplurimas 
babuit de yariis argumentis 



38 

ribus; In votorum naturam (De votis); Examen adora- 
tionis hostifiß; Collatio antithetica Mysterii Pietatis et 
Mysterii Iniquitatis* 

Auf das alttestamentliche Gebiet fahrten Themat^a, 
wie: De yelamine Judaeorum cordibus impendente; 
De Veteris Testamenti Fidelibus; etc. — De Sabba- 
thi Moralitate; De Pontifice Maxime Yeteris Tes- 
tamenti typo Jesu Christi Pontificis nostri ; De Virgine 
puerpera, in Jesaj. 7, 14—16; De Foedere Gratisß, ejus 
mediatore et sigillis; Naaman Syrus, ab hypocrisi 
vindicatus; In locum illustrem Danielis XII, 
1 — 3; De yrrfiiorrfti seu integritate vocis "»IJO (Psl. 22, 
17), demonstratio, Judceos Textum Sacrum V. T. non 
corrupisse; De quarto imperio Danielis (Cap. 
2 und 7). 

Mehr allgemein - christliche apologetische Tendenz 
verrathen die Thesen: De notis Ecclesiae; De ju- 
dicio incipiente a Domo Dei; De Portis Inferni, eccle- 
sisd non praevalituris juxta Christi promissionem Matth. 
16, 18; Homini nihil magis cursd esse debere, quam Re- 
ligionem Christianam. 

Bisweilen nahm Werenfels bei Aufstellung seiner 
Themata Rücksicht auf die betreffenden Studenten in 
mehr oder weniger feinsinniger Weise. So musste z. B. 
ein Sebastian. Socinus (am 9. April 1695) disputiren über 
den Satz: Contra Socinianos demonstratur, seter- 
nos cruciatus impiis statim a morte imminere. Es ge- 
schah so, dass es dem Examinanden sechs Gratulations- 
gedichte eintrug, selbst von Samuel Werenfels, welche 
der Abhandlung beigedruckt wurden. 

Passender war wohl, dass zwei Waldensischen Stu- 
denten die Aufgabe zugetheilt wurde, De Walden- 
sibus zu disputiren; so am 12. März 1695 dem Paul. 
Renaudinus, Bobio-Pedemontanus Waldensis, welcher von 



39 

seiner Kirche nach der ,yglorieu8e rentr6e^ gen Basel ge- 
schickt worden war und hier in der französischen Kirche 
mehrmals gepredigt hatte, und welchem seine Leistung 
ebenfalls sieben Epigramme, darunter zwei des Sam. 
Werenfels, einbrachte ; — und am 13. und 15. März 1700 
dem Carol. Bastias, Pedemontanus Waldensis ex yalle 
D. Johannis. In diesen Dissertationen, welche Hagen- 
bach „wenigstens in litterarisch - historischer Beziehung 
der Beachtung werth" findet,«) werden der Name, der 
Ursprung (lange vor Waldus), die Lehre der Waldenser 
(aus Schriften des Reinerus) besprochen ; — in der zwei- 
ten die Keligionsverfolgungen überhaupt, nach ihrem 
proyidentiellen Zweck und Segen, nach ihrer abnehmen- 
den Vehemenz (P), und die der Waldenser insbesondere 
nach ihren „Specimina.* Bemerkenswerth ist hier wohl 
u. A., dass Werenfels das Wort „Kätzer** nicht will ab- 
geleitet wissen yon „Kathari^, sondern yon einem alten 
„Katzeren* = dividere; also „Kätzer** = Schismatici. 

Wie schon aus dem Wortlaut der Thesen erhellt, 
war die wissenschaftliche Methode des Werenfels durch- 
aus die der üblichen Scholastik mit ihren Affirmativen 
und Negativen und ihren kühnen logischen und dia- 
lektischen Deductionen.^) Besonders charakteristisch ist 
hiefur beispielsweise die „Vergleichung des ersten und 
des zweiten Adam* nach deren „similitudo* und ,)Oppo- 
sitio*: beide ohne Eltern, weise, gerecht, sterblich und 
unsterblich, u. s. w. ,uterque fuit maritus* (!), uterque per- 
sona publica; dagegen: ab Adamo mors, a Christo resur- 
rectio et vita eetema ; ab Adamo corruptio, a Christo reno- 
vatio naturffi, u. s. w. Dass das Sabbaths - Gebot nicht 



<) Hagenb. Die theol. Schule Baserg, pag. 36. 
') Ygl. Hagenbach, Gesch. d. Basler-Confession (1857) pag. 
168 ff. und ,,Die theol. Schule Basels'' pag. 82 ff. 



40 

bloss ceremoniale, sondern auch morale sei, wird daraus 
gefolgert, dass es von Anfang der Welt an allgemein 
giltig gewesen; und dass es schon zur Patriarchenzeit 
bekannt war, wird geschlossen aus den sieben Tagen 
zwischen Noahs erster und zweiter Aussendung der 
Taube. 

Werenfels stand ja natürlich mit seiner Denkweise 
YoUständig unter dem Einfluss des seit 1662 in der theo- 
logischen Schule Basels geltenden ,,Syllabus Contro- 
versiarum*',^) und hatte zur Einführung der„For- 
mula Consensus**^) persönlich mitgeholfen, im theo- 
logischen Convent sowohl, welcher a. 1671 Gemlers Ent- 
wurf derselben einstimmig gebilligt hatte, als auch nach 
Gemlers Tod in der Abordnung der Geistlichkeit,*) 
welche am 6. März 1675 die neugefertigte Formel mit 
einem sie empfehlenden Schreiben dem Rath überbrachte, 
der sie sofort annahm und zum „beständigen Gesetz*' 
erhob, mit der Erklärung, dass „Derjenige, so die darinn 
enthaltene Lehre nicht gutheissen, noch die unterschreiben 
wollte, zu einigem Kirchen- oder Schuldienst nicht tüchtig 
seyn solle." — Aber Werenfels, der damals noch nicht 
Antistes war, darf jedenfalls kaum als besonders eifriger 
Verfechter der Consensformel gedacht werden, welche 
die schärfste Dordr echterlehre von der Prädestination 
und die Inspirationslehre „quoad vocalia hebraica* ver- 
trat. Wenigstens war es Antistes Werenfels, der zur Be- 



^) Vgl. Hagenbach, Basler-Conf. pag. 168—170. Die theol. 
Schule BaseU, pag. 82 ff. Ochs a. a. O. pag. 76 ff. 

*) Vgl. Hagenbach, Basler-Conf. pag. 171 ff. Die theol. 
Schule Basels, pag. 30 ff. Ochs a. a. 0. pag. 124 ff. 

') Neben dem Prof. Joh. Zwinger, als Stellvertreter des f 
Gernler, erschienen als Pfarrer Yon St. Peter Bonaventura von 
Brunn, als Pfarrer von St. Leonhard Peter V^erenfels, .als Pfarrer 
von St. Theodor Matth. Merian. — Hagenbach a. a. O. 



41 

seitigung der Formel sich willig finden liess, als die 
Geistlichkeit von Bern') und Zürich sich dem noch ent- 
schieden widersetzte im Jahre 1686. Damals richtete 
der Churfurst von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, an 
die reformirten Kantone der Schweiz eine ernstliche Vor- 
stellung über das Zweck- und Zeit widrige jener Formel 
in einem Augenblick, da die Reformirten und die Lu- 
theraner mehr als je die Einheit suchen und bewahren 
sollten. Der Bath von Basel überwies am 20. März das 
churfürstliche Schreiben dem Ministerium und liess durch 
den Stadtschreiber den Antistes ersuchen, künftighin 
nicht mehr auf die Unterzeichnung einer Verpflichtung 
auf die Form. Cons. zu dringen. Antistes und Geistlich- 
keit kamen diesem Gesuche sofort bereitwilligst nach;*) 
und der Markgraf soll in einem vertraulichen Schreiben 
an die Häupter seine Freude und Theilnahme darüber 
bezeugt haben. Im Jahre 1723 wurde die somit längst 
ausser Gebrauch gekommene Formel dann endgiltig und 
ausdrücklich abgeschafft,^) hauptsächlich in Folge der 
Bemühimgen des Prof. Samuel Werenfels. Es wäre ja 
mögKch, dass Antistes Peter Werenfels erst in späteren 
Jahren durch den Einfluss dieses seines Sohnes zu grös- 
serer Milde umgestimmt wurde; aber es ist umgekehrt 
nicht minder wahrscheinlich, dass die bekannte Milde 
des Sohnes z. Th. bereits ein väterliches Erbstück ge- 
wesen. Wenigstens hören wir den späteren Antistes 
schon in den Predigten seiner ftühesten Zeit, so oft 



*) Nach Acta Eccles. ad 1681,1. 14, pag. 607 hatten die 
Bemer in Basel sehr zu gemeinsamem Eifer pro orthodoxia und 
gegen den Cartesianismus aufgefordert. 

«) Ochs a. a. 0. pag. 162 ff. Vgl. Acta Eccles. ad 1686, 
pag. 686. Hagenbach, Basler-Conf. pag. 1 77 ff. 

^) Hagenbach, a. a. 0. pag. 177 ff. 



42 

er auf die Unterscheiduagslehren in der evangelischea 
Kirche zu sprechen kommt, stets reden ,,8uaviter in modo*, 
und ebenso in einer theologischen Disputation vom 14. 
November 1677: ,,De notis ecclesicB*, worin er die lu- 
therischen Irrthumer will behandelt wissen als ^^errores 
circa fundamentum^, welche die kirchliche Gemein- 
schaft nicht hindern sollten.') 

Doch, wir haben damit den Gang der biographischen 
Erzählung unterbrochen, und nehmen denselben nun 
wieder auf. Eine der ersten antistitial - akademischen 
Pflichten war für Werenfels, seinem Amtsvorgänger in 
feierlicher akademischer Versammlung den üblichen latei- 
nischen „Panegyricus* zu halten, am 31. August 1676.*) 



^) Disp. theol. N® IX. De notis ecclesiae, ist überhaupt 
charakteristisch ffir die theolog. und kirchliche Stellung des P. 
Werenfels. Als Kennzeichen einer ficht eyangelischen Kirche be- 
zeichnet er: pura yerbi prsedicatio, legitima Sacramentorum ad- 
ministratio, disciplinas ecclesiasticflB exercitiuni. Eine Kirche hört, 
auch bei Irrthflmern, nicht auf, eine solche zu sein, „dummodo 
fundamentum, quod est Christus, seu salus per Christum, et in 
articulis fidei summis, primis et preecipuis veritatem retineat . . . 
Nee EcclesiflB totae sunt ex uuo aut paucis eestimand», ne quidem 
pastoribus . . . Error non statim totius Ecclesias, quem pauci in ea 
tenent (1. Corr. 15, 12. Qal. 1,7). Sunt igitur Ecclesiee ex parte 
maxima »stimandsB.'^ — Irrthflmer der Lutheraner (de electione 
ex fide prsBvisa, de communione idiomatum diyinorura facta naturee 
Christi humanse, de ubiquitate corporis Christi et orali manduca- 
tione) sind errores circa fundamentum : dagegen die kathol. Lehre 
eines Bellarmin . . . errores fundamentales, seu fundamentum 
eyertentes. 

') Icon Theologi eximii historioa narratione yit«e et obitus 
Viri Venerandi et Clarissimi D. Lucae Gernleri, D. Ecclesie 
Basil. Antistitis yigilantissimi, et in Academia ibidem S. TheologisB 
Professoris celeberrimi, representatus k Petro Wer enfelsio, D. 
Successore. — Basileae, Typis Jacobi Werenfelsii, a. Chr. MDCLXXVI. 
— Uniy. Bibl. ND. XIL 4. 



43 

Eine Biographie Gemlers wird denselben nicht unberück- 
sichtigt lassen ; hier aber ist kaum ein näheres Eingehen 
auf diese Schrift am Platze. Nur eine Stelle daraus 
mag hier Erwähnung finden, weil sie für den gesunden, 
verständigen, praktischen Sinn des nunmehrigen Eirchen- 
leiters und Lehrers der akademischen Jugend Zeugniss 
giebt. Werenfels berichtet von Gemlers Studienreisen nach 
seiner Ordination, wie solche damals üblich waren, und 
giebt dann sein Urtheil ab über den Werth derartiger 
Reisen: man lerne dabei aus eigener Anschauung die 
Bräuche ausländischer Kirchen kennen, auch das katho- 
lische „mysterium iniquitatis^. Nur sollten unsere „Le- 
yiten^ dergleichen Reisen nicht unternehmen, bevor sie 
eine gewisse Reife und Selbständigkeit der eigenen 
Heilserkenntniss erlangt hätten, und sollten sich davor 
hüten, bei ihrem kurzen Aufenthalt in fremder Stadt 
ihre Aufmerksamkeit inehr den weltlichen Dingen zuzu- 
wenden, als den kirchlichen Zuständen.^) Auch hebt 
Werenfels an Gemler rühmend hervor, dass derselbe, 
nach seiner Heimkehr, nicht bloss predigte, sondern auch 
immer wieder im akademischen Hörsaal erschien und sich 
an der wissenschaftlichen theologischen Arbeit lebhaft 
betheiligte als „Auditor" oder „Actor", als „Opponens** 
oder „Respondens*', wovor jetzt Viele zurückschräken, 
die nur nach dem wohlfeilen Beifall der Menge und der 
Weiblein strebten und darum ausschliesslich und mög- 
lichst bald zu predigen suchten.®) 



*) A. a. 0. pag. 27. . . . antequam matuerint et fundamenta 
sapientiee salutari« probe jecerint 

*) Ibid. . . . Caveant , ne quocunque loco versentur, rebus 
seculi potitis quam Ecclesice intenti sint. 

*) Ibid. pag. 28. . . . qui, Bcamnorum Academicorum perteesi, 
non nisi in Buggestu conspici velint, et si una aut altera actio ita 
suocedat, ut plausum vulgi mereantur, aut aniculis lacrymis cicant, 
sibi plaudunt. 



44 

So milde gestimmt Werenfels gegenüber der luthe- 
rischen Ejrche war, ebenso scharf und entschieden trat 
er allezeit der römisch-katholischen Lehre und Kirche 
entgegen, in seinen akademischen Vorträgen und Dispu- 
tationen, wie in seinen Predigten. Die Zeit war auch 
danach. Trotz des Westphälischen Friedens, war der 
Besitzstand des Protestantismus keineswegs ein gesicher- 
ter; und gerade dem protestantischen Basel drohten nicht 
unbedeutende Gefahren; besonders seitdem Ludwig XIV. 
die französische Herrschaft immer weiter rheinwärts vor- 
schob, sich Burgunds und Lothringens bemächtigte, 
überall die Protestanten unterdrückend.') Schon 1670 
betrieb, dadurch ermuthigt, der Bischof von Basel, ent- 
gegen den Verträgen mit Bern, die Katholisirung des 
Münsterthals. Das Domkapitel, das in Freiburg V^- 
residirte, verlangte, durch Abgeordnete und zwei amtliche 
Schreiben, vom Basler Rath Vorweisung des Kirchen- 
schatzes im Münster, als seines rechtmässigen Eigen- 
thums. Und als der Rath am 5. März das Ansinnen 
abgelehnt, erneuerte das Domkapitel schon am 25. Mai 
nicht nur jenes erste Gesuch, sondern erhob Anspruch 
auf das Münster selbst, als seine Mutterkirche. Auch 
nun folgte auf die Antwort des Rathes am 13. August 
wieder eine „spitzige Widerlegung** durch den Bischof, 
in welcher dieser, ausser dem Kirchenschatz und dem 
Münster, noch mehrere Häuser und die Gefalle an Zehn- 
ten und Zinsen von der Burg-Quotidian und Domprob- 
stei- Verwaltung begehrte. Basel wandte sich an die 
evangelischen Stände, welche nun in Aarau tagten; ihr 
Schreiben liess der Bischof ind6ss unbeantwortet. Und 



') Vgl. Och 8. a. a. O. pag. 100 ff. 114 ff. 121 ff. 168 ff. 
Speciell über die Bemühungen von Bisohof und Domkapitel: ibid. 
p. 104 ff. 156 ff. 



45 

daraus schöpfte hinwiederum der Rath das Recht, seiner- 
seits ein Schreiben der katholischen Orte zu ignoriren, 
das ihm am 3. December zukam, die Ansprüche des 
Bischofs anerkennend und zu gütlichem Vergleich auf- 
fordernd. Am 27. Juli 1672 lag abermals eine Protesta- 
tion von Bischof und Domkapitel vor. Man verfertigte 
im Jahr 1674 eine Gegenprotestation und sandte sie im 
folgenden Jahre ab. Sie blieb ohne Antwort, und der 
Handel gerieth ins Stocken. Der Rath liess eine »Nar- 
ratio facti*' drucken. Aber die Furcht war nicht zu 
beseitigen, es möchte Frankreich den Bischof begünstigen 
und alle Einkünfte Basels im Elsass mit Arrest belegen, 
diese Einkünfte aus s. Z. sequestrirten Kirchengütem, 
woraus grossentheils die Besoldungen von Professoren 
und andern Staatsbeamten bestritten wurden. Darum 
suchte man, als die franzosischen Truppen und die kaiser- 
lichen von beiden Seiten sich dem Rheine näherten, und 
in Basel bald französische, bald kaiserliche Gesandten 
vorsprachen, bald eidgenössischer Zuzug im Quartier lag, 
ängstlich Alle» zu vermeiden, was die französische oder 
katholische Empfindlichkeit reizen konnte, — letzteres auch 
mit Rücksicht auf die etwa anwesenden und ohnehin un- 
willigen katholischen Eidgenossen. Der Rath liess den 
Geistlichen bedeuten, von der Kanzel herab die papi- 
stische Religion nicht zu schänden, und ersuchte auf den 
Bettag hin (19. November) den Antistes wiederholt, „es 
zu verschaffen, dfiws in den Predigten und Gebeten man 
die Papisten doch nicht allzusehr choquire, und sonst 
nicht zu viel particularisiere." *) Alle die grösseren und 
kleineren Verlegenheiten der Stadt und ihrer Häupter 



^) Act. Eccl. ad 1678. YII. 6. empfiehlt man in Liestal 
Vorsicht im Reden wider die Papisten aus Kücksicht auf d'i^ Eid- 
genossen an unseren Grenzen. 



46 

lassen sich, nach den fleissigen Berichten von Ochs (pag. 
100 ff.), leicht nachempfinden. In Etikettenfragen aber 
verstanden gelegentlich die gnädigen Herren keinen 
Spass. Als der französische Ambassador de St. Romain 
einen Herrn de la Loubere in Geschäften nach Basel 
schickte, liess ihn der Rath nicht nur durch ein Raths- 
glied aus dem Wirthshaus abholen, sondern liess ihn 
auch im Rathshaus zwischen dem neuen und dem alten 
Bürgermeister sitzen. La Loubere setzte aber, nachdem 
er niedergesessen, seinen Hut auf. Ueber solche Unge- 
zogenheit entrüstet, setzten nun die Räthe auch sogleich 
ihre Amtshüte auf. 

Mehrere Jahre dauerten diese Zustände fortwähren- 
der Unsicherheit und Spannung an, mit abwechselndem 
Vor- und Zurückwogen der Franzosen oder der Kaiser- 
lichen, mit Schlachten und Scharmützeln in nächster 
Nähe, mit mancherlei Yerletzungen von Basler-Gebiet 
und folgenden Reklamationen und Protesten, mit Zuzug 
und Rückzug der Eidgenossen, u. s. w. 

Am 14. November 1677 brachte Marschall de Crequi 
Freiburg i./B. für zwanzig Jahre in französische Gewalt. 
Nun siedelte das bischöfliche Domkapitel von dort nach 
Ariesheim über im November 1678 und errichtete hier 
eine Domkirche sammt den übrigen für die Domherren 
nothwendigen Gebäuden. Der Rath von Basel bewilligte 
Zollfreiheit für die hiezu erforderlichen Fuhren; und von 
den oben genannten Ansprüchen des Domkapitels war 
vorläufig nicht mehr die Rede.^) 

Als aber der Friede zu Nimwegen (5. Februar 1679) 
Frankreich den Besitz von Breisach, Freiburg und dem 
Elsass, mit Ausnahme von Strassburg, gesichert hatte. 



») Ochs, ft. a. 0. pag. 119 f. 
") Vgl. Ochs, a. a. O. pag. 140. 



47 

begannen far Basel neue Zeiten der Sorge, da Prank- 
reich sich anschickte, das benachbarte, bisher nur mit 
einer Schanze oder Bedoute versehene Hüningen zu 
einer eigentlichen Festung umzugestalten, nach höflicher 
Ablehnung aller Gegenvorstellungen Basels, das hiebe! 
von den Eidgenossen keine kräftige Unterstützung fand. 
Am 19. März 1680 wurde der erste Stein der Festung 
gelegt, der französische Minister de Louvois förderte den 
Bau durch seine persönliche Anwesenheit so sehr, dass 
derselbe schon am St. Ludwigsfest 1681 konnte einge- 
weiht werden, wenn schon der völlige Ausbau nach 
Vauban's Plänen erst 1692 abgeschlossen wurde. „Nicht 
umsonst, bemerkt Ochs, ') hiess die Festung Zwing-Basel", 
und er berichtet, — was jedenfalls für die damalige Auf- 
fassung der Lage bezeichnend ist, — auf einer Kanone 
im Zeughause der Festung hätten die Worte gestanden : 

Si tu te remues, 

B&le, je te tue. 

Basels Interessen wurden durch den Festungsbau 
noch in anderer Weise berührt. Da das alte Dorf 
Hüningen sollte abgebrochen, und ein Neudorf unterhalb 
der Festung sollte angelegt werden, verlangte a. 1686 
der französische Ambassador, dass der Rath von Basel, 
als Zehntenherr und CoUator von Hüningen, dort auf 
seine Kosten eine neue Kirche und ein neues Pfarrhaus 
baue. Der Rath weigerte sich dessen, weil die bisherigen 
kirchlichen Gebäude sich im besten Zustande befänden. 
Der französische König anerbot dann, an die Kosten der 
Bauten (2000 Rthlr.) die Hälfte zu bezahlen. Als Basel 
gleichwohl seine 1000 Thlr. nicht entrichtete, nachdem 
die Franzosen selber den Umbau besorgt hatten, beleg- 
ten diese a. 1688 Basels dortigen Zehnten mit Sequester, 



a. a. 0. pog. 148. 



gaben ihn jedoch schon im September wieder frei, und 
der König yerzichtete auf den Beitrag Basels an die Bau- 
kosten. 

Kaum war Hüningen befestigt, so traf am 21. 
November 1681 die unvermuthete Nachricht ein, dass 
General Monclar mitten im Frieden Strassburg eii^e- 
schlossen, berannt und zur Uebergabe genöthigt hätte, 
die Stadt katholisirt, das Münster dem Bischof übergeben, 
dessen Sitz seit 150 Jahren zu Molsheim gewesen war. ^) 
Die Bestürzung darob war in Basel so gross, dass der 
Rath die Wachen verdoppeln liess. Und doch mussten 
die Abgeordneten von Basel mit denen der übrigen 
Eidgenossen®) den französischen König am 9. December 
in Ensisheim feierlich begrüssen, und als er am 10*«"* 
Hüningen besuchte, mussten auf Basels Wällen sechzig 
(oder sechzehn?) Kanonen ihm zu Ehren dreimal salu- 
tiren! Die Geschenke, welche Basels Gesandte als Zei- 
chen der königlichen Gnade erhalten hatten, — Bürger- 
meister Krug 50 Louisd'or, Oberstzunftmeister Joh. Jak. 
Burckhardt eben so viel, Dreierherr Zäslin eben so viel, 
Stadtschreiber Härder 30 Louisd'or, — legten sie übungs- 
gemäss auf den Rathstisch; als ihnen aber dieselben 
ebenso übungsgemäss überlassen wurden, schickte Bür- 
germeister Krug seine 50 Duplonen in den Spital und 
Stadtschreiber Härder stellte seine 30 den armen Schülern 
auf Burg zu. Das war wohl der angemessenste Aus- 



Vgl, Ochs, a. a. O. pag. 160. f. 163. f. 

*) Vgl. Ochs, a.a.O. pag. 149. f. (Louvois' Bote auf der 
Rheinbrücke zu Basel, pag. 150. f.) 

*) Act. Eccl. ad 1681. X. 2. begrassen Werenfels und Von- 
Brunn im Kamen des Ministeriums die evangelischen Gesandten von 
Zfirich und Bern, Hirzel und von Erlach. — Zürich hatte VIII. 18 
angeregt, in Ensisheim sich beim König zu verwenden für die 
evangelische Kirche in Frankreich. — 



49 

druck des Widerwillens gegen die unauBweichliohe, aber 
von Ehremnännem tiefempfundene Demüthigung, welche 
ihre Gesandtschaftsreise an den yerhassten und gefärch- 
teten König für sie gewesen war. 

Die Besorgnisse vor politischer und religiöser Be- 
drückung mehrten sich nun in den folgenden Jahren 
bei wiederholten Versuchen der Franzosen, die kleine 
Bheininsel (Frauenwörth, später Eälber-Insel und end- 
lich Schuster-Insel genannt) zu besetzen und zu befe- 
stigen, bei nun sofort beginnenden Hetzereien der Jesui- 
ten im Bisthum, mit giftigsten Ausfallen in ihren Pre- 
digten gegen Lutheraner und Reformirte. Um so mehr 
wurde das eigene protestantische Bewusstsein wach. Am 
15. Juli 1682 verbot der Rath bei höchster Ungnade den 
Bürgern, fernerhin Aergerniss zu geben, wie es bis 
dahin wiederholt geschehen war, wenn sie zu den £xe- 
cutionen nach Hüningen hinunter liefen und da beim 
„Salve Regina** auf die Eniee fielen. •) Ja, noch a. 1689 
zog der Rath mehrere Personen zur Verantwortung, 
welche beim Geleite der Leiche eines katholischen 
markgräfischen Stallmeisters, die nach dem benachbarten 
katholischen Inzlingen sollte übergeführt werden, durch 
die Stadt Fackeln getragen hatten. Dem Doctor Bauhin 
wurde das höchste Missfallen ausgesprochen, „dass er 
diesen ungereimten und ärgerlichen Ceremonien beige- 
wohnt*; und die erkrankte Witwe des verstorbenen 
Stallmeisters, eines Barons Tertzii, sollte nach ihrer 
Wiedergenesung vor Pfarrer imd Bann geladen werden.^) 

Es war freilich inzwischen Vieles geschehen, was 
das katholische Wesen in Basel gründlich verhasst 
machen musste. Sowie die Protestantenverfolgungen in 



») Vgl. OchB, a. a. O. pag. 343. 
«) Vgl. OchB, a. a. 0. pag. 363. 

BeitiigeXV. 



50 

Frankreich zunahmen, stellten sich in Basel Bischof und 
Domkapitel auch richtig wieder ein mit ihren alten An- 
sprüchen, am 13. Mai 1685. Der Rathschreiber trug in 
das Protokoll ein: „Hr. Tadler, Secretarius des Dom- 
kapitels, sammt dem Stiftspfarrer apostolico und dem 
Amtsschreiber zu Birseck als Zeugen, die er zu solchem 
Ende mitgebracht, hat zwei Schreiben vom Bischof und 
vom Kapitel eingegeben, worin sie ihr voriges Lied an- 
stimmen und das Münster, den Eirchenschatz sammt den 
Höfen und Gefallen abfordern, und entweder eine schrift- 
liche Antwort, oder ein Recepisse begehren. Wurde 
erkannt: Sollen mit einem Recepisse abgefertiget werden." 
Nach Berathung mit den evangelischen Orten, ging am 
15. Juli eine Antwort ab. Bischof und Kapitel wieder- 
holten im December ihr Begehren. Der Raih versam- 
melte sich zwar am 17. December, gab aber, wie es 
scheint, keine Antwort. Der Bischof versuchte, den fran- 
zösischen Hof auf seine Seite zu bringen, und der Dom- 
decant befand sich wirklich in diesem Jahre in Paris. 
Allein der Rath wandte sich im Geheimen vertraulich an 
den französischen Gesandten, Herrn Tambonneaux, wel- 
cher sich im September in Hüningen befand, und dieser 
gab Hoffnung erweckende Antwort, indem er durch- 
blicken liess, sein König könne sich auf den Kanton 
fester verlassen, als auf das Bisthum, welches vom Reich 
abhänge. Zum Dank wurde er nach Basel eingeladen, 
prächtig eingeholt und mit seinem Gefolge „zum Wilden- 
mann^ ebenso prächtig tractirt. Nach der Mahlzeit leg- 
ten die Franzosen die Kragen der Geheimen Räthe an 
und giengen damit zur „ Mucke '^f dann in der Stadt 
herum und sogar bis nach Hüningen. Der Chronist, der 
das erzählt, versichert überflüssigerweise, sie seien be- 
trunken gewesen. 



Vgl. Ochs, a. a. O. pag. 157 f. 



V»H-' 



51 

Am 22. October 1685 widerrief Ludwig XIV. das 
von Heinrich IV. zu Gunsten der Protestanten 1598 
erlassene Edict von Nantes; und Vor Ende des Jahres, 
berichtet Ochs, waren schon 500 Flüchtlinge in Basel 
angekommen. Sie waren nicht die ersten. Zu Anfang 
1684 hatte man bereits solche nach Möglichkeit versorgt 
und zur Anhörung und Verpflegung dem Stadtschreiber, 
dem Oberstpfarrer und dem französischen Prediger zu- 
gewiesen. Ueberhaupt hatte seit der Mitte des Jahr- 
hunderts die Einwanderung von Refugianten und die 
Fürsorge für dieselben nie aufgehört. *) Basel zog von 
jeher sie besonders an, durch die Nähe Frankreichs, den 
alten Ruhm der Universität, das Ansehen des Reichthums 
und der Wohlthätigkeit, die hier schon seit 1572 beste- 
hende französische Kirche, die älteste in der Schweiz, 
wie auch durch die Liberalität, womit man den Frem- 
den leicht das Bürgerrecht gewährte, besonders Männern 
der Wissenschaft und der Industrie, der Stadt selber 
zum Segen. So waren seit migefahr 1650 eingewandert 
die BemouUi, Sarasin, Christ, Legrand, Miville, Raillard, 
Lachenal, Forcart, DeBary u. A., früher schon die Hot- 
mann, Battier, Passavant, Bauhin. 

Der Zuzug von unterstützungsbedürftigen Flücht- 
lingen aber, welcher nun stattfand, machte nothwendig, 
dasa die evangelischen Stände deren Versorgung ge- 
meinsam trugen und sie organisirten, und dass man 
zweifelhafte Elemente fernhielt. So entstanden in ver- 
schiedenen Kantonen „Exulantenkammern^, welchen keine 
kleine Arbeit erwuchs; die Geldbeiträge der Kantone 
wurden in bestimmten Procentsätzen normirt und flössen 



^) Vgl. insbesondere J. C. M5rikofer, Geschichte der evan- 
gelischen Flüchtlinge in der Schweiz. Leipzig. S. Hirzel. 1876. 
— Angust Huber, Die Refugianten in Basel. 75. Neujahrsblatt. 
1896. Basel, R. Reich. 



52 

in einen Kollekten-Fonds; von 1683 an wurden von den 
evangelischen Ständen viele Jahre hindurch jährliche 
Steuern für die verfolgten Glaubensgenossen erhoben, 
oft sehr beträchtliche, in Basel z. B. 4652 Pfund, in- 
begriffen 527 vom Lande; überhaupt trug Basel in der 
Regel 14 bis 18% der Kosten zum Mindesten.^) 

Schon in den Jahren 1675 und 1676 hatte sich die 
evangelische Schweiz verwendet für die auf den Ga- 
leeren schmachtenden ungarischen Pfarrer; und als diese 
durch Admiral Ruyter befreit worden, fanden ihrer 30 
Aufnahme in der Schweiz.*) XJeberdiess nahmen Zürich 
und Basel je 3 und 2 studierende Ungarn gratis auf, Basel 
in seinem „Erasmianum.* Auch an flüchtige evangelische 
Polen wurden aus der Schweiz 1000 Thlr. gespendet. 

Das alles aber wollte nichts bedeuten, im Vergleich 
mit der Aufgabe, welche derselben nun erwuchs durch 
die Ueberschwemmung aus dem unglücklichen Frank- 
reich her. Wir haben weiter oben dargethan, in welche 
Verlegenheiten besonders Basel zu gerathen fürchtete, 
wenn König Ludwig der Stadt Feindschaft erzeigen 
wollte. Darum findet auch Mörikofer ihre wiederholte 
Zurückhaltung im Aufnehmen der Flüchtlinge sehr er- 
klärlich und durch staatliche Vorsicht geboten.®) Als 



^) Laut Acta Eccles. ad 1683. X. 20 betrug damals eine 
Kollekte in Basel für exulirte französische Prediger: am Münster 
2166 Ä, zu St. Peter 1100, zu St. Leonhard 440, zu St. Theodor 
207, in der französ. Gemeinde 180; zusammen 4083. 

«) Vgl. Acta Eccles. zu 1676. V. 10. Brief von Zürich 
an Basel, p. 671 ; nach pag. 574 erschienen Ungarische Pastoren in 
Basel; — zu IX. 12 wird ein Ungar. Dankbrief erwähnt. 

») Vgl. Mörikofer, a. a. O. pag. 203. 221 ff. 253 ff. 261 ff. 
289 ff. 312. 329. Laut Acta Eccles. pag. 612 regte Zürich 
schon 1681 VIII. 18 an, man möchte sich beim französ. König ver- 
wenden für die Protestanten, bei Gelegenheit seiner ßegrüssung 
in Ensisheim. — Vgl. Aug. Huber, a. a. 0. pag. 53 f. 



53 

nun gar das Edict von Nantes aufgehoben war, fragte 
man sich ernstlich, ob nicht die bestehenden Verträge 
mit Frankreich geradezu eine Abweisung der vom fran- 
zösischen Hofe Verfolgten verlangten. Der Rath holte 
darüber Gutachten der theologischen und der juridischen 
Fakultät ein. Beide verdienen alle Achtung. Das der 
juridischen Fakultät, gestellt durch Dr. Peter Mergerlin 
und Dr. Sebastian Fäsch, Prof.Instit., erklärte: den „Bund- 
nussen" widerspreche die Aufnahme der ßefugianten 
nicht, „wann sonsten keine andere politische considera- 
tionen davon abhalten.*'^) 

Und im Namen des theologischen Conventus rich- 
tete Antistes Werenfels am 5. November 1685 an Bürger- 
meister und Rath sein „Theolog. Bedenken betr. Auff- 
nemmung und Beherbergung unserer verfolgten Religions- 
verwandten aus dem Königreich Frankreich, die da von 
den katholischen Orten für ein sach gehalten werde, so 
dem bund loblicher Eydgenossenschaft mit der Krön 
Frankreich zuwider lauflFe, . . . hingegen von den Evange- 
lischen Orten stark urgirt werde als ein sach, so da die 
GemeinschafFt der heiligen erfordere, und hiemit ohne 
hindansetzung dieser Gemeinschaflft, consequenter ohne 
grosso sünd nicht könne unterlassen werden." ^) Da 
wird zunächst das Bedauern über solche Verfolgung 
ausgesprochen; dann aber dargethan, der Bund mit 
Frankreich verbiete die Aufnahme von Uebelthätern, 
Banditen, Rebellen, u. s. w., aber nimmermehr diejenige 
dieser Refugianten. Der betreffende Artikel habe be- 
standen schon vor dem „discrimen Rollgionis", habe also 



») Em. UUii , S. M. C. Collectanea. KA. C. I. 8. Tom. L pag. 
417—452. Vgl. Aug. Hub er, a. a. O. pag. 46 f. 

«) üllii, Collectanea, a. a. 0. pag. 393-415. — Vgl. Acta 
EccleB. zu 1685, pag. 632. — Aug. 11 üb er a.a.O. 



54 

damals solche um des Glaubens willen Verfolgte noch gar 
nicht ins Auge fassen können. Er sei auch später nicht 
als gegen die Protestanten gerichtet pracisirt worden; 
diese waren vielmehr, dieweil das Edict von Nantes 
bestand, eingeschlossen in die Zahl der rechtmässigen 
französischen Bürger. Auch Widertauf er und Juden 
dürfen ihre Glaubensgenossen ungehindert aufnehmen, 
warum w i r nicht P — Im vorigen Seeculum wurden viele 
Befugianten sogar in unser Bürgerrecht aufgenommen, 
ihnen französischer Gottesdienst gestattet, u. s. w., ohne 
dass man hierin einen Bundesbruch sah. Ein solcher be- 
stehe demnach auch jetzt nicht, wenn man sie au&ehme. 
Die „Gemeinschaft der Heiligen*' aber verlange ge- 
radezu Aufiiahme der Exulanten, nach 1. Cor. 12, 12 ff. 
Eph. 4, 3 ff. u. s. w. Wenn der Eidgenossenschaft Gefahr 
drohte, so könnten die Refugianten „in andere Länder 
dimittiert werden in ehrlicher und kommlicher Weiss* 
(Tit. 3, 13 ; 3. Joh. 5 u. 6), aber jedenfalls ohne Gewalt 
und Härte, nicht im Winter, auch nicht Kranke und 
Arme, und jedenfalls nur mit Recommandationen ; und 
auch dann dürften wir die Hand nicht ganz von ihnen 
abziehen! — 

Als die Verfolgung der Protestanten in Prankreich 
andauerte, und des Jammers kein Ende abzusehen war, 
wurde in der reformirten Schweiz der 14. Mai 1686 
öffentlich und allgemein als feierlicher Buss- und Bet- 
tag gefeiert, mit ernster Pürbitte für die heimgesuchten 
Glaubensgenossen.') Basels Kollekte zu Gunsten der 
Refugianten betrug 



>) Ullii Colleotanea, a. a. 0. Tom. II. pag. ^81—654. Ad 
a. 1686 (14. Mai): Dies Jejunii et precum celebratus fuit in Hel- 
vetia Reformata ob afilictionem EcclesisB in Regno Gallise in dies 
crescentem. — Vgl. ActaEccles. ad 1685 (IV. 13.), pag. 630. 
Auf Antrag von Genf wurde wohl schon der 14. Mai 1685 gefeiert. 



55 

a. 1685 in der Stadt . 8645 Pfund 
aut dem Lande 1223 ^ 
^ zusammen 9868 Pfund 

a. 1686 in der Stadt . 63890 Pfund 
auf dem Lande 956 ^ 
zusammen 7346 Pfund 
Dazu hatten beispielsweise gesteuert der Pfarrer zu St. 
Peter 15, der zu St. Leonhard 30, der zu St. Theodor 
14 Ä, Helfer Seiler 22, der Rector der Universität 40, 
der theologische Dekan 46, der Verwalter des Spend- 
fonds 28, die geistlichen Fundationen 158 fe. In diesem 
Jahre 1686 verabreichte der Spital an durchreisende 
Flüchtlinge in 6 Monaten 2525 Mahlzeiten (2516 U Brot, 
608 Mass Wein, 1244 7« ^ Fleisch). In demselben Halb- 
jahr standen 45 Personen, darunter 5 Weiber, zu Basel 
in Lohn und verdienten zusammen 524 ^. 

Erschwert wurde die Versorgung der Flüchtlinge 
durch den Zudrang vieler Vaganten, welche sich die 
Gelegenheit solcher Verköstigung zu Nutzen machen 
wollten; auch durch die Rückkehr mancher Refugianten, 
welchen es in Hessen und anderen deutschen Landen 
nicht recht gefallen hatte. Das führte nothwendig zu 
der Verordnung : „ Solche sollen sparsamer traktiert, ja 
nach Qestalt abgewiesen werden, weil sonst die ganze 
Last zurück käme und uns zur Last fiele.^ So schob 
man denn möglichst Viele ab, und zwar, da ringsum 
die nächsten Nachbarn katholisch waren, in die Ferne, 
nach Brandenburg, Bayreuth, Hessen, Württemberg. 

In den Jahren 1686—1688, besonders 1687, wurde 
der Zudrang von Fremden geradezu ein riesiger, indem 



^) Laat Acta Eccles. ad 1687, 11.24. pag. 689 betrug die 
Kollekte pro Oallicis im Münster 3413 '^. 



56 

zu den Franzosen sich auch noch PiemontesenO gesell- 
ten ; 2324 Terfolgte Waldenser mussten veriheilt werden : 
nach Zürich 682, nach Bern 966, nach Basel 315, nach 
Schaffhausen 218, nach St. Gallen 143. — um nicht 
Frankreichs Zorn auf sich zu laden, gewann Basel seine 
Landschaft zur Aufnahme der Waldenser. In der Stadt 
blieben 28, nach Mönchenstein kamen 34, nach Liestal 
40, nach Famsburg 107, nach Waidenburg 66, nach 
Homberg 15, nach Riehen 25.^) Li Gelterkinden und 
Waidenburg wurden für die Flüchtlinge Gottesdienste 
eingerichtet. Im Ganzen nahmen in diesem Jahre wohl 
10,000 Exulanten die Hilfe der evangelischen Schweiz 
in Anspruch. Es drohte der Zudrang der armen Frem- 
den für die Schweiz selber ein eigentlicher Nothstand 
zu werden; die öffentliche Steuer zu Basel betrug in 
den 5 Jahren 1685 bis 1689 über 34,000 fe. Dazu kam 
Theurung und die Gefahr, besonders für Genf und Basel, 
dass das Ausland ihnen den Bezug der Früchte und 
Gefalle von ihrem dortigen rechtmässigen Eigenthum 
vorenthielt. Eine Gesandtschaft an den französischen 
König blieb erfolglos. Antistes Klingler in Zürich bean- 
tragte darum, als Gegendruck auf Frankreich, Heimbe- 
rufung der schweizerischen Söldner aus dem französi- 
schen Gebiet. Doch blieb diese Verfügung leider nur 
auf dem Papier. ®) 

Nach der „glorieuse Rentr^e" der Waldenser a. 



^) Laut Act. Eco]. ad 1682 pag. 618 f. verwendete sich 
Zürich fQr Franzosen und Waldenser, — laut Act. Eccl. pag. 
686 werden a. 1686 Waldenser aufgenommen, — pag. 651 solche 
im August 1688 nach Brandenhurg gesandt mit Reisegeld, vgl. 
ad 1698, pag. 690. — Vgl. Aug. Huber a. a. O. pag. 51 ff. 

') Von diesen Zahlen nach MSrikofer weichen diejenigen 
bei Aug. Hub er a. a. 0. pag. 51 etwas ab, doch unbedeutend. 

') Vgl. Zimmermann, a. a. 0. pag. 242 — 244. 



67 

1689 drohten neue politische Verwicklungen. Der Hand- 
werkerstand begann nachgerade unwillig zu werden 
über die fremde Conkurrenz; je länger die Einquar- 
tirung dauerte, um so mehr verblasste das anfängliche 
Erbarmen mit den Unglücklichen, und machten sich die 
kleinlichen Leidenschaften geltend. Eine Gonferenz in 
Zürich bereitete die Entlastung der Schweiz vor durch 
Abschub der Exulanten nach den fernen evangelischen 
Ländern, welche sich zu deren Aufnahme willig erklär- 
ten, England, Holland, Brandenburg. Nun hatte man 
hiefur wieder zu steuern, Basel 3750 fl. Da Branden- 
burg nicht Wort hielt, entschloss sich Bern nochmals, 
seine ungefähr 7000 Refugianten ein weiteres Jahr zu 
behalten, und die übrigen Orte waren langmüthig und 
barmherzig genug, ihrerseits dazu mitzuhelfen durch 
Subventionen; Zürich spendete 10,000 fl., Basel 5000, 
SchafiFhausen 3000, St. Gallen 1200. — Ausserdem aber 
steuerte Basel noch an Hessen, an Dänemark 100 Thlr., 
Churpfalz«) 2000 Thlr., Wilhelmsdorf 100 Thlr. jährlich. 
Hatte man auf endliche Erleichterung gehofft, so 
sah man sich 1698 aufs Neue enttäuscht, da auf Frank- 
reichs Drängen hin eine neue Verfolgung der Waldenser 
ausbrach und neue Schaaren von Flüchtlingen in die 
Schweiz warf. Bern und Zürich verstanden sich noch- 
mals dazu, sie aufzunehmen und zu vertheilen, 701 nach 
Zürich, 995 nach Bern, 448 nach Basel, 420 nach Schaff- 
hausen, 238 nach St. Gallen, 30 nach Biel. — Wegen 
Eommangels und Gefahr für seine Einkünfte aus dem 
Sundgau, weigerte sich nun Basel ernstlich, die Frem- 
den zu beherbergen, anerbot jedoch Geldbeiträge für ihre 



') Vgl. Act. Ecol. ad 1698, pag. 670 (Kleidermandat wegen 
Heidelbergs UDglück, und Geldgabe an die Pfälzer): ad 1698, 
pag. 690. ~ 



58 

Versorgung. Die Kirche von Genf sandte am 31. Januar 
1699 ein Schreiben an Basel mit Gegenvorstellungen; 
und die Refugianten selber gelangten mit solchen an 
den Rath. Etwa 104 Personen, die sich meist selber 
erhielten, wurden nun in der Stadt behalten ; sonst aber 
mussten die Exulanten sich jetzt wirklich bequemen, 
weiter zu wandern; die Waldenser, um eigene Gemein- 
den zu gründen, nach Württemberg, Brandenburg, Eng- 
land; die Franzosen vielfach nach Deutschland und 
England. Bis Anfang August 1699 waren über 4000 
über Basel den Rhein hinabgefahren; man bezahlte 
ihnen Schiffslohn und Unterhalt bis nach Germersheim. 
So gieng's bis tief in den Herbst hinein. Es kamen 
auch manche frischwegs aus Frankreich zu solcher Fahrt, 
darunter „leichtsinnige Gesellen, welche mit ihrer Waare 
ohne Zoll durchkommen wollen, so dass die Route zu 
einer Bettelkehre ausschlagen will**, wie Basel sich 
beklagte. Vom 1. Mai bis 8. Oktober 1699 wurden in 
32 Fahrten 4414 Fremde abgeschoben; die Kosten dafür 
betrugen 10,560 Thlr. ') Ueberdiess aber erhob man 
fortwährend noch Steuern für die nun im Auslande an- 
gesiedelten Gemeinden; und manche der Ausgewan- 
derten kehrten in die Schweiz zurück. 

So zog sich die Mitarbeit an der Versorgung der 
Glaubensgenossen, für die er sofort mannhaft und ent- 
schlossen eingetreten war, für Werenfels sozusagen durch 
die ganze Zeit seines Antistitiums hindurch. Und am 

^) Besonders thätige BesohQtzer der Auswanderer waren in 
^asel: Obers tzunftm ei ster Balthasar Burckhardt, Dreierherr Andr. 
Burckhardt, Kassaverwalter Hans Ludw. Wettstein, der ihnen die 
Reisegelder ausbezahlte, Phil. Kolluer des Raths, Inspektor der 
Rheinschiife, der ihnen das Brot vertheilte, Hans Jak. Rippe], der 
üathsschreiber und Correspondent mit den eidgen. Commissären, 
Lukas Burckhardt, Kanzlist und Gehilfe des Kassiers. 



59 

Ende desselben sah er eine wenigstens schwache Wie- 
derholung ähnlicher Liebesarbeit sich ankündigen, als 
Ludwig XIV. das Fürstenthum Orange an der Rhone 
besetzte und dort die Protestanten austrieb, — und nun 
diese Oranier in der Schweiz zusammentrafen mit flüch- 
tigen Camisarden aus dem Cevennen-Erieg (1702—1704). 

Die anhaltenden, zum Theil grossartigen Leistungen 
unserer Väter in jenen Zeiten dürfen wir nicht ver- 
gessen, wenn wir ihnen nicht Unrecht thun wollen mit 
dem so häufigen Vorwurf, die damalige orthodoxe Kirche 
habe über dem starren Halten an der Lehre die christ- 
liche Liebesthätigkeit völlig vernachlässigt und sei ohne 
Leben gewesen. 

Mitten in diese Jahre der Refugiantenversorgung 
fiel die verhängnissvolle revolutionäre Bewegung des 
Jahres 1691, bekannt unter dem Namen „das einund- 
neunziger Wesen", in welcher auch Antistes Weren- 
fels eine Rolle zu spielen hatte. Um diese zu verstehen, 
müssen wir der Genesis und dem Verlauf jener Bewe- 
gung immerhin einige Aufmerksamkeit zuwenden; eine 
gründlichere. Darstellung aber muss von Dem, der sich 
darum besonders interessirt, nachgelesen werden in den 
verschiedenen monographischen Behandlungen jener po- 
litischen Episode der Basler Geschichte.*) 

Die politischen Zustände Basels waren gegen Ende 
des XVn. Jahrhunderts höchst unerquickliche. Das 
aristokratische Geschlechterregimont war zwar längst 
dahin ; aber nun herrschte eine bedenkliche oligarchische 
Misswirthschaft. Zur Zeit der Kirchenreformation (1529) 
waren dem „Grossen Rath** und der Bürgerschaft mehr 



*) Vgl. Buxtorf, a. a. 0. — Abel Burckhardt, a. a. 0. 
— Carl Burckhardt, a. a. 0. - Pet. Ochs, Bd. VII. p. 192 
Mb 283. 



60 

Recht und Bedeutung geworden, als bis dorthin je der 
Fall gewesen; aber schon von 1533 an nahm die Tendenz 
wieder zu, die staatliche Macht mehr und mehr dem 
,, Kleinen Rath" zuzuwenden. Der Bürgerschaft war, 
wiewohl aus ihren Zünften die Regierenden gewählt 
wurden, alle Betheiligung an der Leitung^ des Gemein- 
wesens versagt Der Rath wählte und ergänzte sich 
selbst. Er bestand aus zwei Theilen, dem alten und 
dem neuen Rath, welche jährlich im Regiment abwech- 
selten, aber zusammen beriethen, unter ihren Häuptern, 
den beiden Bürgermeistern und den zwei Oberstzunft- 
meistern. Diese wurden vom gesammten Rath gewählt, 
die einzelnen Rathsherren jeweilen von der einen (alten 
oder neuen) Hälfte des Raths. Als „die gnädigen Her- 
ren und Oberen" erliessen sie Gesetze und Verordnungen, 
besetzten alle Ehrenämter und Dienste, übten die Straf- 
rechtspflege und schalteten frei über die Verwaltung des 
öflfentlichen Gutes. — Zwar sollte in schwierigen Fällen 
der Rath jeweilen auch „die Sechser*' der Zünfte (eben- 
falls alte imd neue) zusammenrufen, als Vertreter der 
Bürgerschaft; die Vereinigung dieser mit dem Rath bil- 
dete den „Grossen Rath" oder „die Herren des mehreren 
Gewalts". Aber jene „Sechser" wurden auch nicht von 
der Bürgerschaft gewählt, sondern durch die Rathsher- 
ren und Vorstände der Zünfte, welche ihrerseits wieder 
zum Theil vom Rathe ernannt waren. So stand auch der 
Grosse Rath ganz unter dem Einfluss der Regierung, 
hatte so zu sagen nur deren Beschlüsse zu genehmigen, 
sank zu völliger Bedeutungslosigkeit herab, und wurde 
oft Jahre lang gar nicht mehr versammelt. 

Bei dieser oligarchischen Organisation der obrig- 
keitlichen Gewalten, ihrer Abgeschlossenheit nach aussen 
und dem vollständigen Mangel an Kontrole, war der 
Corruption Thür und Thor geöffnet. Bei Bestellung der 



61 

Aemter nahmen Wahlumtriebe und Bestechungen über- 
hand. Die Sucht nach Rang und Titel^ nach den damit 
verbundenen Besoldungen, wohl auch nach der statt- 
lichen obrigkeitlichen Amtstracht (Baselhut und Habit), 
war allgemein und übte Einfluss auch auf die Ambitio- 
nen des weiblichen Geschlechts. *) Nach Ehrenstellen 
begierige Reiche boten den Geringeren, welche als 
Zunftmeister oder Rathsherren oder Sechser eine Stimme 
hatten, Mieth und Gaben für ihre Stimme, Gastmähler, 
Geschenke, Versprechungen; Familienrücksichten spiel- 
ten dabei eine wichtige Rolle. Es war allgemein zuge- 
standen: „Wer nicht spendiere, möge nimmermehr in 
den Rath gelangen". Vergebens suchten die Gesetze 
(besonders seit 1688) durch Wahleide, Androhung von 
Bussen, und ein complizirtes Wahlsystem, die sogenannte 
„ Ballotierordnung **, diesem unsittlichen „Praktizieren* 
zu begegnen. Die Wahleide, man habe weder bestochen, 
noch sich bestechen lassen, weder Geschenke gegeben, 
noch solche empfangen, wurden leichthin geschworen 
als Meineide. Die Geistlichkeit that ihre Pflicht und 
rügte längst öffentlich diese Missbräuchc und Sünden, 
wie schon jene Predigt von Werenfels a. 1668 bei Ein- 
führung des „neuen Regiments" bezeugt. Da ihre Vor- 
stellungen an den Rath nichts ausrichteten, eiferte sie 
von den Kanzeln aus gegen die Pest des Meineides und 
verlangte dringend, dass dieses Aergernias abgethan 
werde. 

Im November 1690 hatte neuerdings ein derartiger 
Wahlskandal grosses Aufsehen erregt in der Bürger- 
schaft und tiefe Entrüstung. Vier wohldenkende patrio- 
tische Männer beriethen insgeheim, wie dem Gemein- 



*) üeber das ^ Weiberregiment * vgl. bes. Abel Burck- 
hardt, a. a. 0. pag. 6. 



62 

wesen könnte geholfen werden. Sie zogen nach und 
nach mehrere andere Bürger, Sechser und Zunftmeister, 
zu ihren Berathungen bei. Der Doctor der Rechte, Jak. 
Heinrich Petri, erlangte in diesem Kreise bald mass- 
gebenden Einfluss. Das „Reformationswerk^ sollte damit 
beginnen, dass der Grosse Rath aus seiner Bedeutungs- 
losigkeit und Ohnmacht herausgehoben würde. Als ein 
dahin zielendes Gesuch unbeachtet zu bleiben schien, 
versammelten sich etwa 50 Sechser auf der Schlüssel- 
zunft und erneuerten ihre Vorstellungen durch eine Ab- 
ordnung an die Herren Häupter. Bürgermeister Em. 
Socin versprach, den Grossen Rath auf den 1. December 
1690 zusammen zu rufen. — Die Abgeordneten begaben 
sich auch zum Oberstpfarrer Peter Werenfels. Dieser 
„empfieng sie nicht anders, denn wie Engel Gottes^, 
welche der unglücklichen Vaterstadt die ersehnte Hilfe 
vom Himmel brächten. Er ermahnte sie, vom begonnenen 
guten Werke nicht abzustehen, bis das Uebel von Grund 
aus völlig ausgerottet sein werde; Hess sie ihm aber 
dabei heiliglich versprechen, dass sie nichts wider die 
Gewalt der Obrigkeit, noch wider das ihr gebührende 
Ansehen unternehmen wollten.^) 

Es schien sich eine friedliche Reformation anbahnen 
zu wollen. Als aber der Amtsbürgermeister dem Vor- 
steher der Sechser zumuthete, das häufige Zusammen- 
laufen derselben abzustellen, schöpften sie Misstrauen 
gegen den guten Willen der Regierung, constituirten 
sich auf der Schmiedenzunft zu „ Sechserausschüssen^ 
und gebärdeten sich als eine gesetzmässig geordnete 



>) Buxtorf, a. a. 0. pag. 18. — Ochs, a. a. 0. pag. 197 f. 
verdächtigt, wie die Motive der ersten Urheber des „Reformations- 
Werkes", so auch das Gebahren von Werenfels als ein ungerecht- 
fertigtes Aufhetzen der Niedrigen gegen die Oberen. 



63 

Behörde. Auch gegenüber einer Commission, welche der 
Grosse Rath am 1. December 1690 mit der Vorberathung 
des gesammten Reformationswerkes betraute, setzten die 
Sechserausschüsse ihre Separatversammlungen auf der 
Schmiedenzunft fort und stellten immer neue und weitere 
Begehren an die Käthe, usurpirten auch für sich den 
Titel der „Herren des mehreren Gewalts**, und erzwangen 
es, dass selbst die Entscheidung über die des Meineids 
Angeklagten dem Grossen Rath übertragen wurde, was 
ein ofiFenbarer Eingriff war in das Strafrecht der Regierung. 

Als Antistes Werenfels, welcher noch am 10. Januar 
in einer Predigt scharf geeifert hatte gegen das Aus- 
streuen aufregender, den guten Willen der Regierung 
Terdächtigender Gassengerüchte, wahrnahm, dass die 
Bewegung in ein verfassungswidriges, revolutionäres 
Treiben auszuarten drohte, erschien er am 14. Januar 
1691 vor den Deputirten des Kleinen und des Grossen 
Bathes auf dem Rathhause, sie in beweglicher Rede zur 
Einigkeit und zu friedlichem Vergleiche zu ermahnen, 
und besonders auch zu einem stillen, ruhig besonnenen 
"Verfahren : „Decket, sprach er, unsere Blosse -und Schande 
nicht auch den Fremden auf! Der Grosse Rath, als des 
mehreren Gewalts, kann die Sachen mindern und mehren, 
ja gar abthun, ohne seinen Nachtheil, und um des Frie- 
dens willen wohl etwas nachgeben. Denn schneuzt man 
die Nase zu hart, so fliesst Blut. Eine hohe Obrigkeit 
kann ohne Ansehen und Respekt nicht bestehen.'^ ') 

Der Rath selber that nun aber einen verhängniss- 
vollen Schritt, indem er auf Sonntag, den 25. Januar, 
ein „Bürgergebot*' erliess, d. h. die Bürger auf ihren 
Zunftstuben versammelte, um sich ihres Beistandes zu 
versichern. Er täuschte sich in der Erwartung, beim 



») Buxtopf, a. a. O. pag. 19. 



64 

Volke eine der Regierung günstige Stimmung vorzufinden. 
Die Zünfte, von Dr. Petri bearbeitet, erbaten sich Be- 
denkzeit und wählten Ausschüsse aus der Bürgerschaft, 
vier von jeder Zunft, welche sich nun zu einer neuen 
Behörde organisirten, zu Safran beriethen, jeweilen mit 
Gebet *) ihre Sitzungen eröffnend, und Dr. Petri zu ihrem 
Generalprocurator, Redner und Syndicus ernannten, mit 
dem sie sich in einem „GewaltsbrieP solidarisch erklärten. 

Von diesen „Bürgerausschüssen" gedrängt, schritt der 
Grosse Rath am 3. Februar 1691 zur Bestrafung der 
AVahlumtriebe und zur Entlassung der Schuldigen aus 
ihren Aemtem und Stellen. Als nach der Grossraths- 
sitzung Abends etliche „Ausschüsse" den Antistei: um 
seine Ansicht befragten über diese scharfen Massregeln 
gegen die Fehlbaren, ermahnte er die Fragenden, sie 
sollten in Gottes Namen in ihrem Vorhaben fortfahren 
und Niemand verschonen, bis Alles wohl untersucht sei, 
möge getroffen werden, wer da wolle. Dabei brachte 
er die Stelle 2. Sam. 21, 6 vor, mit der Anwendung, dass, 
so lange „die sieben Meineidigen" im Volk blieben, Gott 
der Herr sich desselben nicht erbarmen wollte.^) 

Sowie der Kleine Rath von dieser Rede des Antistes 
vernommen, schickte er die Herren Zunftmeister Bal- 
thasar Burckhardt und Stadtschreiber Härder mit einer 
Missfallensbezeugung zu ihm und mit dem Vorwurfe, er 
verleite die Bürgerschaft mehr zur Zwietracht als zur 
Eintracht. Mit der genannten Schriftstelle replicirend, 
erhielt er von den abtretenden Deputirten die scharfe 



^) Dieses Gebet siehe bei Ochs a. a. O. pag. 209. 

*) lieber Ochs* Bemerkung hiezu : „Würde der Sohn, Samuel 
Werenfels, damals Professor der Beredsamkeit, nicht einen andern 
Text aufgeschlagen haben, etwa Genes. 18, 32?*^ — und über eine 
andere Version jener antistitialen Rede vgl. B u x t o r f a. a. O. pag. 20. 



65 

Erwiderung : würde er dergleichen Reden und das viele 
Schelten auf der Kanzel nicht unterlassen, so werde man 
an ihm und der Geistlichkeit den Anfang machen, die- 
weil er und sie auch Geschenke angenommen. Weren- 
fels durfte freilich mit Recht sagen: „Oaben und Oe- 
schenke sind unterschiedlich. Was ich angenommen, weiss 
ich zu verantworten." 

Am Nachmittag des 5. Februar, als die Ausschüsse 
noch immer selber die Entlassung von Schuldigen be- 
trieben, trat Werenfels zu Safran abermals vor sie und 
ermahnte eindringlich, sie sollten das Misstrauen, die 
Regierung strafe die Meineidigen nicht ernstlich und 
habe keinen Eifer für das Reformationswerk, fallen lassen 
und sich zur Ruhe begeben, auf dass nicht etwa ein 
gefahrlicher Aufstand erwachse. „Mit gutem Contento* 
schied er dann mit den ihn begleitenden Geistlichen aus 
dem Saale der Ausschüsse. 

Die geistlichen Zusprüche wirkten indessen kaum 
mehr, auch nicht die der ersten eidgenössischen Reprä- 
sentanten, welche gegen Ende Januars in Basel er- 
schienen waren. Angesichts der drohenden Anarchie 
zog sich die Geistlichkeit aus ihrer gegen die Regierung 
vorgeschobenen Stellung zurück. Für die damalige Stim- 
mung von Werenfels, wie für seine ganze Auffassimg 
der Dinge, ist das Schreiben bezeichnend, das er am 
18. Februar 1691 an seinen Kollegen, Antistes Klingler 
in Zürich, richtete.*) Nachdem er dort die Gebrechen 
des Gemeinwesens, Regiersucht und schlechte Verwaltung 
öffentlicher Gelder, geschildert, föhrt er fort: „Keine 
Mahnungen der Geistlichkeit , keine vorgeschlagenen 
Massregeln zur Abhülfe haben gefruchtet. Je mehr Eide 



*) Siehe bei Ochs a. a. O. pag. 212; vgl. das Excerpt bei 
Buxtorf a. a. 0. pag. 21 ff. 

Beitrftge XV. 5 



66 

zu schwören waren, desto mehr Meineide wurden ge- 
schworen. Man predigte Tauben. Da die schriftlichen, 
Vorstellungen (Memorabilia) der Geistlichkeit gänzlich 
verachtet blieben, so wurde im theologischen Convente 
beschlossen, mit aller Schärfe des Wortes wider das, 
einer Pest gleich grassirende Uebel zu predigen, bis die 
Obrigkeit, wenn nicht aus Trieb des Gewissens, doch 
wenigstens aus Scham und Verdruss, immer das Gleiche 
hören zu müssen, bewogen werden möchte, die Laster 
wegzuräumen. Da die Bürger und Grossräthe, die sich 
zur Abschaffung derselben verbanden, bezeugt hatten, 
dass ihre Yersammlungen keineswegs zur Yernichtung 
der obrigkeitlichen Autorität, sondern allein zur Ehre 
Gottes und zum gemeinen Besten dienen sollten, damit 
der Geistlichen Fredigten nicht umsonst gesprochen 
wären; so sollte nichts ohne den Willen der Geistlich- 
keit unternommen werden. Diese stand desshalb nicht 
unbillig in dem Gedanken, dergleichen so wohlgesinnte 
Bürger seien von Gott gesandt, die Krankheit abzuthun; 
dieweil die Obrigkeit sich selbst zu kurieren unfähig 
war. Sie hiess darum ihren Rath gut, insofern die Bürger 
sich allein mit Ausrottung der Sünden und Laster, vor- 
nehmlich des Meineids, zufrieden stellen würden. Da 
hörte man aber bald die Klage: es sei der Obrigkeit 
mit der Bestrafung der Fehlbaren nicht ernst; Reiche 
und Vornehme würden nur stille gestellt imd mit Ge- 
treide, einer gar zu geringen Strafe, belegt; während 
ärmere und gemeinere Rathsfreunde völlig abgesetzt 
würden, u. s. w. Item, es walte auch hierin wieder Be- 
stechlichkeit und Farteilichkeit. Gegen diesen bösen 
Geist richteten die Geistlichen mit allen Ermahnungen 
nichts aus, widerriethen umsonst die Zusammenkünfte, 
als ungesetzlich und gefährlich, mahnten umsonst an den 
Bürgereid, warnten umsonst vor der Anmassung einer, 



67 

der Obrigkeit allein zukommenden Judicatur. Man wies 
sie vergebens hin auf den Unterschied zwischen den 
Vergehen einiger Rathsglieder und der Rathsbehörde 
selber, suchte ihnen vergebens Zutrauen zum guten 
Willen der Obrigkeit einzuflössen, die Missstande ab- 
zuschaffen. So liegt das Ansehen des Käthes darnieder; 
die Diener des göttlichen Wortes werden nicht gehört. 
Bescheiten sie der Bürger Ungehorsam und unruhiges 
Verfahren, so werden sie verlacht und verdächtigt, von 
den Meineidigen bestochen zu sein. Die grösste Gewalt 
ist bei den Geringsten. Viele meinen, die so hart drüc- 
kende Theurung werde aufhören, sobald Gottes Zorn 
durch die Strafe der Meineidigen getilgt sei. ' Andere, 
der Ruhe abhold, missbrauchen die Einfalt des Pöbels; 
Arme suchen durch Neuerungen (neue Sachen) Gewinn. 
Ihre Dürftigkeit und die Süsse des Müssiggangs, der sie 
bei den häufigen Zusammenkünften firöhnen, sind bei der 
Theurung die schlimmsten Rathgeber. Indessen haben 
sie bisher noch keine Gewaltsamkeit geübt und zu den 
Waffen noch nicht gegriffen. Dennoch ist die völlige 
Zerrüttung des Gemeinwesens vor unseren Augen. Es 
ist eine Strafe Gottes für unsere Sünden, die Regier- 
sucht und andere derselben anhangende Missethaten, 
wodurch ein gen Himmel reichender, den göttlichen 
Zorn reizender Babelthurm aufgerichtet worden, und 
wir die Sprachverwirrung erfahren müssen. Unsere 
einzige Hoffnung stehet auf dem lieben Gott und unseren 
Eidgenossen.'' . . . 

Aber auch die Bemühungen der Geistlichen') zu 
Gunsten der eidgenössischen Mediation blieben erfolglos ; 
die Gesandten reisten ab, weil sie nicht länger wollten 



^) Vgl. Excerpte aus einem geistlichen Krlass bei Ochs, a. 
a. O. pag. 226 f. 



68 

„ledige Zuschauer eines solchen Spektakels sein, was 
gegen die Eidgenossenschaft nicht zu verantworten sei. 
Sie seien nicht gewohnt, sich von solchen Leuten be- 
schimpfen zu lassen^. 

Und nun entwickelten sich die Dinge weiter. Dr. 
Petri, der sich um die Rathsschreiberstelle beworben, 
verlor dadurch des Volkes Gunst, musste seinen „Ge- 
waltsbrief** herausgeben, und Dr. Joh. Fatio, der Chi- 
rurgus, trat an seine Statt. Dieser, unterstützt von Joh. 
Müller, dem Weissgerber, und von Konrad Mosis, erzwang 
vom Grossen Bath am 24. März, ohne vorausgehende 
Untersuchung, die Entlassung von 29 proscribirten Baths- 
gliedern,' und zwar indem der Grosse Rath im Rath- 
hause eingesperrt gehalten wurde, bis er nachgab. Von 
da an lag das obrigkeitliche Ansehen völlig darnieder. 
Fatio regierte, im Namen der Bürgerausschüsse. Die 
Einsperrung des Bathes wurde wiederholt angewendet, 
um Entlassung bisheriger und sofortige Wahl neuer 
Bathe zu erzwingen, selbst des Oberstzunftmeisters, wider 
alle Verfassung. Dem also „purificirten* Bath reichten 
jetzt, am 16. Mai, die Bürgerausschüsse ihre, in 178 
Punkten formulirten Begehren ein zur Neugestaltung des 
Staatswesens, welche zum Theil wohlbegründet und 
zweckmässig waren. ^) 



^) Eine eingehende Beurtheilung dieser Begehren giebt Karl 
Burckhardt, a. a. 0. pag. 76 ff. Berechtigt erschein t das Ver- 
langen : 

1. Betr. Oekonomie, d. i. Finanzverwaltung, nach — Con- 
trole, Centralisation der ehemaligen Klostergüter unter 
einer Verwaltung, Wahrung dieser Güter für kirchliche 
Bedürfnisse und Armen Unterstützung ; Reformation von 
Waisenamt, Almosenamt, Spital; Aufhebung der Natural- 
besoldungen u. dgl. m. 

2. Betr. Polizei, nach — Revision der Wahlgesetzgebung) 



Nun beginnt die Tragik der ganzen, ihrem Ursprung 
nach durchaus guten und lauteren, dann aber durch 
Ungeduld und Ungerechtigkeiten befleckten Bewegung, 
welche die Leidenschaften von der heilsamen Fessel der 
Oesetzlichkeit entbunden hatte. Dem gemeinen Mann 
lag eigentlich weniger an Aenderung des Regiments und 
Abstellung der Wahlumtriebe, als an wohlfeilerem Brot. 
Bei Vielen regte sich auch Neid gegen die durch die 
letzten Neuwahlen zu Ehren Gekommenen, Enttäuschung 
und Unmuth über eigene erlittene Zurücksetzung. Diese 
Unzufriedenheit wurde genährt und gemehrt von den 
^ Malcontenten ** , den ihrer Würden Entlassenen und 
ihrem Anhang. Die Bürgerschaft weigerte sich, dem 
neuen Gesetzgeber, dem vereinten Grossen und Kleinen 
Katb, den jährlichen Eid der Treue zu schwören, statt, 
wie bisher, nur dem letzteren. In den Ausschüssen fand 
man bereits, der Grosse Rath habe jetzt zu viel Gewalt; 
im Grossen Rath dagegen, die Ausschüsse hätten ihm 
sein Ansehen genommen. Die Entlassenen und ihre 
Anverwandten sannen in der Umgegend auf Reaction 
und wandten sich zum Theil an die Eidgenossen um 
Hilfe. Die Grossräthe thaten dasselbe, zum Schutz ihrer 
bedrohten Rechte; der Kleine Rath konnte nicht dawider 
sein. Nur die Ausschüsse erklärten sich dagegen. Am 



in Kirche und Staat; Reorganisation des Schulwesens bis 
zur Universität hinauf; Mitwirkung der Bürgerschaft bei 
der Gesetzgebung. 

3. Betr. Justiz, — nach Beschränkung des Eides, Reduction 
der Gerichte, Beschleunigung des Prozessverfahrens, u. s. w. 

4. Betr. Privilegia. — Hier tadelt Ochs wohl mit Recht, 
dasB die „Begehren** sich nirgends der „Unterthanen** 
annahmen, sondern nur der „Bürger*^. Sein Urtheil aber 
wird Ton K. Burckhardt auf das richtige Maass zurfiok- 
geführt. 



70 

22. Juli brachen arge Excesse deshalb aus, bewaffneter 
Aufruhr. 

Schon im Januar tmd Ende März hatten eidgenös- 
sische Repräsentanten zu vermittehi versucht; am 29. 
Juli erschienen solche aufs Neue und wurden höflich 
empfangen. Der Grosse Rath nahm ihre Mediation an. 
Am 9. August sollte nach der Predigt im Münster die- 
selbe von der Bürgerschaft angenommen werden. Die 
Ausschusspartei aber, unter Fatio's Führung, verhinderte 
es. Wiederum that die Geistlichkeit ihr Möglichstes, um 
den Yorstellungen der eidgenössischen Gesandten Gehör 
zu verschaffen. Da Antistes Werenfels am Podagra litt, 
so verfügten sich die Pfarrer von Brunn, Frey und 
Merian mit Abgeordneten der Räthe von Zunft zu Zunft. 
Nach Verlesung einer von der Geistlichkeit verfaasten 
Zuschrift, richtete Pfarrer von Brunn bewegliche, ernste 
"Worte an die Bürgerversammlung und stellte ihr vor, 
dass, wenn sie der anempfohlenen Mediation der Eid- 
genossenschaft zu trotzen fortführen, nur Unheil und 
Jammer zu erwarten sei. „Ja, — schloss er, — was 
Gott in Gnaden verhüten mag, es steht bevor, dass 
unserer Stadt Basel von der Eidgenossenschaft der Ab- 
sagebrief zugestellt und alle eidgenössische Freundschaft 
aufgekündet wird, wodurch wir alle leicht, zum gänzlichen 
Ruin des Vaterlandes, unter eines fremden Herrn Gewalt 
und Joch gerathen können *'.^) 

Aber auch diese Mahnung blieb vergeblich. Der 
fruchtlosen Bemühungen überdrüssig, zogen die Eidge- 
nossen am 9. September wieder ab. 

Die „ Malcontenten ^ wussten nun besonders die 
Kleinbasler gegen Fatio aufzureizen. Bewaffnet, fahn- 
deten sie auf Fatio, Müller und Mosis. Da und dort 



») Vgl. Buxtorf, a.ii. O. pag. 24.— -Ochs, a.a.O. pag. 224. 



71 

wurde die Meinung laut, nach Beseitigung der Streit- 
punkte sollten die Ausschüsse jetzt zurücktreten und 
sich auflösen. Fatio, die Situation durchschauend, wollte 
zum Theil nachgeben, einzelne Entlassene wieder in 
ihre Stellen aufnehmen, empfahl einen allgemeinen Fa- 
cificationseid und beeilte sich, selber ihn zu leisten. Das 
war aber den „Malcontenten'' nicht genug, und vielen 
seiner Anhänger schon zu viel. Diese sammelten sich 
in Waffen zu Safran. Am 21. September verlangten 
dagegen bewaffnete Eleinbasler, geführt vom entlassenen 
Zunftmeister Job. Brenner, vom Rath die Verhaftung 
Fatio's, und nahmen diesen mit tumultuarischer Gewalt 
selber gefangen; eine Klageschrift gegen ihn wurde am 
23. September eingereicht. Man versprach Untersuchung 
und setzte eine Specialcommission hiefür ein. 

Die treugebliebenen Anhänger Patio's verlangten 
seine Befreiung. In der Nacht des 24. September woll- 
ten sie dieselbe mit Gewalt ertrotzen von dem nach 
Mitternacht aus dem Schlaf geweckten Bürgermeister 
Socin. Dieser vertröstete sie auf eine Rathssitzung am 
folgenden Morgen. Als die Petenten abgezogen zu ihrem 
Gewalthaufen auf dem Barfüsserplatz , entschloss sich 
Socin," dem drohenden offenen Aufruhr mit Gewalt zu 
begegnen, versammelte sofort die Herren des Rathes, 
ebenso die Stadtsoldaten, bestellte die Kleinbasler auf 
die Rheinbrücke, und half selber, die Stücke auf dem 
Rathhause gegen den Markt hin schussfertig richten. 
Als ein Haufe der Ausschüsse anrückte, wurde er zer- 
sprengt. Die Bevölkerung schaarte sich immer mehr 
um die Obrigkeit. Am folgenden Morgen kamen dazu 
zwei Compagnien ab der Landschaft. 

Die Obrigkeit eilte, ihr neu gewonnenes Ansehen 
zu behaupten, nahm zahlreiche Verhaftungen vor, ver- 
hörte Patio und seine Genossen. Sonntag, den 27. Sep- 



72 

tember, wurde Blutgericht über sie gehalten, und am 
folgenden Morgen das Todesurtheil auf dem Marktplatz 
vollstreckt an Fatio, Müller und Mosis. Der erstere be- 
sonders gieng so würdig und christlich in den Tod, 
dass er vieler Herzen gewann und rührte. Sein Kopf 
wurde auf dem Rheinthor aufgesteckt, und war dort zu 
sehen bis um's Jahr 1760. 

Am 27. September, am Tag vor jenen Hinrichtungen, 
hielt der wiedergenesene Antistes Werenfels seit längerer 
Zeit zum ersten Male wieder die Sonntagsmorgenpredigt 
im Münster. Dabei soll er seinen Zuhörern die von den 
drei Verurtheilten begangenen Fehler auf das Schärfste 
„ausgestrichen^ und Jedermann erinnert haben, seines 
Amtes und Berufes ileissig zu warten, ohne sich in 
fremde Händel zu mischen. Buxtorf') bemerkt hiezu: 
„Hat Vuilliemin den Wortgehalt der Predigt nicht 
genauer gekannt, als diese Darstellung überliefert, so 
urtheilt er über Werenfels zu scharf, wenn er in seiner 
Schweizergeschichte (X. 370) nach dem Archiv von 
Escher etc. schreibt: Werenfels, der einige Monate vor- 
her die vornehmen Intriganten von der Kanzel aus an- 
gegriffen hatte, erniedrigte sich jetzt zu schmähenden 
Aeusserungen über die Besiegten.** * 

Dass Werenfels, wie die Geistlichkeit überhaupt, 
anßtnglich die Bewegung begünstigte, schliesslich aber 
die ausgeartete verurtheilte, wird ihm Niemand, beson- 
ders nach seinen wiederholten Versuchen, sie einzu- 
dämmen, mit Recht zum Vorwurf machen können. Im- 
merhin berührt es unangenehm, dass er, oben mit Rück- 
sicht auf jene Anfänge, nicht ein Wort der Fürbitte für 
die zum Tode Verurtheilten fand, nicht einen Versuch 
wagte, ihre Begnadigung zu empfehlen und Blutver- 



») A. a. O. pag. 26. 



73 

giessen zu hindern. Dass er bei der ganzen Sache 'nicht 
das allerbeste Gewissen hatte, lässt sich Tielleicht auch 
daraus schliessen, dass die vom jeweiligen Antistes ge- 
führten Acta Ecclesiastica zum ganzen Jahr 1691 keine 
andere Notiz seiner Hand enthalten, als die wenigen 
Zeilen:^) „Hi duo anni funesti fuerant propter dissi- 
dium intestinum primo inter senatum majorem et mino- 
rem, dein inter senatum utrumque et cives. Ex actis 
hujus anni patet causa, progressus et incrementum dis- 
sidii istius, item qusB adhibita fuerint remedia^. 

Auch seine zeitgenössischen Biographen übergehen 
jene Episode aus seinem Amtsleben gerne, indem Zwinger 
in seinem academischen Fanegyricus nur bei der Auf- 
zählung der Beziehungen des Verstorbenen zu allerlei 
Notabilitaten auch derjenigen zu den eidgenössischen 
Oesandten gedenkt „prsesertim in ultimo nostro dissidio 
intestino" ; und WoUeb in den Personalien zur Leichen- 
rede bemerkt: „Gemeine Wolfahrt .... hat er sich 
bestmöglich lassen angelegen seyn. Hette auch gern ob 
allen guten Ordnungen gehalten, und liess es an guter 
Intention nit mangeln''. Dagegen erklärt sich diese ver- 
schleierte und zurückhaltende Erwähnung jener Episode 
vielleicht auch genugsam dadurch, dass man damals in 
öffentlicher Yersammlung eben jede Erinnerung an die 
unselige jüngste Vergangenheit überhaupt gerne vermied. 

Unter dem Eindruck des Schreckens, welcher nun 
auf der Bevölkerung lastete, konnte die Regierung un- 
gehindert die Pacification durchführen, welche leider 
eine vollständige Reaction ward. Die erlittene Gewalt 
rief jetzt auch von ihrer Seite der Gegengewalt. Harte 
Strafen wurden verhängt, Dr. Petri in contumaciam ver- 
urtheilt, frühere Amnestiebewilligungen und Versprechen 



*) Act Eccl. Tom. IV, pag. 664. 



74 

als ungiltig betrachtet, Entlassene wieder eingesetzt, 
Neugewählte abgesetzt oder degradirt, selbst Meineidige, 
welche einst ungezwTingenerweise ihre Stellen niederge- 
legt hatten, wieder mit diesen betraut, der Bürgerschaft 
jede Theilnahme an der Bestellung der Aemter neuer- 
dings entzogen. Nur einzelne wirkliche Verbesserungen 
in der öflFentlichen Verwaltung und eine höhere Bedeu- 
tung und Dichtigkeit des Grossen Rathes waren der 
Erfolg der ganzen Bewegung. Die Umtriebe und Wahl- 
bestechungen hingegen dauerten weiter fort, und erst 
die Einführung des Looses bei den Aemterbesetzungen 
setzte denselben im Jahr 1740 endlich die damals noth- 
wendigen Schranken, lieber die ganze Bewegung des 
Jahres 1691 gilt wohl, was Karl Burckhardt^) sagt: 
„dass die Bewegung in ihrem Ursprung eine 'wohlbe- 
gründete war, und dass sie in ihrem Fortgang vielfach 
die richtigen Heilmittel gegen die vorhandenen Schäden 
zu finden bemüht war, — das wird die unbefangene 
Forschung zugeben müssen, wenn sie auch bei manchem 
der geforderten Punkte weder mit der Rechtmässigkeit, 
noch mit der Zweckmässigkeit desselben einverstanden 
sein kann''. ^) 



1) A. a. 0. pag. 100. 

') Nachdem die Obrigkeit auB der ganzen Bewegung wesent- 
lich siegreich hervorgegangen, trat sie nun sehr empfindlich und 
heftig auf gegen alle Schriften, welche irgendwie die politischen 
Zustände, die zu jenem Aufstande Anlass gegeben hatten, zu kri- 
tisiren wagten, nicht nur gegen des entflohenen Dr. Petri „Basel- 
Babel*^, sondern auch gegen eine Bemerkung des Oberstpfarrers 
Klingler in Zürich, welcher geschrieben hatte, zu jenem Aufruhr 
in Basel sei es gekommen, „weil etliche Wenige allein regieren 
und das gemeine Gut unter sich allein zertheilen wollten*'. Der 
Basler Rath begehrte deshalb von Zürich Satisfaction, d. h. wohl 
Unterdrückung des betreffenden Buches. Auf Zürichs Vorstellung, 



75 

Versuchen wir nun, die Thätigkeit des Antistes 
Werenfels zur Ausgestaltung des kirchlichen Wesens uns 
zu vergegenwärtigen! —Wir erwähnen zuerst seine Be- 
mühungen zu Gunsten würdiger Bestellung der geist- 
lichen Aemter und wohlwollender Fürsorge für die dazu 
Vorgebildeten. Schon eine ^Rathserkanntnuss* von 1674 
(VI. 6) hatte, auf Anregung des Kirchenrathes (Depu- 
taten und Pastoren), verfugt, es seien bei Bestellung der 
Predigerdienste, wenn Candidaten in die Wahl sollten 
gezogen werden, d.h. in die Vorwahl, die sogenannten 
Temarios, „die älteren Candidaten vor den jüngeren in 
Consideration zu ziehen '', nach Massgabe des Datums 
ihrer Consecration. Die Geistlichkeit scheint mit dieser 
Verfügung zufrieden gewesen zu sein; denn sie rühmte 
acht Jahre später jenen Rathsbeschluss : „Jesus habe 
auch erst im 30«*«° Jahre sein Lehramt angetreten, wel- 
ches das dem Priesterthum gesetzte Alter war. Die 
Eirchcndienste seien der Pflug, davon sich diejenigen, 
welche das Studium Theologiee für ihre Profession er- 
wählt haben, nähren müssen^. Und sie bat, die genannte 
Verfügung in Anwendung zu bringen nicht nur bei den 
Temaria, so die Herren Deputaten und Pastoren zu 
machen haben, wie bei Besetzung der Predigerdienste 
auf der Landschaft, der Filialstellen der Münstergemeinde, 
der Helfereien, der Stellen bei St. Margarethen und St. 
Jakob, sondern auch bei allen übrigen geistlichen Beam- 
tungen, welche, wie die des gemeinen Helfers (Diac. 
com.), durch andere Wahlbehörden, wie die Pfleger der 



eine solche werde „ vielmehr die Aufsuchung und Begierde dieses 
Buches in und ausser Landes yerursachen*^, ruhte derselbe nicht, 
bis Zfirioh wenigstens die Abänderung gedachter Stelle, durch den 
Druck besonderer Bogen, angeboten hatte. (Vgl. Ochs a. a. O. p. 
282/283.) 



76 

CarthauB, besetzt wurden. Ueberall sollte, nebst der 
Tüchtigkeit, das Alter der Candidaten berücksichtigt 
werden. Am 18. April 1682 soll in diesem Sinne die 
„Rathserkanntniss* von 1674 bestätigt worden sein für 
„alle Wahlen, darin einige Räthe und andere sitzen^. ^) 
Immerhin muss man in Praxi diese Verfügung oft unbe- 
achtet gelassen haben. Denn unterm 17. März 1688 
erliess Peter Werenfels wieder ein „Memoriale wegen 
PrsBcedentz der älteren Candidaten 8. S. Min.* ^) Auch 
er bemerkt, offenbar zur Rechtfertigung einer zeitweisen 
Zurückstellung jüngerer Candidaten, obgleich Jesus schon 
im zwölften Jahr im Tempel disputirt, habe er erst in 
seinem drcissigsten das Lehramt angetreten. Die christ- 
liche Liebe verlange eine Begünstigung der älteren, und 
die Billigkeit. Auswärtige Stellen seien jetzt kaum zu 
erlangen, da leider der Lauf des heiligen Evangelii hin 
und wieder gehemmt werde; so seien die Candidaten 
auf das Vaterland angewiesen. Auch sei es ebenso 
Brauch anderwärts in der loblichen Eidgenossenschaft, 
wie in Zürich, wo oft bis 100 Candidaten seien. In Bern 
würden die Studiosi von den Examina zurückgehalten, 
bis die älteren Candidaten promovirt worden ; Ausnahmen 
geschähen nur zur Bestrafung der älteren. Darum er- 
sucht Werenfels abermals um Erneuerung jener Verfü- 
gung von 1674, um künftige Consideration des Alters 
neben der Tüchiigkeit. Es solle das zugleich dienen 
„zur Vermeidung fauler Practiquen** und zu Gunsten 
der Bescheidenen. ^) Der Rath bestätigte denn auch am 



*) Vgl. Ochs, a. a. O. pag. 841 f. Doch Bcheint mir nicht 
unmöglich, dass Ochs irrthümlich hier vorausnimmt, was erst 1688 
geschah. 

«) Bei Ulli US, a. a. 0. Tom. IL p. 179—193. 

') Wir lesen bei Ochs, a. a. 0. pag. 839 ff: Eine besondere 
Gattung des Prakticirens bot, der geistliche Stand dar. Die Depu- 



77 

18. April 1688 neuerdings jenen Erlass; eine Ausnahme 
sollte nur gestattet sein, ^wenn ein extraordinari tüch- 
tiges Subjectum obhanden, deme die übrigen nicht zu 
vergleichen seien*. 

Als Antistes hatte Werenfels die neugewählten Geist- 
lichen in der Regel in ihr Amt einzuführen, auch auf 
dem Lande, und die angestellten zu beaufsichtigen. 
Wiederholt musste er da einschreiten, bald gegen einen 
Pfarrer wegen „skandalöser Verse** desselben,*) bald 
wegen Fälschung des „ Pfarrbuches **, ^) bald wegen 
anderer Unregelmässigkeiten.^) Doch scheint sein von 
Anfang an energisches Auftreten mitgewirkt zu haben 
zu dem im ganzen untadelhaften Verhalten der Qeist- 
lichkeit. 

Was die Gottesdienstordnung anbelangt, so ist etwa 
zu erwähnen, dass ein Erlass vom 15. October 1681 ver- 
fügte, „während der Dienstagspredigt sollen die Handwer- 
ker nicht arbeiten, die Weiber keine Gobel tragen, und 
die Karren vor der Münsterkirche nicht fahren**.*) Die 



taten klagten, im Kamen des Kirchenrathes, ,,da88 wenn einer in 
den dreifachen Vorschlag (Ternarium) zn einem Pfarrdienst, so ihm 
nicht gefiele, käme, er practicire am nicht erwfthlt zu werden; er 
dinge sich ans der Wahl aus, er laufFe den Beruf ab. Diess sey 
eine sträfliche Unordnung, Ungehorsam, Hoifart, Eigensinnigkeit. 
Ein Candidatus Ministerii sey ein Verlobter Gottes, er soll Gott 
dem Herrn sich überlassen, er soll bereit seyn zu gehen, wohin er 
gesandt wird. Eine Practik sey es eben so wohl, wenn mau einen 
Kirchendienst ablauft, als wenn man einen solchen erlauft <*. Der 
Rath bezeugte (a. 1671) sein Missfallen über die gerügten Unord- 
nungen, und erkannte, dass man dergleichen Personen in andern 
Wahlen übergehen und etwas Zeit warten lassen solle. 

1) Acta Ecol. ad 1676 pag. 675. 

») Ibid. ad 1676 pag. 577. 

») Vgl. ibid. ad 1676 pag. 564. 

*) Vgl. Ochs, a. a. 0. pag. 343. 



78 

Juden waren verpflichtet, auch ihrerseits den Sonntag 
als Ruhetag zu halten ; ^) und gegen Sonntagsentheiligung 
musste je und je wieder geklagt und eingeschritten 
werden. *) Im Jahre 1685 wurde verordnet, auf instän- 
diges Begehren der Geistlichen der Stadt, dass die 
Mahlzeit des „Bannrittes^ in der Stadt erst nach der 
Abendpredigt, aaf dem Lande erst nach der Morgenpre- 
digt sollte gehalten werden. Es wurde aber nicht lange 
beobachtet. ^) Eine Verordnung vom 23. Februar 1684 
bestimmte, dass beim Gottesdienst der Segen nach dem 
Schlussgesang solle gesprochen werden, damit die Leute 
niqht vor dem Gesang weglaufen.*) 

Andere Verfügungen bezweckten nicht nur die Auf- 
rechthaltung der würdigen kirchlichen Ordnung, sondern 
trugen zugleich confessionellen Charakter. So verbot 
am 15. Juli 1682 der Rath bei höchster Ungnade das 
Hinunterlaufen der Einwohner nach Hüningen zu den 
Executionen, damit das Aergerniss vermieden werde, dass 
dieselben beim „Salve Regina** auf die Kniee fielen.*) Die 
wegen der Eriegsunruhen nach Basel geflüchteten „Mark- 
gräfler** hatten durch lutherische Pfarrer Kinder taufen 
und das Abendmahl in Privathäusern reichen lassen. Der 
Antistes und Pfarrer von Brunn statteten hierüber Bericht 
ab; und der Rath verfügte am 20. April 1689, es solle 
das Vergangene auf sich beruhen; „den marggräfischen 
Beamten aber wurde angezeigt, dergleichen Sachen nicht 
mehr vorzunehmen; widrigenfalls würde man es mit 



*) Acta Eccles., ad 1676 pag. 567. 
") Vgl. Acta Eccles., ad 1680 pag. 600. 
») Vgl. O oh 8 , pag. 859. (vgl. A c t. E c c 1. ad 1685, pag. 630.) 
*) Vgl. ibid. pag. 344. (vgl. Act. Eccl. ad 1684, II. 12 und 
26, pag. 624.) 

*) Vgl. ibid. pag. 343. 



79 

raehrerem Ernst respentiren^J) Schon am 15. Juni 1667 
hatte man der Markgräfin -Witwe in ihrem Witwensitze 
„in der neuen Vorstadt** zwar gestattet, „das Religions- 
Exercitium im Hause zu halten, doch nur mit Domesticis, 
und Auslassung aller Fremden*.*) Fremde Communi- 
canten mussten sich vor der Zulassung zum Tische dos 
Herrn bei den Plarrern anmelden.*) 

Die Wiedertäufer machten den Behörden BasePs 
vorläufig noch nicht viel zu schaffen. Immerhin wurde 
je und je im Convent geklagt über deren Eindringen 
auf dem Lande,^) und etwa ein Hirtenbrief gegen sie 
erlassen.^) Auch wurde gelegentlich ein Anabaptist feier- 
lich getauft,®) wie etwa auch ein Jude,'') ja 1698 sogar 
ein Türke.®) 

In der französischen Kirche hatte sich im August 
1682 ein Aergerniss ereignet, das viel von sich reden 
machte. Ochs erzählt: Von den beiden Geistlichen hatte 
der eine. Du Plessis, die Formula Consensus unterschrie- 
ben, der andere, Prince, nicht Als dieser bei einer 
Abendmahlsfeier jenem das gesegnete Brot reichte, soll 
Du Plessis mit verächtlicher Geberde ein wenig davon 
gebrochen, das übrige aber auf den Tisch geworfen 
haben; Zeugen sagten zwar aus, sie hätten nichts Der- 
artiges gesehen. Gleichwohl wurde Prince abgesetzt, 



») Vgl. Ochs, a. a. O. pag. 844 f. Vgt. Acta Eccles., ad 
1689 pag. 658. 

*) Vgl. Ochs, a. a. 0. pag. 838. 

») Acta Eccles., ad 1676 pag. 671. 

*) Acta Eccles. ad 1677, pag. 584, ad 1697, pag. 687. 

•) Ibidem, ad 1684, pag. 627. 

*) Ibidem, ad 1679, IL 28. 

^) Israel Schwartz, ygl. Acta Eccles. ad 1683, X. 11. 

•) Acta Eccles. ad 1698, pag. 691. Derselbe wnrde als 
Immannel Henrici Chinirg. 



9 ausgeschafft ''^ und DuPlessis nach vier Wochen „mit 
einem ehrlichen Yiatico dimittirt^, nachdem er seine 
Valetpredigt gehalten. Dieser etwas unklare Bericht von 
Ochs wird ergänzt und berichtigt durch L. Junod:') 
Dem Duplessis, einem convertirten Mönch, Vikar seit 
21. August 1681, war wegen ärgerlicher Gerüchte ver- 
boten worden, die Yorbereitungspredigt zu halten auf 
den 6. August 1682 und an diesem Tage beim Abend- 
mahl zu administriren. Er that das Erstere gleichwohl, 
ohne dass Prince, der ihn bereits auf der Kanzel fand 
und ihn nun musste gewähren lassen, um Aergerniss 
zu vermeiden, es hindern konnte. Folgenden Tages 
wollte er sich auch zur Administration des Abend- 
mahles hinzudrängen, ohne auf die Vorstellungen der 
Eirchenältesten und des Pfarrers Prince zu hören. Diese 
verliessen demnach die Ejrche, die Versammlung folgte 
ihnen nach und die Abendmahlsfeier musste unter- 
bleiben. Die Regierung, welche dem Consistorium eine 
Hauptschuld an dem Vorgefallenen beimass, .kündete 
dem Duplessis seine Anstellung auf vier Wochen, am 
9. September 1682, musste aber noch vor Ablauf der- 
selben ihn mit Schmach „ausschaffen^ wegen seines un- 
ordentlichen Wandels. — Von einer Absetzung des 
Prince dagegen ist bei Junod nicht die Rede. Derselbe 
scheint freiwillig im selben Jahre 1682 von seiner Stelle 
zurückgetreten zu sein. Bei diesem Anlass wurde den 
Hausvätern der französischen Gemeinde das Recht ent- 
zogen, ihre Geistlichen selber zu ernennen, und der 
Rath erkannte, dass in Zukunft, bei Erwählung der fran- 
zösischen Prediger, dem Consistorium der Aeltesten der 
Gemeinde die vier Herren Deputaten und der Antistes, 



') Histpire de TEglise Fran^aise de Bäle. Lausanne. G. 
Bridel, 1868. pag. 15 f. 



81 

mit Vorsitz des letzteren, von Obrigkeits wegen beiwohnen 
sollten, — was bis zur Stunde Gesetz geblieben ist.*) 

Infolge einer Zuschrift von Zürich, war a. 1662 der 
Hohe Donnerstag, an welchem schon früher in Basel 
eine Predigt gehalten wurde, zu einem Festtage, dem 
Sonntag gleich, erhoben worden durch Rathsbeschluss. 
In Praxi aber verzögerte sich die Ausführung dieses 
Beschlusses immer wieder, trotz erneuten Anregungen 
a. 1663, 1665, 1691 (IL 12). Am 19. März 1692 endlich 
kam er zur Vollziehung, aber erst in der Stadt. Am 
24. März 1694 geschah im Rath der Einzug, dass dieser 
Tag auch auf der Landschaft sollte gefeiert werden. 
Die Landgeistlichkeit, hierüber befragt, hatte keine „er- 
heblichen Gravamina^ einzuwenden; ein Landkapitel zu 
Liestal sprach sich einstimmig dafür aus; und so konnten 
am 9. März 1695 die Deputaten berichten, der hohe 
Donnerstag werde nun auch auf der Landschaft aller 
Orten gleich einem Sonntag gefeiert werden, und zwar 
80, dass in grossen Gemeinden, wo es die Nothdurft er- 
fordere, auch die heil. Communion gehalten werde, wie 
es schon zu Riehen geschehe und in der Stadt, damit 
am Ostertage die Anzahl der Gommunikanten minder 
beträchtlich sei. Der Antistes bekam den Auftrag, sol- 
ches den Herren Fratribus zu notificiren.^) 

Insbesondere bemühte sich Werenfels um die He- 
bung des kirchlichen Jugendunterrichtes. Auch hier 
gieng es sehr langsam mit Einführung jeder kleinen Ver- 
besserung. Nach mannigfachen Anläufen in den Jahren 



') Vgl. Ochs, a. a. O. pag. 848 f. und Acta Eccles. pag. 
617, 682. 

«) Vgl. OchB, Bd. Vm, pag. 21—23. Er bemerkt dazu: Nir- 
gends finde ich übrigens aufgezeichnet, warum der Hohe Donners- 
tag dem Charfreytag vorgezogen wurde. (Vgl. ibid. VII, 333 f.) 

Bdtrige XV. 6 



82 

1657, 58, 65, 68 und 86 wurde von beiden Käthen ge- 
nehmigt, dass, wie im Münster, so auch zu St. Peter, 
St Leonhard und St. Clara, alle vierzehn Tage am Sonn- 
tag öflFentlich Kinderlehre gehalten werde, und dass der 
Geistliche dabei nicht vor dem Altar, 43ondern von der 
Kanzel herab den Unterricht vei richte. «) Auch auf dem 
Lande, wo bis 1660 diese allvierzehntagliche Katechese 
überdiess nur im Sommer (von Ostern bis Michaelis) 
stattfand, machte die Durchführung dieser Neuerung 
Schwierigkeiten.^) 

Gleichzeitig wurde der von Antistes Wohlleb unge- 
fähr 1622 verfasste Katechismus, vom Yolke schlechthin 
^das Nachtmahlbüchlein* genannt, von Peter 
Werenfels a. 1686 vervollständigt und erweitert unter 
dem Titel: „Fragen und Antworten über die fünf Haupt- 
stücke der christlichen Religion für die Kirchen zu Basel, 
bei Erforschung der angehenden Tischgenossen des Herrn, 
wie auch in den Kinderlehren zu Stadt und Land zu 
gebrauchen**. Das mit grösserer Schrift Gedruckte (die 
„groben* Fragen) ist die Arbeit Wohllebs, das kleiner 
Gedruckte (die „reinen" Fragen) die des Antistes Weren- 
fels. ^) Hagenbach bedauert, dass durch derartige Kate- 
chismen mit ihrer scholastisch-polemischen Kirchendog- 
matik beim Unterrichten auch der kleinsten Kinder der 
für dieses Alter viel angemessenere ursprüngliche „Kin- 
derbericht** des Oekolampad ganz verdrängt wurde. Man 
empfand das denn auch später allgemein und ersetzte 



1) Vgl. Ochs, a. a. 0. VII, pag. 832. 

«)■ Vgl. OchB, ibidem, pag. 837. 

•) Siebe Hagenbacb, Kritiscbe Gescbicbte der ersten Bas- 
lerconfession , nebst Beilagen. 1857. pag. 265 f. — Vgl. Acta 
Eccles. ad 1686. VII. 11. pag. 684. Ferner: J.W. Hess, siehe 
weiter unten, pag. 174 f. 



83 

für die unteren Stufen des Jugendunterrichtes den Ka- 
techismus durch die „Biblische Geschichte^. 

Auch als „Visitator Gymnasii* machte sich Weren- 
fels um die Jugenderziehung verdient, und hielt er 55 
Schulpromotionen „mit sonderbarer Erbauung*, wie seine 
„Personalien* *) ihm nachrühmen ; richtete auch eine 
neue Elasse ein für Kalligraphie und Arithmetik, ^) und 
bemühte sich ernstlich, obgleich ohne Erfolg, um Hebung 
der Schulen auf dem Lande. ^) 

Von ihm wurde auch eine Aenderung im bisherigen 
Tauf-Modus angeregt und durchgeführt. Bis 1699 wurde 
die Taufe je weilen im Chor der Kirchen, und nur in 
Gegenwart einiger dazu eingeladenen Weiber, ertheilt. 
Die Stadtgeistlichkeit wünschte nun bei dieser Handlung 
mehr.Oeffentlichkeit, und liess durch den Antistes ein 
Memorial aufsetzen und dem Rath überreichen, „da ohne 
Vorwissen, Gutheissung und Verordnung Eurer Gnaden, 
als einer evangelischen hohen Obrigkeit, auch in Sachen, 
so den Gottesdienst betreffen, keine Aenderung, oder 
keine Einführung anderer Kirchengebräuche kann und 



») Vgl. L. Pr. a. a. O. XU. Bd. 24. N« 80. 

•) Vgl. Zwinger a. a. O. pag. 26 f. — üeber Werenfels' 
Verdienste um die Hebung des Gymnasiums vgl. Tk. Burck- 
hardt-Biedermann, „Geschichte des Gymnasiums zu Basel**. 
— Basel, E. Birkhäuser 1889, pag. 99—108. — Seine vortreff- 
lichen Gutachten bezweckten und erreichten zum Theil Vermin- 
derung der Schülerzahl der einzelnen Klassen, eine Fortbildungs- 
klasse für Nichtlateiner, (sog. „deutsche Sechste**, — Anfang der 
spätem „ Realschule ** ,) besseren Schreib- und Rechenunterricht 
überhaupt, — Hebung des Lehrerstandes durch bessere philolo- 
gische Ausbildung und höhere Besoldung (vgl. Act. Eccl. ad 
1692, pag. 668). 

*) Vgl. hierüber „Geschichte des Schulwesens der Landschaft 
Basel bis 1830** von J. W. Hess. Beitr. zur vaterländ. Gesch. 
Bd. XIV. 1894, pag. 201-209. 



84 

soll vorgenommen werden". Unter anderen Gründen für 
die gewünschte Abänderung des bisherigen Modus wurde 
auch das Betragen der assistirenden Weiber angeführt: 
^Diese stellen sich nicht so sehr ein, um ein Werk des 
Gottesdienstes zu versehen, als um die Kindsbetterinn 
zu ehren, ihr zu gratuliren, und in der Administration 
der Taufe selbst mehr auf die Gevatterleute, wer sie 
seyen, wie sie gekleidet, wie sie sich gebehrden, Ach- 
tung zu geben; statt dass sie, bey Absprechung der 
Agenden, hören und die Gebethe in stiller Andacht nach- 
sprechen sollen, pflegen sie mit einander zu schwatzen''. 
— Das Memorial wurde den 18. November 1699 den 
Geistlichen wieder überwiesen, mit dem Auftrag, es soll- 
ten die Deputaten und die Aeltesten jedes Eirchspren- 
gels einen Vorschlag einreichen, wie die Sache einzu- 
richten wäre. Das geschah, und der Rath verfügte dem- 
gemäss.^ Am 31. December 1699 wurde von allen Kan- 
zeln eine „Schrift betr. die Administration der heiligen 
Tauff vor der gantzen Gemeind" verlesen.*) Darin wurde 
betont, es sei der Wunsch Vieler, „dass, wie vor Jahren 
das Brotbrechen beim heiligen Nachtmahl in unsem 
Kirchen eingeführt worden, auch die heilige TauflF nicht 
in dem Chor in gegenwart etlicher, bissweilen wenig 
weiberen, sondern in der Kirchen bey des Herrn Tisch 
vor der gantzen Gemeind, wie dieselbe sich in den 
Predigten versammlet, administrirt und verrichtet wurde*. 
Als Gründe hiefür werden namhaft gemacht: dass die 
Taufe ebensowohl (wie das heilige Abendmahl) ein Sa- 
crament und der gleichen Devotion würdig sei; die Auf- 
nahme in die Gemeinde geschehe billig von der Ge- 



») Vgl. Ochs, a. a. O. VU, pag. 897 f. VIII, pag. 23. 
») Siehe bei Ullius a. a. 0. Tom. I, pag, 329—336. Vgl. 
Act. Eccl. ad 1700, pag. 695. 



85 

meinde, und das Gebet derselben werde desto kräftiger 
sein; es werden nicht so viel Weiber das Eind begleiten 
und die (vorausgehende) Predigt versäumen dürfen; es 
werde so grössere Conformität erreicht mit anderen re- 
formirten Kirchen. — Es wurde verfügt, die Taufen 
sollten hinfort stattfinden Sonntags, Dienstags und Don- 
nerstags nach der Predigt, vor dem letzten Gesang. 
Weil Dienstags nach der Predigt, um 8 Uhr, im Winter 
noch zu finster sei, sollte (von Simon Judae bis Ende 
Hornung) diese Predigt erst um 7 V« Uhr beginnen 
(statt um 7 Uhr); am Donnerstag um 8 Uhr. Auch soll- 
ten, besonders im Winter, kürtzere Predigten und Tauf- 
formeln gehalten und benützt werden. Es solle ferner 
nur die Hebamme das Eind abholen, damit die Gotten 
nicht die Eirch versäumen. Besondere Stühle für die 
Gevatterleut seien zu reserviren, und alles überflüssige 
Gepränge zu vermeiden. — Schon am 2. Jenner 1700, 
— in welchem Jahre auch die Annahme des Gregoria- 
nischen Ealenders von 1582 für die Schweiz beschlossen 
wurde, ^) — fand die erste Taufe nach neuem Brauch 
statt. Der academische Panegyricus auf Werenfels er- 
hebt diese bescheidene Neuerung zu einer „Reformatio 
Baptismi** und zu einem „luculentum specimen" der 
kirchenregimentlichen Tüchtigkeit des Verewigten. ^) 

Ungleich bedeutender ist, was Werenfels in seinen 
Predigten und Schriften leistete zur Belehrung der Ge- 



«) Vgl. Och 8, VIT, 398 und VIII, 23: betr. Einfahrung des 
neuen, Gregorian. Kalenders, vgl. ibid. VII, 399 f. (Glarus, A.ppen- 
zell A./Rh., die Stadt St. Gallen und die gemeinen drei Bünde 
behielten auch damals noch den alten, julianischea Kalender bei.) 

*) Zwinger a. a. 0., pag. 24. In regimine Eoclesiee pru- 
dens fuit et circumspectus, in disciplina severus, in eliminandis 
omnis generis scandalis et abusibus fervidus, cujus nobis ante quin- 
quennium luculentuni specimen dedit in Reformatione Baptismi .... 



86 

meinde über das Sakrament des heiligen Abendmahls, 
wobei er, wie seine „Personalien" mit Recht hervor- 
heben, ^) »gezeiget, dass ihme neben der Wahrheit auch 
der zu dieser Zeit so hoch nothwendige Friede der Evan- 
gelischen recht angelegen gewesen''. Dabei kommt ins- 
besondere in Betracht seine berühmt gewordene „Nacht- 
mahls -Predigt*, welche er über Matth. 26, 26 — 29 
Dienstag, den 26. März 1689, in der Charwoche im 
Münster gehalten und dann, etwas erweitert, im Druck 
herausgegeben hat und den Herren Deputaten gewidmet. 
Sie trug das charakteristische Motto Genes. 13,8: „Lie- 
ber, lass nicht Zank sein zwischen mir und dir, ... . 
denn wir sind Brüder!" Da die erste Auflage längst 
vergriffen war, rüstete Werenfels eben eine zweite, als 
ihn darob der Tod ereilte. Sein Sohn, Prof. Samuel 
Werenfels, besorgte dann dieselbe a. 1705, ^) und versah 
sie mit einem eigenen Vorwort, worin er u. A. sagt: 
„Einer der schädlichsten Griffen des Satans ist der irrige 
Wahn, den er den Leuten beygebracht, als bestuhnde 
der Eyfer eines rechtschaffenen Christen fürnehmlich in 
einem unversöhnlichen Hass gegen alle diejenigen, so 
es, betreffend die in der Kirchen aufkommene Streit- 
fragen, nicht allerdings mit ihme halten. Dadurch dann 
dieser Bösswicht nicht nur den Unfrieden und alles da- 



») Vgl. L. Pr. a. a. 0., pag. 40. 

*) Christllohe Naohtmahla-Predigt, darinn gehan- 
delt wird von dem Streit der Evangelischen, betreffend das H. 
Abendmahl, u. 8. w. In dem Münster zu Basel Dienstag morgens 
in der Ghar - Wochen, 26. Martii an. 1689, damahlen mit etwas 
AussfÜhrang, nun aber zum andern Mahl, umb ein nahmhaftes 
vermehret, in den Truck gegeben, durch Pet. Werenfelss, H. Sehr. 
Doct., Pfr. selbiger Kirchen und in der hohen Schul Prof. N. T. 
— Basel, bey Job. Brandmüller d. Jüngeren 1705. — 92 S. in 
Oct. — (L. Pr. a. a. 0. Bd. 24. N» 31.) 



87 

her rührende Unheil in der Kirchen immer erhaltet und 
vermehret; sonder er führet auch durch dieses Mittel 
einen grossen Theil der Menschen ab von dem wahren 
und thätlichen Christentumb, indem er sie beredt, Gott 
lasse sich mit diesem Eyfer abspeisen, und, ob schon 
einer die christliche Pflichten eben so genau nicht beob- 
achtete, wann er nur ein hitziger Verfechter seye seiner 
in der Jugend erlehrnten Meinungen und ein abgesagter 
Feind aller, welche in etwas davon abweichen, so werde 
dadurch alles wider gut gemacht, und könne es ihm 
seiner Seeligkeit halben nicht wohl fehlen. Dieser Wahn 
ist meines Erachtens auch die vornehmste Ursach, warumb 
so viel Gottsälige Männer an der lang-gewünschten Ver- 
einigung der Evangelischen mit so schlechtem Success 
gearbeitet...., so dass man billich Gott dem Herrn 
zu danken (hat), dass ungeachtet dieses üblen Tracta- 
ments sich dann imd wann Fridli'ebende Gemüter finden, 
welche dieses nohtwendige und Gott wolgeföUige Werck 
annoch treiben. In guter Hoffnung, es werden endlich 
denen, so es verhinderen, die Augen aufgehen, dass sie 
sehen, was grossen Schaden sie dem Reich Christi mit 
ihrem verkehrten Eyfer zuziehen .... in diesem Absehen 
hat auch mein seliger Vatter seine bekannte Nachtmahls- 
Predigt an den Tag gegeben*' 

Der Inhalt dieser Predigt ist nun ungefähr folgender. 
Einleitend bemerkt der Verfasser, es sei ein alter Brauch, 
dass ein ehrlicher Keicher sein Testament macht vor dem 
Tod. Unser Herr Jesus Christus, der da reich ist über 
Alles, hat auch eines gemacht: Vergebung der Sünden, 
versiegelt durch sein Abendmahl. Es ist aber arg, wenn 
nun über dem Erbe gestritten wird und dasselbe Einem 
entzogen. So geschah es beim Abendmahl: den Römi- 
schen wird durch ihre Lehre das wirkliche Erbe ent- 
zogen; in der protestantischen Kirche ist Streit über 



den Einsetzungsworten. Darüber will nun derVerfaeser 
reden, um zur Einigung zu wirken; will zeigen: 

I. Worinnen die Evangelischen des Nachtmahls 
halben mit einander überein kommen, und wo- 
rinn sie streitig seien. 
11. Aus was Ursachen und durch was Mittel dieser 
langwährende Streit endlich könnte und sollte 
beygelegt, oder zum wenigsten gemiltert werden, 
in. Wie und welcher gestalten Gott- und Fried- 
liebende Leut biss dahin diesen Streit ansehen, 
und indessen würdiglich des heil. Nachtmahls 
sich gebrauchen können. 
I. Einmüthig verwerfen die Evangelischen Trans- 
substantiation, Adoration der Hostien, vermeinte Opferung 
des Leibes Christi, missas privatas et communionem sub 
una specie. Einmüthig betonen sie das Abendmahl als 
Qedächtnissmahl, und zwar als „epulum non ventris sed 
mentis", — ebenso den Unterschied von „res terrena* 
(Element) und „res coelestis*' (Bedeutung des Sinnbildes), 
dass in dem heil. Abendmahl nicht nur Brot und Wein, 
sondern auch Christi Leib und Blut warhaftig gegen- 
wärtig seyen und warhafftig genossen werden, und wir 
also in demselben eine wahre GemeinschafFt haben, nicht 
nur mit Christi Gutthaten, sondern auch mit ihme Selb- 
sten. Das Abendmahl soll also nicht nur Christi Tod 
repräsentiren, sondern soll ein unfehlbares Siegel sein, 
wie auch ein kräftiges heiliges Gnadenmittel der selig- 
machenden Eynwohnimg und Gemeinschaft Christi mit 
mir und dir und allen armen bussfertigen und gläubigen 
Sündern. (Vgl. Basler Confession und Basler Gate- 
chismus.) 

Der Streit unter den Evangelischen betrifft: 
1. Die Gattung des Brotes, — ob Hostien und Oblaten, 
oder Speis- und Nährbrot. Wir sind für letzteres. 



89 

2. Das Brotbrechen. Wir ziehen dieses vor, damit 
die Handlung derjenigen des Herrn selbst genau 
nachgethan sei; die Bedeutung derselben wird da- 
durch deutlicher; und so war es auch in der apo- 
stolischen Kirche üblich, und hatte das ganze Sa- 
krament davon sogar den Namen. 

3. Ob die Elemente, speciell das Brot, dem Communi- 
canten in die Hand zu geben seien, oder in den 
Mund zu schieben, wie Kranken oder Kindern. 
Ersteres entspricht der Einsetzung besser, — wie 
ja firüher auch der Kelch in die Hand gegeben 
wurde; Luther war einst auch dafür. 

4. Die Einsetzungsworte : „das ist mein Leib.* — Nach 
der lutherischen Auffassung bezeichnet das ein 
„complexum quid" (wie bei einem Beutel mit Geld, 
einem Sack mit Haber, einem Fass mit Wein, einer 
Wiege mit Kind, der Ausdruck: das ist Geld, 
Haber etc.) und ist „importire eine corporalem 
inclusionem vel unionem.** — Nach reformirter Auf- 
fassung gehe das nur auf das Brot, und gebe ist 
eine sakramentliche Vereinigung zu erkennen (wie 
z. B. der Ausdruck von des Kaisers Bild : das ist 
der Kaiser; oder vom Lilienwappen: das ist Frank- 
reich; oder von einer Obligation für 1000 fls: das 
sind die tausend Gulden; oder vom Verlobungs- 
ring: das ist meine Treu). — Wir halten diese 
Auffassung für richtig, weil der Schrifttext sie ver- 
langt, ebenso der Begriff des Sakraments, und die 
biblische Ausdrucksweise, vgl. „die sieben Aehren 
sind sieben Jahre, der Fels war Christus, das 
Lamm ist des Herrn Passah * u. s. w. Auch die 
Conf. Aug. nennt die Sakramente Zeichen und 
Siegel. 

5. Ob das Zeichen nur das Brot sei (reform.), oder 



90 

aber Brot und Leib (luther.). Wir sind für er- 
steres, denn das Zeichen muss ja doch das sicht- 
bare sein. 

6. Die Weise der Gegenwart des Leibes und Blutes 
Christi. Die lutherische Lehre verlangt eine 
lokale Gegenwart, in, sub, cum; wir lehnen das 
ab, nicht der Vernunftwidrigkeit jener Lehre wegen; 
sondern wir sagen: beim ersten Abendmahl war 
Christi Leib am Tisch, aber nicht im Brot; Chris- 
tus ist nur einmal gestorben, ist mit seinem Leib 
im Himmel; Christi Person ist gegenwärtig, aber 
nicht sein Leib. Wir lehren also eine wahrhaftige, 
aber nicht eine leibliche Gegenwart Christi. FrsB- 
sens dicitur, quod est pr» sensibus (Conf. Helv.). 
Er ist gegenwärtig dem gläubigen Communicanten ; 
prsesentia spiritualis est omnium realissima. 

7. Die Lutheraner lehren ein mündliches Essen 
des Leibes Christi ; wir lassen uns genügen an . 
dem geistlichen Essen. 

8. Nach lutherischer Lehre empfangen auch unwür- 
dige Communicanten, Heuchler, nicht nur das Zei- 
chen, sondern auch den Leib selbst, das bezeich- 
nete Gut; wir sagen: Nein! denn sie haben nicht 
Theil an der Vergebung. 

Der ganze Streit aber ist nach unserer Meinung 
nicht ein Streit „de re*' (ob Christi Leib wahrhaftig ge- 
essen werde), sondern „ de modo ''(wie das geschehe), 
und darum nicht ein Streit, welcher die Einigkeit des 
Glaubens zwischen den streitenden Partheyen aufheben 
kann. (Vgl. 1. Corr. 3, 11-15.) 

U. Demnach ist eine Beilegung oder Milderung 
des Streites wünschbar, — ohne Confusion, mit Aner- 
kennen der wesentlichen Einigkeit über den Grund des 
Heils. Es sollte möglich sein, bei gutem Willen gegen 



91 

einander, ,,da88 man im Fall der Noth wider die gemei- 
nen Feind der eyangelischen Wahrheit für einen Mann 
stehe^, ja dass man ,,bei einander zum Nachtmahl gehen 
könne*'. — Eine solche Vereinigung wäre höchst nöthig, 
da die Verfolgungen wieder überhandnehmen, gegenüber 
dem römischen Grundsatz: „Divide et impera^! — Da- 
zu sollte dienen eine klare Erklärung, es handle sich 
nicht um Vermischung der Lehren und Gemeinden, auch 
nicht um Gompromisse, noch um eine „auff Schrauben 
gesetzte Formul^, sondern um Brüderschaft wegen der 
Einigkeit des Fundaments des Glaubens. Dazu sollte 
dienen, dass man einander nicht missdeute und „mit un- 
gegründeten Zulagen beschwäre'*; Freunden deute man 
ja ihre Reden aufs Beste: sie meinen es nicht so bös, 
als die Wort lauten. Vielleicht gelte auch hier das alte 
Wort: „Sanctiora nonnumquam esse corda Yulgi, quam 
ora Sacerdotum^. Man solle sich nicht verketzern und 
anathematismi aussprechen! wie z. B. die Urheber des 
Concordi-Buches uns als Ketzer verdammen. Man solle 
nicht einander beurtheilen nach Privatschriften, sondern 
nach den öffentlichen Confessionen ; man solle auch nicht 
die Lehrer, selbst die Reformatoren nicht, für unfehlbar 
achten! Die Theologen sollten Moderation beobachten 
in den Predigten; die Obrigkeiten sollten darob wachen 
und bei Disputationen selbst das Steuer führen! Und 
im Gebet sollte ebensowohl, als um Landsfrieden, um 
Kirchenfrieden gefleht werden! 

ni. Wie aber sollen wir uns inzwischen verhalten? 
— Uns nicht am Sacramentsstreit ärgern, wie die Ka- 
tholiken sich an unserer Uneinigkeit ärgern; es gab ja 
schon zur apostolischen Zeit auch Spaltungen; — uns 
nicht abhalten lassen, die Wahrheit zu erforschen; — 
das eigene Bekenntniss festhalten, doch Liebe und Sanft- 
muth gegenüber dem Gegner beobachten und nur „die 



j 



92 

Sach streiten lassen ''; - uns nicht abhalten lassen vom 
Gebrauch des Nachtmahls, weil über dasselbe noch 
gestritten werde ( — es wäre thöricht, wenn Einer, dem 
in einer fernen Stadt ein Erbe zugefallen, nicht dahin 
reisen wollte, weil man noch streitet über den nächsten 
Weg dorthin! — ); sondern für eigenen würdigen Genuss 
sorgen ! 

Diese Werenfelssche Auffassung des Abendmahles 
darf wohl als die Baslerische überhaupt bezeichnet wer- 
den; sie ist die reformirte, aber durch eine innige Mystik 
der lutherischen verwandter, als die rein-Zwinglische. 
Zugleich ist sie charakteristisch für Werenfels selbst: 
seine Orthodoxie ist nicht die starre eines Luk. Gemler, 
sondern freundlich gemildert durch die Anerkennung und 
Betonung jeder ächten Herzensfrömmigkeit J) Werenfels 
war, wie auch seine Personalien hervorheben, ein fleis- 
siger Beter. Auf seinem Sterbebette noch bemerkte er 
beiläufig, „sein täglich Gebätt werde man finden, mit 
seiner Hand geschrieben, binden an dem Manuale Mol- 
leri " ; es waren eine Menge „herrlicher Sprüche und an- 
dächtiger Herzensseufzer um ein selig Ende*.^) Er hat 
denn auch nicht nur eine grosse Zahl besonderer „Kir- 
chengebete** hinterlassen, als Anhänge zu allen seinen 
gedruckten Leichen- und Casualpredigten, sondern seine 
Personalien sagen : „Und weil ihme Gott neben anderen 
Gaben sonderlich den Geist des Gebätts gegeben, hat 

Vgl. L. Pr!, a. a. 0. Sein Wort war: die Frommkeit be- 
stehe nicht darinn, dass man sich fromm stelle, den Kopff hencke 
und von der Frommkeit schwätze, sondern in praxi und in der 
Uebung. 

') Vgl. ibid. Sein Syrabolum oder Denckspruch, damit er 
auch auff seinen Tauifnahm gezielet, war: 

Petra salutis eras puero, juvenique, viroque, 
Auxilio ne me desere, Christe, senem! 



93 

er auch an einem Gebättbuch angefangen und bereits 
ein gantz Alphabet verfertiget^.^) Kurz vor seinem Ende 
besorgte er noch a. 1701 eine Umarbeitung der a. 1666 
von Luk. Gemler herausgegebenen ^ersten vollständigen 
Agende^ für die Basler Kirche. Hinsichtlich der Abend- 
mahlsliturgie sollte danach ^der Glaube^ nicht mehr 
gesungen, sondern gesprochen, und die Vorlesung län- 
gerer biblischer Abschnitte aus der Leidensgeschichte 
weggelassen werden.^) 

Für Ordination und Installation der Geistlichen 
findet sich in den älteren Agenden kein Formular. Es 
scheint, dass dem einführenden und einsegnenden Pfarrer 
überlassen war, selber ein solches im Fall des Be- 
dürfnisses sich zu erstellen; auch scheint, da^s Ordina- 
tion und Installation jeweilen nur einen Akt bildeten. 
Wenigstens findet sich von Werenfels eine „Christliche 
Einsegnungs- Predigt*, gehalten am 26. Juli 1702 bei 
der „Ordination und Einsegnung^ von M. Andreas Merlan 
zu St. Theodor, Sohn des f Matth. Merian, und „ ihme 
succedirend, wie Eleasar seinem Vater Aaron.* ^) Die 
Predigt selbst umfasst 37 Druckseiten in-S^^; und an- 
gehängt ist (pag. 37 — 48) der ganze „Actus Inauguratio- 
nis.*' Dabei werden an den einzuführenden Geistlichen 
keine Fragen gestellt, keine Versprechen ihm abgenom- 



») Vgl. Zwinger, a. a. O. pag. 24. Exstant ab eodem, oc- 
caaione solennitiin supplicationum et jejunii dierum typis excusce 
XXXVI. preciun formulee, spiritu pietatis, deyotionis et fervoris 
pleniBfliniffi. Goepit etiam adornare librum precum ordinarium in 
usnm plebis Christiance. 

^) Agendbuch oder christliche Eirchengebräu- 
che und Gebätter, wie die in der Kirchen zu Basel, u. s. w. 
Gedruckt bei Johann BrandmüUem 1701. — Vgl. Hagenbach, 
Geschichte der Basler Ck>nfes8ion, a. a. 0. 254. 

») L. Pr. a. a. 0. Bd. 24. N« 24. 



94 

men, und derselbe angeredet mit „Ihr*' und „Herr Ma- 
gister.* 

Die Predigt selber bietet manches für uns Interes- 
sante. Im Eingange wird, im Anschluss an Psalm 147, 
Gott gedankt für alle möglichen Outthaten gegen Basel, 
sonderlich für sein Wort. Es wird dann, unter Auf- 
zählung aller Pfarrer zu St. Theodor seit der Reforma- 
tion, die Geschichte dieser Kirchgemeinde skizzirt, und 
schliesslich an Hand von Ezech. 3, 16 ff. geredet „Von 
dem Amt.* 

I. Erinnert Gott den Propheten seines Beruffs zu 

dem Propheten-Ampt. 
II. Vermahnet er ihn zu fleissiger und dapfferer Ver- 
richtung seines Ampts. 
in. Bevestiget er diese Vermahnung mit einer ernst- 
lichen Dräwung und trostlichen Verheissung. 
In geschickter Weise wird der Begriff des Wäch- 
ters verwendet und angewendet. Wächter müssen wa- 
chen, ihrenthalben und der Anderen halben, — müssen 
um sich sehen, nicht nur auf der Kanzel, wie Viele gern 
von uns möchten, sondern auch — wie es auf dem Raht- 
hauss gehe, in den Schulen, den Haushaltungen, bei 
den Armen, bei Gefahr, — gegen falsche Lehr und 
Sünden aller Art. „Es gibt Leut, welche dergleichen 
laut-tönende scharffe Straff-Predigten nicht lieben, gleich 
denen, welche die Schlafsucht haben und unwillig wer- 
den, wann man sie nicht fortschlaffen lässt, sonder auff- 
weckt . . . Widerumb gibt's derjenigen, welche, wann 
sie meinen, man rede auff sie, dem Prediger feind wer- 
den und ihm gern, wann sie nur dörfften, ein injuri-Pro- 

cess an den Halss würffen Man wil auch etwan 

den Predigeren das Wächterhorn auss der Hand nemmen 
unter diesem Vorwand: Sie sollen entweder das scharffe 
predigen unterlassen, oder aber diejenigen angeben, ver- 



95 

zeigen und nennen, welche sie für schuldig halten . . . 
Diss aber ist ein Sach, als wann man einem Wächter 
das Fewrblasen verbieten und niderlegen wolte, es scye 
dann, dass er den Incendiarium, den Mordbrenner, der 
Fewr eingelegt, oder den, der an der Brunst schuldig 
seye, wisse oder nennen und angeben könne. Den Pre- 
digern ligt ob, die in dem schwang gehende sünden 
warzunemmen und zu straffen. Der Oberkeit stehet es zu, 
die Thätere oder Schuldigen zu forschen, fleissig nachzu- 
forschen und ohne ansehen der Person zu straffen ^ . . . 

Wenn es heisst: ^Du solt das Wort auss meinem 
Munde hören ^, so macht Werenfels hievon die gute 
Anwendung: Wächter hätten ihre „Parole* aus ihres 
Herren Mund zu empfangen, nicht aus dem des Fein- 
des; sie sollen in Gottes Namen reden. „Das haben 
zu bedenken allerhand grosse Herren und Regenten, 
welche da meynen, weil sie Herren in dem Land sind 
und den höchsten Gewalt haben, und ihnen auch die 
Prediger underworffen seyen, es habe ihnen Niemand 
nichts einzureden, auch die Prediger nicht; dann darinn 
irren sie sich und spannen ihr Ansehen und Gewalt 
allzu hoch.*' 

Entsprechend dieser Auffassung vom geistlichen 
Wächtcramt, erhob die Geistlichkeit je und je ihre 
Stimme, um Abstellung yon allerlei Unsittlichkeit und 
Unfug zu erreichen, gute Zucht und Polizei; sie wurde 
nicht selten yon der Obrigkeit aufgefordert, Gutachten 
über einzelne Fragen abzugeben, und der Antistes hatte 
dann in der Regel solche zu verfassen. So Werenfels 
bald nach seinem Amtsantritt eines betreffend „vor- 
gebuhlte Ehen.* Eine hiesige Witwe hatte vor dem 
Hinschied ihres Mannes in Ehebruch gelebt mit einem 
Stadtbürger und diesem ein Eind geboren; sie wurde 
später auf bischöflichem Gebiet, im Münsterthal, mit 



96 

ihrem früheren Buhlen getraut. Es handelte sich nun 
um die Frage, ob diese Einsegnung involvire, daas der 
Rath von Basel jene also vollzogene Ehe anerkennen 
müsse, als eine gesetzlich rechtmässige. Hierüber hatte 
Werenfels, im Namen der Professoren und Pastoren, ein 
Gutachten zu verfassen (12. Mai 1677), das dann auch 
vom Rath bestätigt und befolgt wurde. Es verlangte, 
jene ehebrecherische Ehe sollte für null und nichtig er- 
klärt werden, trotz der geschehenen kirchlichen Ein- 
segnung; denn: „Die Ehe sey kein Sacrament; die prie- 
sterliche Einsegnung mache keine Ehe; sie sey auch 
kein wesentliches Stück der Ehe, sondern nur ein hei- 
liger, nützlicher Gebrauch, wodurch rechtmässige Ehen 
offenbar gemacht, bestätiget, inaugurirt, und dem lieben 
Gott durch das Gebet und den Segen empfohlen werden.* 
Manche Einwendungen, die man aus dem A. T. ent- 
lehnen konnte, widerlegte Werenfels also: „Gott habe 
diese Sachen zwar nicht gebilliget, aber doch tolerirt, 
und den Erzvätern aus Gnade vergolten. Es war die 
Zeit der göttlichen Toleranz und Geduld, die Zeit der 
Unwissenheit.*' *) 

Es wurde mit der Sünde des Ehebruchs überhaupt 
ernst genommen;^) sre scheint mit kirchlichem Bann 
belegt worden zu sein, und dieser wurde dann seiner Zeit 
in öffentlichem Gottesdienst aufgehoben. So ist wohl 
die Notiz zti verstehen, dass am 12. October 1684 eine 
Ehebrecherin im Münster durch den Antistes reconciliirt 
wurde. Werenfels predigte dabei, mit krankem Fuss, 
über Joh. 8. «) • 



1) Ochs, a.a.O. VII, pag. 291 f. Vgl. Acta Eccles. ad 
1677, pag. 684. 

«) Vgl. A c ta E c cl e 8., ad 1676, pag. 665 f. ; ad 1681, pag. 606, 
») üllius, a. a. O. Tom. II. pag. 631—654 ad a. 1684. 



97 

Gegen im Schwange gehende sexuelle Sünden aller 
Art, selbst Sodomiterei und widernatürliche Unzucht, 
eifern nicht nur die Predigten jener Zeit, sowie die 
denselben öfters beigedruckten „Epicedia** in Versen; 
auch Ochs zählt manche skandalösen einzelnen Fälle 
dieser Art auf;^) und um die Studenten und Alum- 
nen davor zu bewahren, viel Unsittliches zu hören, ver- 
legte das Ehegericht seine Sitzungen aus dem „oberen 
CoUegium^ zunächst in das Gerichtshaus der kleinen 
Stadt (1659), dann in das Haus „zum Seufzen* (1660).2) 

Auch gegen überhandnehmenden Luxus wurden im- 
mer wieder Erlasse nothwendig, die zum Theil uns frei- 
lich als kleinlich^) erscheinen, aber vielfach aus der 
Noth und Gefahr und dem Ernst der Zeit heraus be- 
greiflich werden. Man denke nur an die wiederholten 
politischen Gefahren, die öfteren Theurungen, den An- 
blick der Befugiantenschaaren u. ä. ! — Deshalb wurde 
1681 (22. September) verboten, Hochzeiten in Privat- 
häusern zu halten;^) 1685 (17. März) „die übermachte 
Köstlichkeit* getadelt, welche bei angestellten Hoch- 
zeiten einreisse, wonach „Montags morgen weiss nicht wie 
viel Dutzend kleine Pastetlein auf des Hofmeisters Namen 
abgeholt werden; zumal ihm ein köstlicher, mit ganz 
goldenen Bändern gezierter Mayen gegeben werde * ; ^) 
das Tanzen wurde nur in beschränktem Masse erlaubt, 
nur bei „ehrlichen Hochzeiten^ und bloss auf Zünften, 



») Ochs, a. a. 0. pag. 345 ff. und Vm. 28 ff. 

«) Ochs, a.a.O. pag. 859. 

») Vgl. Ochs, a. a. 0. pag. 335. — Ad 1671 (28. Juni). 
Eingezogen: „Man fange an, grosse und gar weite Hosen zu tragen; 
sollte man es bey den alten patriotischen und etwas engeren Hosen 
bewenden lassen". Der Einzug wurde der Reformation überlassen. — 

*) Ochs, a. a. O. pag. 293. 

^) O c h s , a. a. 0. pag. 356. 
Beitrage XV. 7 



98 

nicht länger als bis 10 Uhr; dabei sollten die Thüren 
verschlossen, und keine Gäste, die der Hochzeit nicht 
beigewohnt hätten, zum Tanze zugelassen werden (1685)J) 

Auch das Tabakrauchen und Tabakpflanzen wurde 
möglichst unterdrückt. Hatte doch z. B. ein Landgeist- 
licher in einer Predigt sich zu dem Ausruf aufgeschwun- 
gen : „Wenn ich Manier sehe, die Tabak rauchen, so ist 
es mir, als sähe ich eben so viele Kamine der Hölle • ! -) 

Vernünftiger und auch wohl erfolgreicher war, dass 
der Rath im Jahre 1695 den Deputaten auftrug, mit den 
Geistlichen zu reden, dass diese nicht nur auf den Kan- 
zeln die Wohlthätigkeit empfehlen, sondern auch bei 
Krankenbesuchen an Legate und milde Gaben für die 
Armenhäuser erinnern sollten.®) 

Wenn so, — wie wir gesehen, — Werenfels überall 
seines Amtes treulich wartete, seine hervorragendsten 
Leistungen lagen doch auf dem Gebiet der Predigt. 
Einzelne seiner Reden haben wir bereits gelegentlich 
erwähnt oder skizzirt. Hier aber erlauben wir uns noch 
ein zusammenfassendes Wort über Werenfels als Prediger, 

Wir lernen ihn als solchen kennen aus zwei von 
ihm selbst herausgegebenen Predigtsammlungen , der 
„Pest-Artzney* von 1669, und den „Dominicalia*' von 
1702, — und aus etwa 190 Casualpredigten von 1655 
bis 1703, meist „Leichenpredigten' und darum auch in 
den 7 Sammelbänden als solche betitelt. Selbstverständ- 
lich sind diese gedruckten nur ein ganz kleiner Theil 
seiner überhaupt gehaltenen Predigten. Aber sie genü- 
gen, um uns hohe Achtung einzuflössen vor dem Manne. 
Zunächst einmal vor seiner grossen Gewissenhaftigkeit 



') Ochs, a. a. O. pag. 372 f. 
«) Ochs, a. a. O. pag. 373 f. 
») Ochs, a.a.O. VII. 73. 



99 

und Treue im Ausarbeiten derselben. Jede seiner Pre- 
digten ist ein kleines Opus, umfasst in der Regel 30 bis 
40 Octavseiten;^) am Rande werden die darin vorkom- 
menden biblischen und profanen Citate meist sorgßUtig 
nach ihrem Fundort bezeichnet; seinen ^Dominicalia' ist 
sogar, — wie das auch bei Predigtsammlungen anderer 
Zeitgenossen etwa zu finden, — ein ausführliches alpha- 
betisch geordnetes Register der in den Predigten bespro- 
chenen Lehren und anderer denkwürdigen Sachen bei- 
gefügt. So ernst und wichtig wurde jede einzelne Rede 
genommen, als eine kleine wissenschaftliche Abhandlung, 
als eine dogmatische Belehrung, welche correkt sein 
sollte. Auch jede Leichenpredigt; denn bei Werenfels 
wenigstens ist jede solche niemals etwa ein schwülstiger 
Panegyricus; das Persönliche wird in den ^Personalien* 
am Schlüsse besprochen ; die Predigt selber dagegen ist 
stets die sorgfältige und objectiye Behandlung eines, 
allerdings auf den Fall passenden Schrifttextes, nach 
allen Seiten hin und in möglichst erschöpfender Weise. 
Werenfels selber spricht kurz vor seinem Tode, in einer 
Predigt vom 4. Februar 1703 über Psalm 90, 11. seine 
Auffassung dahin aus: „Obwohl die Leichpredigten, wel- 
che in unseren Kirchen üblich,^) nicht sind subsidia 



^) Wegen der Länge der Predigten entschuldigt sich Weren- 
fels selber in der Vorrede zu seinen „Dominicalia^ sehr nett also : 
„Wann etliche Predigten den Leser zu lang duncken, so hat er 
zn gedencken, dass, weil das gantze Evangelium hat müssen er- 
kläret werden, sie nicht wol kürtzer sein können. Wie dergleichen 
Predigten abgetheilet werden, also kann auch die Ablesung der- 
selben abgetheüet werden, nicht anders, als wann*s zwo Predigten 
wären". — 

') Bei Exoommnnicirten, Trinkern, Lasterhaften, mnsste von 
Fall zu Fall über die Zulässigkeit einer Leichenpredigt entschie- 
den werden. Vgl. Acta Eccles., ad 1680, 1.23. 



100 

demortuorttm, sed solatia vivorum, d. i. ob sie wol den 
Yersfcorbenen nicht dienen zu einigem Behelff, wie man 
ihnen in der Kömischen Kirchen durch die Seel-Messen 
helffen will, sondern allein den Ueberlebenden zum 
Trost; so sind gleichwohl die Verstorbenen der Anlass 
solcher Predigten, geben auch mit ihrem Exempel an 
die Hand den Text und die Materi*.*) Auch die 
^Wochenpredigten * wurden etwa gedruckt, und somit 
ebenfalls yorher sorgfaltig ausgearbeitet. Man wird wohl 
sagen können, bei der damaligen beschränkten Ausdeh- 
nung der Stadt hätten die Pfarrer weniger andere Ar- 
beit vorgefunden, und darum mehr Zeit auf ihre Predigt 
verwenden dürfen; von den gedruckten Leichenreden 
unseres Werenfels entfallen auf jedes Jahr durchschnitt- 
lich allerdings nur 3 bis 4, höchstens 10. Aber die Zahl 
der Pfarrer war auch noch etwas kleiner; mehrere Kirch- 
gemeinden hatten neben dem Hauptpfarrer nur einen 
Helfer; und die einzelnen Pfarrer hatten Sonntags und 
in der Woche recht oft zu predigen,*) nicht selten an 
einem Tage zweimal. Unmittelbar vor seinem Tode 
z. B. predigte Antistes Werenfels, mit seinen 76 Jahren, 
am Auffahrtsfeste im Münster noch Vor- und Nachmit- 
tags. Nehmen wir dazu, dass er viel litt an Podagra 



») L. Pr., a. a. 0. «E. XII. Bd. 24. N« 28. 

«) Vgl. L. Pr., a.a.O. Bd. 24. N» 22. wo Werenfels, bei 
Einweihung der erneuerten Münsterkircbe, die Gemeinde ermahnt 
zu fieissigerem Eirchenbesnch, „nicht nur an Sonntagen Morgens 
und Abends, in den Dienstags- und Donnerstags-, sondern auch in 
übrigen Wochenpredigen und in den Bättstunden, da die Fre- 
quentz sehr gering ist**. ... — Aus dem Umstände, dass Werenfels 
in den yersohiedenen Kirchen der Stadt Leichenpredigten gehalten, 
darf wohl geschlossen werden, dass die P&rrer nicht streng auf 
ihre Gemeinden beschränkt waren, und dass den beliebteren Pre- 
digern daher auch besonders reiches Mass von Casual predigten zufiel. 



101 

und an Nierenschmerzen (Nierenstein) , und dennooh 
regelmässig auf der Kanzel stand , „oft während der 
Predigt grosse Steine hervordruckend'' , und dass er 
seine Schmerzen überwand im Gebet: 

Pondera qui scelerum portasti GhriBte meoram, 
Tolle dolorifioos renam ramenta lapillos!^) 
so wächst unser Respect yor den gewissenhaften und 
gediegenen Leistungen des willensstarken Mannes. 

Seine „Dominicalia^, eine Sammlung von Predigten 
über die Sonn- und Festtagsevangelien (Bd. I yon 1. Ad- 
vent bis Himmelfahrt ; Bd. II yon Himmelfahrt bis Advent), 
verdienen auch darum eine besondere Erwähnung, weil 
sie, wie Hagenbach sagt,^ zeigen, dass die Sitte, über 
die Perikopen zu predigen, in der reformirten Kirche 
nicht so ganz ausser Gebrauch war, wie man bisweilen 
annimmt. Zwar motivirte Werenfels selber, als er im 
Jahr vor seinem Tode diese Sammlung herausgab, den 
Druck derselben u. A. damit, dass „wenige solche Aus- 
legungen von evangelisch -reformirten Predigern*^ 
bestünden; er bestätigt, in seiner Dedication des Wer- 
kes an seine gnädigen Herren und Oberen, dass auch in 
Basel der reformirte Brauch, über Bücher des Neuen 
Testaments in serie zu predigen, die Regel war; be- 
merkt aber zugleich, dass er seit einigen Jahren die 
sonntäglichen Evangelien zu einem Sonntag-Morgen-Text 
genommen.^) Aus seiner Gedächtnissrede über Lucas 

*) Vgl. Zwinger, a. a. 0. pag. 29. 

') Vgl. Hagenbach. Die theologisohe Schule Basels, 
pag. 34 f. 

') Nachdem er bemerkt : Paulus weiss nichts Höheres, als den 
gekreuzigten Christus; Christus muss also der Hauptinhalt aller 
rechten christlichen Predigt sein; ffthrt er fort: ,,Ist demnach ein 
sehr guter Gebrauch, dass allhier zu Basel in den Sonntäglichen 
Morgen -Predigten die Evangelien, oder die Bücher der vier Evan- 



102 

Gemler erfahren wir auch, dass dieser als Archidiakon 
in den Nachmittagspredigten die sonntaglichen Perikopen 
zu besprechen pflegte.') Ueber Werth und Berechtigung 
dieser letzteren äussert sich Werenfels in seiner Vorrede 
sehr verständig also: „Wann der Gebrauch der Periko- 
pen aufgekommen, ist ungewiss. Es habe es also ange- 
ordnet wer da wolle, so ist es keine so üble Sach gewesen, 
sonderlich wegen der Einfaltigen, so da der groste Theil 
sind in den Gemeinden, welche, wann ihnen immer etwas 
Neues gebracht wird, wenig oder nichts davon behal- 
ten Und wann ein Prediger weiss nicht wie oflFt ein 

Evangelium (d. h. eine Perikope) prediget, so wird er 
alle Jahr etwas finden, das er zuvor nicht in acht 

genommen Wann einer oder der andere den Gebrauch 

mit den Sonntäglichen Evangelien für einen päpstischen 
Sauerteig halten wollte, so muss er wissen, dass, wann 
man der keines, so man im Papstthum gehabt und ge- 
gebrauchet, behalten dorifte, so müssten wir auch das 
Unser Vatter und die X Gebote, die Glaubens Articul 
fahren lassen und für einen päpstischen Sauerteig halten, 
imd das wurde heissen das Eind mit dem Bad aus- 
schütten. Hingegen weil wir das alles in unseren Kirchen 
annoch haben, so sihet jedermann, dass unsere Religion 
keine neue Religion seye". 

Ueber die Predigtweise unseres Werenfels, welche 
in den oben gelegentlich skizzirten Reden desselben uns 
bereits bekannt und anschaulich geworden ist, dürfen 



gellsten erkläret werden. . . . Diesem Gebrauch nach hab ich in 
diesen Predigten den Evangelisten Matth. und Lucam gantz, auch 
den Eyangelisten Johannem zu grSstem Theil der Gemeinde Gottes 
in dem Münster erkläret, und bey etwas Jahren her die Sonnt&g- 
liehen Eyangelien zu einem Sonntag-Morgen-Text genommen.** 

^) Ygl. loon etc. pag. 82. DominioaleB perioopas tractaylt 
conoionibus pomeridianis Archidiaconum agens . . . 



103 

wir hier nicht ausfuhrlicher berichten, sondern beschran- 
ken wir uns auf einige wenige Bemerkungen. Wir wür- 
den seine Fredigten wohl als dogmatische bezeichnen 
müssen, insofern der lehrhaften Darstellung des reformir- 
ten Dogmas, der Widerlegung anderer Confessionen 
u. dgl. jeweilen viel Raum gegeben wird und auf die 
Correctheit der Lehre grosses Gewicht gelegt. Aber es 
sind doch selten trockene lehrhafte Abhandlungen ; son- 
dern, weil sich Werenfels genau an den Schrifttext hält 
und gut logisch disponirt, erhalten sie meist etwas In- 
dividuelles und grosse Mannigfaltigkeit. Yor widriger 
orthodoxer Härte bewahren ihn seine natürliche Milde 
und Friedfertigkeit, sein frommes Gemüth und sein prak- 
tischer Sinn, eine grosse Menschenkenntniss und eine 
starke Abneigung gegen fromme Phrase, gegen alles 
blosse Wortchristenthum. Die häufigen fremdsprachigen 
Citate aus Kirchen- und Profanschriftstellern haben für 
uns etwas Geziertes, waren jedoch „zeitgemäss^; und 
oft bringen geschichtliche Beispiele und Anekdoten an- 
genehme Abwechslung und Belebung. Nicht selten aber 
finden sich grossartige und tiefsinnige Gedanken, treff- 
liche Bilder imd Gleichnisse, Töne von höchster Schön- 
heit, die auch jetzt ihres Eindruckes nicht verfehlen 
und unvergesslich nachklingen müssten; und das alles 
in einer allgemein - verständlichen, meistens im besten 
Sinne populären Sprache. 

Wir greifen, fast zufälligerweise, nur einige Bei- 
spiele aus Leichenpredigten heraus. 

Beim plötzlichen Hinschiede einer frommen Frau 
erinnert Werenfels an „die Geschichte eines Pommer- 
schen Soldaten, welcher, als der Feind einsmals daher 
kommen, dass er nicht Zeit gehabt, lang zu hätten, sonder 
alsobald die Waffen ergreiffen und fechten müssen, seine 
Hand zusammen geschlossen und gesagt: Herr, ich 



104 

habe es dir zuvor gesagt! — Wann die liebe unserige 
einsmals vcm Gott abgeforderet, oder von dem letzten 
Feind dergestalten angefallen werden, dass sie für grosse 
Angst und Schwachheit nicht viel reden können, so 
haben wir auch zu gedencken, sie haben es dem Herrn 
zuvor gesagt; und wann sie nicht mehr wissen, was and 
wie sie hätten sollen, so vertrette sie der Geist mit un- 
aussprechlichem Seufftzen^ . . .^) 

In einer Predigt über Eph. 2, 6 spricht Werenfels 
davon, wie uns Christi Himmelfahrt die imsrige ver- 
bürge, indem sie zunächst einmal eine Bürgschaft dafür 
sei, dass sein Erlösungswerk gelungen sei. „Wann ein 
Gesandter mit guter reputaiion wieder heim kommen 
darflf, auch bey seiner Heimkunfft von seinem Principalen 
und allem Yolk wol empfangen wird, so ist das ein An- 
zeigung, dass er sein sach wol verrichtet und man mit 
ihm wol zufrieden seye." — Dann aber fährt er fort, 
wie Jesus als das erhöhte Haupt seine Glieder nach 
sich ziehe, zu schildern, und bricht aus in die Worte: „O 
der verwunderlichen und heilsamen Gemeinschafft !* . . . 
„Wann es möglich wäre, dass einer droben im Himmel 
bey der Sonnen stehen und von dannen diese Welt und 
alles was darinnen ist übersehen sollte, so würde ihm 
alles gar klein und nur wie ein ■ Puncten fürkommen. 
Kein Wunder ist es deswegen, dass der Gläubige so 
wenig von dem Irdischen haltet, alles so gering schätzet, 
weil er mit seinem Gemüth krafft seiner geistlichen 
Himmelfahrt (durch Andacht, Gebett etc.) albereit in 

dem Himmel schwebet.*' Christi Himmelfahrt ist 

auch causa energetica, nicht nur causa exemplaris der 
unsrigen: „Er nimmt uns mit sich; es gehet aus dem 
auffahrenden und zur rechten Gottes sitzenden Herren 



1) L. Pr. a. a. O. Bd. 20, N® 18, 



105 

Jesu ein Erafft, dardurcli er uns zu sich zeucht, wie der 
Magnet das Eisen; wie die Sonnen die Dämpff, die da 
aus der Erden und den Wassern herfürkommen und in 
die Hohe erhoben werden, ... so werden auch von 
Christo, der Sonnen der Gerechtigkeit, unsere Herzen 
gleichsam von der Erden abgezogen und in den Himmel 
erhoben Herr, zeuch mich nach Dir, so lauffen 

wirl^'O — 

In einer Predigt über Job. 14, 2. 3. die vielen Woh- 
nungen in des Vaters Haus, sagt er: „Es hat nicht die 
meynung, als wann ein jeglicher von den ausserwehlten 
Seligen droben in dem Himmel gleich den Mönchen 
in den Clöstern seine besondere Gellen und Wohnung 
haben wurde; sonder dass der Himmel nicht nur für 
einen und den anderen seye, sonder gross genug, sie 

allzumal zu fassen Einige beziehen's auch darauf, 

dass die Ausserwehlten gradatim oder stapflenweis ver- 
kläret seyen*' Aber dort gelte nicht: „felicitatis 

comes invidia^, sondern, wie bei einem Instrument eine 
Harmonie vieler Saiten bestehe, so hier „differentia con- 
sonans, non dissonans.^^) 

Am 5. August 1666, bei der Beerdigung der im 
Wochenbett gestorbenen Gattin des italienischen Pre- 
digers M. Job. Tonjola, sprach Werenfels über Pred. Sal. 
7, 1. „Der Tag des Todes ist besser, weder der Tag der 
Geburt", — beim Sterben frommer Leute überhaupt, 
beim Abscheiden christlicher Wöchnerinnen insbesondere. 
Da heisst es u. A.: „Der Tod hat, wie Janus, zwey An- 
gesichter; mit dem einen sihet er rückwärts auff den 
ersten Adam, durch welchen der Tod in die Welt kom- 
men; mit dem andern fürwerts auff den andern Adam, 



») L. Pr. a.a.O. Bd. 20, N» 10. 
«) L. Pr. a.a.O. Bd. 20. N« 2. 



106 

welcher da in die Welt kommen, die Werck des Teuffels, 

mid hiemit den Tod auch zu verstören Nach dem 

einen Angesicht sihet er grässlich und schröcklich auss, 

nach dem andern aber freundlich und lieblich.^ 

Ferner: die Mutter, die an der Geburt stirbt, hat nach 
dem XJrtheil des H. Geistes einen bessern Tag, als das 
Kind, das da geboren wird. Denn es ist — „ein ehrlicher 
Tod, in ihrem Beruff; ein gesegneter Tod, wann sich 
ein Baum also überladet, dass yon der menge der Früch- 
ten die Aest brechen;** . . . ein heiliger Tod, wie RaheFs, 
ja Christi, der durch seinen Tod uns zu Kindern Gottes 
gemacht, und also auch s. z. s. an der Geburt gestorben 
ist; ein seliger Tod, Sid Tfjg rexvoyoviag, — In sehr hüb- 
scher Weise knüpft Werenfels daran eine Mahnung zu 
guter Behandlung von Frauen und Müttern.^) 

Bei Besprechung von Luc. 10, 38—42, von der sorg- 
föltigen Martha, oder von der Leibs-Sorg, und von der 
andächtigen Maria, oder von der Seclen-Sorg, heisst es 
sehr einfach und praktisch: „Er ist nicht mehr die Zeit, 
da das Brot, wie das Manna, vom Himmel fallet, und 
die Wachteln ohne unsere Sorg und Arbeit uns zu- 
fliegen, oder da unsere Kleider nicht veralten . . . Was 
Christus sagt (von Vögeln und Lilien), das sagt er nicht 
zu den Müssiggängern und FauUenzern, sondern zu denen, 
die da im sorgen und arbeiten der Sach zu viel thun. 
Die Müssiggänger weiset Salomon nicht zu den sorg- 
losen und müssigen Yögeln, sondern zu der sorgfaltigen 
und arbeitsamen Ameissen.** . . .'*) 

Zu den Geschmacklosigkeiten der Zeit gehören dann 
etwa Ausdrücke, wie die folgenden: 

„Wer betrauert zum Exempel einen Geitzhals, 

») L. Pr. a. a. 0. Bd. 20. N» 11. 
') L. Pr. a.a.O. Bd. 24. N« 19, 



107 

der gleich den Schweinen erst anhebt nützlich zu sein, 
wann er todt ist, dass andere sein hinderlassenes Gut 
gemessen können?* — oder: „Wir mögen wol sagen, 
dass die Gläubigen und Gottseligen solche Amphibia 
seyen, alss welche da dergestalten auff Erden leben, dass 
sie auch droben in dem Himmel seynd;*^) — oder die 
etwas schwülstige Schilderung des Leides, „wann Ehe- 
leute von einander müssen*: „Es ist diss eine solche 
Sixorofua^ wie Basilius davon redet, als wann man einem 
gesunden Menschen mit Gewalt ein frische Wunden in 
das Fleisch geschnitten, oder das Hertz mit einem schar- 
ffen zweyschneidigen Schwert gleichsam in zwey stück 
mitten von einander gespalten, und die eine helffte in 
die Erden yerscharret würde, die andere also blutrünstig 
im Leib hangen bliebe, biss sie sich verblutet.* . . ^) 

Einige der feinsten Gedanken und Wendungen ent- 
hält eine der letzten Leichenreden, vom 8. October 1702, 
über „Die fromme und gutthätige Tabitha*, Act. 9, 36 bis 
42. *) Da wird z. B. die Nothwendigkeit guter Werke 
bei wirklich lebendigem Glauben recht klar dargestellt: 
„Es ist kein affect in dem menschlichen Hertzen so tieff 
▼erborgen, der nicht etwan aussbreche und sich mercken 
lasse, besonders wann er gereitzet wird. (z. B. Zorn, 
Traurigkeit, Freude.) Also kann auch der wahre Glaub 
an Christum . . . nicht allezeit müssig sein, sonder muss 
auch aussbrechen ... in guten Wercken, . . . vor allem in 
Werken der Gutthätigkeit*. — Zu dem Ausdruck: „sie 
war voll guter Werke* bemerkt Werenfels: „Ist dero- 
wegen zu wissen, dass ein Underschied seye inter pleni- 



1) L. Pr. a. a. O. Bd. 24. No 16. 

•) L. Pr. a. a. 0. Bd. 20. N« 10. 

») L.Pr. a.a.O. Bd. 24. No 11. 

*) L. Pr., a.a.O. Bd. 24. N» 26. 



108 

tudinem fontis et vasis, — zwischen der Fülle, wie ein 
Brunnquell yoU ist, und zwischen der Fülle, wie ein 
Gefäss voll ist. Wann unserem Herrn Christo die Fülle 
zugeschrieben wird, so ist diss eine Fülle der ersten 
Gattung, wie ein Brunnquell voll Wassers ist, welche, 
wann schon viel Wasser darauss geschöpfet wird, doch 
immer voll ist, weil sie viel Aderen und Gang hat, durch 
welche ihr immer ander Wasser zugeführet wird. Darumb 
heisst es von Christo, er seye voll Gnade und Wahrheit, 
und auss seiner Fülle empfangen wir Gnad um Gnad. . . . 
Wann den Heiligen Gottes die Fülle zugeschrieben wird, 
dass sie voll guter Wercken und Almosen seyen, dass 
sie erfüllet seyen mit Früchten der Gerechtigkeit, so ist 
diss die Fülle der anderen Gattung, die Fülle, wie ein 
Gefass voll ist, auss welchem man nicht das geringste 
schöpffen kann, dass es nicht lärer wird, und welches 
hicmit alles dessen vonnöthen hat, das darin ist, wann 
es anders voll bleiben soll**. — In origineller Weise 
lehnt Werenfels die Verdienstlichkeit unserer guten 
Werke ab, trotz den Verheissungen, welche denselben 
gegeben sind : „Hierauss aber folget nicht, dass die guten 
Werck verdienstlich seyen und den Lohn, welcher den- 
selben verheissen wird, verdienen; es ist kein verdien- 
ter, sonder ein Gnadenlohn. Wann ein Werck ein recht 
verdienstliches Werck, und der verheissene Lohn ein 
verdienter Lohn sein soll, so muss ein Proportion und 
Gleichheit seyn zwischen dem Werck und dem ver- 
heissenen Lohn. . . . Nun findet sich aber hier kein Gleich- 
heit zwischen dem Werck imd dem Lohn, zwischen 
imseren Almosen und dem Lohn, den Gott dafür ver- 
spricht. Dann was sol ein altes abgetragenes oder 
schlechtes Kleyd, damit du einen nackenden bekleidest, 
seyn gegen dem Rock der Gerechtigkeit und dem Kleid 
des Heils, so dir hingegen sol angezogen werden? — 



109 

Was 8ol ein stuck Brods oder ein Trunk Weins oder 
Wassers, damit du einen Hungrigen oder Durstigen 
speisest oder tränkest, seyn, gegen dem Himmelsbrod, 
gegen den reichen Gütern des Hauses Gottes, und gegen 
gantzen Ströhmen der himmlischen Wollüsten, welche 
du dafür zu erwarten hast? — Was sol ein stück- 
lein Geldes, welches du einem Armen gibest, seyn, gegen 
den himmlischen Schätzen, welche du zur Vergeltung 
bekommen wirst? — Was sol ein irdisches zerbrüch- 
liches Hauss, in welchem du einem elenden Herberg 
verschaffest, seyn, gegen dem Hauss, das nicht mit Hän- 
den gemachet, sonder von Gott erbauet und ewig ist 
in dem Himmel, darein du solt aufgenommen werden? — 
Warlich, die Ungleichheit zwischen unseren Wercken 
und Almosen und dem dafür verheissenen Lohn ist so 
gross und augenscheinlich, dass sie nit wol grösser seyn, 
and man mit besseren Fügen sagen könnte, dass der, 
welcher seinem König einen Trunck Wassers gebracht, 
habe durch diss Präsent sein Königreich ihm abyerdient, 
als dass wir mit unseren Almosen und guten Wercken 
Gott den Himmel abverdienen selten*. — 

Vom oratörischen Vortrag unseres Werenfels rühmt 
Zwinger^), er habe klar und kräftig geredet, ohne 
Affeetation, mit der dem Theologen wohl anstehenden 
Würde, in Allem auf die Erbauung abzielend, niemals 
auf Effectmacherei. 

So wirkte Werenfels mit ungebrochener Geisteskraft 
bis ins hohe Alter hinein. Bezeichnend für die damals 
schon beginnenden Bemühungen der Engländer auf dem 
Continent ist wohl folgende Episode, welche die letzte 



^) A. a. O. pag. 24 . . . Docuit autem pro suggesta perspicue, 
neryose, sine affectatione, cum gravitate virum Theologum decente, 
omnia dirigens ad aßdificationem, nihil ad ostentationem. 



:-7/^~ 



110 

Aufzeichnung von Werenfels in den Acta Eccles. (pag. 
699) bildet. Am 2. September 1700 erschien vor dem 
Kapitel „generosus Hallerius, Baro Anglicus, qui per comi- 
tem et interpretem suum, Rev. D. Scherrerum Sangallen- 
sem pluribus nobis indicavit ** : es gebe in England zwei 
Gesellschaften, zum Zweck, eine Reformation der Sitten 
zu erzielen, gegenüber dem Missbrauch des göttlichen 
Namens und der Sabbathsentheiligung, und die christ- 
liche Jugenderziehung zu fördern durch Gratisvertheilung 
von heiligen Schriften (libelli sacri). Der Engländer 
empfahl Gründung ähnlicher Yereine in der Eidgenossen- 
schaft und litterarischen Verkehr derselben mit denen 
in England. Die Antwort lautete: man wolle darüber 
mit Zürich verhandeln, und der dortige Antistes Elingler 
werde dem Bischof von London Bericht erstatten; für 
Basel übertrug man die Correspondenz mit England den 
Kollegen D. Wettstein und D. Samuel Werenfels. 

Im Jahre 1701/2 hatte Werenfels noch drei ausser- 
gewöhnliche Casualreden zu halten, nämlich, — ausser 
der weiter oben erwähnten Installationspredigt vom 26. 
Juli 1702,0 am 10. Juli 1701 im Münster eine über 
Amos 9, 5 — 8 „aus Anlass einer Ergiessun'g des Birsicks 
und daher entstandenen Wassersnoth, mit deren uns Gott 
hier zu Basel heimgesucht Mittwoch den 6. Heumonat 
a. 1701;^) — und am 27. November 1701 eine über 
„Jakobs Beth-El^, Genes. 28, 16 — 19, als „Christliche 
Evangelische Einweihung der ernewten obersten Pfarr- 
kirchen des Münsters zu Basel." *^) — Dort erblickte 
Werenfels in der Wasserfluth vor Allem das Gericht 
Gottes wegen zunehmender Laster: „diess war die Früh- 



*) Vgl. pag. 84. L. Pr. a. h. 0. Bd. 24. No 24. 
«) L. P r. a. a. 0. Bd. 24. N» 20. 
») L. Pr. a. a. 0. Bd. 24. N« 22. 



111 

predigt, die uns Gott gelbsten gehalten!* — Und unter 
den Zeitsünden geisselt er zwei ganz besonders, Luxus 
und Unzucht. „Wann man prächtige und köstliche Palläst 
bawet und es dissorts den Voreiteren weit vorthun wil, 
und, da sie Ziegelstein gebrauchet, Werckstuck nimmet, 
so zeiget Gott, welcher diesem pracht von hertzen feind 
ist, wie bald er das gebawte wider abbrechen und ver- 
stören könne.** Und von der Unzucht sagt er: „obwol 
diss Laster der Heiligung und dem Christentumb am 
meisten zuwider laufft, wird es doch für ein geringe, ja 
bald für keine Sund gehalten, und das darumb, weil es 
leyder gemein ist; da doch diss, wann eine grosse Sund 
gemein wird, die Sund nit verringeret, sonder ver- 
grösseret." — Daneben erzählte er der Gemeinde von 
allen erdenklichen Wassersnöthen, aus der biblischen und 
der Profangeschichte, imd citirte insbesondere Wurstisens 
Basier -Chronik. 

üeber die Münsterrestauration von 1701, durch welche 
das Münster „ dem vorigen Glänze zurückgegeben** sein 
sollte, ist weniges bekannt.^) Werenfels giebt in seiner 
Einweihungspredigt auch nur einen kurzen Ueberblick 
über die Geschichte des Münsters überhaupt, dankt der 
Obrigkeit für die würdige Eestauration desselben, und 
ermahnt die Gemeinde zu fleissigerem Eirchenbesuch an 
Sonntagen und in den Wochengottesdiensten, „deren 
frequentz sehr gering sei ** ; wobei er manche gesunden 
und praktischen Urtheile ausspricht über Grund und 
Werth des Kirchenbesuches, wie über die kirchliche 
Gleichgiltigkeit. 

Zum Beweis des hohen Ansehens, dessen Antistes 



*) Tgl. Baugeschichte des Basier Münsters, herausgegeben 
vom Basler Münsterbanverein. — Basel 1895, pag. 319. 



112 

Werenfels genoss in weiten Kreisen, zählt Zwinger*) 
gegen 60 „berühmte Männer" auf, mit welchen derselbe 
in Correspondenz oder in engerem Verkehr stand, und 
mehrere hohe Herrschaften, welche ihm Freundschaft 
bezeugten; — ausser den Grafen Friedrich Casimir .von 
Ortenburg, Friedrich Casimir und Sibylla Christina von 
Hanau, den Markgrafen Friedrich Magnus von Baden, 
dessen Gemahlin und Schwester, — den Herzog Georg 
von Württemberg,^) die Belgischen Gesandten Malaper- 
tus und Yalkenierius, sowie die Helvetischen Gesandten, 
und Abgeordnete der reformirten Kirchen und der päpst- 
lichen, welche gerne seinen Rath anhörten. 

Ein freundlicher Lebensabend neigte sich dem Ende 
zu. Von seinen fünf Töchtern lebten noch zwei, von 
seinen fünf Söhnen drei, die ihm offenbar Freude mach- 
ten. Zwei derselben waren später Mitglieder des Grossen 
Käthes; sein ältester, Samuel, seit 1696 sein College in 
der theologischen Facultät, war ihm innerlich ganz be- 
sonders verbunden. Acht Enkel waren ihm im Tode voran- 
gegangen ; , aber andere acht und zwei Urenkel sah er 
fröhlich gedeihen. Ein tiefer innerer Friede lag über 
seinem betenden Gemüthe, trotz körperlicher Schmerzen; 
seine geistigen Fähigkeiten erlaubten dem 75 jährigen 



») A. a. 0. pag. 27 f. 

«) Bei Ulli UB, a. a. O. T. IL, bemerkt Werenfels ad a. 1686 
nDonarium praster spem et opinionem accepi a serenissimo Duce 
WirteDbergico-MontisbelgartenBe Georgio florenorom Imperialium 
160." — und ad a. 1696 (VI. 9): „Hoc ipso die promotus est in 
Doctorem Theologise filius mens Samuel. Actui et convivio Dooto- 
rali intererant Sereniss. Princeps Marchio Badensis Friderious 
Magnus, et sex capita urbis, duo consules et 4 Tribnni, D. Emau. 
Socin, D. Lucas Burcardus, consules; D. Christoph Burcardus, D. 
Job. Balthas. Burcardus, D. Job. Henricus Zeeslin, D. Martinas 
»tähelin. 



113 

Greise noch die Herausgabe seiner ^ Dominicalia^ und 
die Arbeit an einer neuen Auflage seiner ^Nachtmahls- 
predigt^ ; ja, dem 76 jährigen noch die volle Verwaltung 
seines Amtes. Seine Personalien heben insbesondere sein 
TortreflUehes Gedächtniss hervor und ^bedauern, dass 
viel Sachen mit ihm absterben, welche allein in seiner 
Gedächtnuss verwahret worden.^ Dennoch beschäftigte 
sich der Gealterte fast taglich mit Todesgedanken und 
entsprechenden Gebeten, die er oft niederschrieb. Sein 
innigster Wunsch, aus der Arbeit hinwegsterben zn dür- 
fen, wurde ihm erfüllt. Bereits etwas unwohl, predigte 
er am Auffahrtsfest 1703 noch zweimal im Münster, Vor- 
mittags über die Himmelfahrt Christi, Nachmittags über 
die dreifache Himmelfahrt der gläubigen Kinder Gottes 
(geistlich — hienieden, der Seele nach — im Tode, nach 
Leib und Seele — am jüngsten Tage), und zwar „mit 
solcher frewdigkeit und nachtruck, als wann er mit 
dieser Predigt von dieser Gemein abletzen und ihro 
seine eigene Auffarth andeuten wollen.^ — Es befiel ihn 
eine Lungenentzündung. Den Collegen, die ihn besuchten 
und ihn hinwiesen auf die Hilfe des Herrn, bemerkte 
er: „Es sey zweierlei Hülffe, erstlich Genesung, und 
dann wiederum ein selige Auflösung, und diese letzte 
seye die beste.^ Als folgenden Tages eine Besserung 
seines Zustandes eintrat, benützte er die Zeit, um zu 
berichten, wo man dies und jenes finden werde, wenn 
ihn Gott abrufe; erklärte sich bereit, „Gott in seiner 
Kirchen lenger zu dienen, wann er ihn lenger gebrauchen 
weite; wolie aber, wann es Gott gefalle, lieber, dass er 
ihn, weil er noch arbeiten könnte, aussspannete und ab- 
losete, als dass er ihn liesse untüchtig und unnütz werden. 
Seine einige frewd in der Welt scye, etwas nützliches 
arbeiten, der anderen allen seye er gantz satt und über- 
drüssig. Sein Gebätt seye : Domine, aut mitiga ut possim 

Beitrage XV. B 



114 

sufferre; aut solare, aut sana, si opera mea diutius utilis 
esse potest; aut salya, si terminus Tito adest, quod est 
Optimum. — Dieses hat er den anwesenden zum Trost 
verteutscht: Herr, lindere entweder mein Leiden, dass 
ich's mag ertragen; oder sende mir Trost, oder mach 
mich gesund, so meine Arbeit dir noch was nutzen kann ; 
oder nimm mich zu dir, wann mein Lebensziel Torhanden, 
welches wohl das beste ist.*' Er setzte dann hinzu : „Er 
wisse und seye in seinem Herzen versichert, dass Gott 
sein Gebätt erhöre. Tröstete sich auch in semer Leibs- 
bangigkeit, dass er wohl grössere Schmertzen aussge- 
standen; weil er ein Sünder seye wie andere, müsse 
und wolle er auch gern leyden wie ein anderer.* — AU- 
mählig wurde er stiller und stiller. Nachdem in der 
Nacht sein Amtsbruder, Pfarrer Alex. WoUeb zu St. 
Martin, an das Sterbelager gerufen, mit ihm gebetet, 
entschlief er sanft am 23. Mai 1703, drei Tage älter alB 
76 Jahre. 

Am folgenden Pfingstfest, 27. Mai, hielt ihm WoUeb 
im Münster „bei hochansehnlicher und sehr volckreicher 
Bestattung* die Leichenrede „über die Trawr-Klag Elisai, 
als sein Herr und Lehrmeister Elias gen Himmel ge- 
fahren* (2. Regg. 2, 12).') Dabei bemerkte er zum Schluss: 
„Also hat Gott auch diesen unseren Eliam von unseren 

Augen weggenommen Das betrübteste ist, dass 

wir zur Zeit noch keinen Elisam sehen, dem er seinen 
Mantel hinderlassen, oder welchem, will nicht sagen die 
zweifache, sonder nur die einfache portion seines Geistes 
zukommen.* Etwas kühn ist dann -die Wendung : „Wie 
des todten ElissB Gebeine einen Todten erweckten, so 
möchten auch diese ruhenden Todtengebeine unseres 



>) L. Pr. a.a.O. Bd. 24, N« 30«. 



115 

Elise noch einige geistlich-todte Seelen lebendig machen 

und zu Christo bekehren I*^ 

Ueberhaupt trat nun der dem Jahrhundert eigene 
Schwulst in üblicher Weise zu Tage. Der gedruckten 
Leichenpredigt sind sieben Trauergedichte und Epitafien 
angehängt von verschiedenen Autoren, meistens Pfarrern, 
deren eines anhebt: 

^aine nur, Rauracher-Statt, bade dich in Thrftnenflüssen; 
Mehre deines Bheines Flut mifc den bittern Thränengüssen ! u. s. w. 

Der academischen Gedächtnissrede Zwingers aber, 
welche die hübsche Wendung gebracht hatte : „Nee do- 
leamus, quod tales amiserimus, sed gaudeamus, quod 
tales habuerimus'', — sind vollends nicht weniger als 75 
sogenannte „Epicedia^ beigegeben (6 aus Deutschland, 
13 aus der Schweiz, 4 aus Genf, 52 aus Basel, Stadt 
und Land), Lobgedichte in deutscher, französischer, la- 
teinischer, griechischer, hebräischer Sprache. Der poe- 
tische Werth dieser Erzeugnisse ist natürlich ein sehr 
geringer; aber schwerlich fanden wir heute in den 
Kreisen einstiger Akademiker eine solche Leichtigkeit, 
die fremden, insbesondere die alten Sprachen zu hand- 
haben, und auch nur s o 1 c h e Yerse zu schmieden. Ueb- 
rigens begegnen wir, wenn wir's uns nicht verdriessen 
lassen, jene „Epicedia^ zu durchblättern, auch recht 
hübschen und fein-pointirten. Ich nenne beispielsweise 
das kleine zierliche Gedicht von Samuel Werenfels auf 
seines verstorbenen Vaters Grab:^) 

Hio ossa patris optimi 
Sui superetes filius 
Cum lacrymis reoondidifc. 
Eheu! Patri superstitem 
Quid esse dixi filium? — 
SepultuB est hie cum Patre. 



^) Zwinger, a. a. O. Epicedia, missa Basilea. K® IL 



llß 



Auch das Epigramm von J. J. Battier ist ja gar nicht 
übel , welches unter dem hübschen Thumeysenschen 
Kupferstich in den „Dominicalia*' steht, der uns Anti- 
stes Werenfels zeigt, wie er kurz vor seinem Tode aus- 
gesehen, anno 1702. Dort heisst es: 

Ora ministri Dei, et pro te vigilantia cernia 
Lumina, et exertas ad pia vota manus, 
Doctoris, Basilea, tni. Qnod oernitur, hoo est; 
Durabunt animis cetera picta tnis. 

Auf dem Grabstein aber, an der äusseren Lang- 
Wand der Nikolauskapelle, dem Ereuzgang zugekehrt, 
steht, überragt von den Wappen der Werenfels und der 
Grynaeus, die Inschrift: 

C. 8. 

Pktro Werekpklsio 

8. thbol. doct. bt propk88. 

e0clb8. pbr ann. xxviii. 

ANTI8T1TI INDBrBSSO 

a domino 8ü0 

qubm per ann. lvi. 

domi f0ri8que praepioavit 

pure perspicue solide 

bt qua potdit beoutus b8t 

8i1iplicit. humilit. man8urtud. 

huuanitate patientia 

ann. abt. lxxvi. ohrist. ciodcciii 

e medio laborum 

ad requiem tocato 

Maroarbta Grtnaea 

vidua liberiq. m0e8tis8. 

marito patriq. optimo 

H. M. F. F. 

81 ATTENDI8 BC0LE8IA 

ET RIO PASTOR ILLE T0U8 

OONCIONATUR. 



in 



Bentttzte Schriften 

zur Biographie von 

Anlisles Peter Wereofel». 

Basel: 

Bibliothek- 

A. Schriften von Peter Werenfels selbst: Signatur: 

1. Icon Theoloei eximii historica narratione vito et Oratione« paren- 

„. . _ ,. ^, . . . ^ w^ tales eximi«. 

obitiis Yin Yenerandi et ClarisBimi D° Lucae {<D xil. 4. 

Gernleri, D, EcclesiaB Basil. Antigtitis vigilan- 
tiBsimi, et in Academia ibidem S. Theologi» Pro- 
fessoris celeberrimi, representatua k Petro We- 
renfelflio, D. Successore. — Basilece, Typis Ja- 
cob! WerenfelBÜ, A. Chr. MDCLXXVI. 

2. Disputatlones Theologie» Petri Werenfelsü, Anti- kä. h. lll. lo. 
stitiB; . . . FasciculuB IX. 1675-1702. 

3. Davids Pest-Artzney. Der einundneunzigste Psalni, i<E. v. lo. 
In nnderschiedlichen Predigten der Gemeind QotteB 

zu Basel zur Zeit der daselbst regierenden Pest 
erklärt, sampt einer Danck-Predigt. An dem, nach 
Abwendung dieser Plag, angestellten Danck-Fest 
gehalten, Durch Peter Werenfels, Dienern des Göttl. 
Worts in dem Münster. — Basel — Getruckt und 
▼erlegt durch Jacob Werenfelss. Im Jahr Christi 
1669. (Mit zwei Gebeten, während und nach der 
Pest.) 

4. Petri Werenfelsil Conclonum Funebrium Fascic. 2<E. XII. Bd. 

20—2^4. 

I — VII, enthalten, ausser ungefähr 190 Leichen- 2<d. XIII. Bd. 
predigten nebst Personalien und Gebeten, noch ^ ^" ^' 
etwa 8 andere Casualreden von Werenfels, — 3 



118 

Predigten von Gernler, — und über Werenfele; 
die Leichenpredigt von Alex. Wolleb (Bd. 24, N«> 
80*) und die akadem. Oratio Parental. von Joh. R. 
Zwinger (Bd. 24, No 30»>). 

KA.O.VIII.39. Vgl. Sammlung von Leichenpredigten. T. XXXIX 
1702^1703. 
KA. H. L 4. 5. Petri Werenfelsii Domlnicaila. Auaslegung der Sonn- 
täglichen Evangelien durch das gantze Jahr 

geprediget im Münster zu Basel und auff Begehren 
in Druck gegeben durch Peter Werenfelss, H. Schrift 
Doct., Pfarrern selbiger Kirchen, und in der Hohen 
Schul daselbsten des Neuen Test. Professorem. — 
Basel. In Verlegung Joh. Brandmüllers. Im Jahr 
MDCOII. (2 Theile in 1 Q. Bd., mit Werenfels's 
Bildniss von Thoumeyser Pa. et Fi. sc. Basil. 1702.) 

KA.c.i.8.Tum.6. Em. UHU, S. M. C. Collectanea. Tom. I, 1582—1721. 
l und II. Memoriale von P. Werenfels pag. 329 — 386 betr. 

Taufe, pag. 393 — 415 betr. Aufnahme der Refu- 
gianten. 

Tom. II. 1611 — 1760. Memorial von P. Weren- 
fels pag. 179 — 193 betr. Präcedenz der älteren 
Candidaten, pag. 631—654 P. Werenfelsii addit. 
Histor. Helv. ad Pantal. Diar. Hist. 
Antutitiai- 7. Acta Ecciesiastica. Tom. IV. (a. 1656—1710.) pag. 
547 — 700 enthalten protokollartige Notizen des 
Antistes über die Verhandlungen von Geistlichkeits- 
Kapitel (ConventuB ministrorum) und Kirchenrath 
(Conventus Pastorum et Professorum^. Die Akten- 
stücke (Gutachten etc.) copirte Werenfels nicht 
in dieses Protokoll. Von 1701 bis 1703 sind keine 
Notizen mehr eingetragen. Eine Anzahl Blätter 
sind ausgerissen, und auch in einer von Antistes 
Jak. Burckhardt erworbenen und uun dem Anti- 
stitialarchiv einverleibten alten Copie dieser Acta 
nicht vorhanden. Diese trägt dieselbe Paginirung 
wie das Original, und zwar eine vollständige, welche 
demnach erst später muss gemacht worden sein, 
als die nun fehlenden Blätter bereits ausgerissen 
waren. 



119 



B. Schriften über Antistes P. Werenfels : 

1. Athen» Rauric». sive Cataloffufl Professorum Acad. Sohw.B. Kl. IX. 

T. d. 1. 
Basil. ab a. 1460 ad a. 1778, cum brevi singulomm 

biographia, etc. Basilise 1778. — Tom. I. pag. 53. 

79. 89. (Von Joh. Werner Herzog, vgl. Ochs VIII, 

pag.819.) 

2. Alexander Wolleb's Leichenpredigt etc. a. 1703. (vgl. NE. Xii. b<i 84. 

... KA.G.Vin.S9. 

A. 4.) 

3. Joh. Rud. Zwingers Oratio Parentails a. 1704 (vgl. A.ND. Xii.4. 

1 und 4.) Extremum Pietatis Officium, Sanctis Ma-^*^'^"'®"^"^^ 
nibus Viri Venerandi et Excel lentissimi, D. Petri 
Werenfelsii, Ecclesise Basil. dum viveret Antistitis 
Vigilantissimi, et in Acaderoia ibidem S. S. Theo- 
logie Doctoris äo Professoris Celeberrimi, — in 
illustri et frequentissima Panegyri Die XXIII. Au- 
gust! An. MDCOIV. Oratione Parentali PrsBstitum 
ab ejusdem in Sacro officio Sucoessore Joh. Rodolfo 
Zvingero. — Accedunt Clarorum Virorum Epicedia. 
— Basileee. Literis Johannis Brandmülleri. An. 
MDCCIV. 

4. Jselin, Jac. Christoff, S. 8. Th. D. u. Prof. Historisch 
und geograph. allgem. Lexioon, Th. IV. Basel. 
Joh. Brandmüller 1728. 

5. Leu, Hans Jakob, Allgem. Helvetisches, Eydgenössi- 
sches oder Rchweizerisches Lexicon. Zürich, bei 
H. ü. Denzler, 1764. (Mit reichlicher Aufzählung 
von [Werenfels's Schriften und Angaben über die 
Familie Werenfels.) 

6. Buxtorf- Falkeisen, Karl. Antistes und Prof. Peter 
Werenfels. Wissenschaf tl. Beilage zum Jahresbericht 
aber die Realschule in Basel. — Basel 1856. (Karl 
Matzinger.) (Mit Uebersetzung einer latein. Auto- 
biographie des P. Werenfels bis 1675, welche sub 
lit. A. X, n. 87» als Manuscript „Vita Petri We- 
renfelsii Basiliensis** und Fortsetzung der 
»vita" seines Vaters auf der Univers.-Bibl. sich 
endet.) 



120 

KA. F.IV.U.7. Hagenbach, K. R. Die theolog. Schale Basels und 
ihre Lehrer, von Stiftung der Hochschule 1460 
bis zu DeWette's Tod 1849. - Zur 4*»»» Säcular- 
feier der Unir. Basel im Auftrag der theol. Facul- 
tat verfasst von K. R. Hagenbach. — Basel 1860. 
— Schweighausersche Üniv.-Buchdruckerei. 



C. Schriften Über Zeitgeschichtliches. 

1. Hagenbach, K. R. Kritische Geschichte der ersten Basler -Con- 
fession u. s. yf. — Basel, H. Georg's Verlag, 1857. 

2. Ochs, Peter. Geschichte der Stadt und Landschaft Basel. — 
Basel, Schweighauser 1821. Bd. VII. 

3. Burckhardt, Abel. Bilder aus der Geschichte, von Basel. Fünftes 
Heft: „Das ein undneunziger Wesen.** — Basel 1882. (Felix 
Schneider.) 

4. Burckhardt, Karl, D^ Die Begehren der Basler BÜrgerausschüsse 
im Jahr 1691. — (Beiträge zur Vaterland. Geschichte, heraus- 
gegeben von der histor. Gesellschaft in Basel. Bd. VIII. — 
Basel 1866, H. Georg.) 

5. Mörikofer, J. 0. Gesch. der evangel. Flüchtlinge in der Schweiz. 
Leipzig, S. Hirzel, 1876. 

6. August Huber. Die Refugianten in BaRel. — 75. Keujahrsblatt 
1897. — Basel, R. Reich, 1896. 

7. Aemter-Buch, Tom. 2, und Catalogus Candidatorum, Manuscripte 
im Antistitium. 

Andere Schriften werden gelegentlich in den Anmerkungen 
erwähnt. 



9^c^|r7f^n<:b Vc*H?n v^P /^^f>P>'^ *' 



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Tfül diiToi 



in ]hriH\ 



l IUI ' 



Basier Annalen. 



Auszüge aus den Geschichtsquellen des 
Mittelalters bis 1500. 

Bearbeitet 
von 

Rudolf Thommen. 




1. Teil. 

Von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 
12. Jahrhunderts. 



BeitTligc iV. 



8 A. 



Vorwort. 



Inhalt und Umfang dieser Arbeit^ deren erster Abschnitt 
biemit veröffentlicht wird, sind schon im Titel deutlich aus- 
gedrückt. Es ist eine Quellensammlung, die in Anlehnung 
an die Chroniken und das Urkundenbuch den Zweck ver- 
folgt, die der mittelalterlichen Ueberlieferung für die Lokal- 
gcschichte zu entnehmenden, oft kleinen Einzelheiten mög- 
lichst vollständig und richtig geordnet zu vereinigen. 

Der Gedanke eine solche Sammlung' anzulegen ist nicht 
neu. Die Herausgeber der Fontes rerum Bernensium und 
J. Trouillat in seinen Monuments de l'histoire de Tancien 
eveche de Bäle — um nur an zwei naheliegende Beispiele 
zu erinnern — hatten den gleichen Plan gefasst. Allein er 
ist nicht streng durchgeführt worden, weil bei der Vereini- 
gung von Urkunden und erzählenden Quellen in einem Bande 
der gewaltige Andrang des urkundlichen Stoffes, auf den 
das Hauptgewicht gelegt wurde, die Aufnahme des anderen 
Quellenmaterials mit Rücksicht auf eine gewisse Oekonomie 
des ganzen Werkes bald ins Stocken brachte, ein Umstand, 
der freilich den Wert der Zusammenstellung jener erzählen- 
den Quellen ziemlich herabmindert. 

Dieser, aus einer wol erklärlichen Inkonsequenz her- 
vorgegangene Fehler soll in der vorliegenden Sammlung nach 
Kräften vermieden werden und deshalb ergeht an die Kri- 
tiker, soweit solche überhaupt von dieser Arbeit Notiz neh- 
men werden, sowie an die Leser die dringende Bitte, mich 



124 

auf übersehene Stellen aufmerksam zu machen, damit sie 
wenigstens in den doch unabwendbaren Nachträgen unter- 
gebracht werden können. 

Zu der Absicht der lokalen Forschung mit dieser Samm- 
lung einen Dienst zu erweisen gesellte sich aber femer noch 
das Bestreben ihr eine Form zu geben, dass sie auch das 
Interesse des weiteren Kreises der Freunde und Liebhaber 
vaterländischer Geschichte erregen und befriedigen könnte. 
Aus diesem Grunde wurden alle lateinischen Quellenstellen 
ins Deutsche übersetzt. 

Bei der üebersetzung, welcher die oft schwerfälligen 
Redewendungen, der Schwulst und die Gesuchtheit des Aus- 
drucks häufig sehr erhebliche Schwierigkeiten bereiten, suchte 
ich vor allem einen lesbaren Text zu gewinnen, wobei man 
allerdings gewisse durch die Vorlage bedingte Eigentümlich- 
keiten des Stils mit in Kauf nehmen muss. Für alle Stel- 
len, welche schon In den Geschichtschreibern der deutschen 
Vorzeit übersetzt sind, habe ich diese benützt, mir jedoch 
erlaubt, den Wortlaut, wo es mir passend erschien, abzu- 
ändern. 

Alle von mir herrührenden Zusätze zum Text stehen 
in eckigen Klammern; Kürzungen der V^orlage sind durch 
Punkte angedeutet. 

Als Sammclgebiet konnte natürlich zunächst nur die 
gedruckte liitteratur in Betracht kommen. Dies schien gerade 
für die ersten Perioden, etwa bis zum Ende des 13. Jahr- 
hunderts um so statthafter, als sich vorweg annehmen Hess, 
dass in den unvergleichlichen Publikationen der Monumenta 
Germaniie das einschlägige Material vollständig oder nahezu 
vollständig niedergelegt sein werde. In der Tat war auch die 
Ausbeute aus allen anderen Quelleuwerken überaus beschei- 
den. In der Folge wird sich dieses Verhältnis allerdings 
ändern und dürften vielleicht auch handschriftliche Unter- 
suchungen wenigstens an Ort und Stelle und in einigen die 



125 

hiesigen Bestände ergänzenden auswärtigen Arcliivon noch 
notwendig werden. 

Für die Aufnahme einer Queilenstelle in die Sammlung 
war jede, selbst nur beiläufige Erwähnung Basels massgebend, 
ein Grundsatz, von dem später immerhin in einigen Fällen 
abgewichen werden mag. 

Dass auch die die Bischöfe betreffenden Notizen in die 
Sammlung mit einbezogen wurden, darf um so weniger 
befremden, als Regesten zur Geschichte der Basler Bischöfe 
bis jetzt fehlen und solche wegen Trouillat und der beiden 
Urkunden buchet von Basel -Stadt und -Land auch schwer- 
lich jemals noch werden bearbeitet werden. Was speziell 
noch die Vision VVettis (Beilage II) betrifft, so dürfte auch 
deren Aufnahme zu verantworten sein, da man sie als das 
älteste bis jetzt bekannte litterarische Denkmal eines Baslers 
ansehen kann. 

Die aufgenommenen Stellen wurden nach ihren chrono- 
logischen Merkmalen, u. z. ohne Rücksicht auf deren histo- 
rische Richtigkeit aneinander gereiht. Eine gewisse Scliwicrig- 
keit bereiteten in dieser Hinsicht die Angaben der Toten- 
und Jahrzeitenbücher, bei denen man, namentlich für die 
älteste Periode, über eine etwas unbestimmte und beiläufige 
Placierung nicht hinauskommt. 

Abgeleitete Quellenstcllcn, d. h. solche, die nach dem 
Brauche mittelalterlicher Geschichtschreibung meist wörtlich 
oder mit nur unwesentlichen Änderungen aus einer älteren 
Vorlage abgeschrieben sind, für den modernen Forscher 
also nur in zweiter Linie stehen, sind, wenn sie aufgenom- 
men wurden, durch * gekennzeichnet. In vielen Fällen 
genügte auch ein blosser Hinweis. 

Auf sachliche Anmerkungen und Erläuterungen musste 
ich, obwol ungern, aus Gründen der Oekonomic einstweilen 
verzichten. Sollte sich das Bedürfnis nach solchen doch noch 
stark geltend machen, so lässt sich dem im Schlussheft eines 



126 

jeden Bandes der Beiträge immer noch und mit leichterer 
Disposition über den verfügbaren Platz Kecbnung tragen. 

Den Herren Prof. F. Overbeck und F. Fleiner sage ich 
für einige freundlich ei*teilte Auskünfte, namentlich aber 
Herrn Prof. J. Mähly für die metrische Uebertragung der 
vorkommenden Verse geziemend Dank. 

Und so sei zum Schlüsse diesen Blättern nur noch der 
heutzutage freilich etwas vermessene Wunsch mit auf deu 
Weg gegeben, dass sie auch ihre Leser finden mögen. 

Basel, im Februar 1899. 

Rudolf Thommen. 



127 



Verzeichnis der Abkflrsnngen. 

GDDV, = Die GeBchichtachreiber der deutschen Vorzeit in 
deutscher Bearbeitung. Berlin 1849 ff. 92 Lfrgn. — 
2. Aufl. Leipzig 1884 ff. 45 Lfrgn. 

MG, = Monumenta Germanise histonca. Hann. et Berol. 
1826 ff. 

MG. Libelli = Monumenta Germania^ historiea. Libelli de 
Ute imperatorum et pontificnm sasc. XI et XII cons- 
cripti. T. 1—3. liannov. 1891—1897. 

MG. LC. = Monumenta Germania) historiea. Libri confra- 
ternitatum sancti Galli, Augiensis, Fabariensis. Ed. 
P.Piper. Berol. 1884. 

MG. N. = Monumenta Germania) historiea. Necrologia Ger- 
mania). I. Diceceses Augustensis, Gonstantiensis, Cu- 
riensis. Ed. F. L. Baumann. Berol. 1888. 

MG. SS. = Monumenta Germanise. Scriptores. T. 1—35. 
1826 ff. 

NA. = Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche 

Geschichtskunde. Bd. 1 ff. 1876 ff. 
Trouillat. = J. Trouillat, Monuments de Thistoire de Tan- 

cien eveche de Bäle. Porrentruy 1852/67. 5 vol. 



Drnckfehler« 



S. 150 lies Bote statt Botho. 

S. 154. Alle diese Stellen sind abgeleitet. Daher ist überall 
*81l zu lesen. 



Manchmal haben Städte ihre Namen von irgend 
welchen äusseren Umständen erhalten, so . . . Strassburg 
[Argentina] wegen des Silbers [argentum], das in die 
römische Staatskasse gesammelt wurde, und Basel, wel- 
ches so genannt wird, weil es auf königlichem Grunde 
erbaut ist, — bei den Griechen nomlich heissen die 
Könige basilei — oder welches so heisst von basis, das 
Grundlage bedeutet, und le, das Festigkeit bedeutet, 
und von sine: also gleichsam eine Stadt ohne feste 
Grundlage, schwankend durch Erdbeben — oder welches 
so heisst von basis, das Volk, und lea, das Kirche be- 
deutet, also Kirche des Volkes. Das Volk jedoch be- 
hauptet, es werde so nach einem Basilisken genannt, 
der einstmals dort sich versteckt gehalten und viele mit 
seinem Blick vergiftet habe, nach dessen Abgang der 
Stadt dieser hässliche Name geblieben sei. Wir lesen 
auch, dass der Basilisk aus seiner Höhle herauskommend 
einen jungen Schafhirten, der sich in seiner Fröhlichkeit 
zum Schmuck einen Kranz aus Blumen gewunden hatte, 
angriff, der Hirte aber kühn genug tapfer mit ihm stritt. 
Als Päan, Apollos Sohn, dies sah, wunderte er sich 
sehr, dass der Hirt durch den Blick des Basilisken nicht 
getötet worden sei, und hinzutretend hob er den Kranz 
von seinem Haupte und sogleich löschte jener aus. Päan 
aber legte die Blumen einzeln auf den Mund des Toten 

Beiträge XV. 9 



130 

und brachte iha endlich durch die Berührung einer 
Blume wieder zum Leben. 

Felix Fabms Ahhandlung über die Süidt Ulm. Bthlio- 
tliek des litterarischen Ve7'eins von Sttdtgart 186, Hj. 

Japhet .... ein sun Noe, ein libhaber des rechten 
.... gebot Joven zu firen. . . . Japhet zücht mit sinen 
sonen in Europa und buwet Augustam, daz ist jetz Basel, 
als noch Äugst daz dorf ob Basel anzeiget, wie ein weg 
untern dem Rin uns gon Istein get, den die Pennates, 
daz sind engel bi uns geborn, gemacht haut, als mich 
die Tutschen chronik so ufFbericht, wie Äugst, jetz Basel, 
hat angefangen zu Äugst und het gereicht uns gon 
Merdtzhussen, do ist ein port des Mars gewesen, des- 
glichen zu Eemsee und in der mitten ein stein oder 
tempel, jetz ein schloss Instein und do der jetz tum zu 
Basel ßtett, ein bürg und wonung des kuniges und uff 
sant Peters und sant Lienhartz berg wonung der ritter- 
schaft. . . . Die obgemelten Cusei, Bohemi, Saducei zugen 
mit hersskraft mit irem volk uß Assirien und Persien 
in das herz Europa und legten sich für Angst, jetz Basel, 
200 jor noch dem büwe des thürns Babel und wolten 
die fursten von dem blüt Japhet vertreiben urab daz, 
daz si Belo dem kunig nit geholfen betten büwen. Von 
Belo sint die ersten swarzkünster kommen und mit 
siner macht vertribten si vil Tuschen, verborgten euch 
daz ganz laut Elsas .... und gewunnen Ougst und zer- 
storetten si, jetz Basel genant. Davon vil lut bi nacht 
und nebel sich darvon machten. 

Aus einer kirchlich -politischen Refornischrijt aus der 
Zeit Maximilian L Zeitschrift f. d. Oesch. d. Ohei-Rheins 
NF. 10, 478. 

Die Stadt der [Trierer] war also nicht nur durch 
menschliche Kunst stark befestigt, sondern auch von 



131 

Natur aus kaum angreifbar. Im Verlaufe der Zeit und 
durch erfolgreiche Kriege brachten sie die benachbarten 
Stämme und Städte ringsum in Botmässigkeit. Mit 
diesen unterwarfen sie auch die fünf am Rhein gele- 
genen weit berühmten Städte nemlich Basel, Strassburg, 
Worms, Mainz und Köln mit allen ihren Untertanen, 
und fingen nun an jährlich von ihnen eine sehr hohe 
Steuer zu erheben und weit und breit die Herren zu 
spielen. 

Nach vielen Jahren wollten aber diese fünf Städte 
ilire eigene Freiheit wieder gewinnen, empörten sich und 
verweigerten durch dreissig Jahre die Zahlung des schul- 
digen Zinses. Allein ein plötzlich kommendes Hagel- 
wetter, das auf den Feldern und in den Rebbergen sehr 
grossen Schaden anrichtete, suchte sie verheerend heim. 
Da entstand eine Bewegung unter ihren Bürgern und 
«ine grosse Angst befiel sie, weil sie glaubten, dass dieses 
Hagelwetter ihnen von den Göttern der Trierer wegen 
der diessn vorenthaltenen Steuern geschickt worden sei. 
Und sogleich fassten sie den Entschluss, den Zins der 
dreissig Jahre zu sammeln, brachten ihn den Trierern 
und versprachen zugleich ihn alle Jahre treulich zu 
bezahlen. Da errichteten die Trierer ein Postament aus 
kostbarem Marmor und darauf einen Jupiter mit einem 
zwei Fuss breiten goldenen Schild in der Hand, der 
folgende Inschrift trug: dem Jupiter, dem Rächer der 
Trierer, aus dem durch drei Dezennien verweigerten, 
aber durch des Himmels Feuer und Schrecken entwun- 
denen Tribut der fünf Städte am Rhein ein versöhnen- 
des Brandopfer. Ferner: 

Nicht vom Fener berührt lägst der Discus flammen die Kräuter. 

Die Sache war nemlich so kunstvoll eingerichtet, 
dass, wenn man Weihrauch oder irgend einen anderen 



132 

wolriechenden Stoff in den Schild hineinwarf, er ohne 
Feuer brennend einen wolriechenden Dampt erzeugte^ 
ohne dass jedoch der Stoff selbst irgendwie weniger 
wurde. 

Die Taten der Trierer. MG, SS, 8, ISSf, — Dar- 
nach die Taten des Erzhischoß Boemiind von Trier — 
J/(t. SS, 24, 467 — mit univesentUchen Ahweichungeu 
ivörtlich gleiclilautend bis zu dem Satz: „und versprachen 
zugleich ihn künftig zu bezahlen. ^aS'. S, 131, Z, 12 v, ii.), 
dem^ dann noch der Satz folgt: und erkannten die Stadt 
Trier als die Herrin und Hüterin der Stämme des gan- 
zen Reiches an. — Die folgende Geschichte von der Er- 
rieht nng der Statiie fehlt liier. 

Dieselbe Erzählung von den Trierern und den fünj 
rebellischen Städten kehrt inhaltlich iibereinstimfnend wieder 
in der Wormser Chronik von Friedrich Zorn — BiblifH 
thek des litterar ischen Vereins von Stuttgart 43, 13 f -- 
n. z. mit folgendem Zusatz: 

Solches alles bezeugt ein altes gewirktes tuch in 
der domkirchen zu Trier, werden auch diese vers ge- 
lesen : 

Trier, das siegesgekrönt in Kriegen mit mancherlei Völkern, 
Dastand, hatte mit Macht fünf tapfere Städte bezwungen. 
?>chwerer Tribut ward dann nach ßraucli von diesen gefordert, 
Dadurch mehrte sich mählig sein Reichtum, doch auch seinem 

Herrschsucht. 
Hernach stehet die abconterfeiung der stadt Trier,. 
bei ihr die stadt Rom, darnach die Stadt der Rauraker^ 
Basel; die Stadt der Wangionen, Worms; die Stadt 
Mainz; die Stadt der Nemeter, Speier; die stadt der 
Ubier, Köln; die Stadt Strassburg gemalt. 

Im Verlaufe der Zeit aber unterwarfen sich die 
Trierer, nachdem sie mehrere Völker und Städte besiegt 



133 

hatten, die wehrhaftesten Staaten und Gebiete, nämlich 
Basel, Strassburg, Worms, Mainz, Köln und das ganze 
sowohl neue als alte Gebiet der Sachsen. 

Cfironik der Psendorektoren der BpHpd'thishipeUe zu 
Dortmund, XA. 11, oVi, 

Die Geschichte von Brennus dem Herzog der Schwa- 
ben und gallischen Senonen. 

Nach einer Schildernnr/ der Unter werf unr/ der (/(d- 
liscJien VölkerschaJteH durch Brennus und seines Einfalles 
Jn Italien heisst es nach einer Lücke im Text: 
Damals war den öigarabrern der Allobroger gehorsam, 
Längs der Saone war und im prächtigen Basel gefürchtet 
Ihre Macht, wie auch in des Elsas» prächtigen Fluren. 

Gottfried von Viterbo, Pantlieon, Particula XV, ^ -Ui 
MG. SS, 22, 143. 

Die Grenze des eigentlichen Frankens. 

Und die Grenzen des eigentlichen Frankens gehen 
von Mainz aus, wo der Main-Fiuss in den Rhein mündet, 
auf der andern Seite der Stadt aber mündet das Flüsschen 
C'ia in den Rhein, und sie heisst Mainz von Main und 
Cia. Und ist das das eigentliche Franken und seine 
Grenzen umfassen das ganze Land um den Rhein näm- 
lich Köln, Mainz, Worms, Speier, Strassburg, Basel, 
Konstanz, Würzburg, Bamberg und das andere Land bis 
Schwaben und Baiern, die nicht zu Franken gehören. 

Erklärender Zusatz zu jenen Versen in Gottfried von 
Viterbos Spiegel der Könige, in denen er die Grenze Fran- 
<)lens schildert. Die beiden Xamen Basel und Konstanz 
fehlen in drei Handschriften. MG. SS. 22, 66. 

Als der grausame Diokletian zugleich mit Maxi- 
mian die Herrschaft über das römisclie Reich inne hatte. 



134 

fand eine schwere Verfolgung der Christen statt. Damals 
war ein Statthalter in Gallien namens Riciovarus, ein 
tückischer, wilder, unnachsichtiger Mensch, der Christi 
Namen hasste und gegen die Christen wütete. Und 
als er die Stadt namens Basel betreten hatte, wo der 
Aare-Pluss seine Fluten in den Rhein ergiesst, Hess er 
viele Christen dort ertränken. 
Trouillat 1, 21 a/« 10, 

Ruhmvoller als alle Kriege war der Krieg, den 
das strahlende Heer der heiligen 11,000 Jungfrauen 
unter seiner Führerin, der heiligen Jungfrau Ursula^ 
kämpfte. Sie war die einzige Tochter des Xothus, des 
angesehensten und reichsten Fürsten der Brittcn. Als 
sie nun, obwol noch nicht heiratsfähig, von dem Sohn 
eines der wildesten Tyrannen zur Ehe begehrt wurde 
und bemerkte, dass ihr Vater darüber in grosse Angst 
geriet, weil er vor Gott Furcht hatte, wenn er seine 
Tochter, die sich schon Gott geweiht hatte, zu einer 
Heirat zwingen würde, und vor dem Tyrannen Angst 
hatte, wenn er ihm seine Tochter verweigerte, da riet 
sie in einer himmlischen Eingebung ihrem unschlüssigeu 
Vater, er solle dem Tyrannen seine Zustimmung geben,, 
ihm jedoch auch die Bedingung stellen, dass er selbst 
und der Tyrann zehn durch Herkunft, Schönheit und 
Jugend ausgezeichnete Jungfrauen ihr übergeben, ferner 
sowol ihr als jeder einzelnen derselben je tausend Jung- 
frauen zuzuweisen sich verpflichten und dass sie elf 
Dreiruderer, wie es ihrer Zahl entspricht, ausrüsten 
und ihnen einen Zeitraum von drei Jahren zur Bewah- 
rung ihrer Keuschheit gewähren sollten. Diese sonder- 
bare Massregel wandte sie an, um entweder durch 
die Schwierigkeit der gestellten Bedingung sich jenen 



135 

zu entfremden oder bei diesem Anlass alle ihre Altors- 
i^enossinen wie auch sich selbst Gott zu weihen. Und 
nachdem gemäss dieser Uebereinkunft die Jungfrauen, 
die Dreiruderer und der auf drei Jahre nötige Lebens- 
unterhalt zusammen gebracht waren — ein kriegerisches 
Spiel, über das sich alles wunderte — , landeten sie end- 
lich eines Tages vom Winde getrieben in einem Hafen 
Galliens, der Tiela heisst, und dann in Köln. Von 
hier aus suchten sie, von einem Engel gemahnt, nach 
lloin zu gelangen und zogen zu Schiff bis zur Stadt 
Basel, von Basel zu Fuss nach Rom und kehrten 
auf dieselbe Weise nach Köln zurück, das von allen 
Seiten von den Hunnen belagert war. Und indem sie 
durch diese insgesamt das Martyrium erlitten, feier- 
ten sie einen neuen und wunderbaren Triumpf und 
machten Köln durch ihr Blut und Grab noch berühmter. 

Chronik des Slf/ehert von Oemhhmx. MG. SS. 6, 310. 

Inhaltlich gleich — nur heisst der Vate^' Deonotus 
.stittt Nothus — aber rhetorisch ansf/eschmnckt Jindet 
sich diese Erzählung in den Acta sannforiim Bollan- 
distnrum ^i. Oktober 9, lo/' ff. Darnach ins Dentsrhe 
übersetzt von J. H. Kessel, St. Ursula und ihre Gesell' 
schaß (Köln 1868) und in abgekürzter Form bei O. 
Schalle, die Sage von der hlg. Ursula. (Hannover 18^)4) 
S, ^9 ff. 

Am Feste des hlg. Pantalus, des ersten Bischofs 
von Basel. 

Lectio I. Zur Zeit des Kaisers Maximianus, der im Jahre 
der Menschwerdung des Herrn 237 das römische Reich 
r»>gierte, wird der ehrwürdige Bischof Pantalus, ein 
Mann von grosser Frömmigkeit und Demut nach gött- 



186 

lichem Batschluss von den Gläubigen Christi als erster 
zur bischöflichen Würde der Kirche Basel erhoben. 

Lectio IL Als nun in jenen Tagen das barbarische Volk 
der Hunnen unter seinem Führer Julius sowol »lio 
gallischen als auch die deutschen und italienisclien 
Lande mit Mord und Brand ohne Ende verheerten, 
derart dass in Folge der Zerstörung der Städte um) 
der Verbrennung der Kirchen kaum einige schwach!^ 
Spuren des göttlichen Glaubens zurückblieben, da 
stärkte er als ein guter Hirte, der seine Schafe nicht 
wie ein Mietling, dem sie nicht gehören, verlässt und 
sich flüchtet, wenn er den Wolf konmien sieht, son- 
dern als ein wahrhaft guter Hirte, der ohne jede 
Furcht und Ängstlichkeit sein Leben einsetzt für all 
die Seinen, die Gläubigen mannhaft im christlichen 
Glauben. 

Lectio IlL Zur selben Zeit geschah es, dass die selige 
Ursula, die einzige Tochter des Königs von Britan- 
nien, eines sehr christlichen Mannes, als sie von einem 
ganz heidnischen Tyrannen, dem Sohne des Königs 
von Anglien, zur Ehe begehrt wurde, in Folge gött- 
licher Eingebung ihrem Vater riet dem Tyrannen 
seine Einwilligung zu geben, jedoch nur mit der aus- 
drücklichen Bedingung, dass der Tyrann selbst zehn 
der auserlesensten Jungfrauen ihr zum Tröste über- 
gebe und sowol ihr als jenen, u. z. jeder von ihnen, 
1000 Jungfrauen zuweise, wie sich das ausführlicher 
in der Passion der lilg. Ursula findet. 

Lectio lA^ Endlich gelangen sie eines Tages vom Winde 
getrieben in einen Hafen, der Tyela heisst, und dann 
nach Köln. Hier erschien der Engel des Herrn der 
Ursula und verkündete ihr, dass sie zwar in voller 
Zahl hieher zurückkehren, aber da auch die Krone 



137 

dos Martyriums empfangen würden. Indem sie auf 
die Mahnung des Engels hin nach Kom zogen, hin- 
deten sie in Basel; und unverweilt empfing sie der 
genannte Bischof Pantalus, damals, wie bemerkt, 
Bischof von Basel, voll hoher Freude über ihre An- 
kunft in grosser Demut und in feierlichem Zuge 
mit seiner ganzen Geistlichkeit. Hier verliessen sie 
schliesslich ihre Schiffe und er geleitete sie nach 
einigen Tagen zu Fuss bis Rom. 

Lectio V. Ueber ihre Ankunft war Papst Cyriacus sehr 
erfreut und empfing sie mit seiner ganzen Geistli(;h- 
keit unter den grössten Ehrenbezeugungen. In der- 
selben Xacht aber wird dem Papst selbst vom Him- 
mc'I geoffenbart, dass er mit den Jungfrauen die 
Palme des Martyriums empfangen werde. Er behielt 
das für sich und taufte noch viele von ihnen, die noch 
nicht getauft w^orden waren. Als ihm aber der geeig- 
nete Augenblick gekommen schien, da eröffnete er 
in einer allgemeinen Versammlung seinen Vorsatz 
und verzichtete vor allen auf seine Würde und sein 
Amt. Indessen, weil er den apostolischen Stuhl gegen 
i\ei\ Willen seiner üeistüchkeit verliess, so tilgte sie 
seinen Namen aus dem Papstkatalog. Zwei feindlich 
gesinnte römische Heerführer aber, Maximus und 
Afrikanus, die die grosse Zahl der Jungfrauen und 
den massenhaften Zudrang gesehen hatten, fürchteten, 
dass durch sie die christliche Religion zu sehr über- 
hand nehmen könnte. Deshalb schickten sie, nachdem 
sie sich über ihren Weg möglichst genau erkundigt 
hatten, zu einem Verwandten, Julius dem Fürsten der 
Hunnen, er solle ein Heer gegen sie fuhren und sie, 
wenn sie nach Köln kommen, bloss weil sie Christen 



138 

Lectio VI. Nachdem sie endlich ihr Gelübde gelöst 
hatten, kehrten sie mit Papst Cyriacus selig und 
Bischof Pantalus selig und noch anderen, die sich 
ihnen angeschlossen hatten, nach Basel zurück. Hier 
besetzten sie wieder die früher zurückgelassenen 
Schiffe und Ruder und, nachdem sie sich mit allem 
Notwendigen versehen hatten, gelangten sie mit dem 
genannten Bischof Pantalus den Rhein hinabfahrend 
nach Köln. Sogleich aber fand sich hier das bar- 
barische Volk der Hunnen ein und, nachdem sie 
durch sehr behende Kundschafter alles ausgeforscht 
liatteu, fielen sie plötzlich mit lautem Geschrei über 
sie her und, wie AVölfe gegen Schafe wüten, so 
machten sie die ganze Schaar nieder. Und so wird 
Bischof Pantalus selig, da auch er selbst noch jung- 
fräulich war, wie die hlg. Jungfrauen mit dem Mar- 
tyrium gekrönt. In Ausführung eines göttlichen Rat- 
schlusses aber wurde sein Haupt nach einigen Tagen 
in die Basler Kirche, die er so lange als Bischof 
geleitet hatte, übertragen; am 12. Oktober traf es 
in einem kostbaren silbernen, mit Gold verzierten 
Behälter dort ein und wird von allen Gläubigen jedes 
Jahr an diesem Tage, der für alle Zeit hiezu be- 
stimmt ist, unter grossen Feierlichkeiten in üemut 
verehrt. 

Ans einem handscltrißlirh erhaltenen Brevier am der 
:i. Hälfte fks lo. Jh. hei Tronillat 1, 11 w« 7. 

Dieselbe Quelle enthält ferner sechs die 11000 Jtutg- 
Jrauen selbst betreffende Lektionen (Trouilht a, a. 0. 
/, 14 H^ 8), in deren vierter Pantalm folgendernmssefi 
et nfje fährt wird: 

Viele Bischöfe aber schlössen sich ihnen [den Jung- 
frauen auf der Romfahrt] an. Unter diesen befand 
sich Panthalus, der erste Basler Bischof, der, als sie 



13» 

in Basel ihre Schiffe verliessen, sie zu Fuss bis Rom 
geleitete uud nach der Rückkehr mit ihnen das Mar- 
tyrium empfing. Nachdem sie nun dort mit Eifer die 
Schwellen der Heiligen besucht hatten, kamen sie 
wieder nach Basel zurück, bestiegen abermals ihre 
{Schifte und gelangten den Rhein verfolgend hinab 
nach Köln. 

Und nahezu gleichlautend kehren die beiden ersten 
Sätze mieAer in de?' ebenfalls bei Trouillat a. a. 0. 1,17 
n^ 9 nach einer Handschriß aus dem 14. Jh. gedruckten 
Legende von den 11000 Jungfrauen, die inhaltlich bei 
vielfacher, oft wörtlicher lieber einst immung vornemlich 
durch die Detaillierting der Nanien abweicht. 



374 Juni 21— Juli. Im folgenden Jahre, in dem Gra- 
tian und Aequitius mit einander das Konsulat beklei- 
deten, wird dem Valentinian, der nach der Ver- 
wüstung einiger alamannischer Gaue in der Nähe 
von Basel ein Kastell erbaute, welches die Anwohner 
Robur nennen, ein Brief des illyrischen Präfekten 
Probus mit der Nachricht von seiner Niederlage 
gebracht. 

Ammiantis Marcellinus Buch SO, 3, 1. Hrg, v. S. 
Gardthausen 2, 207. — Trouillat 1, 27 n"" 20. — 
GDDV, Urzeit 2, 75. 

366—450. Die Städte in der Provinz Maxima Sequa- 
norum, vier an der Zahl: Die Stadt Besan(^on, die 
Stadt Nyon, die Stadt Avenches, die Stadt Basel. 

Uebersicht über Gallien. MG. Chronica minora saec. 
IV bis VII. Vol. 1, 597. Ä 575 Jährt Tli. Alommsen 
auch die frühere Litteratur an. 

Dieses Verzeichnis der SUidte und befestigten Plätze 
int wörtlich übernommen worden von Radulf us de Diceto 



140 

hl seinem AiiszNf/ am ChroHikeu, MO. Aj*7, 26ö. Kur 
begeht e?% o^enhar durch den lateuusclien DoppehmmeM 
irre r/eßlhrt, den Felder, Ktjon ziveinutl zu nennen. 

5. Jh. Endlich veranstaltete er [König Etzel] in Sce- 
wen einen feierlichen Hoftag. Zu diesem fand sich 
auch Dietrich von Bern mit den Fürsten Deutsch- 
lands ein und leistete, wie man sagt, Etzel und den 
Hunnen den vollen Eid der Treue. Er legte es dem 
König nahe, die Reiche des Ostens zu überfallen. 
Diesen Kat griff Etzel begierig auf und Hess sofort 
den Heerzug verkünden. Nach dem Ausraarsch aus 
Sigambrien unterwarf er zuerst die lUyrier und über- 
schritt dann den Rhein bei Konstanz. Als er hierauf 
dem Rhein entlang weiter hinabzog, stiess König 
Sigismund bei Basel mit seinem Ungeheuern Heere 
mit ihm zusammen. Etzel besiegte ihn mit seinem 
ungestümen Angriff und machte ihn seiner Herrschaft 
Untertan. Von diesem Orte weiterziehend belagerte 
er dann Strassburg. 

Die Taten dfr [Inr/arn von Sinwn von Gheza. 1. 
Buch. MO. SS. kf9,':^r)8. 

Anfang des 7. Jh. Als er [der hl. Eustasius] dann in 
das Kloster [Luxeuil] kam, beeiferte er sich sowol 
das Volk in der unmittelbaren Umgebung, als auch 
die angrenzenden Nachbarn zu einer festen christlichen 
Lebensführung anzuregen und brachte wirklich viele 
von ihnen zu einer heilsamen Reue. Auch war er 
so voll Begeisterung, dass er viele durch seine Be- 
redsamkeit erleuchtete. Denn viele von ihnen wurden 
später Vorsteher von Kirchen: Chagnoaldus in Laon, 
Acharius Bischof von Noyon und Vermand und Tour- 



14! 

nay, Ragnachar von Äugst und Basel, Andoinar von 
Boulogne und der Stadt Terouane. 

Das Leben des hJg. Eustasius, des Abtes voti Luxen/1. 
MabiJlon, Acta sanctorum ord'utis mncti Benedkti saec. 
II, S. 118. 

Anfang des 7. Jh. Und nachdem der verehrungswürdige 
Agilus ins Knabenalter eingetreten war, wird er dem 
Eustasius, einem Manne von bewährter Frömmigkeit, 
zum Unterricht in der hlg. Schrift übergeben, zugleich 
mit andern Söhnen vornehmer Männer, die naclimals 
Vorsteher von Kirchen geworden sind, darunter mit 
Ragnachar, der als vortrefflicher Leiter der Kirche 
von Äugst hervorragte. 

Das Leben des hlg. AgiUiSj des Abtes von Rrbais, 
Kap. 4. Mabillon, Acta sanctorum ordinis s. Bencdidi 
saec. II, S. 318. — Die andern hier genannten Xamen 
sind dieselben ivie in der Lebensbeschreibung des hlg. 
Eustasius (8. o,). 

Ende des 7. Jh. Ferner ist als angrenzend an Türingen 
das Land der Schwaben zu nennen, das auch das^ 
Land der Alamannen heisst und an Italien gren/it. 
Am Rhein . . . liegen mehrere Städte nemlich: Worms,. 
Speier, .... Strassburg, Breisach, Basel, Angst, . . . 
Konstanz, Arbon, Bregenz. 

Die Erdbeschreibung des Anongmus von Rarenna 
IV, 26. Hrg. v. M. Finder und O. Partheg 8. '^80 J. 
— Troiällat 1, 6 n^ 1 (ungenau). 

744. Als jener Walus [Bischof von Basel] lebte, zog 
Romauus aus Alamannien fort. 

Trouillat 1, 76 nach den kleinen fränkischen Jahr- 
büchern bei Orandidier, Histoire d*Alsace 1, preures 



142 

751. Bischof Baldobert geweiht. 

Schwäbische Jahrbücher. MG. ÄS. i, ^6 VL — />>/- 
scher Jahrh'mher. MG. SS. 1, 27 VIII. — TroniU 
lut 1, 77 /^o o9. 

751. Bischof Baldebert. 

WolJe?ibnttle)' Jahrbücher. MG. SS. 1, 27 VII. 

Die Namen der Brüder aus dem Kloster, das Mur- 
bach genannt wird. Darmder: Bischof Baldebert. 
Reichemmer Verhi'iderungen. MG. LC. 209, col. 171, 7. 

Vor 759 November 16. Im Laufe desselben Jahres 
kommt aus der Stadt Basel eine Nonne, die vier 
Jahre vorher an beiden Augen erblindet war, unter 
der Führung ihrer Schwester ins Kloster [St. Gallen] 
und verweilte hier ungefähr drei Wochen, immer noch 
von ihrer Blindheit umnachtet. Als aber im Ver- 
laufe des Jahres das Fest herankam, an dem die 
katholische Kirche sich in der ganzen Welt der An- 
kunft des heiligen Geistes erfreut, warf sich die 
Nonne an dem dem Feste unmittelbar voraufgehen- 
den Samstag, als eine grosse Menge Volk wie gewöhn- 
lich ins Kloster kam um zu beten, mit einigen andern, 
die herzugetreten waren, um die vierte Stunde des 
Tages vor dem Grabe des seligen Mannes [Otniar] 
zum Gebete nieder und, nachdem sie einige Zeit 
gebetet hatte, erhielt sie ihr verlorenes Augenlicht 
wieder und gab durch dieses offenbare Wunder den 
vielen Menschen, die da zusammengekommen waren, 
Anlass zu grosser Freude. 

Die Wunder des heiligen Otntar von Meister Iso, 
dem Mönch von St. Gallen, 2, 6. MG. SS. 2, 54. — 
Mitteihmgen z. vaterl. Gesch. hrg. v. histor. Verein 
St. Gallen. NF. 2, ISS Anw. 98 (unmllständig). 



143 

762. Die Namen der Bischöfe und Äbte, die in Attigny 
in Sachen der Kirche und zum Heile der Seelen 
versammelt auf dieser Synode unter andern heilsamen 
und klugen Massregeln auch das in einem einmütig 
gefassten Beschluss festsetzten, dass jeder von denen, 
dessen Name in der Liste unterschrieben zu finden 
ist, 100 Psalter und durch seine Priester 100 beson- 
dere Messen lesen lassen soll, sobald einer von ihnen 
aus dieser Zeitiichkeit scheidet. Der Bischof selbst 
aber soll 30 Messen lesen, wenn er nicht durch 
Krankheit oder sonst ein Hindernis abgehalten wird. 
In diesem Falle soll er einen andern Bischof bitten 
statt seiner Messe zu lesen. 

Untef' den Bischöfen: Baldcbert, Bischof der Stadt 
Basel. 

Eintrag aus dem Ende des 8, Jlis. in cod. Vafir. 
Pakit. n^ 577 Fol 6, MG, Leynm Sectio II, Capituhria 
1, ä21 n^ 106, — TrouiUat 1, 77, 

762. Baldebert (Baldobert) stirbt. 

Schwäbische, Wolfenbnttler und Lorscher Jahrbächer. 
Md. SS, 1, 28 VI und 29 VII und VIII 

784—806. Äzan, Fürst von Jerusalem und Zeitgenosse Karl 
d, Or., wünscht angelegentlich den Kaiser, von dessen 
Tugenden und grossen Eigenschaßen er so viel gehört 
hatte, jyersönlich zu sehen. Er erö^net seinen WiinsrJt 
dem Papst Leo und Uisst durch ihn Karl wissen, dass 
er ihn im Falle der Gewährung seines Wunsches einen 
ungemein reichen und kostbaren Schatz schenken werde. 
Leo gelingt es in der Tat, obgleich nicht ohne Mühe, 
durch seine Boten den Kaiser zu bestimmen, dass er 
eine Begegnung mit Azan sucht und zu diesem Zwecke 
nach Rom reist. Azan seinerseits nuwht sich hoch er- 



144 



freut von Jerusalem aus auf den Wer/, kommt jeilorh 
nur bis Corsica, u-o er durch SiecJdum zarmkgehaUeu 
wird. Er sendet Boten nach Rom mit der Bitte, der 
Kaiser möge geruhen zu ihm auj die Insel zu kommen. 
Karl aber scheut die Gefahren des Meeres, wie er 
denn auj dem Wasser immer etwas ängstlich war, und 
will einen seiner Vertrauten schicken. Aber keiner van 
ihnen hat Mut genug ßlr diese gefahrvolle Heise. 

Zu den dem König Nächststehenden gehörten zwei, 
namens Waldo und Hunfrid, von denen Hunfrid 
damals ganz Istrien inne hatte. Waldo war Abt von 
Keichenau gewesen. Doch hatte ihm der König auch 
das Bistum Pavia und das Bistum Basel nach dem 
Tode der früheren Bischöfe einstweilen in Verwal- 
tung gegeben, bis die dringendsten Geschäfte zum 
Abschluss gebracht wären. Denn er war ein durch 
seine Fähigkeiten hervorragender Mann und dem 
König sehr befreundet, so dass dieser ihn zu seinem 
Beichtvater wählte. 

Am Ende des dritten Tages nun, als die Sonne 
auf ihrer Bahn flüchtigen Laufes schon dem Unter- 
gang zueilte und mit dem schimmerndem Abendstern 
die Nacht hereinbrach, fing der schwatzhafte Waldo 
an neben anderem, was er da zum Besten gab, dem 
Hunfrid auch zuzureden, er solle die Botschaft dos 
Kaisers an Azan, den Fürsten Jerusalems, nach der 
genannten Insel übernehmen. 

^Siehst du denn nicht, sagte er, wie betrübt unser 
Herr darüber ist, dass er seine Absicht nicht erreichen 
kann, da doch dieser Azan seine Gesandtschaft an 
uns glücklich hat ausführen können, unser Meister 
jedoch keine Möglichkeit hat, seine Antwort zu ihm 
gelangen zu lassen". Hunfrid nahm aber diese Worte 
sehr übel auf: „Was du mich tun heissest, sagte er, 



|V^* ' . 



145 

würdest du auf keiuen Fall zu tuu wagen** , worauf 
jener ihm antwortete: „Wenn du dich entschliessest 
zu gehen, reise ich ohne Zaudern mit.** Als Waldo 
nun Hunfrid noch dringender zuredete, gab dieser 
endlich seine Zustimmung und versprach die Reise 
zu unternehmen. 

Voll Freude über die Zustimmung und das Ver- 
sprechen Ilunfrids begibt sich Waldo zum König, 
der nach dem Frühgottesdienst im Zimmer verweilte, 
klopfte an der Türe an, wurde eingelassen und suchte 
seine Betrübnis mit tröstendem Zuspruch zu heben. 
„Herr, sagte er, du hast nun einen Mann, den du 
schicken kannst und der bereit ist zu gehen" ; und setzt 
ihn dann mit einigen Worten von dem Versprechen 
Hunfrids in Kenntnis. Jener dankte Gott und sprach : 
„Kehre in dein Gemach zurück und nach Tagesan- 
bruch kommet beide zu mir." Während Waldo mit 
dem König unterhandelt, schickt Ilunfrid nach ihm 
und weigert sich der Reise, die sie mit einander ab- 
geredet hatten. Da sagt dieser zum Boten: „Wie 
kann er nur jetzt sich weigern zu gehen, nachdem 
ich bereits von seinem Versprechen meinen Herrn 
den König in Kenntnis gesetzt habe?" Als Hunfrid 
das gehört hatte, schickte er sich endlich wol oder 
übel in die Fahrt. Beide begeben sich daher in 
früher Morgendämmerung 

„Als bei fliehenden Sternen schon errötet Aurora** 
zur Pfalz. Der Kaiser aber, der mit seinen Edeln 
Rat gehalten hatte, schickte sie mit zahllosen und 
kostbaren Geschenken und reichlichem Geld, das zu 
diesem Zwecke in der ganzen Welt gesammelt worden 
war, zu dem erwähnten Fürsten Jerusalems. Mit der 
Flotte, die mit dem gewaltigen Schatze beladen war, 
gelangten sie nach glücklicher Fahrt an die früher 

Beitrage XV. 10 



146 



genannte Insel und bieten Azan selbst, den sie schwer 
leidend finden, die riesigen Geschenke dar, die der 
Kaiser geschickt hatte. 

Azan nahm zwar diese Fülle von Gaben, die ihm 
vom Kaiser dargebracht wurden, mit schicklicher 
Ehrerbietung in Empfang, war aber doch darüber, 
dass der Kaiser selbst, den er mit unaussprechlicher 
Liebe erwartete, nicht zu ihm gekommen war, recht 
betrübt und sagte unter andern Reden, die darüber 
gewechselt wurden, den Gesandten ungefähr folgen- 
des: „Obwol es mir Unwürdigem, der ich von der 
Last der Krankheit niedergedrückt bin, von Gott 
nicht beschieden war, dass ich bei einer persönlichen 
Begegnung den lang ersehnten Mann hätte scheu 
und mich an seinem begehrenswerten Anblick und 
seiner Rede hätte erfreuen dürfen, noch dass er selbst 
zu mir hätte kommen mögen wegen der Schrecken 
des Meeres, die er immer fürchtet, so will ich doch 
die ihm versprochenen Geschenke nicht zurückhalten, 
sondern ihm mit kostbaren Schätzen Ehre erweisen.** 

Jene aller Welt so erwünschten Ehrengeschenke 
und jener hochheilige und alle Kostbarkeiten über- 
treffende Schatz, der von der Insel dem glorreichsten 
Kaiser Karl gebracht wurde, besteht nun aus folgen- 
dem: Eine Flasche aus Onyx gefüllt mit Blut des 
Erlösers. Ein goldenes Kreuzchen mit kleinen Edel- 
steinen besetzt mit dem von den vier Armen einge- 
schlossenen Blute Christi und in der Mitte ein Stück- 
chen vom Holze des Herrn; dieses selbe Kreuzchen 
hast du, o guter Jesus, bald deinen Keichenauern zu 
unserem Schutz und Trost gnädig geschickt. Preis 
dir, Christus, und Lob ! Die Dornenkrone, die das liebe 
Haupt unseres Erlösers umwunden hat. Einer der 
Nägel, die die hehren Glieder Christi durchbohrten. 



147 

Ferner vom Holze des Herrn, an dem die herrlichen 
Glieder Christi hingen. Vom Grabe des Herrn, das 
dem Segen bringenden Leichnam Christi geweiht war. 
Ausserdem auch verschiedene Salben und Schmuck- 
sachen mit noch andern unterschiedlichen Geschenken, 
mit denen der Kaiser prunkhaft bedacht wurde. 

Nachdem nun die Gesandten die wunderbaren 
Gaben in £mpfang genommen, bestiegen sie unter 
Glückwünschen den Dreirudercr und vermutlich durch 
den herrlichen Schatz, den sie mit sich führten, ge- 
schützt, landeten sie nach glücklichster Fahrt mit un- 
versehrtem Schiffe an einem Orte Namens „zum 
Kloster der heiligen Anastasia^, der in Sizilien sein 
soll. Dort Hess Hunfrid den Waldo zurück, um das 
Heiligtum mit grösster Sorgsamkeit zu bewachen, er 
selbst setzte die Fahrt zum Kaiser, der damals in 
Ravenna seiner Gesandten harrend sich aufhielt, fort, 
berichtete über die ihnen aufgetragene Gesandtschaft, 
erzählte einlässlich von dem Verlauf der Fahrt und 
den Ausgang der ganzen Angelegenheit und erklärte, 
wo er den Waldo mit dem hochheiligen Schatze 
zurückgelassen hätte. Ohne Verzug machte sich der 
Kaiser voll unaussprechlicher Freude zugleich mit 
seinen Vornehmen und einer ganzen Masse Volks 
barfuss auf den Weg und, nachdem sie die 50 Meilen 
von der Stadt Ravenna bis zum erwähnten Ort in 
Sizilien mit blossen Füssen zurückgelegt hatten, fan- 
den sie den oft genannten Schatz an demselben Ort 
sorglich aufbewahrt. Der Kaiser nahm ihn in tiefster 
Ehrerbietung in Empfang und führte ihn von diesem 
Orte weg. Was er dann mit diesen Heiligtümern 
gemacht hat, d. h. welche Stücke der herrliche Got- 
tesverehrer von diesem Schatze bleibend in seiner 
Kapelle niederlegte, und welche Stücke er allen an- 



148 



dem heiligen Orten bei der Verteilung zukommen 
liess, gäbe eine bald ermüdende Erzählung, so das» 
der Leser überdrüssig der trockenen und ungebühr- 
lich hinausgezogenen Geschichte davon geradezu an- 
geeckelt wäre. 

Nach der glücklichen Erledigung dieser Ange- 
legenheit und der mit gutem Erfolg gekrönten Durch- 
führung der kaiserlichen Gesandtschaft durch Waldo 
und Hunfrid, hielt endlich der Kaiser mit seinen 
Vornehmen Rat über die Frage, wie er seine getreuen 
Boten für ihre grosse Mühe gebührend belohnen 
könne. Da alle ihre Anerkennung ausdrückten, soll 
er jene mit folgenden Worten angeredet haben: 
„Weil, sagte er, ihr allein dadurch so viel zu meiner 
Ehre beigetragen habet, dass ihr unsere Botschaft in 
so vortrefflicher Weise ausgeführt habet, als sonst 
niemand in meinem Reiche diese gefahrvolle Reise 
zu unternehmen sich bereit zeigte, so verlanget nun 
guten Mutes, was euch von unsern Sachen gefällt^ 
und ich werde allen beweisen, dass ich zu geben 
weiss.** 

Da nun die freie Wahl in so überaus gnädiger 
Weise freigegeben war, wagte der mehrfach erwähnte 
Abt Waldo mit Hintansetzung aller seiner Wünsche 
nur das Eine, beim Kaiser ein Privileg für die ihm 
anvertrauten Reichenauer Brüder zu erwirken, und 
das mic bestem Erfolg, indem er nach Verdienst es 
erreichen konnte, dass unter seiner Leitung das 
Kloster nicht nur mit einem Freiheitsbrief, sondera 
auch mit Gütern und einer Menge Geldes begabt 
wurde. 

Dessenungeachtet setzte er auch in Bezug auf 
die Verfügung über die oben genannten Orte, nem- 
lieh das Bistum Pavia und das Bistum Basel, seinen 



149 

Willen beim Kaiser durch, als er verlangte, dass er 
in jedem der beiden Orte einen Bischot einsetzen und 
ausserdem jedem von ihnen mancherlei Forderung 
als ein wahrer Förderer der Kirche zu Teil werden 
lassen soll. 

Ans der UehertraguHg des Blutes des Herrn, MG. 
SS. 4, 447. — Darttarh ht Jast wörtlicher Ueherseizuttfj 
in Gallns Oheims Clironll: von RekheNan. BihJioihek 
des litterar tschen Vereius von Stuttgart 84, 77 ff. 

Vor 801. Uff verloffung ettlicher jar, als Waldo nach 
verlaussen des bistumbs zu Pawie us welschen landen 
kam, was küng Karollus im daz bistümb zu Basel 
geben. 

Galhts Oheims Chronik von lieichenan. Bibliothek 
des litterarischen Vereins von Stuttgart 84, 45. 

^s'^ach 801. Von dem Heere, das Karl d. Gr. nach Spanien 
gegen die Heiden unter Baligain führt, heisst es u. a.: 
De van Basel iud de van Elsaessen 
Sallen in eynre scharen syn. 
Beyde körn ind wyn 
Weset en vele ouer alle ir lant. 
£n koen volck haen ich bekant 
Dat also gerne vechte. 
Zwentzich dusent guder knechte 
Brachten sy mit en dare 
De seine groesse schare. 

Karlmeinet. Bihliothek des litterarischen Ve^'eins von 
Stuttgart 4ö, 7*24. 

802. Bischof Haito gilt viel im Rate Karls. 

Die grösset^en Jahrbücher von St. Gallen. MG, SS. 
1, 75. Anm. f. — Trouillat 1, 86 n^ 45. 



150 

803/7. Ick vinde in der schrift, dat keyser Karolus ock 
hinderet hadde bischopdome den eynen to Basel, den 
andern to Wormse. 

BrauHSchweMjer C/ironik mit Bildern verfasst wn 
Konrad Botho bei O. Leihnitz, Scriptores rerum Brnns- 
vicensium 3, 293, 

806. Auf Waldo folgt Hatto. 

Mitteilungen zur vaterl. Gesch. hrg, v. histar. Verein 
St. Gallen. NF. 9, 244. — Reiche nauer Fortsetzung 
der schwäbisclien Jahrbmher. MG. SS. 1, 49. — 
Trouillat 1, 86 n^ 45. 

806. Auf Waldo folgt Haito. 

Weingartner Jahrbücher. MG. SS. 1, 65. 

806. a) Der Abtei Reichenau stand, naclideni der Abt 
Waldo mit der Leitung des Klosters des hlg. Diony- 
sius betraut worden war, Heito als neunter Abt durch 
17 Jahre vor. 

b) Auf Waldo folgte Hetto, Bischof von Basel. 

Die Clironik des Hermann von Reichenau nach zwei 
verschiedenen Handschrißen. MG. SS. 5j 101. — 
Schwäbische Weltchronik. MG. SS 13, 64. — TrouU' 
lat 1, 83 //<> 42 und 86 //« 45. 

Die Äbte des Klosters Reichenau. Darunter: Heito 
durch 17 Jahre. 

Verzeichnis der ReicJtenauer Äbte aus einer St. Galler 
Handschriß d. 13. Jlt. — MG. SS. 2, 38 und 13, 331. 

Nach 806. Von den Westphalen. Diese wird Bischof 
Haito und der Graf Hilto empfangen (folgen die 
Namen von zehn Geiseln). Diese sollen um die Mitte 
der Fasteuzeit nach Mainz kommen. 
MG. Legum Sectio II, Capitularia 1, 233 n^ 115. 



151 

Nach 806. Xach den achthundert und sechs jaren, als 
Waldoni von Kayser Karolo oder sinern sun Pipino 
das closter sant Dionisis zu Parys in bevelch geben 
was, begert er im sin sorg und bürde zu ringren, be- 
graiff Hattonem, ain priester und inünch, antwurtt inn, 
kaiser Karolo bittende, im die apty in der ()\v mit 
dem bistumb zu Basel zu geben, den der kaiser, wie 
er begert, gewert. Diser Hetto hatt die sorg des 
gotzhuses Ow uffrecht und nach der regel aines 
haiigen lebens sich geflissen ze halten und zu er- 
füllen. Er ward in dem jar gezelt achthundert und 
ainlff jar och mit zwayen graven Hugo und Haione 

gen Constantinopel gesant 3Ian vindt euch von 

im geschriben, das er alle sine bücher, vor und nach 
dem bistüm erobert und überkomen, hie in disem 
gotzhus [Reichenau] verlaussen habe. 

GalUis Oheims Clironik von RpinlteNun. Bi'tUotJfeli 
des litter arischen Vereins in Stnüfjart 84, 46 und 60, 

Anfang des 9. Jh., vielleicht vor 810. 

♦ Altprihc Dietpuruch Adalheid 
Congregacio fratrum in nomine domini Pernhart 
de Agustgaugense. Cunipertus archiprespiter 

Keilo Lantpold 
de Basala civitate Heilman Willehelm 

Gundholt He roll 

WolfFrid Heimo Herimar Richeni Fruoto Dietker 

Adalpreth Giinderihc 
erehteni Erihc Wolfmar Halbinc Rihcpreth 

Anna 
eririhc Wolfpreth Lerat Othart Nandker Sahso 
dalpreth Hunpreth Dietene Atto Otker Hertine 

Willeriho 
erimar Rihchart Enkilpero Amalgoz Liuto 



152 

Ruadhart 
ekinhart Gotesnian Kihcolf Erlepreth Paltfrit 
Witpreth Sikeleihc Priho Enkilgart Rekinker 

Gozjßrefh 
Hiltman Liubniu Gundheri Ekiaa Othart Hieroiiimus 
er'ujart Adalpuruch Othart Stephan Pirin Ruodhat 
Hza 

Amalpreth item Amalpreth Isanker Aspirin 
Ucih 

Erlolf Dietprich Wolkelohc Tnoto Herigund 
Pilegart Eckihart Recco Perathsind Rekinrind 
Rampreth Liuterat Isanpirihc Enkilsind 
Isanhilt Wieldrud Heinrihc Liuthart Mekin- 
hart Liubsind Rekinwart Harterat Amalsind 
teni Rekinhart Ililtigart Wini Luthilt Dietgund 
Kerpirihc Gotelind Takebold Enkilsind Otker 
AVilpuruch Dietsind ürteni Alterat Wanker 
iutsind Aspirin Rekinsind Amalker Enkilrat 
Erchansind Ililtewib Liubsind Adalgoz Dietilo 
Ratpreth Ata Enkildiu Samuhel Wodilrat 

Sindeni \V anrät Paldkcr Ruodo Kerdrud 
Pernrihc Wiliehelm Kundholt Puruchart 
Tota Otpreth Kerlind Abraham Wolfo Kisala 
dalpret Amalpreth Ratpreth Swablind Erchansind 
Walaho Rihpold Paterihe Herimar Rua . . . c. 

VerhnkleniHgsbnch von St. Gidhn, MG. LC. S, 46, 
col. 115, — Mitfeihwf/en z. vaterl. Ge.sch. hrg. v. histor. 
Verein St. Gallen. NF. 9, 49. 

807—823. Die Verordnungen des Basier Bischojs Heito. 
(S. Beilage n^ 1.) 

811. Bischof Hatto fuhr über's Meer. 

Reichenauer Fortsetzung der schwähischen Jahrbücher. 
MG. SS. 1, 49. — Mitteilungen z. vaterl. Gesch. hrg. 



153 

r. histor. Verein St. Gallen. NF. 9, ;^44 u. 27H (hhr 
Heito). .4//.S (leu srhnähisrhen Jahf'biirJtrrn ist diesr 
Xachri4:1it wörtlich, nur mit der Audening Ilaito, itt 
die Weingartner Jahrbi'trher — MG. SS. 1, f);") — iiher- 
gegangen. 

811. Nachdem der Spatliarius Arsafius, so hiess nenilich 
der Gesandte des Kaisers Xiciforus, seiaeii Auftrag 
beendet hatte und wieder entlassen war, wurden ixw 
Befestigung des Friedens vom Kaiser der Bischof 
Haido von Basel, der Graf Ilugus von Tours und 
der Langobarde Aio von Friaul nach Konstantinopel 
gesandt. 

Einlumh Jahrbücher. MG. SS. 1, 198. — GDDV. 
9. Jh. '^, im. — - Darnach fast gleichlautend der säch- 
sische Annalist. MG. SS. 6, öfJS. 

811. Im Jahre 811. In diesem Jahre werden von unserem 
Kaiser Gesandte zum griechischen König nach Kon- 
stantinopel geschickt, nemlich Bischof Haida und 
zwei andere, und dank dem allmächtigen Gott kamen 
die vorgenannten Gesandten unseres Kaisers aus Grie- 
chenland damals wieder zurück. 

Jahrbücher von Xanten. MG. SS. ^, 224. 

811. Der Kaiser schickte Haito, Bischof von Basel, und 
Hug, Grafen von Tours und den Langobarden Aio 
von Aquileja als seine Gesandten nach Konstantinopel, 
um den mit Nicephorus abgeschlossenen Frieden zu 
bestätigen. 
Jahrbücher Enhards von Fulda. MG. SS. 1, Soo, 

811. Haito, Bischof von Basel, [wird] nach Konstan- 
tinopel geschickt. 



154 

Jahrbücher von Münster hu Gregor ientaJ, MG. SS, 
S, lo4. 

811. Nachdem Arsafius seinen Auftrag beendet hatte, 
schickte der Herr, Kaiser Karl, zur Befestigung des 
Friedens den Bischof Haido von Basel, den Grafen 
von Tours und den Langobarden Haido als seiue 
Boten nach Konstantinopel und den Spatharius Leo, 
einen Sizilianer von Geburt, und Willarius, den Dogen 
von Venedig ebendorthin zurück. 

Die Jahrhmher von St. Maxhnin in Trier. MG. 
SS. IS, 24. 

811. Der Bischof Hetto wird von dem Kaiser nach 
Konsrantinopel geschickt. 
Die SchwäbLscJte Weltchronik. MG. SS. 13, 64. 

811. Heito, Abt von Reichenau und Bischof von Basel, 
der mit den Grafen Hugo und Haio nach Konstan- 
tinopel geschickt worden war, hat eine Beschreibung 
seiner Reise verfasst. Inzwischen war Kaiser Nicu- 
phorus im Kampfe mit den Bulgaren gefallen. Als 
dann Michael Kaiser geworden war, schickte er die 
Gesandten des Kaisers Karl zurück. 

Clironik des Hernuinn von Reichenau. MG. SS. o, 
102. — TroHiJht 1, 86 //» 45. 

811. Kaiser Karl schickte den Bischof von Basel Haido 
und einign andere Gesandte zur Befestigung des 
Friedens zum Kaiser Nicephorus nach Konstantinopel. 
Jahrbücher von Ottobeuern. MG. SS. o, 3. 

811. Haito, Abt von Reichenau und Bischof von Basel, 
der nach Konstantinopel geschickt worden war, hat 



155 

ein Itinerar, d. i. eine Besehreibung seiner Reise ver- 
fasst. 

aironik BerHolth, MG. SS. ^>, 419. 

811. Nach einigen Jahren aber schickte der unermüd- 
liche Karl einen Bischof, einen an Geist und Körper 
gleich ausgezeichneten Mann, dem er einen hoch- 
adeligen Begleiter, einen Herzog, mitgab. Diese 
wurden lange hingehalten, endlich dem Könige vor- 
gestellt, aber schlecht behandelt und an ganz ent- 
legene Orte verteilt. Endlich entlassen kehrten sie 
mit grossem Schaden an ihrem Schiff und Gepäck 
nach Hause zurück. Nicht lange nachher schickte 
derselbe König Gesandte an den glorreichen Karl. Es 
traf sich aber zufällig, dass gerade jener Bischof mit 
dem Herzog bei dem Kaiser war. Als nun die An- 
kunft der Gesandten gemeldet wurde, gaben sie dem 
weisen Karl den Rat sie in gebirgigen und unweg- 
samen Gegenden herumführen zu lassen, bis sie alleü 
verbraucht und verzehrt hätten und durch grossen 
Mangel erschöpft vor ihn zu kommen genötigt würden. 
Als sie ankamen, Hess der Bischof oder seine Genos- 
sen den Marschall sich in der Mitte seiner Unter- 
gebenen auf einen hohen Sessel setzen, so dass man 
ihn gar nicht für einen andern als den Kaiser halten 
konnte Die Gesandten, wie sie ihn sahen, warfen 
sich auf den Boden und wollten ihn begrüssen. Aber 
von den Dienern zurückgestossen, wurden sie genötigt 
weiter vorzugehen. Da sahen sie den Pfalzgrafen 
in der Mitte der Grossen zu Gericht sitzen, hielten 
ihn für den Kaiser und warfen sich auf den Boden. 
Aber auch von hier wurden sie mit Schlägen ver- 
trieben. „Nicht dieser ist der Kaiser** ! riefen die An- 
wesenden, und weiter vorgehend fanden sie nun den 



156 



königlichen Truchsess mit schönen geschmückten Die- 
nern. Wieder hielten sie ihn für den Kaiser und fielen 
zur Erde nieder. Aber auch hier zurückgestossen fan- 
den sie im inneren Gemach die Kämmerer des Kaisers 
um einen Herrn, von dem es gar nicht zweifelhaft 
schien, dass er der Gebieter der Sterblichen sein 
könne. Doch auch dieser leugnete, dass er das sei, 
was er auch wirklich nicht war, versprach aber mit 
den Ersten des Palastes sich zu bemühen, damit 
sie, wenn es möglich wäre, vor die Augen dos 
erhabenen Kaisers gelangen möchten. Da wurden 
von Seite des Kaisers einige abgeschickt um sie 
ehrenvoll hineinzuführen. Der glorreiche Kaiser Karl 
stand aber an einem hellen Fenster, strahlend wie 
die Sonne beim Aufgang, mit Gold und edeln Steinen 
geschmückt, gestützt auf Ileitto. Das war nemlich 
der Name des Bischofs, der früher nach Konstan- 
tinopel gesandt war. Und rings um ihn standen im 
Kreise, den himmlischen Heerscharen vergleichbar, 
seine drei jungen Söhne, die schon an der Herrschaft 
Teil erhalten hatten, und die Töchter mit ihrer Mutter, 
nicht weniger mit Weisheit und Schönheit als mit 
Geschmeide geziert, Bischöfe unvergleichlich an Ge- 
stalt und Tugend und die durch hohe Abkunft und 
Heiligkeit vorzüglichsten Abte, Heerführer wie einst 
Josua im Lager von Galgala und Kriegsleute wie 
die, die die Syrer mit den Assyrern aus Samaria 
verjagt hatten, so dass David, wenn er dort gewesen 
wäre, mit Recht gesungen hätte: „Ihr Erdenkönige 
und all ihre Völker, ihr Fürsten und all ihr Erden- 
richter, ihr Jünglinge und ihr Jungfrauen, ihr Greise 
samt den Knaben : sie sollen rühmen den Namen des 
Herrn*'. Da gerieten die Gesandten der Griechen in 
die grösste Bestürzung. Der Athem verging ihnen 



15T 

und ganz ratlos fielen sie stumm und wie leblos zu 
Boden. Der gütige Kaiser aber hob sie auf und suchte 
sie durch trostreichen Zuspruch zu ermutigen. End- 
lich erholten sie sich etwas, als sie aber den einst 
verhassten und von ihnen verstossenen Heitro in sol- 
cher Ehre sahen, entsetzten sie sich von neuem und 
lagen so lange auf der Erde, bis der König ihnen 
bei dem Herrn zuschwor, er werde ihnen in keiner 
Weise ein Leid zufügen. Durch dieses Versprechen 
ermutigt, fingen sie an etwas zuversichtlicher aufzu- 
treten, und in ihr Vaterland heimgekehrt sind sie nie 
wieder in unsere Gegenden gekommen. 

Der MöNch von St. Gallen, Die Taten Karls d. Gr. 
MG. SS. 2, 760. — TroiuUat 1, 87 //« 4o. 

SIL Verzeichnis und Verteilung, die gemacht worden 
ist, von .... Karl dem erhabenen Kaiser im Jahre 

811... in betreff seiner Schätze und alles Goldes, 

das sich an jenem Tage in seiner Schatzkammer vor- 
fand .... Diese Bestimmung und Anordnung hat er 
von den Bischöfen, Achten und Grafen, welche zu 
der Zeit zugegen sein konnten und deren Namen hier 
beigeschrieben stehen, gemacht und getroffen. Die 
Bischöfe: Hildebald [von Köln], Rikolf [von Mainz]^ 
Arno [von Salzburg], Wolfar [von Rheims], Bernoin 
[von Besannen], Laidrad [von Lyon], Johannes [von 
Arles], Theodulf [von Orleans], Jesse [von Amiens],. 
Heito [von Basel], Waltgaud [von Lüttich]. 

Einluu'dj Kaisei' Karls Lehen. MG. SS. '2, 462 f. — Aus- 
zug hei TroniUat 1, 89 n''46. — GDDV. 9. Jh. 1, oo. 

814—823. Als er [Meinrad] aber das 25. Jahr erreicht 
hatte, wurde er zum Amte eines Diakons und nicht 
lange darnach zur Würde eines Priors erhoben. 



158 

Eben damals unter der Regierung des Kaisers 
Ludwig, des Sohnes Karls, war Abt auf dieser Insel 
[Reicbenau] Haito, ein durch Gelehrsamkeit und gute 
Werke und edle Sitte gleich ausgezeichneter Mann, 
der auch Vorsteher der Basler Kirche war. Weil 
er aber die Geschäfte des praktischen Lebens gering 
achtete und sich dem Genüsse eines beschaulichen 
Lebens hingeben wollte, wird der vorgenannte Erle- 
bald mit Erlaubnis des Kaisers Ludwig von allen 
Brüdern gewählt, dieser Insel und den Brüdern vor- 
gesetzt und in das Amt eines Abtes eingesetzt. 

Das Lehen des hlg. Mehirud. Kap. 3. MO. iSS. 

15 /L 44o. 

816. In Reichenau wurde die Kirche der heiligen Marin 
von dem Abte und Bischof Haito erbaut und geweiht. 
CliroHik des Hermann von Reichenan. MG. Ss. o, 
Ity^. - TroHillat 1, 8S //« 4ö. 

816. Verse, an das Gotteshaus zu schreiben. 
AVer du auch seist, der du kommst zu der Kuppel des heiligen Hauses, 
Um die einzelnen Zierden des mächtigen Baus zu betrachten, 
Mögen sie dich zur Trauer von allem Vergänglichen stimmen. 
Klagende Seufzer entringen den Tiefen der Brust sich, in dem ich 
"Wahres verkündige und nicht ein Spiel nur treibe mit Worten, 
Sondern den Leser belehre, Geschehenes gründlich berichte. 
AVas du an Mauern gewahrst, was mühsam einstens errichtet. 
Dann zerfallen und Schutt und Trümmer, ein Bild der Zerstörung, 
Nackt das Gebälk und leer die Wände, die es getragen — 
Da ragt jetzt ein herrlicher Bau in glänzender Helle 
Aus d«-n zerbröckelten Trümmern nun wieder vom Boden erstanden. 
Haitos Werk, des Priesters, beseelt von göttlichem Hauche. 
Er auch wirkte, dass gern die Bürger in Massen zur Stelle 
Strömen, und Deutschland zollt dem Sinne des Mannes Verelirung. 
Scharf sein Verstand und fromm sein Gemüt und heiter sein Antlitz 
Jegliches Wissen umfasst er, dem Schrank voll Bücher vergleichbar. 
Möge der Preis des Heils ihn lohnen für solches Bemühen. 



159 

Alis den Gedichten des Walahfrid Strabo. — MG. 
Poetae latini "^, 42o //® T, i. — Mone, QneUPHmtmn' 
luiifß der hadf scheu Lattdesf/eschichte S, VSiJ. 

820. Bischof Haito tut seinen Dienst in Reichenau. 

Die grösseren Jahrbücher x'an St. Gallen. M(r. *SX 
1, 76. Anm. c. 

822. Auf Haito folgte Erlobald. 

Weinf/artner Jahrbücher. MG. SS. 1, 6*;>. 

822. Auf Hatto folgte Erlobald. 

Rekhenaner Fortsetzung der scliniibisclicn Jahrbacher . 
MG. SS. l 4if. 

822. Als Heito, der Abt und Bischof, für sich ein ruhi- 
ges und beschauliches Leben wählte, stand Erlobald 
als 10. Abt 13 Jahre an der Spitze von Reichenau. 

Chronik des Hermann von Reichenau. MG. SS. o, 
iO^. — TrouiUat 1, 89 n^ 4^. 

822. In Reichenau folgte, als der Abt und Bischof Heto 
ein ruhiges Leben wählte, als 10. Abt Erlobald. 

Chronik BernoUh. MG. SS. o, 419. 

823. Verse für das Ciborium in der Kirche. 

AI» neun Jahre hindurch Ludwig die Franken beherrschte, 
Weihte Haito, der Priester, zu Ehren Marias, der hohen 
Königin, diese Geschenke, die hier hell schimmernd vereint sind. 
Alles, was sein war, wünscht' er im Himmel geborgen zu sehen. 
Aus den Gedichten des Walahfrid Strabo. — MG. 
Poetae latini 2, 426 n^ Y, 2. — Mone, Quellensa nini- 
luHfß der badischen Landesr/eschichte S, V^S. 



160 



UL Nomina 



(* Irinc eps.) 






OtbretuB presb. 


*Frldebreht eps. 


Egihart presb. 


Meginhere 


* Hei (man 


ßertricus presb. 


Sigihart 


Cozprei 


Swercini presb. 


Liuthart 


Sigehart 


Nordbertus presb. 


Odalrih 


Wolßioz 


AVolfrat presb. 


Towlf 


rhietpoJd 


Hildibert presb. 


Cozpreht 


Woleram 


Liuthart diac. 


Reginhere 


Sigeleih 


Starcheri diac. 


Trudhere 


Meginhere 


Anthelm diac. 


Triwo 


Rnadprel 


Hiltirat subdiac. 


Egirih 


Wofffred 


Adalbero subdiac. 




Lantolf 


Meginheri subdiac. 




Wrmhere 


Sigihart * Lmtgla Wolfkeri 




Afpret 


Ello presb. liinc Uato 


Keiline 


Frecholf 


Liuthart presb. Perahniu 




Meginfrid 


Wolfhart presb. 


Atalo 


Thiepo 


Appo presb. Adalhold 




Ad ei man 


>Mdhart presb. Taugolf 


Egilbreht 


Tovgolf 


David presb. Wolfhart 


Irminhere 


Kerman 


Heribo Adalhelm Perahthil 


Alpreht 




♦ Pertrich Engilger 




Lerat 


Ruadloih Christan 


AVolfleoz 


Buadwic 


David Nordpreth 


Emicho 




• Lantfrld 


Reginfrid 




Adalhart Liubolf 


Heimelt 


Rateoz 


Perthger Tuato 


Ruadpreht 




*Ruama * HiUUind 


Adalbero 


Reginmunt 


Cotasind 


Chunibreht 




Waga TriuhiH 


Pald 


HedeUnc 


Notdiu * Amalbrehi 


Egino 


Juncman 


* Marcus Felix Ctiatrlhe 


Ruadleoz 


FolchoU 


CimdoU Thtotrihe Leo 


Christan 


Ercheniiari 


LiutoH Irminaind 


Amolt 


Francho 


Pe.rahgoz * Adalbreht 


Engilbreht 


Thiepo 


Wolfpreht Anstrat 




Waldhere 




Adalbero 


Erih Otker 


WiUehel Erik 


Amalprtt 


EUinhart 


Irm'ms'md Coldniu 


Walterat 


Adahcic 


Aiferih Woherat Amalaind 


Cewizo Thietprh 



Beifhenduer Verhrildenutf/CH. MG. LC. 248 



161 



Canonlcormn BaidlleiuiliiiiL 



* Peradoloh 

Ruadhere presb. 

Gerhart 

Peringer 

Ruadleich 

Nordpreht 

Wolfhart 

Tougolf 

Isanpreht 

Erich * Beginbreht 

* Winepreht 

* HadaricuB 
Aladram 
♦Sigiboto 
Hartman 
Waldger 
Reg^nbold 
Kerhoc 
Reginolf 
Walthere 
Reginhart 
Adalbero 
Wolfrat 
Hunolf 
Buolo 
Gozleihc 
Engilbreht 
Keiio 

* Alpsind * Beginbrel 
Ruadhart 

Crimolt 

Richelm 

Folchart 

Kisilhilt 

Hiltidiu 

Wafdker Waldker 

FreioH Ratkia 

WoJfleih Suonhart 

Megindrud Cozlind 

Cewizo Wiehere 

col. 324-^327. 



* Adalwinus eps. 

* Hartwig epa. 

* Kerolt 
Adalscalh 
♦Rec 

* IriDgus eps. 
Kerhart 
Williram 
Kaganhart 
Meginwart 
Oadalrihc 
Arnolt 
Sahao 

* Rohing 
Adalaind 
Ymmo 
AdaUind 
Eberhart 
Heresind 
Adalaind 
Mahtcund 
Mahtcund 
Irminsind 
Liuthart 

Otolf Altram 

Wolwolt 

Ratinch 

AVadalsind 

Wielrud 

Wolevered 

Otolf Purichinc 

Egilvart Appo 

Engilgart 

Perenwic 

Perehtram 

Imila 

Wolvtrat 

Wolßcanc 
Plidker 
Reginmunl. 



BeitrSgc XV. 



11 



162 

a) Die Namen lebender Brüder: . . . Bisehof Heito. 

b) Die Namen der Bruder aus dem Kloster, das Weis- 

senburg heisst: . . . Ado. 
ReicheNauer VerbfiidenwgeN. MG. LC. S. Iö6 roh 
lö, 6 und S. 210 col, 177, o. 

a) Die Namen von Bischöfen: . . . Bisehof Heito. 

b) Die Namen der Brüder aus dem Kloster Weissen- 

burg: . . . Bischof Ato. 
aSY. Galler Verhmdeningen, MO. LC, S. 3ö col. /;>, 
6 und S. 71 col. 210, o. 

823. Am 12. Tag vor den Kaienden des Januar ist das 
Bistum Basel an Ulrich übergeben worden, am 20. 
Tag des Mondmonats, am 21. Tag des Dezember, am 
355. Tag des Jahres, im Jahre 823 seit der Mensch- 
werdung Christi, im 4. des Mondcyclus, im 7. des 
19 jährigen Cyclus, in der 1. Indiktion, in der 17. 
Epakte. Er betrat die erwähnte Stadt am 31. Mai, 
einem Dienstag. Im zweiten Jahre nun nach dem 
erwähnten Einzug des Genannten im 4. Monat, am 
4. Tag vor den Iden dieses Monats, am 18. des Mond- 
monats, am 10. Tag, es waren 161 Jahrestage ver- 
flossen, im Jahre 824 seit der Menschwerdung des 
Herrn, in der 2. Indiktion, da empfing dieser fromme 
Vater in Gnaden die Priesterweihe. Am 12. Tag 
vor den Kaienden des Januar fand die Uebergabe 
an Ulrich statt. 

Eintrag aus dem lO^jH. Jh. in einem Benedikiionale 
a. d. 9. Jh. — MG. SS. 13, 374. — TromUat 1, 102 
n^ i)l nach den Beitragen z. vaterl. Gesch. hrg. von der 
Jiist(yr. und antiquar. Gesellschaft in Basel 3, 368. — 
Zeitschrift f. d. Gesch. d. Ober-Eheins 2, 384 (gekürzt). 



163 

Verzeichnis der Bischöfe anderer Kirchen. Darunter: 
Ulrich, Bischof von Basel. 

Eintrag in einem Missale a. d, Anfang des IL Jli. 
im Wiener Staatsarchiw — MG. SS. ISy 370. 

Die Namen von Bischöfen. Darunter: Bischof Ulrich. 
St. OaUer Verbrüderungen. MG. LC. S. So, coL 75, 
9 und 76, 3, 

An den Bischof Ulrich. 

Jetzo gilt es in würdigem Lied des erhabenen Mannes 

Lob zu preisen, des U-, unsres erlauchtesten Herren, 
laicht bloss Pfleger bist du, du bist auch Lehrer der Tugend 

Und an Geschick bist du Weisen und Rednern voraus. 
Dein Lob schallt fiberall, \^o Menschen im lieblichen Franken 

Wohnen, und Noricum auch ehrt dich mit Kränzen des Ruhms. 
Auch in der Heimat der Treuen, in Suevien, klingt es von hellen 

Freudengesängen und jauchzt fröhlich zum Himmel empor. 
Alt und jung lässt jubelnd die Stimmen erschallen zum Preise 

Dieses vortrefflichen Bischofs, welchen uns Suevien gab. 
Du, als Konig geehrt, gabst allem Volke des Trostes 

Spenden und milde gesinnt, reichst du den Darbenden Brot. 
Hätte die gütige Natur mir tausend Zungen gegeben, 

Dass von jeder zugleich strömte das lehrende Wort, 
Wären es doch nicht Worte genug, dich würdig zu preisen, 

Und 08 verliesse mich traun, alles zu sagen, die Kraft. 
Keine Minute vergeht, wo deines erlauchten Geschlechtes, 

Adels und Glanzes nicht feierlich würde gedacht. 
Würdig schon von Gestalt bist du mit den Zierden des Geistes 

Herrlich geschmückt und samt allen den Zierden auch gut. 
Glanz umstrahlt dich und Ruhm, du erlauchtester, trefflichster 

Herrscher, 

Adlig ist das, was du sprichst, adliger noch was du tust. 
Du bist dem Phobus, du bist überlegen den sieben Planeten, 

Hesperus Glanz auch hält keinen Vergleich mit dir aus. 
Dich ziert sittliche Weihe und fest steht, was du versprochen. 

Deine ganze Gestalt leuchtet in herrlichem Glanz, 



164 

Dürftigen bist du ein Helfer und spendest stets nur das Beste, 
Mögest du drum zum Lohne ewige Freuden empfa'hn. 

Bleibe, wo du auch weilest, gesund und glücklich, gedenk' auch 
Deines Dieners, der dies alles erfleht' im Gebet. 



Stände mir köstliches Silber und Fülle des Gold's zu Gebote, 
Oder besäss' ich vielleicht funkelndes Fidelgestein, 

Air das hätt' ich dir gern zum Geschenk, o Vater, gegeben, 
Weil es mir aber nun fehlt, so spend' ich dir gern, was ich habe. 



Wie* ein Schiffer sich freut, der, matt und müde von Arbeit, 
Endlich das Ufer erblickt, das er so lang schon ersehnt, 

Also jubelt auch der, der schreibend ans Ende des Buches 
Endlich gelangt sich sieht, müd' und ermattet auch er. — 

Aus den Oedkhten des Walahjrid Strabo. MO. Poetae 
latini aevi Carolini 2, 401 /. n^ 56 bis ^^® 58. 

824. In Reichenau starb der Mönch Wetti, dessen Seele 
dem Körper entführt und nach drei Tagen wieder 
zugeführt worden war. Seine Visionen hat Bischof 
Haito in Prosa und Walahfrid in epischem Yersmas 
aufgezeichnet. 

Die Chronik des Hermann von Reichenau. MO. SS. 5, 
108. — Diese Nachricht findet sich wörtlich gleich auch 
in der Chronik Bernolds. MG. SS. 5, 419. 

Heitos und Walahfrids DarsteUnng s. in Beilage )i. 

829 Juni. Im Jahre des Herrn 829, im 16. Jahre des 
Kaisertums Ludwigs, im Monat Juni wird in Mainz 
in der Klosterkirche des Märtyrers Alban eine Sy- 
node abgehalten. Es fanden sich dazu ein: '2 ^rz- 
bischöfe, 26 Bischöfe. Unter den Bischöfen erscheint 
auch: Bischof Hitto von Basel. 



165 

Fuldaer Briefe, Hrg. von E. Diimmler in den For- 
schungen zur deutschen Geschichte 5, 387 f, 

830. Abt Qozbert aber begann im Jahre der Mensch- 
werdung des Herrn 830, im 17. [der Regierung] des 
Kaisers Ludwig die alte Kirche des heiligen Gallus 
niederzureissen und eine neue zu bauen, welche 
jetzt dem Beschauer in ihrer wol erwogenen und 
schlanken Grösse vollendet sich darstellt. Er führte 
den Bau in einem Zeitraum von sieben Jahren voll- 
ständig zu Ende und vollzog im neunten die Weihe 
derselben Kirche, zu der sich im Kloster der Bischof 
von Konstanz Wolflerzo, in dessen Diöcese dasselbe 
gehörte, mit dem Bischof von Basel Ulrich, ferner 
der Abt Erlebald des Klosters Reichenau . . . und 
nicht wenig andere schwäbische Yornehme einfanden. 

Ratberts Begehenlmten von St. Gallen, Kap, 6. MG. 
SS. 2, 66. — Mitteilungen z. vateii, Gesch. hrg. v. 
histor, Verein St, Gallen NF. 3, 29. — Trouillat 1, 
106 w« 54, - GddV, 10. Jh. 11, 250. 

833. Nach Ostern hörte er [Ludwig], dass seine Söhne 
wiederum in feindlicher Absicht zu ihm kommen 
wollten; da sammelte er ein Heer und zog gegen 
sie in die grosse Ebene, die zwischen Strassburg 
und Basel liegt und die bis auf den heutigen Tag 
das Lügenfeld genannt wird, wo der Meisten Treue 
zu Schanden ward. 

Leben Kaiser L^idivigs des Frommen von Uiegan. 
Kap. 42. MG. SS 2, 598, — GddV. 9. Jh. 4, 19. 

* 8d5. Der Kaiser Ludwig gieng seinen Söhnen entgegen, 
die in heimtückischer Absicht auf der grossen Ebene, 
die zwischen Strassburg und Basel liegt, zu ihm 



166 

kamen; aber er gewährte nichts von dem, was sie 
begehrten. 

Jahrhikher von Lobhes. MG, SS. 13, 232, Darnach 
wörtlich gleich der sächsische AnualLst. MG. SS, 6, 674. 

836. Bischof Haito stirbt 

Weingartner Jahrhncher. MG. SS. 1, 65. 

836. Bischoff Hatte starb. 

Reichenaiier Fortsetzung der schwäbischen Jahrhüchei\ 
MG. SS. 1, 49 and Reichenauer Jahrhikher. 7. TL 
MG. SS. 1, 68. — Mitteilungen z. vaterl. Gesch. hrg, 
V. histar. Verein St. Gallen. NF. 9, 247. 

März 17. Bischof Haito. 

Totenbuch von Reichenau. MG. X. 1, 274. 

Die Namen der verstorbenen Brüder: darunter 
Bischof Haito. 

Reichenauer Verbrüderungen. MG. LC. S. 160, col. 
24, 13. 

836. Hatte, abbt und bischoff zu Basel, ist gestorben und 
begraben anno 836. 

Gallus Oheinis CItronik von Reichenau. Bibliothek des 
litterar ischen Vereins von Stuttgart 84, 51. 

836. In Reichenau starb und wird begraben Heito, Bi- 
schof von Basel. 

Die Chronik des Hermann von Reichenau. MO, 
SS. 5, 103. — Trouillat 1, 89 >/^ 45. 

* 836. Der Basler Bischof Hetto starb. 

Schwäbische Weltchronik. MG. SS. 13, 64, 



167 

* 837. Hatto, Bischof der Basler Kirche, starb. 
Der sächsische Annallst. MG. SS, 0, o74. 

* Der Basler Bischof Hatto starb. 

Die Würzhurfjer Clironik r. Elchduird. Mir. SS. 6'» )^7. 

*856. Kaiser Ludwig wird von seinen Söhnen Pippin, 
Ludwijj und Lothar, die ihm mit Papst Gregor auf 
der grossen Ebene zwischen Strassburg und Basel 
entgegenzogen, der Herrschaft beraubt. 

Die Clironik des Schotten Marian. M(r. SS. o, n^>(). 

859 nach Juni 4. König Ludwig kam ungefähr um Früh- 
lingsanfang aus Gallien nach Worms zurück. Vielfach 
unterhandelte er durch seine Gesandten und war 
bestrebt die Gemüter seines Bruders und seines 
Neffen sich zu versöhnen; ihre Antworten wurden 
durch Zwischenboten hin und her berichtet. So kamen 
sie endlich zu einer bestimmten Zeit einzeln mit einer 
gleichen Anzahl ihrer Edlen, die aus der Gegenpartei 
namentlich bezeichnet waren, zu Kahne bei Castell 
Andernach auf einer Rhein-lnsol zusammen, während 
das übrige Gefolge der Einzelnen jenseits auf beiden 
Ufern stehen blieb. Nachdem sie dort lange und 
unentschieden hin und her, zugleich über Gesche- 
henes und noch Auszuführendes gestritten, beschlossen 
sie einen zur Herbstzeit gemeinsam abzuhaltenden 
Tag bei Basel, worauf jeder mit den Seinigen heim- 
zog. 

Die Jahrbücher des Rudolf von FuMa. MG. SS. 1^ 
378. — GdflV. 9. Jh. 9, 31 f. 

859. Hierauf eilt er [Karl] zu einer Unterredung mit 
seinem Bruder, dem Könige Ludwig, auf einer Insel 



168 

des Rheins zwischen Andernach und Koblenz. Allein 
die Unterredung wird bis zum 25. November ver- 
schoben und soll dann bei Basel stattfinden. Als 
aber Ludwig dorthin kam, kehrte Karl wegen Ab- 
wesenheit Lotliars auf der schon begonnenen Fahrt 
w^ieder um. 

Die Jahrhilcher des Priidentius von Troyes, MO, SS. 
1,453, 

859. Die Synode von Savonib'es schickt dem ErzbischoJ 
Wenilo von Sens, det' im Sommer 858 von seinem recht- 
mässigen Hetren, König Karl dem Kahlen, abgefallen 
und zu seinem in Franhreich einbrechenden Brtider 
Ludwig dem Deutschen übergegangen war, die An- 
klageschrift Karls mit der Aufforstung sich binnen 
30 Tagen zur Verteidigung einzufinden. Unter den 
Unterzeichnern dieses Schrißstückes auch: Fredebert 
Bischof von Basel. 

Bouquet, Eecueil des historiens des Oaules 7, 582. — 
Mansi, Conciliorum nova et amplissima collectio (Vene- 
dig 1770) 15, 529. — Trouillat 1, 110 w<> 58. 

860. Synode von Toucey. Die dort gefassten Beschlüsse 
wurden von 57 Bischöfen unterzeichnet. Darunter: Ich 
Fredebert Bischof von Basel habe unterschrieben. 

Mansi, Conciliorum nova et amplissima collectio (Ve- 
nedig 1770) 15, 561. — Trouillat, 1, 112 «« 60. 

Die Namen von Bischöfen. Darunter: Bischof Fri- 
debert. 

St. Oaller Vej^hilderungen. MO, LC. S. 35, col. 76, 
4. — Mitteilungen z. vaterl. Oesch, hrg. v, histor, Verein 
St. Gallen, NF, 9, 32, 



169 

Um 860. Zu der Zeit kam Fredebert, Bischof in Fran- 
cien, nach Angouleme und erbaute dort eine Kirche 
zur Ehren des Erlösers; aber den Leichnam des 
heiligen Mannes [nemlich des hlg. Eparch], den er 
in die Kirche übertragen wollte, konnte er nicht 
heben. Und gerade am Tage der Weihe entschlief 
er nach Abhaltung des heiligen Amtes Tor dem Altare 
des Erlösers ohne Todeskampf in dem Herrn und ward 
dort vor dem Altare von dem Bischof Oliba begraben. 
Ademars Oeschichten 3, 19. - MG. SS. 4, 122 und 
126, Anm. 1*. 

Von dem Kloster, das Nova heisst: Bischof Adalwin. 
BeicJienaiier Verhilderungen. MO. LC. ä. 273 coL 
411, 39. 

Die Namen der verstorbenen Bruder : Bischof Kudolf. 
Reiclienauer Verbrüderungen. MO. LC. S. 160, col. 
25, 8. 

Die Namen der Domherren aus der Stadt Strassburg: 

Hartwig. 

Reiclienauer Verhräderungen. MO. LC. S. 249, col. 
330, L 

870 August 18. Die beiden königlichen Brüder kamen, 
nachdem zahlreiche Boten zwischen ihnen hin- und 
hergegangen waren, endlich am 28. Juli an dem 
Yerhandlungsorte zusammen und teilten das Reich 
Lothars auf folgende Weise. Und zu dem Stücke, 
das sich Ludwig nahm, gehörten : Die Diöcesen Köln, 
Trier, Utrecht, Strassburg, Basel der Baselgau 

Die Jahrbücher d. Hinhnar v. Rheinis. MO. SS. 1, 

488. 



170 

895 Mai 5. Das Triburer Konzil Arnulfs. In diesem 
heiligen und allgemeinen Konzil tagten unter dem 
Vorsitz und dem Beistand des frommen Fürsten Ar- 
nulf, des glorreichsten Königs, und gaben überein- 
stimmend ihre Unterschrift .... die heiligen Vater 
(22 tut der Zahl) danwiei- als zehnter: Iring Bischof 
von Basel. 

MG. Lerjum scdio II, 2, 246. — Aasziicf hei Tronil- 
Int 1, 124 //« 70. 

Die Namen der heteiUfjten Bischöfe — der Baaler 
heisst hier Ingrimus — erscheinen auch in der Ein- 
feitnng zu den auf der Synode f/efassten Beschlflssen , 
und dort ist zugleich auch das (je na ne Datum angegeben, 
MO. a. a. 0. S. 209. 

Die Namen der Brüder aus dem Kloster, das Moyen- 
Moutier heisst. Die Namen der Domherren von 
Augsburg. Darunter: Bischof Iring. 

Reichenauer Verhrilderunf/en. MG. LC. S. 2Sl col. 

2o7, 1. 

Ende des 9. Jh. Es ist \\o\ manchem bekannt, dass 
der berühmten Stadt Lausanne ihr eigener Bisehof, 
nemlich Hieronymus sei. Andenkens entrissen wurde. 
Nach dessen Abgang kam der allergnädigste König 
Rudolf, der einsichtsvoll genug wol wusste, dass die 
genannte Kirche ohne einen Leiter und Führer nicht 
bestehen könne, zugleich mit dem Erzbischof und 
dem Bischof Iring in die genannte Stadt mit dem 
Wunsche und dem lebhaften Verlangen mit den er- 
wähnten Bischöfen jemanden zu finden, der Gott 
wolgefällig und der berühmten Kirche recht von 
Nutzen wäre. Und einen solchen in der Tat würdigen 
Mann fand er mit Gottes Hilfe in der Person des Rjto. 



171 

Die Taten der L(imanner Bischöfe von Kuno von 
Estaviiyer. MG. SS, 24, 80r>, 

897. Zwei Jahre darnach herrschte ein solcher Mangel 
an Getreide und allen andern Nahrungsmitteln, dass 
— es ist entsetzlich zu hören — die Menschen ge- 
zwungen wurden einander aufzuzehren. Und im fol- 
genden Jahre verwüsteten die Hunnen das ganze 
Schwabenland und dieses Gebiet — die Stadt Basel 
machten sie dem Erdboden gleich — derart, dass 
kaum in drei Kirchen St. Dicy, Estival, Moyen- 
Moutier einige Geisliche zurückblieben. 

RfcJiers Geschichte der Kirche von Senones 2. H. 
MG SS. 2o, 27S. - Der Satz: die Stadt Basel a, s. 
(c. ist ahf/eleitet aiis der Schrijt: die Xarhfolf/er de^s 
hif/, HihMf in Moyen-Moutier, Kap. 6. MG, SS. 4, 
89. (S. unten S. 175). 

898 September 24. Im Jahre der Fleischwerdung des 
Herrn 898, in der ersten Indiktion, unter der Regie- 
rung des unüberwindlichsten Kaisers der llömer Ar- 
nulf, als Bischof Tuto sei. Andenkens auf diesem 
Stuhle [von Kegensburg] sass, wurde dieses Gottes- 
haus am 24. September in Gegenwart des Papstes 
Formosus . . . ., sowie in Gegenwart und mit förder- 
licher Unterstützung des genannten Kaisers Arnulf,. 
ferner auch in Gegenwart des Erzbischofs von Köln 
und meltrerer Bischöfe, darunter des Bischofs Iring 
von Basel geweiht. 

Notizen von S. Emnieram. MG. SS. lo/2, 1094. — 
Eljenso mit unwesentlichen Veränderungen und mit dem 
irrigen Datum 23. September in der Altaicher Fortsetzuncf 
Ekkehards. MG. SS 17, 362. 



172 



TRUM 

Richolf 

Woleram 

Frecholf 

Touwolf 

Ruadwig 

Reginmunt 

Jugman 

Adalbret 

Managolt 

Lanthere 

Waldker 

Waldker 

Waldhere 

* Erich 
Francho 
Erich 
Egiibret 
Kerhuge 
Heilfrid 
Alawig 
Paldewart 

* Undabret 
PerehtrAt 
Elisind 
Sigilind 
Wanbret 
Thanhherere 
"Waninc 
Drudhilt 
Engilhart 
* Isanpret 
Thetram 
Ebberhart 

(Frecholf) (EngihrdJ (Raccholf) rWoUsind) 
(Reginhere) (EngiUindj (Alejrid) (Pernher^J (Kerkere) (Altehret) 
(Wolpret) (Sigirich) (Erganhold) (Wolf hart) (Wolrat et) 
(Ermenrich) (Ohunicunt) (nenn, l . , , $,) 

St. Oaller Vetbrüderungen. MO. LC. S. 106 /. — 
Mitteilungen z. vaterl Geschichte hrg. v. histor. Verein 
St. Gallen NF. 9, 131. 



NOMI - 


NA FRA 


Adalwin eps. 


Touwolf 


Irinc eps. 


Amalne 


Sigihart 

Meginhere 

ßtarchere 


Isanbret 

Aroolt 

Ohunibret 


Liuthart 


Wolfrid 


Liuthart 
Touwolf 
Cozpret 
Uodalrich 


Meginfrid 
Sigihart 
Wrmhere 
Sahso 


Wolfleoz 


Ratkis 


Keiline 

Irminhere 

Dhrudhere 


Thiepo 

Sigileig 

Albret 


Pald 


Adalraan 


Ruadhere 


Ratcoz 


Reginhere 
Adalbero 


Hediling 
Kerman 


Kerhart 


Folcholt 


Heimelt 


Freiolt 


Hiltiman 


Ellenhart 


Adalbero 


Irinch 


Meginhere 
Erich 
Otker 
Ruodleih 


Heilman 
Engilbret 
Engilbret 
Wolfleoz 


Willehelm 

Ruadpret 

Ratkis 


Cozpret 

Waldker 

Erhanhart 


* Lantalf 
Atalo Helferat 
Arnold 


Lerat 
Amalbret 
Thiepo 
Thiepold 



na 



BASILIEN 

* Kelolt 
Wichelm 
Ospirin 
Oto 

Keilsind 
Oudalkart 
Liupold 
Adalbold 
Ricfrid 
Chadolt 

* Purkhart 
Managolt 
Pereker 
Amilfrid 

* Khifhere 
Heimhreht 
Heririh 
Weglenzo 
Volarat 

Hartpret 

Altöl f 

Weglenzo 

Oagnart 

Helmene 

r* AdahintJ 

fEngllkart) 

(Wolf hart) 

(AdahintJ 

(Meinart) 



SIÜM. 

♦ Adalpret 
Kerolt 
Oterat 
Werin 
Perehterich 

* Eliinpurg 
Cozpreht 
Wi/fehelm 
Elehilt 
Thioterat 
Kepehurt 
Roiatnd 
Egehart 
Reginwins 
Kebehort 
Engilbure 
Ratmout 
Reginker 
AdaJkart 
r* EngilaJ 
(Knnderaf) 
(Liutpret) 
(Aha) 
(Billfrit) 
(Rartbirg) 
(Englla) 
(Chriatan) 
(Anno) 
(Adalunc) 



ÄuJ den vorstellenden Katalog bezieht sich der Ein- 
trag in MO, LC. S, 144: 

Uebersicht der Klöster, welche mit dem Kloster 
St. Gallen verbrüdert waren Darunter: Mit den 
Vätern in der Stadt Basel. 



174 

900/917. Nach dem Tode dieses Abtes [Snelper] ist 
nach glaubhaften Berichten die Abtei Kreinsmünster 
mehr als hundert Jahre leer gestanden, indem in Folge 
des Ueberganges des Königtums auf die Italiener imd 
der Streitigkeiten der Könige unter einander die 
Hunnen und Ungarn Baiern verheerten, Menschen 
niedermetzelten und Kirchen zerstörten, wodurch auch 
Kremsmünster gänzlich verödete. Baiern ist nemlich, 
wie man in den Chroniken lesen kann, mehrmals von 
den Ungarn verwüstet worden, wobei Lorsch, Passau 
und Basel und noch andere Städte gänzlich zerstört 
wurden. Und unsere Eltern erzählen, wie sie von 
den ihren gehört hätten, dass damals 50 Personen in 
diesem Orte von den Ungarn getötet worden seien. 
Die Geschichten des Bernhard von Krenismünster. 
M(l SS. ^o, 66S, 

911 nach November 10. König Rudolf von Burgund 
[kommt] in die Stadt Basel und von da in seine 
Heimat. 

Schwäbische Jahrbücher. MO, SS. 1, oo, — Trouil- 
Jat 1, 126 n^ 72. 

913/918. In den selven tiden quamen de Ungeren, de 
würden geslagen bi dem In van den Beieren. Si irha- 
leden sie aver unde voren an Dudisch laut wante an 
Vulde, se tovorden oc Basele unde Elsazen unde 
Lothringen. 

Sächsische Weltchronik. Kap. 147. MG. deutsche 
Chroniken 2, 158. 

913/917. König Konrad besiegt die Ungarn. 
Den Hünen da vor nie so laide gescach. 
Die wilden ünger 
clageten ir jungen 



175 

ir vil michel herzesdr, 

si sprachen, in waere bezzer, 

daz 81 in gen tot vaorpn 

denne si daz unpilde vertruogen. 

Yonnezzenllche si sich üz huoben 

under wegen si dö swuoreo, 

swie s6 in gelange^ 

swer in an der not entrunne, 

iz engesccehe von getwange der wunden, 

ain stain man im an den hals bunde 

unt in in dem wazzer ertrancte. 

oder in dem fiure verbrante. 

Jk liezen die Unger ir ait wol ansetn : 

si herten unz über den Rin : 

ain burch haizet Basilä, 

die zerstörten si dk, 

Elsazen si herten 

daz liut koltend si mit swerten. 

KaiserchroHih eines Regenshurger Geistlichen, MG. 
deutsche Clironiken 1, S6o. 

917. Die Ungarn zerstören, nachdem sie, wie sie be- 
gonnen, durch Schwabenland gezogen sind, die Stadt 
Basel und fallen von da nach Verwüstung des Elsass 
in Lothars Reich mit vielen Plagen ein. 

Die Clironik des Hetnumn von Reichenau MG. 
SS. 5, 112. — TroHillat 1, 129 w<> 76. — GddV. 
11. Jh. 5, 10. 

917. Diesem [Pippin] folgte als zweiter [Abt] Ricquin, 
als dritter Otto, zu dessen Lebzeiten die Stadt Basel 
von den Hunnen zerstört und dem Erdboden gleich- 
gemacht worden ist. 

Das Budi über die Nachfolger des hlg. HildulJ in 
Moi/en-Moiitie?' Kaj). 6. MG. SS. 4, 89. 



176 

917. Basel wird von den Ungarn zerstört. 

Schwäbische Weltchronik, MG. SS. 13, 66. — Dar- 
nach wörtlich gleichlautend in Bernolds Chronik MG. 
SS. Oj 422 und in den Jahrbüchern von Melk MG. 
SS. 9, 496 und nach diesen wieder, wie aus anderen 
Stellen hervorgeht, in den Jahrbüchern von Salzburg 
MG. SS 9, 771. - TroHillat 2, 1 n^ 1. 

*917. Die Hunnen, d. h. die Ungarn verheeren Schwa- 
ben und Lotbringen mit Feuer, Krieg und Schwert, 
zerstören Basel. 

Die von einem Erfurter Barßlsser verjasste kleinere 
Chronik. MG. SS 24, 184. 

*917. Die Ungarn durchziehen Baiern und verwüsten 
Sachsen und Thüringen, suchen ganz Schwaben mit 
Krieg heim, zerstören Basel und streifen durch El- 
sass und Lothringen. 

Flores temporum. Imperatores. MG. SS. 24, 236. 

*917. Die Unger under anderm übel warend Schwaben 
mit Brand und dem schvvert verderben, zerbrachend 
die statt Basel, verdarptend das Elsas, überzugend 
Luttringen, darin sy vil Übels würckten. 

Gallus Oheims Clironik von Reichenau. Bibliothek 
des litterar isclien Vereins von Stuttgart. 84, 75. 

918. Am 21. Januar wird Basel von den Ungarn zer- 
stört. 

Würzburger Jahrbücher. MG. SS. 2, 241 und dar- 
nach ic'&rtlich gleichlautend in def^ Würzb^urger Ciironik 

MG. SS 6, 28. 



177 

*918. Im Jahre des Herrn 918. Basel wird von den 
Ungarn zerstört. 

Ekkehards Weltchronik. MG, SS. 6, ITö. 

Das sind die Namen der Brüder aus dem Kloster 
Disentis. Darunter: Bischof Adalbero. 

Pfäverser Verhrilderungen. MO. LC. S. S7ü, col. 7^, 1, 

948 Juni 7. Im Xamen der heiligen und ungeteilten 
Dreifaltigkeit. Im Jahre 948 seit der Menschwerdung 
des Herrn, in der 6. Indiktion, am 7. Juni, im 13. Jahr 
des erhabensten Königs Otto wurde in seiner Gegen- 
wart und zugleich in der des durchlauchtigsten Kö- 
nigs Ludwig eine heilige allgemeine Synode zu 
Ingelheim in der Kirche des heiligen Remigius, des 
Bekenners Christi, im Gau namens Nachgau abge- 
halten unter dem Vorsitze dos Marinus, Geheimschrei- 
bers des Papstes Agapit, des ehrwürdigen Bischofs 
der Kirche von Bomarzo, und unter dem Beirate der 
Erzbischöfe . . . und Bischöfe , darunter des Bischofs 
der Basler Kirche Wichard. 

MG. Legum Sectio IV, 1, 13, 

*948 Juni 7. Die erwähnte Synode trat nun in der könig- 
lichen Pfalz Ingelheim, in der Kirche des hlg. Remi- 
gius zusammen am 7. Juni 948, in der 6. Indiktion, im 
dritten Jahr des Papsttums Agapits, im 13. des Kö- 
nigtums Königs Otto, auch zugleich dem 13. Lud- 
wigs, wegen der heftigen Streitigkeiten zwischen Kö- 
nig Ludwig und dem Fürsten Hugo, wie auch zwi- 
schen Artald Bischof von Rheims und dem unrecht- 
mässig eingeschobenen Bischof Hugo, die das ganze 
Reich der Pranken in Verwirrung brachten. Zu dieser 

BeitiÄge XV. 12 



178 

Synode kamen 32 Bischöfe aus Frankreich und 
Deutschland, die wol verdienen hier angeführt zu 
werden. Darufdei' Wichard von Basel. 

Die Oirouik Hugos t'on FlavUßtnj tuif BenntzuHg der 
Symdalakten. MG. SS. 8, 361. — Auszug hei Troull- 
lat i, ISS w« 79. 

948. Zur bestimmten Zeit versammelte sich auf den 
Befehl des Papstes Agapit unter der Leitung des 
Marinus, seines 8tellvertreters, die allgemeine Kir- 
chenversammlung in der Pfalz zu Ingelheim, welches 
so viel bedeutod als Haus der Engel, am Bheinstrom 
in der Kirche des hlg. fiemigius, des Apostels der 
Franken. Unter dem Vorsitz des Herrn Marinus also 
nahmen die aus den verschiedenen Gegenden zusam- 
mengekommenen Bischöfe ihre Plätze nach Vorschrift 
der Kirchenregeln wie folgt: die Erzbischöfe Rotbert 
von Trier, Artold von Rheims, Friedrich von Mainz, 
Wichfried von Köln, die Bischöfe Adaldach von Ham- 
burg, Hildebold von Münster, Gauslin von Toul, 
Adalbero von Metz, Berengar von Verdun, Ful- 
bert von Cambrai, Rudolf von Laon, Richoo von 
Worms, Reimbold von Speier, Boppo von Würzburg, 
Konrad von Konstanz, Ulrich von Augsburg, Thct- 
hard von Hildesheim, Bernhard von Halberstadt, Dudo 
von Paderborn, Lioptac von Ripen, Michael von Re- 
gensburg, Farabert von Tongern, Doddo von Osna- 
brück, Euher von Minden, Baldrich von Utrecht, 
Heirold von Salzburg, Adalbert von Passau, Srarehand 
von Eichstedt, Horath von Schleswig, Wichard von 
Basel, Liofdach von Ripen. 

lilcher, Vier Buche?' Geschlchfp 2, 69. MG. SS, ö\ 
(WS. — GddV. 10. Jh. 10, 113. 



179 

Die Namen der Brüder aus dem Kloster, das Moyen- 
Moutier genannt wird. — Die Namen der Brüder 
Domherren von Augsburg. Darunter: Bischof Wiehart. 

Reichenauer Verbrudernngen. MG. LC. S. iiSl, col. 
267, 3. 

Nach 959. Später aber ging ein grosses bei Bergheim auf 
Elsässer Boden befindliches Grundstück mit der Kirche 
der heiligen Maria, das vordem ein Edler zum Heil 
seiner Seele der Kirche Moyen -Montier geschenkt 
hatte und das mit einer bestimmten Zahl Käse dem 
Bischof von Basel zinspflichtig war, durch Leichtsinn 
verloren, und so ist von Tag zu Tag die Kirche von 
Moyen-Moutier in ihren Einkünften kläglich geschmä- 
lert worden, eine notwendige Folge der begangenen 
Sünden. 

Rwhers GesrJüfhte der Kirche von Senones. 2, 6. 
MG, SS. 26, 278, 

961 Dezember 24. Unter der Regierung des frommen 
Königs Otto im 25. Jahr seines Königtums ward in 
Gegenwart der Legaten des apostolischen und allei- 
nigen Papstes Johann XII., nemlich des Archidiakons 
der heiligen römischen Kirche Johann und des Pro- 
toscriniarius Azo, der Erzbischöfe VValtbert von Mai- 
land, Wilhelm von Mainz, Friedrich von Salzburg 
und der Bischöfe Ulrich von Augsburg, Popo von 
Würzburg, Michael von Regensburg, Hartbert von 
Chur, Adalbert von Lorch [Passau], Abraham von 
Freising, Lanward von Minden, Peter von Novarra, 
Rikbert von Sabina [in Rom], Landelaus von Basel 
am Vorabend der Geburt des Herrn der Leib des 
heiligen Moritz und einiger seiner Genossen gehoben. 
Er wurde mit den grössten Ehren, wie es sich ge- 



180 

bührte, nach Magdeburg überlührt und unter dem 
Zulauf aller Einwohner und Umwohner empfangen 
und wird zum Segen der Heimat hier noch verehrt. 
De}' sachsische Amtalist MG, SS, 6, 616. - GdlV. 
12. ,TJl 5/2, 17, — Ämzug bei Trouillat 1, 134 n^ 80, 

Juli 29. Bischof Rudolf von Basel. 

Reichenaue)' Toteubiwli. MG, X. 1, 278, 

999. Ich Albero, Bischof von Basel, gelobe, untertänigen 
und unentwegten Gehorsam den Yorstehern der hei- 
ligen Mutterkirche von Besangon fortan zu leisten, 
wie es mir gebührt. 

Eintrag am dem 11/12, JJi. in der Handschriß des 
britischen Museunis n^ lo222 mitgeteilt im NA, 8, 198, 

1002. In einer andern sehr befestigten Stadt namens 
Breisach befanden sich zum Schutze die beiden Bi- 
schöfe von Strassburg und Basel, deren Soldaten 
täglich bewaffnet auszuziehen pflegten, um Futter für 
die Pferde zu holen. Darauf bauten nun die Freunde 
des Herzogs [Hermann von Schwaben] einen schlauen 
Plan, machen sich zu der Zeit, «als jene eben erst 
ausgezogen waren, in ähnlicher Gewandung und mit 
bepackten Pterden singend an die Stadt heran und 
werden als Kameraden von den Wächtern eingelassen. 
Sogleich werfen sie ihre Lasten weg und entpuppen 
sich unter grossem Geschrei als Feinde, die, als ihnen 
die Bischöfe mit knapper Not entrinnen, alles ver- 
wüsten. 

Tlüetmars airouik o, 14, MG, SS. 3, 797 — GddV. 
11. Jh. 1, 166 — }ind daruach mit ganz unbedeutenden 
Änderunqen der sächsische Annalist. MG. SS, 6\ 660. 

* 1002— 1024. Dieser [Kaiser Heinrich] hat das Bistum 
Bamberg gegründet und errichtet und in gleicher 



181 

Weise Merseburg, Hildesheim, Magdeburg, Strassburg 
und Meissen [in einer Handschriß steht Basel], die 
durch barbarische Wildheit verwüstet worden waren, 
wieder hergestellt. 

Die von einem Erfurter Barßksser verfasste kleinere 
Chronik. MG. SS. 24, 187, 

1006 Juli 14./15. König Heinrich kam in das burgun- 
dische Reich und vereinigte die Stadt Basel mit 
seinem Reiche. 

Die Jahrhikher von Einsiedeln. MG. SS. 3, 144. 

1007 November 1. Im Jahre der Menschwerdung des 
Herrn 1007, in der 5. Indiktion, am 1. November, 
unter der Regierung des frömmsten und durchlauch- 
tigsten Heinrich IL, im 6. Jahre seines Königtums 
wurde in einem Orte namens Frankfurt eine grosse 
Kirchenversammlung festlich abgehalten. Es handelte 
sich um die Errichtung und Dotier um/ des Bistums 
licimherg. Unter den diesem Akt zustifumenden Bischöfin 
erscheint auch Adalbero von Basel. 

MG. Legiim Sectio IV, 1, 59 f. — Trouillat 1, 148 
//'» 92. 

1016 Mai 25. Der Kaiser [Heinrich II.] aber spendete 
dem Könige [Rudolf von Burgund] und seiner Ge- 
mahlin und allen ihren Grossen eine unermessliche 
Menge Geldes und entliess sie in ihre Heimat, nach- 
dem die alte Uebertraguug wieder bestätigt war, 
worauf er selbst mit dem versammelten Heere nach 
Basel aufbrach. 

Thietmars aironik 7, 20. MG. SS. 5, 846 - GddV. 
11. Jh. 1, 280 — wid darnach mit umvesentlidien 
Äjidet^ngen de)^ sächsische Annalist. MG. SS. 6, 669. 
~ Trouillat 1, 158 «« 97. 



182 

1018. ladess kam der Kaiser [Heiurich IL] nach Basel 
und eilte mit dem versammelten Heere nach Burguud. 
Thietnuirs Oironik S, 9. MG, SS. 3, 867 — GdilV. 
11, Jh. 1, 335 — und dar nach fast wörtlich glekh der 
sächsische Annalist. MG. SS. 6, 673. — TroniUat 1. 
154 w« 98. 

Am Festtage Kaiser Heinrichs. 

Lectio IV. Hierauf gelangte er nach glücklich unter- 
nommener Fahrt nach Basel, wo er das durch die 
gräulichste Verfolgung von den Hunnen verwüstete 
Bistum wieder herstellte. Ebenso ordnete er die 
Ausbesserung der während eines langen Zeitraums 
vernachlässigten und halb verfallenen Kirche daselbst 
auf Kosten des königlichen Schatzes an und erneuerte 
so ihre Benützung durch die Leute und den Dienst 
des Herrn. Dann Hess er sie zu Ehren der glor- 
reichsten Jungfrau der Gottesgebärerin durch Adel- 
bero, den ehrwürdigen Bischof des Ortes, und sie- 
ben andere aus den angrenzenden Provinzen feierlich 
weihen, wobei er selbst zugegen war und sie mit den 
reichsten Gaben beschenkte. 

Lectio V. Er brachte emen goldenen Altar schwer an 
Gewicht und ausgezeichnet durch die Mischung der 
Metalle und die Reliefdarstellung, ferner eine silberne 
Krone mit Gold verziert, die oben vorne auf den 
Altar gelegt mit seiner mit Kerzen geschmückten 
Vorderseite an herrlicher Klarheit wetteiferte. Dem 
fügte er ein heiliges Kreuz hinzu, das in wunderbarem 
Schmuck der Edelsteine und im Schimmer des Gol- 
des erglänzte. 

Lectio VI. Ueberdiess ein auserlesenes Messgewand, das 
durch seine bildnerischen Verzierungen, die mit Gold 



183 

eingewebten Adler, an sich selbst die Verschmelzung 
von Kunst und Pracht zeigte. Auch vermehrte er 
die Herrlichkeit der eben genannten 8chmuckgegen- 
ständo durch Hinzufügung eines goldenen fiauchge- 
fasses, von Fahnen, und eines prunkvollen Plenariums 
und schmückte die früher genannte Kirche mit zahl- 
reichen Kostbarkeiten. 

TroniUat 1, 14:^ n^ 87 nacJi einem handschrijtlkh 
erhaltene a Brevier aus der 2. HäJße des lö. Jh. 

Mai 12. Bischof Adelbero starb, der in der rückwärtigen 
Krypta begraben ist und seine Höfe und deren Zu- 
gehor in den Dörfern und Bannen Tenningen und 
Hlenkilch geschenkt hat. 

Basier Totenhuch. Böhniei-, Fontes rerum Crermani- 
canon 4, 146. 

Mai 12. Todestag des Basler Bischofs Adelbero. 

Jahrzeitenhunh und Totenburh des Klosters St. Gallen. 
MG. X. 1, 473. — Mitteilungen z. raterL Gesch. hry, 
r. histor. Vei-ein St. Gallen, XF. 1, 141. 

1025 Juni 23. Von da kam er [König Konrad] wenige 
Tage später nach Basel. 

1025. Wie König Konrad zu Basel einen Bischof ein- 
setzt. — Die Stadt Basel liegt, w^o drei Grenzen zu- 
sammenstossen, nemlich von Burgund, von Alamannien 
und von Franken, die Stadt selbst aber gehört zu 
Burgund. Diese Stadt fand der König ohne Bischof, 
da der Inhaber des Bistums, Adalbero, drei Monate 
vor des Königs Ankunft aus der Welt geschieden 
war. Hier zeigte sich nun augenblicklich die si mo- 
nistische Häresie, verschwand aber auch wieder ebenso 
rasch. Denn während damals der König und die 



184 



Königin von einem Geistlichen, einem Manne vor- 
nehmer Abkunft namens Waldrich, der damals hier 
Bischof wurde, eine sehr grosse Summe Geldes für 
das Bistum erhielten, verpflichtete sich der König 
reuemütig bewegt zum Gelübde kein Geld fürderhin 
für irgend ein Bistum oder eine Abtei anzunehmen, 
einem Gelübde, dem er auch fast immer treu geblie- 
ben ist. Aber sein Sohn Heinrich III., welcher nach- 
mals König und Kaiser geworden ist, hat aufs Beste 
und ohne alle Bedenken des Vaters Gelübde gesühnt, 
da er ja in seinem ganzen Leben für alle kirchlichen 
Würden bisher nicht den Wert eines Hellers ange- 
nommen haben soll. Nachdem aber König Konrad 
einen königlichen Rat zu Basel gehalten und die 
Grenzen Burgunds gegen den Willen Rudolfs, des 
Königs von demselben Burgund, sorgsam besetzt 
hatte, zog er über den Rhein bis nach Sachsen. Wes- 
halb ich aber den König Rudolf erwähne, will ich 
kurz sagen. Da jener Rudolf, der König von Burgund, 
in seinem hohen Alter die Regierung nachlässig 
führte und dadurch bei den Fürsten seines Reiches 
den grössten Unwillen erregte, so lud er den Kaiser 
Heinrich II., seiner Schwester Sohn, in sein Land ein, 
bestimmte ihn für die Zeit nach seinem Tode zum 
König von Burgund und liess ihm die Fürsten des 
Reiches schwören. Im Interesse dieser Sache wandte 
Kaiser Heinrich gar sehr oft unsäglich viel Geld auf. 
Aber nach dem Tode des Kaisers Heinrich wollte König 
Rudolf seine Versprechungen rückgängig machen. 
König Konrad jedoch, das ßeicli eher zu mehren 
als zu mindern bestrebt und von seines Vorgängci-s 
Mühen die Früchte zu ernten gesonnen, unterwarf 
sich Basel, damit er sehen könnte, ob König Rudolf 
seiner Versprechungen gedächte. Sie beide hat spii- 



185 

ter die Konigin Gisela, die Tochter von Königs 
Rudolfs Schwester, wol versöhnt. 

Wij}0, das Lehen des Kaisers Konrad. Kap. 7 und 
8. MO. SS. 11, 2()S. - (hUlV. IL Jh. 4, Slff. — 
Trouillat 1, 166 w^ 100, 

1027 August. Wie der König von Burgund zum Kaiser 
nach Basel kam. — Alaniaunien durchziehend unter- 
warf der Kaiser alle, welche sich gegen ihn empört 
hatten, und zerstörte ihre Befestigungen; und als er 
bis nach Basel kam, hatte er eine Unterredung mit 
Rudolf, dem Könige von Burgund, der ihm dort 
ausserhalb der Stadt nahe bei einem Dorf, welches 
Muttenz heisst, begegnete; und nach einer freund- 
schaftlichen Besprechung führte der Kaiser den König 
mit sich in die Stadt. Nachdem unter Vermittelung 
der Kaiserin Gisela der Friede zwischen ihnen be- 
festigt und die Herrschaft über Burgund dem Kaiser 
unter denselben Bedingungen übergeben war, wie sie 
früher seinem Vorgänger Heinrich verliehen gewesen 
war, kehrte der König reich beschenkt mit den 
Seinigen nach Burgund zurück. Der Kaiser aber kam 
den Rhein hinab ziehend nach Franken. 

Wipo, a. 0. a. 0. Kap. 21. MG. SS. 11, '^67. — 
GddV. 11. Jh. 4, oO. — Trouillat 1, 162 n^ 104. 

1034 April. Als er [der Kaiser] nemlich nach Burgund 
zog, folgte ihm die Kaiserin bis nach Basel. Von 
da nach Strassburg zurückkehrend erwartete sie die 
Rückkehr des Kaisers. 

Wq)o, a, 0. a. 0. Kap. 32. MG. SS. 11, 270 / — 
OddV. IL Jh. 4, 64. - Trouillat 1, 164 w« 106. 



186 

1038 Dezember. Der Kaiser kehrte [aus Burgund] über 
Basel zurück, Ostfranken und Sachsen und Friesland 
suchte er auf den Frieden zu sichern, das Recht zu 
begründen. 

Wlpo, a. 0. a. (l Kap. 38. MO. SS. 11, 273. — 
GddV. 11. Jli. 4, 74. — TroiüUat L 166 //" iOS. 

Mai 25. Tod des Bischofs Ulrich von Basel. 

St. GaUer Toteuhwh. MG. N. 1, 474. — MitMlatigeu 
zur vaterl. Gesell, hrg. v. histor. Veiein St. Gallen. 
NF. 1, 42. 

Mai 26. Bischof Ulrich starb, der in der vorderen 
Krypta begraben liegt. Er hat der Marienkirche 
einen Hof namens Gurbola geschenkt. Au seinem 
Jahrestage gibt unser Propst jedem Chorherrn einen 
Schilling. 

Basler Totenhuch. Böhmer, Fontes verum Germani- 
carum 4, 146. — TroiüUat. 2, 4 /^" 3. 

1041. Ich Thoodovich, der ich jetzt zum Bischof von 
Basel geweiht werden soll, verspreche dem heiligen 
Stuhle der Kirche von Besangen und ihren Vorstehern 
in Gegenwart des Herrn Erzbischofs Hugo den schul- 
digen Gehorsam, so wie meine Vorgänger kanonisch 
den Gehorsam geleistet Jiaben. 

Eintrag am dem 11/12. Jli. in der Handschrift des 
britischen Museums //" 16222 mitgeteilt im NA. 3, 197. 

1042 Februar 21. In diesen Tagen wurde am Sonntag 
Quinquagesima das Fürstentum Baiern in der Stadt 
Basel dem Herzog Heinrich, dem Brudersohue des 
Herzogs Heinrich und der Frau Kaiserin Kunigunde 



187 

der GenialJQ des fröniBten und würdigsten Kaiser* 
übergeben. 

Die grösseren Jithrhiklter von Alfakh. Af(L SS, 
^0^ 7i)7^ _ Qd(l\\ 11. Jh. 9, 26. 

1046 nach XoTembor 6. Das Bistum Verdun erhielt 
Theoderich, ein Hohn des Graten Wozelo. 
Dk Clironik Hugos von Flavigng. MG, SS. 8, 4()f). 

1046 nach November 7. Ihm [Bischof Richard] folgte 
Theoderich, ein Deutscher, Chorherr der Kirche Basel^ 
zu dessen Lebzeiten diese Kirche [von VerdunJ viele 
Widerwärtigkeiten durchzumachen gehabt hat. 

Die Taten der Bischöfe von Verdun. Kap. 11. MG. 
SS. 4, öl. 

Nach 1046 November 7. Jetzt aber ruht in Christus der 
ehrwürdige Bischof Richard mitten im Kloster der 
hlg. Maria, wohin er von dem Herrn Bischof Tlioo- 
dorich, seinem glücklich regierenden Nachfolgi^r mit 
aller Verehrung verbracht worden war, der so viele 
Seelenmessen für ihn hatte lesen lassen, als wenn er 
selbst am selben Tage aus dieser Welt geschieden 
wäre. 

Die Taten der Bischöfe von Verdun. Kap. 10. MG. 
SS. 4, ÖO. 

1046. Bischof Richard von Verdun starb; ihm folgte 
Theoderich. 

Die Jahrbücher von St. Vannes in Verdun. MG. SS. 
Kl 526. 

1047. Um dieselbe Zeit bestellte der Kaiser einige 
Bischöfe. Unter diesen setzte er als Bischof an die 
Kirche zu Ravenna seinen Kanzler in Italien, Huni'rid,. 



188 

an die zu Konstanz seinen Kanzler in anderen Land- 
schaften und Propst zu Aachen, Theodorich, an die 
zu Strassburg Horrand, Propst zu Speier, für den in 
der Herbstzeit verstorbenen Wilhelm, an die zu 
Verdun den Propst zu Basel, Theoderich, seinen 
Kapellan. 

Die Chronik des Hermann r>on Reichenau. MG, SS. 
0, 126, — OddV, 11, Jh, 5, 42. — Tronillat 1, 176 
w« llo, 

1047. Wie hoch aber dieser unser Vater [der Bischof 
Richard von Verdun] bei den Menschen jenes 
Zeitalters durch Gottes Gnade in Ehren gehalten 
wurde, bewies das Verhalten des Basler Bischofs 
Theodorich, eines Mannes von grossem Ansehen und 
Einfluss. Als er nemlich vom Kaiser entsandt, den 
neuen Bischof nach Verduu zu begleiten, auf dieser 
Fahrt das Grab des heiligen Mannes voll Demut 
besuchte, schmückte er das Grabmal, vor dem er 
ganz zerknirscht in der Erinnerung an die Fröm- 
migkeit, Enthaltsamkeit und Sanftmut des Dahin- 
geschiedenen heisse Tränen vergossen hatte, mit einem 
kostbaren Tuche von goldgelber Farbe und zeigte 
mit diesem Liebesbeweise, dass er die Zuneigung, 
die er dem Lebenden geschenkt hatte, auch dem 
Toten nicht entziehen wolle, vielmehr denjenigen 
einer um so stärkeren Verehrung für würdig erachte, 
den der Herr bereits in seinem Schosse hielt. 

Die Chronik des Hugo von Flavigny, MG, SS. 8, 
406, — Tronillat, 1, 177 n^ 116. 

1048. Im Jahre der Menschwerdung 1048 laut Diony- 
sius regierte nach dem verehrungs würdigen Richard 
Theoderich als 37. Bischof dieser Stadt Verdun von 



18^ 

dem hlg. Sanctiu an gezählt, ein durch Abstammung, 
Charakter und Geist ausgezeichneter Mann. Er, der 
Sohn eines gewissen Wezelo, eines sehr vornehmen 
Mannes, war von Abkunft ein Deutscher und war 
Chorherr der Basler Kirche gewesen. 

Die Taten der' Bischöfe von Verdnn von Laurenz von 
Lüttich. Kap. L MG. SS\ 10, 491. — Troudlat, 1, 
177 w« 116. 

1049. In Altkirch, einem nicht weit von Basel gelegenen 
Ort, hatten Graf Ludwig und seine Frau Sophie, 
Hugo, den Diener Gottes, gastfreundlich aufgenommen. 
Während nun in der Laube der Tisch gedeckt wurde, 
erhob sich ein Sturmwind, die Anzeichen eines Un- 
wetters machten sich bemerklich und Blitze zuckten. 
Als daher die Diener in Verlegenheit waren, was sie 
thun sollten, machte der heilige Mann mit der erho- 
benen Linken, der Dienerin seiner Frömmigkeit, 
das Kreuz und bewirkte, dass der Himmel gerade 
an der Stelle, wo das Unwetter stand, sich wieder 
aufhellte. Ringsum stürzten Regengüsse ungehemmt 
nieder, die sie mitten drinnen nicht trafen. 

Gilo, Das Lehen ffujos, des heiligen Abtes von (Jluny. 
MG. SS. lol2, 940. 

Dezember 29. Bischof Dietrich von Basel. 

Das TotenhucJi von St. Blasien. MG. X. 1, S2(l 

Dietrich, Bischof von Basel, gestorben. 
Reidlienauer VerhrUaefungen. MG. LC. S. 347 col. 
669, 2. 

1057 Juni 1, in der 10. Indiktion. Berengar wird zum 
Bischot von Basel geweiht. 
TroiiiUat 1, 183 w« 120. 



190 

1057. Ich Berengar, der ich zum Bischof der heiligen 
Kirche Basel geweiht werden soll, verspreche in 
Gegenwart des Herrn Erzbischofs Hugo untertänigen 
und ehrerbietigen Gehorsam dem heiligen Stuhle der 
Kirche von Besangen und ihren Vorstehern alle Zeit 
bezeigen zu wollen, so wie es nach den kanonischen 
Vorschriften von den heiligen Vätern angeordnet ist, 
und bekräftige das mit eigener Hand auf dem heili- 
gen Altäre. So geschehen im Jahre 1057 seit der 
Menschwerdung des Herrn, in der 10. Indiction. 

EiNtrag aus clem ll./lä. Jh. in der Handschriß dps 
britischen ^f1ise^üns n^ io^^^ mitgeteilt im XA. S. 1U7, 

1057/75. Das sind die Namen der Bischöfe die nach 
unserer Weihe eines in Christo immer heiligen und 
seligen Andenkens gestorben sind. Darunter: Beren- 
gar von Basel. 

Das sind die Namen der Brüder Chorherren, die 
in der Zeit, der wir uns erinnern können, aus unserer 
Kongregation Bischöfe geworden sind. Darunter: 
Burchard von Basel. 

Gundechars Bischofsbueh von EichsUidt. MG, SS. 
7, 249. - Trouillat, 1, 183 n^ 120 Anm. 2, 

1061 Oktober. Nachdem nun in Rom Papst Nikolaus 
gestorben war, schickten die Römer eine Krone und 
andere Geschenke an König Heinrich und baten ihn 
einen Papst zu erwählen. Er berief alle Bischöfe 
Italiens zu sich und wurde auf einer in Basel gehal- 
tenen allgemeinen Versammlung, nachdem er die 
Krone aufgesetzt hatte, zum römischen König ernannr. 
Darauf erwählte er nach dem übereinstimmenden Rate 
aller den Bischof von Parma zum Papst. Inzwischen 
nahm Anshelm, Bischof von Lucca, von einigen 



191 

Römern begünstigt, den päpstlichen Stuhl für sich in 
Besitz. 

Bertliolds Fortsetzung der Chronik des Hermann von 
Reichenau. MG, SS, 13, 7S2 — GddV, IL Jh. 11, 13 
— und gleichlautend Bertholds Chronik, MG, SS, ;>, 
^71, aber mit dem Zusatz nach I*apst (S. S. li)(> vorl. 
Z.): und zwar in Folge der vielfachen Belohnungen, 
die er, wie es heisst, einig(?n zukommen liess, auf 
sinionistische Weise. 

1061. Nachdem Papst Nikolaus am 27. Juli in Korn 
gestorben war, schickten die Römer dem Könige 
Heinrich, dem vierten dieses Namens, eine Krone und 
andere Oeschenke und ersuchten ihn die Wahl eines 
Papstes vorzunehmen. Auf dem zu Basel abgehaltenen 
Gcneralconcil wird er Patricius der Römer genannt, 
nachdem ihm die von den Römern übersandte Krone 
aufgesetzt worden war. Hierauf wird nach dem ein- 
stimmigen Rate aller und nach der Wahl der römi- 
schen Gesandten Chadalo, der Bischof von Parma, 
am 26. Oktober zum Papst erwählt, und Honorius 
genannt, der die päpstliche Würde niemals besitzen 
sollte. Sondern 27 Tage vor seiner Erhebung wird 
der Bischof von Lucca, Anselm mit Namen, von den 
Normannen und einigen Römern als 158. Papst ein- 
gesetzt und Alexander genannt, und er sass zwölf 
Jahre. 

Bernolds Cfironik MG. SS. 5, 427, — GddV. 11. Jh. 
10, 6 f. — Trouillat 1, 184 //« 121. 

1065 Juni. Inzwischen wird er [Abt Ulrich von Lorsch] 
vom Kaiser nach Basel entboten und reist mit zahl- 
reichem Gefolge und fürstlicher Pracht, wie es sich 
für ihn geziemte, dahin ab. Als nun bei ihrem 



192 

Einzug ein Kitter sich am Stadttor nach dem Zwecke 
des Besuches neugierig erkundigte, sagte er: Alles 
das ist auf Befehl des Königs dem Bischof Adalbert 
[von Bremen] geschenkt worden und soll nach Sach- 
sen gebracht werden. Dieses Gerücht verbreitete 
sich sehr rasch unter den Leuten, so dass es dem 
König und dem Bischof zu bedenklich schien in 
diesem Augenblick ihre Absichten durchzuführen, 
zumal da die Boten, die man in dieser Angelegenheit 
an den päpstlichen Stuhl geschickt hatte, unverrich- 
teter Dinge zurückkehrten. 
Die Chronik von Lorsch, MO. SS, 21, 414. 

1068. Die von dem Abte Abo neu erbaute Kapelle bei 
Mühlbach wurde von dem Bischof Berengar geweiht. 
Die Jahrbücher von Munster im OregorientaJ. MG. 
SS. 3, 154. - Trouillat 1, 183 w<> 120. 

1068 Dezember 28. Dieser [Abt Giselbert von St. Bla- 
sien] Hess nun die Kapelle des hlg. Michael, die sein 
Vorgänger, nemlich Abt Werner, erbaut hatte, am 
28. Dezember durch den Basler Bischof Herrn Berin- 
ger weihen, nachdem der Konstanzer Bischof liumold 
dazu seine Erlaubnis gegeben hatte. 

Das Buch ilher die Gründung des Klosters St. Blnsien. 
Mone, Quellensa mmlun ff der badischen Landesgesch. 4jl, 
91. - Vrgl. Trouillat 1, 183 n^ 120 Änm. 2. 

1072. Das sind die Namen der Basler Bischöfe: 

Walaus, Erzbischof (!) unter Papst Gregor 111. 
Baldebert unter Papst Zacharias. 
llaitho unter Papst Leo IlL 
Ulrich unter Papst Paschal 1. 
Wichard unter Papst Sergius. 



193 

Fridebert unter Papst Benedikt III. 
Rudolf unter Papst Hadrian IL 
Iring unter Papst Marin. 

Landelaus unter Papst Hadrian III. 
Eichwin unter Papst Stefan YL 
Wichard. 
Adalbero. 
Adelbero. 
Ulrich. 
Dietrich 
Berengar. 
MO. SS, 13, 374, - TroHiUat 1, 186 w« 123, 

1072. Bischof Berengar starb und ihm folgte Burchard. 
Die Jahrbücher x'>on Münster im (rregorientah MO, 
SS. 3, 154. — Trouillat 1, 183 w« 120. 

1072. Burchard, der Kämmerer dos Erzbischofs von 
Mainz, wurde zum Bischof von Basel geweiht. 

Lamberts Qironih. MO. SS. o, 189. — GddV. 11. 
M. 6, 112. — TroiiiUat 1, 187 n"" 124. 

1072. Ich Burchard, Bischof der Kirche Basel, gelobe, 
verspreche und bekräftige mit eigener Hand, fortan 
untertänigen und unentwegten Gehorsam den Vor- 
stehern der Mutterkirche Besangen zu leisten, wie es 
sich gebührt. 

Eintrag a. d. 11.112. Jh. in de?' Handschrijt des 
britischen Museums n^ 15222 mitgeteilt im NA. 3, 198. 

1076 Januar 24. Erzbischof Siegfried von Mainz, [Bischof] 
Udo von Trier, Wilhelm von Utrecht , Hermann von 
Metz, Heinrich von Lüttich, Richbert von Verden, Pibo 
von Toul,. Huzmann von Speier, Burckhardt von Hal- 

BeitrE-e XV. 13 



194 



berstadt, Werner von Strassburg, Burchard von Basel, 
Otto von Eonstanz, Adalbero von Würzburg, Rupert 
von Bamberg, Otto von Regensburg, Ellenhard von 
Freising, Ulrich von Eichstätt, Friedrich von Münster, 
Eilbert von Minden, Hezilo von Hildesheim, Benno 
von Osnabrück, Ebbe von Naumburg, Immed von 
Paderborn, Diedi von Brandenburg, Burchard von 
Lausaune, Bruno von Verona an den Bruder Hilde- 
brand. 

Als du die Herrschaft der Kirche an dich gerissen 
hattest, glaubten wir den schändlichen Anfang deines 
Einzuges mit einem gewissen zuwartenden Stillschwei- 
gen übersehen zu sollen, obgleich wir sehr wol wuss- 
ten, wie unerlaubt und verwerflich das war, was du 
dir mit der dir eigenen Frechheit gegen Recht und 
Herkommen herausgenommen hattest, indem wir uns 
der Erwartung hingaben, dass dieser verbrecherische 
Anfang durch die Rechtlichkeit und den Eifer der nun 
folgenden Regierung von dir ausgeglichen und einiger- 
massen in Vergessenheit gebracht werden würde. Statt 
dessen aber lassest du dem bösen Anfang mit un- 
glückseliger und andauernder Hartnäckigkeit eine 
noch schlimmere Fortsetzung in deinen Handlungen 
und Verordnungen folgen, wie der jammervolle Zu- 
stand der allgemeinen Kirche es laut und klagend 
verkündet. Denn während unser Herr und Erlöser 
die Friedfertigkeit und die Mildtätigkeit seineu Gläu- 
bigen als ein ganz besonderes Kennzeichen ans Herz 
gelegt hat, wofür mehr Zeugnisse vorhanden sind, 
als in einem kurzen Briefe angeführt werden kön- 
nen, hast du im Gegenteil mit deiner »Sucht nach 
unheiligen Neuerungen, mit deiner Lust an einem 
lieber berühmten als guten Namen, mit deiner uner- 
hörten Gier der Einmischung, gleich einem Herold 



195 

der KirchenspaltuDg alle Glieder der Kirche, die 
gemäss dem Apostel ein ruhiges und beschauliches 
Leben vor diesen deinen Zeiten geführt haben, in 
stolzem Uebermut und übermütigem Stolz zerfleischt 
und die Flamme der Zwietracht, die du in der römi- 
schen Kirche tiurch wütende Parteien angefacht hast, 
über alle Kirchen Italiens, Deutschlands, Frankreichs 
und Spaniens in rasendem Wahnsinn verbreitet. Denn 
indem du, so viel an dir lag, den Bischöfen alle 
Macht entzogen hast, die ihnen bekanntlich von oben 
ber durch die Gnade des vor allem in den Weihen 
wirksamen heiligen Geistes zugeteilt ist, und indem 
du alle Leitung der kirchlichen Angelegenheiten mit 
niedriger Leidenschaft dir vorbehalten hast, während 
schon keiner mehr jemandem als Bischof oder Prie- 
ster gilt, der das nicht mit der unwürdigsten Liebe- 
dienerei von deinem Hochmut erbettelte, hast du die 
ganze lebensvolle apostolische Einrichtung und jene 
vortreffliche Verteilung der Glieder Christi, die der 
Lehrer der Völker so oft empfiehlt und einschärft, 
in die bedauerlichste Verwirrung gebracht, und so 
ist durch diese glorreichen Anordnungen — man kann 
es nicht ohne Tränen aussprechen — Christi Namen 
fast ausgetilgt. Wer würde über das empörende Ver- 
hältnis nicht staunen, dass du dir eine neue und 
unerhörte Macht frech anmassest, um die allen Brü- 
dern insgesamt zukommenden Rechte zu zerstören? 
Denn du behauptest, dass, sobald nur irgend ein Ver- 
gehen irgend eines unserer Pfarrgenössigen oder auch 
das blosse Gerücht davon zu dir dringe, von selbst 
schon keiner von uns mehr irgend welche Macht zu 
binden oder zu lösen habe, ausser dir allein oder 
dem, den du ausdrücklich dazu entsendest. Dass eine 
solche Anschauung den höchsten Grad des Aberwitzes 



196 



übersteigt, sieht das nicht jeder ein, der in der heili- 
gen Schrift bewandert ist? Da wir in Folge dessen 
der Ansicht sind, dass es kein ärgeres Uebel geben 
kann, als eine Kirche Gottes länger zu ertragen, die 
durch solche und andere Eiugriflfe so schwer geschä- 
digt, ja fast ganz zu Grunde get'ichtet wurde, so 
wollen wir »lir nach einmütig von uns allen gefassten 
Ratschlüssen zu wissen machen, was wir bisher ver- 
schwiegen haben, warum du den apostolischen Stuhl 
nicht mehr einnehmen kannst und es niemals konn- 
test. Du selbst hast dich zur Zeit des Kaisers Hein- 
rich seligen Andenkens mit einem feierlichen Eide 
verpflichtet, dass du niemals bei Lebzeiten des Kaisers 
oder seines Sohnes, unseres Herrn des glorreichen 
Königs, der doch allen Dingen gebietet, das Papsttum 
entweder selbst annehmen oder, so viel an dir liegt^ 
von einem andern annehmen lassen willst ohne Zu- 
stimmung und Billigung entweder des Vaters, wenn 
er lebt, und des Sohnes, wenn auch dieser lebt. Und 
für diesen Eid gibt es unter den Bischöfen noch 
heute mehrere Zeugen, die das damals mit ihren 
Augen gesehen und mit ihren Ohren gehört haben. 
Auch daran denke, wie du selbst, als der Ehrgeiz 
nach dem Papat einige von den Kardinälen kitzelte^ 
bei diesem Anlass und unter der Bedingung, dass 
sie dasselbe täten, dich unter Eid verpflichtet hattest 
das Papsttum niemals annehmen zu wollen, nur um 
der Eifersucht ein Ende zu machen. Wie du diese 
beiden Eide heilig gehalten hast, kannst du selbst 
sehen. Zudem wurde auf einer Synode, die zur Zeit 
des Papstes Nikolaus abgehalten wurde und au der 
125 Bischöfe Teil nahmen, unter Androhung des 
Bannes bestimmt und festgesetzt, dass keiner je Papst 
werden könne ausser durch Wahl der Kardinäle und 



197 

mit Genehmigung des Volkes und mit der Zustimmung 
und dem Willen des Königs. Und dieses Beschlusses 
und Dekretes Urheber, Fürsprech und Unterzeichner 
bist du selbst gewesen. Ueberdies hast du die ganze 
Kirche sozusagen mit dem Gestank eines ganz ab- 
scheulichen Skandals erfüllt durch das Zusammenleben 
und Zusammenwohnen mit einer fremden Frau in ver- 
traulicherer Form, als nötig ist. In dieser Hinsicht 
leidet mehr unsere Ehrfurcht als die Sache selbst, 
obwol die Klage allgemein und überall ertönt, dass 
alle Urteile, alle Verordnungen am apostolischen 
Stuhle durch Weiber gemacht, kurz durch diesen 
neuen W^eiber-Rat die gesamte kirchliche Welt ver- 
waltet werde. In der Tat nützt den Bischöfen, die 
du in unwürdigster Weise Hurensöhne und drgl. 
betitelst, keine Beschwerde über die ihnen zugefüg- 
ten Kränkungen und Beschimpfungen. Nachdem du 
also dein Amt mit solchen Meineiden angetreten hast 
und die Kirche Gottes in so schweren Zeitläufen durch 
deine missbräuchlichen Neuerungen gefilhrdet wird 
und du dein Leben und deinen Wandel durch viel- 
fache Schmach entehrt hast, so sagen wir dir den 
Gehorsam auf, den wir dir nicht versprochen haben 
und künftig nicht halten wollen und, da keiner von 
uns, wie du öffentlich erklärt hast, dir bisher als 
Bischof galt, so wirst du fortan auch keinem von uns 
als Papst gelten. 

MO, Legum Sectio IV, 1, 106 ff. — Trouillat 1, 
192 n^ 128. 

1076. Darauf schickte er [Heinrich IV.] die Absage- 
briefe durch zwei Bischöfe, den von Speier und den 
von Basel, nach Italien, zuerst an die Fürsten und 



198 

Bischöfe dieses Landes, um sie für die Verschwörung 
zu gewinnen, und dann nach Rom. 

Bertholds Chronik. MO, SS. 5, 282. — GddV. IL 
Jh. 11, 46. - Trouillat 1, 191 n^ 127. 

1076. Unter diesen wurden der Erzbischot von Mainz 
mit seinen Rittern, der von Trier, der von Strassburg, 
der von Verdun, der von Lütt ich, der von Münster, 
der Erwählte für Utrecht, der von Speier, der von 
Basel, der von Konstanz, letzterer aber zu Ulm — 
diese Bischöfe also und mehrere Äbte, ferner eine 
nicht geringe Zahl von mehr oder weniger angese- 
henen Personen, die gebannt worden waren wegen 
des Vergehens des Umgangs mit dem Könige oder 
wegen ihres eigenen Ungehorsams oder weil sie die 
Messe und Dienstleistungen von Priestern entgegen- 
genommen hatten, die selbst wegen Unkeuschheit 
oder Simonie verurteilt waren, dort wieder versöhnt 
und in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. 

Bertholds Oironik. MG. SS. o, 286. — GddV. IL 
Jli. 11, 57. — Trouillat 1, 196 w« 130. 

1076 Oktober. Der König [Heinrich], dem schon jede 
Hoffnung und alle Hilfsmittel geschwunden waren, 
pries sich sehr glücklich, dass er unter irgend einer 
wenn auch noch so schmählichen Bedingung der 
augenblicklich drohenden Gefahr entgangen war; er 
verspricht auf das bereitwilligste Gehorsam in allen 
Stücken. Und sogleich befiehlt er dem Bischof von 
Köln, dem Bischof von Bamberg, dem Bischof von 
Strassburg, dem Bischof von Basel, dem Bischof von 
Speier, dem Bischof von Lausanne, dem Bischof von 
Zeiz, dem Bischof von Osnabrück, dem Ulrich von 
Kosheim, dem Eberhard, dem Hartmann und den 



199 

übrigen Gebannten, deren Hilfe und Rat er sich vor- 
hin am liebsten bediente, sämtlich das Lager zu ver- 
lassen; auch nach "Worms sendet er Boten und ver- 
ordnet, dass die Mannschaft, die er zur Besatzung 
hineingelegt hatte, abziehen und die Stadt dem 
Bischöfe geöffnet werden soll; hierauf entlässt er alle 
Uebrigen, welche sich zahlreich zu seinem Beistand 
hier zusammengefunden hatten, einen jeden in seine 
Heimat; er selbst aber begiebt sich der Verabredung 
gemäss mit wenigen Begleitern nach Speier, wo er 
innerhalb der von den Fürsten vorgeschriebenen 
Schranken und Gesetze eine Zeitlang in Zurückge- 
zogenheit sein Leben und Verhalten beschränkte. — 
Lamberts Oironik, MO. SS. 6, '264. — GddV. 11, 
JJi. (), 279. — Trouillat 1, 196 n'' 130. 

1077. Nachdem der Papst [Gregor VIL] hierauf über sie 
das gewöhnliche Gebet gesprochen, den König [Hein- 
rich] und die fünf Bischöfe von Strassburg, Bremen, 
Lausanne, Basel und Naumburg und die übrigen Gros- 
sen feierlich mit dem Friedenskusse begrüsst hatte, las 
er selbst die Messe und reichte bei der Kommunion 
angelangt dem Könige, den er zu sich rief, das 
A.bendmal, das er ihm vorher verwehrt hatte. 

Bertholds aironik. MO. SS. o, 290. — OddV. IL 
Jh. IL 68. - TrmuUat 1, 199 n^ 13L 

1077 Februar. Es waren damals bei ihm [Heinrich IV.] 
von deutschen Fürsten : Liemar Erzbischof von Bre- 
men, Ebbe Bischof von Zeiz, Benno Bischof von Osna- 
brück, Burchard Bischof von Lausanne, Burchard 
Bischof von Basel, von Laien Ulrich, Eberhard, Ber- 
thold und fast alle die übrigen, die die apostolischen 
Gesandten in Oppenheim wegen des Bannes von dem 



200 

Verkehr mit ihm geschieden hatten. Diese strömten 
nun, nachdem sie selbst die Gemeinschaft der Kirche 
wieder erlangt und erfahren hatten^ dass auch er 
wieder mit derselben ausgesöhnt sei, einmütig zu ihm 
hin und blieben von nun bei ihm als unzertrennliche 
Gefährten seiner Wanderschaft. 

Lamberts Chronik, MO. SS. 5, 262. — GddV. IL 
Jli. 6, 297. 

1077 nach April 16. In diesen Tagen nach Ostern gelang- 
ten Briefe des apostolischen Stuhles an alle Bischöfe 
diesseits des Rheins im Elsass und in Lothringen und 
im deutschen Frankenlande, die aber bloss dem Namen 
nach Bischöfe waren, worin ihnen alle geheime Ver- 
bindungen, Friedensstörungen und Streitigkeiten unter- 
sagt wurden, ebenso auch, dass sie dem Könige Hein- 
rich gehorsam sein und ihm dienen sollten, wie es 
einem Könige zukommt. Allein sie wurden ganz 
vornemlich von den Gegen-Bischöfen von Basel und 
Strassburg gering geschätzt und für nichts geachtet, 
während andere, die sich mit allen möglichen Listen 
und bei jeder Gelegenheit stellten, als hätten sie gar 
keine erhalten, sie gar nicht bekannt machten und 
ihnen nur soweit gehorchten, als es für sie unerläss- 
lich war. 

Bertholds Oironik MG. SS. 5, 297. - GidY. IL 
Jh. 11, 88. — Trouillat 1, 200 w^ 133. 

1077. Mai. Ausser ihnen [den Fürsten von Baiem, Böh- 
men und Kärnten] hing fast die ganze Macht der 
Burgunder, die Gegenbischöfe von Basel und Strass- 
burg, die erst kürzlich von dem apostolischen Stuhle 
wieder zu Gnaden aufgenommen fortan bei der Sache 
der Gerechtigkeit ausharren zu wollen gelobt hatten, 



201 

ein nicht geringer Teil der Franken, der Pfalzgraf 
Hermann, der der Schwiegersohn des Königs Rudolf 
werden sollte, und der grösate Teil der Ritter des 
Königs, an deren Treue er [Rudolf], da sie ihm schon 
vor langer Zeit geschworen hatten, nicht zweifelte, 
ferner fast alle seine Verwandten und Vertrauten, 
denen er immer aufrichtig zugetan gewesen war, in 
allem dem König Heinrich an, indem sie Mann für 
Mann, sich leicht über Eid und Gelöbnis hinweg- 
setzend, von jenem abfielen. 

Bertholds aironik. MG. SS. o, ^.W. - GddV. 11. 
Jh. 11 81. — TrouiUat 1, 19!) //« J:j:^. 

1077. Die Gegenbischöfe von Basel, Lausanne und 
Strassburg verwüsteten mit allen, die sie an sieh 
gezogen hatten, mit Raub, Brand und allen Mitteln 
eines geheimen und oflFenen Krieges alles, was dem 
König [Rudolf] gehörte, auf das Gründlichste, bis sie 
jene Gebiete fast in ihrer ganzen Ausdehnung in ihre 
und des Königs [Heinrich] Gewalt bekommen hatten, 
aber auch das nicht ohne ihren eigenen Schaden und 
Verlust; denn zweimal wurden die Scharen der Bur- 
gunder, die in frechem Uebermut das alamannische 
Land überfallen hatten, um zu plündern, von den 
Kriegern des Königs Rudolf besiegt, in die Flucht 
geschlagen und vernichtet. 

Bertholds aironik. MO. SS 5, 298. — GddV. IL 
Jh. 11, 91. - TrouiUat 1, 201 w" 1S4. 

1078. Während des ganzen Sommers tobten dann über- 
all in Schwaben, Elsass und Ostfranken zahlreiche 
Kämpfe und in verschiedenen Kriegszügen wurden 
auf Seite des Königs Heinrich diejenigen besiegt, 
getötet und zersprengt, die Raub, Brand und viel- 



202 

fache Frevel an den heiligen Kirchen als freche 
Käuber begangen hatten. Unter ihnen haben sich 
die Gegenbischöfe von Basel und Augsburg nur mit 
Mühe durch die Flucht gerettet, nachdem ihre Ritter 
von dem tapferen Markgrafen Berthold, dem Sohne 
des Herzogs Berthold, im Kampfe überwunden und 
gefangen genommen und die Bauern, die sie aus den 
mit ihnen verbündeten Gauen von überall her zur 
Unterstützung gesammelt hatten, zum Teil entmannt 
worden w^aren. Gleichzeitig verwüsteten die Herzoge 
Berthold und Well einen grossen Teil des Franken- 
landes diesseit des Rheins mit Raub und Brand. 

Bertholds Ckronik. MG. SS. 5, 311. — OddY. 11. 
Jh. 11, 127. — Trouillat 1, 202 n'' 135. 

Xach 1084. Kaiser Heinrich, der vom Papste Gregor 
gebannt worden war, führte diesen Konrad mit sich 
gefangen nach Rom, weil seine Frevel von ihm ver- 
abscheut wurden. Als er dort zu kränkeln begann, 
gab ihn der König frei; er kam bis nach Basel, wo 
er starb und bestattet wurde. 

Geuealogkder Grafen von Keuhurg oder lormbach. 
MG. SS. 24 y 77 wo mich auf S. 76 die älteren Drucke 
angegeben sind. 

1085 April 20-27. Am Schlüsse der Synode [in Qued- 
linburg] aber wurde der Spruch des Anathems mit 
brennenden Kerzen verkündet gegen den Ketzerfür- 
sten Wibert, den Eindringling des apostolischen Stuh- 
les, und gegen die vom heiligen Petrus Abtrünnigen: 
Hugo den Weissen, Johannes, Erzbischof von Porto, 
und den Exkanzler Petrus. Ferner gegen die Erz- 
bischöfe Liemar von Bremen, Udo von Hildesheim, 
Otto von Konstanz, ßurchard von Basel und Huzmann 



20S 

von Speier. Ferner gegen den Mainzer Eindringling 
Wezilo, Siegfried von Augsburg, Nortbert von Chur. 
Gegen diese, sage ich, und gegen alle Genossen der» 
selben wurde der unvermeidliche Spruch des Anathems 
verkündet. Aber alle diese Gegner der Kirche Gottes 
versammelten sich in Mainz in der dritten Woche nach 
dem Schlüsse der Synode nicht zu einer Synode, son- 
dern einer Bande. Dort holten sie einen dunkeln 
Bannspruch gegen die Getreuen des heiligen Petrus 
hervor, obwol sie natürlich jene keineswegs zu bannen 
vermochten, sondern ganz oflfonbar sich selbst von 
der Gemeinschaft der Katholischen ausschlössen, so 
dass sie nicht nur durch das Urtheil der heiligen 
Kirche, sondern auch durch ihr eigenes Urtheil wie 
alle Ketzer von den Katholischen getrennt waren. Auch 
fürchteten sie sich nicht, durch leichtsinnige Gier ver- 
blendet, die Sitze lebender katholischer Bischöfe sich 
anzueignen. 

Bernolds Chronik. MO, SS, 6, 44S, — OddV. 11. Jh. 
10, 38. — Trouillat 1, 206 w« 13H. 

1085 Mai 4 — 10. Dann wurde in der zweiton Woche 
nach Ostern gemäss der Bestimmung des apostolischen 
Stuhles eine Synode nach Mainz angesetzt, wo die 
Gesandten desselben hochheiligen apostolischen Stuh- 
les, nemlich Peter, Bischof der Kirche von Porto,, 
und zwei Kardinäle der römischen Kirche mit dem 
Kaiser zusammenkamen. Ferner hatten alle Bischöfe 
von Italien und Frankreich ihre Zustimmung gegeben,, 
in deren Herzen die geistige Liebe und Gnade wohnte 
.... Den Vorsitz an dieser Synode führte Wegelin, 
Erzbischof der Mainzer Kirche, und Eilberd, Erz- 
bischof von Trier, hatte, weil er nicht zugegen sein 
konnte, seinen Gesandten dahin geschickt mit dem 



204 

Versprechen von seiner Seite, er werde allem zustim- 
men, was den katholischen Glauben und den Frieden 
und die Einheit der Kirche zum Ziele hat. Die 
übrigen Bischöfe aber, die damals dort waren, sind 
die, deren Namen nachstehend folgen: Dietrich 
Bischof der Verduner Kirche, Bischof Heinrich von 
Lüttich, Konrad Bischof derl'trechter Kirche, Ulrich 
Bischof der Eichstädter Kirche, Meinrad Bischof der 
Freisinger Kirche, Bischof Otto von Regensburg, 
Ruprecht Bischof der Bamberger Kirche , Huzmann 
Bischof der Speieror Kirche, Otto Bischof der Kou- 
stanzer Kirche, Burchard Bischof von Lausanne, Sieg- 
fried Bischof von Augsburg, Oebhard der böhmische 
Bischof von Prag, Udo Bischof der Hildesheimcr 
Kirche, Heinrich Bischof von Paderborn, Erpo 
Bischof von Münster, Folkmar Bischof der Mindner 
Kirche. Poppo Bischof der Touler Kirche Hess, weil 
er selbst nicht zugegen sein konnte, durch seine 
Gesandten, die an seiner Statt da waren, dieser Synode 
seine Zustimmung ausdrücken und unterschreiben; 
auch Burchard Bischof der Basler Kirche und Otto 
Bischof der Strassburger Kirche, die wegen der ihren 
Kirchen von den erbarmungslosen Feinden drohenden 
allzu grossen Gefahren nach Hause entlassen worden 
waren, Hessen durch ihre Gesandten ihre Zustimmung 
ausdrücken und unterschreiben. 

Walrmns Buch über die Erhaltung der Kirchen-Ein- 
heiL — MG. Lihelli 2, 235. — Troiällat 1, 207 n^l39. 

1085. Darnach anno MLXXXV starb bischoff Ott [von 
Konstanz] in dem eilend, ward zu Basel begraben. 

und noch deutlicher an einer zweiten Stelle: 
Bischoff Ott [starb] desselben jars zu Basel in dem 
eilend. 



205 

GaÜHS OJwhns Oirouik von Reiche nüh, B'ihliotheh 
des Utterarlschen Vereins von StnUgart 84, 123 j, — 
(UdV, 10. Jh. 11, 262. 

Nach 1086. Nach seinem [Marquards, eines Mönches von 
St. Blasien] Tode ist er einem der älteren, Eberhard 
von Basel, nach Verlauf von wenigen Tagen siehtbar- 
lich erschienen .... 

Offenbar galt er aber auch vor Gott als ein Mann 
von grosser Heiligkeit, wie man [aus der Geschichte] 
mit dem frommen Manne namens Eberhard von Basel 
ersehen kann, welcher heilige Mann den Herren 
Beringer, der, schon lange tot, der erste Vater dieses 
Klosters gewesen war, eines Tages zufallig, als er 
am neuen Kapitelshauso vorüberging, in diesem Ka- 
pitelshause auf und ab gehen sah, wie er es selbst 
nachher einem älteren berichtete. Derselbe selige 
Mann aber, Eberhard, unterwarf sich zum Heil seiner 
Seele an dieser Stätte einem klösterlich frommen 
Lebenswandel. Denn nachdem er einmal den Kloster- 
wald betreten hatte, hat er ihn während eines Aufent- 
haltes von 40 Jahren nicht mehr verlassen. So war 
er, wie es denn der heilige Benedikt sagt, beständig 
im Kloster; das ist auch jener Allere, dem Herr 

Marquard nach dem Tode erschienen ist 

Das Blich von der Gründung des Klosters St. Blasien. 
Mone, Qtiellensammlung der hadischen Landesge.scliichte 
4/1, 97 und 99. 

1087. Nachdem aber der Knecht Gottes an dem erwähn- 
ten Orte [Grieningen] einige Zeit verweilt hatte, fing 
er an sich zu ängstigen, weil er sah, dass die Hürde 
seiner Schafe keineswegs an sicherer Stätte, sondern 
gleichsam mitten im Rachen der Wölfe untergebracht 



:206 

war. Denn jener Ort ist von allen Seiten her leicht 
zugänglich, wird fortwährend von einer Menge welt- 
licher Personen besucht und leidet an vielen Dingen 
Mangel, die für die klösterliche Ruhe unerlässlich 
sind. Indem der weitblickende Mann das alles erwog, 

war er eifrig beflissen, die Kinder seiner Wahl, 

die er dem Leben der sinnlichen Menschen .... ent- 
fremden wollte, auch räumlich für Aug und Ohr von 
ihnen abzusondern. In diesem Bemühen durchstreifte 
er verschiedene Gebirgszüge der an den Breisacher 
Oau angrenzenden einsamen Gegend, bis er endlich 
einen Ort fand, der nach alter Ueberliefergng Zell 
hiess, dem Gewirr der Welt weit entrückt, von dich- 
ten Wäldern umgeben, von fliessendem Wasser be- 
wässert, durch blumige Matten verschönt, kurz ein 
passender Schlupfwinkel für ein mönchisches Leben. 
Diesen Ort wünschte er sich auf das Lebhafteste, 
ging daher mit vornehmen Männern zum Basler 
Bischot Burchard, in dessen Machtbereich er lag, und, 
nachdem er vor vielen Zeugen eine entsprechende 
Entschädigung geleistet hatte, erhielt er ihn tür seine 
Brüder und deren Nachfolger als Wohnstätte zu 
immerwährendem Besitze. 

Am (lern Leben des hJg. Ulrwh, des Priors von Zell. 
Kap. 29. MO. 12, 261 j. 

1087/1093. Als sich der Ruf des heiligen Vaters schon 
sehr verbreitet hatte, blieb auch die volkreiche Stadt 
Basel, welche er einmal betrat und wo er von einem 
sehr reichen Manne, der Anno hiess, voll Ehrerbie- 
tung aufgenommen worden war, vom Ruhme seiner 
Wunder nicht unberührt. Nachdem jener Familien- 
vater alle Pflichten der Gastfreundschaft mit allen 
Zeichen der Hochachtung an ihm erfüllt hatte, brachte 



207 

er ihm seiaen mit den ausgezeichnetsten Anlagen be- 
gabten Sohn, dass er ihn segne und heile. Denn ob- 
wohl derselbe schon in dem Alter war, dass er in 
sicheren Schritten seiner Füsse sich hätte bedienen 
sollen, war er dennoch ohne die Fähigkeit zu gehen 
geblieben und seine Eltern hatten alle Hoffnung, dass 
er gehen werde, verloren. Nachdem sein Vater dies 
dem Knechte Gottes in traurigem Tone erzählt hatte, 
setzte er das teuere Pfand dem verehrungswürdigen 
Oreis auf den Schoss und voll Vertrauen in den Wert 
seiner Verdienste sprach er zugleich mit der Mutter 
des Kindes mit flehender Stimme zu ihm : „Wir bitten 
deine Heiligkeit, ehrwürdiger Vater, dass du für 
dieses Kind die göttliche Barmherzigkeit erbitten 
wollest, dass der allmächtige Gott, der doch selbst 
die Gnade gehabt hat es uns zu schenken, ihm die 
Gabe eines natürlichen Ganges verleihen und dadurch 
auch uns beglücken möge.'* Durch ihre Bitten wurde 
der Mann Gottes gerührt, wie er dann in seinem 
Herzen voll Barmherzigkeit war, und, indem er auf 
das noch auf seinem Schoss sitzende Kind einen 
zärtlichen Blick warf, sprach er: „Möge der Sohn der 
heiligen Jungfrau Maria gnädig gewähren, dass durch 
deinen Schritt deine Eltern beglückt würden.** Mit 
diesen Worten stellte er das Kind auf den Boden 
und sogleich lief es ziemlich lang umher, schon 
nach wenigen Tagen aber ging es mit festen Schrit- 
ten, >v'ohin es wollte, ohne einer Unterstützung zu 
bedürfen. Dieses Kind ist jetzt ein Mann im kräftig- 
sten Alter und durch das an ihm vollzogene Wunder 
das lebende Beispiel eines Menschen, in den die 
gute Hand des Allmächtigen den Keim zu einer 
schönen und hochragenden Gestalt gelegt hat. 



208 

Aus dem Leben des hlq. Ulrich^ des Priors von Zell, 
Kap, 43. MG. SS. 12, 266. 

1094. In den deutschen Landen geschahen yiele unge- 
wöhnliche Dinge. Denn es haben sowol Menschen 
sich selbst erhängt, als auch die Wölfe viele gefres- 
sen. Und man kann nicht zweifeln, dass dies durch 
Gottes Strafgericht geschah', weil sie das göttliche 
Gesetz vernachlässigt und nicht sich gefürchtet hat- 
ten, durch den Bann besudelt zu werden. Auch haben 
vielfach Blitze vom Himmel die Menschen geschreckt. 
Denn in dem Kloster zu Ottobeuem wurde das 
grössere Kruzifix und die Sitze der Mönche, nemlich 
derjenigen, welche nicht regelrecht lebten, vom Blitze 
zerschmettert. Ferner hat ein Blitz im Münster zu 
Basel den Balken beschädigt, der das Kruzifix stützt, 
weil daselbst nemlich viele mit Gebannten zusammen- 
getroffen waren. 

Bernolds Gironik. MG. SS. o, 459. — GddV. 11. 
JJi. 10, 74. — Trouillat 1, 209 n^ 141. 

Circa 1100. Nach Lambert wurde Kuno, der Sohn des 
Grafen Ulrich von Fenis, Erwählter von Lausanne; 
aber in welchem Jahre seit der Menschwerdung [das 
geschah] und wie lange er gelebt hat, habe ich nicht 
gelesen. Doch hat er in seinem Sprengel die Abtei 
Erlach gegründet und während er die Kirche baute, 
ist er aus dieser Welt genommen worden. Und sein 
Bruder Burchart, der Basler Bischof, der die Burg 
Erlach errichtete, vollendete die Kirche an seines 
Bruders Statt. In einem Lausanner Kalender habe 
ich aber gefunden: Kuno unser Erwählter ist am 19. 
Dezember gestorben und in der Abtei Erlach vor 
dem Gekreuzigten begraben worden. 



209 

Die Taten der Bischöfe von Lausanne von Kuno von 
Estavaijer. Kap. 12. MG. SS. }^4, 800. — TrouiUat 
1, 213 n^ 144. 

Circa 1100. Adam, der einst im Kloster Moleme in 
Gallien die Gelübde abgelegt hatte, bekleidete in 
Folge der Verdienste, die er sich während seines 
Aufenthaltes -in demselben Kloster erworben hatte, 
auch die Stelle eines Priors. In Basel gebürtig, hatte 
er in dieser Stadt eine Schwester namens Gisela, bei 
der er einmal, von seinem Abte beurlaubt, einige 
wenige Tage blieb, um dann aus christlicher Liebe 
zu uns zu kommen. Nachdem er aber eine Woche 
bei uns verweilt und eines Tages nach dem Comple- 
torium vom Herrn Abte die Erlaubnis erhalten hatte, 
seinen Weg am folgenden Tag früh morgens fortzu- 
setzen, wurde er in der gleichen Nacht von einer 
plötzlichen und grossen Schwäche befallen, dass man 
ihn notgedrungen noch vor der Matutin in das Kran- 
kenzimmer bringen musste. Als nun sein Siechtum 
von Tag zu Tag zunahm, wurde er auf sein eigenes 
Verlangen hin mit der letzten Oelung versehen. An 
dem seinem Todestage vorausgehenden Tage aber 
hoben ihn seine Wächter, als ihnen sein Stündlein 
gekommen zu sein schien, aus dem Bett und legten 
ihn auf seine Kutte. Dann kam der Abt, den man 
gerufen hatte, zu ihm. Inzwischen wurden die Lita- 
neien und Gebete hergesagt, während er selbst mit 
geschlossenen Augen dalag. 

Allein nach Verlauf von etwa einer Stunde schlug 
er die Augen auf, sah sich nach dem Abte um und 
sprach zu ihm: „Soviel ist mir vom Himmel erzählt 
worden, wie ich es mir niemals weder vor noch in 
meiner Krankheit habe denken können. Urban der 

Beitrage XV. 1-A 



210 

Papst und Märtyrer und der heilige Martin und der 
heilige Benedikt und der heilige Columban und euer 
Patron Giselbert sind hier gewesen und haben mir 
angekündigt, dass ich mit euch vereint bleiben werde 
bis zum Tage des Gerichts." Hierauf stärkt er sich 
mit den Sakramenten des Herrn für seinen Ausgang 
und ist dann am 11. Juli sanft aus diesem Leben 
geschieden. 

Das Blich über die Grmdung des Klosters St. Blasie». 
Kap. 44. Mone, Qu^ellensammlung der had'ischen Lau- 
desgeschlchte 4/1, 101 f. 

1104. Der lüg. Moraud tut verschiedene Wunder. Aul 
Grund dieser durch glaubwürdige Zeugen bestätigten 
AVunder erreichte es der Bischof von Basel bei dem 
Papste, zu dem er einen Gesandten nach Rom ge- 
schickt hatte, dass jener beim öffentlichen Gottesdienst 
unter den Heiligen verehrt werde. 
TroulUat i, ^i.9 w« 147. 

1106 August. Sendschreiben an alle Fürsten. 

Heinrich von Gottes Gnaden Römischer Kaiser, 
Melirer des Reiches, entbietet seine Gnade und Gunst 
allen Erzbischöfen, Bischöfen, Herzogen, Grafen und 
allen übrigen Fürsten, die willig sind sie zu em- 
pfangen. 

Wir haben unsern Sohn und euch gebeten, dass 
das Heer entlassen und eine Verabredung getroffen 
würde, wmc wir friedlich zusammen kommen könnten, 
um über einen Ausgleich wegen des uns zugefügten 
l'nrechtes und den Abschluss eines Friedens zur 
Ehre des Reiches in würdiger und schicklicher Weise 
schlüssig zu werden. 

Es hat euch nun beliebt eine Antwort zu geben, aus 
der ims noch viel mehr Ungemach erwächst als vorher^ 



211 

indem ihr nach Aufhebung der Belagerung von Köln 
nur einen Waffenstillssand von 8 Tagen gewähren 
wollet, um dann unter dem Verwände einer Unter- 
redung über uns und unsere Getreuen herzufallen. 
Ein solcher WaflFenstillstand ist, wie ihr wol wisset, 
bis auf diesen Tag noch nie weder nach göttlichem 
und menschlichem Gesetz, noch auch nur nach der 
Menschen Brauch einem Menschen, wcs Standes er 
sei, bewilligt worden zur Beilegung eines viel unbe- 
deutenderen Rechtshandels, geschweige denn wegen 
einer solchen Sache. Denn wir haben mit euerer 
Erlaubnis wenigstens einen solchen "Waffenstillstand 
nötig, dass wir zur Behandlung dieser Angelegen- 
heit und damit sie bei uns sind, die Erzbischöfe von 
Mainz, Trier und Bremen, die Bischöfe von Frei- 
sing, Augsburg, Chur, Basel, den Herzog Magnus 
mit dem Herzog Theodorich und den Böhmen - 
Herzog und den Grafen von Flandern mit dem 
Grafen Wilhelm von Burgund und andere, die, wie 
ihr genau wisset, zu diesem Geschäft sehr nötig sind, 
zusammenrufen und einladen können. Das Send- 
sr/neibeN schliefst mit einer nochmaligen dringenden 
Aufforderung zur Anbahnung ehrlicher Friedensunter- 
handlungen. einer Appellation an Papst und Kirche und 
einer feieilidieu Anrufung des göttlichen ScJiutzes. 
MO, Legum Sectio IV, 1, IHl. — Trouillat 1, '^'^^ 

1106. Es starb Herr Burchard, Bischof von Basel; ihm 
folgte Herr Rudolf. 

Die Jahrbücher von Münster im Gregoriental. MG. 
SS. S, 104. - Trouillat 1, ^^/) n^ 164. 

1106. Im Jahre .... 1106 . . . wurde von dem ehrwür- 
digen Bischof des römischen Stuhles Paschal auf 



212 

italienischem Boden eine Synode augesagt .... Dabei 
geschah es, dass Tietmar von Helmarshausen durch 
zwei apostolische Legaten persönlich geladen in Be- 
gleitung eines seiner Mönche mit den übrigen sieh 
auf den Weg machte und ganz unvermutet dem 
Erzbischof von Trier mit andern Gesandten des römi- 
schen Königs in der Stadt Basel begegnete. 

Die TJehertragimg des heiligen Modoald, Kap, 10 j^ 
MG. SS. 1:^, ho. 

1107. Der Basler Bischof Burchard starb. 

Die Jahrhilcher von Ottoheuern. MG. o, 9. — Tronil- 
lat 1, 230 n^ 1Ö4. 

1107. In demselben Jahre starben Bischof Gebhard von 
Speier und Burchard von Basel, der, obwol lange 
ein Gegner der Kirche, doch zuletzt in sich gegan- 
gen war. 

Der sä^hsisclw Annalist. MG. SS. 6, 746. — GddV, 
12. Jh. 0/2, 107. — Trouillat, 1, 230 n^ 154, 

1107. Ich Kadulf, der ich jetzt zum Bischof der Kirche 
Basel geweiht werden soll, gelobe in Gegenwart 
des Herrn Guido, Erzbischofs von Vienne, der hei- 
ligen Kirche von Besan^on untertänigen, ehrerbietigen 
und aufrichtigen Gehorsam und bekräftige das auf 
dem heiligen Altar mit eigener Hand. 

Eintrag ans dem 11.112. Jh. in der Handschriß des 
britischen Museums nP 15222 mitgeteilt im XA. 3, 196. 

1108. Aber im Jahre des Herrn 1108 wird Herr Bus- 
tenus von allen . , . zum Abte [von St. Blasien] ge- 
wählt. Dieser errichtete nach seiner Bestätigung in 
der Abtswürde verschiedene nützliche Bauten, Zuerst 



213 

•errichtete er im neuen Kloster zwei Altäre, den einen 
zu Ehren der Heiligen Felix und Regula, den andern 
zu Ehren des hl^. Qallus, des Bekenners, und liess sie 
durch den Basler Bischof Rudolf weihen. 

Das Buch von der Gründung des Klosters St. Blasien. 
Kap. 33. Mone, Quellensammhing der hnd'isrhen Lau- 
desgeschiehte 4/1, 104. 

1111 September 4. Adalhert, Sohn Landolts von Entrin- 
geuj vollzieht eine von seinem Verwandten Hezilo im 
Einverständnis mit seinem- Vater und Oheim angeord- 
nete Schenkung von Gütern an das Kloster St. Georgen 
im Schwarzwald, im Jahre der Menschwerdung 1111, 
am 3. Tag vor den Iden des September in der Stadt 
Basel diesseits des Rheins gelegen. 

Nachrichten über die Gründung des und Vergabungen 
an das Kloster St. Georgen im Schwarzwald. MG. SS. 
16 ji, 1013. — Auszug in der Zeitschrift f. d. Geschichte 
d. Ober-Rheins 37, 366. 

1114. 1. Im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1114 
unter der Regierung des römischen Königs Heinrich 
erhob sich die schreckliche Pest der Ruchlosigkeit, 
welche anwachsend über den grössten Teil seines 
Reiches sich ausdehnte. Die Gesetze schwiegen, die 
Gottlosigkeit regte sich mit aller Kraft, Hass und 
Zank scheuchten den Frieden, Zorn und Rachsucht 
die Frömmigkeit. Und wol passt auf die Sitten 
dieser Zeit vorzüglich jenes Wort des Maro: 

„Nirgendwo Treue nocli Dank, kein Gastfreund schonet 

den Gastfreund; 

Sicher auch bauet der Bruder nicht auf die Treue des 

Bruders." 
Yon diesem unseligen Fieber wurde auch der Bischof 
von Basel durch die Hinterlist des Teufels ergriffen 



214 



und angesteckt; unablässig sinnt er Tag und Nacht 
darauf den Ort Pfävers zu überfallen und sucht mit 
Fleiss nach einem Vorwand, welcher zur Ausübung 
eines solchen Frevels dienlich sein könnte. Nachdem 
er endlich einen Vorwand scheinbar gefunden hatte, 
begab er sich zu dem vorgenannten König und 
übergab [ihm] seine Burg Rappoltstein für die Vog- 
tei [über das Kloster] und wird auf diese Weise 
belehnt. Und sofort schickte er dann an den Abt 
von Pfävers, einem, wie der Ausgang des Handels 
beweist, in jeder Beziehung schätzenswerten Mann, 
seine Gesandten mit dem königlichen Schreiben, in 
welchem er ihm befahl sich so rasch als möglich in 
seine Dienste zu stellen. Der Abt aber soll, nachdem 
er den Brief gelesen hatte, folgende Antwort gegeben 
haben: „Zwar weigere ich mich nicht mich dem 
Dienste zu unterziehen, der mit brüderlicher Liebe 
von mir gefordert wird. Der Ort aber, den ich laut 
Zeugnis der königlichen Urkunden nach der Gnade 
Gottes frei zu beherrschen übernommen habe, soll 
unter keiner Bedingung in fremde Botmässigkeit 
geraten.*' Die Boten des Bischofs aber kehrten sehr 
verstimmt nach Hause zurück. Und der Abt ging mit 
dem Bruder Wicramm zum vorerwähnten Könige und 
legte vor ihm mit königlichen und päpstlichen Briefen 
ganz unwiderleglich dar, dass derartige und so be- 
deutende Freiheiten seines Klosters auf keine Weise 
beeinträchtigt werden können noch dürfen. Und als- 
der König von der Uebereinstimmung und Echtheit 
und Giltigkcit der Briefe seiner Vorgänger hörte, da 
bestätigte und bekräftigte er aufs Neue dem genann- 
ten Abte selbst und seinem Kloster alle ihre Frei- 
heiten und stellte darüber dem vorerwähnten Kloster 
Ptävers eine königliche Urkunde aus. 



215 

2. Allein auch nachdem das geschehen war, stand 
der Bischof von Basel, der eine so offenbare Nieder- 
lage erlitten hatte, von feindseligen Angriffen nicht 
ab und waren die Pfaverser selbst nicht sicher. Da 
schickte der Abt den genannten Bruder Wicrartim 
mit einem Brief, der den Hergang des ganzen Han- 
dels schilderte, nach Kom und der Bruder kam nach 
einer glücklichen Reise nach Rom und überbrachte 
den Brief dem apostolischen Herrn, indem er noch 
mit eigenen Worten, so viel er vermochte, denselben 
genehm zu machen suchte. Als der Brief verlesen 
war, da tadeln alle Umstehenden den ungerechten 
Machtspruch des Königs und drücken ihren Abscheu 
aus über die masslose Habsucht des Bischofs, und der 
apostolische [Herr] soll dem Bruder folgende Ant- 
wort gegeben haben: „Erinnere dich des Wortes: Oft 
folgt einem schwachen Anfang ein grösseres Glück.* 
Durch solchen und ähnlichen Zuspruch hinlänglich 
gewappnet wird derselbe Bruder mit einem nach dem 
gemeinsamen Rate der Brüder abgefasston Briefe 
zum Bischof geschickt, damit dieser von dem geplan- 
ten Angriff mit dem glühenden Schwerte der Bered- 
samkeit auf folgende Weise zurückgehalten werde: 
„Paschal der Knecht Gottes u. s. w. Wir befehlen 
dir, Bruder Bischof Rudolf, dass du jenen Ort mit 
allem, was dazu gehört, aus deiner Besitznahme gänz- 
lich frei und unbehelligt entlässt. Andernfalls werden 
wir dich als einen nicht zur Kirche Gehörigen behan- 
deln, so lange du nicht den Befehlen der Kirche 
gehorchst und von jenem Angriff und jener Besitz- 
nahme gänzlich abstehst." Und Bruder Wicramm 
kehrte mit grosser Freude zu den Seinen zurück. 

3. Da aber dem Bischof klar war, dass ein ihm 
nachteiliger Brief eingetroffen sei, weigerte er sich 



216 



dreimal trotzig ihn, der ihm durch verschiedene Boten 
überbracht wurde, anzunehmen, indem er glaubte auf 
diese Art und Weise dem Verdachte eines Yerächters 
[des päpstlichen Befehles] zu entgehen. Da schickte 
"Gerold, der oft genannte Abt des Klosters Ptävers, 
denselben Bruder, welcher aus den Händen der apo- 
stolischen [Herren] selbst Brief und Botschaft erhalten 
hatte, um sie dem Bischof zu bringen, zum Bischof, 
obwol so viele Boten zurückgewiesen worden waren, 
indem er ihm dringend empfahl jenem jede Möglich- 
keit einer Ausflucht [bei der Frage] abzuschneiden, 
ob er deim nicht von der Bedrückung von Pfavers 
abstehen wolle. Und abermals weigerte sich der 
Bischof trotzig ihn zu empfangen und von furchtbarer 
Wut entflammt ging er nicht bloss selbst in Beglei- 
tung von sechs Grafen mit ihrer Gefolgschaft in das 
Kloster, sondern scheute sich auch nicht den Abt 
von Pfävers selbst und seine Untergebenen und auch 
den Ort auf mancherlei Art heimzusuchen. Und 
hierauf setzte der Bischof einen Gerichtstag in Zürich 
fest, zu dem er auch die benachbarten Prälaten und 
Fürsten und sogar seinen Freund, den Bischof von 
Chur, beschied. Allein da der Abt fest blieb und 
mit seinen Brüdern unerschrocken ausharrte und auf 
keine Weise zu einer ungerechten Entfremdung seine 
Zustimmung geben wollte, wie er es ja auch nicht 
durfte, und da sie sich nicht verständigen konnten, 
so schickte einerseits der Bischof seine Gesandten nach 
Rom und andererseits ging Abt Gerold mit dem 
genannten Bruder Wicramm in eigener Person zum 
apostolischen [Herrn]. Und dort zeigte der Abt den 
apostolischen Brief, welchen er früher dem Bischof 
geschickt hatte und der von demselben gegen alles 
Hecht so trotzig zurückgewiesen worden war, dem apo- 



217 

stolischem Vater und setzte ausser dem noch hinzu: 
^Derjenige, den der Befehl euerer Heiligkeit hätte 
abhalten sollen, hat noch nicht von unserer Bedrückung 
abgelassen.** Der Verhandlung über diese Angelegen- 
heit wohnten auch die Gesandten des Bischofs bei, 
welche aber wegen ungebührlicher Forderungen und 
ungerechter Beschuldigungen abgewiesen wurden, und 
sogleich schickte gemäss einem einstimmig und ge- 
meinsam gefassten Beschluss der apostolische Herr 
folgenden mit dem apostolischen Siegel gesiegelten 
Brief an den Bischof: „Paschal der Knecht der 
Knechte Gottes u. s. w. Nachdem wir dir wegen der 
Klagen der Brüder von Pfävers vor Kurzem einen 
Brief geschickt haben, dass du von ihrer Befehdung 
abstehen mögest, und du, was uns Wunder nimmt, 
denselben keineswegs erhalten haben willst, so schi- 
cken wir dir, weil wir gemäss der Langmut des apo- 
stolischen Stuhles mit deinem Trotz gegen uns Ge- 
duld haben, einen zweiten Brief, in welchem wir dich 
bitten und mahnen, dass du von der Bedrückung jener 
Brüder gänzlich abstehest und das Kloster Pfävers 
mit seinen Gütern und Besitzungen in Ruhe liessest. 
Wenn du aber darauf vertraust, dass du irgend einen 
gerechten Anspruch hast, so finde dich vor Mitte der 
nächsten Fasten d. i. am 21. März im Jahr seit der 
Menschwerdung des Herrn 1115 bei uns zur Anhörung 
[deiner Sache] ein und stelle einstweilen dem Kloster 
die Güter, die du ihm genommen hast, zurück.** 

4. Um dieselbe Zeit hat den König Heinrich im 
Frankeniande schweres Unglück betroffen. Da soll 
jemand, der die W^urzeln seines auf Unrecht aufge- 
bauten Glückes gut kannte, gesagt haben: „Wir 
dürfen uns nicht wundern über den Sturz einer 
so hoch entwickelten Macht, welche der Ratschluss 



218 



der göttlichen Waltung nicht beschützt, die, wie wir 
unaufhörlich sehen, die Niedrigen erhöht und die 
Uebermütigen und namentlich die Verfolger der 
christlichen Kirche ins Elend stürzt. Denn dieser 
Kaiser, von dem wir sprechen, ist, wie er zuerst die 
ungerechte Bedrückung des Klosters Ptavers bewilligt 
und erlaubt hatte, bis in die letzton Tage seines 
Lebens auf dem rollenden Rade des Glückes unsicher 
gestanden. Und wenn sein Sohn noch länger in 
seine Fussstapfen treten wird, so wird er, da ihm 
fürs künftige Leben die ewige Strafe aufgespart 
bleibt, den entsprechenden Lohn für seine Taten 
davontragen." Während solche und ähnliche Gerüchte 
im Volke umgehen, wird der apostolische Befehl dem 
Bischof von Basel durch einen geeigneten Diener 
übermittelt, der auch unter Anführung vieler Ver- 
ordnungen der heiligen Väter mit brüderlicher Er- 
mahnung sich bemüht ihn von der Bedrückung derer 
von Pfävers abzubringen. Jener aber, unnachgiebiger 
als ein harter Demant, der zwar, wenn er von zahl- 
reichen Hammerschlägon getroffen wird, nur zurück- 
prallt, durch Anwendung von Kunstgriffen aber doch 
bezwungen wird, — jener aber, der zu der Zahl 
derer gehörte, von denen es heisst, dass sie sehend 
nicht sehen und hörend nicht begreifen, hatte ohne 
von Furcht vor Gott ergriffen, noch auch durch den 
furchtbaren apostolischen Zorn erschreckt zu so'n, 
nicht gelernt einzulenken in den Weg der Wahrheit, 
noch vermochte er seinen Scharfsinn von der Befrie- 
digung des unheilvollen Triebes der Habsucht abzu- 
wenden. In Folge dessen wendet er jetzt schlaue 
Mittel an, hinter denen er die gefährlichen Entwürfe 
seiner Bosheit verbergen zu köimen glaubte. Denn 
zehn Tage vor dem für beide, den Bischof nemlich 



219 

und den Abt, festgesetzten Terrain berief er in die 
Stadt Schaffhausen sehr viele Freunde zu einer Unter- 
redung und bat sogar den Bischof Wido von Chur 
dringend in einem Briefe, in welchem er [ihm] hin- 
sichtlich des Ortes Pfävers das zu tun versprach, was 
der Bischof [von Chur] für gut finden werde, an den- 
selben Ort zu kommen. Währenddem brütete snin 
von schwarzen Wolken unidunkelter Geist, wie man 
später sehen wird, über davon ganz verschiedene 
Pläne und er trachtete auf jede mögliche Weise, wie 
er den Abt aus dem römischen Palast zurückbrächte 
und von dem durch den apostolischen Brief ihnen 
beiden festgesetztem Tag abbringen könne. Und 
nicht früher stand er von dieser böswilligen Absicht 
ab, als bis er. Dank den Versprechungen seiner 
Freunde, sich des Ergebnisses der Abstimmung ver- 
sichert hatte. 

5. Als aber der Abt, dem man bald Furcht oin- 
zuflössen bald mit Versprechungen zu umgarnen 
suchte, erkannte, dass seine Gegner in ranke voller 
Weise hauptsächlich darnach strebten, wie sie den 
Wunsch des Bischofs erfüllen könnten, da lioss er sich 
nicht wie ein Rohr von jedem Lufthauch hin und 
her bewegen, sondern einig mit sich leistete er kräftig 
Widerstand, so dass er sich weder von Furcht vor 
denjenigen, die ihn rauh anfuhren, erschüttern noch 
auch durch die Schmeichelworte derjenigen, die ihm 
schlau auflauerten, verführen Hess. Aber wie oft List 
durch List vereitelt wird, so wusste er die gefähr- 
lichen Freunde des Bischofs abzuwehren, jedoch 
so, dass sie wirklich glaubten, er habe auf seine 
Romfahrt verzichtet, und das nun voll Freude, um 
den Lohn ihrer Bemühungen zu empfangen, dem 
Bischof meldeten. In Folge dessen schickte der Bischof 



220 



auf ihren Antrieb hin einen Brief nach Rom voll von 
Anklagen und Vorwürfen. Als aber dieser Brief vor 
allen vorgelesen worden war, hielt einer von ihnen, 
der die Schlechtigkeit des Bischofs noch strenger als 
die übrigen -verdammte, folgende Ansprache: „Es sind 
bis heute nur wenige Tage verflossen, seitdem der 
Abt vor uns gestanden ist. Seine Demut habet ihr 
wol kennen gelernt und ebensowenig zweifelt ihr, 
dass die Bedrückung, die er erduldet, höchst unge- 
recht ist Die römische Heiligkeit möge daher ihr 
Misfallen aussprechen darüber, dass der Bischof noch 
nicht daran denkt, der Wahrheit Folge zu geben*. 
Wie es üblich ist, wird eine heilige Versammlung 
einberufen und diejenigen, deren Angelegenheit zur 
Verhandlung kommen sollte, traten vor, der Abt mit 
Bruder Wicramm und die Gesandten des Bischofs von 
Basel. 

6. Während diese hin und her redeten, kam der 
Schwestersohn des apostolischen Herrn, welcher auch 
Geisel bei dem früher erwähnten König Heinrich war, 
nach Rom. Als dieser erfahren hatte, was für ein 
Process da verhandelt wurde, trat er mit seinen 
Leuten vor den apostolischen [Herrn] und hielt fol- 
gende Anrede: „Dieser Handel zwischen dem Bischof 
von Basel und dem Abt von Pfävers, der von euch 
untersucht wird und euch, wie ich bemerke, ganz 
fremd ist, ist mir vollständig bekannt, und ich will 
ihn euerer Heiligkeit, wenn es beliebt, darlegen. Denn 
während ich den römischen Angelegenheiten am kö- 
niglichen Hofe unter dem Namen eines Geisels meine 
Aufmerksamkeit schenkte, entging mir nicht, dass 
die Abtei Pfävers dem Bischof von Basel und seiner 
Kirche, nachdem er eine Burg namens Rappoltstein 
für diesen Ort tauschweise gegeben hatte, vorkauft 



221 

wurde, nicht ohne dass die Mehrzahl der Einsichts- 
volleren unter Seufzern und mit Herzensbetrubnis 
sich über einen so unerlaubten Vorgang beklagten, 
wobei sie zu wiederholten Malen versicherten, dass 
dieser Platz, wie wir laut Zeugnis königlicher Ur- 
kunden wissen, frei gewesen sei**. Darauf hin änder- 
ten die zwei Gesandten [des Bischofs], die kurz zu- 
vor über einen wahren Wortschwall verlügt hatten, 
recht gedemütigt und niedergeschlagen zugleich mit 
der Farbe ihres Gesichtes — sie waren bleicher als 
welkes Gras — auch ihre Reden ; denn sie hatten das 
einstimmige Urteil aller vernommen, welche mit 
dumpfem missbilligendem Gemurmel einen solchen 
Frevel verdammten. Als nun der Abt sich von dem, 
was man ihm falschlich zur Last legte, wahrheitsgc- 
mäss reinigen wollte, wird er mit der apostolischen 
Ermunterung getröstet: „Lasse dich nicht betrüben 
Bruder, sagte der Papst, durch die Worte dieser 
Menschen, weil bei uns die Entschuldigungen der 
Feinde, die erwiesener Massen der Lüge dienen, nicht 
angenommen werden. Erzähle du zuerst, wer der 
erste Gründer eueres Ortes gewesen ist.** 

7. Und der Abt: „Das ist ein sehr heiliger Mann 
gewesen namens Pirmin, welcher in Folge der Ver- 
dienste seines hoheitsvollen Lebens die Würde des 
Oberhirten in der Stadt Metz erhielt. Während dort 
der getreue Verwalter die Schafe des Herrn zu guter 
und richtiger Ordnung brachte, weil das Licht der 
W^ahrheit in der Finsternis nicht verborgen bleiben 
kann, sondern im Hause des Herrn allen hell leuch- 
ten muss, wird er auf Gottes Geheiss zu grösseren 
Aufgaben berufen. Denn er hatte von dem Müs- 
siggang und der Nachlässigkeit der Bischöfe und 
anderer Priester gehört, und wie sie ihrem Glauben 



222 



an Christus abtrünnig würden derart, dass sie mit 
Preisgabe der Religion und der wahren Seligkeit 
heidnischen Gottesdienst nachahmten. Da dachte Pir- 
min Tag und Nacht darüber nach, mit welchen Heil- 
mitteln man solchen Zuständen zu steuern vermöchte 
— denn er kannte die Bestimmung, dass kein Prediger 
in dem Sprengel eines andern Bischofs Amtshand- 
lungen ausüben dürfe — und so geschah es endlich 
nach Gottes Eatschluss, dass er zum römischen Papst 
Gregor II. seligen Andenkens ging und diesem den 
ganzen Sachverhalt im Zusammenhang darstellte. Auf 
dessen Befehl nun nahm er freudig die schon lange 
Zeit heiss begehrte Aufgabe auf sich, nemlich in 
allen Städten und Orten, wohin er immer gelangen 
möchte, die Gefilde, die der göttlichen Liebe ent- 
behrten, zu durchpflügen und den Samen des gött- 
lichen Wortes fleissig zu pflanzen. Eingedenk der 
übernommenen Aufgabe begann er sogleich für die 
Früchte des guten Werkes zu sorgen, indem er in 
den verschiedenen Landschaften viele Klöster errich- 
tete, welche zum Nutzen derer, die Gott dienen woll- 
ten, und hauptsächlich zu dem der Mönche bestimmt 
waren. Unter diesen nun errichtete er, als er in 
die Churer Provinz gekommen war, mit Gottes gnä- 
digem Beistand das Kloster Pfävers. Und zu seinen 
mit angenehmer Stimme vorgetragenen Predigten 
voll freundlicher Ermahnungen sammelten sich nicht 
bloss die Leute des benachbarten Gaues, sondern es 
strömten auch aus den angrenzenden Landschaften 
solche, die von der Lieblichkeit seiner Lehre er- 
griffen waren, voll Eifer zusammen, und alle diese 
hat er mit der beneidenswerten Anmut seiner 
Sprache, wie es gerade für jeden passend war, er- 
freut. Und so entsagten viele, welche seinen heil- 



UI1I.I 



223 

samen Ermahnungen folgten, der Welt, unterwarfen 
sich in der Hoffnung auf das ewige Leben einer 
regelmässigen Zucht und übergaben, was sie an 
Geld und Gut besassen, zugleich mit ihrem Leib und 
Leben diesem Orte. Auf diese Weise also ist, wie 
ihr jetzt vernommen habet, der Ort Pfavers erbaut, 
und auch nicht durch grossartige Geschenke der Kö- 
nige bereichert worden, wie wir vor dieser heiligen 
Versammlung hier aus ihren Urkunden beweisen 
wollen." 

8. Nun wurden elf einander folgende königliche 
Diplome vorgelegt und auf apostolischen Befehl einer 
eingehenden Prüfung unterzogen und sie bestätigten 
das, was der Abt gesagt hatte, auf das Genaueste ; 
denn man konnte in denselben keinen Ilechtstitel 
irgend einer Macht finden, sondern nur, dass das 
Eigentum dieses Ortes immer unter kaiserlichem 
Schutz sicher bleiben sollte. Durch diesen urkund- 
lichen Beweis gerieten die beiden Gesandten, welche 
nichts Ahnliches besassen, in überaus grosse Bestür- 
zung und ermunterten sich, zweifelhaft und unsicher, 
was sie darauf erwidern könnten, wechselseitig mit 
Augenzwinkern. Da spricht der apostolische Kanzler 
die Gesandten vor allen folgendermassen an: „llir 
habet zugleich mit uns gehört, Brüder, mit welcher 
Genauigkeit die königlichen Urkunden mit der Aus- 
sage dieser Brüder hier übereinstimmen. Begegnet 
denselben nun, wenn ihr könnt, mit Urkunden eueres 
Herren und machet sie in unserer Gegenwart durch 
wahre Beweisgründe wertlos." Jene aber konnten 
darauf keine entsprechende Antwort geben, sondern 
suchten alles bald durch diese bald durch jene Phra- 
sen zu verwirren, bis er ihre Ausflüchte immer mit den 
Worten abschnitt: „Bruder, dein Schiff ist auf offenem 



224 



Meer gescheitert/ Indem die ganze Versammlung 
in langer und genauer Untersuchung erwog, dass 
einerseits der OrtPfävers aus Gaben der Gläubigen er- 
richtet worden und andererseits durch die königlichen 
Urkunden vor jeder feindseligen Macht geschützt sei, 
wird mit allgemeiner Uebereinstimmung der Bcschluss 
gefasst, dass auch die apostolische Heiligkeit mit 
ihrem Ansehen diesen Ort für alle Zeit schützen 
solle. Diesen Beschluss bekräftigte der Herr, der 
Papst, mit apostolischer Gewalt, wobei er durch die an- 
wesenden bischöflichen Gesandten den nachstehenden 
Brief dem Bischot von Basel übersandte: ^Paschalis 
der Knecht der Knechte Gottes u. s. w. Weil durch 
Urkunden der Könige und Kaiser festgesetzt ist, dass 
die Abtei jenes Klosters Pfavers frei und es keinem 
Könige noch Kaiser erlaubt sei, sie oder ihre Güter 
in fremde Gewalt zu geben, so ist deshalb durch 
unser und unser Brüder Urteil bestimmt worden, dass 
die Abtei bei ihrer Freiheit verbleibe. Darum be- 
fehlen wir dir, dass das, was durch dich jener ent- 
zogen worden ist, zurückgestellt werde.** 

9. Als nun der Bischof aus dem bestimmten Inhalt 
des apostolischen Briefes und dem damit übereinstim- 
menden Berichte seiner Gesandten erkannt hatte, dass 
es keinem Sterblichen erlaubt ist eine Person oder 
Sache, die frei ist, aus dem Besitze dieser Freiheit 
zu verdrängen, hat er es sich nicht mehr herausge- 
nommen, den Ort Pfävers unter irgend einem frechen 
Vorwand in fremde Gewalt zu bringen. Da sandte 
der Abt im folgenden Jahre [1116] zwei seiner Brü- 
der, Wicramm und Hugo, nach Rom, welche unter 
Danksagungen Gott preisen sollten, weil sein Ort 
durch die apostolische Frömmigkeit gnädiglich sein 
Heil wieder erlaugt habe. Ihre Botschaft wurde von 



225 

dem Inhaber des höchsten Amtes wolwoUend aufge- 
nommen und, als der Grund ihres Herkommens vor 
den Brüdern dargelegt worden war, wird einstimmig 
von allen für gut befunden, dass ein mit Verstand 
und Einsicht so vorzüglich begabter Mann im Schosse 
der Mutterkirche begünstigt und gegen alle Feind- 
schaft durch die Macht der romischen Heiligkeit ge- 
schützt zu werden verdiene. Daher werden nach 
einstimmigem Beschluss die genannten Boten mit fol- 
gender Urkunde frohlockend nach Hause entlassen: 
Paschalis der Knecht der Knechte Gottes dem ge- 
liebten Sohne Gerold, dem Abte des Klosters der 
heiligen Maria von Ffävers, und seinen regelmässig 
einzusetzenden Nachfolgern in Ewigkeit Gleich wie 
den Wünschen derjenigen, die unbilliges verlangen, 
keine Folge zu geben ist, ebenso darf die ErHillung 
der Wünsche derer, welche nur verlangen, was billig 
ist, nicht verschoben werden. Indem wir daher deinen 
Wünschen teuerster Sohn in Christo, Gerold, ent- 
sprechen, nehmen wir das Kloster der seligen Maria 
in Pfavers, dem du durch Gottes Willen vorstehst 
in den Schutz des apostolischen Stuhles. Deshalb 
haben wir den Entscheid, der in BetreflF der Fehde 
zwischen dir und dem Bischof von Basel, Rudolf, in 
deiner, sowie in Gegenwart der zur Führung dieses 
Processes abgeschickten Gesandten nach Erkanntnis 
unserer Brüder der Bischöfe und Kardinäle gefällt 
worden ist, nemlich, dass euere Abtei bei ihrer Frei- 
heit verbleibe, mit vorliegender Urkunde bestätigt. 
Denn wie wir damals sowol aus dem Berichte der 
Mönche als auch aus dem Zeugnis der königlichen 
Urkunden ersehen haben, steht es fest, dass dieses 
Kloster nicht von Königen und Kaisern, sondern von 
anderen gläubigen Männern gegründet und auch nicht 

Beitrage XV. 15 



226 



durch grossartige königliche Schenkungen, sondern 
durch Vergabungen anderer Gläubiger bereichert wor- 
den ist. Ebenso war auch in diesen Urkunden der 
Könige und Kaiser festgesetzt, dass die Abtei jene» 
Klosters frei sei und sicher vor den EingrifiFen jeder 
fremden und feindseligen Gewalt und dass es keinem 
Könige noch Kaiser erlaubt sei, sie oder ihre Güter 
an ein anderes Kloster oder eine andere Person als 
Lehen zu vergeben oder als Eigentum zu verschen- 
ken. Ferner bestimmen wir noch dazu, dass alle die 
Güter und Besitztümer, welche das Kloster gegen- 
wärtig zur Zeit der 9. Indiktion rechtmässig inne hat 
oder welche es in Zukunft rechtens und kanonisch 
wird erwerben können, dir und deinen Nachfolger 
fest und unentwegt verbleiben sollen. Unter diesen 
aber halten wir die nachstehenden für besonders 
erwähnenswert: Die Kirche des heiligen Gaudentius 
am Fusse des Septimer mit ihren Zugehörungen, die 
Besitzungen auf dem Gebiete von Chiavenna, die 
Kirche der heiligen Maria mit dem Flecken Weggis, 
die Kirche im Flecken Hedingen mit eben diesem 
Flecken, einen Hof im Flecken Mettmenstetten, die 
Kirche der heiligen Maria mit dem Flecken Tuggen 
und ihre Zugehörungen, den Flecken Milcinchof, die 
Kirche des heiligen Stephan im Flecken Männedori 
mit einem Hof. Wir bestimmen daher, dass es keinem 
Menschen erlaubt sein soll das erwähnte Kloster 
grundlos zu behelligen oder was ihm gehört wegzu- 
nehmen oder das Geraubte zu behalten, es zu beein- 
trächtigen oder mit grundlosen Quälereien heimzu- 
suchen, sondern alles soll unversehrt erhalten werden 
für den künftigen mannigfaltigen Gebrauch derer, 
für deren Unterstützung und Leitung es übergeben 
worden isr. Wenn aber du, gegenwärtig Abt dieses 



227 

Ortes, oder einer deiner Nachfolger stirbt, so soll 
niemand durch irgend einen heimlichen Akt der 
Schlauheit oder durch irgend eine Gewalttat Vorge- 
setzter werden ausser dem, den die Bruder nach ge- 
meinsamem Bcschluss oder der einsichtsvollere Teil 
der Brüder mit Gott und der Kegel des heiligen 
Benedict vorsorglich würden gewählt haben, und nie- 
mand soll in diese Wahl sich einmischen ausser den- 
jenigen heiligen Brüdern, welche euere Congregation 
dazu berufen haben würde. Wenn aber in Zukunft 
irgend eine kirchliche oder w^eltliche Persönlichkeit 
wissentlich gegen diese unsere verbriefte Verfügung 
frech aufzutreten sich erdreisten würde, so soll sie, 
wenn sie nach zwei- oder dreimaliger Mahnung nicht 
durch eine entsprechende Genugtuung gesühnt hat, 
ihrer Macht und Ehren und ihres Ranges verlustig 
sein und wol wissen, dass sie wegen des begangenen 
Unrechtes sich dem göttlichen Bichterspruch unter- 
werfen muss, und sie soll von dem Genüsse des hoch- 
heiligen Fleisches und Blutes Gottes und des Herren 
unseres Erlösers Jesu Christi ausgeschlossen sein und 
bei dem letzten Gerichte strenger Strafe unterliegen. 
Mit allen denjenigen aber, welche diesem Kloster 
die Gerechtsame wahren, sei der Friede unseres 
Herren Jesu Christi, wie sie sowol hier den Lohn 
einer guten Tat empfangen als auch bei dem strengen 
Bichter den Preis des ewigen Friedens finden mögen. 
Amen. 

Die Erzählung von der Freiheit de)' Kirche Pfävers. 
MG, 8S. 12, 410 ff. 

1114. Im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1114 
aber in der dritten Fasten woche kam König Hein- 
rich der vierte dieses Namens nach Basel. 



228 

Die Akten von Mtm, Quellen zur Schweizer-Gesch, 
3, 40 w« 14, — Trouüht 1, 233 n^ 157. 

1116 Yor dem 1. August. Indem er [Herzog Friedrich 
von Schwaben] sich nemlich von Alemannien nach 
Ueberschreitung des Rheins nach Gallien zurück- 
begab, beugte er alles Land von Basel bis Mainz^ 
wo bekanntlich die Hauptstärke des Reiches liegt, 
allmälig unter seinen Willen. Denn immer den Rhein 
abwärts ziehend zwang er bald durch den Bau einer 
Burg an einer passenden Stelle alles Nachbarland 
zur Unterwerfung, bald wieder weiterrückend befe- 
stigte er eine andere Burg, nachdem er die frühere 
verlassen hatte, so dass es von ihm im Sprüchwort 
heisst: „Herzog Friedrich zieht am Schwänze seines 
Pferdes immer eine Burg nach sich." 

Die Taten des Kaisers Friedrich von Bischof Otto 
von Freising 1, 12. MO, SS. 20, 359. — GddV, 12. 
JJl 9, 33. — Trouillat 1, 237 n^ 161. • 

1118. Allein der Teufel Hess ihn [Theoger], obwol er 
von so schwerer Arbeit ermüdet war, auch nicht ein 
wenig zur Ruhe kommen ; auf der Strasse, auf der er 
wandelte, bereitete er ihm Nachstellungen. Auf seinem 
Wege durch jene einsame Gegend, die gewöhnlich 
die Vogesen genannt wird, gelangte er erst mit Son- 
nenuntergang zu einem Klösterlein, das durch Reli- 
quien des seligen Georg und dessen Schutz berühmt 
ist. Von dort setzte er, indem er sich frühe erhob, 
seinen Weg, nachdem er von den Brüdern Abschied 
genommen hatte, in derselben Richtung fort. Trotz 
glühender Mittagshitze unter der von oben sengen- 
den Sonne und obwol den von Fasten geschwächten 



229 

Leib auch noch die greisen Jahre entkräfteten, über- 
wand der tapfere Wanderer doch mit Geisteskraft 
das Alter und verfolgte den einmal eingeschlagenen 
Weg weiter ohne sich eine Rast zu gönnen. Da auf 
einmal fallen einige Ritter ihn an, die auf Anstiften 
einiger Basler Priester dem Heiligen einen Hinter- 
halt bereitet hatten, weil sie bei ihm eine grosse 
Geldsumme zu finden hofften, die er nach Metz mit- 
genommen hatte. Während sie, nachdem sie auch 
seine Begleiter zersprengt hatten, ungestüm das Geld 
suchten, sang er, ohne sie zu fragen oder mit dem 
Gesänge innezuhalten, die Psalmen mit lauter Stimme 
weiter, die er kurz vorher mit seinem Begleiter für 
die ewige Ruhe der verstorbenen Schüler ange- 
stimmt hatte, ein Beweis für den Frieden seines 
Herzens. Zuerst aber wurde er von den Rittern 
umringt und festgehalten und ihm befohlen vom 
Pferd zu steigen, da stieg er ab; dann wurde er 
untersucht und leer befunden und ihm befohlen wieder 
aufs Pferd zu steigen, da stieg er wieder auf und, da 
der Schüler bald zu ihm zurück gelaufen kam, nahm 
er zunächst das Totenamt, wo er es vor einer Weile 
unterbrochen hatte, wieder auf und beendete es, bevor 
er irgend ein Wort verlauten Hess. Darüber gerieten 
selbst die Ritter ganz ausser Fassung und bewunder- 
ten seinen unentwegten £ifer im Dienste Gottes. Als 
dann der Schüler zu dem Greis zurückgekehrt war, 
schwankte er,, ob er gehen oder bleiben soll — denn 
von den Rittern war ihm freie Wahl fortzugehen oder 
zu bleiben gelassen worden. Da befiehlt ihm der 
Bischof lieber fortzugehen und sich um seine Befrei- 
ung zu bemühen. Hierauf führten einige Ritter den 
Bischof gefangen weg, der Schüler aber ging frei 
davon; da er jedoch mit dem Meister durch Bande 



230 

der grössten Liebe und Verehrung verbunden war^ 
empfand er, obwol frei, den Druck der Gefangen- 
schaft noch stärker. Aber schon nach Verlauf etlicher 
Tage kehrte er mit angesehenen Männern zu dem 
Greis zurück und, nachdem er ihn mit ihrer Hilfe 
sogleich [ausgeliefert] erhalten hatte, sind sie mun- 
ter und fröhlich auf dem Weg, der zu dem Klöster- 
lein führt, weitergezogen. 

Das Lehen Dietgers, des Abtes von St. Georgen und 
Bischofs von Metz 2, 22. MG. SS. 12, 476. 

1120/1188. Werner von Basel, der schon in seiner Kind- 
heit von den Eltern hier dem Herrn dargebracht 
worden war, hat durch 37 Jahre demütig im Dienste 
Gottes und seiner Gebärerin ausgeharrt. Er hat sich 
sowol an dieser als auch an andern unseren Stätten 
und anderen Personen nützlich gemacht und ganz vor- 
nemlich in unserem Kloster Berau, wo er beim Bau 
des neuen Gotteshauses sehr oft des Tages Last und 
Hitze trug. Auch das Amt des Kellermeisters hat 
er durch einige Jahre an dieser Stätte innegehabt 
und seinen Brüdern nach Kräften gutes zu erweisen 
war er eifrig beflissen. Und obgleich er durch äus- 
sere Geschäfte vielfach in Anspruch genommen war, 
so achtete er doch genau auf die Einhaltung der 
gottesdienstlichen Hebungen sowol in der feierlichen 
Begehung der Messe als in dem fleissigen Chorgesang 
mit allen übrigen. Auch das Amt des Sakristans hat 
er nicht lange vor seinem Tode bekleidet. Endlich 
von Siechtum ergriffen, in Folge dessen er auch au» 
diesem Leben schied, empfieng er aut sein Verlangen 
die letzte Ölung und alle übrigen damals dazu gehö- 
rigen Stärkungsmittel eines christlichen Streiters. Als 
nun die Stunde seines Endes herannahte, sang ein 



231 

Presbyter, vor seinem Bette sitzend, den Psalter, den 
er von Anfangs an bis zum Psalm „Lobe*' wieder- 
holte. Kaum hatte er mit diesem begonnen, da hörte 
er liebliche Stimmen erklingen, die sich aus der 
Kirche oder der Kappelle der hlg. Gottesgebärerin 
nach Art einer Procession dem Krankenhause immer 
stärker zu nähern schienen und in harmonischem Ein- 
klang eben dieses Lied sangen: „Lobe den Herrn 
meine Seele.** Nach dessen Beendigung schlössen 
sie in gleicher Weise den Vers an: „Lobe mcMne 
Seele**, der für den Pfingstsamstag geschrieben ist. 
Als nun der Chor der Singenden, wie es dem zu- 
hörenden Bruder dünkte, zum Hause und nahe zu 
der Stelle gekommen war, wo der Kranke von schwe- 
rem Leiden erschöpft dalag, da sah er ein blendendes 
Licht gleich einem Sonnenstrahl von dem Bette des 
Kranken ausgehen und sich durch das Krankenbaus 
und, was noch wunderbarer war, durch die Mauer 
des Hauses weit hinaus f;eg;en Osten verbreiten. Der 
Kranke aber, der zur selben Stunde w-ie aus einem 
tiefen Schlaf erwachte, setzte sich in seinem Bette 
aufrecht, rief den Bruder Krankenwärter mit seiner 
natürlichen Stimme zu sich und verlangte, dass er 
ihm die Füsse vom Bette herabhebe, da 6r, wie 
er sagte, augenblicklich fortgehen müsse. Noch einen 
andern Presbyter, der auch dort noch nicht lange 
in seinem Bette lag, — es war nemlich zu Nacht — 
bat er ebenfalls zu ihm zu kommen und ersuchte 
ihn und den Bruder, der alles, was wir schon erzähl- 
ten, gesehen hat, dass sie so schnell als möglieh 
siebenmal das Vaterunser sprechen sollten. Als das 
so wie er es verlangt hatte, gebetet worden war, rief 
er dreimal mit lauter Stimme die Herrin der Welt, 
die Himmelskönigin, an mit den Worten: „Hlg. Maria, 



232 

big. Maria, die Stunde isfc da, wo du mir zur Hilie 
kommen mögest!^ Und alsbald bat er, ibn unverweilt 
auf seine Eutte zu legen und in üblicher Weise auf 
die Glocke zu schlagen, was auch geschah, und unter 
dem Zulauf der Bruder entschlummerte er heiteren 
Angesichts in Frieden, 

Das Blich von der Gri'mdmig des Klosters St, Elasku. 
MoHBy QiieUensammluug der badischen Landesgeschkhte 
41h 110 J, 

1122. Es starb Herr Rudolf, Bischof von Basel; es folgte 
ihm Herr Bertholf. 

Die Jahrbiwher von Münster im Oregorient<il. MO, 
SS. 3, lo3. — Trouillat 1, 240 n^ 164. 

November 9. Bischof Rudolf [starb]. 

Basler Totenhiwh. Böhmer, Fontes verum Germani- 
carum 4, 147. 

November 10. Rudolf Bischof von Basel [starb]. 
Totenb-uch v&n Zwifalten. MO. N. 1, 264. 

1124 Juli. Beschwerdeschrift des abgesetzten BiscJio/s Chb- 
hard von Worms. Er erzätilt amfilhrlich, wie wider- 
strebend er die bischöfliche Würde übernommen und wie 
hinterhältig sich von Anfang an der Erzbischof von 
Mainz gegen ihn benommen liahe, der die Ordination 
hinaus zog, so dass er die Angelegenheit dem Papste zu 
wissen machte. Zu ihrer Untersuchung schickte dieser 
den Bischof Wilhelm von Prätieste als Legaten. Nach 
der Ankunft des Kardinal Bischofs traten in Gegen* 
wart des Kaisers der Erzbischof von Mainz, der Erz* 
bischof von Köln, Arnold von Speier, Gothold von 
Utrecht, Erzbischof Gottfried von Trier, Konrad von 



233 

Toul, Bruno von Strassburg, Bertold von Basel, und 
andere Getreue des Kaisers zur Behandlung meiner 
Angelegenheit zusammen. Nach einer langen Bera- 
tung beschlossen sie, dass der Herr Kardinal unseren 
Ort und unsere Kirche besuchen und eine Einigung 
in Betreff meiner Wahl herbeizuführen suchen sollte. 
Sobald er sie erzielt hätte, sollte ich zum Presbyter 
befördert werden und sogleich vom Herrn Erzbischof 
die bischöflichen Weihen empfangen. 

Codex TJdalrici n^ 233. Ph. Jafie, BlbUotheca verum 
Gernuinicarton 5, 407 f. 

1125 August. Was auf dem kürzlich in Mainz abgehal- 
tenen Hoftag gehandelt worden ist, das der Erinnerung 
wert wäre und in welcher Weise die Königswahl vor 
sich ging, haben wir in Kürze zu Papier gebracht . . . 
Die sächsischen Fürsten, die auf dem rechten Rhein- 
ufer ungezählte Lager aufgeschlagen hatten, nahmen 
den Ehrenplatz ein und weiter oben Markgraf Leopold 
imd der Herzog von Baiern mit einer grossen Schaar 
Ritter. Herzog Friedrich aber, zu dem sich der Bi- 
schof von Basel gesellt hatte, sowie die übrigen 
Fürsten und einige Edle Schwabens lagerten auf der 
andern Seite des Rheins. 

Erzählung von der Wahl des Saclisenherzogs Lothar 
zum römischen König, MG, SS. 12, olO. — Trouillat 
l 248 n^ 168. 

1127. Ramfahrt des Archidiakons und nachmaligen Bischofs 
von Lüttich Alexander und des Abtes Rudolf von St. 
Troud in Luttich. Von der RückreUie heisst es: Nach 
grossen geistigen Aufregungen, nach grossen körper- 
lichen Schmerzen, nach den fürchterlichen Gefahren 
dos St. Bernhard nahm sie die Stadt Basel auf. 
Alexander kehrte von hier zu Pferde durch Burgund 



234 

zurück, Abt Rudolf in Schiflfbruch drohender Khein- 
fahrt bis Köln, weil er krankheitshalber das Reiten 
nicht ertragen konnte. 

Die Taten der Äbte von St. Troud. l)i, 4. MG, SS. 
10, 306, 

1130. Adalbero [war] der 9. Abt im Jahre 1130; hernach 
wurde er Bischof von Basel. 

Die Reihe der Aehte von Xieuhurg. Magdeburger 
Geschichtsblätter 2, 115, 

1133/1136. Die Namen der Gründer dieser Stätte, des 
Klosters St. Peter im Schwarzwald. Darunter: Bischof 
Adalbero. 
MG, SS, 13, 737, 

1133 September 8. 

I. II. 

Nachdem Kaiser Lo- Nach diesen Begeben- 

thar die Alpen über- heiten überschritt Kaiser 
schritten hatte, feierte er Lothar die Alpen, feiert 
die Geburt der hlg. Maria in VVürzburg und hielt 
an seinem Hofe eine ruhmvolle Zusammenkunft mit 
den Fürsten verschiedener Gebiete, welche teils durch 
die Erhabenheit geistlichen Standes, teils durch don 
Rang in der Welt strahlen. Daselbst werden die 
Wahlen der Bischöfe Heinrich von Regensburg und 
Walter von Augsburg bestätigt, und weil der Basier 
Bischof Heinrich vollständig vom Papste *) abgesetzt 
worden war, folgte ihm der Abt Adalbero von Nien- 
burg, vorher Prior des Klosters des hlg. Blasius im 
Schwarzwald ^), nach dem Rate des Kaisers durch 
kanonische Wahl des Klerus und des Volkes. 

«) vom Papste ftthU. in II. ^») Dit Wovft vorher Ih Schwarz- 
wald fehlen in II, 



235 

I. Der säeJisische AnMal'ist. MG. SS, 6, 768. — 
OddV.12.Jh. 15/2, 134. — Troiälhit, 1, 261 n"" 175. 

II. Die Magdeburger Jahrhikher. — MG. SS. 16,. 
184. - GddV. 12. Jli. 12, 59. 

1134. Ich habe in einer alten Chronik gelesen, dass^ 
nachdem Adalbero von Nienburg zum Bischof von 
Basel gemacht worden war, derselbe Arnold in der 
Abtei Nienburg ihm nachfolgte und Vorsteher beider 
Klöster war. 

Die Taten der Äbte von* Bergen. Magdeburger Ge- 
schichtsblätter 5, 378. 

1134. Herr Bertholf gab das Bistum auf und es folgte 
ihm Herr Adalbero III. 

Die Jahrbücher von Münster im (hegoriental. 2. TL 
MG. SS. 3, 154. - Trouillat 1, 261 //« 175. 

1134 Anfang. Erzbischof Adidbert von Mainz beklagt sich 
bei dem Bischof Otto von Bamberg über Gewaltsamkeiten 
des Kaisers Lothar III. in seiner Rirchen^mlitik. In 
dem Briefe heisst es auch: Was bleibt denn übrig,, 
um unsern Kummer noch zu überbieten, wenn wir 
sehen, wie kanonische Wahlen von Bischöfen auf 
des Fürsten Wink kassiert werden, und er selbst 
nach seinem Belieben die, die er will, an die Stelle 
treten lässt? Das ist in der Basler Kirche geschehen. 
Codex Udalrici n^ 264. Ph. Jaffe, Bibliotheca rerum 
Germanicarum 5, 451, 

1136. Bischof Adalbero starb in Italien. 

Die Jahrbücher von Münster im Grerßoriental. 2. TL 
MG. SS. 3, 154. — Trouillat 1, 269 n^ 179. 



236 

März 2. Bischof Bertold starb, der in der St. Nikolaus 
Kapelle begraben wurde. 

Basler Totenbuch. Böhmer, Fontes reriim Oernuuii- 
carum 4, 146. 

1137 Juli/September. Bischof Albero von Basel mit an- 
deinen geistlichen und iveltlichen Grossen ah Vertreter 
der Rechte des Reiches hei den im Lager von Logo 
Pesole vor Kaiser Lothar IIL geführten Verhandlun- 
gen übe?' die ünahhängigkeit der Abtei Monte Cassino 
vom päpstliclien Stuhle. . Das Ergebnis dieser Verhand- 
lungen ist Jür die Abtei nicht gavz günstig, attch nmss 
Abt Rainald, der als Anhänger des Königs Roger von 
Sizilien, des Feindes Lothars, und des OegenjHipstes 
Anaclet IL wider den Willen der MinderJieit gewählt 
worden war, jeder weitern Verbindung mit Roger und 
Anaclet entsagen. Als 7iun dem Kaiser bald darauj 
gemeldet wird, Rainald habe sich verrät^ischer Weise 
neuerdings in solche eingelassen, lässt er das Kloster mit 
Truppen besetzen und beschliesst den. Vorfall selbst zu 
untersuchen. Auch Innocenz mischt sich ein, als zugleich 
von Rainalds Oegnern im Kloster dessen Wahl nochmals 
als unkanonisch angefochten wird. Darüber kommt es 
gleich am ersten Verhandlungstag zu einein wilden Auf 
tritt. Der Kaiser stellt die Ruhe wieder her und erkllhi 
ärgerlich, dass die Angelegenheit nicht von der ganzen 
Versammlung zugleich, sondern von jeder Partei geson- 
dert behandelt zverden soll, worauf sich viele Erzbischöje, 
Bischöfe und Abte mit den Anhängern Rainalds ent- 
fernen. Nachdem das geschehen war, sagte Bischof 
Anno von Basel zu denen, die behufs Besprechung 
der Wahl zurückgeblieben waren: „Wenn ihr irgend 
etwas gegen den gewählten Abt habet, so bringet es 
vernünftig und nicht so stürmisch vor.* Um die Ver- 



237 



handlungeti, die sich sehr in die Länge zu zielten droh- 
tm, abzukürzen, beantragte Lothar, tnan solle dem Abt 
Rainald zureden, dass er seine SacJie der Entscfieidung 
des Papstes, des Kaisers und aller Edeln des römischen 
Reichs anheim geben möge, ivozu sich dieser abet^ erst 
nach langetn Sträuben entschloss. Hierauf kehrten 
alle, [die ihm zugesprochen hatten] zum Kaiser 
zurück und legten durch den Bischof von Basel dem 
Kaiser und den übrigen Beisitzern der Reihe nach 
dar, was getan und gesagt worden war. Als endlich 
der Kaiser fragte, ob auch die Wiedersacher Rainalds 
sich dem Machtspruche der geistlichen und welt- 
lichen Herrschaft fügen wollten, fand er sie hiezu 
vollkommen bereit und so wurde die Versammlung 
am zweiten Tag geschlossen. Das geschah aber am 
4. und 5. Tag der 3. Woche des Monats September, 
am 2. Tag nach der Erhebung des hlg. Kreuzes. Rai- 
nald wurde schliesslich abgesetzt. 

Die Chronik des Klosters Monte Cassino von Petrus 
Diaconm 4, 109 und 12L MO. SS. 7, 822 und 836, 
— Auszug bei Trouillat 1, 267 /i« 177 und 268 n^ 178. 

1137 Juni. Der Kaiser feiert das Fest der Apostelfürsten 
in Melfi, wo der oben genannte Erzbischof Hugo 



I. 

sich zur Ader Hess, am 
vierten Tag starb und 
dort begraben wurde. 
Nur wenige Tage spä- 
ter starb auf demselben 
Zuge der Basler Bischof 
Adalbero. 

Die Jahrbücher von 
Magdeburg. MO. SS. 
16, 186. — GddV. 12. 
Jh. 12, 63. 



II. 
vom Schlage getrofifen am 
vierten Tage starb und 
dort begraben wuriie. Auf 
demselben Zuge starb der 
Basler Bischof Adalbero. 

* Die Oironik von Lau- 
terberg. MG. SS. 23, 145 



238 

*1137. In dem folgenden Jahre [auf 1136] starb der 
Basler Albero, dem Ortlieb folgte. In demselben 
Jahre starb Bertold, früher Bischof von Basel, dann 
Mönch im Kloster Lützel. 

Die Marbacher Jahrbücher. MO, SS. 17, 159, 

1137. Dort [in Arezzo] starb der Basler Bischof Adal- 
bert. 

Der säcJisische Annalist. MO. SS. 6, 775. — OddV. 
12. Jh. 5, 152, - Trouillat 1, 269 w<> 179. 

113? Oktober. Kaiser Lothar stirbt. Adalbero, Bischof 
von Basel, stirbt. 

Die Jahrbücher von St. Blasien, MO. SS, 17, 278, — 
Trouillat 1. 269 n^ 179. 

16. Oktober. Bischof Adalbero [starb]. 

Totenbuch von St. Blasien. Böhmer-, Fontes rerum 
Oermanicarum 4, 148. 

1137. In Basel wird Ortlieb Bischof. 

Die Jahrbücher von Münster im Ore^oriental. 2. 
Tl. MO. SS 3, 154. — Trouillat 1, 269 w« 179. 

1140. Nachdem er [Gottfried, Abt von Epternach seit 
1123] durch eine 17jährige bewährte Tätigkeit bei 
uns bekannt geworden war, wurde er nach dem Ab- 
leben Alberos, des Achtes von Prüm und zugleich 
Bischofs von Basel, von König Konrad . . . auf den 
einmütigen Wunsch der Brüder und Gläubigen hin 
auch zum Leiter der Kirche von Prüm erwählt. 
Denkmäler von Epternach. MO. SS. 23, 34. 

1141 August 2. Im Jahre des Herrn 1141 am 2. August 
starb Herr Berthold der Abt [von St. Blasien], der 



239 

den Besitz des Klosters mit seinen Gütern vermehrt 
und die Leitung dieser Abtei in einer gefahrlichen 
Zeit übernommen hat. Er hat den Streit und Zwiespalt 
zwischen diesem Kloster und den Baslern, den er noch 
von seinen Vorgängern überkommen hatte, geschlich- 
tet und durch seine Klugheit und Vorsorge den Frie- 
den hergestellt. 

Eintrag a. d. 15. Jlu im Totenbfich von St. Blasien. 
Mone, Qiiellensammlung der badischen Landesgeschichte 
3, 599. 

1 145. Er [Ämedeus] besass auch ein Privileg des Herrn, 
des Papstes Eugen, mit dem er bestätigte, was zur 
Zeit seines Vorgängers Burchard der Kirche von 
Lausanne von Kaiser Heinrich geschenkt und zu 
seiner Zeit von Konrad, dem erlauchten Könige der 
Römer, mit der Kraft seines Erlasses bestätigt worden 
war. 

Die Taten der Bischöfe von Lausanne von Kimo von 
Estavayer. MO. SS. 24, 801. 

1146 Dezember. Am Freitag wurde zu Basel nach der 
Predigt und Austeilung des Kreuzes eine stumme 
Frau vor den Mann Gottes [Bernhard von Clair- 
vaux] gebracht. Kaum hatte er ihre Zunge berührt, 
als sogleich das Band ihrer Zunge gelöst ward und 
sie richtig sprechen konnte. Ich habe sie selbst ge- 
sehen und mit ihr gesprochen. Allein wer von euch 
hat den Lahmen gesehen, der vorher seinen Gang 
wiedergewonnen hatte und wegen des das Volk in 
solchen Beifall ausbrach? Otto: „Alle haben ihn 
gesehen.** Eberhard: „Ich und die Ritter meines 
Herrn haben am nemlichen Tage, d. i. am Freitag 
einen Knaben gesehen, den die Mutter blind in die 



240 

Herberge des heiligen Mannes hingeführt hatte und 
sehend von dort zurückführte.** Gerhard: ^Viel ist 
gerade an diesem Tage geschehen, das wir wegen 
der allgemeinen Bewegung nicht erfahren konnten. 
Denn ich habe selbst einen sagen hören, dass er an 
diesem Tage Blinde berührt hätte, die, wie er glaube^ 
ganz sehend geworden seien oder sehr bald sehend 
würden. Und ebenso erhielt in der Nähe von Basel 
ein schwerhöriger Mann sein deutliches Gehör wieder. 
Am Donnerstag vor Tagesanbruch gingen wir von 
Basel fort und eilten nach Ruflfach.*' 

Geschichte der auf der deutschen Reise vollh^achien 
Wunder (6 Buch der LebensbeschreibunQ des heiligen 
Bernhard). MO. SS. 26, 123 und 126. 

1146. Auch in der Stadt Basel wurde, als er [Bernhard 
von Clairvaux] nach gewohnter Weise zum Volke 
predigte, damit an ihm sich erfüllte, was man von 
den Aposteln liest — sie zogen aus und predigten 
überall mit Gottes Hilte und zur Bestätigung ihrer 
Predigten geschahen Wunder — eine stumme Frau 
ihm gebracht und auf sein Gebet hin redete sie, ein 
Lahmer wurde ihm gebracht und er ging, ein Blinder 
wurde ihm gebracht und er sah. 

Als er einmal aus der Stadt Basel hinausgieng, 
hatte er über einen Tauben im Vorbeigehen das 
Kreuz gemacht, Nachdem er ein wenig gegangen 
war, riet er den Alexander von Köln und sprach: 
„Kehre um und untersuche, ob der Mensch hört.* 
Dieser kehrte um und fand, dass er hörte. 

Die Lehensheschreihung des hig. Berjiliard verjasst 
von Gaufried. 4. Buch. MG. SS. 26, 114 und 116. 

1148 April 11 — 17. Aber Konrad der Fürst der Römer, 
der in seiner Begleitung von den Fürsten noch Ort- 



241 

lieb, den Basler Bischof, Arnald seinen Kanzler, 
Friedrich den Herzog der Schwaben, Heinrich den 
Herzog der Baiern, Herzog Gwelfo und andere Gra- 
fen und erlauchte und edle Männer hatte, landet 
gerade in der Osterwoche zu Ptolemais und wird, 
als er wenige Tage später nach Jerusalem kommt, 
unter lautem Jubel dos Klerus und Volkes mit ausser- 
ordentlicher Ehrenbezeugung empfangen. 

Die Taten Friedriclis von Bischof Otto wn Freising 
l 58. MG, SS. 20, 385. - GddV. 12. Jh. 9\ 106, 
— Troiüllat 1, 302 w« 198. 

1147. Aber Konrad der Fürst der Römer, der in seiner 
Begleitung von den Fürsten noch Ortlieb den Basler, 
Otto den Freisinger, Heinrich den Regensburger, 
Reginbert den Passauer Bischof, Arnald seinen Kanz- 
ler, Friedrich den Herzog der Baiern seinen leiblichen 
Bruder und Gwelfo den Bruder des früheren Hein- 
rich und andere Grafen und erlauchte und edle 
Männer hatte, durchzog auf ungemein mühsamen 
Wegen Pannonien und Bulgarien und nach Ueber- 
schreitung der Donau das ausgedehnte obere und 
untere Thracien, bis endlich das christliche Heer in 
mühsamer Schiffahrt das Meer bedeckte und jeder, 
wie und wann er konnte, an verschiedenen Punkten 

die Küste erreichte Gerade in der Osterwoche 

aber landet er zu Ptolemais und wurde, als er wenige 
Tage später nach Jerusalem kommt, unter lautem 
Jubel des Klerus und Volkes mit ausserordentlicher 
Ehrenbezeugung empfangen. 

Alts Veit Arenpecks Oironik der Baiern bei G. Leih- 
nitz, Scriptores rerion Brnnsvicensiam 3, 667. 

1148. Nach dem Ende auch dieser Heerfahrt aber be- 
schliessen die Fürsten nach der Heimat zurückzu- 

BeitTtgcXV. 16 



242 

kehren, der römische König durch Griechenland, der 
andere aber durch Calabrien und Apulien. Daher 
bestieg Konrad, der Fürst der Römer, die Schiflfe 
bei Ptolemais, und über das Meer segelnd traf er 
mit seinem Bruder und Freunde Manuel, dem Fürsten 
der königlichen Stadt, im Gebiet von Achaja oder 
Thessalien zusammen und rastete mit ihm yon der 
weiten Reise ermüdet und durch die Strapazen ge- 
schwächt und von nicht unbedeutendem Siechthum 
befallen einige Zeit lang. Er schickt von dort ans 
seinen Neffen Friedri<)h vm^aus. Darauf landete sein 
Oheim, der König, einige Tage nachher, die er in 
Griechenland rastend zugebracht hatte, in Begleitung 
des genannten Bischofs von Basel und des Kanzlers 
Arnald und seines Bruders Heinrich, des Herzogs 
der Baiern .... durch das illyrische und dalmatini- 
sche Meer zurücksegelnd im Gebiete seines eigenen 
Reiches bei Pola, einer Stadt Istriens, von dort reiste 
er zu Pferd über Aquileja und feierte dann in Ju- 
vavia, das jetzt Salzburg heisst, und bekanntlich 
Metropolitansitz tür Baiern ist, Pfingsten, nachdera 
er zwei Jahre zuvor dasselbe Fest im Gebiet von 
Pannonien begangen hatte. Darauf hielt er zu Re- 
geusburg inmitten einer grossen Schaar von Fürsten 
einen Reichstag. 

Die Taten Iriedriohs van Bischof Otto von Fremnff. 
1, o9, MG. SS. 20, 383. — OddV. 12. JJi. 9^ 107 f. 
— TrouiUat 1, 303 w^ 198. 

1150 Februar. Schreiben des Abtes Wibald von Stablo an 
Papst Engen III. in Betreff' der nach dem Tode rfes 
Abte^ Berthold von Marbach (1149) erJoJgten Abts- 
wähl. Sie .sei nur von eineyn Teile des Konventes wr- 
genommen auf den KeUernieister gefallen, den nuifi 



243 

auch sofort zw Bestätigung vor den König geßlhrt 
habe, der zu Weihnachten 1149 in Bamberg einen HoJ- 
tag abgehalten habe. Dieser Wahl wurde aber von an- 
derer Seite widersproclien, tveil sie auj einen des schwe- 
ren Amtes unfähigen Mann gefallen sei. An demsel- 
ben Hoftage war auch euer ehrwürdiger Sohn Ortlieb, 
Bischof von Basel, zugegen, der während der Ausein- 
Äudersetzungen der streitenden Parteien vom König 
über den Zustand des erwähnten, in seiner Diöcese 
gelegenen Klosters befragt antwortete, dass eben diese 
Brüder vielfach im Widerspruch mit den Satzungen 
und den Zwecken und der Ehre des Mönchsstandes 
lebten dadurch, dass sie keine Gelübde hätten ablegen 
wollen und getrennte Häuser und jeder sein Eigen- 
tum, aber keinen gemeinsamen Speise- noch Eßsaal 
besässen. Er fügte auch mit Berufung auf das Zeug- 
nis seines Klerus, vieler Abte und Ordensleute bei, 
dass der genannte Abt vor seinem Ableben sich 
darüber beklagt hätte, dass seine Mönche gegen ihn 
ungehorsam und geradezu aufrührerisch sich betragen 
und keine Zucht noch Besserung in irgend einer 
Beziehung hätten annehmen wollen. Auf dem Joh 
genden Hoftag in Speier (2. Febr. 1150) habe der 
König auf den Rat sowol des Bischofs von Basel als 
anderer Geistlicher dem Abte Eilulf von Einlach auch 
die Abtei Marbach übertragen. Der Papst nwge diesen 
nun bestätigen. 

Briefe Wibalds n^ 230. Ph. Jaff6. Bibliotheca rertim 
Gernianicarum 1, 348 f. 

1150 Februar. König Konrads III. Rief an Papst Eu- 
gen III. Darin heisst es: Die Angelegenheit des 
Klosters Marbach könnet ihr von den Ueberbringem 
dieses, durchaus frommen und klugeu Männern, ein- 



244 

lässlich erfahren. Sie wurde in Gegenwart und nach 
der Auffassung des Bischofs von Basel, in dessen 
Sprengel dieses Kloster liegt, ferner der Bischöfe 
von Konstanz, Bamberg, Eichstädt und Speier, sowie 
des Abtes von Korvei und vieler anderer Abte, 
geistlicher und unterrichteter Männer in langen Ver- 
handlungen sorgsam geprüft und nach Recht und 
Vernunft zum Austrag gebracht. Im Inte)'esse der 
WiederliersteUnuff der Kirchenzucht habe er die Abtei 
MciJ'bach dem Abt Eilulf von Erlach übergeben. Wir 
gelangen nun an euch mit der dringenden Bitte, dass 
diese vollzogene Tatsache durch den Segen euerer 
Heiligkeit Geltung gewinne und dass ihr nicht jenen 
falschen Mönchen und Zwischenträgern Gehör schen- 
ket, welche auch hinterbracht haben, dass der Bischof 
von Basel gar nichts in dieser Sache getan habe ; denn 
solche freche Augriffe müssen die kirchliche Ordnung 
untergraben und alle Rechtsordnung zerstören. 
Briefe Wibalds n^ 231 a. a. 0. 1, 350 f. 

1150 nach August 9. Abt Wibald von Stablo schreibt dem 
König Konrad III., dass er die ihm aufgetragene Ge- 
sandtschaft nach Rom auf seine eigenen Kosten nicht 
übernehmen könne. Da vielmehr entweder der Kanzler 
allein oder der Bischof von Konstanz oder Basel 
oder Lausanne mit ihm sich dieser Gesandtschaft 
unterziehen können, so gestattet uns mit gütiger Nach- 
sicht der Ruhe zu pflegen und uns von erlittenem 
Schaden zu erholen. 
Briefe Wibalds w« 279 a. a. 0. l 407. 

1150 Oktober. Brief König Konrads III an den Abt 
Wibald, womit er ihm die römische Gesandtschaft ab- 
7iimmt. Er schliesst mit dem Satze: Weil wir aber 



245 



einsehen, dass du durch deine schwierige Lage ver- 
bindert bist, so bleiben wir dir für deinen guten 
Willen zu Dank verpflichtet und rechnen zuversicht- 
lich auf deine stets bereite Willfährigkeit bei der 
Besorgung unserer übrigen Geschäfte, indem wir die 
Last unserer Botschaft an den Papst anderen Fürsten, 
neralich dem Bischof von Basel und dem Bischof 
von Konstanz aufladen. 
Briefe Wibalds n^ 297 a. a. 0. 1, 425. 

1151 Ende September. Brief des Königs Konrad IIL 
an Pisa. Darin heisst es: Was ihr ferner in Betreff 
einer dauernden Demütigung euerer Feinde uns durch 
unsere Gesandten, nemlich die Bischöfe von Konstanz 
und Basel und den Markgrafen von Montferrat nahe 
gelegt habet, da möget ihr wissen, dass euere Bitten 
erhört worden sind. 

MO. Legiim Sectio IV, 1, 187. — Briefe Wibalds 
n^ 344. Ph. Jaff^y Bihliotheca rerum Oetimuiicartim 
1, 477. 

1155. In dieser Zeit bestand ein Schisma, das er selbst 
[Kaiser Friedrich] gegen Papst Alexander hervor- 
gerufen hatte, es waren nemlich gegen Alexander 
Paschal und zwei andere Häretiker gewählt worden, 
die Kaiser Friedrich erhoben hat. Diesen schisma- 
tischen Päpsten hing der Strassburger Bischof Rudolf 
und der Basler Bischof Ludwig an, die ebenso wie 
alle von ihnen geweihten Priester ohne Hoffnung 
auf Begnadigung abgesetzt wurden. 
Basler Chronik de)- Päpste und Kaiser. MO. 24, 147, 

Zu 1156. Diese Provinz [Burgund] erstreckt sich aber 
fast von Basel, d. h. von der Burg, welche Mömpel- 



246 

gard heisst, bis zum Flusa Is^re, von dem Lucaa 
sagt: „die verliessen die Furt der Isara", und mit 
ihrem Herrschaftsgebiet hängt das Land zusammen^ 
welches im eigentlichen Sinne die Provinz heisst und 
sich von diesem Flusse aus bis in die Gegenden 
dehnt, wo die Rhone vom Meere aufgenommen wird 
und die Stadt Arles liegt. 
Die Taten Kaiser Friedrichs tmi Bischof Otto von Frei- 
. sing. 2, 29. MG, SS. 20, 413. — OddV. 12. Jh. 9», 186. 

1160 Ende Februar. Sendschreiben des Konzils von Paria, 
worin weitläufig atiseinandergesetzt wird, dass einzig 
Papst Viktor III. der rechtmässig gewählt sei und 
nicht Alexande?* III. Dieses Sendschreiben unterzeich- 
neten öden Hessen unterzeichnen ausser den Königen 
von Ungarn, Böhmen, Dänemark und England, deut- 
schen und itidienischen weltlichen Grossen, tmlen Abt^n 
und Pröpsten, lo 3 Erzbischöfe und Bischöfe, darunter: 
der Bischof von Basel, und der Erzbischof von Be- 
sauQon liess durch seinen Gesandten und den Bischof 
von Basel seine Zustimmung geben. 

MG. Legum Sectio IV. 1, 270. VrgL auch Rahewins 
Fortsetzung der Taten Kaiser Friedrichs von BischoJ 
Otto von Freising. 4, 70 (71). MG. SS. 20, 48^ ff. — 
GddV 12. Jli. 9^ 212. — Trouillat, 1, 335, /<<> 218, 

1162 August 18. Bischof Ortlieb starb, der vor dem hlg, 
Kreuz-Altar begraben ist. 

Basler Totenbuch. Böhmer, lontes rerum Gerpnani- 
carnm 4, 147. 

1162. Ferner starb der Basler Bischof Ortlieb, dem 
Ludwig folgte. 

Die Marba^her Jahrbücher. MG. 17, 16L — GddV. 
13. Jh. 6, 3. 



247 

1164. Nach dem Tode Ortliebs folgte Ludwig. 

Die Jahrbücher von Münster im Gref/orienUd, a^. Teil. 
MO, SS, 3, 164, — Trouillat 1, 34S u^ A>^o. 

1167. Kaiser Friedrich rüstete zu einem dritten Zuge 

in die Lombardei Während der Kaiser damals 

in der Lombardei verweilte, starben in Folge der 
verpesteten Luft viele Tausende von Menschen. So 
starb dort jener edle Herzog Friedrich von Rotenburg 
Herzog Weif, der Sohn Welfos schied aus dem 
Leben, der Bischof von Regensburg, der Bischof von 
Prag, der Bischof von Köln, der Bischof von Basel, 
der Bischof von Strassburg mit ungezählten andern 
sind dort gestorben und — es ist schrecklich dies 
zu sagen — nachdem das Eingeweide verscharrt 
worden war, wurden sie in Kesseln ausgekocht, nur 
die Gebeine in Säcke eingenäht und so in die Hei- 
mat zurückgebracht. 
Die grösseren Jahrbücher Isengrinis, MG, SS. 17 , Slo, 

1167 August. Während der Dauer dieser Belagerung 
suchte eine schreckliche Pest das Heer des Kaisers 
heim. . . Es starben zu dieser Zeit mehrere Bischöfe, 
Reinold von Köln und der Bischof von Lüttich, Her- 
mann von Verden, Daniel von Prag, auch der Bischof 
von Basel und Friedrich von Naumburg, der Sohn 
des Königs Konrad. Diese Katastrophe trat im Monat 
August ein, zu welcher Zeit die Menschen durch die 
übermässige Sonnenglut in jenen Gegenden oft kör- 
perlich herunterkommen. 

Die Jahrbi'wher von Pöhlde. MG. SS. 16, 94. — 
GddV. 12. Jh. 10, 93. 

* 1167. Under der wile, de de keiser darvore [Rom] lach, 
quam en grot sterve in sin here, dat vile Indes dod 



248 

belef. Also grot sterve ward, dat se sie nicht 

al begraven ne machten, mer harde, vile ward ere 
geworpen an den Tyber. Dar starf bischop van Colne, 
de bischop van Ludeke, bischop Herman Fardunen- 
sis, bischop Daniel van Präge, de bischop van Basele, 
Vrederic van Nuenburch, koning Conrades sone. Dit 
gescha in dem ouste, alse de lüde van deme lande 
van der heten sannen allermeist sek werdent. 

Slwhsische Weltchronik. Kap, 318. MO. deutschp 
Chroniken 2;2ä7. 

1176 Oktober/November. Der Vertrag von Anagni. In 
dem Präliminarverlrag helsst es: 

In Betreff der Bischöfe von Strassburg und Basel 
aber, die von Guido von Cremona geweiht worden 
sind, wird die Sache von den vorgenannten Vermitt- 
lern in demselben Reiche [Deutschland] 8 bis 10 von 
ihnen selbst gewählten Bischöfen anheim gegeben, 
die unter einem Eide die Zusicherung geben werden, 
dass sie dem römischen Papste und dem Herrn, dem 
Kaiser, in Betreff jener nur eine solche Massregel 
vorschlagen werden, die sie sich nach den kirchlichen 
Satzungen geben zu können glauben imd ohne Gefahr 
natürlich für die Seele des Herrn, des Kaisers, und des 
Herrn, des Papstes, und ihre eigene, und der Herr, 
der Papst, wird ihrer Massregel sich anbequemen. 

MG. Lejjum Sectio IV. 1, 352. — Troiiillat 1, 359 
>«« ^36. 

1177 März 25. Als im Jahre des Herrn 1177 viele von 
den Fürsten und Grossen aus Deutschland, Frank- 
reich, England und Spanien und Ungarn, sowol von 
den geistlichen wie von den weltlichen, nach Venedig 
gekommen waren, die den Kirchenfrieden zwischen 



249 

dem Herrn, dem Papst uad dem Kaiser, wünschten, 
kamen am 7. Tag des ausgehenden Monates März 
. . . der Papst . . . Ludwig, Bischof von Basel, mit 
ein6m Abt mit dreissig Leuten. 

Geschichte der Dogen von Venedig. Kap. V2. MG. 
SS. 14, 55. 

1177 Juli September. Der Friede von Venedig. Im 
Entwürfe desselben kehrt die im Präliminar rertrag von 
Anagni (s. o.) angeführte Bestimmung in Betreff der 
Bisehöfe von Strasshurg und Basel wörtlich wieder. 

MG. Legum Sectio IV. , 1, S(>4. 

1179. Im Jahre des Herrn 1179 wurde unter Papst 
Alexander ein grosses Konzil abgehalten, an welchem 
ungefähr 500 Bischöfe und Äbte und andere Geist- 
liche in ungemein grosser Zahl Teil nahmen. Auf 
demselben werden der Erzbischof Berthold von Bre- 
men, die Bischöfe Rudolf von Strasshurg, Ludwig 
von Basel und Theodorich von Metz abgesetzt. 

Strassburger Jahrbücher. MG. SS. 17, 8!) und Jast 
gleichlautend die Marbacher Jahrbücher. MG. SS. 17, 
161. — GddV, 13. Jh. 6, 3. — Tromllat 1, 377 n"" ^4^, 

1179. In demselben Jahre wurde in Rom unter Papst 
Alexander um die Mitte der Fastenzeit ein Konzil 
abgehalten mit fast allen Bischöfen Italiens und 
Deutschlands und ganz Frankreichs. Auf diesem 
Konzil wurden der Strassburger und Basler [Bischof] 
abgesetzt, weil sie von einem schismatischen Papste 
die Weihe empfangen hatten. 

Kloster neuburger Jahrbücher. Dritte Fortsetzung. 
MG. SS. 9, 63:^. - Tronillat 2, äO n^ 14. 



250 

1180. In düsaem jare storven vele bischopp. Daru fiter 
bischopp Fredericus to Basel. 

Chronik des Konrad Bote. G. Leihnltz, SS. rentm^ 
Bruusvicensium 3, 350. 

1182 Mai 15. Pfingstfest. Bischof Hugo von Hasenburg 
starb und wurde vor der Glöcknerstube begraben. 
An seinem Jahrestag werden 6 Schillinge gegeben 
von dem Hause genannt zur Rotenfluh innerhalb des 
Aeschentors, anstossend an die Hofstatt der Herren 
von Beinwil, das, wie aus dem darüber gefertigten 
Briefe erhellt, unserer Kirche als Eigentum gehört. 

Jhsler Totenbuch. Böhmer, Fontes rerum Gemüt ui- 
Gcirum 4, 146. — TrouiUat 2, 19 n^ 13. 

1183. Die Provinzen und Städte Galliens. Nunmehr 
wollen wir die einzelnen Städte der Gallier aufzählen, 
wobei wir nach dem Vorgang der römischen Kirche 
Gallien in Francien, ßurgund und Gascogne zei-fallen 

lassen Burgund hat sechs Metropolitanstädte. 

Der von Besanyou hat folgende Suffragane: den von 
Basel, den von Lausanne, den von Belley. 

Gnvasiiis von Tilbury. Kamrlkhe Mussestnnd^u. 
MG. SS 27, 375, 

1183 März/Mai. Der Vertrag von Piacenza zwischen Fried- 
rieh I. und den Lombarden. § 36 des Präliminarfrie- 
dens: Das sind die Namen der Fürsten und Ritter, 
die schwören müssen: Unter den 36 namentlich auf- 
gezählten geistlichen und weltlichen Grossen: der Bi- 
schof von Basel. 

MG. Leg um Sectio IV, 1, 403. 

1184 Januar. Vor einer aus mehreren geistlichen und 
weltlichen Grossen bestehenden und vom Bischof rou 



251 

Strassburg geleiteten Versammbutg ßihrt Bischof Roger 
fon Lnusanne in Gegenwart des Kaisers darüber Klage, 
dass dieser das Rechte den Bischöfen von Lausanne die 
Regalien zu verleihen, ohne vorherige Anfrage hei dem 
damaligen Bischof, dem Herzoge Be)^thold II, von Zäh- 
ringen überlassen habe, und beklagt sich auch sonst 
noch über Unbilden von Seite des ilbrigens nicht an- 
wesenden Herzogs. Auf Wunsch des Kaisers erkennt 
nun zuniiehst der Bischof Heinrich von Strassburg, dass 
der Kaiser dem Bischof von Lausanne auch in Abwe- 
senheit des Hei^zogs Gerechtigkeit widerfahren lassen 
dürfe, dass aber in jenen Punkten, die den Herzog allein 
angehen, dessen imsönliche Anwesenheit erforderlich sei. 
Diesem UrtHl stimmen der Erzbischof von BeMtnron 
und die Bischöfe von Speier und Genf zu. Als aber 
der Bischof von Basel um seine Zustimmung zu die- 
sem Ausspruch gefragt wurde, erklärte er, dass der 
Herr, der Kaiser, das Recht der Regalienverleihung 
dem Herzog Berthold übertragen und der Kirche 
weder nehmen konnte noch durfte; allein er sagte 
auch, dass, nachdem der Herzog offenbar durch den 
Herrn, den Kaiser, in ihren wie immer gearteten 
Besitz gekommen sei, dies nicht rückgängig gemacht 
werden könne, wenn er nicht anwesend oder nur 
aus Trotz abwesend sei. Dieser Ansicht stimmte die 
Mehrzahl der Laien zu. 
MG. Ijegum Sectio IV, 1, SH8. 

1184 Mai. Es ist aber hinlänglich bezeugt, dass an jenem 
Hoftag [von Konstanz] 70000 Ritter gewesen sind, 
da ja schon die genannten Fürsten so viel Ritter dort 
bei sich hatten .... abgesehen von andern Fürsten,, 
wie dem Erzbischot von Trier, dem Erzbischof von 
Bremen u. s. w dem Bischof von Basel . . . 



252 

Hemiegamsche Oiron'ik des Oiselbert, Propstes von 
Mons. MG. SS. äl, 539. 

1185 Oktober 25. Im Jahre der Fleischwerdung des 
Herrn 1185 am 25. Oktober brannte die Basler Kirche 
nieder. 
Schwäbische Jahrbi'wher. MG. SS.l^ 56. 

1189 April 15. In der Osterwoche, d. i. am 15. April, 
traten die Unseren jene so heilsame Heerfahrt an 
und der Kaiser verliess Hagenau. Mit ihm zogen 
folgende von den uns bekannten Fürsten, nemlich 
sein Sohn, der Herzog von Schwaben namens Fried- 
rich, und Berthold Herzog von Meran, der Bischof 
von Würzburg, der Bischof von Lüttich, der Bischof 
von Basel, der Bischof von Toul, der Bischof von 
Regensburg, der Bischof von Münster, der Bischof 
von Passau und dessen Bruder [Bischof von] Meissen, 
der Bischof von Freising, der Markgraf von Baden, 
der Markgraf von Froburg, der Graf von Dornberg, 
Graf Berthold von Neuenburg, der Graf von Plolland, 
der Graf von Nassau und viele Bischöfe und Fürsten 
und Edle. 

Die Marbacher Jahrbücher. MG. SS. 17, 164. — 
GddV. W.Jli. 6, 12 J. 

1189 Mai 28. Ebendort [an der Grenze von Österreich 
und Ungarn] feierte er [Kaiser Friedrich] das heilige 
Pfingstfest. Es befanden sich aber in seiner Umgebung 
diese Fürsten, die Bischöfe von Lüttich, Basel, Besau- 
gon, Meissen, Toul, Würzburg, Regensburg, Passau 
und der erlauchte Herzog von Schwaben, der gleich- 
namige Sohn des Kaisers Friedrich, der Herzog von 
Meran und der Graf von Holland, ebenso aus der 



253 

Reihe der Grafen und edlen und vornehmen Männer 
eine ungeheuere Zahl. 

JahrhilcJier von Zwettel, Zweite Fortsetzung, MO. 
SS. 9, 543. 

1190 September 26 — Oktober 13. Bisehof Heinrich starb, 
der im Ereuzgang begraben ist. 

Basler Totenbuch. Böhmer, Fontes reruni Genua- 
nicarmn 4, 147, 

1190. Es starb auch Heinrich, der Bischof von Basel, 
während seiner Heimfahrt auf dem Moore und folgte 
ihm Lütold im Bistum. 

Die Marhacher Jahrbücher. MG. SS. 17, 16ö. — 
G(Ur. IS.JJi. 6, 14. 

1192 Januar. Und so wurde Albert von Löwen dem 
Herrn, dem Kaiser, als Erwählter [von Lüttich] vor- 
gestellt. Da aber Albert von Rastatt mit seiner aller- 
dings schwächeren Partei sich dem widersetzte, ver- 
langte der Herr, der Kaiser, über die zwiespältige 
Wahl ein Urteil von den Fürsten. Das Gericht ist 
nun dem Herrn Bruno, dem Erwählten von Köln, und 
Herrn Konrad, dem Erzbischot von Mainz, und Herrn 
Joha)m, dem Erzbischof von Trier, und den Bischöfen 
von Münster, Metz, Toul, Strassburg, Speier, Würz- 
burg, Bamberg, Basel und den Abten von Lorsch 
und Prüm übertragen worden. Das Urteil aber lallte 
der Bischof von Münster, dem sich dann alle andern 
anschlössen. 

HennegauLsche Clironik des Giselbert, Propstes von 
Mons, MG, SS 21, 578. 

1197. Nachdem man also den Tod des Kaisers erfahren, 
versöhnten sich der Bischof von Strassburg und der 



254 

Graf Albert von Dachsburg, welche früher Feinde 
waren, und sowol sie, wie auch der Herzog Berthold 
von Zähringen und Liitold, der Bischof von Basel, 
und viele Grafen machten eine Verschwörung gegen 
ihn [den Pfalzgrafen] und fingen an, nicht nur ihn 
selbst und die Seinigen, sondern auch die Leute des 
Kaisers anzugreifen und alles durch Brand und Plün- 
derung zu verheeren. 

Die Marhacher Jahrhikher, MO, SS. 17, 168. — 
GddV. 13. Jh. 6, 23. 

Aus dem 12. Jh.— 22. November. Der Diakon Liutfried 
von Basel [starb]. 

Kalender des Weissenlrnrger Totenbmhs. Böhmer,, Fon- 
tes re)'Hm Oermanicnrtim 4, 314. 



255 



Beilage I. 

Die geistlichen Verordnungen des 
Basler Bischofs Heito. 

SOT— 823. 

Erstlich muas vor allen Dinp^en der Glaube der 
Priester geprüft werden, was sie glauben und andere 
glauben lehren, wobei auch Beispiele dafür vorzulegen 
sind, wie und in wie weit der Schöpfer vom Geschöpf 
begriflfen werden kann. 

Zweitens rauss verlangt werden, dass das Vater- 
unser, in dem alles zum Leben Notwendige begriffen 
ist, und das Glaubenabekenntnis der Apostel, in dem 
der katholische Glaube vollständig enthalten ist, von allen 
gelernt wird sowohl lateinisch als in der Volkssprache, 
damit was mit dem Mundo bekannt wird, im Herzen 
geglaubt und begriffen werde. 

Drittens muss darauf gedrungen werden, dass zu 
liturgischen Grussformeln die entsprechenden Antworten 
gelernt werden, wobei dann nicht nur die Geistlichen 
und die Gott geweihten Frauen dem Priester antworten 
können, sondern das ganze Volk andächtig und ein- 
stimmig antworten soll. 

Viertens, dass das Glaubensbekenntnis des hlg. 
Athanasius von den Priestern gelernt und jeden Sonn- 
tag um die erste Stunde auswendig hergesagt wird. 

Fünftens dass sie wissen, was das Sakrament der 



-^^r- 



256 

Taufe und Firmung und was das Mysterium des Leibes 
und Blutes des Herrn sei, wie in diesen Mysterien die 
sichtbare Substanz gesehen und doch das Heil der Seele 
für die Ewigkeit unsichtbar dargeboten wird [welches 
nur im Qlauben allein enthalten ist], 

Sechstens was die Priester selbst notwendig 
wissen müssen, nemlich das Sakramentar, Lektionar, 
Antiphonar, das Taufbuch, den Kalender, die Bussfor- 
meln, den Psalter und die Homilien, die das ganze Jahr 
hindurch zu den Sonntagen und einzelnen Festtagen 
passen. Wenn einer es in diesen Punkten an sich fehlen 
lässt, wird er schwerlich den Namen eines Priesters 
behalten, weil die Drohung des Evangeliums sehr gefähr- 
lich ist, wo es heisst: Wenn der Blinde dem Blinden 
beisteht, fallen beide in die Grube. 

Siebentens, dass sie wissen, wann im Jahre die 
rechte Zeit zum taufen ist, nemlich am Samstag der 
heiligen Ostern, wie denn jenes dreifache Untertauchen 
bei der Taufe den dreifachen, durch die Auferstehung 
yerherrlichten Tod des Herrn vorstellen soll und des- 
halb jene heilige Wiedergeburt von dem ganzen christ- 
lichen Volke durch acht Tage gefeiert wird. Die zweite 
Taufzeit aber ist am heiligen Pfingstsamstag. In dringen- 
den Fällen jedoch muss man zu jeder Zeit bei Gefahr 
zu Hilfe kommen, denn Not kennt kein Gebot. Ferner 
dass sie [die Priester] ein Qefass für das Taufwasser 
haben, welches sonst zu nichts anderem gebraucht wer- 
den soll. 

Achtens muss verkündet werden, dass sie die 
Feiertage im Jahre kennen, nemlich jeden Sonntag von 
Morgen bis Abends wegen der Verehrung der Aufer- 
stehung des Herrn. Alle Samstag aber soll von Morgen 
bis Abend gearbeitet werden, damit sie nicht in Judaismus 
verfallen. Als Feiertage aber haben, wie oben begonnen 



257 

wurde, während des Jahres folgende Tage zu gelten: 
der Tag der Geburt des Herrn, St. Stefan, St. Johannes 
des Eyangelisten, der unschuldigen Kindlein, die Weib- 
nachtsoktay, der heiligen drei Könige, der heiligen Maria 
Reinigung, der heiligen Ostern, wie es in dem vorher- 
gehenden Abschnitt begriffen ist, die drei Bittgangstage 
[vor Himmelfahrt], die Auffahrt des Herrn, Samstag der 
heiligen Pfingsten, des heiligen Johannes des Täufers, 
der 12 Apostel, besonders aber St. Peter und Paul, die 
Europa durch ihre Predigt erleuchtet haben, der heiligen 
Maria Himmelfahrt, der Weihe des heiligen Erzengels 
Michael, der Weihe jedes Bethauses oder jedes Heiligen, 
zu dessen Ehren die betreffende Kirche gegründet ist, 
was jedoch nur den ringsum wohnenden Nachbarn mit- 
zuteilen ist, nicht überhaupt allen. Das angesagte Fasten 
aber soll, sobald es von der Pfalz oder vom Hause 
herab verkündet wurde, von allen insgemein eingehalten 
werden. Die übrigen Festtage im Jahre, wie der des 
heiligen Remedius, des heiligen Mauricius, des heiligen 
Martin, sind nicht den Feiertagen beizuzählen, doch soll 
es nicht verboten sein, wenn die Leute sie in Zucht und 
Eifer zu Gott zu begehen wünschen. 

Neuntens ist denselben Priestern zu befehlen, dass 
sie nicht fremde Weiber bei sich wohnen lassen, gemäss 
dem Nicänischen Konzil, ausser nur solche, bei denen 
der Verdacht eines schlechten Rufes nicht aufkommen 
kann. 

Zehntens, dass sie keine Wirtshäuser betreten, 
weder wenn sie daheim sind, noch wenn sie sich auf 
der Reise befinden. Wenn sie aber notwendiger Weise 
dort etwas kaufen müssen, sollen sie ihre Boten dahin 
schicken und die Sachen in ein anderes Haus bringen 
lassen und mit Dank treulich in Empfang nehmen. 

BeitrÄgc XV. 17 



258 

Elften s, dass sie weltliche Gebote nicht beachten, 
nicht als Zeugen auftreten, keine Jagdhunde, keine 
Sperber, keine Falken, keine Habichte halten, sich 
überhaupt keine Freiheit zu irgend welchem Spiel oder 
Schauspiel nehmen dürfen. Es genüge ihnen, was im 
ersten Psalm gesagt ist: ,,[sie] haben Lust zum Gresetze 
des Herrn und reden von seinem Gesetz Tag und Nacht* ; 
und was vom Apostel geboten wird: „Kein Eriegsmann 
flicht sich in Händel der Nahrung, auf dass er gefalle 
dem, der ihn angenommen hat.** 

Zwölftens, dass sie wissen, dass niemand um Geld 
geweiht werden noch durch Geschenke in die Kirche 
eindringen darf, weil wenn es geschehen ist, sowohl der 
BetrejBPende als auch der, der ihn geweiht hat, abgesetzt 
werden müssen. Denn es ist oflfenbar, dass die, die 
solches tun, das Verbrecher der Simonie auf sich laden 
und nach dem Worte des Eyangeliums „der, der nicht 
zu Tür hineingehet in den Schafstall, sondern steiget 
anderswo hinein, ein Dieb und ein Mörder ist.*' Und 
nicht bloss die, die das tun, sondern auch die, die den- 
selben zustimmen, müssen gebannt werden. 

Drei zehntens, dass keiner sich erdreiste einen, 
der eine andere Pfarrei verlassen hat, aufzunehmen, sei 
es um ihn bei sich zu behalten, sei es um ihn Messe 
lesen zu lassen ausser mit unserer Erlaubnis, noch um 
die Leitung einer Kirche oder des Volkes zu überneh- 
men ausser mit unserer vorher eingeholten Zustimmung. 
Wer das tut, wird gebannt werden. 

Vierzehntens, dass sie nicht in Zelten oder in 
ungeweihten Kirchen oder in Häusern die heilige Messe 
lesen ausser etwa bei einem Besuche solcher, die durch 
Krankheit dort zurückgehalten werden. Diejenigen, die 
das tun, mögen wissen, dass sie wegen Ungehorsam ab- 
zusetzen sind. 



259 

Fünfzehntens, dass der Zehnt, der Yon den 
Oläabigen gegeben wird, Gottes Zins zu nennen und 
daher ganz abzugeben ist. Der dritte Teil davon soll 
nach dem Kanon von Toledo den Bischofen gehören. 
Wir jedoch wollen uns dieser Erlaubnis nicht bedienen, 
sondern nur den vierten Teil davon nach dem Gebrauch 
der römischen Päpste und der Gepflogenheit der heiligen 
römischen Kirche behalten. Wer aus Streitsucht darauf 
Anspruch zu machen sich unterfängt, sei es ein Pfaffe 
oder ein Laie, wird von dem Abendmahl ausgeschlossen 
und mit einer Kirchenstrafe belegt werden. 

Sechszehntens, dass jeder darauf achtet, dass 
Frauen nicht an den Altar treten und dass nicht einmal 
die Gott geweihten sich in irgend einen Dienst am Altar 
mischen. Wenn die Altartucher gewaschen werden müs- 
sen, so sollen sie von den Priestern abgenommen und 
beim Gitter den Weibern übergeben und ebendort zurück 
genommen werden. In gleicher Weise sollen die Opfer, 
die von den Frauen dargebracht werden, von den Prie- 
stern ebendort in Empfang genommen und auf dem Altar 
niedergelegt werden. 

Siebzehntens, dass eben die Priester in Wort 
und Beispiel allen voranleuchten, dass keiner Zinsen 
nehme, weder sechsfache noch Stück für Stück,*) weil 
der, der das tut, sehr unchristlich und dem Gebote Got- 
tes zuwider handelt, nachdem es bekanntlich allen Chri- 
sten gleichmässig, ganz besonders aber den Priestern ver- 
boten ist, die allen als Muster und Beispiel dienen sollen. 

Achtzehjitens, dass keiner, der geweiht ist oder 
geweiht werden soll, von seiner Pfarrei in eine andere, 
noch auch zu den Schwellen der Aposteln des Gebetes 



^) ut nullus nsuras accipiat nee sexcupla nee speciem pro 
specie. 



260 

wegen ziehe, wobei er die Sorge für seine eigene Kirche 
ausser Acht lässt, noch auch einer Anfrage wegen in 
die [bischöfliche] Pfalz, noch auch um das Abendmal^ 
von dem er ausgeschlossen wurde, von einem andern zu 
empfangen ohne Erlaubnis und in Abwesenheit seines 
Bischofs. Wer das tut, dem wird weder ein solche» 
Abendmal noch die Weihe oder die Wanderschaft nützen. 
Und es muss allen Gläubigen verkündet werden, das» 
wer des Gebetes wegen zu den Schwellen der seligen 
Aposteln pilgern will, daheim seine Sünden beichten 
und erst so sich auf den Weg machen soll. Denn von 
seinem eigenen Bischof oder Priester soll er gebunden, 
oder gelöst werden, nicht von einem fremden. 

Neunzehntens, dass nichts anderes in der Kirche 
gelesen oder gesungen werde ausser das, was des gött- 
lichen Willens ist und der rechtgläubigen Väter Wille 
genehmigt hat. Auch sollen sie keine falschen Engel- 
namen verehren, sondern nur die, die die prophetische 
und evangelische Schrift lehrt, nemlich Michael, Gabriel^ 
Raphael. Auch sollen sie bei Urteilen über Büssende 
nicht einen verschiedenen Massstab anlegen, indem sie 
nach Belieben dem einen weniger, dem andern mehr, 
diesem anzurechnen, jenem abzuziehen beschliessen, son- 
dern es soll der Stand der Person in Betracht gezogen 
und nach dem Masse der Schuld der Grad der Strafe 
bemessen werden. 

Zwanzigstens sollen sie daran gemahnt werden, 
in Acht zu nehmen, dass was von den Gläubigen gegeben 
wird ein Loskauf von Sünden ist. Und. deshalb sollen 
die sich nicht rühmen grossen Aufwand zu treiben, son- 
dern vielmehr fürchten, was im alten Testament von den 
Priestern gesagt ist, dass sie die Missetat der Gemeine 
tragen sollen. Und darum sollen sie mit grosser Sorge 
um die bemüht sein, an deren Gaben sie Anteil haben. 



261 

weil die grosse Gefahr besteht, dass der, der nicht ein- 
mal sein eigenes Leben im Zügel zu halten weiss, den 
Richter abgibt über ein fremdes. 

Einundzwanzigstens, dass sie wissen und ver- 
stehen, worin das Verbrechen der Blutschande besteht, 
und jeder in seiner Pfarrei darauf achte, dass es nicht 
verübt und, wenn es verübt worden ist, dass es so schnell 
als möglich gesühnt werde; also dass keiner sich eine 
Frau aus der Verwandtschalt nehme bis ins fünfte Glied. 
Wenn es unwissentlich geschehen sein soll, soll das 
nicht leichthin geglaubt, sondern durch ein Gottes-Gericht 
untersucht werden. Und beim vierten Grade sollen sie 
nicht geschieden werden, sondern während der ganzen 
Zeit ihrer Verbindung in der Busse verbleiben. Ebenso 
darf auch ein Mann sich nicht mit zwei unter einander 
in gleicher Weise verwandten Frauen oder eine Frau 
sich nicht mit zwei untereinander in derselben Art ver- 
wandten Männern oder der Täufling oder der Firmliug 
oder eine Gott geweihte Frauensperson oder die Frau 
bei Lebzeiten ihres Gatten oder der Gatte bei Lebzeiten 
der Frau — alle solche Personen dürfen unter keiner 
Bedingung sich ehelich verbinden. Beim ersten und 
zweiten Grad sollen sie wissen, dass sie, wenn sie des 
Verbrechens der Hurerei überwiesen sind, das Recht 
einer zweiten ehelichen Verbindung vollständig einge- 
büsst haben; beim dritten Grad aber soll ihnen, wenn 
sie erwiesener Massen sich mit diesem Verbrechen be- 
fleckt haben, die gebührende Strafe auf dem Fusse fol- 
gen; jedoch sollen ihnen die ehelichen Rechte zwar 
unter einander, aber nicht gegen andere Personen abge- 
schlagen werden.») Wenn aber Hörige nicht einer, sondern 

A) Es itt %mtr1ä9»Jich, dieten ganz unv^rsfändUchen Satz auch 
in seiner tn-npi-ünglichen itvd vermutlich schlecht überlieferten Form 



262 

verschiedener Herrschaftea heiraten, so soll ohne Zustim- 
mung der beiderseitigen Herren diese Yerbindung nicht 
giltig sein. Was aber aus IS'achlässigkoit die Zustimmung 
erhält, das kann durch keine mögliche Gewalt abgeän- 
dert werden; denn der ist der Urheber einer solchen 
Heirat, der das ausser Acht lässt und seine Zustimmung 
gibt. Es liesse sich noch mehr über das Verbrechen 
der Blutschande sagen, wie an der Mutter und der 
Tochter und der Stiefmutter und in unzähligen andern 
Fällen, die dem Schreiber nicht gerade in den Sinn 
kommen ; solchen und ihnen ähnlichen Personen ist eine 
Heirat für alle Zeiten verboten. 

Zweiundzwanzigstens sind sie daran zu mah* 
nen, dass sie den Leuten anzugeben wissen, was Werke 
der Barmherzigkeit mit ihren Früchten sind, wie sie die 
evangelische und apostolische Schrift begreift und durch 
die man zum Leben durchdringt, und was die Werke 
der Ungerechtigkeit mit ihren vielfaltigen Früchten sind, 
durch die man auf fiusterm Pfade dem ewigen Verderbea 
zueilt. Ferner dass sie das Verbrechen des Meineids 
um jeden Preis vermeiden sollen, weil das Verbrechen 
des Meineids nicht nur am Evangelium und den Reli* 
quien der Heiligen, sondern auch an der Wahrheit, die 
Gott ist, offenbar durch eine Lüge begangen wird. 

Dreiundzwanzigstens sind sie daran zu mah* 
nen, eingedenk zu sein, dass sie in den Kirchen, denen 
sie vorstehen, ihr Gelübde getan haben, und daher mit 
aller Fürsorge, mit der sie sie schmücken und ibnea 



hieher zu tefzen: In primo vero genu völ secundo, ei inveoti fue- 
rint scelus fornicationis perpetrasse, matrimonii iura alterias sciant 
se fundituB perdidigse: in tertio vero genu, si inventi fuerint tali 
crimine pollutoB esse, . digna penitentia eos subsequatur, et tarnen 
matrimonii iura eis non yicissim, sed ad alios non negentur. 



263 

unentwegt dienen, die Fürsorge ihres ganzen Lebens an 
sie wenden sollen.*) 

Yierundzwanzigstens, dass sie die Gebetstuu- 
den bei Tag und Nacht nicht versäumen, weil so wie 
die römische Kirche singt, es alle, die auf der gleichen 
Bahn sich zu bewegen willens sind, tun müssen. Und 
nicht bloss die Bücher des neuen Testamentes sind Zeug- 
nisse für die Befolgung dieser Regel, sondern auch der 
Inhalt des alten Testamentes spricht hiefür, wie denn 
der Prophet vom heiligen Geiste geleitet sagt: „Sieben- 
mal des Tags habe ich dir Lob gesagt und zu Mitter- 
nacht stand ich auf dich zu bekennen.*^ 

Fünfundzwanzigstens, dass sie den Leuten 
verkünden, dass sie sowol Glaubenszeugen und -Bürgen 
sind für die Söhne und Töchter, die sie geistig in der 
Taufe empfangen, als auch für diese dem Teufel, dem sie 
vorher Untertan waren, absagen müssen und sie deshalb 
so lange, bis sie erwachsen sein und ihnen das Gelübde 
des Glaubens und die Absage deutlich gemacht und 
erneuert haben werden, in ihrer Obhut behalten, und 
dass jene, die für sie das Gelöbnis getan haben, von 
ihnen dasselbe ganz ebenso wieder verlangen werden. 

MG, Legiim Sectio II, Caintularidy 1, 30^, — Troidl- 
lat 1, 96 «« 50, 



A) Vigesimo tertio admonendi sunt, ut sciant, quia in aocle- 
siis, quibus praBsunt, sponsi facti sunt, et ideo omni vigilantia, 
qualiter eas decorent et eis incessanter deserviant, totius vit(e suae 
vigilantiam impendcnt. 



264 

Beilage II. 

Heitos Vision des Wetti- 

Vorwort zur Vision des Wetti. 

la der alemannischen oder schwäbischen Provinz 
lebte in dem Kloster der hlg. Jungfrau, das Reichenau 
heisst, ein Bruder namens Wetti, ein naher Verwandter 
des Waldo, der zur Zeit des Kaisers Karl selig. An- 
denkens eben dieses Kloster mit Ruhm geleitet hat. In 
der Unterweisung zu einem geistlichen Lebenswandel 
war er zwar unermüdlich tätig, hielt sich jedoch, wie 
schliesslich zu Tage trat, nicht gar strenge an die mön- 
chischen Regeln, sondern voll Lerneifer trachtete er 
mehr als alle andern, die damals in seiner Umgebung 
sich befanden, nach der Erkenntnis der geistlichen und 
weltlichen Lehren. Seine Vision aber, welche unten 
folgt, hat der ehrwürdige Mann Heito, der frühere Bi- 
schof von Basel, ein Mönch dieser Stätte, ganz wahr- 
heitsgetreu aufgeschrieben. Diese Erscheinung gieng im 
elften Jahre [der Regierung] des Kaisers Ludwig, u. z. 
im Jahre 824 seit der Menschwerdung des Herrn, im 
Monat November u. z. am 3. Tage desselben an einem 
Mittwoch vor sich. Am 30. Tag des Oktobers nemlich, 
au einem Samstag, erkrankte er, in der Nacht des Mitt- 
woch sah er die Vision und am Donnerstag d. i. am 
4. November in der Abenddämmerung trat er den Weg 
zum Herrn an. 

Die Abschnitte dieser Vision. 

1. Wie er zu kränkeln anfing. 

2. Die erste Vision, in der er die Angst vor den 
bösen Geistern fühlte, die durch den Zuspruch der hlg. 
Männer verscheucht wurde. 



265 

3. Die Ankunft des purpurfarbigen Engels und 
seine freundliche Anrede. 

4. Mit welchem Eifer er, nachdem er die Brüder 
zu sich gerufen, zu Gebet und Lektüre seine Zuflucht 
nahm. 

5. Wie dann der Engel in Weiss ihm erschien und 
seinen Eifer belobte. 

6. Wie er von dem Engel auf die Höhen geführt 
den Feuerstrom und die Strafen verschiedener Personen 
sah. 

7. Der jammervolle Aufenthalt der Priester. 

8. Einige Priester im Fegefeuer. 

9. Der wegen Geldgeschäfte in eine bleierne Kiste 
eingeschlossene Mönch. 

10. Abt Waldo, der sich im Fegefeuer abmüht. 

11. Kaiser Karl. 

12. Die Geschenke der Grafen. 

13. Das elende Leben der Grafen. 

14. Verklärung und Strafe vieler. 

15. Die Erscheinung des Trones und der Herrlich- 
keit des Herrn. 

16. Worin ihm vom Engel sein Tod am folgenden 
Tage verkündet wird und die Priester für ihn beten. 

17. Die Vermittlung der Märtyrer. 

18. Die Bitte der Jungfrauen um ein langes Leben. 

19. Die Rede des Engels über das Laster der So- 
domie und die Kebsweiber. 

20. Die Ermahnung des Engels wegen seiner eige- 
nen Besserung und seinem Amte. 

21. Was in den Mönchsklöstern der Besserung be- 
dürftig ist. 

22. Welche Misbräuche in den Frauenklöstern herr- 
schen. 



266 

23. Worin die apostolische Anordnung beobachtet 
werden soll. 

24. Das schändlichste Laster. 

25. Warum die Pest wütet. 

26. Die Besorgung der Kirchenämter. 

27. Der Graf Gerold. 

28. Wie er vor den versammelten Brüdern seine 
Gesichte aufzeichnen Hess. 

29. Wie er vor dem hinzugekommenen Abte alles 
wiederholte. 

30. Was er zwei Tage lang getan hat. 

31. Wie er nach den üblichen Gebeten selig im 
Herrn entschlafen ist. 

Es beginnt die Vision selbst, die unser 

Bruder Wetti am Tage vor seinem Hingang 

schaute. 

1. Als der genannte Bruder mit einigen uuserer 
Brüder am Samstag zur Erhaltung seiner Gesundheit 
einen Trunk zu sich genommen hatte, musste er, wäh- 
rend die übrigen ihn gesund verdauten, ihn plötzlich 
mit grosser Anstrengung unverdaut von sich geben und 
es stellten sich nach dem Genuss von Speise, die er 
zur Stärkung des Körpers zu sich genommen hatte, 
Uebelkeit ein. Am folgenden Morgen, also am Sonntag, 
fühlte er sich zwar wohler und speiste mit den aadem, 
die ihm bei dieser notwendigen körperlichen Verrichtung 
Gesellschaft leisteten, jedoch die erwähnte Uebelkeit 
dauerte noch an. Indessen glaubte er nicht im Mindesten, 
dass deshalb sein Leben gefährdet sei, weil die Mahl- 
zeiten am Montag und Dienstag mit abnehmender Uebel* 
keit dem ganz Ahnungslosen die HofFnung auf dieses 
Leben wieder belebt hatten. 



267 

2. Ais er aber am dritten Tage mit Einbrach der 
Abenddämmerung mit den Brüdern beim Essen sass^ 
sagte er, er könne hier das Ende der Mahlzeit nicht 
ab*^arten. Sondern während sie noch speisten, Hess er 
sich in einer andern Zelle, die an jene anstiess und nur 
durch eine Zwischenwand von ihr getrennt war, sein 
Lager bereiten, um dort ruhend das Ende ihrer Mahl« 
zeit abzuwarten und dann in sein eigenes Bett sich 
zurückzubegeben. 

Als er sich nun auf dem Lager ausgestreckt und 
die Augen zwar geschlossen hatte, aber noch keines- 
wegs, wie er selbst gestand, in Schlaf gesunken war,, 
kam der böse Geist in Gestalt eines Geistlichen von 
solcher Hässlichkeit, dass in dem dunkeln und finstern 
Gesichte nicht einmal die Augen sichtbar waren, mit 
verschiedenen Marterwerkzeugen in den Händen und 
stellte sich ihm recht Glück wünschend zu Häupten, 
wie wenn er ihn am folgenden Tage hätte foltern 
wollen. Während er noch mit solchen Schrecknissen 
drohte, erschien plötzlich eine ganze Schaar böser Geistor 
mit kleinen Schilden und Lanzen, die nach allen Seiten 
sich verbreitend die ganze Zelle füllte und sich daran 
machte einen Bau nach Art der italienischen Waffen- 
schränke aufzuführen, um ihn darin einzuschliessen. Der 
Bruder wurde von solchem Schauer und einem so gräss- 
lichen Schrecken ergriffen und derart in Angst gesetzt,. 
dass er schon keine Hoffnung mehr hatte diesen Vor- 
boten seines Todes zu entrinnen. Da plötzlich zeigte sich 
Gottes Barmherzigkeit. Denn mit einemmal erschienen 
in derselben Zelle stattliche Männer von ehrwürdigem 
Äussern in Mönchsgewändern auf Schemeln sitzend. Einer 
von ihnen, der in der Mitte sass, redete ihn, wie er selbst 
versicherte, mit folgenden Worten lateinisch an: „Es 
ist unrecht, diese Unholde derartiges machen zu lassen,. 



268 

denn der Mensch hält das nicht aus. Heisset sie gehen.^ 
Nach dieser Anrede wich und verschwand die Schaar 
der bösen Geister. 

3. Ein Engel in wunderbarer Schönheit strahlend 
und eingehüllt in ein purpurnes Gewand trat nun zu 
Füssen dessen, der von dem ungeheueren Schrecken 
befreit war und redete ihn mit sanfter Stimme an. ^Zii 
dir*, sagte er, „komme ich, geliebteste Seele*, worauf 
ihm der Bruder lateinisch antwortete: „Wenn mein Herr 
mir meine Sünden vergeben will, so übt er Barmherzig- 
keit; wenn aber nicht, so sind wir in seiner Hand; er 
tue, was ihm gefällt. Denn Patriarchen, Propheten und 
Apostel und jeder himmlische und irdische Würden- 
träger mühen sich ab für das Menschengeschlecht und 
ihr müsset euch noch mehr abmühen, weil wir jetzt 
schwächer geworden sind*. Mit dieser Wechselrede 
zwischen dem Engel und dem genannten Bruder endete 
die erste Vision, die wir nach seinem Bericht mit den- 
selben Worten niedergeschrieben haben ohne etwas zu 
kürzen oder von uns aus, die wir das aufgezeichnet 
haben, etwas hinzuzufügen. 

4. Wieder zu sich kommend setzte sich der Bruder 
auf und blickte umher, ob jemand bei ihm wäre, und 
sah zwei, den Propst seinea Klosters und einen andern 
Bruder, die zu seiner Beruhigung dageblieben waren, 
während die andern nach dem Essen sich schon zur 
Buhe begeben hatten. Er Hess sie nun wieder zusammen- 
rufen und erzählte ihnen alles der Beihe nach, was ihm 
in der kurzen Zeit begegnet war, so wie es in dieser 
Schrift enthalten ist, noch derart von dem Schrecken 
der geschilderten Vision zitternd, dass er alle seine 
grossen körperlichen Schmerzen vergass und nur von 
dem Druck einer unerträglichen Bangigkeit gequält 
wurde. Und unter der ungeheueren Last dieser Bangig- 



26» 

keit warf er sich angstvoll vor den Brüdern auf den 
Boden und indem er die Glieder in Ereuzesform aus- 
streckte, bat er sie inständig, dass sie mit aller Inbnmst,. 
deren sie iähig wären, für seine Sunden ihre Fürbitte 
einlegten. Während er so ausgestreckt dalag, begannen 
die Brüder für ihn sowol den siebenten Busspsalm als 
auch die übrigen, die zu dieser Bedrängnis passten und 
die ihnen gerade einfielen, abzusingen. Als der Gesang 
zu Ende war, erhob er sich wieder, setzte sich auf sein 
Bett und vorlangte, dass man den Dialog des heiligen 
Gregor vorlese. Es wurde ihm nun der Anfang des 
letzten Buches dieses Dialogs bis zum 9. oder 10. Blatt 
vorgelesen und er horte zu. Nach Beendigung der Lek- 
tion drang er in die Brüder, dass sie sich von der Er- 
müdung, die in Folge des Wachens bei ihm über sie 
gekommen sein müsste, durch Ruhe erholten und sich 
für die kurze Spanne Zeit, die von der Nacht übrig sei,, 
noch ein wenig stärkenden Schlaf gönnten. 

5. Als sie sich nun zurückgezogen und in einem 
andern Teile derselben Zelle zur Ruhe niedergelegt hat- 
ten, auch er selbst nach einer solchen geistigen und 
körperlichen Ermattung aufs JLusserste erschöpft war,. 
kam derselbe Engel, der ihm in der ersten Vision zu 
Füssen stehend purpurfarben erschienen war, in weisse 
Gewänder gehüllt und stellte sich ihm in fabelhaftem 
Glänze erstrahlend zu Häupten; er redete ihn mit 
schmeichelnden Worten an und lobte ihn, dass er in 
seiner Not sowol durch Psalmsingen als Lektüre seine 
Zuflucht zum Herrn genommen habe, mit der Auffor- 
derung künftig unverweilt ähnlich zu handeln. Unter 
andern empfahl er ihm auch den 118. Psalm oft zu 
wiederholen, weil in ihm der seelische Mut geschildert 
wird und [sagte ihm], dass er sehr erfreut sei, wenn er 
jemand so eifrig mit Lektüre und wiederholtem Psalm- 



'^ r- 



270 

singen beschäftigt sähe, und dass Gott damit zu Ter- 
söhnen sei, wenn diese Uebungen aufrichtig und nicht 
heuchlerisch abgehalten werden. 

6. Nach diesen Worten ergriff ihn der Engel und 
führte ihn auf den leuchtenden Weg der grössten Wonne. 
Während sie darauf weitergingen, zeigte er Berge vou 
ungeheuerer Grösse und unerhörter Schönheit, die aus- 
sahen, als ob sie von Marmor wären. Ein mächtiger 
Feuerstrom umäoss sie, in dem eine unzählbare Menge 
Terdammter zur Sühne eingeschlossen gehalten wurde«» 
von denen er viele erkannt zu haben versicherte. Und 
an anderen Stätten gewahrte er solche, die mit zahl- 
reichen Peinigungsmitteln verschiedener Art gemartert 
wurden. Darunter bemerkte er sehr viele Priester 
sowol niedereren wie höheren Grades im Feuer stehend, 
mit dem Rücken an einen Pfahl gelehnt und mit Riemen 
fest gebunden und ebenso die von ihnen verführten 
Frauen ihnen gegenüber ähnlich gefesselt und in das- 
selbe Feuer bis an die Hüften versenkt. Und es wurde 
ihm von dem Engel gesagt, dass sie ohne Unterlass an 
jedem dritten Tag mit einem Tag Pause dazwischen 
stets an ihren Geschlechtsteilen mit Ruten gestrichen 
würden. Mehrere von ihnen behauptete er erkannt zu 
haben. 

7. „Der grösste Teil der Priester,*' sagte der Engel, 
„halten wegen ihrer Gier nach weltlichem Gewinn und 
ihrem Dienst bei Hofe, ihrem Luxus in Kleidung und 
Essen Frömmigkeit für eine Last. Sie wachen nicht 
über ihr gewinnsüchtiges Herz und geraten, nur nach 
Vergnügungen haschend, in Hurerei und daher kommt 
es, dasH sie weder für sich noch andere mehr Mittler 
sein können. Denn dieser unter Seuchen und Hungers- 
not leidenden Welt hätten sie mit ihrem Gebet helfen 
können, wenn sie den Gewinn Gott mit ganzer Kraft 



271 

hätten überlassen wollen. Und so empfangen sie am 
Ende diesen Lohn, weil sie jedes Verdienst sich entschla- 
gend solche Dinge geschehen liessen.*^ 

8. Dort sah er auch, wie er erzählte, eine Art 
Burg aus Holz und Stein sehr unregelmässig aufgeführt, 
schmutzig von Russ, aus der Rauch in die Höhe qualmte. 
Auf seine Frage was das wäre, wurde ihm von dem 
Engel geantwortet, es sei das die Wohnung einiger 
Mönche gewesen, die man hier aus verschiedenen Orten 
und Landschaften zu ihrer Läuterung zusammengesperrt 
habe. 

9. Einen aus der Zahl nannte er mit Namen, der, 
wie er sagte, dort in einer bleiernen Eiste eingeschlos- 
sen den Tag des grossen Berichts erwarten müsse wegen 
eines Geldgeschäftes, wie es schon früher mit Anania 
und Saphira zur Verderbnis der Reinheit des gewöhn- 
lichen Lebens vorgefallen war. 

Von diesem in der Verdammnis eingesargten Bruder 
war einem Fremden, der am Ende seines Lebens durch 
einen Exccss weggerafft worden war, schon vor einem 
Jahrzehnt ein Gesicht erschienen, wie damals allgemein 
das Gerücht ging, was schon lange der Vergessenheit 
anheim gefallen war, bis es nun durch diesen Bruder, 
der davon nicht das Geringste wusste, und durch eine 
ähnliche Vision wieder in Erinnerung gebracht wurde. 
Aus dieser zweimaligen Wiederholung einer und der- 
selben Sache erhellt, dass das, was schlechte Triebe 
hervorbringt, öfters beschnitten werden muss, damit nicht 
die Geldgeschäfte derer, die sich Priester nennen, dort 
sich ihnen in eine bleierne Last verwandlen. 

10. Ebendort wurde ihm auch ein hoher Berg ge- 
zeigt. Und der Engel sagte ihm, dass ein vor einem 
Jahrzehnt verstorbener Abt auf dessen Spitze verwiesen 
worden sei zu seiner Läuterung, nicht zu seiner ewigen 



272 

Verdammnis, wo er nun alle Unbilden des Wetters und 
alle Unannehmlichkeiten von Regen und Wind aushal- 
ten müsse. Der Engel fügte auch hinzu, dass ein ge- 
wisser Bischof, der kürzlich gestorben sei, diesem Abte 
zur Erlangung der Gnade mit seinem trostreichen Gebete 
hätte helfen sollen, wie er es ihm durch einen seiner 
Kleriker, dem er in einer Vision erschien, hatte auftragen 
lassen. Der erwähnte Bischof aber habe das sehr nach- 
lässig gethan und nicht jenes reine Feuer der Teilnahme 
genährt, um ihm mit vollem Eifer beizustehen. »Und 
deshalb'', sagte er, „wird man auch ihm nicht zu Hilfe 
kommen.* „Und wo ist er**? fragte jener. „Dort**, sagte 
er, „auf der andern Seite des Berges büsst er die Strafen 
seiner Verdammnis ab.** Ueber die Vision aber, die wir 
eben kurz erwähnten, haben wir von dem, dem das 
Traumbild vor drei Jahren erschienen war, folgendes 
gehört. „Ich kam**, sprach er, „in einen Raum ringsum 
ohne Wände, in dem derselbe Abt mit blutigen Beinen 
sass und er rief mir zu: „Gehe**, sprach er, „zum Bischof 
und sage ihm, dass diese jetzt mir und einem andern 
Genossen angewiesene Behausung deshalb so wieder- 
wärtig ist, weil, als zwei Grafen sich dort badeten, ein 
unerträglicher Gestank aufstieg, der sie für uns fast unbe- 
wohnbar machte. Und darum möge er mit Eiter von 
überall her die Mittel sammeln, damit man das, was jetzt 
ganz offen ist, verbauen kann. Falls er aber selbst die 
Mittel zu dieser Verbauung nicht hätte, so möge er eine 
Botschaft in die ihm unterworfenen Klöster schicken und 
dort werden ihm in dankbarer Anerkennung seiner 
Mithilfe alle für die Abschliessung nötigen Dinge ge- 
liefert werden." Als der Bischof dies hörte, sagte er: 
„Traumphantasien verdienen keine Beachtung.** Aber 
ganz dieselben Ermahnungen sprach in dieser Vision 
der Engel wieder aus, weil der Bischof, auch von den 



273 

Toten angegangen, die Tröstung seines Gebetes nicht 
geboten hatte. Der Bruder aber, der diese Kunde sozu- 
sagen von der Unterwelt auf die Oberwelt brachte, hatte 
vorher nichts davon gewusst. 

11. Dort sah er auch, wie er sagte, einen Fürsten 
stehen, der einst die Herrschaft über Italien und das 
römische Volk geführt hatte, dessen Schamteile von den 
Bissen eines Tieres zerfleischt wurden, während der 
übrige Körper von jeder Verletzung verschont blieb. 
Er war aufs Äusscrste erstaunt und verwundert darüber, 
dass ein solcher Mann, der dem jetzigen Jahrhundert 
in Bezug auf die Verteidigung des katholischen Glaubens 
und die Leituug der hlg. Kirche neben allen andern 
als eine seltene Erscheinung galt, mit einer so scheuss- 
lichen Strafe hatte gebrandmarkt werden können. Allein 
ihm wurde von seinem Führer, dem Engel, sogleich der 
Bescheid zu Teil, dass jener zwar viele bewundernswerte, 
löbliche und Gott wolgefällige Taten verrichtet hätte, 
deren Lohn ihm nicht entgehen würde, dass er aber 
den Lockungen der Hureroi nachgegeben und deshalb 
mit den andern ihm von Gott verliehenen Gaben sein 
langes Leben derart hätte beschliessen wollen, dass diese 
(gleichsam nur geringfügige Unzüjchtigkeit und dieses 
der menschlichen Schwäche gemachte Zugeständnis durch 
die Masse so vieler guter Handlungen hätte verdeckt 
und ausgeglichen werden sollen. „Dennoch," sagte er, 
„ist jener nach dem Lose der Erwählten zum ewigen 
Leben bestimmt." 

12. Dort erblickte er auch zahllose herrliche Ge- 
schenke von den bösen Geistern pomphaft hergerichtet 
um sie zu zeigen, Mäntel und silberne Gefässe, Pferde 
und feines schimmerndes Linnenzeug. Auf seine Frage, 
wem das gehöre und was ihre Schaustellung zu bedeuten 
habe, sagte der Engel: „Die sind für Grafen, die ver- 

Bcitragc XV. 18 



274 

schiedene Provinzen verwaltet haben, bestimmt, damit 
sie, wenn sie hieherkommen, sie finden und wissen, was 
sie durch Bestechung, Raub und Habsucht zusammen- 
gerafft haben.*' Er nannte einige von ihnen mit Namen 
und sagte, dass diese Dinge da niemals aufhören noch 
beseitigt würden, bevor sie [die Grafen] nicht selbst 
kämen und sie in Empfang genommen hätten. 

13. Was für schreckliche Ansichten er aber über 
den Wandel der Grafen äusserte, wer konnte das zu 
Genüge schildern? JSagtc er doch, dass einige von ihnen 
nicht Rächer des Verbrechens, sondern viel eher teuf- 
lische Verfolger der Menschen seien, indem sie die 
Unschuldigen verurteilen und den Schuldigen Recht 
geben und mit Dieben und Verbrechern gemeinsame 
Sache machen? „Denn durch das Darbringen von Go- 
schenkcn verblendet,* sagte er, „tun sie nichts um des 
zukünftigen Lohnes willen. Sondern während sie die 
weltlichen Gesetze zur Bändigung der frechen Böse- 
wichter handhaben, lassen sie die gesetzlichen Strafen, 
die die Schuldner treffen, ohne alles Erbarmen, wie 
wenn es sich um eine Schuld gegen sie handelte, hinter 
ihre Habsucht zurücktreten, um sie hier zum zw^eiten- 
male zu empfangen. Niemals üben sie Gerechtigkeit in 
der Hoffnung auf ihre Zukunft, sondern statt dass sie 
sie allen unentgeltlich um des ewigen Lohnes willen 
zukommen lassen, bieten sie sie, w^e auch ihre eigene 
Seele, immer feil." Er nannte auch einige mit Namen, 
die schon gerichtet sind, so wie im Evangelium von den 
Ungläubigen gesagt wird: „Wer aber nicht glaubt,** 
heisst es, „der ist schon gerichtet.*' 

14. Unzählige habe er noch gesehen, berichtete er. 
sowol aus dem Laien-, wie aus dem Mönchsstande von 
verschiedenen Klöstern und Gegenden, einige im Heile, 
andere zu Strafen verurteilt. 



275 

15. Nachdem er das und noch unendlich mehr 
gesehen hatte, was wir der Kürze halber von der wei- 
teren Erzählung ausgeschlossen haben, führte ihn [der 
Engel] zum herrlichsten Gebäude auf ganz natürlichem 
Boden errichtet mit Bogengängen wie aus Gold und 
Silber, mit mancherlei Skulpturen geschmückt, das in 
solcher Grösse und Höhe und zugleich in so unglaub- 
licher Pracht erglänzte, dass die Wucht dieses riesigen 
Baues weder mit Sinnen erfasst noch mit menschlichen 
Worten zum Ausdruck gebracht werden kann. Dann 
trat er hervor der König der Könige und der Herr der 
Herrsehenden mit einer grossen Sehaar von Heiligen, 
strahlend in einer Herrlichkeit und Hoheit, dass der 
Mensch den Glanz eines solchen Lichtes und die Pracht 
und Herrlichkeit der Heiligen, die sich da entfaltete, mit 
seinen körperlichen Augen nicht zu ertragen vermochte. 

16. Dann sprach der Engel, der sein Führer und 
Zeiger war, zu ihm: „Morgen wirst du die Reise an- 
treten müssen, aber bis dahin wollen wir uns um Barm- 
herzigkeit bemühen." Damit gingen sie, indem der Engel 
voranschritt, dahin, wo die heiligen Priester in unsag- 
barer Herrlichkeit und Pracht beisammen sassen. Dann 
sagte er ihm: „Das sind die bei Gott durch das Ver- 
dienst ihrer guten Werke Gekrönten, denen ihr kirch- 
liche Aerater übertragen habet. Wir wollen sie bitten, 
dass sie für dich bei Gott um Barmherzigkeit flehen.** 
]^fach diesen Worten baten sie sie demütig um ihre 
Vermittlung. Die heiligen Priester aber erhoben sich 
unverweilt und zogen vor den Tron und warfen sich 
davor nieder und baten um Barmherzigkeit für den 
genannten Bruder. Der Engel aber blieb mit dem Bru- 
der, während jene ihre Fürbitte taten, weit seitab stehen. 
Als sie nun vor dem Tron demütig um Barmherzigkeit 
flehten, vernahm man eine Stimme von dem Tron herab. 



»• ^•^ 



276 

die ihnen zur Antwort gab: „Er hätte andern ein Bei- 
spiel der Erbauung geben sollen, hat es aber nicht getan**, 
und das war der ganze Bescheid. In jener Reihe aber 
von erlauchten Priestern hat er, wie er versicherte, die 
Heiligen Uionysius, Martin, Anian und Uilarius erkannt. 
17. Hierauf forderte ihn der Engel ein zweitosmal 
auf mit ihm dorthin zu gehen, wo die unzählbare Menge 
der seligen Märtyrer in unsagbarer Herrlichkeit leuch- 
tete. „Das sind die*, sagte er, „die der Sieg nach einem 
glorreichen Kampfe zu solcher Herrlichkeit geführt hat, 
die ihr in der Kirche in Ehren haltet zur Ehre und 
zum Lobe Gottes, die wir als Fürbitter für den Nach- 
lass deiner Sünden bitten müssen.** Kaum hatten sie 
[die Heiligen] sie mit der gleichen demütigen Bitte sich 
auf den Boden werfen sehen, als sie sich sogleich und 
ohne allen Aufschub zum Tron der göttlichen Majestät 
begaben, sich niederwarfen und ihre Bitte um den 
Nachlass der Sünden jenes vorbrachten. Auch ihnen 
tönte wie vorher eine Stimme von dem Trone entgegen 
und sagte: „Wenn er diejenigen, die er durch falsche 
Lehre und das Beispiel seiner Schlechtigkeit verlockt 
und zu ihrer Verderbnis vom Wege der Wahrheit auf den 
Weg des Irrtums verleitet hatte, gebessert und auf den 
Weg der Wahrheit zurückgeführt haben wird, soll ihm 
vergeben sein". Auf ihre Frage aber, wie diese Bes- 
serung durch ihn erzielt werden könnte, so dass er die 
gOAvünschte Vergebung erlangen könnte, ertönte ihnen 
nochmals die Stimme vom Trone und sprach: „Er soll 
alle, die er durch Beispiel oder Lehre umstrickt hat das 
Unerlaubte zu tun, zusammenrufen und sich vor ihnen 
niederwerfen mit dem Geständnis schlecht gehandelt 
oder gelehrt zu haben und um ihre Verzeihung bitten 
und ihnen um des allmächtigen Gottes und aller Hei- 
ligen willen zureden, dass sie das Schlechte fortan weder 



277 

tun noch lehren mögen.*' Inzwischen standen jene wie 
bei der früheren Fürbitte der Priester weit abseits. 
Und unter diesen Heiligen behauptet er die Heiligen 
Sebastian und Valentin erkannt zu haben. 

18. Dann gingen sie, der Engel voran, zu dem Ort, 
wo die unzählbare Menge der heiligen Jungfrauen ver- 
weilte, erstrahlend in unvergleichlicher Herrlichkeit und 
im Glänze des schimmernden Lichtes. „Das sind die hei- 
ligen Frauen", sagte er, „denen ihr die geistliche Dienst- 
barkeit zur Ehre des Namens Christi auterleget.*' [Auch] 
diese baten sie um ihre Fürbitte bei Gott für sein ewiges 
Leben, während sie selbst inzwischen, wie vorher, zur 
Seite standen. Aber bevor jene sich noch für ihre 
Bitte zu Boden geworfen hatten, kam ihnen des Herrn 
Majestät entgegen und sie aufhebend sagte sie: „Wenn 
er Gutes lehrt und gute Beispiele gibt und diejenigen 
bessert, denen er schlechte Beispiele geboten hat, soll 
euere Bitte gewährt sein". 

19. Als sie vfin da zurückgingen, fing der Engel 
an ihm auseinanderzusetzen, in welch schmutzigen Las- 
tern sich die Menschheit wälzt. „Wenn nun auch", 
sagte er, „durch mannigfache und zahlreiche Verbrechen 
das Menschengeschlecht von seinem Schöpfer sich zurück- 
zieht und sich dem Teufel zu eigen gibt, so wird Gott 
doch durch nichts mehr beleidigt als durch Sünden 
gegen die Natur. Und deshalb sollte mit der grössten 
Wachsamkeit allenthalben darauf gesehen werden, dass 
die Stätte Gottes nicht durch sodomitische Greuel in 
einen Tempel des Teufels verwandelt werde. „Denn 
diese Krankheit," sagte er, „die sich w^ie ein anstecken- 
des Gift einschleicht, durchdringt nicht nur die durch die 
fleischliche Vermischung der Männer gegenseitig besu- 
delten Seelen, sondern sie wird auch bei Verheirateten 
wie eine w^eit verbreitete Pest gefunden, indem diese 



278 

unter dem Ansturm der Leidenschaft zur Raserei ge- 
bracht und von den Eingebungen der bösen Geister 
getrieben das ihnen von Gott verliehene natürliche 
Gut ihren eigenen Frauen gegenüber einbüssen, so dtiss 
beide Gatten auf dem befleckten, mit der Schande der 
Hurerei behafteten Ehebett sich dem Teufel preisgeben. 
Deshalb befehle ich dir kraft göttlichen Auftrags, dass 
du darüber öffentlich predigest; auch sollst du es laut 
sagen, welches Verbrechen an dem Aufwand haftet, der 
mit den Kebsweibern getrieben wird. So lange sie nem- 
lieh in dieser Unfläterei sich weiter besudeln, verdienen 
sie den Zugang zum König des Himmels nicht". Darauf 
antwortete er: „0 Herr, das öffentlich vorzubringen wage 
ich nicht, da ich mich bei meiner persönlichen Unbe- 
deutendheit dazu nicht für berufen halte, nicht fühle.* 
Da antwortete ihm der Engel mit grossem Unmut: ,\Vas 
Gott will und durch mich dir befiehlt, das wagst du 
nicht vorzubringen?*' 

20. Hierauf begann er ihm zu seiner eigenen Bes- 
serung verschiedene Ratschläge zu erteilen. „Ich*, 
sprach der Engel, „der ich mit der Hut über dich 
beauftragt bin, bin derselbe, der einst von Gott jenem 
Simson, den das Buch der Richter schildert, von seiner 
Geburt an beigesellt und bei allen seinen wunderbaren 
Unternehmungen mit Gottes Hilfe dessen Mitarbeiter 
gewesen war, bis er durch fleischliche Gelüste entnervt 
mit Dalila Gottes Ungnade sich zuzog und, indem er 
seine Heiligkeit an eine Hure wegwarf, von Gott ver- 
lassen wurde. Auch du hast mir in deiner Jugend wol- 
gefallen; allein, als du herangewachsen anfingst nach 
deinem eigenen Gui dünken zu leben, hast du mir ebenso 
sehr misfallen. Jetzt jedoch in deinem Kummer und in 
der Reue deines Herzens zu Gott zurückgekehrt geföllst 
du mir wieder." 



279 

21. In den Klöstern der Mönche aber mu88 man 
darauf dringen, dass die Wurzeln dos Lasters zum Ver- 
dorren gebracht werden um die Keime der Tugend sich 
entwickeln zu lassen, nachdem offenbar diejenigen weit 
häufiger gefunden werden, die von weltlichen Bedürf- 
nissen, ah die, die vom Geiste Gottes getrieben in diese 
Burgen des Geistes sich begeben. Denn das Tier im 
Menschen fasst das nicht, was göttlichen Geistes ist. 
Und deshalb muss man mit aller Kraft dagegen ankäm- 
pfen, dass nicht das Leben der Geistigen erkalte unter 
der Masse der Fleischlichen, dass nicht das Mitleid vieler 
ersticke unter der überhand nehmenden Ungerechtigkeit. 
Man hüte sich vor Geiz, unter dessen Herrschaft der 
Geist sich von der Armut abwendet und durch die des 
Himmels Pforten verriegelt werden. Die Völlerei in 
Speise und Trank soll einem gerade noch zureichenden 
Lebensunterhalt IMatz machen. „Wasser**, sagte er, „ist 
gar gut zum Durstlöschen, weil es das natürliche Ge- 
tränk ist. Der Kleiderprunk soll einer Bekleidung Platz 
machen, die gerade hinreicht, um die Blosse und Kälte 
zu vermeiden. Der sich blähende Stolz muss sich in auf- 
richtige Demut verwandeln. Bei einigen nemlich gewahrt 
man wol eine gebückte Haltung, aber die Hoffart ist im 
Herzen nicht abgetan. Denn in dem apostolischen Stande 
wird namentlich dadurch Verwirrung gestiftet, dass die 
Tugend mit dem Laster sich aufputzt. Und wenn die 
Schuld, die unter dem Scheine der Frömmigkeit ein- 
getreten ist, Dauer gewinnt, so wird sie bald gleich- 
sam als die Regel einer rechten Lebensführung vertei- 
digt. Und deshalb muss man in den östlichen Gegenden, 
d. h. Deutschland und Frankreich, die Menschen dieses 
Standes ermahnen, dass sie sich an das Ideal w^ahrer 
christlicher Demut und freiwilliger Armut halten, um 
nicht von der Pforte des Lebens zurückgewiesen zu 



280 

werden, wie dies Gott durch mich dir furchtbar ver- 
künden lässt." 

22. Ebensowenig verschwieg er ihm, wie sehr auch 
in den Frauenklöstern die Sünde zugenommen und in 
Folge der zerrütteten Ordnung der Gott zugefügte Ver- 
lust zum Gewinn des Teufels beigetragen habe. „Denn**, 
sprach der Engel, „da tote Frauen den Lebenden vor- 
gezogen w^erden — weil eine Wittwe, die in Freuden 
lebt, tot ist — so werden durch die Teilnahme an toten 
Werken aus den Lebenden tote, die solchen Werken 
unterworfen sind."«^) Und indem sie sich der Weltlichkeit 
hingeben, die unauslöschlich nach irdischen Schätzen 
dürstet, so verwandeln sich mit Aufhebung aller Ord- 
nung die Schätze, die zur Erhaltung der Heiligkeit eines 
himmlischen Lebens von den Gläubigen gesammelt wor- 
den sind, in irdische und verderbliche Lüste. 

23. „Und wo**, sagte er [Wetti], „wird die Regel 
jenes apostolischen Lebens noch unverfälscht bewahrt*^? 
„In den überseeischen Ländern**, war die Antwort, „lebt 
noch unwandelbar die apostolische Strenge, weil der 
durch die Armut gefeite Geist ohne den Widerstand 
eines irdischen Hindernisses dem himmlischen Reiche 
zustrebt." 

24. Nach diesen Worten kam er immer wieder auf 
den sodomitischen Greuel zu sprechen. Während er 
nur einmal bemerkte, dass alle andern Laster gemieden 
werden müssen, wiederholte er fünfmal und öfter, dass 
diese der Seele verderbliche, naturwidrige nur durch 
des Teufels List heimlich entstandene Krankheit gemie- 
den werden müsste. 



«) „Cum enim'*, inquit aiigelua, „mortuae feminae vivis prae- 
feruutur — quia vidua iu dclioiis vivens mortua est — mortuis 
operibuH cominunicando ex vivia eis subiectae raortuae flunt.** 



281 

25. Auf seine Frage, warum, wenn die Pest wütet, 
eine so grosse Menge Volk stirbt, sagte er [derEngelJ: 
„Weil die Welt durch ungeheuere Frevel sündigt, ist das 
eine Strafe der Sünder und ein Zeichen wurde von 
Gott gegeben, das deutlich ahnen lässt, das Ende der 
Welt werde bald kommen.*' 

26. Auch ermahnte er ihn u. a., dass die gottes- 
dienstliche Feier mit aller Strenge und Sorgfalt in der 
vorgeschriebenen Reihenfolge abgehalten werde, ohne 
dass sich jemands Ueberdruss oder Nachlässigkeit dabei 
geltend machen könnte. 

27. Auch von dem weiland Grafen Gerold sagte der 
Engel, dass er im Tode den Märtyrern in ihrer Herr- 
lichkeit gleichgestellt worden sei: „Da er bei seinem 
Eifer*, sprach er, „in der Verteidigung der heiligen 
Kirche mit den Schaaren der Ungläubigen kämpfte und 
dabei das zeitliche Leben verlor, so wurde er des 
ewigen Lebens teilhaftig.*' 

28. Nachdem diese und viele andere Dinge, die 
wir der Kürze wegen von dieser Schrift ausgeschlossen 
haben, dem Bruder von dem Engel gezeigt und mitge- 
teilt worden waren, erwachte er zum zweitenmale, als 
die Vögel schon die Nähe des Tages lärmend verkün- 
deten. Er rief die Brüder zu sich, die bei ihm als 
Wachen genächtigt hatten, und erzählte ihnen noch 
ganz ergriffen von der Grösse der Gesichte und gequält 
von unerträglicher Furcht und Bangigkeit der Reihe 
nach die Geheimnisse seiner Vision, wobei er sogleich 
wünschte, dass der Vater des Klosters kommen und in 
dessen Gegenwart seine Gespräche niedergeschrieben 
werden sollen. Die Brüder sagten ihm jedoch, dass sie 
nicht wagten die Klosterstille zu unterbrechen, so lange 
die Brüder mit dem nächtlichen Gebet beschäftigt sind. 
„Nun so grabet ihr es", sprach er, „mittlerweilen dem 



282 

weichen Wachse ein, bis es mit Tagesanbruch in eine 
bessere Form gebracht, werden kann. Denn ich fürchte, 
dass ich mit erlahmender Zunge das, was ich gesehen 
und gehört habe, nicht mehr mitteilen könnte, während 
mir doch das, was öffentlich bekannt gemacht werden 
soll, mit so nachdrücklicher Verpflichtung und Strafan- 
drohung eingeschärft wurde, dass ich fürchte ohne Gnade 
verurteilt zu werden, wenn ich mich des Verschweigens 
schuldig machte und wenn durch mein Schweigen diese 
Dinge vergingen, so dass, was ich schon erzählt habe, 
nicht allgemein bekannt würde. Denn jene letzte Fürbitte 
der heiligen Jungfrauen, die zu Gott um ein langwähren- 
des Leben gerichtet worden war, Hess mich im Zweifel 
darüber, ob sie für die Dauer des ewigen oder dieses 
zeitlichen Lebens vorgebracht worden war. Wenn nun 
auf Grund dieser eben erwähnten Fürbitte ein längeres 
Verweilen in diesem irdischen Leben nicht gewährt 
würde, dann werde ich ohne allen Zweifel gemäss dem 
Versprechen des Engels, meines Führers, morgen dahin- 
gehen. In Folge dieser Ermahnungen wurde alles, wie 
es der Reihe nach von ihm vernommen wurde, in das 
Wachs eingedrückt. 

29. Inzwischen kam nach Beendigung der Matutin 
der Vater des Klosters mit einigen Brüdern, um ihn zu 
besuchen. Als er neben dem Kranken stand, wünschte 
dieser eine geheime Aussprache. Es giengen deshalb alle 
andern hinaus und nur fünf, der Abt und die Brüder, 
die er bei sich behielt, blieben zurück. Nachdem dann 
allen mitgeteilt worden war, was man in der Stille der 
Nacht mit zitternder Hast auf die Tafeln geschrieben 
hatte, wiederholte er alles in Wort und Schrift, erhob 
sich dann von seinem Lager und warf sich auf den 
Boden, indem er für das, was er begangen, um Gnado 
bat und sie anflehte, seine Fürbitter bei Gott zu sein. 



28Ji 

Als sie aber bemerkten, dass er weder durch Blässe 
entstellt war, noch in Abzehrung dahinwelkte, noch wegen 
Gliederschmerz heftig klagte, noch Zeichen eines Schlag- 
flusses oder irgend einer tötlichon Verletzung an sich 
trage, suchten sie voller Zuversicht mit tröstendem Zu- 
spruch die Hoffnung auf das gegenwärtige Leben in ihm 
wieder zu beleben. Er aber antwortete darauf nur mit 
denselben Worten, die er schon vorher ausgesprochen 
hatte, er zweifle nicht daran, dass er morgen dahingehen 
werde. 

30. Er brachte daher den ganzen Tag und die 
kommende Nacht und den ganzen darauffolgenden Tag 
bis zum Abend damit zu die Angst vor seiner Berufung 
auszudrucken, mit Stöhnen und Seufzen sich abzuhärmen^ 
jetzt sich jedem einzelnen zu empfehlen, mit kurzen 

Worten, die er an verschiedene richtete, sie um ihre 
Fürbitte zur Vergebung seiner Sünden zu ersuchen. 

31. Endlich, als die Abenddämmerung des folgen- 
den Tages schon in die Xacht überging, rief er die 
Brüder zu sich, sagte ihnen, dass er die Bahn seines 
gegenwärtigen Lebens durchmessen habe und wünschte 
um alles, dass sie mit Inbrunst Psalmen singen sollen. 
Er stimmte nun alle Antiphonen und Psalmanfäugc wie 
ein Vorsänger an und lies sie für sich absingen. Nach- 
dem das zu Ende war, schöpfte er erhitzt, wie er war^ 
auf und abgehend, ein wenig Athem, während die Brü- 
der dahin und dorthin in ihre Betten zurückkehrten. 
Da plötzlich nahte sein Ende, er sank auf das Lager hin^ 
empfieng die Wegzehrung und beschloss die letzte Stunde 
dieses vergänglichen Lebens. 

MG. Poetcr latini (rrl OiroUtii 2, ^67 ff. 



^f^^^ 



284 

Hcltos Darstellung der Vision des Wetti ivurd^ nach 
dessen Tod von Walahfrid Strabo mit Hinzußigung eigener 
schätzbarer Nachrichten in Vetse gebracht, Walahfrid selbst 
sagt darüber in dem Widmtmgsschreiben, das an Orimoaldy 
den ErakapeUan Ludwigs des Deutschen, gerichtet ist : 

Endlich wurde ich durch den Auftrag des Adalgis, 
des ehrwürdigen Vaters in dem Herrn geradezu genötigt 
die Vision Wettis, eueres Verwandten, die Vater Heito 
selig in ungebundener Rede mit grosser Gelehrsamkeit 
Yerfasst und mit den lieblichen Blumen seiner edlen 
Beredsamkeit geschmückt hat, insgeheim in Hexameter 
auszuführen. 

Der Inhalt dieses Gedichtes ist mit Hervorhebung der 
auf Heito bezüglichen Stellen etwa folgende)': In einigen 
einleitenden Versen ruß der Dichter Christus an, er mlk/e 
sein Gebet o'hören , seinen Geist von kindischeji Spiele^ 
abziehen und ihn mit dem Sauerteig des Glaubetis durch- 
dringen. Dieses Gedicht sei sein erstes und so bringe er 
seinem Gotte die Erstlinge seiner Muse dar, HierauJ folgt 
eine Beschreibung der Lage x^xn Reiclienau und eine Auf- 
zahlung seiner Äbte von Pirmin. Unter diesen erschei$it 
auch Heito, den der Dichter folgen dermassen besingt: 

Und nun wird er gezwungen, ein Hirte der Mönche zu werden. 
Und, der längst als Schüler gelebt, wird jetzo zum Lehrer, 
Wird ein Wächter des Kerkers, in dem er oftmals sein letzte» 
Stündchen schlagen zu hören sich sehnte, damit dereinst er 

des Todes 
Meister geworden die ewige Krone von Christus empfange. 
Doch unmöglich vermag ich und ständen mir auch zu Gebote 
Sieben der Sprachen das alles getreulich in Versen zu schildern. 
Was er zu stände gebracht in ununterbrochener Arbeit. 
Was die Pflicht eines Hirten im Schafstall Christi verlangte. 
Tat er, und schuf, nie lässig in Werken des Friedens, den 

Christen 
Heil — war ihm ja dazu die Macht eines Fürsten verliehen. 



285 



Seg^elnd befuhr er auch die unendliche Flächo de» M<?ere8 
Zu den Gestaden der Griechen, doch zerHchellte das Fahrzeug 
An den Klippen, es stürzten ins Meer die Ladung und Mann- 

Schaft. 
Doch mit Hilfe des Herrn gelang's ihm sie alle zu netten. 
Und fortan in Gnaden bewahrt vor den tobenden Wollen 
Bracht er in richtigem Lauf von glücklichen Sternen begünstigt 
Heim zu den Franken zurück die Botschaft von den Argivern. 
Endlich jedoch, von den vielen Geschäften ermüdet, erwog er 
Sinnenden Geistes aus seinem erhabenen Amte den Rucktritt, 
Fürchtend, er möcht' aus Liebe zum ird'schen Besitze vergessen 
Seiner Bestimmung im Himmel, um die er stetig besorgt war. 
Also im zehnten der Jahre, seit Ludwig als König regierte, 
Und im zweimal neunten, nachdem er das Bistum empfangen, 
Da er selbst an den Schluss des sechzigsten Jahres gelangt 

war. 
Ward der Gebieter befallen von lebensgefährlicher Krankheit. 
Aber erwünscht war ihm dies Uebel, willkommen das Fieber, 
Furchtlos sah er im Tod das geeignetste Mittel der Weltflucht. 
Aber der Tag kam, der ihn zurück in des irdischen Kerkers 
Haft trieb, wo er dem Willen des Höchsten gehorsam im Amte, 
Das er ihm einst Überbunden, sich tätig sollte erweisen. 
Ledig wnrd er der Last und weist das Gebotene von sich 
Und verbringt fortan sein Leben in glücklicher Ruhe. 
Wer du nun auch sein magst, der nach Ehre du strebest, 

gestehe. 
Wie auch immer das Amt, ihm folget gehässige Xachred', 
Die dein Hirn verwirrt und bittere Mühsal dir schaffet. 
Siehe wie gründlich mein Held in der Fülle des süssesten 

Ruhmes 
Allen vergänglichen Glanz und eiteln Schimmer der Glücks- 
gunst, 
Die so vielen Gerechten zum Unheil wurde, für nichts hielt. 
D'nim verachtet die Ehren, damit sie der Tag des Gerichts 
Kicht entehrend verdamme, und wandelt die Pfade des Vaters. 
So in wenigen Versen besang ich die Taten des Heito 
Doch was kurz ich berichtet, vermöget ihr leicht zu vermehren 
Und zu vergrössern, sofern nicht ^'eid die Geister im Bann 

hält. 



286 

Hieran schliesst sich dann die Lobpreisung des Nach- 
folgers Hei tos als Ahfy Erlbalds, von dem der Dichter u. a, 
auch erzählt: 

Siebzehn Jahre nun zählte der Jüngling, als er, verehrt schon. 
Kam zu der Insel im See, um dann mit den dortigen Brü- 
dern 
Sich in die Zucht des Heito zu stellen, deg trefflichen Lehrer». 
Dieser macht ihn nach Kräften bekannt mit den heiligm 

Schriften. 

Und in anderem Zusammenhange heisst es nochmals: 
So war Hei tos Ruhm zu den Ohren der Menschen gedrungen. 
Und er selber bewies durch seinen Wandel, dass alles 
Wahr sei : also folgte der Kuhni ihm über die Salzflut 
Die er durchschnitt, um, wie wir oben gemeldet, nach Argos 
Flur zu gelangen und heim in die Bucht von Augia zu kehren. 

Dann folgt die Lohpreisang des Wetti und die Er- 
zählung seiner Vision^ seines Erwachens aus derselben und 
der Mitteilungen, die er den Mönchen üher die Gesichte, 
die er gesehen hat, maclite mit dem Hinweis auf seinen 
nahen Tod. Dann heisst es weiter: 

Als nun dem Preise des Herrn in allen Formen genügt war. 
Trat, von andern begleitet, der Abt noch hinzu an das Lager 
Denn sein Herz trieb ihn, wie gewohnt, den Dulder zu trösten. 
Näher treten sie alle. Der Kranke begehrt nun geheimer 
Zwiesprach und bis auf fünf, die bleiben, entfernen sich alle. 
Von den fünfen der erste war Heito, Erlbaldus der zweite, 
Deren wir auch besonders in kleineren Liedern gedachten. 

Ausser diesen beiden noch ein Ungenannter , Jemer 
Thegamnar und Tatto. Vor ihnen wiederholt Wetti harz 
die Geschichte seiner Seelenwanderung , wobei er wieder 
sein nahes Ende hervorhebt, das auch ganz, wie er roraus- 
gesagt lud, eintritt. 

Die Gedichte des Walahfrid Strabo. MG. Poetw latint 
a>ri Carolini 4^, 307 ff. und SSI. 



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Nctt^ Folge. Band V, HeU 3. 



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iu (I 



Der 




Mtilhaiiser Finingerhandel 



und 



der Aufruhr von 1590. 



Von 



Ferdinand Holzach. 



'» ^ y fl ** 



Beitrage XV 



19 



Cs ist bezeichnend für die Lage der Eidgenossen- 
schaft nach der Schlacht bei Kappel, dass die konfes- 
sionell getrennten Stände Feindseligkeiten auf schweize- 
rischem Territorium meiden und feindliche Zusammen- 
stosse in das Gebiet der zugewandten Orte oder sogar 
ins Ausland verlegen. In die Zeit, da auf den französi- 
schen Schlachtfeldern sich schweizerische Söldner in 
beiden Lagern gegenüberstanden, fallen auch die Ereig- 
nisse, welche unter dem Namen „Finingerhandel" 
bekannt sind und welche nur eine Episode in den grossen 
Eeligionskriegen des X VL Jahrhunderts bilden. Aus einem 
Privatprozess zwischen Mülhauser Bürgern entwickelt 
sich, durch die Umstände begünstigt, ein langwieriger 
Streithandel, in den zunächst Basel, dann die evange- 
lischen Stände und endlich alle Eidgenossen hineinge- 
zogen werden. Er führt zum Bruch zwischen Mülhausen 
und den katholischen Orten und endet mit der Erstür- 
mung Mülhausens durch die Truppen der 4 evangeli- 
schen Städte. 

Der Finingerhandel ist schon einmal zum G (»gen- 
stand einer besonderen Abhandlung gemacht worden im 
ersten Band der Basler Beiträge zur vaterländischen Ge- 
schichte. Der Verfasser dieser Arbeit, David Krauss, 
benutzt fast ausschliesslich die Memoiren des Pfarrers 
David Zwinger, welche unsre Hauptquelle für die Er- 
eignisse in der Stadt selbst sind. Seit jener Zeit stehen 
uns aber die Eidg. Abschiede zur Verfügung, welche 



._ J 



290 

eine wertvolle Ergänzung erhalten durch das Cartu^ 
laire de Mulhouse, herausgegeben von H. Mossmann^ 
Strassburg und Colmar 1884. Im Basler Staatsarchiv 
liegt eine umfangreiche Aktensammlung unter dem Titel 
„Mülhauser Unruhen" und das noch wenig benutzte 
„Ratsbuchlein" aus dem Jahre 1687. Endlich findet 
sich im Anzeiger für Schw. Gesch. von 1881 eine Be- 
schreibung der Erstürmung von Mtilhausen von einem 
Augenzeugen: Wahrhaffte History der Eroberung 
der Stadt Milhusen Im 1587. Jahre, herausgegeben 
von Dr. Hafner. 

An Hand dieser Quellen soll die folgende Abhand- 
lung hauptsächlich die Beziehungen Mülhausens zur Eid- 
genossenschaft während des Finingerhandels darstellen, 
indem die Vorgänge in der Stadt selbst nur so weit als. 
unumgänglich notwendig geschildert werden. 



I. 

Der Rechtsstreit vor den eidgenössischen Ständen. 

Um das Jahr 1579 entstanden in Mttlhausen Zwistig- 
keiten zwischen Alt- und Neubürgern, welche letztere 
meist aus der Schweiz stammten. Unter den Xeubtirgem 
waren die Fininger die angesehenste Familie. Sie 
stammten aus dem Solothumischen und waren um ihres 
Glaubens willen ausgewandert. Von fünf Brtideni werden 
am meisten genannt: Jakob, der Wirt zum Hirschen, 
Mathis, ein Tuchhändler und Michel, der eine Zeit 
lang Stadtschreiber war. Ein Familienskandal im Fi- 
ningerschen Hause drang in die Öffentlichkeit. Die Frau 
des Stadtsclireibers Daniel Wieland, eine Schwester der 
Fininger, Hess sich mit dem Bürgermeister Veitin Friess 
ein, und als der Ehebruch an den Tag kam, wurde der 
BürgeiTiieister abgesetzt. Der betrogene Ehemann suchte 
Äuf anständige Weise den Tod, indem er in fi-emde Kriegs- 
dienste ging, und an seiner Stelle wurde Michel Fininger 
Stadtschreiber. In Folge dessen wurde das Verhältnis 
zwischen den Altbürgern und der Sippe der Fininger 
immer gespannter. Ein Prozess wegen eines streitigen 
T^Valdes im sogenannten Isenholz, wurde zu Ungunsten 
des Jakob Fininger entschieden. Da sich unter den 
Eichtem seine Gegner befanden, appellierte er, verlor 



292 

aber auch in zweiter Instanz denTrozess. Jakob Fininger 
fügte sich dem Urteil nicht und hatte dazu eine gewisse 
Berechtigung ; denn das streitige Land lag gar nicht im 
(Tebiet der Stadt, sondern gehörte zur Jurisdiktion des 
Herrn Sebastian ze Rhyn, eines österreichischen Ade- 
ligen. Thatsächlich verlangte Sebastian ze Rhyn von der 
Stadt Mülhausen, dass es auf die Rechtsprechung im 
Finingerprozess verzichte. Mülhausen dagegen berief sich 
auf seine Stellung als freie Reichsstadt, deren Bürger 
vor kein fremdes Gericht gezogen werden durften, auch 
wenn der Gegenstand des Prozesses auf fremdem Terri- 
torium lag. 

Als die Stadt sich anschickte, das Urteil ausfuhren 
zu lassen, griffen die Fininger zu einer List. Sie ver- 
schenkten das streitige Land an ihre Verwandten in 
Basel, einem andern Jakob Fininger und einem Philipp 
Lauterburger, in der Absicht, die Stadt Basel in die 
Sache zu ziehen, von der zu erwarten war, dass sie 
ihre Bürger in Schutz nehmen werde. Sie erreichten 
auch wirklich ihren Zweck. Der Rat von Basel ergiiff 
Partei für seine mit dem zweifelhaften Geschenk be- 
dachten Bürger, und es entspann sich nun in den Jahren 
1580 und 1581 ein langer Briefwechsel zwischen Mül- 
hausen und Basel, an dem sich auch Caspar ze Rh}Ti, 
und, hinter ihm stehend, die österreichische Regentschaft 
in EuvSisheim beteiligten. Schliesslich einigte man sich 
dahin, dass Gesandte von Zürich und Basel in dem t^m- 
petenzstreit z\\ischen Mülhausen und Caspai- ze Rlijn 
Schiedsrichter sein sollten. 

So wurde nun bereits der Vorort der Eidgenossen- 
schaft in den Handel hineingezogen und zwar haupt- 
sächlich durch die Schuld Basels. Der Rat dieser Stadt 
hatte Mülhausen gegenüber eine schwankende Stellung 



293 

eingenommen. Nachdem er anfangs energisch fllr die 
Fininger eingetreten war, zog er sich von ihnen zurück, 
sobald er merkte, dass die Schenkung des streitigen Ob- 
jektes an die beiden Basler Bürger nur eine Falle war, 
die man Basel stellte. Am 26. Januar 1581 warnt Michel 
Fininger seinen Bruder Matthias in einem Briefe, er solle 
sich nicht nach Basel begeben, da er dort könne verhaftet 
werden. Bald darauf schlug aber die Stimmung im Basler 
Rathans wieder um. Als nun im Februar 1581 die Ge- 
brüder Fininger die Stadt Mülhausen bewaffnet ver- 
liessen und bei Österreich Schutz suchten, wandte sich 
der Rat von Mülhausen an Zürich in der Hoffnung, dort 
eine zuverlässige Stütze zu finden. So kam es, dass am 
30. April 1581 Gesandte von Zürich und Basel folgen- 
den Schiedsspruch thaten: 1) Die Fininger verzichten 
darauf, den Prozess vor ein fremdes Gericht zu bringen 
und zahlen ihre Strafe, welche das Mülhauser Gericht 
ausgesprochen hat. 2) Sie erhalten gegen Hinterlegung 
einer Kaution die Erlaubnis, in Mülhausen zu wohnen 
und Sicherheit für Leib und Gut.*) 

Diesem Urteil fugten sich die Fininger nur zum 
Schein. Von Natur gewaltthätige und intrigante Men- 
schen, betrachteten sie sich jetzt als unschuldig Ver- 
folgte. Ihr Verhältnis zum Rat von Mülhausen war schon 
nicht mehr das von Unterthanen zur Obrigkeit, sondern 
dasjenige einer demagogischen Fakrion gegenüber den 
herrschenden Altbürgern. Alle Massregeln der Obrigkeit 
gegen sie erschienen ihnen als das Werk einer gegne- 
rischen Partei, und sie mussten in diesem Glauben be- 
stärkt werden, als bald darauf ihr Bruder Michel, der 
Stadtschreiber, vom Rat abgesetzt wurde. So finden wir 



») C'artulaire de Mulhouae N<» 2423. 



294 

schon einige Monate später Jakob Fininger im Gefängnis 
wegen Schmähungen gegen die Obrigkeit. Die Bemü- 
hungen Basels, seine Freilassung durchzusetzen, sind 
vergeblich, und erst als seine Frau an der Pest erkrankt, 
wird er aus der Haft entlassen. Aber schon im Sonuner 
1583 wird er von Neuem verklagt wegen Untersclüagung 
des Ohmgeldes und entgeht der Gefängnisstrafe mir 
durch schleunige Flucht nach Basel. In seiner Abwesen- 
heit wii'ken nun für ilin eine Anzahl Leute, die schon 
früher heimlich zu ihm gehalten haben und die gemein- 
samer Hass gegen den Rat an die Familie Fininger kettet. 
Zu diesen gehören der 8tadtarzt Dr. Schreckenfuchs, 
die Verkörperung des absoluten Bösen in den Augen 
des fi-ommen Da^id Zwinger, ferner zwei Praedikanten, 
Freuler und Steiner, beides Schweizer, bei denen sich 
demokratischer Übereifer und chronische Geldverlegen- 
heit seltsam paarten, und endlich der gestürzte Bürger- 
meister Veitin Fries, der seit seinem anstössigen Ver- 
hältnis zu der Finingerin ja nun auch „zur Familie*- 
gehörte. 

Dieses Häuflein Verschwörer agitierte nun im Ge- 
heimen gegen den Bat, indem es allerlei böse Gerüchte 
über ihn in Umlauf setzte. Neben vielem Falschen rügten 
sie auch wirklich vorhandene Mängel: die schlechte Fi- 
nanzwirtschaft, Ausschliessung der Neubürger von den 
Ämtern, Parteiliclikeit der Gerichte. Zwinger erzählt 
uns anschaulich, wie man auch ilm zu gewinnen ver- 
suchte: „Ich liielt mich im Zaum, wiewohl ich manchen 
Rupf der Obrigkeit merkte, .... biss auf ein Zeit 
Dr. Schreckenfuchs und Herr Steiner zu mir eintraten 
und wider die Obrigkeit ein vast schwere Klag ein- 
führten, die regierenden Häupter lüessen sie kleine 
Landsknechtlein, Hapsenmännlein, Tröschknecht .... 



295 



die l^^ninger seien die frömmsten in der ganzen Stadt 
n. s. w." ') 

AVährend so im Innern der Stadt die heimliche 
Wühlarbeit begann, suchte Jakob Fininger auswärts 
Bundesgenossen zu gewinnen. Er bewog den Rat von 
Basel, sich für ihn zu vei-wenden und von Mülhausen 
seine Rehabilitierung zu verlangen. Der Rat that dies, 
wurde aber ziemlich schroif abgewiesen und auf die 
^\^del•sprüche aufmerksam gemacht, die sich öfters in 
seinen Briefen über die Finingerangelegenheit zeigten. 
Darauf schickte der Verbannte seine Basler Verwandten, 
einen andern Jakob Fininger und dessen Schwager Phi- 
lipp Lauterburger, nach Solothurn. Zwei Gründe mochten 
ihn bewogen haben, sich dortliin zu wenden. Einmal 
durfte er in seiner alten Heimat am ehesten hoifen, 
Schutz zu finden, und dann war Solothui'n als katholi- 
sche Stadt die Gegnerin von Zürich und Basel, die in 
ihrem Schiedsspruch vom 30. April 1581 zum Nachteil 
der Fininger entschieden hatten. So zog der schlaue 
Abenteurer damals schon bei seinen Kombinationen den 
Glaubenszwiespalt der Eidgenossen in den Kreis seiner 
Bereclmungen. 

Es wurde seinen Gesandten nicht schwer, Zutritt 
beim Schultheiss von Solothurn zu erlangeh. Sie über- 
reichten ihm eine Denkschrift, in welchem der ganze 
Streithandel auseinandergesetzt war, und versprachen 
später die Antwort zu holen. Um diese Antwort unter 
recht günstigen Bedingungen entgegenzunehmen, passten 
sie dem Schultheiss eines Abends auf, als er vom Nacht- 



') David Zwin^fpr: Bilrgerliclier Aufruhr zu Mülhauacu im 
Elsass, pag. 28. Wir citiercn Zwinger nach der Ausgabe, die sich 
auf der Universitätsbibliothek in Basel befindet. 



296 

Schoppen „aus der herberg" kam.^) Der Sclmltheiss, der 
sich in rosigster Laune befand, gab den Baslern einen 
gnädigen Bescheid : Es sei dem Jakob Fininger schweres 
Unrecht geschehen, da aber Basel nichts ausgerichtet 
habe, werde Solothurn allein nicht viel mehr eri'eichen. 
Ein Stand allein habe den Mülhausern nichts zu ge- 
bieten, wohl aber die Eidgenossenschaft als Ganzes. 
„Es seigen aber die Milhuser loblicher eydtgnossschaft 
pundtsgnossen und zugewone, da hatt man sy zeheissen 
und will mit inen reden und dahin handeln, dass sy in 
irem land und bezürk bliben und keiner anderen her- 
schaift in ir gerechtigkeit gritfen. Item es sitze ein vogel 
uff dem kratten der gehörte drein." Der Schultheiss 
versprach auf der nächsten Tagsatzung die Angelegen- 
heit durch die solothurnischen Gesandten vorbringen 
lassen zu wollen und erklärte zum Schluss, er thue dies 
alles dem Jakob Fininger zulieb, „diewyl sein Eltern 
von hinnen abhin kommen." 

Von Solothurn reisen die Gesandten nach Luzem, 
wo sie dem Schultheiss Pfyifer ilu-e Sache vorbringen. 
Auch dieser verspricht ihnen seine Unterstützung auf der 
künftigen Tagsatzung. Dagegen scheinen sie in Ziirich 
wenig Aussicht auf Erfolg gehabt zu haben, denn sie 
berichten „Zu Zürich us gwyssen Ursachen gar nit in 
der sach gehandelt." 

Nachdem jetzt die Sache an die grosse eidgenössi- 
sche Glocke gehängt war, entwickelten die Fininger eine 
grosse Rührigkeit, um vor Eröffnung der Tagsatzung 
noch möglichst viel Stände auf ilire Seite zu ziehen. Der 
Pröedikant Freuler reiste nach Solothurn und Luzem, 
Matthis Fininger ging direkt nach Baden und sein Bruder 

^) C'artulaire de Mulhouse N^' 2438. 



297 

Jakob stellte sich nun persönlich in Solothurn vor. f> 
erhielt hier die Weisung, sich direkt nach Baden zu be- 
geben und dort in der Herberge, wo die Solothurner Ge- 
sandten abstiegen, auf diese zu warten. Er traf dort 
auch seinen Bruder Matthis mit den Gesandten anderer 
Stände. Durch geschickte Unterhandlungen mit den ein- 
zelnen Tagherren, wobei sie jeweilen von den solothur- 
nischen Gesandten unterstützt wurden, wussten es nun 
diese ebenso energischen als durchtriebenen Leute durch- 
zusetzen, dass die Tagsatzung sich ganz auf ihre Seite 
stellte. Am 13. November 1583 ging ein Schreiben der 
XIII Orte an Mülhausen ab, in welchem die Stadt auf- 
gefordert wurde, den Finingerprozess zu revidieren, d. h. 
auf das Recht der Urteilssprechung zu verzichten zu 
Gunsten des Sebastian ze Rhyn.*) 

Der drohende Ton, in welchem dieses Schreiben 
abgefasst war, verdeckte aber nur schwach den Mangel 
an jeglicher Kenntnis der thatsächlichen Verhältnisse, 
welchen die eidgenössischen Stände an den Tag legten» 
Das privilegierte Recht der freien Reichsstädte, dass 
kein Burger in irgend einer Sache vor ein ft emdes Ge- 
richt gehen durfte, war noch der letzte Rest mittel- 
alterlicher Reichsstadthen-liclikeit und wurde ängstlich 
gehütet. Es fiel daher Mtilhausen nicht schwer, zunächst 
in einem Schreiben an den Vorort Zürich und dann 
durch Gesandte vor der Tagsatzung im Januar 1584 
sich zu rechtfertigen. Die XIII Orte mussten den Rück- 
zug antreten und sich vor den Mülhauser Gesandten, 
Stephan Hammer, Peter Hofmann und Osias Sclüllinger 
entschuldigen.^) Immerhin wollte man die Fininger nicht 

') Cartnlaire de Mulhouse N*» 2443. 
«) Cartulaire de Mulhouse N° 2446. 



298 

ganz preisgeben und beauftragte den Stand Basel, seinen 
Bürgeimeister nach Mülhausen zu sclücken und für die 
Fininger zu bitten, dass man sie in die Stadt zurück- 
keliren und von nun an unbehelligt lasse. Basel nahm 
auch sofort die Verhandlungen auf, wurde aber von Mül- 
hausen abgewiesen. Der Rat dieser Stadt verlangte die 
volle Bestrafung seiner aufrührerischen Bürger und 
lehnte jede Einmischung zu ihren gunsten ab. 

Nie war die Gelegenheit, dem langwierigen Handel 
ein Ende zu machen, günstiger, als in dem Augenblick, 
da die Tagsatzung das Recht Mülhausens anerkannte, 
es aber um Gnade für die Verurteilten bat. Wenn jetzt 
der Rat der Stadt nachgegeben hätte, wäre es ihm 
gelungen, die keimende Vei'schwörung in der Stadt zu 
unterdrücken und, was noch wertvoller war, die Syni- 
patliien der Eidgenossen sich zu erwerben. Aber die 
Regierung war eben Partei und nicht blos Obrigkeit, 
und Hess sich von der Parteileidenschaft statt von der 
Staatsklugheit leiten. Vielleicht kam sie den Wünschen 
der Fininger entgegen, denen der Stura der verhassten 
Ratspartei lieber war, als ein dauernder Friede mit 
derselben. Es war ihnen bei ihrem Aufenthalt in Luzem 
nicht entgangen, dass in den Urkantonen gewisse Anti- 
patliien gegen Mülhausen von früher her bestanden, 
und der schlaue Jakob Fininger fasste dort den un- 
seligen Plan, den konfessionellen Hass der Länder gegen 
seine Stadt zu entfesseln. Nach den Quellen von pro- 
testantischer Seite soll er mit seinem Bruder Mattliis 
zum katholischen Glauben übergetreten sein. Von ka- 
tholischer Seite wird es bestritten. Thatsache ist, dass 
Jakob Fininger in Luzem die Messe besucht hat. Es 
war dies \ielleicht nur eine Demonstration, um in den 



299 

Ländern die Hoffnung zu wecken, als ob ein Abfall der 
MtiUiauser vom protestantischen Glauben möglich sei. 

Auf einer Sonderkonferenz der Urkantone in Lu- 
zem den 5. Juni 1584 erscheinen nun die Gebrüder 
Fininger und bringen ihre alten Klagen vor.^) Ausser- 
dem denunzieren sie ihren Rat, er habe Feindseligkeiten 
gegen die katholischen Orte unternehmen wollen. Auf 
einem Tag der protestantischen Städte zu Lenzburg sei 
beschlossen worden, man wolle sich heimlich zum Krieg 
gegen die Katholiken rüsten. Darauf habe der Bürger- 
meister von Mülhausen nach seiner Rückkehr den Zünf- 
ten befohlen, sich zu watfnen. Durch solche und ähn- 
liche Klagen erreichten die Fininger ihren Zweck, die 
katholischen Orte gegen Mülhausen aufeuhetzen und 
alten Hass wieder aufzuwecken. So lautet denn der 
Abscheid dieser Luzemer Konferenz schon recht un- 
günstig für die Stadt : „Jedes Ort soll in Betracht zie- 
hen, wie die Stadt Mülhausen den Bund nie gehalten, 
wie sie ihre Angehörigen gegen die katholischen Orte 
und gegen katholische Fürsten habe ziehen lassen und 
in des Herzogs Casimir Dienst zu Feld gezogen." Auf 
der nächsten allgemeinen Tagsatzung in Baden am 
17. Juni 1584 haben die Mülhauser Ratsgesandten einen 
schweren Stand. '^) Die Urkantone fähigen sie hart an 
und verlangen Aufklärung über jene Bewaffnung der 
Bürgerschaft, von der ihnen die Fininger erzählt haben. 
Der Stadtschreiber Osias Scliillinger verteidigt sich. Er 
gibt die Thatsache der Kriegsrüstungen zu, versichert 
aber, sie seien notwendig gewesen, da spanisches Kriegs- 
volk die Gegend unsicher gemacht habe. ]S'un tritt 



') Eidg. Abschiede 4, II, 1 p. 833 e. 
-) Eid^. Abschiede -t, II, 1 p. 836 z. 



300 

Jakob Fininger als Kläger gegen den Mülliauser Rat 
auf. Der Stadtschreiber verlangt Aufschub, da er nicht 
instruiert sei, und die Tagsatzung beschliesst, die Be- 
handlung dieser Angelegenheit zu verschieben, bis die 
beiden Parteien die nötigen Beweise und Aktenstücke 
beigebracht haben. 

Die Mülhauser Gesandten setzten es sogar trotz 
dem Widerstände der Urkantone durch, dass die Tag- 
sateung der Stadt versprach, sie in allen iliren Rechten 
nnd Freiheiten schützen zu wollen, und es wurde dem 
Landschreiber von Baden befohlen, diese Erklärung in 
den versiegelten Abscheid autzunehmen, den man den 
Mülhausern mitgab. Als man aber in Mülhausen den 
Abscheid öf&iete, fehlte gerade dieser Passus, welcher 
die Unabhängigkeit der Stadt anerkannte. Der Land- 
schreiber hatte ilin, offenbar auf Betreiben der katho- 
lischen Orte, einfach weggelassen. Der Rat beschwerte 
sich bei Bern, erhielt aber die wenig tröstliche Ant- 
wort, solche Streiche seien ihm auch schon gespielt 
worden, es wolle aber auf der nächsten Tagsatzung 
reklamieren.*) 

Die Gebrüder Fininger waren unterdessen wieder 
einmal nach Mülhausen zurückgekehrt, aber da sie sich 
dem früheren Urteilsspruch nicht fügen wollten, mussten 
sie die Stadt verlassen. Sie n^achten wieder ihre 
Rundi-eise bei den katholischen Orten und standen 
auf der Tagsatzung in Baden am 25. November 1584 
den Mülhauser Ratsgesandten gegenüber. Das resultat- 
lose Gezanke der beiden Parteien vermochte auch 
im Schosse der Eidgenossenschaft keiner Sache den 
unbedingten Sieg zu verschaffen, und so war denn 



Cartulaire de Mulhouae N° 2459, 2473, 2474. 



301 

auch der jetzige Entscheid der Tagsatzung nichts an- 
deres als ein ungeschickter Vennittiungsversuch : Der 
Stand Basel soll init Zuzug einiger Männer aus andern 
Ollen die beiden Parteien verhören und eine Verein- 
barung herbeiführen. Gelingt dies nicht, dann soll Basel 
den Handel an das unparteiische Recht weisen und der 
künftigen Tagsatzung Bericht erstatten. Den Finingern 
wird Sicherheit zum Aufenthalt in Mtilhausen gewährt.*) 
Diese letztere Bestimmung des Abscheids wurde 
vom Rat in Mülhausen nicht gehalten ; denn Jakob und 
Mathis Fininger hielten sich im Dezember nur wenige 
Tage in der Stadt auf und wurden gezwungen, sie 
weder zu verlassen. Und nun fing der Tanz von neuem 
los. Eine Konferenz der VII katholischen Orte den 
22. Januar 1585 beschloss: „Jeder Ort soll seinen Ge- 
sandten auf den künftigen Tag in Baden Vollmacht 
geben, den Finingern zu helfen." Der Rat von Mül- 
hausen antwortet darauf, indem er den Verbannten ihre 
Weiber und Kinder nachschickt, ihre Häuser schliessen 
imd versiegeln lässt. Es folgt ein scharfes Schreiben 
der V alten Orte vom 18. Mai 1585, in welchem dem 
Rat heftige Voi-würfe gemacht werden: „Damit man 
aber allersytts diss verdrüssigen Handels ab und zu 
ruwen kommen möge und dann der Finingeni persön- 
liche gegenwürtigkeit harzu dienstlich und ervorderlich, 
so langt an üch unser eydtgnössisch wollmeinend ge- 
sinnen neben ernstlichem vermalmen, üch derglychen 
ungebür zu enthallten, ouch obbei-ürts abscheidts und 
erkhandtnus zu vermydung wythers klagens üch zeset- 
tigen, das ir allso bemellten Finingern ein fi'i sicher ver- 
schieben geleit zu banden kommen lassen wöllendt." ^ 

Eidg. Abschiede 4, II, 1 p. 849 cc. 
^) (^artulaire de Mulhouse N" 2484. 



302 

So deutlich diese Sprache war, so wenig vermochte 
sie den Starrsinn der Mülliauser Henen zu brechen, bei 
denen selbst weniger zudringliche Knnahnungen wir- 
kungslos blieben. Basel war dem Auftrage der letzten 
Tagsatzung nachgekommen und hatte als Gesandte 
Melchior Hornlocher und Wolfgang Sattler bestimmt. 
Zu ilmen kam noch Landammann Haessi von Glarus, 
und diese drei machten sich nun an ihr Vermittlorge- 
schäft. Aber sie kamen über die Vorverhandlungen, die 
von Basel aus schriftlich gefühlt wurden, gar nicht 
liinaus. Im Auftrag der Tagsatzung mussten sie von 
Mülliausen für die Fininger freies Geleit fordern. Der 
Rat dagegen verlangte, dass seine abtrünnigen Bürger 
sich allen früher gegen sie ergangenen Urteilen unter- 
ziehen sollten und erklärte, nur auf Grund dieser Be- 
dingung sich in Verhandlungen einlassen zu wollen. 
Nun verzichteten die drei Veimittler darauf, nach Mül- 
hausen zu gehen und berichteten auf der nächsten Tag- 
satzung den 30. Juni 1585 über ihren Misserfolg. Auch 
die Fininger waren anwesend und hatten die Külinheit 
zu verlangen, dass die Basler in ilirer Gegenwart über 
die Angelegenheit referierten, da sie parteiisch seien. 
Sie wurden dann von Hornlocher und Sattler heimge- 
scliickt und daran erinnert, dass gerade Basel sich ihrer 
angenommen und ihnen eine Zuflucht geboten habe. 

Zu einer Entscheidung brachte es auch diese Tag- 
satzung nicht; die Sache wurde ad referendum ge- 
nommen. Dagegen stellte sich eine Konferenz der XU 
mit Frankreich verbündeten Orte auf die Seite der 
Fininger, indem sie am 13. Januar 1586 an Mülhausen 
die Mahnung ergelien liess, den Finingern unparttäisches 
Recht zu geben in der von den Orten vorgeschriebenen 
Weise, „indem sonst einige Orte darüber zu Rate gehen 



303 

würden, ob die Bünde solches erleiden oder nicht." ^) 
Man merkte es diesem Beschluss an, dass Zürich von 
der Konferenz abwesend war. Der Vorort war die zu- 
verlässigste Stütze des Mülhauser Rates und hätte zu 
einem so scharfen Vorgehen seine Zustimmung nicht 
gegeben. Als deshalb auf der allgemeinen Tagsatzung 
am 14. Mäi*z 1586 Zürich an den Verhandlungen wieder 
Teil nahm, schlug man einen bedeutend milderen Ton 
an. Man bot Mülhausen das „eidgenössische Recht" an: 
Jede Partei sollte drei Schiedsrichter aus der Jiidge- 
nossenschaft wählen und diese sechs Richter sollen zu 
Basel oder Liestal den endgültigen Spruch fällen. Mül- 
hausen nahm diesen Vorschlag an; aber es war schon 
zu spät. Wie oft im XVI. Jahrhundert, so wurde auch 
dieser Streit nicht auf der allgemeinen Tagsatzung, 
sondern auf den Sonderkonferenzen der getrennten 
Glanbensparteien entschieden, und ehe die schwer- 
fällige Maschine des eidgenössischen Rechtes in Be- 
wegung gesetzt war, machte ein kühner Vorstoss der 
Urkantone allen Vermittlungsversuchen ein Knde. — 

^) Eid?. Abschiedo 4, II, 1 p. 904 c. 



Beträge XV 20 



II. 

Der Bruch mit den katholischen Orten. 



Es ist schon wiedei'holt darauf luiigewiesen Avorden, 
wie der Rat von Mülhausen bei seinem Vorgehen gegen 
die Fininger zugleich die Parteiinteressen der alten 
Geschlechter vertrat. Nachdem nun aber die Fininger 
fremde Hilfe geholt und die ganze Eidgenossenschaft 
gegen die Stadt aufgehetzt hatten, waren sie in den 
Augen des Eats Staatsfeinde geworden, und jede Inter- 
vention zu ilu'en gunsten erschien dem Bat wie eine 
beabsichtigte Demütigung der Stadt. Daher erklärt sich 
dieses hartnäckige Festhalten an dem starren Buch- 
staben des Rechtes, die Abweisung auch freundschaft- 
licher Ratschläge, und das lange Zögeni, eidgenössi- 
sches Recht anzunehmen, wozu die Stadt nach dem 
Bundesbrief verpflichtet war. Dazu kam noch die Furcht 
vor demoki^atischen Regungen in der Bürgerschaft, 
welche sich während des langen Streites immer l)e- 
merkbarer machten. Neben dem Häuflein der Unzu- 
fiiedenen, das oben schon erwähnt wiu'de, gab es auch 
manche, welche wünscliten, dass die Bürgerschaft bei 
den Unterhandlungen mit den eidgenössischen Ständen 
auch ein Wort mitzureden hätten. Je weiter die Be- 
wegung um sicli giiff, um so geheimer ging nun alles 
im Rathaus vor sich, und zuh^tzt regierten statt de^ 



503 

Rates allein die (bei Bürgermeister Hartmann, Ziegler, 
Fink und der Stadtschreiber Osian SdiilUnger. 

Dieses schroffe Hervortreten oligarchischer Ten- 
denzen verschärfte noch mehr den Gegensatz zwischen 
Mülhausen und den demokratischen Urkantonen. Bisher 
hatte Solothurn als Heimatort der Fininger sich ihrer 
angenommen und hatte es verstanden, bei den andern 
katholischen Ständen den alten Glaubenshass gegen 
Mülliausen waclizurufen. Jetzt trat noch ein neues Mo- 
ment liinzu, das in der Geschichte der Eidgenossen- 
schaft neben dem religiösen immer das wichtigste ge- 
wesen ist, der Gegensatz zwischen Stadt und Land, 
oder zwisciien Aristokratie und Demokratie. Die 
unaufhörlichen Klagen der verbannten Mttlhausei* über 
die Willkür der Ratsherren waren nicht auf unfrucht- 
baren Boden gefallen, und als sie noch vernahmen, 
dass der Bürgenneister alle eidgenössischen Schrenben 
vor der Bürgerschaft geheim halte, wurde in den Ur- 
kantonen der Groll gegen die Stadtherren noch mäch- 
tiger als der Hass gegen die Neugläubigen. Die Lei- 
tung der Aktion gegen den Rat von Mülhausen ging 
von Solothurn auf die Länder über und erliielt damit 
einen aggressiveren (liarakter. Dass dabei die katho- 
lischen Urkantone gemeinschaftliche Saclie machten mit 
den protestantischen Mülhauser Praedikanten, was hatte 
das zu bedeuten in einer Zeit, da vor Paris solothur- 
nische Söldner für den hugenottischen Adel fochten, 
wälirend die Truppen der Urkantone mit dem Pöbel 
des Faubourg St-Antoine fraternisierten! 

Auf den Tagsatzungen der Stände Uri, Scliwj^z, 
Unterwaiden, Luzern und Zug bilden seit Mitte 1585 
die Mülhauser Angelegenheiten das wichtigste Trak- 
tanduni. Am 12. November wird beschlossen: „Es soll 



306 

jeder Ort auf den nächsten Tag ernste Instruktionen 
bringen, was gegen Mülhausen voi-zimehmen sei." Am 
29. April 1586 trifft ein geharnischtes Schi^iben in Mül- 
hausen ein, in welchem der Stadt vorgeworfen wird, sie 
habe sich bis jetzt allen Tagsatzungsbeschlüssen wider- 
setzt und ihr mit der Bundesaufkündung gedrolit wird. 
Mülhausen entschuldigt sich darauf, gibt aber keine 
bindenden Erklärungen, dass es den Finingern freies 
(xeleit gewähren wolle, und nun geht schon am 7. Mai 
das Ultimatum der V Orte nach Mülhausen ab. Es wird 
darin mitgeteilt, dass die V Orte einen Boten senden 
werden, um den Geleitsbrief für die Fininger und die 
Antwort auf das Ultimatum zu holen, damit die Stadt 
nicht wieder durch ausweichende schriftliche Antworten 
die Sache liinausscHeppe. Der Sclduss des Schreibens 
lautet recht herausfordernd: „Langt allso an üch . . • 
unser eydtgnossisch wolmeinen sinnen dem abgesandten 
potten (der dann daruff zewarten bevelcli hat) gedach- 
ten üwren gegentheilen ein gnugsam fry sicher ver- 
sehriben geleit fiir sie und die iren .... ouch ein 
lüttere Antw^jrt mit ja oder nein ohne allen wyteren 
nmbzug und ussreden den ergangenen eydtgnössischen 
erkhandnussen aller dinge statt zethund oder nit zu 
überschriben : dann wo veer disz unser bitlich eydt- 
gnossisch und W'Olmeinendt begärendt bi üch nit statt- 
finden sollte, können wir üch nit verhallten, wann das 
wir söllichs nit änderst dann den pündten zu \nder 
gehandlet uffnehmen wurdent, mitt erklärung, das uns 
nit wol lydenlich syn khöndte mit söUichen lütten, so 
all(* eydtgnossische erkhandtnussen und zuschriben nüt- 
zit achten ouch das eydtgnossisch unparthygisch recht 
schüchen und nit lyd(»n wollen lenger in verpündtnis 
zesyn : ob ouch der pott ohne willferige lüttere anndt- 



807 

wurt (alls von üch zuvor nier boscli(»ch(»n) abpfewist^n 
wurden, wellent wir disz für ein a])schle^^(» antwortt 
verstau und hallten.*' ^) 

Dieser Brief liess an Deutlichkeit nichts zu wün- 
schen übrig, wenn er auch nur einen gerechten Vor- 
wurf entlüelt, nämlich den, dass die Stadt so lange 
sich geweigert hattcs eidgenössische Vermittlung anzu- 
nelunen. Für eine Regierung, welche sich nicht mehr 
auf ihre Unterthanen verlassen konnte und nachgerade 
fast alle eidgenössischen Stände vor den Kopf gestossen 
hatte, war ein vollständiger Rückzug das einzig Ver- 
nünftige. Es scheint aber dem Mülhauser Rat durchaus 
an Männern gefehlt zu haben, welche die Sachlage» klar 
übei^schauten und die (Tcfalu* voraussahen, in welche 
jeder weitere Widerstand die Stadt stürzen musst(». In 
ihrer Ratlosigkeit schickten die Häupter dei' Stadt 
Boten nach Basel und fragten um Rat. Es folgte die 
Antwort, man solle sich doch ja den Tagsatzungsb(*- 
schlttssen fügen und aus Rücksicht auf die V Orte den 
Finingern das freie Geleit gewähren. 

Indessen war aber in der Urschweiz die (Geduld er- 
schöpft. Es zeigte sich jetzt, dass auf den Tagsatzungen 
in Luzem die Länder die Mehrheit hatten und (l(»n 
Feldzug gegen den verhassten Rat von Mülhausen in 
ihrer Weise durchführten. Gesandte aus Uri und Schwyz 
sollten nach Mülliausen reiten, und, olme den Rat zu 
beiücksichtigen, sich direkt an die Bürger wenden. Sie 
sollten nach Art der heimischen Landsgemcanden dii^ 
Einwohnerschaft auf dem Marktplatz versammeln und 
ihi' die Frage vorlegen, ob sie sich den Forderung(»n 
der Eidgenossen fügten wolle od(4' niclit. Zughnch 



'»• 



*) Cartulaire de Miühoitse N** 2502, 



308 



sollten sie die Bunde sbviefe mituelmien und sie den 
Mttlhausern zeigen, damit sie sähen, dass es Ernst gelte. 
Um die Demütigung des Rates noch vollständig zu 
machen, mussten die verbannten Mtilhauser Bürger in 
der Begleitung der Gesandten nach Mülhausen zurück- 
kehren. 

So ritten am Abend des 16. Juni 1586 Landam- 
mann Tanner von Uri und Seckelmeister Bühler von 
Schwyz mit stattlichem Gefolge in Mülhausen ein. 
l'nter ihrer Begleitung ritten die Fininger, und in 
einem hängenden Wagen fuhr Dr. Schreckenfuchs. Das 
plötzliche Erscheinen der Verbannten, welche noch ein 
besonders herausforderndes Gebahren zur Schau trugen, 
reizte die Bürgerschaft. „Sie fuhren daher, als ob sie 
Prinzen aus Persia wären," erzählt uns Zwinger. Es 
sollte aber noch besser kommen. Die Gesandten be- 
gaben sich mit ilu-er Begleitung in den Gasthof zum 
Hirschen, der dem Jakob Fininger gehörte, und liessen 
durch einen Boten den Amtsbürgermeister holen. Dieser 
begab sich mit zwei Ratsherren und dem Stadtschreiber 
in den Hii'schen, wo ihnen die Gesandten mitteilten, 
sie wünschten im Namen der VII katholischen Orte 
mit der Bürgerschaft wiegen der Bünde zu reden; die 
Bundesbriefe hätten sie gleich mitgebracht. Der Bürger- 
meister brachte dieses sonderbare Begehren im Rat vor, 
und man schickte am folgenden Morgen wieder zwei 
Ratsherren zu den Gesandten und liess sie bitten, doch 
in den Rat zu kommen und dort ihre Sache voi-zu- 
bringen. Die Gesandten weigerten sich, mit dem Rat 
in Verhandlungen zu treten und verlangten nochmals 
energisch, dass der Bürgermeister alle Bürger auf den 
Marktplatz zusammenrufe. Der Rat hielt diese Forde- 
rung füi' eine Kränkung, brach den Verkehr mit den 



309 

Gesandten ab, und gab Befehl, die Fininger und Dr. 
Schreckenfuchs, welche sich im Schutze der Gesandten 
sicher flUilten, zu verhaften. Bei dieser Verhaftung ging 
es etwas stürmisch zu; denn da die Missethäter sich 
hinter den Gesandten zu decken suchten, konnte es 
leicht geschehen, dass diese selbst in Lebensgefahr ge- 
rieten oder doch niit den Schwertern becb'oht wurden. 
.Tedenfalls fühlten sie sich nicht mehr ganz sicher und 
verliessen die Stadt so schnell wie möglich.^) 

In den ürkantonen erhob sich aber ein grosses 
Geschrei, Mülhausen habe das Gesandtenrecht verletzt, 
und besonders Uri war tief gekränkt, dass man seinen 
Landammann „statt mit Ehrenwein, mit gezückten 
Seh wertem" empfangen habe. Nun hat der Rat von 
Mülhausen bei diesem Vorfall jedenfalls recht thöricht 
gehandelt, und man sieht deutlich, dass unter den Rats- 
herrn keiner w^^r, der den Enist der Lage erfasste. 
Dagegen muss man auf der andern Seite auch sagen, 
dass das ganze Benehmen der Gesandten auf eine ab- 
sichtliche Kränkung hinauslief. War es schon eine Un- 
vei-schämtheit, die ärgsten Feinde der Stadt gleichsam 
als Ehrengäste mitzubringen, so involvierte die Forde- 
rung, unter Ignoriening des Rats direkt mit dem Volke 
zu verhandeln, eine Zumutung, welche sich keine selb- 
ständige Obrigkeit gefallen lassen konnte. 

Unglücklicherweise fielen nun diese Ereignisse in 
die Zeit, wo sich in Baden die eidgenössische Tag- 
satzung versammelte. Landammann Tanner und Seckel- 



^) Die HauptqueUcn fUr diesen VorfaU sind die Erzählung 
Zwingers, pag. 54 ff. Der Brief des Rates von Mülhausen an seine 
Gesandten in Baden, C'artulairc de Mulhouse N*' 2ö07 und der Be- 
richt Landamraann Tanners und Seckelmeisters Bühler auf der 
Tagsatznng zu Baden, Eidg. Abschiede 4, II, 1 p. 946 t. 



310 

meister Büliler ritten direkt nach Baden und erzählten 
brühwann, was ihnen geschehen. Von allen Seiten trafen 
nun in Mülhausen Mahnbriefe ein, welche rieten, den 
Urkantonen Genugthuung zu geben und die Fininger 
freizulassen; besonders Basel und die östeneichische 
Eegentschaft in Ensisheim mahnten eindringlich zuin 
Nachgeben. In einer besonders peinlichen Lage befan- 
den sich die in Baden anwesenden MiUhauser Tag- 
herren, Die Zürcher gaben ihnen den Rat, sich schleu- 
nigst zu entfernen, um dem Zorn der Altgläubigen zu 
entgehen. Sie wollten dem Rate folgen, aber als sie am 
21. Juni abends die Pferde bestiegen, kam der Weibel 
von Baden und befahl ihnen im Namen der V alten 
Orte, nicht von der Stelle zu weichen. Am folgenden 
Tag hielten die evangelischen Tagheiren, während die 
katholischen in der Messe waren, eine Beratung mit den 
Mülhauser Gesandten. Diese beharren auf der Abreise 
und steifen sich auf ihre Rechte als A'ertreter einer 
freien Reichsstadt. Aber auch ein zweiter Versuch, 
wegzureiten, wird durch den Stadtknecht verhindert/) 
und nun müssen sie denn vor versammelter Tagsatzung 
am 22, Juni die harten Anklagen der katholischen Tag- 
heiTen über sich ergehen lassen, dass man in Mülhausen 
gegen eidgenössische Boten die Schwerter gezückt habe 
u. s. w. Die Mülhauser Gesandten weigern sich, auf 
die Anklagen zu antworten, da ihre Instruktionen die 
jetzige Sachlage noch nicht vorsehen. In ähnlicher Lage 
bezüglich der Instruktionen befinden sich übrigens auch 
die übrigen Tagherren. Nachdem eine Zuschiift an Mül- 
hausen, in der man die Freilassung der Fininger fordert, 
abscldägig beantwortet Mird, erklären die Gesandten 

') C'artiihiire de 3Iulhou8e X« 2512. 



311 

der katholischen Stände, die Sache ^ad referendum '' 
nehmen zu wollen, da man sich eines solchen Trotzes 
gegen sie nicht versehen habe. 

Seit dieser Sitzung vom 22. .Tuni beginnt nun auch 
unter den eidgenössischen Ständen der Zwiespalt wegen 
des Finingerhandels. Ausser den V alten Orten treten 
Solothum, Freiburg und Appenzell als Cregner Mül- 
hausens auf, während Glarus zu den vier evangelischen 
Städten hält, die sich unter der Führung Zürichs der 
bedrohten Stadt annehmen. Über die Debatten, die sich 
zwischen den beiden Parteien auf der Tagsatzung er- 
heben, hören wir einiges aus einem Brief des Zürchers 
Achilles Rolu^er an den Rat von Mülhausen. ^) Er 
schi'eibt am 29. Juni: „Aber uff liüt hatt sich im rliatt 
ein ernstlich disputation erhebt und Glaris neben den 
i evangelischen ortten gern das best gethon: aber by 
den übrigen 8 ortten gantz nüt zu erheben gsin, son- 
dern sy wöUind nüt mer mit üch MüUiusem zu scliaffen 
haben, in summa alle früntschafft uffgesagt, sind gar 
hon, habendts in die abscheidt gnommen. Was üweren 
hotten für trotzwort begegnet wirt er selber üch khön- 
den berichten: in summa es wollend etlich drab veitz- 
däntzig werden." Aber auch nach der Tagsatzung wen- 
den die evangelischen Oite alles an, um den Bnich 
zwischen Mülhausen und den YlII Orten zu verhindern. 
Am 2. Juli richten sie ein Schreiben an die bedrohte 
Stadt, in welchem sie dieselbe dringend auffordern, sich 
bei den katholischen Orten wegen des Vorgefallenen 
zu entschuldigen und sich gemäss dem Bundesbrief dem 
eidgenössischen Recht zu unterziehen. Dieser Aufforde- 
ning kommt der Rat von Mülhausen nach. Sein Schrei- 

n ('artnlaii-o de MulliouHe N° 2516. 



312 

ben an die VII katholischen Orte und Appenzell geht 
am 8. Juli ab. Es enthält die Entschuldigung für die 
den beiden Gesandten Tanner und Bühler angethane 
Schmach, zugleich aber auch die Weigerung, die ge- 
fangenen Fininger zu entlassen. 

Während die VIII Orte auf das Sclweiben gar 
nicht antworten, bemühen sich die evangelischen Städte 
zunächst in Mulhausen selbst die Eintracht wieder her- 
zustellen. Ihre Gesandten treffen am 11. Juli in der 
Stadt ein, unter ihnen die Basler Wolfgang Sattler und 
Melchior Honilocher. Am 16. Juli wird von den Schieds- 
richtern der Spruch gethan, indem der Streit der Stadt 
mit den Finingem getrennt wird von ihrem Handel mit 
Dr. Schreckenfuchs. Der Schiedsspruch lautet: In der 
Eechtsft'age, wegen der Zuständigkeit im ersten Pro- 
zess von 1580, ist das Eecht auf Seiten der Stadt. Als 
Bürger einer freien Reichsstadt dürfen sie vor kein 
fremdes Gericht gehen. Was seitdem geschehen ist, soll 
vergessen sein. Die Fininger und Dr. Schreckenfiichs 
werden aus der Haft entlassen und in alle Ehren wieder 
eingesetzt, indem die bisher ausgestandene Haft als 
genügende Sühne fiir ihre Vergehen angesehen wird. 
Dieser Schiedsspiuch wird von beiden Parteien ange- 
nommen.^) 

Ein besserer Spruch konnte in diesem schwierigen 
Handel nicht gefällt werden; er hatte nui' den einen 
Nachteil, dass er um einige Jahre zu spät kam. Auf 
das Verhältnis zu den katholischen Orten hatte er keine 
Einwirkung mehr. Es waren unterdessen Dinge ge- 
schehen, welche bei den Urkantonen die Sache der Fi- 
ninger in den Hintergi*und treten Hessen. Der Rat von 

') Oartnlaire do ^[ulhouso X^ 2528 u. 2524. 



313 

Mülhauseii hatte sicli lanpre geweigert, das eidgenössi- 
sche Becht anzunehmen, er hatte den Gesandten der 
Landsgemeinden Uri und Schwyz das Recht abgespro- 
chen, mit der Bürgerschaft direkt zu verhandehi und 
den Landammann von Uri persönlich beleidigt: wenn 
so schwen^iegende Gründe vorlagen, was spielten da 
noch die Klagen einiger flüchtiger Rebellen, \ivie die 
Elninger es waren, für eine Rolle ! Umsonst berichteten 
auf der Tagsatzung in Baden vom 7. August 1586 die 
Gesandten der evangelischen (hte über den glänzenden 
Erfolg ihrer Vermittlungsthätigkeit, umsonst versicher- 
ten sie den Boten aus der Urschweiz, Jlülhausen werde 
sich bei ihnen in einem foimlichen Schreiben entschul- 
digen; die katholischen Tagherren nahmen die Mittei- 
lungen stumm entgegen. Ihr Entschluss war gefasst. 

Am 6. September fanden die entscheidenden Ver- 
handlungen auf einer Sonderkonferenz der VIII Orte 
in Luzern statt. Das Resultat derselben war folgen- 
der Abscheid:*) „Jedem Ort ist bekannt, wie unge- 
bührlich und uneidgenössisch sich seit einiger Zeit die 
von Mnlhausen gegen die katholischen Oite benehmen, 
mit w^elcher Geringschätzung sie jungst den Gesandten 
von Uri und Schwyz begegnet sind und wie wenig sie 
den katholischen Orten nützen, wie frevelhaft sie schon 
mehrmals den Bund gebrochen und ven^irkt haben und 
wie sie ihi-en Nachbarn viel Ursache zu Missvergnügen 
geben. Deshalb soll sich jedes Oit darüber beraten, ob 
man länger mit ihnen im Bund bleiben wolle oder nicht 
und seine Gesandten auf nächsten Tag zu Luzern mit 
Vollmachten darüber abfertigen." Der Nachbar, dem 
Mülhausen so viel „Anlass zu Missvergnügen" gegeben 

Eidg. Abschiede 4-, II, 1 p. 95:Sq. 



314 

hat, ist die österreichische Re^erung in Eiisisheiin, 
welche während des ganzen Finingerhandels auf seilen 
der Feinde Mfllhausens stand und über jede Demüti- 
gung der verhassten Stadt freundnachbarliches AVohl- 
behagen empfand. 

Auf der zweiten Sonderkonferenz vom -4. Oktober 
lauten die Instruktionen sämtlich dahin, „dass man nun- 
melu* genügende Ui-sache habe, denen von Mülhausen 
die Bünde herauszugeben; dieses soll jedoch in angemes- 
sener Fonn geschehen. Jedes Ort soll demnach seinen 
Bundesbrief mit Mülhausen auf den bevorstehenden Tag 
zu Baden schicken, damit daselbst die Übergabe ge- 
macht werde." Thatsächlich wartete man die Tagsatzung 
gar nicht ab; denn schon am 19. Oktober 1586 über- 
sandten die VIII Orte ihre Bundesbriefe*) mit einem 
Begleitschreiben als Absagebrief, dessen Schlusssätze 
hier folgen: „Wir finden also das uns weder tunlieh 
noch nützlich sige verner mit üch in sollichem Pundt 
zestan und das vnr ganz voUkomene gnugsame fug und 
ursach habendt üch denselben uffzesagen, abzekünden 
und hinuszegeben, wie dann wir hiemit thund und ücli 
sollichen jetz gemellten Pundt uffsagend, abkündend 
und die originalia desselbigen, nachem wir ünsre eeren 
sigell darabgeschnitten, üch hiemit usshin gebend und 
überschickend.'* Eine Motivierung dieses Vorgehens ist 
in dem Brief nicht enthalten, wir erfahren aber die 
wahren Gründe aus dem hn Luzerner Archiv befind- 
lichen Concept der Bundesauf kündung. *) Da heisst es: 
„Diss sind die gründ und Ursachen der Pundt^abkün- 
dung, wie wol maus in der abkündung nit gemeldet. 



M Eidg. AbHchiede 4, II, 1 p. 960 c. 
-) Eid*?. Abschiede a. a. O. 



315 

1) Im Cappelerkrie«: seien die von Mülhausen mit offe- 
nem Paner wider Bünde, Eid und Ehre als Feinde 
wider die V Orte zogen. 2) Im 1576 seien sie mit Pfalz- 
^af t-asimir samt den Beniem wider den König von 
Frankreich und die damals in französischem Dienst 
stehenden Tnippen der VII Orte gezogen ganz wider 
den ewigen Frieden und geschwornen Bünde und be- 
sonders wider derer von Mülhausen Bund, in welchem 
deutlich enthalten, dass sie in keinen fremden Krieg 
ziehen sollen, ohne der übrigen Orte oder deren Mehr- 
heit Wissen und Willen. 3) 1582 haben sie dem be- 
nannten Casimir abermals Zuzug geschickt dem abge- 
fallenen treulosen Bischof Gebhardt von Köln zu Hülfe 
zur Unterdrückung der katholischen Religion, i) Auf 
einem Tag zu Aarau 1584 haben sie mit den IV luthe- 
rischen Städten wider die katholischen Orte konspiriert 
und als ihre Gesandten wieder heimgekehrt, sogleich an 
(He Zünfte den Befehl erteilt, sich zu waffiien. 5) Im Fi- 
ningerhandel haben sie die Schreiben der katholischen 
Orte hinterhalten und der Bürgerschaft verheimlicht, 
in ihren Schreiben den katholischen Orten vielfach ge- 
trotzt; sie haben auch letzthin, als die Ratsgesandten 
von Uri und Schwyz in der 8 katholischen Orte Namen 
zu ihnen geritten, dieselben nicht wie Freunde und 
Eidgenossen, sondern wie mit gezückter Wehr nicht 
ohne gi'osse Gefahi' für deren Leben empfangen." 

Prüfen wir diese einzelnen Gründe auf ihre Stich- 
haltigkeit, so lässt sich nicht leugnen, dass die katho- 
lischen Orte gegenüber Mülhausen formell durchaus im 
Recht waren. Der schwerwiegendste Grund war jeden- 
falls der erste, die bundeswidrige Teilnahme am Kap- 
peier Krieg. Es war eine späte Abrechnung der Sieger, 
die bisher nur hinausgeschoben war. Die in Punkt 2 



316 

und 3 berührte Untei-stützung des Pfalzgi'afen C'asimir 
bei seinen Kämpfen gegen katholische Fürsten wider- 
sprach dem Wortlaut des Bundesvertrages vom 15. Ja- 
nuar 1515. Die betreffende Stelle des Bundesbriefes 
lautet: *) „Doch söUent wir die obgenannten von Mülhu- 
sen mit niemant keynen krieg nit anfahen und ouch 
niemant usserthalb der ej'dgnossschaft in keynem kiieg 
nit beholfen noch beraten sin one der obgenannten unser 
eidtgenossen von stetten und lendem aller gemeinlich 
oder des merteils under inen rat gunst wüssen und 
willen one alle geverde." Auch der vierte Vorwurf, d#h. 
die Kriegsrüstungen gegen die Katholischen im Finih- 
jahr 1584 war begründet. Nur war die Konferenz der 
evangelischen Städte nicht in Aarau, sondern in Lenz- 
burg. Auf diesem Lenzburger Tag am 24. März 1584 
war auch Mtilhausen durch den Bürgermeister Fink und 
den Ratsherr Schön vertreten.^) Da der Bürgerkiieg 
wegen des neuen Kalenders auszubrechen drohte, wurde 
folgender Beschluss gefasst: „Weil die Zeitverhältnisse 
allenthalben drohend sind und um der Gegenpartei Re- 
spekt einzuflössen, wird verabredet, dass jeder der evan- 
gelischen Orte und Städte seine Angehörigen ennahnen 
solle, sich mit Harnisch und Gewehr zu versehen, damit 
man auf einen unerwarteten Überfall vorbereitet ist.*- 
Nun muss doch betont werden, dass, auf solche 
Gründe gestützt, die VIII Orte jedem evangelischen Ort 
den Bund hätten aufsagen können. AVas man sich aber 
gegenüber Beni oder Zürich nicht zu thun geti-aute, 
dazu fand man den Mut gegenüber der kleinen, durch 
innere Zwistigkeiten geschwächten Stadt im Sundgau. 

') Eid<<. Abschiede 3, II, p. 1380 if. 
^j Eu\^. Ahschiede 4, IL 1 p. 823 e. 



317 

In Mülhausen henschte auf die Nachricht von der 
Bundesaufkündung giosse Verwin-ung. Der Rat hatte 
alle Verhandlungen mit den katholischen Orten vor dem 
Volke geheim gehalten mit der ganzen Ängstlichkeit 
einer Obrigkeit des XYL Jahrhunderts, und selbst als 
der Bote mit den herausgegebenen Bundesbriefen kam, 
bestach ihn der Bürgermeister Fink mit 2 Gulden, die 
Sache geheim zu halten und die Bundesbriefe wieder 
mit nach Baden zu nehmen. Um so niederschmettenider 
"wirkte nun auf die Bürger die Kunde von der Bundes- 
auflösung. Die verhängnisvollen Folgen des Ereignisses 
traten dem überraschten Volke nun auf einmal vor die 
Augen, und sein Unwille richtete sich natürlich gegen 
diejenigen, deren Pflicht es gewesen wäre, das Unheil 
abzuwenden, gegen die Obrigkeit. Das Volk meinte, 
der Bruch mit den VIII Orten wäre vennieden worden, 
wenn der Rat die Sache der Bürgerschaft vorgelegt 
hätte, und in dieser Ansicht musste es bestärkt werden 
durch das Benelimen jener Gesandtschaft aus den Ur- 
kantonen, welche ja durchaus verlangt hatte nur mit 
dem A'olk zu verhandeln. Diese dem Rat feindselige 
Stimmung benutzten die alten Gegner der herrschenden 
Geschlechter, die Fininger und Dr. Schreckenfuchs. Sie 
hetzten nicht nur im Geheimen, sondern öflfentlich in 
den Zunftstuben und Herbergen, so dass sie rasch 
gi'ossen Anhang g(»wannen. Sobald sie sich stark genug 
luhlten, gingen sie mit Gewalt gegen die Obrigkeit vor. 
Von den drei Bürgermeistern, Hartmann, Ziegler und 
Fink, setzten sie die beiden ersten ab und wählten an 
ihre Stelle A>ltin Fries und Hans Isenflamm. Auch ein 
neuer Rat wurde gewählt. Da aber der alte Rat nicht 
zurücktreten wollte, so wenig wie die beiden Bürger- 
meister, war die Stadt in zwei Lager getrennt. Auf 



318 



der einen Seite die Aiihän<?er der Fininger, welche der 
„grosse Haufen" Messen, imd ilinen gegenüber der 
alte Rat mit wenigen Getreuen, welche man den 
^kleinen Haufen" nannte. Zwinger braucht die 
Parteinamen „Guelfen" und „Ghibellinen." 

Diese Spaltung macht sich nun natürlich vor allem 
in den Beziehungen zur Eidgenossenschaft bemerkbar, 
und auf den Tagsatzungen erscheinen Gesandte von 
beiden Parteien, von denen sich selbstverständlich jede 
als die allein daseinsberechtigte ansieht. Auf dem Tag 
zu Baden *) den 30. November 1586 beschweren sich 
Gesandte des Mülhauser Rats, dass acht Orte ilmen 
den Bund gekündet und ihre Siegel zurückverlangt 
haben, und protestieren gegen ein solches Vorgehen. 
Ausser ihnen sind auch noch Abgeordnete der Bürger- 
schaft anwesend. Diese bitten die acht Orte um Ver- 
zeihung und wünschen ihren Rat, wie sie sich zu ver- 
halten haben. Die Bürgerschaft sei an dem ganzen Handel 
nicht schuld und erkläre sich bereit, die Schuldigen zu 
strafen. Die Boten der acht Orte sind natürlich „nicht 
instruiert," sie wollen den Protest des Mülhauser Rates 
nicht in den Abscheid nehmen, sondern zu Hause da- 
rüber schriftlich referieren. 

Da beide Parteien auf der Tagsatzung nichts er- 
i-eicht haben, suchen sie auf den Sonderkonferenzen der 
konfessionell getrennten Stände ihre Interessen zu wah- 
ren. Der Rat sucht Hilfe bei den evangelischen Orten 
und hofft durch ihre Vermittlung die Wiederaufiiahme 
in den Bund mit allen Orten erreichen zu können, wäh- 
rend die Bürgerschaft durch vollständige Demütigung- 
vor den Ylll Orten dasselbe Ziel zu erreichen sucht. 



') Ei(li>-. Abschiede 4, II, 1 p. 9(56 m. 



319 

Eine Zeit lang macht Basel den Versuch, zA\dschen (hm 
hadernden Mülhausern zu vennitteln. Ks entspinnt sich 
im Dezember 1586 ein reger Brieft^echsel mit beiden 
Parteien, der zu keinem Resultate* fiihrt, da Basel eben 
doch sich auf die Seite des gestürzten Rates, als der 
legitimen Obrigkeit, stellt. P^twas mehr Erfolg scheinen 
nnterdessen die Fininger auf einer Rundreise durch die 
katholischen (h-te gehabt zu haben. Nach ihrer Rück- 
kehr im Januar 1587 setzen sie in einer Denkschrift 
an die Bürgerschaft die jetzige politische Lage ausein- 
ander. *) Sie eröffnen die Aussicht, dass die Urkantone 
ilinen helfen wollen, und wanien die Bürgerschaft davor, 
nur mit den übrigen V Orten im Bund zu bleiben, da 
Mülhausen sonst östeireichisch oder Basel unterthan 
werde. Letzteres sei allerdings das grössere von iini 
beiden Übehi. Die von Mathis Fininger verfasste Schrift 
zeigt, dass dieser Mann kein Aufrührer gewöhnlichen 
Stils war, sondern über viel Menschenkenntnis und einen 
politischen Weitblick verfügte, wie ihn damals in Mül- 
hausen sonst wenig Leute besasjen. So erzählt er von 
den Urkantonen, man habe ihnen „an etlichen orten 
den erenwin geschenkt, allein sy ylen nit mit den 
Sachen." Auch das Urteil über Basel ist nicht gerade 
schmeichelhaft: „dan solte geschähen, das man von 
den 8 orten gar solte fallen und allein mit den übri- 
gen 5 wölte handeln und husshalm, so wäre gwiss je 
und nit anders den das wir und unsre nachkommen 
eintweders Ostreicher oder der Basler Herren 
undertanen (da uns Gott trüwlich vor bhuten 
wolle) werden miessten und nimmei-melu- zu eydt- 
gnossen werden.** 

*) Cartulaire de Mulhousc X^ 2535. 
Beiträge XV 21 



320 



In den Urkantonen liess man tliatsächlicli die Mül- 
han«er im Glauben, es sei noch Hoffnung auf AVieder- 
aufiialime in den Bund vorhanden. Als auf einer Kon- 
ferenz der katholischen Orte in Luzem den 3. Febniar 
1587 Abgeordnete der Bürgerschaft ersclüenen und um 
Unterstützung gegen den Rat baten, lautete die offi- 
zielle Antwort : ^) AVeil sie den Bund ver\^irkt haben, 
könne man ihnen nicht helfen, man könne sich über- 
haupt nicht mit der Sache befassen. In geheimen Ver- 
handlungen liess man aber durchblicken, es sei noch 
etwas zu machen, die Aufständischen sollten aber „vo- 
ran den garten räumen." Dieser dunkle Orakelspmch 
wurde dann dahin erläuteii:, bevor eine Wiederhei^stel- 
lung des Bundes in Diskussion gezogen werden könne, 
solle die Bürgerschaft die „Schuldigen" strafen, damit 
man sähe, dass sie selbst Keine Schuld am Bruch mit 
den katholischen Orten trage. Dass diese Schuldigen 
der Rat und die Bürgermeister seien und besondei-s 
der Stadtschreiber Schillinger, wurde den Mülhausern 
nur angedeutet und ihnen auch die „Execution" ubei^ 
lassen. Indem so die YIII Orte sich oifiziell neutral 
verhielten, im Geheimen aber die Bürgerschaft auf den 
Rat hetzten, erreichten sie am ehesten ihren Zweck: 
die A^ernichtung einer Obrigkeit, die sie schwer ge- 
kränkt hatte, den Sieg der demokratischen Idee in 
Mülhausen und — was man noch gern mit in den Kauf 
nahm — die Schwächung des nördlichen Bollwerkes 
der protestantischen Eidgenossenschaft. 

Der Erfolg dieser Politik liess nicht lange auf sich 
warten. Die Fininger und ihre Partei triumpliierten. 
Ihr(» Wühlereien gegen den Rat hatten jetzt eine reclit- 

\) Eid«:. Abschiede 5, I, 1 p. 2. 



321 

liehe (jrruiidlage, der iSturz und die Vcaiüchtimg der 
Kegierungspaiiei war das einzige Mittel, wieder in den 
Bund mit allen Eidgenossen zu kommen. Aufgeregte 
Volksliaufen wälzten sich gegen das Eathaus, nahmen 
die Bürgenneister und den Stadtschreiber gefangen. 
Gegen letzteren war die Erbitterung am gi'össten, da 
alle Staatsakten durch seine Hände gingen, und er als 
>;achfolger des abgesetzten Michel Fininger bei dieser 
Sippe ganz besonders verhasst war. Schillinger wurde 
causam gefoltert, ebenso die beiden Btirgermeist(^r 
Hartmann und Ziegler, ihre Anhänger wurden in ihren 
Wohnungen internieit. Die Aufständischen terrorisierten 
die ganze Stadt; sie drangen ins Zeughaus und plün- 
derten den Staatsschatz, in dem allerdings nicht viel 
zw holen war. Auch besetzten sie die Stadtthore; denn 
schon flohen viele Anhänger des Rats aus der Stadt 
nach Basel. 

Bevor man aber nun daran ging, an den Urhebern 
der Bundesaufkündung die Strafe zu vollziehen, wünschte 
man doch auch die Sache von ihrer juristischen Seite be- 
leuchtet zu wissen und wandte sich an den Freiburger 
Eechtsgelehrten Dr. Michel Textor. Aus dem Gutachten, 
das uns noch erhalten, ^) führen wir nur an, was sich 
Auf die Eidgenossenschaft bezieht. Die Bürger sollen 
den katholischen (h'ten melden, dass die Missethäter 
gefangen sind und anfragen, ob sie noch auf der Exe- 
iution bestehen. Falls die VIII Orte darauf bestehen, 
sollen sie es schiiftlich bescheinigen. Femer sollen sie 
Abschriften verlangen von allen denjenigen Briefen, 
welche die VIII Orte an den Rat gerichtet haben und 
welche dieser der Bürgerschaft vorenthalten hat. Drit- 

^) Cartulairc de Mnlliou«e N° 2ö70. 



322 



tens sollen sie Boten nach Zürich und Basel schicken 
und ihr Vorgehen gegen die Obrigkeit rechtfertigen, da 
es auf Verlangen der VEEI Orte geschehe. Endlich sollen 
si(» die Vermittlung des Bischofs von Basel anrufen, dass 
er seinen Einfluss bei den katholischen Orten dahin 
geltend mache, sie mit Mülhausen auszusöhnen. 

Unterdessen hatte sich die unterdrückte Ratspartei 
nach Basel um Hilfe gewandt, und es wurde rasch eine 
Konferenz der evangelischen Orte nach Aarau zusam- 
menberufen. Diese beschloss, eine Gesandtschaft abzu- 
scliicken, die sich am 28. Februar in Basel sammeln 
und am folgenden Tag nach Mülhausen reiten sollte. 
Jeder Stand sollte ein nachdrückliches Schreiben an die 
unruhige Bürgerschaft den Gesandten mitgeben samt dem 
Original des Bundesbriefes „inen zu einem Schrecken 
türzuzeigen," und der Vollmacht, mit Bundesaufkündung^ 
zu drohen. Anfang März 1587 trafen 13 Gesandte aus 
den evangelischen Orten in Mülhausen ein, unter ihnen 
4 Basler : Franz Rechburger, Jakob Oberried, J. J. Hof-- 
mann und Ohristian Wurstisen. Als die Gesandten am 
6. Mära die Bürgerschaft versammelten und ihre Schrei- 
ben vorgelesen hatten, übeiTeichten ihnen die Führer 
des Aufstandes im Namen des grossen Haufens ein 
Schriftstück, welches die Bedingungen enthielt, auf 
(TiTind deren die Verhandlungen geführt werden sollten. 
Von diesen Artikeln waren die drei wichtigsten : 1) Man 
wolle bei der evangelischen Religion bleiben. 2) Man 
wolle nichts unternehmen ohne Zustimmung aller drei- 
zehn Stände, d. h. auch der VIII Orte, und 3) An der 
Bundesaufkündung von Seiten der katholischen Orte 
sei nur der Rat schuld. 

Lautete nun der erste Punkt recht tröstlich fiii* die 
evangelischen (h'te, indem er etwaige stille Hofihungen 



B28 

<ler Altgläubigen auf einen Glaiibenswechsel der Mttl- 
hauser vemiclitete, so waren die beiden andeim Artikel 
fiir die fünf evangelischen Orte unannehmbar. Denn 
<ler zweite Punkt anerkannte die V Oile ohne die VIII 
anderen gar nicht als kompetent, einen Schiedsspruch 
zu thun, und der dritte verlangte die Bestrafung des 
Hates, zu dessen Schutze» eben die Gesandten gekommen 
A\^aren. Als die Gesandten sich daher weigerten, die 
beiden Punkte anzunehmen und von den Bürgeni ver- 
langten, dass sie sich dem Schiedssprüche der V Orte 
fugten, antwortete der neue Bürgenneister Veitin Fries: 
man sei in Mül hausen nicht gewohnt, sich von den Kid- 
Genossen Rat und Richter setzen zu lassen.** Die (Te- 
i^andten blieben die Antwort nicht schuldig: „Die wahren 
Schuldigen am Bru«jh mit den VIII Orten seien nicht 
die Häupter der Stadt, sondern die Finingc^r und ihr 
Anhang." Nachdem man sich solche Artigkeiten gesagt 
hatte, wurden die Verhandlungen abgebrochen. 

Am folgenden Tage führen die Bürger noch eine 
schärfere Sprache; sie verlangen von den Eidgenossen 
die Einsetzung eines Malefizgerichtes, um die gefange- 
nen Anhänger d(»s Rates verurteilen zu können. Die 
Gesandten nc^nnen diese Fordeiung „unverschämt.'' So 
schleppen sich die Verhandlungen durch (üne ganze 
Woche lundurch. Das Misstrauen der Bürger gegen die 
evangelischen (h'te ist zu gi'oss, als dass irg(»nd etwas 
en-eicht werden könnte. Besonders schleicht zu sprechen 
sind sie auf Basel und Zürich; sie erkühnen sich ein- 
mal zu verlangen, dass die Boten dieser Orte von den 
Beratungen ausgeschlossen werden. Am 12. März einigt 
man sich dahin: es soll Friede sein in der Stadt bis 
zur nächsten eidgenössischen Tagsatzung. A^'eigern sich 
-die VIII Orte, bei der Intervention zur Herstcdlung des 



324 

Friedens in der Stadt mitzumachen, so wollen beide 
Parteien sich dem Schiedsspruch der V Orte fügen. ^) 

Diese Abmachung war gegen den AVillen der Haupt-^ 
rädelsführer unter den Aufständischen getroffen worden, 
welche von einem Schiedsspruch der V Orte allein nichts 
Gutes zu erwarten hatten. Sobald sie sahen, dass die- 
Gemässigten Miene machten, den V Orten sicli zu fügen, 
verliessen sie die Stadt und eilten nach Luzern. Dort 
wurden sie auf einer Konferenz der katholischen Stände 
vorgelassen und beschworen die Boten, sie doch ja nicht 
den evangelischen Orten preiszugeben. Sie legten auch 
Briefe der V Orte vor, in denen den Mülhausern mit 
Gewalt gedroht wird, und einen Brief von Bern, in 
dem die VIII Orte „ziemlich trüzig angezogen und ge- 
schmutzt werden." Sie wurden an *die allgemeine Tag- 
satzung gewiesen, die Anfang April in Baden war.. 
Aber auch hier traten die katholischen Orte nicht aus 
ihrer zurückhaltenden Stellung heraus, obwohl die p]van- 
gelischen sie dringend baten, doch Mtilhausen in den 
Bund wieder aufzunehmen und an der Herstellung des 
inneren Friedens in dieser Stadt mitzuwirken. Die Tag- 
hen-en aus den VIII Orten erklärten, sie seien hierfür 
nicht instruiert. Da ihre Oberen in keinem Bündnisse 
mehr mit Mülhausen ständen, so wollten sie sich auch 
nicht in die inneren Streitigkeiten der Stadt mischen. 
Sie überliessen es den V Orten, in diese Angelegenheit 
einzugi-eifen. ^) 

Ks ist eines der bezeichnendsten Merkmale dieses 
langwierigen Handels, dass seine Lösung von einer 
Tagsatzung zur andern weitergeschoben wird und nach 

M Eidir. Abschiede 5, I, 1 j). 4, b iiiid p. 7 a. 
-) Eid^. Abscliiede 5, I, 1 p. 17. 



325 

jeder Tagsatzung die Lage vei'wi(tk(»lter iat als vorher. 
Seit der letzten Erklärung der katholischen Orte ver- 
schwindet der Finingerhandel von der gemeineidge- 
nössischen Traktandenliste und ist förmlich an die 
evangelischen (hte zur Erledigung gewiesen. Wenn 
damit scheinbar auch Klarheit geschaflfen ist, so sind 
doch die Verhältnisse schon zu verworren und die In- 
teressen schon zu versclueden, als dass durch blossen 
Scliiedsspruch, wenn er auch noch so gereclit ist, 
die Gemüter beruhigt werden können. Die einzige 
kompetente Instanz, vor die der Streit in Mulhausen 
gebracht werden kann, sind die evangelischen Orte. 
Da sie aber unzweifelhaft auf der Seite des Rates 
stehen, d. h. des kleinen Haufens, sind sie deijenigen 
Partei verdächtig, die jetzt die Macht in Händen hat 
und sie durch einen Schiedsspruch der V Orte sicher 
verlieren wird. Die letztere Partei wird sich also gegen 
jede Intervention der evangelischen Orte sträuben und 
aus (irlinden der Selbsterhaltung doch immer wieder die 
katholischen Orte in die Sache liineinzuzielien suchen. 
Und nun kommt dazu, dass die allgemein politische 
Lage die neutrale Stellung der katholischen Orte eben 
illusorisch macht und sie zwingt mehr oder weniger 
offen auf die Seite der aufständischen Bürgerschaft zu 
treten. 

Als die evangelischen Orte auf einem Tag zu Aarau 
am 30. April 1587 beschlossen, eine gemeinsame Ge- 
sandtschaft nach Jilülhausen zu schicken und die Mög- 
lichkeit, Gewalt brauchen zu müssen, schon ins Auge 
fassten, wandten sich Abgeordnete des gi'ossen Haufens 
an die Urkantone, die in Luzem am 12. Mai tagten, 
und baten sie, docli auch Gesandte nach Mulhausen zu 
schicken. Nach längern Debatten hielt man es doch für 



326 



besser, wenn auch (Tpsandte der katholischen Orte den 
Verhandlungen in Mülhausen beiwohnten, und man 
schickte die Mülhauser Abgeordneten auch zu den an- 
deren katholischen Orten. Schliesslich schickten nur 
Uri, Schwyz, Unterwaiden, Luzeim und Zug Gesandte 
mit der Instruktion, allen Verhandlungen beizuwohnen, 
aber nicht in dieselben einzugi*eifen. 

So langten denn thatsächlich Mitte Mai Gesandte 
von 10 Orten in Mülhausen an. Aber sie ritten, nach 
den Parteien getrennt, in die Stadt ein, und während 
die Bürgerschaft die (lesandten der evangelischen Ort<? 
mit unverhohlenem Misstrauen empfing, geriet sie fast, 
ausser sich vor Freude, als die Katholischen ihren Ein- 
zug hielten. Zwinger erzählt uns daiüber: „Über die 
Ankunft der katholischen Gesandten freuet sich Weib 
und Mann, Jung und Alt. Sie rüsten sich darauf, als 
hätte ihnen Kiinig Heinrich von Frankreich entbotten, 
zu ihnen auf die Kirch weih zu kommen." Trotzdem 
wurden die Verhandlungen nur zwischen den Aufständi- 
schen und den Gesandten der evangelischen Ortt» ge- 
führt; die andern erklärten, sie seien nur „ad audien- 
dum*' gekommen und führten ihre Rolle bis ans Knde 
durch. Die Bürgerschaft verlangte von den V Oiten, 
dass sie aus ihrcM-, d. h. der Bürger Mitte, 24 Richter 
bezeichnen und ihnen die Malefizgerichtsbarkeit, d. h. 
das Recht, Todesurteile zu fällen, zugestehe. Diese For- 
derung schlugen die Kidgenossen ab; denn mit diesem 
Zugeständnis hätt(»n sie die gefangenen Ratsherren samt 
den Bürgermeistern ans Messer geliefert und die provi- 
sorische Regierung der Aufständischen als rechtmässige 
Obrigkeit anerkannt. In ihren Augen war aber immer 
noch der im Gefängnis (nngeschlossene Rat die gesetz- 
mässige Behörde», so lange nicht seine Schuld nachge- 



327 

wiesen war. Wie ^'oss diese Schuld in den Au^en der 
Bürgei-schaft war, sollten sie bald erfahren. Ein Aus- 
«chuss der Bürgerschaft überreichte ihnen eine Klag- 
sclirift gegen die alten Häupter der Stadt, W(dche 108 
Artikel enthielt. Die schwersten Anklagen sind: Auf- 
lösung des Bundes mit den VIII Orten, Yerschleude- 
i-ung öflFentlicher Gelder, Versuch die Fininger zu ver- 
drillten und Vorlegung gefälschter Briefe auf der Tag- 
satzung zu Baden. Die Gesandten verlangen nun, dass 
man sie zu den (lefangt^nen in den Kerker führe, damit 
sie die Angeklagten verhören können; (*s wird ihnen 
-abgeschlagen. Darauf fordern sie, dass man die Folte- 
iimg der beiden Bürgermeister Hartmann und Ziegler 
und des Stadtschreibers einstelle ; auch das wird ihnen 
venveigert. Die Kidgenossen brechen die Verhandlungen n 
ab und rüsten sich ziu- Heimreise. ^) 

Die Nachricht vom Abbruch der Verhandlungen 
raubte denen vom „kleinen Haufen" die letzte Hoffnung 
auf Eettung. Sie drängten sich vor den „Engel," wo die 
Gesandten der evangelischen Orte ihr Quartiei* hatten, 
und besondei*s die Frauen und Kinder der entflohenen 
Bürger, die nun ohne jeden Schutz waren, baten flehent- 
lich, man möge sie doch mitnehmen. Die Eidgenossen 
hatten Erbarmen mit ihnen und erlaubten ihnen, sich 
hinter sie auf die Pferde zu setzen. Wer auf den Pferden 
keinen Platz mehr habe, solle zwischen den Pferden 
im Schutze der Gesandten reiten. Um ganz sicher zu 
sein, begeben sich die beiden Basler J. J. Hofmann und 
Birsnieister Heinrich Werdenberg zum neuen Bürger- 
meister Veitin Fries und erklären ihm, dass sie jede 
Beleidigung ihrer Schutzbefohlenen als Feindseligkeit 

^) Ei(l{?. Absclnedc 5, I, 1 p. 24 a. 



328 

gegen die Kidgenossen betrachten werden. Dann be- 
wegt sich der seltsame Zug vom Engel nach dem 
Baslei-thor. Hinter den Gesandten und ihren Knechten 
sitzen die Weiber und Töchter der entwichenen Rats- 
herren, und zwischen den Pferden drängt sich flüch- 
tiges Volk. AVie eine dunkle Ahnung des Kommenden 
klingt das Abschiedswort des Basler Stadtschreibers 
Christian Wurstysen, das er an Zwinger richtet: „Nun 
fahren wir dahin mein Zwingere, Euch aber müssen ^nr 
mit Schmertzen wie ein Schaf under diesen Wölfen 
lassen : Dabit Dens his quoque finem. Ach das bald ge- 
schehe." Wie der Zug zum Baslerthor gelangt, lässt 
die Wache die Fallbrücke herunter, Bewaffnete dilngeii 
auf die Reiter ein und bedrohen Sie mit den Schwer- 
tern. Die Frauen und Töchter werden von den Pferden 
gerissen, die Kinder mit Spiessen zurückgestossen. Ein 
wildes Getümmel entsteht. Als Herr Rechburger von 
Basel dem Thore zudrängt, fallt ihm ein Mülhauser in 
die Zügel und reisst das Pferd herum, Herr Imanuel 
von Bern wird samt seinem Pferde zu Boden gerissen. 
Die Schutzbefohlenen der eidgenössischen Gesandten 
werden in die Stadt zurückgetrieben, und mit Mühe 
entkommen diese selbst aus der Stadt. *) 

Wie eine bittere Ironie klingt nach diesem Bericht, 
was uns Zwinger vom Abschied der katholischen Ge- 
sandten erzählt: „Und auf dass unsre schöne Weiber 
das ihre täten, versammelt eine alte und wohlbekante 
Bürgerin, ein kleines Weiblein, eine gi'osse Anzahl der 
Burgersweibeni ; die künstelten viel und mancherley 
Gebackenes rund, leng, breit, hoch, geviert, weiss, 
braun, gelb, rot. Diss verehrten sie den catholischeu 

^) Zwiiigor )). 45() ff. 



329 

Gesandten feyerlieh und auf das schönste g:epiitzt und 
ausgestrichen. Dann gaben die Gesandten zur Gegen- 
verehrung fünfzehn Franken, die verzehrten sie stracks 
in Meister Hans Liechtenauers Haus, damit das Geld 
nicht schimlich wurde; da fingen sie an sammt andern 
mithelftenden und zustimmenden Mehlmummen die 
Freudensuppen zu essen und von heller Stimm zu 
singen: Gott sy gelopt, der Hundt ist ginacht und 
allerdings zuwegen bracht. Summa, der Himmel hing 
voller Schäferpfeifen, und da sie jetzt im Abreiten 
waren, schenkt man den (gesandten zum Valete 8t. Jo- 
hannes Trunk und Segen in hohen silbernen GeschiiTen 
auf freier Gasse ein." 



III. 

Der Kriegszug gegen MUihausen. 

Die (.Tesandten der evangelischen Oite waren schwer 
beleidigt. Und nnn hätten sie logischenveise, nach der 
Meinnng eines heiTOiragenden Historikers/) eben auch 
Mnlhausen den Bund aufkünden sollen, wie es die 
katholischen Orte machten, als sie fanden, die Stadt 
habe das Gesandt schaftsrecht verletzt. Statt dessen 
hätten sie gleich den AVeg der Gewalt betreten und 
unnötiges Blut vergossen! Dagegen lässt sich doch 
verschiedenes einwenden: Jene Gesandtschaft aus den 
Urkantonen war von Bürgenneister und Eat, von dem 
offiziellen Mülhausen, gekränkt Avorden, hier aber han- 
delte es sich um die wiisten Ausschreitungen des (yassen- 
pöbels, der gleicherweise der Feind der protestantischen 
Eidgenossen, als der Miilhauser Regierung war. E& 
kommt ferner dazu, dass eine Bundesaufkündung von 
Seiten der evangelischen Orte doch etwas iindei-e Fol- 
gen haben musste, als diejenige der VIII Orte. Für 
diese letzteren war Mülhausen ein unnützes, ja schäd- 
liches Glied des Bundes, dessen Ausstossung der ka- 
tholischen Eidgenossenschaft nur Vorteil bringen konnte. 
Aus demselben (Grunde mussten aber die evangelischen 

M Dr. A. IMi. V. Scf^essiT: Ludwig: Pfvifer und neiiie Zeit, 
Band III, p. 208 ff. 



331 

Orte Miilhaiisen im Bunde zu halten suchen, da sein Ver- 
lust die protestantische Eidgenossenschaft geschwächt 
hätte. Und wer anders als die Urkantone war schliess- 
lich Schuld daran, dass die fiinf evangelischen Orte auf 
diplomatischem Wege nichts mehr erreichen konnten 
und zum Schwert greifen mussten? Was hatten denn 
bei den Schiedsverhandlungen im Mai die Boten der 
katholischen Orte zu thun, nachdem sie das staats- 
rechtliche Verhältnis zu Mülhausen gelöst und noch auf 
der letzten Tagsatzung erklärt hatten, sich in gar nichts 
mischen zu wollen. Wenn sie auch nicht in die Ver- 
handlungen eingiiffen, so war doch die blosse That- 
sache ihres Anwesendseins eben immer eine stille Auf- 
forderung an die Bürgerschaft, den evangelischen Orten 
zu trotzen. Wenn diejenigen Orte, welche mit der Re- 
gierung gebrochen hatten, jetzt, wo die Stadt in den 
Händen der Aufruhrer lag, diese mit einem Besuche 
beehrten, so war das ein deutlicher Ausdruck der Zu- 
friedenheit mit dem jetzigen Zustand der Dinge und 
eine beständige Ennutigung für die Aufständischen, 
sich auf den Schutz der katholischen Orte zu verlassen. 
Dank dieser zweideutigen Haltung der katho- 
lischen Orte konnte es dann so weit kommen, 
dass beim Baslerthor bernische Tagherren vom 
Pferde gerissen wurden, während die katholi- 
schen Gesandten sich von den Mtilhauser Wei- 
bern den Ehrentrunk kredenzen Hessen. 

Nach der Abreise der Eidgenossen wurde in der 
Stadt die Lage des „kleinen Haufens" immer bedenk- 
licher. Wer sich noch flüchten konnte, verliess die Stadt 
und wandte sich nach Basel. Die Anhänger des Rates 
sollten alle umgebracht werden. Die Rebellen errich- 
teten einen Galgen, und da in der Stadt kein Henkei-, 



3B2 



sondern nur ein Wasenmeister war, wollten sie den 
Scharfrichter von Thann holen lassen. Dieser aber ant- 
wortete den Bot^n: „Er besorge bald zu einer andern 
Kilbe nach Mülhausen bei'ufen zu werden." Überall er- 
lüelten sie ähnliche Antworten, in Rufach, Colmar, Brei- 
sach und Landser, Dadurch Avaren die Gefangenen vor- 
läufig gerettet, und schon wurde in Basel ihre end- 
gültige Befreiung vorbereitet. 

Dortliin hatten sich die evangelischen Tagherren 
begeben, und als sie am 27. Mai ihre Beratungen be- 
gannen, erschienen 30 Mülhauser Flüchtlinge, unter 
ilinen der Bürgermeister Othmar Fink, und baten um 
Hilfe. Sie versprachen die Kosten der Unternehmung zu 
tragen. Darauf wurde beschlossen,^) den Mülhauser Auf- 
ständischen noch einmal das Recht zu bieten ; sollte es 
ausgeschlagen werden, dann werde man zum Schwerte 
greifen. Basel erhielt den Auftrag, Gesandte an die 
österreichische Regentschaft in Ensisheim zu schicken 
und sie von der Sachlage in Kenntnis zu setzen. Fenier 
sollte sich Basel bei den in der Stadt verweilenden 
Mülhausern im Geheimen erkundigen, wie ihre Stadt 
am leichtesten einzunehmen sei. Der Kriegszustand 
wurde dadurch schon festgestellt, dass man beschloss, 
jeden Mülhauser vom „gi-ossen Haufen," wo man ihn 
treife, gefangen zu nehme«. Das erste Opfer dieses Be- 
schlusses wurde durch Zufall gerade der Anstifter des 
ganzen Unheils, Jakob Fininger. Als er wieder einmal 
eine seiner Rundreisen in die katholische Eidgenossen- 
schaft unternahm, wurde er zwischen Solothmn und 
Luzern auf Bernergebiet verhaftet und später, trotz dem 
Protest der katholischen Orte, in Bern hingerichtet, 

') Eidg. Abschiede 5, I, 1 p. 26 a. 



3H8 

Überhaupt entwickeln die V Orte nun eine Ener- 
gie, (lie sie wolil fiir eine allgremein eidgenössische 
Sache nicht aufgebracht hätten. Noch am 27. Mai geht 
das Ultimatum an Mülhausen ab: Unterwerfung unter 
den Schiedsspruch der V Orte oder Krieg. Am 29. trifft 
in Basel eine abschlägige Antwort ein. Am 30. über- 
sendet Basel diesen Brief an den Vorort Zürich und 
macht ilnn den Vorschlag, man wolle gleich ins Feld 
jziehen, bevor die Aufständischen von irgend einer Seite 
her Hilfe erhalten und die Gefangenen hinrichten kön- 
nen. In einem Postscriptum teilt der geheime Rat von 
Basel dem Vorort mit, es befinde sich in Basel ein fran- 
jzösischer Offizier Namens de Cusde, der sich anerboten 
habe, Mülhausen in drei Tagen durch Überrumpehuig 
zu nehmen, wenn man ihm dazu Vollmacht g(»be. 

Zürich schreibt nun eine Konferenz der evangeli- 
;schen Orte nach Aarau aus, wo am 11. Juni die ent- 
>;cheidenden Beschlüsse gefasst werden ^) Leider er- 
fahi'en wir wenig über die vorhergehenden Debatten. 
Es scheint, dass Basel hauptsächlich zum Losschlagen 
gedrängt hat, jedenfalls war es am meisten dabei in- 
teressiert. Das Schicksal Mülhausens beunruhigte diese 
Stadt am meisten; über achtzig flüchtige Mülhauser 
weilten in ihren Mauern und drängten zum Krieg. Am 
meisten zurückhaltend war Glarus, sei es, dass die ka- 
tholische Minderheit in der Heimat Sclnvierigkeiten 
machte, oder dass gewisse demokratische Sympatluen 
fllr die Erhebung der Mülhauser gegen die Herrschaft 
der Oligarchie bei dem Glarnervölklein vorhanden wa- 
ren. Den Ausschlag gab jedenfalls die auswärtige 
Politik der protestantischen Orte, d.h. ihre Stel- 



\) Eidg. Abschiede 5, I, 1 p. 21 a. 



334 



hing zu dem Weltkampf, der in Frankreich ausgefoch- 
ten wurde. 

Es ist wiederholt darauf lüngcwiesen worden, wie 
die Teilnahme der protestantischen Städte und beson- 
ders Mülhausens an den Hugenottenkriegen in Frank- 
reich die Haltung der katholischen Stände im Fininger- 
handel bestimmte und mit eine Ursache der Bundes- 
aufkündung seitens der VIII Orte \^niirde. Als nun im 
Herbst 1585 die Städte, Bern, Basel, Zürich und Schaff- 
hausen an einer Konferenz in Magdeburg teilnahmen^ 
wo eine gemeinsame Miktion deutscher Fürsten und 
Städte zu Gunsten Heinrichs von Navarra beschlossen 
wurde, ^) gerieten die katholischen Orte in grosse Auf- 
regung. Sie erhielten die Nachricht durch den französi- 
schen Botschafter Fleury, der zugleich eine Beschwer- 
desclirift gegen die protestantischen Orte überreichte. 
Nach Fleurys Angaben sollten die vier Städte in Mag- 
deburg ein Hilfskorps von 10 — 12,000 Mann verspro- 
chen haben. Thatsächlich erschien auch schon im Ok- 
tober 1585 als Gesandter Heinrichs von Navarra ein 
Herr von Clervant bei den protestantischen Städten, 
um wegen der Absendung einer Hilfsmannschaft zn 
unterhandeln. Die Sache verzögei-te sich, weil Benu 
Zürich und Basel noch hofften, durch eine besondere 
(Tesandtschaft an Heinrich III den Frieden in Frank- 
reich vermitteln zu können. Als dieser Veimittlungs- 
versuch aber scheiterte, wurden die Vorbereitungen fiii* 
den Hilfszug (»ifi'ig betrieben. Ausser Clervant be- 



') Cysat: Zjttniig nss Tütschlaiid den 9 OctobrLs 1585 iin 
Staatsarchiv Lnzcru, Akten: Frankreich, Kriege und Friedens- 
schlüsse. 



335 

fanden sich eine Anzahl Agentc^n und Oifiziere Navanas 
in der Schweiz, um die Werbun«: und Ausrüstung der 
Truppen zu besorgen. 

Im Frühjahr 1587 waren 12,000 Mann bereit, nach 
Fraiiki-eich zu ziehen. Gegenüber den Vonvürfen der 
katholischen Oite erklärten die Städte, sie hätten oifi- 
ziell mit dieser Truppenwerbung nichts zu thun. Si(* 
versicherten, ihren Unterthanen sei das Reislaufeu ver- 
boten worden, und Basel habe seinen Hauptleuten, 
welche das Verbot übertraten, die Fähnlein weggenom- 
men und sie mit Gefängnis bestraft. Diesen A^ersiche- 
ningen schenkte natürlich niemand Glauben ; sie w^aren 
auch melir für den französischen Botschafter bestimmt, 
der auf den Tagsatzungen im Namen des Königs gegen 
diese bündniswidrige Werbung protestierte und alles 
aufwandte, den Zug zu verliindern. 

Uie protestantischen Hilfstruppen sollten zu dem 
Heere stossen, das Heraog Johann (-asimir am Slittel- 
rhein sammelte und das dann auch wirklich im Herbst 
1587 unter dem Grafen Fabian von Uohna in Lothrin- 
gen einbrach. Der Weg, den die protestantischen 
Schweizersöldner einschlagen mussten, führte über Mül- 
hausen. So lange aber die Stadt unter dem Einfluss 
der katholischen Orte, teilweise auch unter demjenigen 
der österreichischen Regiernng in Knsislieim stand, war 
der Durchmarsch fast unmöglich. Und da bei der feind- 
seligen Gesinnung der in der Stadt lierrschenen Partei 
Verhandlungen aussichtslos waren, so musste dieses Hin- 
deniis mit Gewalt aus dem Wege geräumt werden. So 
kamen die evangelischen Städte in die seltsame Lage, 
nun ihrerseits an Heinrich von Xavarra einen Rückhalt 
suchen zu müssen. Sein Unterhändler Clervant gab die 
Zusicherung, dass er im Kriegsfall die Operationen der 

Beitrage XV 22 



336 

protestantisclieii Orte gegen Mttlhausen unterstützen 
werde. ^) Er scliickte Offiziere und Ligenieure nach 
Basel und Hess einen Teil der in Burgnnd stehenden 
navairesischen Truppen an die Grenze des Bistums 
Basel rücken. Besonders Bern rechnete auf französi- 
sche Unterstützung. Als seine Truppen zum Mülliauser 
Zug aufbrachen, ei'suchte es Olervant, er möchte 500 
Schützen aus dem Heere Heinrichs, die bei Montb^liard 
standen, nach Mtilhausen schicken, da ein längerer 
Widerstand der Stadt vorauszusehen sei. Es bat auch 
den französischen Kommandanten, daflir zu sorgen, dass 
auf dem Durchmarsch das österreicliische Gebiet ge- 
schont Averde. Der rasche Verlauf des Mtilhauser Feld- 
zugs machte dann das Eingreifen französischer Tnippen 
in die Aktion überflüssig; sie blieben aber noch bis iin 
Herbst an der Grenze stehen, um die linke Flanke der 
durch den Sundgau ziehenden Schweizer zu decken. 

Unter Berücksichtigung der damaligen politischen 
Lage in der Eidgenossenschaft werden nun in Aarau 
die Dispositionen fiir den Kiieg getroffen:^ Da man 
befürchtet, die VIII Orte möchten den Mülhausem zu 
Hilfe kommen, beschliesst man rasch vorzugehen. Der 
Basler Hauptmann Balthasar Irmi soll mit 500 — 600 
Mann, hauptsächlich Schützen, am 17. Juni gegen Mül- 
hausen marscliieren, die Zugänge zur Stadt besetzen 
und Mülhausen vorläufig einschliessen. Am 18. soll das 
Bemer Kontingent mit 600 Mann vor. Mülhausen ein- 
treffen, am 19. Zürich mit 600 und Schaffhausen mit 

*) Brief Berns an l-lervant. Staatsarchiv Bern, Welsch, 
Missivenbuch H. 129 u. 130. 

-) Eids:. Abschiede 5, I, 1 p. 29 a. 



HH7 

300 Mann in Basel sein und gleich weiter marsclüeren. 
(41aru8, deHsen (resandter keine Vollmachten hat, soll 
so bald wie möglich nachfoliaren. — Alle Vorbereitungen 
sollen im Geheimen geschehen, die Kosten werden ge- 
meinschaftlich getragen. — Man eiwartet, dass die Miil- 
hauser sicli gleicli ergeben, Wenn sie sehen, dass es 
Emst gilt. Darum soll Irmi, sobald er vor der Stadt 
angelangt ist, einen Trompeter hineinschicken und die 
Stadt im Namen der V Orte aufFonleni, ilmen zu ge- 
horchen und ihr unparteiisches Hecht anzunehmen. Soll- 
ten sie das nicht thiin, so werde man Gewalt anwen- 
den, um der entsetzten Obrigkeit und den redlich den- 
kenden Bürgen) gemäss der Bünde und mit Hilfe Gottes 
zmn Recht zu verhelfen. Falls Mülhausen sich wirklich 
ergibt, soll Iimi die Stadt besetzen und auf weitere Be- 
fehle warten. — An die österreicliische Regiei-ung sollen 
zwei Basler Ratshen-en mit Kredenzbriefen abgehen und 
ihr melden, wvlche (irtinde die V Orte zu ihrem Vor- 
gehen bewogen haben. Sie sollen die Versicherung ab- 
geben, dass die Regentschaft für ihr Land nichts zu 
besorgen habe und sie bitten, den Truppen vor Mül- 
hausen Lebensmittel gegen Bezahlung nachbarlich zu- 
kommen zu lassen. Endlich soll Zürich in dem Augen- 
blick, wo seine Truppen ausziehen, den fünf inneren 
Orten, und ebenso Bern den Städten Freiburg und 
Solothuni den Auszug mitteilen. Sie sollen auch der 
Erwartung Ausdnick geben, dass die katholischen Orte, 
weil nicht mehr im Bund mit Mülhausen, sich dieses 
nicht zuwider sein lassen noch dieser Sache sich an- 
nehmen werden. — Der Abscheid schliesst mit den 
Worten: „Der AUmechtige Gott welle dissere sach zu 
einem glücklichen Ussgang und zu fridt, iniw und 
Wohlfahrt unsres allgmeinen geliebten vatterlandts 



388 

durch siuen heiligen sägren und gnad richten und 
leiten.'* 

Es wurde uun in den IV Städten in aller Stille 
gerüstet. Besonders eifrig war Basel, das seit mehr als 
fünfzig Jahi-en keine kriegerischen Rüstungen mehr in 
seinen Maueni erlebt hatte. Hirn war die führende Rolle 
im koimnenden Feldzug zugedacht, es musste nicht nur 
seine eigene Mannschaft am raschesten auf die Beine 
stellen, sondern auch Quartiere für die Kontingente der 
andern Orte hergeben und für Proviant sorgen. Es sind 
uns darum auch besonders ausführliche Ratsprotokolle 
,aus jenen Tagen erhalten. ^) Am 13. Juni referiei'ten 
die Xni im Kleinen Rat über die Aarauer Beschlüsse 
und verlangten, dass man die Sache vor den Grossen 
Rat bringe. Dies geschah, doch liess man den Grossen 
Rat nicht über die Einzelheiten der Kriegsriistungen 
beraten und lifss sich von ilim nur die Vollmacht gebeu^ 
,,mit unsern Eidtgnossen wider Mülhusen etwas thät-- 
liches fürzenemen." Alles übrige besorgten der Kleine 
und der Geheime Rat. 

Zunächst wurde mit Balthasar Irmi die Art uuil 
Weise der Truppenwerbung besprochen. Man warb 
zunächst fremde Knechte, 150 hagkenschützen und 
50 umsketen. Dazu kamen dann 400 mit hamiscli 
und spiessen, worunter viele „burger." „Der Statt 
felmli** durfte nicht mitgenommen werden. „Der keine 
Rüstung hat soll sie im Zeughaus bei Lux Iselin oder 
in den Kiügen holen." Von den flüchtigen Mülhausem, 
welche natürlich alle am Zuge teilnehmen wollten, wur^ 
den drei ausgelesen, die dem Heere als Führer dienen 
sollten ; die andern wurden vorausgeschickt, um in den 

M I3eila;o-e I. 



3H9 

Dörfern des Sund^ans Proviant für die eidofenössischen 
Trappen aufzutreiben. Zur Sicherung d(*r Verbindung 
mit Bern wunle eine Postenkette von Bern über Frau- 
brunnen, Aai-wangen, Langenbruck, Liestal nach Basel 
'enichtet. Zugleich wurden die Hauensteinpässe und die 
AVasserfalle besetzt, um die Verbindung der katholi- 
schen Orte mit den Aufständischen zu verhindern. Schon 
fahndete man auch auf die flüchtigen Häupter der Rt*- 
bellen, denen es in der Stadt nidit mehr geheuer war. 
Der Geheime Rat schickte dem Vogt zu Waidenburg 
den Steckbrief des flüchtigen Dr. Schreckenfuchs: „ritt 
^in ross ist rot und weiss, hat er ein roten hart.** 

Allmählig trafen aucli die Kontingente der andern 
.Städte auf baslerischem Clebiet an. Mittwoch, den 17. 
Juni am Nachmittag kam Ludwig von Er lach mit 
<lem Berner Kontingent nach Liestal. Er meldete seine 
Ankunft dem Rat der XIII und erhielt noch am Abend 
<len Auftrag, am andern Morgen früh autzubrechen. ^) 
An demselben MittAvoch erschienen auch in Basel als 
Oesandte der östenTichischen Regierang in Finsisheim 
<lie Herren Rieh, Betz und von Ramstein. Sie au- 
farbeiten ihre Veraiittlung zwischen den V Orten und 
Mtilhausen zur Hei*stellung des Friedens und erklärten, 
die östen-eichische Regierung werde nie den Durch- 
mai'sch durch ilu- Territorium gestatten. Der Basler Rat 
lehnte die angebotene Veraiittlung ab, Avegen der Ver- 
Aveigerung des Durchmarsches behielt er sich noch die 
Antwort vor. Donnerstags berieten die XIII mit Iraii 
und Erlach, was man den österreicliischen (Gesandten 
antworten solle. Erlach gab selbst den Gesandten die 



Schreiben des Rates der XIII an Liuhvl«^ von Krlacli. 
i'artulaire de Mulhouse N*^ 2619. 



340 

Antwort: er habe von seiueu Oberen den Befehl, gegen 
Mftlhausen zu rücken, fremdes Gebiet zu schonen und 
alles zu bezahlen, was man brauche. Diese Befehle und 
keine andern werde er befolgen. Die Gesandten w^ieder- 
holten ihre Erklärung, dass Österreich den t^idgenosseu 
„pass und comiss des proviandts abschlage." 

Die Situation war nun aber doch etwas schwieri- 
ger, als sich vielleicht Erlach dachte, da er den Ge- 
sandten militärisch kurzen Bescheid gab. Der ursprüng- 
liche Plan Irmis und seiner französischen Offiziere war 
gewesen, gleich nach der Ankunft der Benier einen 
Handstreich gegen Mülhausen zu unternehmen und die 
Stadt zu überrumpeln. Die feindselige Haltung der 
(isteiTeicliischen Regierung vereitelte nun diesen Plan, 
der nur ausführbar war, wenn man rasch und unge- 
hindert die Stadt erreichen konnte. So beschloss mau 
denn im Kriegsrat, zu warten, bis die Zürcher und 
Schaflfhauser eingetroffen sein würden. Darum sollen 
Eilboten nach Zürich und Schaffhausen gehen, zugleich 
aber werden einige Ratsherren nach Ensisheim ge- 
schickt, um doit noch einmal zu versuchen, ob man den 
Durchpass nicht auf giitlichem Weg erhalten könne. 

Samstag, den 20. Juni erschienen endlicli die Zür- 
cher unter Jost von Bonstetten^) und 300 Schaff- 
hauser unter Barthlome Oswald. Im Ganzen waren 
etwas über 2000 Mann unter den Waffen. Da die frisch 
Angekommenen zu müde waren zum W^eitennai-sch, 
brachen die Basler und Bemer allein auf und nahmen 



\) Über den Aufbrucli des Zürcher Kontiuj<eiite8 finden »ich 
interessante Einzelheiten in dem Brief einer Frau Anna Grobin an 
ihre in Luzcni wohnende Tochter. Staatsarchiv Lnzern. Akten: 
Frankreich, Kriei»:e und Frieden8«chlftf»ee. 



341 

die Belagemngswerkzeuge und die 10 Feldgeschütze 
mit. (jregchützmeister waren Hans Abt und Sebold. Sie 
trafen nocli am Abend vor Mülhausen ein und bezogen 
Quartiere in Illzach, das treu zur alten Regierung hielt 
und deshalb am vorhergehenden Tage von den Rebellen 
ausgeplündert worden war. Am andern Tage rückten 
auch die Zürcher und Schatfhauser nach und lagerten 
bei Riedisheim. Glarus hatte keine Mannschaft ge- 
schickt. 

Während sich der Aufmarsch der evangelischen 
Tnippen rasch und in aller Stille vollzog, da man fürch- 
tete, die Katholischen möchten ihnen zuvorkommen, 
zeigte sich bei den VIII Orten grosse Unsicherheit und 
Unentschlossenheit. Die Lust, den Mttlhausem mit be- 
waffneter Macht zu Hilfe zu kommen, war jedenfalls 
nicht gross. Wie man in den Urkantonen über den 
Fall dachte, zeigen die Beschlüsse der Landsgemeinde 
von Nidwaiden ^) vom 17. April und 18. Mai, dass man 
den Mülhausern nur helfen wolle, wenn sie wieder zum 
Glauben ihrer Väter zurückkehren: ^So sy thun wer- 
den wie ihre frommen Altvordern widerumb in selbiger 
Fussstapfen als in den waren, ungezw'ifelten christlichen 
Glauben treten, will man sich alsdann beraten, wo iiit, 
wend sich m. M. iro nützit beladen." Dagegen betrachtete 
man in Luzeni die Dinge vom Standpunkt der katholi- 
schen Weltpolitik aus, und das Haupt der katholischen 
Eidgenossenschaft, Schultheiss Pfyffer, erkannte in 
der Unterstützung der Mülhauser Aufständischen ein 
vorzügliches Mittel, den Heereszug der Evangelischen 
nach Frankreich zu verhindeni oder doch zu verzögern. 
Pfyffer hat zAvar in einem Schreiben an den gefangenen 

\) Archiv für schweizerische Reformationsj^cHchichte 111, 243. 



342 

Bürgermeister Zieofler bestritten, dass er auf Seiten d<M- 
Aufständischen stehe, dem widerspricht aber das (Ge- 
ständnis des Bürgermeisters Veitin Fries nach der Ein- 
nahme Mülhausens : ^) „wofer die Innemun<r der Stat 
nit beschähen, wäre Inen der pfiffer von Luzern zu 
Hillf kommen uf den 16*^« Junij.'^ Wäre Pfyffers Plan 
^elun^en, so hätte auch der Übertritt Mülhausens er- 
folg-en müss(»n nach den eigenen Aussagen der Bür^ei- : 
„das sy des Vorhabens gsin papistisch ze werden dau 
sych den Evangrelisch Stetten ze ergeben." 

Die erste Kunde von den Kiiegsrtistungen der 
Evangelischen erhielt Luzern durcli ein Schreiben der 
Ensisheimer Regierung vom 9. Juni, in welchem die 
Beschlüsse der Aarauer Konferenz und die entsprechen- 
den Beratungen des (jeheimen Rats in Basel mit auf- 
fallender Genauigkeit mitgeteilt werden. Zugleich ent- 
hält das Schreiben die Bitte, die VUI Orte möchten 
„ein gut uffsehen uff die österreichischen Lande heben.'' 
PMnige Tage später trifft dann auch ein Brief der be- 
droht (»n Mülhauser Bürger ein, in welchem sie dringend 
LuzeiTi um Hilfe bitten. Am 16. Juni meldet Solothurn, 
d(»r Berner Hauptmann von Tillmann sei durchgezogen 
und habe den Durchpass erst verlangt, nachdem seine 
Truppen bereits Solothurner (Tebiet betreten hatten. 
tAm gleichen Tag kommt Bericht aus Freiburg, dass 
die Berner Fähnlein aus dem Waadtland durch fi*(»i- 
burgisches (^ebiet gezogen sind, ohne vorher um den 
Durchpass zu bitten. P^i-st auf die Reklamationen Frei- 
burgs habe Bem die nötigen Formen diplomatischer 
Höflichkeit beol)achtet. Am folgenden Tag ^^ird der 

M A. Wiennaim: wahrhaffto Hystoiy der £robning «lor Statt 
MilhuHOii im 1587 Jaro. Aiizeij>:er für Schweiz. (4e8ch, 188f, p. 3Ö8. 



B4B 

Aufbruch der Zürcher ofeineldet. Zuprleich werden allerhä 
Oerüchte verbreitet, wie sich die Evang:elischen auf ka- 
tholischem Gebiet „ganz tnitzig und mutwillig erzeigt 
und den Leuten überall unterwegs ei*zÄhlt haben, der 
Krieg sei deshalb ausgebrochen, darumb das die Mül- 
huser haben wollen catholisch werden oder sich an die 
catholischen ergeben." ^) 

Uie offizielle Anzeige an die Urkantone und Luzeni 
vom Ausbruch des Krieges ging erst am 19. v(m Zürich 
ab. Schon am folgenden Tag fand eine Konferenz der 
lunf katholischen Orte in Luzeni statt. Die Mehrheit 
Avar aber gegen eine Offensive, und als ein Bote der 
Mülhauser Bürgerschaft vor den Tagherren erschien, 
wurde ihm der recht magere Bescheid zuteil: .,Weil man 
die Beschaffenheit der Dinge noch nicht gründlich kenne, 
so wird der Abgeordnete von Mülhausen angewiesen, 
an die Obrigkeiten schriftlich zu berichten". '*) Hatte man 
sich nun auch die lästigen Mülhauser Verbündeten da- 
mit vom Halse geschafft, dass man sich liinter der all- 
bekannten Tagsatzungsplirase vom ^ nicht instruiert sehi" 
verschanzte, so verlangte doch das energische Vorgehen 
der (Tcgner, dass man auch in den katholischen Orten 
zum Kriege gerüstet war. Es wurde deshalb beschlos- 
tjen: dass jedes Ort seine Auszüge erneuere und Har- 
nisch und Gewehr in guten Stand setze und ergänze; 
auch soll jedes Ort an den Grenzen Kundschaften hal- 
ten. P'reiburg und Solothuni, Appenzell und der Abt 



*) Wie jifiit man in Luzeni unterrichtet war, zei/ifen die Be- 
richte des Stadtschreiber« Cysat. Siehe besonders: Zyttun«: uh 
Tütsclüand vora 9. Juni 1587. Staatsarchiv Luzern. Akten: 
Frankreich, Kriege und Friedensschlüsse. 

*) Eid^f. Abschiede 5, I, 1 p. 30 a. 



344 

von St. Grallen sollen gewarnt werden. Uri soll mit dem 
spanischen Ambassador Rücksprache nelmien und ihn 
ei^suchen, an den Landesfiirsten zu schreiben. Luzeni. 
soll bei Savoyen fragen, wessen man sich zu versehen 
hätte. Die Pässe im Freiamt sollen bewacht werden, 
Schwyz soll in der March und Rapperswyl Voi-sorge 
treifen. — Kine besondere Weisung erhält Zug, dessen 
Kriegsmacht nicht ganz auf der Höhe der Zeit gewesen 
zu sein scheint: „Der Gesandte von Zug soll mit Ernst 
an seine Obeni bringen, dass man vernommen habe, 
wie ilire Angehörigen mit Harnisch und Gewelir übel 
versehen seien." Nach einem Bericht des päpstlichen 
Nuntius in Luzern an den kardinal Montalto vom 23. 
Juni waren die fiinf katholischen Orte so kriegsbereit,, 
dass ihre Streitmacht in einem halben Tag beisammen 
s(»in konnte. 

Unterdessen war aber vor Mülhausen die Kut- 
sch(ndung bereits gefallen. Als die Aufständischen die 
Fähnlein der IV Städte durch den Sundgau herabziehen 
sahen, setzten sie ilue Stadt in Verteidigungszustand. 
Mülhausen zählte damals circa 8000 Einwoliner. Die 
Stadt war durch eine Mauer und drei Wassergi-äben 
geschützt. Vier Thore führten zur Stadt : im Süden das 
Bas(4thor, an der entgegengesetzten Seite das Ober- 
thor, beide stark befestigt, zwischen ihnen das Spiegel- 
und Jungenthor. Zwischen Basel- und Jungenthor be- 
fand sich ein eigentliches Bollwerk, auf das alle brauch- 
l)ar(»n (Teschütze zusammengeschleppt wurden. 

Die Rädelsführer des Aufstandes hatten sich bei 
Zeiten aus dem Staub gemacht. Jakob J'ininger sass 
in Bern gefangen. Mathis befand sich in Solothurn und 
Dr. Schreckenfuchs fand auf österreicliischem Gebiet 
rnterschlupf. An ihrer Stelle leiteten die neuen Bür- 



345 

^niieiöter Veltiii Fries und Haus Iseuflauim die 
Veiteidi^mg. Sie wählten zum Stadthauptmann Tho- 
mas Zett er, dessen zweifelhafte Vergangenheit bei den 
Büi'geni kein gi-osses Vertrauen in seine Zuverlässig- 
keit aufkonnnen Hess und der sich schliesslich als ein 
giosser Feigling entpuppten Thomas Zetter sammelte 
ungeföhr 200 Mann österreichisches Fussvolk aus den 
benachbarten Döifeni. Ein scliwyzerischer 8öldner- 
hanptmann Gilg von Hospenthal führte der Stadt 
etwa 40 Kneclite aus verschiedenen Oiien der Eidge- 
nossenschaft zu. Im übrigen übernahmen die* Bürger 
des gi'ossen Haufens die Verteidigung. 

Das Kommando über die eidgenössischen Truppen 
führten Balthasar Irmi und Ludwig von Erlach.*) Sie 
Hessen die Zugänge zui* Stadt besetzen, konnten die- 
selbe aber nicht vollständig enischliessen, so dass es 
noch immer Einzelnen gelang, aus der Stadt zu (*nt- 
weichen. Überhaupt war au eine Belagerung nicht zu 
denken, da die politische Lage ein rasches Vorgehen 
erforderte und die Stadt mit Munition und Lebensmit- 
teln gut versehen war. So unternahmen denn die Haupt- 
leute eine Rekognoszierung, um die schwachen Punkte 
der Verteidigung zu eiforschen, wobei ihnen die ge- 
flüchteten Mülhauser und die französischen Ingenieure 
vorzügliche Dienste leisteten. 

Vor dem AngrilF Hessen die Hauptleute die Stadt 
auffordern, sich zu ergeben. Die Belagerten gaben eine 
aasweichende Antwort; denn Mathis Fininger hatte 



\) Für die naclifolgrnde I)ai*stelhm^ der Erntürmun«: MiU- 
hansens wurden als Hauptquellen benutzt die «chon olieu erwähnte 
Schritt von A. Wierraann, der aln beniischer .Soldat an der Aktion 
persönlich teilnahm (Anzeiifer fHr Schweiz. Gesch. 1881, p. 898 fF.) 
und die 3lemoiren Zwiu^rs p. 636 ff. 



346 

ihnen von Solotluini aus geschrieben, sie sollten che 
Unterhandlungen in die Längre ziehen, da ein Ent^satz- 
heer aus den katholischen Orten in Aussicht stände. 
Aber ein sackgrober Brief der Aufständischen an die 
Hauptleute, in dem das Wort „Schelmen" eine grosse 
Kolle spielte, machte der Trölerei ein Ende und for- 
derte den Entscheid der Waffen heraus. 

Der eidgenössische Kriegsrat hatte den Stunn auf 
den 24. Juni festgesetzt. Ein Scheinangi-itf sollte die 
Bürger an das Oberthor locken, während eine Yorhut 
von 500 Mann das Baselthor überrumpeln und durcli 
Petarden zu sprengen suchte. So zog denn am 24. Juni 
Ludwig von Erlach mit 50 Schützen nach diMu Ober- 
thor, während eine Sturmkolonne von 500 Mann in der 
Stille der Nacht gegen das Baselthor rückte. Es waren 
200 Benier, 150 Basler und 150 Zürcher und Schaff- 
hauser unter der Anführung Irmis. Sie legten ihre Ann- 
und Beinschienen ab um jedes Geräusch zu vermeiden 
und wateten durch die Wassergi-äben. Unbemerkt kamen 
sie zum Thor, und der französische Ingenieur (•ouvei!« 
konnte seine Petarde in aller Ruhe anschrauben und 
entzünden. Die kleine I^forte sprang auf, und Mann für 
Mann drangen die Feinde in die Stadt. Aber der Lämi 
der Petarde hatte die Wächter geweckt, und einiore 
entschlossene Bürger Hessen das Fallgatter herunter. 
Umsonst suchten es die Basler mit iliren Spiessen auf- 
zuhalten, es fiel herunter, und etwa 120 Mann, die 
schon in die Stadt eingedrungen, waren jetzt von denen 
draussen abgeschnitten. Zugleich begannen die Ge- 
schütze auf der „Hochwerinen," dem oben envähnten 
Bollwerk, zu spielen, und die Hauptmacht der Mül- 
hauser, nachdem sie die Täuschung am Oberthor ge- 
merkt hatte, wandte sich nach dem Baselthor. 



B47 

Die La«ro doT iii der Stadt eingeschlossenen Eid- 
jrenossen war eine Zeit lan^ recht kritisch. Ludwig von 
Erlach, der vom Oherthor lierbeieilte, erliielt einen 
Schnss in das Bein, ein Heir von Diesbach wurde ^e- 
fan^en genommen und Herr de St-lieorge, ein Waadt- 
länder, wurde erschossen. Zwinger erzählt uns, viele 
von den Eingc^drungenen, namentlich die Waadtländer, 
seien durch die (jassen der Stadt geflohen und hätten 
sicli in den Häusern versteckt. Am schlimmsten erging 
es einer Abteilung von 10 Eidgenossen, die mit Äxten 
gesclückt worden war, um das Jungthor aufzuhauen. 
Sie verirrten sich, wurden umringt und ergaben sich 
auf Gnade. Als sie aber die Waffen abgeliefert hatten, 
wurden sie hinter die Barfüsserkirche , geschleppt 
und dort mit ihren eigenen Äxten jämmerlich a])ge- 
schlachtet. 

Unterdessen tobte beim Baselthor noch immer der 
Kampf um das Fallgatter, dessen dicke eichene Pfähle 
die Stürmenden mit ihren Äxten endlich zerhauen konn- 
ten. Bis sie aber soweit waren, litten sie furchtbar 
unter dem Geschützfeuer, so dass sie an dieser Stelle 
mehr als hundert 3Iann verloren. Als der Weg zum 
Sturm offen stand, Hess Irmi den Gewalthaufen der 
Eidgenossen herbeirufen, überliess ihm die Erstürmung 
des Bollwerks und fühit(» den Rest der Vorhut in die 
Stadt. Die erbitterten Eidgenossi^n jagten die» Bürger 
vor sich her durch die Gassen der Stadt bis zum Fisch- 
markt, wo Hans Isenflaumi mit dem Banner der Stadt 
stand. .,l)a flengen an greulichen die Schweizersebel 
um sich fressen," erzäldt Zwinger, „man hört nicht an- 
dres sclireyen als hie Beni! hie Bern! Welcher die 
Losung nicht wusste, ward knutscht und zu Boden ge- 
schlagen." Als aber die Mülhauser anfingen, die Losung 



348 

der Eidgenossen „lue Bern'* nachzui*ufen, waren die 
•Sieger in grosser Verlegenheit ; denn in dtr Dunkelheit 
konnte man Freund und Feind nicht unterscheiden. Da 
gaben die Hauptleute ihier Mannschaft den Befehl, alle, 
welche keine nassen Beinkleider hatten, niederzustos- 
sen, da die Eidgenossen sämmtlich durch die Wasser- 
gi'äben hatten waten müssen. So wurde das österreichi- 
sche Fussvolk bis auf den letzten Mann niedergehauen 
und ein grosser Teil der Bürger erschlagen, und er^ 
als gegen Morgen die Weiber und Kinder sich vor den 
Siegem auf die Kniee warfen, wurde der Kampf ein- 
gestellt. 

Die Eidgenossen hatten ihren Sieg teuer bezahlt, 
doch ist öS schwer, die genaue Zahl der Gefallenen 
festzustellen. Ein Augenzeuge hat vom Mälhauser To- 
tengi'äber gehört, es seien von beiden Seiten gegen 
200 Mann begraben worden, derselbe Gewährsmann 
nennt nachher die gefallenen Eidgenossen mit Kamen, 
kommt aber dabei nur auf die Zahl 33, die jedenfalls 
viel zu niedrig ist. Zwinger, ein zuverlässiger Gewährs- 
mann, gibt ebenfalls die Zalil der getöteten Eidgenos- 
sen auf 200 an. Endlich ist uns auch in einem Brief 
des Grynaeus an Andreas Julius in Heidelberg eine 
Notiz ^) erhalten, welche angibt, im Ganzen seien wäh- 
rend des Kampfes und nach demselben an den erlit- 
tenen Wunden 430 gestorben. Die verAVundeten Eid- 
genossen seien nach Basel geschafft und dort sorgfalti«: 
gepflegt worden. 

Nachdem alle Bürger des „gi'ossen Haufens*" ge- 
fangen genommen, ihre Gegner aus dem Kerker be- 
freit und die Verwundeten verbunden waren, konnten 

*j Beilagfc II. 



849 

jiich die eiiniideten Sieger iii der dritten Morgenstunde 
des 26. Juni zur Ruhe legen, üer Zürcher Hauptmann 
Jost von Bonstetten schlug sein Quartier im Hause des 
Jakob Fininger auf, Ludwig von Erlach und sein Lieu- 
tenant Anton von Erlach, wohnten beim Bürgenneister 
Yeltin Fries, der sich ihnen persönlich gefangen er- 
geben hatte. 



IV. 

MUlhausen und die protestantischen Orte. 

So war nun die böse Saat der Fininger üppig auf- 
gegangen, und die sich als die Retter der Bürgerschaft 
aufspielten, hatten die Schi-ecken des Krieges über sie 
gebracht. Huien selbst aber trug der achtjährige Kampf 
gegen ilire Obrigkeit wenig ein: w^ährend der eme, 
Mathis, von Stadt zu Stadt flüchtete, musste das Haupt 
der Familie, Jakob, im Kerker einem sclimählichcii 
Ende entgegensehen. Nicht um die wirklichen oder 
venneintlichen Rechte dieser halsstarrigen Sippe wurd(^ 
auf den Strassen von Mülhausen in der Nacht des 24. 
Juni gekämpft — darüber waren die Parteien in der 
Kidgenossenscliaft längst zur Tagesordnung gegangen 
— die alten Gegensätze unter den Eidgenossen, Demo- 
kratie und Oligarchie, alter und neuer Glaube, stiesseii 
hier auf dem Boden einer verbündeten Stadt feindUch 
aufeinander. 

Die Unterwerfung der aufständischen Mülhauser 
durch die vier evangelischen Städte war gleichbedeu- 
tend mit einer Niederlage der katholischen Eidgenossen- 
schaft, und als eine solche wurde das Ereignis auch in 
der ganzen katholischen Welt aufgefasst. Über die 
Stinmumg, die damals in Luzern herrschte, erfahren 
wir allerlei aus den Berichten des Stadtschreibei-s 



351 

Cysat. ^) Da wird den protestantischen Orten vorbehal- 
ten, dass sie die Stadt ohne vorhergehende Kriegser- 
kläning überfallen nnd durch „Verräterei" eingenom- 
men haben. Daran ist nun kein Wort wahr, man raüsste 
denn die flüchtigen Mülhauser Ratshen-en, welche Füh- 
rerdienste leisteten, als „Verräter" betrachten. Ähnlich 
verhielt es sich mit der Behauptung, die Evangelischen 
seien „mit den armen Lütten gar gx-ob und tyrannisch" 
umgegangen. Mit grösserem Recht wird aber den Krieg- 
fuhrenden vorgeworfen, wie sie den alten Brauch miss- 
aclitet und ohne vorhergehende Anzeige durch das Ge- 
biet ihrer katholischen Miteidgenossen gezogen sind, 
„welches ein gi-osser trutz und frätfel ist." Ebenso 
schwer wird es empfunden, dass sie den Aufbruch ihrer 
Truppen erst nacli Luzern gemeldet haben, als sie sich 
schon auf dem Marsch nach Mülhausen befanden. Der 
Zweck des ganzen Mülhauserhandels sei nur der, die 
Stadt zu einer protestantischen Vogtei herabzudiiicken, 
um so einen sicheren Stützpunkt zu einem Vorstos» 
gegen katholische Länder zu gewinnen. Alle diese 
schw^eren Kränkungen der katholischen Eidgenossen, 
so schliesst Cysat seine Betrachtungen, hätten nur 
durch einen allgemeinen Landeskrieg vermie- 
den werden können. 

Aus dieser Stimmung in Luzern heraus sind auch 
die Belichte des päpstlichen Nuntius Santorio in Luzern 
an den Cardinal Montalto in Rom gesclirieben. ^ Auch 
hier wird behauptet, die Stadt sei durch Verrat ge- 
nommen worden. Die Zahl der Toten wird in über- 



Beilage III. 

^ Cartulaire de Mulhousc X^ 2627. 

Beitiüge XY 23 



352 

triebener Weise auf 800, ja sogar 1500 anpre^ebeii. 
Ebenso empfindlich fülilte sich übrigens auch der Ka- 
tholizismus in Süddeutschland und in den österreichi- 
schen Vorlanden durch den Sieg der protestantischen 
Städte getroffen. Wenige Wochen nach dem Ereignis 
erscliien in Augsburg eine Schmähsclirift gegen die 
evangelischen Eidgenossen: „Wahrhaiftige und gi-und- 
liche neue Zeitung, welcher massen die fiimelmie Stadt 
Mülhausen in Schweiz gelegen von den vier Orten Bern, 
Basel, Zürich, Schaffhausen belegt und mit schröckli- 
cheni Blutvergiessen erobert und eingenommen worden 
ist. Augsburg bei Barthol. Kappeier." 

Keliren wir nun nach Mülhausen zurück, um zu 
sehen, wie die Eidgenossen ihren Sieg ausnützten. 
Trotz dem gi'ossen Erfolge war ihre Lage nicht gerade 
angenehm. Sie w^aren als Befreier des Rates gekom- 
men, hatten im Namen des eidgenössischen Rechtes eüie 
verbündete Stadt erstürmt und mussten nun mit (Ge- 
walt die Ordnung wiederhei-stellen. Nachdem sie die 
bedrohte Obrigkeit von Mülhausen gerettet hatten, ge- 
riet diese in vollständige Abhängigkeit von ihnen, und 
so kamen die Sieger in die seltsame Lage, zugleich 
Befreier und Bedrücker zu sein. 

Die ersten Anordnungen, welche die Hauptleute in 
der eroberten Stadt trafen, waren zunächst rein militäri- 
scher Natur: Die Bürgerschaft wurde entwaffnet, das 
geladene Geschütz abgeschossen und von den Wällen 
ins Zeugliaus geführt. Zur Regelung der Verprovian- 
tierung musste eine Kommission, bestehend aus vier 
eidgenössischen Offizieren und vier Bürgern des „klemen 
Haufens" von Haus zu Haus gehen, die Vorräte an 
Korn und Wein „erkunden" und an bestimmte Vor- 



ratyplätze schaifeii. Zurfeich winde streno-er Befelil 
an (lie Truppen erlassen, dass Niemand bei Todesstrafe 
irgend etwas entfremden dürfe, weder innerhalb noch 
ausserhalb der Häuser. Lebensmittel mussten nach den 
von den Hauptleuten festgesetzten und öffentlich be- 
kannt gemachten Preisen gekauft werden. Ebenso 
wurde den Soldaten verboten, das Spital, Pfrundhaus 
und die andern Staatsgebäude zu betreten. Da sich 
\iele Bürger noch in der Stadt oder in den umliegen- 
den Dörfern versteckt hielten, wurde ein Edikt erlas- 
sen und an drei Orten angeschlagen, wonach sich alle 
Bürger innert vier Tagen bei den eidgenössischen Haupt- 
leuten stellen sollten. Wer freiwillig kam, dem wurde 
milde Behandlung zugesichert, die Widerspenstigen soll- 
ten mit Leben und Gut dem Kriegsrecht verfallen sein. 
Ihre Habe sollte konfisziert, ihre Familien aus der Stadt 
vertrieben werden, sie selbst des Lebens verlustig 
gehen. Die gleiche Strafe sollte diejenigen treffen, 
welche ilinen Unterschlupf gewährten. 

Am Tage nach der Einnahme der Stadt, am 
26. Juni, kam vor die Hauptleute eine Gesandtschaft aus 
Eusisheim, welche im Namen der österreichischen Re- 
gentschaft für die Besiegten um Schonung bat und ver- 
langte, dass alle (xefangenen freigelassen würden. Da- 
rauf erhielt sie zur Antwort: Nach dem Kriegsrecht 
sind die Sieger befugt, alle Einwohner umzubringen. Um 
unnötiges Blutvergiessen zu vermeiden, sollen Frauen, 
Kinder und alle, die sich nicht zur Wehr gesetzt, un- 
behelligt bleiben. Die Bürger, die sich am Aufruhr be- 
teiligt und gegen die Eidgenossen gekämpft haben, 
bleiben gefangen und werden in ordentlichem Gericht 
abgeurteilt. Gegen die gefangenen Söldner, welche aus 
Luzeni, Schwyz, Solothurn, Burgund, Lothringen und 



354 

Schwaben stammen, wird nach altem Krie^srecht ver- 
fahren. 

Unterdessen trafen in Mülhausen Gesandte der fiinf 
evangelischen Orte ein und diese ordneten nun die Ver- 
hältnisse in der Stadt. *) Glarus nahm auch an den Vei*- 
handlungen teil, obgleich es sich vom Kriegszug fein- 
gehalten hatte. Am 11. Juli werden alle Bürger des 
„grossen Haufens" vorgeführt und je nach der Grösse 
ihrer Schuld gesondert. Die Hauptschuldigen bleiben 
im Gefängnis, die übrigen müssen fussf&llig um Gnade 
bitten, alle auf den Aufruhr bezüglichen Aktenstücke 
ausliefern. Sie dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen 
und sollen alles „Practiciren mit Worten, Thaten oder 
Schreiben" unterlassen. 

Es folgt nun die Kegelung der Kriegskosten, Die 
befreiten Bürgermeister und Ratsherren erklären, dass 
sie ohne Mittel sind. In der Staatskasse findet man 
489 Dukaten, 156 Kronen, 1437 Pfund anderer Münz- 
sorten. Ausserdem bringen die Anhänger der alten Re- 
gierung 3000 Kronen für die Hauptleute und 2400 Kronen 
liir die französischen Ingenieure, welche den Sturm ge- 
leitet hatten, zusammen. Diese hatten zuerst 8000, dann 
4000 Kronen verlangt. Da diese geringen Mittel nicht 
genügen, um die Truppen zu besolden, stellen die eid- 
genössischen Gesandten der Stadt einen Kreditbrief auf 
die Güter und (Tefalle der Stadt aus. Trotzdem kann 
die Stadt kein Geld auftreiben, und nun übelnehmen 
die Eidgenossen die Auszahlung des Soldes. Doch nmss 
sich Mülhausen für die Summe, welche jeder Ort vor- 
schiesst, den V Orten verschreiben und in bestimmten 
Terminen seine Schuld abzahlen. 

») Eidß. Abschiede 5, I, 2 p. 39. 



355 

Die (ierichtsverhamllungen über die Bestrafimg der 
Aitfständischeii finden am 17. Juli statt. Als Richter 
funktionieren 24 aus der Mitte der eidgenössischen 
Truppen gewählte Krieger, welche auf oifenem Platz 
zuerst von ihrem Eid als Kriegsknechte gegenüber 
<len V Orten entbunden und dann als Richter neu be- 
-eidigt werden. Die Hauptanklagen gegen die Auf- 
rüluer sind folgende: Sie haben ihre rechtmässige 
Obrigkeit gefangen gesetzt und gefoltert, sie haben in 
ihrem Absagebrief an die evangelischen Orte diese 
^Bösewichte" und „Beschützer von Schatzdieben" ge- 
nannt, sie haben von dem Stadtsclueiber Sclüllinger auf 
der Folter das falsche Geständnis erpresst, an der 
Bundesaufkündung seitens der katholischen Oite seien 
•die evangelischen Städte, besonders Zürich und Basel, 
«chuld. 

Die (refangenc^n geben Alles zu, erklären alle Be- 
schuldigungen, die sie gegen ihre Obrigkeit erhol)en 
haben, für falsch, und behaupten, sie seien von den 
Finingeni verleitet worden. Das Urteil lautet: Mit 
•,Leib und Gut** verfallen sind die beiden Praedikanten 
Heinrich Hafner und Sebastian Menckel, Veltin Fries, 
Thomas Zetter, Michel Ziegler, Rud. Tilger, Konrad 
Sommer. Die Vollstreckung des Urteils wird der Obrig- 
keit überlassen. Die übrigen Schuldigen werden je nach 
dem Mass der Schuld mit Geld gebüsst. Die Summe 
4er Strafgelder' wird auf 40,()00 Gulden berechnet. Aus 
<ieni Geld sollen die gefolterten Bürgermeister und der 
^tadtschr eiber entschädigt und die Kriegskosten be- 
stritten werden. 

Die obenerwähnten Todesurteile wurden nicht alle 
vollzogen. Wir ertaliren die Namen der wirklich Hin- 
gerichteten aus der Rechnung, welche der Basler Scharf- 



856 

lichter Georg Käser für seine „Bemühungen" aufstellte 
und dem Rat von Basel einreichte. ^) Er hat im Ganzen 
fünf Personen hingerichtet, 3 mit dem Schwert, 1 mit 
dem Strang, 1 mit dem Rad. Aber die Namen, die er 
nennt, decken sich nicht mit der offiziellen Liste des 
Urteils. Käser hat ferner eine Reihe von Leuten 
„aufgezogen" und drei böse AVeiber mit Ruten „uss- 
ghauwen." 

In den folgenden Tagen werden nun die alten Rats- 
herren wieder in ihre Ämter eingesetzt und fünf Män- 
ner aus der Partei des „grossen Haufens" in den Rat 
gewählt. Die eliemaligen Bürgermeister Hartmann. 
Ziegler und Fink werden wiedergewählt, dagegen muss 
der Stadtschreiber Schillinger sein Amt niederlegen und 
die Stadt verlassen, da der Hass gegen ihn zu gross 
ist. Nachdem nun so die Ordnung wiederhergestellt ist, 
leistet die ganze Bürgerschaft, was über 14 Jahre alt 
ist, den V Orten am 24. Juli den neuen Eidschwur: 
die evangelischen Orte als SchinnheiTen anzuerkennen 
und gegen dieselben wegen dieses Krieges nichts Feind- 
s(»liges zu unternehmen. Bei Streitigkeiten zwischen der 
Obrigkeit und den Bürgern soll sich die Stadt dem 
Entsclieid der V Orte unterziehen. P^rst nach diesem 
Schwur übergeben die Eidgenossen den Bürgermeistern 
das Stadt Siegel. 

Eine besondere Vermahnung erhalten zum Sclduss 
noch die Mülhauser Weiber, die, wie schon mehnnals 
envähnt wurde, sehr lebhaften Anteil an der Politik 
g(»nommen hatten und ihre Männer recht energisch 
lenkten: „Und weil die Weibspei*sonen durch Aufrei- 
zung Vieles an den letzten Ereignissen verschuldet und 



357 

ilire Mäniier bis Elend gebracht haben, werden sie vor- 
besclüeden und ermahnt, sich fortan bescheidener zu 
verhalten und ihre Männer zum Frieden zu weisen mit 
bedrohung, weiche solches frävenlich tiberfaliren würde 
deiTiiassen zu geschweigen, dass sie nichts mehr reden 
sollte." 

Zum Schutze der von den Eidgenossen neu ein- 
gesetzten Obrigkeit und zur Aufrechterhaltung der 
Ordnung wurde eine Besatzung von 600 Mann in Mül- 
hausen gelassen, 300 Schützen und 300 ^harnasch," 
aus jeder der IV evangelischen Städte 150 unter einem 
Hauptmann. Die vier Hauptleute wechseln ab mit dem 
Oberbefehl über die gesamte Mannschaft, so dass jeden 
Monat ein anderer an die Eeihe kommt in der Reihen- 
folge: Zürich, Bern, Basel, SchaiFhausen. — Dieser 
Oberhauptmann ist der offizielle Vertreter der V Orte 
und hat in ihrem Namen fiir Ruhe und Sicherheit in 
dei- Stadt zu sorgen. Die Hauptleute haben Sitz im 
Rat der Stadt Mülhausen. Kein wichtiger Beschluss 
darf olrne ihre Zustimmung gefasst werden. Für alle 
Streitigkeiten in der Stadt, welche im Zusammenhang 
mit dem gegenwärtigen Aufi-uhr stehen, ist der eidge- 
nössische Vertreter der allein kompetente Richter. 
Erster Stadthauptmann wird Jost von Bonstetten. 

Diese militärischen Massregeln genügten den Eid- 
genossen nicht einmal, um ihren Eriblg zu sichern ; der 
böse Eindruck, den ihr Kriegszug an vielen Orten ge- 
macht hatte, nötigte sie auch, sich der geistigen Waffen 
zu bedienen und eine Verteidigungsschrift gegen allerlei 
Verleumdungen aufzusetzen. „Weil der Mülhauser An- 
gelegenlieit halber viel ungute Reden iiber die V Orte 
in der Eidgenossenschaft und andern Orten ergangen, 
als hätten sie das arme Völklein unnötiger Weise mit 



358 

Krieg überzogen und es zu keinem Vertrag wollen kom- 
men lassen," wird beschlossen, eine aktenmässige Dar- 
stellung des ganzen Handels durch den Dnick zu ver- 
öffentlichen. 

Diese Di-uckschrift wird dem Basler Stadtschi-eiber 
( 'hristian AVurstysen übertragen, der noch in ilülhausen 
an die Arbeit geht und sie Ende August vollendet hat. 
Am 30. August übersendet Wurstysen ein Exemplar 
seiner Schrift an den Rat von Basel und bittet ihn, 
dafür zu sorgen, dass sie auf der Konferenz der pn>- 
testantischen Orte genehmigt werde. ^) Die Arbeit soll 
in Mülhausen gedruckt und dann nach Frankfurt ge- 
schickt werden, wahrscheinlich um doit verlegt zu 
werden. Wurstysens Wunscli ist nicht ei-füllt worden. 
A\ ie aus den Tagsatzungsverhandlungen hervorgehen 
wird, ist der Druck nie besclüossen worden. Dagegen 
ist uns die Arbeit Wurstysens im C'oncept erhalten und 
zw^ar in 2 Exemplaren.'^) Das eine, ausführlicher ge- 
fasst, hat 56 Folioseiten, und ein Auszug aus dem 
ersten enthält 14 Seiten. Die Manuskript« sind nicht 
von Wurstysen selbst geschrieben, aber durch das bei- 
liegende Schreiben an den Rat von Basel als sein Werk 
bezeichnet. 

Als am 24. Juli 1587 die Gesandten der V evan- 
gelischen Orfe ilu' Pacifikationswerk beendigt hatten 
und mit einem Teil der Tnippen aus Mülhausen zogen, 
Hessen sie die Stadt in einem Zustand zuiiick, der eine 
wirkliche Veraöhnung der Gemüter nicht aufkommen 
Hess. Die übrigkeit war wieder in ilu' Amt eingesetzt, 
blieb aber ein willenloses W^erkzeug in der Hand der 



*j Beilage V. 

*) Im Staatsarchiv Basel, Akten: MlUIiauser Unriilien. 



359 

Eidgenossen. Noch waren die Schlüssel zu den Stadt- 
thoren und dem Zeughaus in den Händen der Sieger, 
die eidgenössische Besatzung unterdrückte jede freie 
Regung in der Bürgerschaft, und iin Rate war jeder 
Beschluss abhängig von dein guten Willen der vier 
Hauptleute. Dazu kam die grosse finanzielle Last, die 
auf der Stadt ruhte: die Kriegskosten, für welche die 
IV Städte das Geld vorgeschossen hatten, der Unter- 
halt und die Besoldung von 600 Mann Besatzungs- 
tiuppen. Und wie sollte sich der Verkehr heben, um 
der Stadt die finanziellen Mittel zu liefern, wenn alles 
Staats- und Privatgut den Eidgenossen verpfändet war ! 
Wie streng dieses Pfand von den Siegern beaufsichtigt, 
wurde, zeigt die Bestrafung einer Frau Biegeisen, welche 
^twas Hausrat in einem A\'agen mit Mist verdeckt aus 
der Stadt schaffen wollte, um ihn zu verkaufen, und 
dafür um 20 Pfund gebüsst wurde. 

Am schwersten war die finanzielle Abhängigkeit 
der Stadt von Basel. Im Herbst 1587 übergab Mül- 
hausen dieser Stadt als Abschlagszahlung an die 
Kriegskosten folgende Titel: *) 

Zinssbrief 
Uff Hemi Niclausen und Johann 

Freiherren zu PoUweiler . 3000 Gulden 
Uff (laude de Bellegarde . . 1000 Sonnenkronen 
Uff Philiberte de Nani . . . 1000 Sonnenkronen 
Uff die Gräfin von Madi'utz . . 1000 Sonnenkronen 
Uff Graf Friedrich von Mümpelgard 1000 Goldgulden 
Uff Apt und Gottshus ze Lützel . 2000 (julden 
Uff die Herren von Rappoltslieim 1000 Gulden 

• 
M StaatHarchiv Basel, Akten: MiUhauaer riiruhen. 



360 

Uff Graf Johann zu Ürtenbui-g . 600 Gulden 
VS die genieindt zu Falckenburg 

im Freyenberg . . . 1040 (xulden 
Uff die gemeind zu Obern Trenib- 

lingen 600 Sonnenki'onen 

Ein Reversbrief der Stadt Basel 

uff Herzog Casimir . . 1000 Sonnenkronen 

Summa 4600 Sonnenkronen 
1000 Üoldgulden, 
7640 (julden = 
15 Batzen. 
Und dies war nur ein Teil der Schuld, die man 
an Basel abzutragen hatte ; denn es lieLsst in dem Ver- 
zeichiüs dei* Titel ausdrticklicli : „Etlicher der Stadt 
^lülhausen Zins und Gülttbriefen, welche Herrn Bur- 
germeister und Bat der Stadt Basel an iren angewen- 
ten noch ausstendigen Kriegskosten zu übergc^ben an- 
geboten worden." 

Selbstverständlich wurde von den vier Städten auch 
das Gut der geächteten Aufrührer mit Beschlag beilegt. 
Das Venuögen des Jakob Fininger war sehr bedeutend, 
und es entspann sich darum ein lebhafter Briefwechsel 
zwischen Basel und der Regentschaft in Ensisheim, 
welche für die Frau des Finingers wenigstens deren 
Weibergut zu retten suchte. 

Unter diesen Umständen ist es zu begi-eifen, dass 
3Iülhausen alle Mittel anwendet, um sich etwas unab- 
hängiger von seinen Rettern zu machen. Schon im Sep- 
tember erscheint vor den in Basel versammelten Ge- 
sandten d(T V evangelischen Orte eine Deputation, 
welche um Entfernung der Besatzung bittet, da die 



861 



Kosten unei-sclnvuijjflicli sind. Ausserdem fordert sie, 
dasa die V Orte der Stadt einen ^ossären Kredit gewäh- 
ren zur Wiederherstellung ihrer Finanzen, und Mül- 
hausen wieder seine frühere Stellunjc im Bunde ein- 
räumen. Die Antwort der evangelischen Oite lautet:*) 
Vorläufig kann die Besatzung nicht zurückgezogen wer- 
den. Wenn aber der dritte Monat vorbei ist, wird man 
dem Basler Hauptmann Imii entsprechende ^^' eisungen 
geben. Zur Tilgung seiner Schulden soll Mülhausen ausser 
den Strafgeldern auch das Ohmgeld verwenden. Der 
Stadt wird ihre Freiheit zurückgegeben werden, sobald 
die Eidgenossen die Garantie haben, dass die Ordnung 
in der Stadt hergestellt ist. 

Einige Wochen später, am 5. Oktober 1587, wur- 
den auf einer zweiten Konferenz die Forderungen der 
Mülhauser teilweise bewilligt. Die Besatzung wurde auf 
100 Mann reduziert und als ihr Hauptmann Ratsherr 
Heinrich Thomann aus Zürich gewählt. Nachdem am 
10. Oktober die übrigen Truppen mit ihren Haupt- 
leuten die Stadt verlassen hatten, wurde» der neue 
Hauptmann durch Basler Gesandte dem Rat und der 
Bürgerschaft vorgestellt. Auch Heinrich Thomann hatte 
Sitz und Stimme im Rat, alh^ Streitigkeit(*n zwischen 
Rat und Bürgern wurden von ihm geschlichtet, in sei- 
nen Händen befanden sich die Schlüssel zu den Stadt- 
thoren, zu Zeughaus und Pulverkammer. Besoldet wurde 
er samt seiner Mannschaft von der Stadt, welche dafür 
800 Kronen monatlich auslegte, und ihm ausserdem 
freie Wohnung gab und das Brennholz lic^ferte. Auch 
der Mannschaft musste die Stadt HerbiMgcs Lager, 
Feuer und Licht geben. 

M Eidäf. AbschiiMle 5, I, 1 p. 60 a — u. 



362 

Dabei blieb es nun eine Zeit lan^. Am 14. März 
1588 wui'de die eidgenössische Besatzung auf 40 Manu 
reduziert und zum Hauptmann Jakob Hühnenvadel von 
Schaffhausen ernannt. Auf den Sonderkonferenzen der 
evangelischen Stände bildete die endgültige Regelung 
der Mülhauser Angelegenheit noch immer das Haupt- 
traktandum. Im Dezember 1587 berichtet Heinrich Tho- 
mann an di(» r\" Orte, dass die Lage in der Stadt lui- 
erträglich sei, wenn nicht sofort ein Erlass der Kiiegs- 
kost(»n st^tttfinde, und sehi Bericht >\ird durch eine 
Bittscluift der Bürgerschaft bestätigt. *) Im Februar 
1588 meldet derselbe nach Aarau, dass ihm die Bürger- 
schaft durch iliren Trotz giosse Schwierigkeiten bereite 
und verlangt, dass die V Oite durch eine Gesandtschaft 
intervenieren. Dies geschieht auch, und auf einem Tag 
zu llttlhausen am 14. März werden die Finanzen der 
Stadt Frieder ins Gleichgewicht gebracht. 

Ausserdem beschäftigen sich die evangelischen 
Stände auf iluen Konferenzi^n auch mit jener Vertei- 
digungsschrift, welche ^\'ui*stysen in ihrem Auftrag ab- 
gefasst hat. Der erste Entwurf, den er von Mülhausen 
aus einschickt, wird nicht angenommen, da er zu aus- 
führlich ist und jene Augsburgersclirift nicht darin 
widerlegt wird. Später findet man, es nütze mehi*, 
durch eine Gesandtschaft beim Rat von Augsburg Vor- 
stellungen zu machen und di(» Unterdrückung des ver- 
hassten Scliriftstücks zu verlangen. Endlich wird das 
Wurstysensche C'oncept ganz fallen gelassen, „da die 
Sache jetzt etwas veraltet und erkaltet sei und man 
besser thäte, diese leidige Handlung nicht wieder diu-ch 
den Druck aulzufrischen, um so mehr, als der Augs- 
burgische Lügendruck schon niedergelegt sei.'* 

*) Eicfe. Abschiede 5, 1, 1 p. 85. 



363 

Mit den katholischen ()rt(»n geriet die wiederein- 
gesetzte Obrigkeit von Mülhausen schon auf der ereten 
gemeineidgenössischen Tagsatzung in Streit, liauptsäch- 
lieh wegen der Zinse, welche^ die Stadt in ünterwalden 
ausstehen hatte und die sich auf 3000 Kronen beliefen, 
l'nterwalden weigerte sich seit der Bundesaufkündung, 
das (reld herauszugeben, so dass die protestantischen 
Orte als Schutzinächte der Stadt auf dem Tag zu Ba- 
den, 26. Juni 1688, Beschwerde gegen Unterwaiden 
erhoben. Man nahm die Sache ad referendum. ^) (ileich- 
zeitig klagte nun auf der Tagsatzung der Söldneiführer 
(TÜg von Hospital von Schwyz gegen Mülhausen. Kr 
habe sich letztes Jahr durch Mülhauser Abgeordnete 
bereden lassen, der Stadt mit seinen Knechten zu Hilfe 
zu ziehen. Bei der Erstürmung der Stadt sei er mit 
seinen Leuten gefangen, später aber wieder freigelassen 
worden; er habe aber dabei all sein Gut verloren. Er 
verlangt nun von der Stadt Schadenersatz, um so mehr, 
als ihm jene Unterhändler als Pfand die in Untenval- 
den tälligen Zinse der Stadt angewiesen hatten. Im 
Namen von Mülhausen antwortet ihm Zürich, er sei 
nicht von der Obrigkeit der Stadt, sondem von den 
Finingern in Dienst genommen worden, habe also auch 
keinen Anspruch auf Gut, das der Stadt gehöre, zumal 
da er gegen Eidgenossen ins Feld gezogen sei. 

In Mülhausen selbst war unterdessen die Ordnung 
doch soweit hergestellt, dass die protestantischen Städte 
auf ihrer Sonderkonferenz zu Aarau vom 2. August be- 
schlossen, die Stadt wieder bis zu einem gewissen Grade 
sich selbst zu tiberlassen. So ritt denn eine Gesandt- 
schaft aus den V Oi-ten nach Mülhausen und übergab 

M Eidif. Abschiede 5, I, 1 p. 112 0. 



364 

dem Kat und der Bürgerschaft am 13. Auofii^st 1588 die 
JSchlüssel der Stadt unter fol^nden Bedingungen: ^) 

1. Die Stadt soll den V orten zu allen ihren Ge- 
schäften, es syge zu schimplF oder einst offen 
stehen. 

2. Wenn Jemand in Mülhausen den V Orten etwas 
EhiTerletzendes nachredet oder sich ungebürlich 
wider sie vergeht, so soll derselbe auf Begehren 
der V Orte diesen zur Bestrafung zu handen ge- 
stellt werden. 

3. Wenn sich Streit zAvischen Obrigkeit und Bürgern 
erhebt, so soll jeder Teil den Entscheid der Y 
Orte abwarten und demselben ohne Weitei-ziehen 
gehorchen. 

4. Es dürfen wider die V Orte, sowie wider Bürger- 
meister und Kat keine Versammlungen, Verbin- 
dungen oder Meutereien der Bürger, weder unter 
sich noch mit den flüchtigen Bürgern stattfinden. 

5. A^orstehende Artikel sollen in anderer Beziehung 
der Stadt Mülhausen an ihren Freiheiten und Ge- 
rc^chtigkeiten unschädlich und unnachteilig sein 
und heissen. 

Dass Mülhausen verpflichtet sein solle, jeden Eid- 
genossen aus einem der V Orte als Bürger aufeuneh- 
men, wagte man nicht unter die offiziellen Bedingungen 
aufisunehmen, im Geheimen wurde es aber zugestanden. 
Ferner wird die Stadt aufgefordert, in Zukunft in der 
Annalmie neuer Bürger vorsichtig zu sein, da im ab- 
gelaufenen Handel die neuen Bürger „ihr nit zum 
wohl erschossen.'' Es sollen auch keine Hintersassen 
mehr in den Kat aufgenommen werden, wie dies vor- 

^) EUlg, Abstliiode 5, 1, 1 p. 120 a. 



365 

gekommen; überhaupt soll der Abstand zwischen Bür- 
gern und Hintersassen grösser sein. Endlich muss die 
Stadt sich verpflichten, eine ständige Besatzung aus 
eidgenössischen Söldnern unter einem b(\sondern Haupt- 
mann zu halten. 

Vier Tage nach der Schlüsselübergabe, am 17. Au- 
gust, verliessen die Gesandten und Mannschaften der 
protestantischen Orte Mülhausen. 

Das war nun das Ende dieses leidigen Handels, 
der acht Jahre lang die Eidgenossenschaft in Atem 
gehalten und den konfessionellen Hass der Parteien 
aufgeweckt hatte, wie kein anderes Ereignis mehr seit 
dem Tag von Kappel. Mit knapper Xot war die Eid- 
genossenschaft dem Bruderkampf entgangen, in den sie 
die AbenteurerpoKtik einer rachsüchtigen Sippe zu 
stürzen drohte, Mülhausen aber erlitt durch den Fi- 
ningerhandel einen seiner schwersten Schicksalsschläge. 
Der Aufruhr in der Stadt war freilich niedergeschla- 
gen, die ., rechtmässige" Obrigkeit wiedereingesetzt, der 
Friede hergestellt. Aber um welchen Preis! An Stelle 
des alten Bundes mit der Xlll-örtigen Eidgenossen- 
schaft trat ein Zustand politischer Bevogtung durch 
die flinf evangelischen Stände, welcher durch die Frie- 
densbedingungen vom 13. August 1588 sanktioniert 
und durch die thatsächliche finanzielle Abhängigkeit 
auf viele Jahrzehnte liinaus festgenagelt war. Was 
nützte der Stadt die formell anerkannte Unabhängig- 
keit, so lange sie den Schutz ihrer Mauern eidgenös- 
sischen SöldneiTi anvertrauen musste und ihr Staats- 
und Privateigentum den V (h'ten verpfändet hatte! 
Die Schuld an diesem Ergebnis darf nicht den evan- 
gelischen Orten allein beigemessen werden. Ihre Stel- 



366 

lung zu Mülhausen wurde bedingt durch die Politik der 
Selbsterhaltung, dui'ch den Gegensatz zur katholischen 
Eidgenossenschaft, welche sie auf diesen Kampfplatz 
gedrängt hatte. Dass sie das Feld behaupten mussten, 
wenn sie nicht die Früchte ihres Sieges einbüssen 
wollten, beweisen die Ereignisse von 1590, da noch 
einmal der Gegner in Mülhausen Fuss zu fassen und 
diesen Vorposten der protestantischen Eidgenossenschaft 
in seine Gewalt zu bringen suchte. 



V. 
Der Aufruhr von 1590. 

Das Strafgericht der protestantischen Orte im Som- 
mer 1587 hatte nur die weniger gefälu-lichen Aufruhrer 
getroffen; die Rädelsführer, ilathis Fininger und 
Dr. Schreckenfuchs, waren entkommen. Während der 
erste in Luzern Unterschlupf fand, hielt sich Schrecken- 
fuchs im östeiTeichischen Elsass auf und schmiedete 
dort, neue Pläne gegen das verhasste Mülhausen. Er 
trat in Verbindung mit eiiügen Bürgern der Stadt, die 
sich von der Obrigkeit zurückgesetzt fühlten, wie 
Hans und Jörg Schlumberger, Rudolf Tilger, 
das Schriberlin, und Jakob Wieland, einem einge- 
wanderten Basler. Endlich gesellten sich zu diesen 
zwei Söhne der Anführer des Aufstandes von 1587, 
Hans Isenflamm und Yeltin Fries; es war die 
zweite Rebellengeneration, welche sich anschickte, das 
Werk der Väter fortzuführen. Die Zahl der unzufrie- 
denen Bürger, auf die man rechnen konnte, war be- 
deutend kleiner als beim ersten Aufruhr. Es waren, 
wie sich später herausstellte, im Ganzen kaum viei-zig 
Bürger an der Verschwörung gegen die Regierung be- 
teiligt, aber die Aufrührer hatten einen Rückhalt an 
der ÖsteiTeichischen Regentschaft in Ensisheim und an 
der katholischen Eidgenossenschaft. 

Die Herren zu Ensisheim hatten sich nie allzu 
grosse Mühe gegeben, ihre Sympathien für die im Jahre 

Beiträge XV 24: 



368 

1587 verbannten Mülhauser zu verbergen. Ihre Absich- 
ten auf Mülhausen waren bekannt; wenn es den Auf- 
ruhrern gelang, die von den evangelischen Orten ein- 
gesetzte Obrigkeit zu stürzen, konnten sich die neuen 
Machthaber nur mit östeiTeichischer Hilfe halten, und 
die Stadt musste über kurz oder lang dem Erzhause 
Oesterreich zur Beute fallen. Darum liess die Regent- 
schaft den schlimmsten Feind der Stadt, den Dr. 
Schreckenfuchs, ruhig gewähren, als er einen Überfall 
auf die Stadt vorbereitete und auf österreichischem Ge- 
biet Kiiegsknechte warb. 

Etwas zurückhaltender gegenüber den Plänen der 
Aufrührer waren die katholischen Orte, deren Politik 
noch immer von dem klugen und umsichtigen Ludwig 
PfyfFer geleitet wurde. Im April 1590 gingen geheime 
Botschaften von Mülhausen nach Luzem, eine Gresandt- 
schaft der Verschworenen ward durch Mathis Fininger 
bei Pfyffer eingeführt. Sie kehrte nach Mülhausen zu- 
rück mit der Übei-zeugung, dass PfyiFer das Untenieh- 
men der Kebellen billige; die gehoflFte Unterstützung 
mit Geld und Truppen fand sie nicht. 

Man behandelte in Luzeni auch diesen Mülhauser 
Handel, wie im XVI. Jalirhundert alle Angelegenheiten 
von den beiden Glaubensparteien in der Eidgenossen- 
schaft behandelt wurden: man verwundete und schwächte 
den Gegner, wo und wie man konnte, aber man liess 
es nie zum Austrag mit den Waffen konmien. Wie weit 
sich Pfyffer mit den Verschworenen eingelassen hat, 
wird später ausführlich erörtert werden; es sei liier 
zunächst nur konstatiert, dass Mathis Fininger von 
Luzeni aus das Unternolmieu gegen Mülhausen leitete, 
dass die Losung der Rebellen, als sie in die Stadt 
drangen, „Luzern" war, und dass die Sieger nach der 



369 

Kinnahme der Stadt sogleich einen Boten nach Luzeni 
scliickten. 

Anfang Juni 1590 hatten die Verschworenen ilire 
Vorbereitungen beendigt, und der 23. Juni ward zur 
Ausfiihrung des Planes bestimmt. *) Am Abend dieses 
Tages versammelten sich die in der Stadt befindlichen 
Verschworenen im Hause des Hans Schlumberger, wäh- 
rend dreissig Kriegsknechte unter Anführung des Dr. 
tSch reckenfuchs vor den Thoren warteten. Als die Nacht 
kam, öffneten die letzteren die Tliüren des Bollwerks 
zwischen Basel- und Jungenthor mit einem nachge- 
machten Schlüssel, und gaben mit einem Kanonenschuss 
denen in der Stadt ein Zeichen, dass sie eingedrungen 
waren. Die Rebellen bemächtigten sich sogleich des 
Bathauses und des Zeughauses und pflanzten in den 
Hauptstrassen Kanonen auf. Die ei-schrockenen Bürger 
blieben in ihren Häuseni, wenige, die sich hinauswag- 
ten, wurden vera^undet oder getötet. Die drei Bürger- 
meister, welche übrigens vorher gewarnt worden waren, 
begaben sich beim ersten Läim auf den Stephansplatz, 
als sie aber sahen, dass die Stadt nicht mehr zu retten 
war, flohen sie. Die Bürgermeister Hartmann und Ehr- 
sam wurden gefangen genommen, der greise Peter 
Ziegler entkam, blieb aber im Stadtgi*aben stecken 
und musste die Xacht in dieser peinlichen Situation 
zubringen. Die Ratsherren wurden in der Nacht aus 
ihren Betten geholt und ins Gefängnis gebracht. Dann 
wruide nach vollbrachter That ein Sclireiben an den 
Schultheiss Pfyffer gescliickt, in dem ihm das Gelingen 
des Handstreichs mitgeteilt und er aufgefordert wurde. 



') Eine ausführliche Darstelhing der Ercigninse des 23. Juni 
1590 hat der damalige Stadtschreiber Joli. (ieorg Zichle verfaast, 
vgl. C'artnlaire de Mnlhouse VI, N« 2687. 



370 

nun selbst mit seiner Mannschaft nach Mülhausen zu 
konnnen. 

Am andern Morgren entdeckten die ßüiger, wek'he 
jetzt ilu-en Sclu'ecken ausgeschlafen hatten, dass die 
Zahl der Feind(» eig'entlich recht gering sei, und sie 
schämten sich, ihre Obrigkeit so schmälilich im Stich 
gelassen zu haben. Während sie noch unschlüssig in 
d(»n Strassen umliei-standen, ergriffen nach Mülhauser 
Art die AN'eiber die Initiative zur Rettung der Stadt. 
Die Bürgerin Anna Schön trat unter die Männer uu«l 
rief ihnen zu: ,,\Vas steht ihr da mit den Händen in 
den Hosensäcken, ist euch nichts daran gelegen. da>s 
unsere Vaterstadt verraten und die Obrigkeit gefangm 
ist?" Das wirkte; die Bürger bewaffneten sich schnell 
übenvältigten die fremden Kriegsknechte und befreiten 
die gefangenen Katsherren, wälu-end die Kebellenfnluer 
aus dei- Stadt entflohen. Der Bote, der nach Luzem 
unterwegs war, wurde zurückgeholt. 

Während man noch daran war, die gefangenen 
Feinde in die Gefängnisse zu veiteilen, kam schon t*in 
Eilbote V(m Basel, der im Auftrag des Rates Auskunft 
verlangte über die Ereignisse der vergangenen Nacht, 
von deinen man in Basel nur gerüchtweise etwas ver- 
nommen hatte. Der Rat von Mülhausen teilte Basel 
den Sachverhalt mit und bat um Rat, wie er sich be- 
züglich der gefangenen RebelhMi zu verhalten habt*. 
Noch am gleiclu^n Tag, den 24. Juni, antwortet der 
Rat von Basel ; er gi'atuliert den Mülhausern zu ihrem 
Sieg und foi"(l(Mt sie auf, mit dem Prozess über die 
(befangenen zu waiten, bis Zürich und die übrigen 
evangehsclien Ort(* verständigt sind. 

Am 27. schreibt Zürich an Älülhausen ; es verlangt, 
dass man gegen die Rebellen mit äu?5serster Streiign 



H71 

verfahren, aber vorher die Ankunft der eidgenössischen 
Gesandten abwarten solle, die den 4. Juli in Mülhausen 
eintreffen würden. Solchen Anweisungen folgend, ging 
nun .der Rat von Mülhausen mit unerbittlicher Strenge 
vor; die 26 gefangenen Soldaten, die doch verhältnis- 
mässig am wenigsten schuldig waren, wurden am 27. 
Juni ohne ordentlichen Prozess hingerichtet, so dass 
Basel sich doch genötigt sah, Mülhausen deshalb Vor- 
würfe zu machen und die Akten über die Geständnisse 
der gefangenen Aufrührer zu verlangen. Am 4. Juli 
kamen dann Abgeordnete der fünf noch mit Mülhausen 
verbündeten Orte in die Stadt und leiteten das Malefiz- 
gericht gegen die Bürger, welche an der Verschwörung 
teilgenommen hatten. Die fünf Schuldigsten wurden 
enthauptet und gevierteilt; später wurden noch sieben 
andere mit dem Schwerte hingerichtet, während die 
weniger schuldigen Bürger mit Geldbuss(*n und Ge- 
langnis davon kamen. 

Damit war mm freilich die Sache noch lücht er- 
ledigt. Das Aktenmaterial des l*rozesses enthielt allerlei 
gi'avierende Anklagen gegen den Luzernei- Schultheissen 
Pfyffer, und die protestantischen Orte gerieten in gi'osse 
Aufiegung, als sie von den rmtrieben veinahmen, den(»n 
Mülhausen fast zum Opf(*r gefallen wäre. Aus der Menge 
der Geständnisse, welche sich auf den Anteil Pfyffers 
an der Verschwörung beziehen, seien hier nur die A^ich- 
tigsten Aussagen wiedergegeben : ^) 

Aussage des Martin Stern: Ungeverlichen vor 
vier oder sechs wochen sey er Martin Stern mit Tillger 
dem sclireyberli gen Lutzem gangen und an (»inem 



\) DiiH sfcsamte Akteimiaterial über die (.tCHtäudni^<sc der (Je- 
fan^eiien findet nich im (.'artiilaire de JlnUiouse VI, N" 2700 ff. 



372 

sainbstag vor dem thor in einem gartteu zum schult- 
heiss Pfeüfer khommen: da habe ime gemelt^r schrej-- 
berlin ein schreiben von doctor Schreckenfuchsen pre- 
sentiei-t, möge aber den innhalt desselben nit wiesen, 
aber nacherwerts als er berüert schreyben gelesen hab 
er Pfyflfer selbs gesagt .... welle inen auch im falil 
der noth wohl volck schicken, aber un der seinem 
namen solle es nit beschehn. Item sie sollen sechen, 
dass es mit so wenig bluetvergiessen abgange als immer 
müglich, aber alle die ihenigen so dess kleinen haulfons 
sollen sie gefangen nehmen, doch in solche gefangen- 
schaft thuen, dass man es wisse zuverantwurtten. ^^'ei- 
tei>? bekennt er, dass schultheiss Pfyffer und der Fi- 
ninger insunderheit selbs bevolhen man solle zue henu^n 
burgenneister Ziegler guette sorg tragen. 

Aussage des Caspar Dallmann: Das schivy- 
berli (Tilger) und Bawmann haben ime angezeigt, es 
werde ein hauptmann von Lutzein hinabkommen mit 
dryhundert kiiegsknechten und wann sie alssdann die 
statt innhaben, werde man sie in die alte pündtnus 
widerumb annehmen. Eines nachts habe ime Michel 
Notter und Martin Stern gesagt : sie haben von schult- 
heiss PfeiiFer uss seinem eignen mundt disen bescheidt, 
dass si luogen sollen wie sie die statt in iren gwalt 
tiberkhommen dann sobahlt das geschäche soll inen 
alssdann dass volck die dryhimdert knecht zuekhommeu, 
nachgeendts die eidgenossen von allen dreizehen ortten 
berüefft und dass malefizrecht gehalten werden. Item 
von Veitin Friesen und Hansen Schlumberger habe er 
gehört sagen . . . dass auch der schultheiss Pfeiffer selbs 
personlich hinabkhommen solle. Er hab auch gehört, dass 
der Pfyflfer selbs bevolhen, man soll die statt innemen 
und dass die clag des pundtshalben geschächen werde. 



373 

Aussage des Michel Notter: Das schreyberlin 
habe begehrt dass er Notter mit ime gen Lutzern geen 
solle, danif dann sie beide umb den papistischen Oster- 
tag daselbsten gewesen, zu Mathis Fininger kommen 
und zum teyl die Sachen daselbsten angelegt, da dann 
dises von dem schultheiss Pfeyffer uss seinem eignen 
mundt der bescheidt gewesen, sie sollen luegen dass 
sie die statt mögen innhaben allsdann soll inen volckh 
zugeschickt werden undt der pundt widerumb zugesagt 
sein. Als er zue Lutzern gewesen habe inen der Schult- 
heiss Pfeiffer khein volck zue schicken bewilligen wellen 
sie haben dann zuvor die statt in ii'em gwalt, darnach 
werde man allen dreizehen ortten schreyben, also dass 
hierdurch die sach wieder uff guoten weg khommen 
Avorde. 

Aussage des Hans Bavvmann: Von schultheiss 
I^feifter hab er uss seinem mundt gehört dass er zum 
Fininger gerett, es seyen allwegen guette fromme leuth 
zue Mtilhauseff gewesen, derhalben werde man sie nicht 
lassen können. — 

Aus diesen Aussagen ergeben sich bei objektiver 
Beurteilung folgende Thatsachen: Die vier Mülhauser 
Bür|a;er, Martin Stern, Michel Notter, Hans Bawmann 
und Hans Tilger, genannt „das schreyberli," kamen um 
Ostern nach Luzeni und hatten eine Unterredung mit 
Pfyffer in dessen (warten durch Vermittlung des Matliis 
l^ninger. Pfyffer billigte das Unternehmen gegen die 
Obrigkeit, weigerte sich aber Truppen zu stellen und 
verlangte, dass bei der ganzen Sache s(^in Name aus 
dem Spiel gelassen werde. Er riet den Rebellen, bei 
ihrem Handstreich möglichst w^enig Blut zu vergiessen 
und verlangte, dass der alte Bürgermeister Peter Ziegler, 
mit dem er persönlich bekannt Avar, rücksichtsvoll be- 



374 



handelt werde. Fiü- den Fall des (relingens stellte er 
den Mülhausern die Wiederauftiahme der Stadt in den 
Bund mit allen dreizehn Orten in Aussicht. 

Alles andere ist Zuthat der Haupträdelsfuhrer, na- 
mentlich des intriganten „Schreyberleins,*" der den Xa- 
men Pfyffei*s missbrauchte, um möglichst ^iel Anliänger 
für das Komplott zu gewinnen. Was aber Wahres daran 
war, genügte, um in der protestantischen Eidgenossen- 
schaft den alten Hass gegen Pfyifer zu wecken. Die 
Erbitterung war so gross, dass in Luzeni das Gei-fichi 
auftauchen konnte, die ketzerischen Eidgenossen seien 
im Anmarsch, um die Stadt zu zei-stören; so meldete 
wenigstens der päpstliche Nuntius ()tta\io Pararicino 
nach Rom.^) 

Auf einer Konferenz der IV evangelischen Städte 
zu Aarau vom 6. August 1590 wurde Pfyffers Ver- 
hältnis zu den Mülhauser Aufrlilirem besprochen und 
von Zürich folgender Anzug gemacht:*) „In Betreif 
der untreuen uneidgenössischen AnwysHng und Ver- 
sprächuug zu der jüngst in Älülhausen angerichteten 
leidigen Handlung des Schultheissen Pfyifer von Luzeni 
wird gefunden, dass die IV Städte dessen strafbaivs 
Benelimen nicht liingehen lassen dürfen. Hierfür. Aver- 
don drei Wt»ge vorgeschlagen, nämlich an Lnzem den 
ganzen Handel mitzuteilen und es um Pfytfers Bestra- 
fung zu ersuchen, oder aber Luzem um Recht gegen 
Ptytfer anzusuchen und duidi Abgeordnete ihn daselbst 
sein(»r unredlichen That halber anzuklagen, oder end- 
lich auf das in der IV Städte Jurisdiktion liegende (TUt- 

^) Brief iles Nuntius Paravicino au den l'anlinal MontaIt<». 
Cartulaire de Mulhou^e VI, X« 2691. 

*) Ku\^, Abschiede 5, 1, 2 p. 221 b. 



375 

liabeii Pfyfters Arrest zu legen." Die Anträge Zürichs 
schienen den drei andern Orten zw weitgehend, sie waren 
auf die Anträge nicht vorbereitet und versprachen die 
Antwort an Zürich in 14 Tagen zu senden. Am 11. Sep- 
tember erneuerte Zürich seinen Antrag, daas man dem 
Schultheiss Pfyifer „sin untrüw" nicht titillschweigend 
dürfe hingehen lassen, indem es den mit Mülhausen 
verbündeten Orten eine üble Nachrede nach sich ziehen 
könne. Da man aber vermutete, Pfyifer werde sich auf 
der nächsten allgemeinen Tagsatzung selbst verant- 
worten, wollte man eine abwai'tende Haltung einneh- 
men, besonders da man doch noch Beweismaterial sam- 
meln müsse, um mit bestimmten Anklagen gegen den 
LuzeiTier Schultheissen auftreten zu können. 

Die allgemeine Tagsatzung fand am 16. September 
1590 in Baden statt, und die evangelischen Orte wollten 
die Mülhauser Angelegenheit zur Sprache bringen, in- 
dem sie ihren alten Antrag, die VIII Orte möchten die 
Stadt wieder in den Bund aufuehmen, einbrachten. 
Aber Pfyifer hob den hingeworfenen Fehdehandschuh 
nicht auf, und der Antrag wurde mit der üblichen Mo- 
ti^iening des Xichtinstruiertseins abgelehnt. 

Dagegen eiiuhren nun die protestantischen Tag- 
heiren, dass die katholischen Orte dem Vogt von Baden 
Auftrag gegeben hatten, sich bei der Ensisheimer Re- 
^erung zu Gunsten der Mülhauser Aufttihrer, die sich 
auf östeireichisches (Gebiet geflüchtet hatten, zu ver- 
wenden. Darauf ging nun am 5. November ein scharfes 
Schreiben der evangelischen Orte nach Luzeiii ab. ^) 
In demselben äussern sie ihr Ei-staunen darüber, dass 
die katholischen Orte zu (iunsten von Verrätem und 

') Cartiilairo de MuIIiouhc VI, X<» 27B8. 



376 

Mördern intervenieren ; sie können sich dieses Vorgehen 
nur dadurch erklären, dass die katholischen Orte ge- 
täuscht worden sind. Der Brief schliesst mit der Dro- 
hung, man solle die evangelischen Orte nicht zwingen, 
zu Mitteln ihre Zuflucht zu nehmen, die sie selber lieber 
V(»nueiden wollten : ,, damit unvonnöten seye wegen sol- 
cher trew- und ehrlosen leuthen andere mittell und weg- 
an die handt zunehmen, deren wir für unseni theil zwar 
viel lieber überhebt weren, aber gleich wol im fahl der 
not unser mit Mülhausen habender pündten halb nit 
umbgehen sollen noch khönnen." Dieses scharfe Schrei- 
ben erhielt noch dadurch den Charakter eines Ultima- 
tums, dass am Schluss desselben sofortige Antwort durcli 
den Läufer verlangt wurde. 

Diesen heftigen Angi-iff konnten nun doch die ka- 
tholischen Oi-te nicht unbeantwortet lassen. Als auf dem 
näclisten Tag zu Baden, den 21. Januar 1591, die evan- 
gelischen Ständt* wieder ihren Mülhauserantrag ein- 
brachten, machten ihnen die Gegner Vorwürfe über den 
Ton, hl dem ihr Schreiben abgefasst war und ersuchten 
sie, sie möchten ihnen in Zukunft freundlich und eid- 
genossisch „wie es sich gebuhlt'' schreiben.^) Die Evan- 
gelischen erklären, es sei ihnen vom östen-eichischen 
Landvogt im Elsass mitgeteilt worden, dass die katho- 
lischen Orte den flüchtigen Mülhauser Rebellen Schutz 
g(»währen, darum verlangen sie von den Katholisclu^n 
Aufschluss über ihr Verhältnis zu den Flüchtlingen. 
Und nun erhebt sich Schultheiss Pfyfier, um seine Hal- 
tung während d(»s Mülhauser Auftuhrs zu rechtfertigen : 
Es ist richtig, dass Matliis Einiger zu ihm gekommen 

M EidiJf. Abschiodr 5, 1, 2 ]). 247 i, vifl. ancli So«fosRer: Ludwiir 
rtyifer und seine Zeit IV. p. 129 flf. 



377 

ist mit Kmpfelihin^sbriefrn von Schwyz mid üri, die 
den Verschworenen Truppen versprochen hatten. Kr 
hat aber Finingers Bitte um Unteistützun«: abgeschhi- 
gen, und hat denselben Standpunkt einp:enommen, als 
Fininger mit einem andeni ilülliauser, Hans Rudolf 
Tilger, zu ihm kam. Fininger hat dann auf eigene Faust 
in Luzern eine Schaar SöUbier unter Anführung eines 
gewissen Hans Frey geworben. Als Fininger und Hans 
Frey aber am 21. .Funi von Luzem auszogen, um an d(»m 
Handstreich gegen Mülhausen teilzunehmen, sclückte er 
(Pfyffer) ihnen Leute nach und Hess sie in Rothenburg 
verhaften. Mathis Fininger wurd(* darauf als Kuhestiu-er 
aus Luzern verbannt. 

Den Nachweis, dass die Unternehmung geg(Mi Mül- 
hausen nicht von ihm direkt untei'stützt worden ist, 
hat Pfyffer glänzend geleistet, und die Thatsache, dass 
er die Luiserner, welche den Rebellen zu Hilfe kimimen 
wollten, an der Abreise hinderte, wird auch anderweitig 
bestätigt. Wenn aber sein Biograph ihn nun von jed(n^ 
Verantwortlichkeit für die ilUlhauser Ereignisse frei- 
spricht, so geht er zu weit in seinem Eifer, Pfyffer 
reinzuwaschen. Dass di(» Rebellen den Handstreich gegen 
die Stadt nicht gewagt hätten, wenn sie der Zustim- 
mung Pfyff'ers nicht sicher gewesen wären, ergibt si(!h 
aus den Ereignissen selbst. Von s(»iner Unterredung 
mit der schon früher erwähnten Abordnung der A'er- 
schworenen sagt Pfyffer in seiner Verteidigung nichts, 
obgleich die Zeugnisse dieser Leute vorliegen. Ein 
unwiderlegliches Zeugnis g(^gen Pfyffer ist (4n Bri(»f 
Kaiser Rudolfs IL an den Staatsschreiber Cysat vom 
15. August 1596, in Avelcliem der Kaiser Cysat bittest, 
sich der flüchtigen ilülhauser anzunehmen, da er 
(Cysat) di(»sen Leuten ja schon früher immer geholfen 



378 

habe. ^) Der Brief ist allerdings nach Pfyflfers Tod gre- 
schrieben, es ist aber von der Unterstützung die Rede, 
welche den Flüchtigen früher zuteil wurde: „Wann 
wir dann gnette nachrichtung entfaugen, das dir nit 
allein bertieiter sachen grttndtliche beschaffenheit wol 
bekandt, sondern du auch mit bemelten armen be- 
schwerdten leuthen ein sonder christenlich mitleiden 
trägst und inen so \i\ an dir hülif zu erzeigen gnette 
Vertröstung gethon habest . . . ." Man könnte nun an- 
nehmen, Cysat habe auf eigene Faust diese Politik der 
Unterstützung aufrührerischer Mülhauser getrieben, und 
PfyflFer habe damit nichts zu thun. Aber diese Aus- 
legung macht uns Pfyffers Verteidiger selbst unmöglich, 
indem er über Cysats Verhältnis zu Pfyffer Folgendes 
sagt: '-*) „Aber wir finden nicht, dass er (Cysat) zu den 
Lebzeiten Pfyffers einen selbständigen Einfluss ausge- 
übt habe; vielmelir erscheint er sehr in zweiter Linie.'' 
— Immerliin hatte Pfyffers geschickte Verteidigung auf 
der Tagsatzung doch den Erfolg, dass seine Gegner 
die Sache zunächst ruhen Hessen. 

Langwieriger gestaltete sich noch für die prote- 
stantische Eidgenossenschaft die Abreclmung mit dem 
zweiten Feinde Mülhausens, mit der östeiTeicldsehen 
Regentschaft ui Ensisheim. Nach dem missglückteu 
Unternehmen vom 23. Juni 1590 waren vierzehn von den 
Verschworenen auf östeneichisclies Gebiet geflüchtet, 
darunter die Rädelsführer: Hans S ch In mb erger, der 
hauptsäclilich die finanziellen ilittel für den Putsch ge- 
liefert hatte, Hans Jakob Wieland, Veitin Fries luid 

M l'aitnlairc do ilulhouso VI, X*" 2800. 

-) 8o8fe«a(M*: Ludwijf PfyflFer und »eine Zeit IV, p. BOO. 



379 

Hans Iseiiflamm. Xatiirlich verlangte der Mülhauser 
Rat von der Ensisheimer Regierung die Ausweisung der 
Flüchtlinge, erhielt aber eine ausweichende Antwort. 
Darauf wandten sich die fünf protestantischen Stände, 
die gleich nach den Ereignissen des 28. Juni wieder 
die Vormundschaft über Mülhausen übernommen hatten, 
dii-ekt an die Ensisheimer Heri'en, und die eidgenössi- 
schen Gesandten, welche Anfang Juli in Mülhausen 
weilten, schrieben in scharfem Ton an die Regentschaft. 
Sie machten ihr Voiwürfe, dass sie Aufrührer und 
Mörder beschütze und dadurch der zwischen der Eid- 
genossenschaft und dem Haus Oesterreich bestehenden 
Erbeinung zuwiderhandle. Am 7. Juli kam die Antwort 
zurück, man wolle beim Erzherzog Ferdinand anfi-agen, 
was zu thun sei. Nach einigen Wochen traf ein Ant- 
wortschreiben vom Ph'zherzog ein, in welchem die Re- 
gentschaft getadelt wurde, dass sie die Rebellen auf- 
genommen habe und ihr befohlen wurde, dieselben so- 
fort auszuweisen. Am H. September teilte die Regent- 
scliaft den fünf Orten den Wortlaut dieses Sclu-eibens 
mit, that aber keine Schritte, den Befehlen des Erz- 
hei-zogs nachzukommen. Sie fulir fort, die Flüchtlinge 
zu beschützen. 

Was man zuerst für Gleichgültigkeit und Nach- 
lässigkeit gehalten hatte, erwies sich jetzt als be- 
wusstes eigenmächtiges Vorgehen der kaiserlichen Räte 
Rieh und Betz in Ensisheim. Für Mülhausen aber wurde 
die Lage allmählich unerträglich; denn die Flücht- 
liuge thaten der Stadt zu Leide, was sie konnten und 
legten Beschlag auf die in österreichischem Gebiet lie- 
genden Güter der Stadt. Durch ihre Frauen und Kinder, 
Avelche zurückgeblieben waren und mit ihnen einen 
geheimen Verkehr unterhielten, wussten die Rebellen 



380 



iinnior, was in der Stadt vorging, so dass schliesslich 
auf den Rat der Eidgenossen hin die Regierung die 
Frauen der Verbannten aus der Stadt jagte und ihre 
Kinder auf Staatskosten erziehen liess. 

Diese Massregel beantworteten die Feinde des Rat^s 
damit, dass sie neue Versuche machten, die Stadt zii 
überrumpeln. Im September 1590 kam ein Haufe fremder 
Soldaten unter Anführung der Verbannten während der 
Nacht an das Oberthor und vei-suchte dasselbe zu öfihen. 
Die ^^'ache machte einen Ausfall und tötete einen Ali- 
gieifer. Es stellte sich dabei heraus, dass Dornach 
das Hauptquartier der Rebellen war. Basel riet darauf 
Mülhausen, einen Ausfall gegen Domach zu machen und 
das Räubeniest auszunehmen. Aber ehe der Plan aus- 
geführt werden konnte, zogen die Verbannten nach 
Didenheim. Sie brachten dort eine Schar von 150 
iSchtttzen zusanmien und erneuerten ihi'e Angriffe auf 
die Stadt, so dass diese wiederholt Basel um Hilfe 
bitten musste. 

Da bei allen diesen Umtrieben der Verbannten dw 
Ensisheimer Regierung die Hand im Spiele hatte, be- 
schlossen die evangelischen Stände auf ihrem Tag *) zu 
Basel, den 25. Oktober 1590, eine Gesandtschaft an 
den P^rzherzog Ferdinand nach Innsbruck zu schicken 
und bestimmten als Gesandte Heinrich Thomann, Rat^ 
herr von Zürich und Hans Konrad Meyer, Bürger- 
meister von Schaffhausen. Ihr Sekretär sollte der Stadt- 
schreiber Zichle von Mülhausen sein. Ehe die Gesandt- 
schaft abging, wollte man einen letzten Versuch macheQ, 
die Ensisheimer Herren zum Nachgeben zu zwingen 
und schickte zwei Basler Ratsherren zu ihnen. Diese 

\) Eidg-. Abschiede 5, I, 2 p. 236 a. 



H81 

brachten als Autwort ein Schreiben mit, in welchem 
die östeiToichische Regentschaft mittcdite, sie sei von 
den katholischen Orten gebeten worden, gegen die 
fluchtigen Mülhauser Menschliclikeit zu üben und ihnen 
den Aufenthalt auf östeiTeichischem Gebiet zu gestat- 
ten. Diese Meldung lälimte die Aktion der evange- 
lischen Orte gegen Österreich. Ks war ein Angriff 
im Rücken, den ihre Gegner in der Eidgenossenschaft 
jaregen sie ausführten. Sie konnten sicli jetzt Osterreich 
jsregenüber nicht mehr auf die Erbeinung bemfen, wenn 
<lie Mehrzahl der eidgenössischen Stände von Osteireich 
den Schutz derjenigen verlangte, deren Ausweisung die 
evangelischen Orte forderten. Die Gesandtschaft nach 
Innsbruck unterblieb, aber an Luzem erging nun jenes 
im Augenblick der höchsten Erbitteixing abgefasste 
4Schreiben ^) vom 5. November, in welchem den katludi- 
schen Orten alle ihre wäluend des Finingerhandels be- 
gangenen Sünden vorgehalten wurden und das mit einer 
Kiiegsdrohung endete. 

Der Bogen war zu scharf gespannt; wir wissen, 
wie auf der nächsten Tagsatzung im Januar 1591 Pfyffer 
sich selbst und damit die Politik seiner Partei veii:(»i- 
digte. Die evangelischen Orte unternahmen zunächst 
keinen gemeinsamen Schritt mehr gegen Österreich und 
überliessen Basel allein die Fehde mit der Ensisheimer 
Regiening. .lalirelang gingen nun Boten von Basel 
nach Ensisheim und wieder zurück. Hatten die Ver- 
bannten wieder einen Streich gegen Mülhausen ausge- 
fahrt, so klagte die Stadt bei Basel, dieses schrieb 
nach Ensisheim, und von dort kam eine nichtssagende 
Antwort. Es schien, als ob durch die hereditäre 

».) Vgl. p. 376. 



382 

Trölerei des Erzhauses Österreich auch diese An- 
gelegenheit zu ewigem Nichtsterbenkönnen venirteilt 
werden sollte. 

Da ergriff im Jahre 1596 plötzlich Österreich selbst 
die Offensive gegen Mülhauseu. Kaiser Rudolf II führte 
den ersten Schlag, indem er dem Matliis Fininger und 
seinen Spiessgesellen am 15. August 1596 einen kaiser- 
lichen Schutzbrief ausstellte. Dann wandte sich der Kaiser 
an den Stadtschreiber ( -ysat in Luzeni und bat ihn, der 
so lange schon die flüchtigen Mülhauser unterstützt habe, 
auch jetzt sich ihrer anzunehmen und dem Kaiser zu 
raten, wie man in Mülhausen die katholische Religion 
wiederherstellen könne. Der Brief, ^) welcher vom 2i. Juli 
1586 datiert ist und den ganzen Plan gegen Mülhausen 
enthüllt, ist wichtig genug, um hier teilweise im Wort- 
laut Aviedergegeben zu werden : „ . . . als gesyuneu 
Avir an Dich liiemit gnediglich begerendt, wollest in 
der still und gehaim bei zeigern dis eintweder uns 
oder dem wolgebomen unsemi und des reiches lieben 
getreuwen Frideiichen, grafen zu Fürstenberg, Haili- 
genberg und Werdenberg, landtvogten in unter Elsas 
schrifitlich eröffnen und anfuegen auf was mittel und 
weg den obgenannten Fininger und seinen verwandten 
zu helffen vor guet ansehest, auch wasz du selbst und 
andere catholische eydtgenossen bey restitution vorge- 
dachter gi^avierter und widererbawüng unser heiligen 
christlichen uralten catholischen religion dis ortlL< 
zuthun bedacht und im übrigen vorberüerten zeigem 
disz, sowohl genentem graven zu Fürstenberg gleich 
uns selbst hierunter volkummenen glauben zu stellen, 
und die in befürderung dieses lobwirdigen gottseligen 

') Cartulaire de Aliühousc VI, X^ 2800. 



383 

Werks also erweisen wie nnser veranlessi^ sonder 
^edijars vertrawen zu dir gerichtet ist: an dem be- 
zeigst Du uns guets angenemes gefallen, mit kaiser- 
lichen gnaden darmit wir dir wol geAvogen in ander- 
weg zuerkennen.** 

Der Überbringer des Schreibens war Matlüs Fi- 
ninger selbst. Cysat antwortete dem Kaiser mündlich 
durch Doktor Pistorius, den kaiserliclien Kommissar in 
Luzem. Was Cysat geantwortet hat, wissen wir nicht. 
Es war offenbar nicht entmutigend für den Kaiser; 
denn bald nach dem Eintreffen der Antwort erging an 
Mtilhausen die kaiserliche Forderung, dass es als Reichs- 
stadt in Jlonatsfrist das Türkengeld und die andern 
Reichssteuem zahlen solle. Auch an die XIII Orte 
richtete Rudolf das Begehren, sie möchten ihm zur 
„Restitution" der Stadt Mülhausen behilflich sein. Der 
Voroit Zürich teilte das kaiserliche Sclu'eiben der all- 
gemeinen Tagsatzung zu Baden den 11. Mai 1597 mit. 
Eine Entscheidung über die Frage wurde nicht ge- 
troffen, da man diesmal wirklich nicht instruiert war. 
Die Orte Uri, Schwyz, Unterwaiden, Luzern und Zug 
beschlossen aber auf ihrer Sonderkonferenz ^) zu Gersau, 
den 23. Juni 1597, man wolle sich der Mülhauser niclit 
annehmen und auch den Kaiser in seinen Ansprüchen 
nicht hindera. Dieselbe Erklärung gaben sie mit den 
andern katholischen Ständen auf der nächsten allge- 
meinen Tagsatzung ab, als der kaiserliche Gesandte, 
Graf Friedrich von Fürstenberg, die Forderung des 
Kaisers wiederholte. 

Daraufhin beschlossen die fiinf Schutzorte Mtil- 
hausens, eine Gesandtschaft an den Kaiser zu schicken. 



') Eidg. Abschiede 5, I, 2 p. 446 c. 
Beiträge XV . 25 



384 

(jresaiidte waren Hans Georg Grebel von Züiicli, Franz 
Güder von Bern, Jakob Ziegler und Hans Georg Zichle 
von Mülhausen. Sie kamen den 19. Dezember 1597 
in Prag an und erhielten am 3. Januar 1598 eine Au- 
dienz beim Kaiser, der ihren Vortrag gnädig anhörte 
und ilrnen baldige Antwort versprach. Aber die Ant- 
wort kam nicht. Von Woche' zu Woche \iiirden die Ge- 
sandten vertröstet. Schliesslich reisten sie am 12. Fe- 
bniar ohne Antwort wieder ab. 

Die Antwort kam auch nie. Dagegen hatte die 
Beise ein ganz unerwartetes Ergebnis, einen heftigen 
Zank zwischen den katholischen und protestantischen 
Eidgenossen. Die Gesandten, welche nach Prag ge- 
gangen waren, hatten beim Kaiser die katholischen 
Grte „verunglimpft" und sich ofliziell als Vertreter der 
ganzen Eidgenossenschaft ausgegeben. Dafiir rächten 
sich nun div katholischen Orte, indem sie auf der Tag- 
satzung ^) am 14. Februar 1599, zu der auch die zu- 
gewandten Orte geladen waren, erklärten, dass sie 
Mülhausen nicht mehr als „zugewandten Ort> betrach- 
teten, seine Gesandten also von den Verhandlungen 
ausgeschlossen sein sollten. Zürich und Beni entgeg- 
neten, Wallis sei im gleichen Fall wie Mülhausen; e.^ 
stehe auch nur mit einem Teil der Eidgenossenschaft 
im Bund und sei trotzdem auf den allgemeinen Tag- 
satzuugen vertreten. Die katholischen Tagherren gaben 
nicht nach und drohten sich zu entfernen, wenn man 
die Mülhauser Gesandten zulasse. Der Vorort Zürich 
musste nachgeben und erklären, dass er in Zukunft 
^lülhausen nicht mehr einladen werde. Dieselbe For- 
derung, 3lülhausen auszuschliessen, wiederholten die 

') Eu\g. Abschiede 5, I, 2 p. 49B)). 



385 

Katholischen auf der Tagsatzung vom 26. November 
1601. Da Bern und Zürich sich energisch für Mül- 
hausen wehrten, fand man dann einen Ausweg. Die 
Gesandten von Uri, das den tiefsten Groll gegen Mül- 
hausen hegte, traten ab, während die Mülhauser ilire 
Instruktion eröffneten, und umgekehrt blieben die Mül- 
hauser weg, wenn die Urner Tagherren redeten. 

Der Zank um ilülhausen auf den Tagsatzungen 
hat von da an eigentlich nie mehr aufgehört, aber die 
Lage bleibt immer dieselbe. Alle paar Jahre einmal 
stellt Zürich den Antrag, Mtilhausen wieder in den 
Bund mit der gesamten Eidgenossenschaft aufzuneh- 
men. Darauf lehnt Uri den Antrag ab, die andern ka- 
tholischen Orte sind nicht instruiert, und jedesmal folgt 
iils (iegenstoss von selten der VIII Orte die Forderung, 
<lie ilülhauser Gesandten auszuschliessen — natürlich 
mit demselben Erfolg. Eine kleine Abwechslung in den 
etwas langwierigen Handel brachte der Versuch Mül- 
hausens, die katholischen (h-te mit (ield zu versöhnen. 
Der Mülhauser Stadtschreiber Zichle wurde auf der 
Tagsatzung vom 2. Juli 1603 von einigen Tagherren 
auf dieses Mittel aufmerksam gemacht. Er schrieb da- 
mals an seine Oberen:^) „Er habe gute Vertröstung 
von den Gesandten (betreffs Wiederaufnahme in den 
Bund), doch dürfen sie die Sache an ihre (Tewalten 
noch nicht bringen; sie haben auf goldene und 
silberne Instruktionen geredet, ohne dergleichen 
Mittel werde schwerlich etwas zu erhalten sein. M. G. 
H. sollen 4 bis 500 Kronen rüsten. Hen* Hässi und 
Pfändler (Mülhauser Gesandte) sollen wieder verreisen 
und jedes Oit auf 500 Kronen Verehrung vertrösten. 

^) EU\g. Abschiede 5, I, 2 p. 651. 



386 

Hen- Schultheiss Sager habe gesagt, wenn man die 
Bünde niit 8 bis 10,000 Kronen wieder zu Wege brin- 
gen könne, solle man noch froh sein." Die Antwort 
der katholischen Oite auf den Antrag Zürichs wegen 
Mülhausen lautete auch diesmal so entgegenkommend 
Avie noch nie: „Wenn die V Orte geeignete Anträge 
bringen, welche der Reputation der katholischen Orte 
nicht zu nahe treten, so wolle man diese in den Ab- 
scliied nehmen.'* Aber auch dieses sonst so zügige 
Mittel versagte schliesslich doch seine Wirkung. 

Unterdessen hatte wenigstens der Führer der Mfil- 
hauser Flüchtlinge, Mathis Fininger, einen Ort gefun- 
den, da er sein Haupt hinlegen konnte. Im Februar 
1606 wurde er Landsasse in Schwyz und genoss von 
nun an den Rechtsschutz seiner neuen Heimat. Ein 
anderer Flüchtling, Hans Jakob Wieland, wurde von 
seinen Basler Verwandten durch Vennittlung des Rates 
aus der Verbannung erlöst. Hans Schlumberger, Hans 
Isenflamm, Veitin Fries und einige andere blieben, im 
Schutze der Ensisheimer Regiening, böse Nachbarn für 
ihre Vaterstadt. 

Der Streit Mülhausens mit dem Kaiser dauerte bis 
zum Sturze Rudolfs; über den Gefahren des dreissig- 
jährigen Krieges vergass man in der kaiserlichen Hof- 
burg die Restitution der ehemaligen Reichsstadt. 

Die Lage Mülhausens blieb auch so noch schwierig 
genug. Ringsum von begehrlichen Nachbarn umgeben, 
war ihre einzige Stütze der „Bund" mit den IV evan- 
gelischen Städten, ein Bund freilich, der identisch war 
mit einer Schutzhen'schaft des Stärkeren über den 
Schwächeren. Von irgend einer selbständigen Politik 
war keine Rede mehr. Die diplomatische Vertretung 



387 

nach aussen besorgten die IV evangelischen Städte, und 
von Zeit zu Zeit kamen zwei Basler Eatshenen, um 
das Zeughaus und die Staatskasse zu inspizieren. 

Es war bedeutungsvoll ftir die Zukunft MüUiausens, j 

dass es sich im Jahre 1608 an Heinrich IV von Frankreich 
wandte und ihn um Schutz gegen die Ansprüche Öster- 
reichs bat. Nach dem Tode dieses Beschützers begannen 
die Angriffe des von den katholischen Eidgenossen 
unterstützten Österreich von neuem, und die Stadt ge- 
riet wieder in jene isolierte Stellung, welche ilir 20() 
Jahie später das Aufgehen im französischen (Trossstaat 
als ein beneidensweites Los erscheinen Hess. I 



JBeila/jJje I. 
Die Kriegsrüstungen vor dem Rat von Basel* 

Staatsarchiv Basel: 
Ratsbüchlein für 1587, pag. 29 u. ff. 

13. Jimy. 

Ist der Abscheid von Arow gehört worden wegen 
der Mülhusern Demraung, der gesandten Relation und 
die öfiiung m. herren XIII, dess Inhaltes: 

1. Es sey m. heiTen leid daz es dahin kommen. Weil 
es aber dahin kommen so köndte man nit wol ab- 
ziehen, wolte deshalb laut abscheidts sich dai-zu 
schicken. 

2. Sey aber nit gut nur beid Rhät zeberichten, son- 
dern auch für den grossen Rhat die sach zu ge- 
langen lassen. Daz man auch denselbigen ein Ha- 
hing Eid aufgeben den Mülhuseni verwandten 
heissen abtretten. 

3. Ob man wöU die von der Regierung berichten, 
warumb man das fürnemen müsste und wess Vor- 
habens sie. 

4. Das hauptmann Iniiy befragt worden anzeigt, er 
seie erbüttig sich zebrauchen lassen, woll die kneclit 
wol zusammenbringen, aber sey zebedencken ob 
meiner heiTcn leut oder frömbde anzunemmen. Ob 
man daz Basel fehnli brauchen wölt daz man gelt 
und proviant darzu schaffen wöll. 



389 

Daruff die sach dem grossen Rhat doch nur ge- 
neraliter fürgetragen worden und gehört ob sie wölten 
m. herren den Rhäten gwalt geben, laut des absclüedtes 
mit unsem Eidtgnossen wider Mülhusen etwas thät- 
liches fürzenemmen. Darnach ist die propositio und die 
umbfrag beschechen, mein herren all einhellig und gut- 
willig gwesen m. herren den Rhäten die sachen mit 
vollem gwalt zubefehlen. 

Ist erkant solches gen Zürich und Bern kundt ze- 
thun daz man hauptmann Balthasar befelch gethon. 

Hauptmann Irmy soll man befehlen 600 knecht so 
geheim möglich anzunemmen doch daz er freie knecht 
nenmie die zur Stadt fehnli nit aussgelegt, sonst es sey 
frömbd oder heimisch. Item daz man der Statt fehnli 
daheim lasse ein andres werde zustellen. 

Soll man hauptmann Balthasar anzeigen wie er 
mit den Mülhusern vermeine ob sie auch mitziehen 
sölten. 

Mein herren XIII 

Mülhuser belangend, wann heimlich 2 oder 3 bey 
inen seien und anzeigung geben wo die sachen anzu- 
gi-eifen die überigen sollen nit mitziehen. Montags soll 
maus den Mülhusern vennelden. 

16. Juny. 

Den lue wesenden Mülhusern ist zu befehlen, dz 
sie fürsorgung thuon, damit auf den nechsten Dörfern 
das lager proviandtiert werde, man brot bache. Sollen 
iren 5 oder sechs mit den vendlinen ziegen. 

Hauptmann Balthser soll sich gerüst halten all 
stund, doch dz er still stand mit dem Eid und Gelt 
ussgeben. 



390 

17. Juni. 

Soll m. herren Hauptmann mit den Bernischen 
ziehen morn frü wann khein gfecht mit einander ziehen. 
Soll hauptmann Balthaser mit den Beniischen confe- 
rieren. 

Soll man die zur wacht anstellen ander den Thoren 
khein Mülhuser passieren lassen sondern griffen werden. 
AVann man hinaus zeucht solt man von den zünften 
St. Johanns-Spalenthor bestellen mit 6 mannen von 
ansehens wegen soll der Vogt A^on Famspurg die Vogt 
warnen, daz sie die Schlösser versehen. 

Soll man die von Bern anmanen daz ir Volck uit 
auslautFe noch raube, die Regierung nit erzöme. 

19. Juny. 

Ist geratschlagt die von Erlach und Irmy, w^eil 
die Regierung den pass und comiss d. proviandts ab- 
geschlagen (wie gestern abgetahn) heut mit einander 
anziehen sollen mit irem volck nach Mülhusen item ob 
man in mit mehr volck starken wölte item Schaufel- 
baueni geben oder ob man wöU Zürich erwarten. 

1. Man soll warten denen von Zürich und Schafhusea 
und heut lue verharren. Soll Sampstags mit ein- 
andern ziehen, da sie aber müde halb nit wollen, 
sollen doch Bern und Basel aufbrechen. Auch die 
Regierung in der 5 Orten namen weiter ansuchen 
aufs mutest. Man soll dieser Sachen Zürich und 
Bern berichten in Eil. 

2. Wie bald dann die Eidtgnossen kommen, soll man 
sie auch berichten. Sollen die übrigen Bern und 
Basel warten bis sie sich gemeinlich entschlossen. 

8. Reuterhalb soll man nit fürschicken, auch kheine 
frembden brauchen Ursachen halb. 



391 

4. Schaufel, bickel, hauen 100 stuck und veldgschütz 
soll man sie nit lassen, damit man sich einschantzeu 
könde 10 stuck veldgschütz mitnehmen. 

5. Posten halb lasst maus darbey bleiben : Bern, Frau- 
brunnen, Arwangen, Langenbruck, liiestal, Basel, 
Sierenz. 

20. Juny. 

Zürich und Schafhusen begehren jedes ein Zelt soll 
man inen welle geben. 



JBoila^e II. 

Brief des J. J. Grynaeus über die Erstürmungr 
von Hülhausen. 

J. J. Grynai Epistolae ad C'hr. Andream Juliuni^ 
prostat Francofurti et Lipsiae apud Wolfgangum 
ilichahelles 1715. 

Fui uuper Mülhausii et consolatus sum Ecclesiam. 
Audio autem Augustae de eo oppido crudeliter expu- 
gnatio, mendacem iiarrationem Jesuiticam prodiisse. 
Nostri ut arbitror uon ut nebulonibus respondeant, sed 
ut piis magistratibus demonstrent, se sociis succurisse^ 
historiam edituri sunt. Fatendum est, quum forti dextra, 
oppidum, ut novisti populosum et luunitum esset recu- 
pandum et seditiose coinpriniendi a mercenariis seditio- 
sorum civibus Mulhusensis (horum fuerunt iion plures 
25) et nostris Basil. Tigurinis, Beniensibus, Schafusia- 
nis, occubuisse civeiter 430. non in ipso tantum con- 
flictu sed et post conflictum: Saudi enim plurimi fue- 
runt. Nostri Basilienses bene de ipsis mereri Student. 
Yive et Vale in C-hristo: et saluta conununes amicos. 
Basilea d. 6. Augusti 1587. 



Beilage IIT. 
Zyttung: US der Eydtgrnossschaft vom 16. Juny A 1587. 

Staatsarchiv Luzern: 
Akten Frankreich, Kriege und Friedennschltisse. Fase. II. 

Alls dann ein zytt har eine gmeine sa^ gsin, wie 
das die zwinglisch oder Luthrischen Eydtgnossen den 
rebellischen Hugenotten in Frankreich versprochen und 
verwilliget haben sollen in die 40 fendlin • ires Volks 

ze hilff ze schicken und wiewol es mengklich 

daifiir geballten, so haben sie doch allein zwölf fendlin 
knecht uffgeri'ist und uff dato ulfbrechen lassen. Mit 
dem ussschriben an die benachpurten ihre Mitt Eydt- 
gnossen .wie sy verui-sacht solche kriegsmacht keiner 
andern gstallten uifgebrochen dann allein dem abge- 
setzten Rat zu Mülhusen uff syn anrüffen wider die 
ufirtirisch Burger zeliilff ze koinmen und ilmen mit 
gwallt zum rechten zu verhelffen mit begär das die 
übrigen Ort sy daran nit verbinden! noch den Müll- 
husem weder hilff noch Rhat geben in ansehen das sy 
Inen mit keiner pundtnus meer zugethan. Sonst wollen 
sy das ort gar nit schädigen und obwol sy soUichs allso 
furmalen, so ist man doch in gheimb bericht vde das 
sy ein ander m(dnung neben deren vor inen habent. 
Nämlich mit diser Gelegenheit den Xavamschen Zug 
zu furdem und ins Werck zerichten und die statt Mül- 
husen allso glych alls in einem Vorzug zenemen unnder 
solchem schyn und furgewandten Unwillen den sy an 
sy geworffen umb das sy die Mülhuser iren handel und 



394 

spann inen den Lutrisch orten nit ganz allein übergeben 
wollen nach irem gefallen ze venichten on zutlmn der 
catbolischen, sonder das sy die catholischen auch daby 
und mitt haben wollen, derselbig Gsandten jüngst ouch 
vil mere Eeren und Liebs anerbotten dan glych inen 
den Lutrisch ires glaub ensgnossen selbs und sich stäts 
nütliin erklagen wie sie Lutlirisch zu paithygisch und 
hochmütig gegen inen handien und sy understanden mit 
gwallt und Tröwen zu ii*em \rillen ze bringen liiemitt 
den schuldigen und strafFwürdigen voi-stendern zu ver- 
schonen und frid zeschafFen. Wann nun inen allso mit 
ynneniung diser statt gelinge wollen sy ein vogty drus 
machen und sy in irem gwallt behallten und zu solli- 
chem irem füniemen trösten sy sich vast das vil under 
den Mülhusern in der statt sygen so selbs nit den Bur- 
gern sondern den abgesetzten und den Ijutrisch oiteu 
zustinunend und doch us forcht üsserlich derglychen 
thund als ob sy es mit den burgern hallten wölliclis 
nun inen den Lutrisch orten hier zu vil fürderung geben 
wurde und haben sich lassen mercken wann die statt 
mit hillF irer fründen' und nachpuren stercken würd** 
haben sy noch 40 fendlin wol gerüstete knechten sclion 
ussgezogen die sy ylends hernach schicken wollend!, 
wöUichs aber (wo dem allso) anders nützit bedütten 
mag dann das sy allsdann mit dem ganzen liuffen dem 

von Xavarra zuzüchen wurdent Damitt aber 

dise ort an iren vorhabenden practiken nit verhindert 
wurden und fürtrucken möchten, haben sy neben dem 
es ouch ein grosser trutz und fräfFel ist disen List ge- 
brucllt und ir volck so sy sonst ouch in aller vi un4 
höchster stille ulfgebrochen, über irer benachpurten mitt 
Eydtgnossen Landschaften ungewanieter sach zülien 
lassen und sy nie umb den Durclizug ervordert noch 



395 

der sach bericht wie bruchlich und billich, bis glych m 
wenig stunden und da sy schon uff der andeni Landt- 
schaft gsyn, allso das es one einen allgemeinen 
Landskrieg nitt zu wenden gsin wäre. Die übri- 
gen fiinflf Catholischen ort aber haben sy erst bericht 
da ir volk schon alles hinabgezogen, wöUiche Sachen 
seid so vil bedenckens und nit \i\ willens gebeut dann 
yn von nötten und billich so man einen heimschen krieg 
und an den grenzen des Lands anheben wil, das die 
benachpurten und Interessiei-ten dessen zuvor veiwamet 
werden. 



Heilacro XV. 

Was ein Georg Käsers Scharppfrichters zu Basell 
von der Hulhauserischen Empörung Anforderung. 

Staatsarchiv Basel: Akten Mülhauser Unruhen. 

Erstlichen zwen mit dem schweit als Martin Denzler 
und den Mess(*rschmidt ^richtet: den steinbsetzer mit 
dem strängen ein Welschhan (mit reverenz zmelden) 
an das halsisen gstelt unnd mit ruten ussgstrichen : 
Darfür (alss nambliclien von einer in den malefitzi- 
schen urthell) hat man mir alzit geben di-y pfundt, das 
maclit für dise fünft' personen fünfzechen pfundt. 

Dannethin sc» hab ich feniers dry Muomen mit 
ruten ussghauwen ist aucli für sie dry 9 pfundt. 

Dessglich(»n so ist mir alzit bezalt worden, wann 
ich einen uft'ziehen und streckhen hab sollen von ein 
jeden fünftzechen plappart. Deren nun so ich uflfeogen 
sind gsin: 

Michel Ziegler gewesener botten zuo Mülhausen 

Item ein Kannengiessergsell 

Item den Dubenschlosser 

Den Steinbsetzer 

Den Thoman Zetter zweymalen 

Martin Thommel zAveymalen 

Dass schriberlin zweymalen 

Hanns Balthasar Rüchen 

Dass macht in einer summa zesamen von jedem 
mahl ein francken — 18 fiancken facit 9 Pfund 15 s. 



B97 

So ist auch der Messersclunidt hievor, 8o ich mit 
dem Schwert gerichtet erstlichen mit der urthell zum 
i'ad erkant worden, flir die urthell ist auch dry pfund. 

Dessgliclien Hans Baltzer Rüchen belangent ist 
üucli zum Schwert erkant, darfür dry pfuudt. 

Item den Welschen so zu Illzach im Läger gefan- 
gen worden, ufFzogen einmal macht fünflFzehn plappait. 

Item so ist mir zugsagt von jedem ussspan ehi 
pfiindt, bin ich zum andern mal daniden gsin macht 
vier pfundt. 

Summa alles zusammen viertzig vier pfundt zechen 
Schilling. 

Will nun sollichs alles in Kriegslöuffen zugangen 
un iiit wie etwan sonst in andren fahlen, darum mir 
dann auch solt billich mehr besoldet werden, dann sonst, 
jedoch so setz ich E. U. u. AV. heim mit undertheniger 
pitt mich in gnaden bedenkhen. 

Georg Käser. 



Brief Wurstysens an den Rat von Basel 

vom 30. Auglist 1587 aus Mülhausen. 

Staatsarchiv Basel: Akten Mülhauser Unruhen. 

Ehrenveste ftinieme und weise günstige Herren, 
Ich hab erstlich on not geachtet Euch des Mtilhause- 
rischen ('oncepts halb ein Exemplar zuzustellen in 
hoffnung es würden der übrigen Orten gsandten dis 
P^xemplar so ihnen zugsclückt werden widerumb gen 
Aarau bringen und die sampt ilu^em gutachten auch 
wider überliefern, damit sie allhie möchte getruckt 
werden. Weil aber diser Bott ohne daz wegen ausge- 
rissnen gfangnen lünauf gemusst, so habe ich im auch 
ein Exemplar zugstellt Euch zu antworten da ir dest 
notwendig sein werden, als ich doch nit achte. 

Bitt hieneben freundlich doran zu sein, damit es 
aufs förderlichst so möglich wider allhie komme, ob es 
noch getruckt und gon franckfuit kommen möchte. Wo 
auch jemand es anderswo den allhie wölte trucken 
lass(4i, das nit zu bewilligen. Den im fahl es passiert 
vdrt hab ichs einem guten herren hie verheissen zu 
trucken lassen, dem ichs auch begere zu halten. 

E. dienstwillig 

Christian AVurstisen. 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

Einleitung 289 — 290 

1. Der Rechtsstreit vor den eidgenössischen Ständen 291 — 303 

II. Der Bruch mit den katholischen Orten . . . . 304 — 329 

III. Der Kriegszug gegen Mülhausen 330 — 349 

IV. Mülhausen und die protestantischen Orte . . . 350 — 366 
V. Der Aufruhr von 1590 367 — 387 

Beilagen I— V 388-398 



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einen Teil Akvm^ 
biliK'ii dann t^iiiHU lUml, 

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in ilr t fUi Hwrfi 




Beiträge 



vaterländischen Geschichte. 



Fünfzehnter Band. 



Inhalt. 

Seite 
Peter Werenfels. Antistes EccI. Basil. VIII. 1675 — 1703. Ein 

Beitrag zur Kirchengeschichte Basels. Von Arnold 

von Salis, Antistes 1 

Basler Annalen. Auszüge aus den Geschicbtsquellen des Mittel- 
alters bis 1500. — I.Teil. — Von Rudolf Thommen 121 

Der MUlhauser Finningerhandel und der Aufruhr von 1590. Von 

Ferd. Holzach 287 

Der Aufstandsversuch der Brüder Peter und Hans Bischoff Im 
Jahre 1482, nebst Mitteilungen über den Tumult von 
1402, sowie Notizen zur Genealogie der Familie Bischoff 
im XIV. und XV. Jahrhundert. Von August Burek- 
hardt 401 



Beiträge 



zur 



vaterländischen Geschichte. 



Herausgegeben 
von der 

Historischen und Antiquarischen Gesellschaft 

zu 

Basel. 



Neue Folge. — Fünfter Band. 

Der ganzen Reihe XV. Band. 



Basel. 

Verlag von Georg & Co. 

1901. 



Der 

Aiifstandsversuch 

der Brüder 

Peter und Hans Bischoff 

im Jahre 1482 

nebst Mitteilungen über den Tumult von 1402, 

sowie Notizen zur Genealogie der Familie Bischoff* 

im XIV. und XV. Jahrhundert. 



Von 

August Burckhardt. 



^ 



Beiträge XV. 26 



I. 

Allgemeine Einleitung. 

Die siegreiche Durchführung der Refonnation in 
Basel im Frühjahr 1529 bedeutete für die Stadt zu- 
gleich auch den endgültigen Sieg der Demokratie über 
das bisherige Adels- und Geschlechter-Regiment. Ein 
jahrhundertelanges zielbewusstes Ringen um die Ober- 
herrschaft zwischen der aus den Handwerkern, hervor- 
gegangenen aufstrebenden Bürgerschaft auf der einen 
und dem bisherigen Herrn der Stadt, dem Bischof und 
dessen mächtigen Vasallen — sozusagen dem ganzen 
umliegenden sowohl hohen als auch niederen Adel — 
auf der anderen Seite, fand dadurch seinen endlichen 
und naturgemässen Abschluss. In allen diesen Kämpfen 
hatte der Bischof an diesem seinem Lehensadel, dessen 
Interessen sich eben doch in der weitaus grössten Mehr- 
zahl der Fälle mit denjenigen des Lehensherm deckten, 
eine starke Hülfe und treue Stütze gehabt. Da ein 
grosser Teil des Adels gleichzeitig auch Lehen von 
Oesterreich besass und infolge davon die österreichischen 
Interessen bei ihm im Vordergrund standen, so leuchtet 
es ein, wie die enge Verbindung des Bischofs mit diesem 
Adel für die Stadt doppelt gefährlich werden musste. 
Dass aber dennoch die Stadt im Kampfe gegen diese 
fast übermächtige Koalition schliesslich nicht unterlag, 
hat seinen Grund mit darin, dass die nötigen finanziellen 
Hülfsmittel, über die der städtische Rat, dank der 
grossen Steuerkraft seiner Bürger, reichlich verfugte, 
beim Gegner mit der Zeit immer mehr fehlten. Es 



404 

kommt als weiteres Moment dazu, dass die Bürgerschaft 
von Basel doch nicht so ganz allein stand im Kampfe 
gegen das exklusiv aristokratische Regiment der Stadt, 
wie es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein 
haben mochte. Dieselbe Erscheinung wie hier zeigte 
sich zur gleichen Zeit auch in den meisten andern 
Städten, hatte sogar — wenigstens bei den giossen 
mittel- und niederrheinischen Gemeinwesen — schou 
viel früher begonnen.^) Es ist nun aber hinlänglich be- 
kannt, wie solche an einem Orte von Erfolg gekrönte 
Bewegungen gar leicht auf andere Gegenden, woselbst 
die gleichen oder doch ähnliche Bedingungen und Vor- 
aussetzungen vorhanden sind wie dort, ansteckend 
zu wirken pflegen, ja oft geradezu die beste Bmides- 
genossenschaft fftr sie abgeben. So ist es — um nur 
ein Beispiel zu nennen — ja auch noch später, im 
XVII. und XVni. Jahrhundert, der Fall gewesen mit 
der immer weiteren Ausgestaltung und rücksichtslosen 
Durchführung des absolutistischsten Regiments nicht 
nur in sozusagen sämtlichen Monarchien des europäischen 
Kontinents, sondern selbst auch in den meisten Repu- 
bliken, eine Erscheinung, die sich doch kaum anders 
wird erklären lassen als eben dadurch, dass das erst- 
malige Glücken des Experiments in Frankreich alle 
späteren Bestrebungen in dieser Richtung auch in andern 
Ländern gleichsam moralisch unterstützt und ihnen so 
zum leichten Erfolg verhelfen hat. 

Doch kehren wir zu Basel zurück. Der Kampf 
zwischen Bischof und Adel auf der einen und der zünf- 
tigen Bürgerschaft auf der andern Seite war, Avie wir 
noch des näheren sehen werden, mit der Zeit immer 
heftiger und leidenschaftlicher geworden, und die oft 
wahrhaft skrupellose Art und Weise, wie er zuletzt 



405 

von beiden Parteien, namentlich aber von Seiten des 
sich seiner zunehmenden Schwäche bewussten und sein 
endliches Unterliegen — zum Teil wenigstens — wohl 
voraussehenden Adels, geflihrt wurde, zeigt sich uns an 
einem besonders markanten Beispiele gerade an dem 
Aufstandsversuch des Jahres 1482. 

Versuchen wir nun, bevor wir uns zu dessen Dar- 
stellung wenden, zunächst einmal die innere Lage, in 
der sich die Stadt damals befand, recht klar zu machen, 
indem wir einen kurzen Rückblick auf die Entstehung 
und den bisherigen Verlauf des Konfliktes werfen. Die 
ersten, freilich noch fast unbewussten und kaum wahr- 
nehmbaren Anfänge desselben reichen bis in die erste 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts zurück, die Zeit der 
ersten Zunftgründungen, die wir wohl als das erste 
Zugeständnis der Regierung an die aufstrebenden Bürger 
und Handwerker betrachten können. Aber erst seit der 
Mitte der 1440er Jahre, als im Armagnakenkriege sich 
der benachbarte Adel sowohl als auch das städtische 
Patriziat als so durchaus unzuverlässig, ja zum Teil 
geradezu landesverräterisch erwiesen hatten, hatten 
sich die Gegensätze so zugespitzt, dass es schliesslich 
zum Bruch und offenen Kampf zwischen den Parteien 
kam, der dann also — mit Unterbrechungen freilich — 
bis in das erste Drittel des XVI. Jahrhunderts weiter- 
dauerte. Die unausbleiblichen Folgen dieser ewigen 
inneren Kämpfe waren nun doppelte: Einmal nahmen, 
wie wir schon früher darauf hingewiesen haben, die 
finanzielle Not des Bischofs und seiner Parteigänger 
fortwährend zu, was seinerseits wiederum, da ja das 
gerade Gegenteil davon bei deren Gegnern der Fall 
war, für die Stadt eine ganze Reihe wertvoller Er- 
werbungen sowohl an Land und Leuten, als auch, Hand 



406 

in Hand damit, verschiedener äusserst wichtiger Rechte 
und Gerechtsamen zur Folge hatte. Sie sind allbe- 
kannt; dennoch möge eine gedrängte Wiederau&ählung 
der wichtigsten derselben, soweit sie das XIV. und 
XV. Jahrhundert betreffen, auch hier noch gestattet 
sein. Es sind, zunächst an Gebietsvergrösserungen, 
vom Bischof schon 1392 die kleine Stadt, sowie im 
Jahre 1400 von ebendemselben: Städtlein und Schloss 
Wallenburg, die Veste Homburg und die Stadt Liestal, 
womit der erste Grund zur späteren Landschaft Basel 
gelegt war. 1461 sodann erwarb die Stadt von Thomas 
von Falkenstein dazu noch fast die ganze Herrschaft 
Farnsburg, im Jahre 1470 und 1479 endlich von Konrad 
Münch Schloss und Dorf Münchenstein nebst dem Dorf 
und Dinghof Muttenz u. s. w. An wertvollen Rechten 
und Gerechtsamen erkaufte der Rat während des ge- 
nannten Zeitraumes von den Bischöfen namentlich schon 
1373 Zoll- und Marktrecht, sowie 1385 das Scliult- 
heissen-Gericht, ferner 1461 von Thomas von Falken- 
stein, zugleich mit der Herrschaft Famsburg, die wich- 
tigen Landschaftsrechte im Sisgau; endlich hatte die 
Stadt schon 1382 vom Bischof die Aufiiahme der 15 
Zunftmeister in den Rat erzwungen, wodurch eigentlich 
erst die Zünfte wirklich voll im Regimente der Stadt 
vertreten waren, da die bisher von den Kiesem des 
Bisehofs aus den Zünften gewählten 15 Ratsherren be- 
greiflicherweise nur zu oft in erster Linie nicht den 
städtischen — geschweige den zünftischen — Interessen 
gedient hatten, sondern vielmehr denjenigen des Bischofs 
und des Domkapitels, von deren Gnade sie ja die Würde 
besassen. Es ist demnach wohl nicht zu viel gesagt, 
wenn wir behaupten, dass seitdem im XIIL Jahrhundert 
die bisher unorganisierten und zum weitaus gi-össten 



407 

Teile noch unfreien Handwerker dem Bischof das Koa- 
litionsrecht — etwas anderes war die den verschiedenen 
Handwerken jeweilen erteilte Erlaubnis zur Zunft- 
gründung nicht — abgenötigt hatten, kaum ein folgen- 
schwereres Zugeständnis mehr von eben diesen Zünften 
dem Bischof abgerungen worden ist, als die obenge- 
nannte der Ratsfähigkeit der Zunftmeister. 

Alle diese Erwerbungen, sowohl diejenigen auf 
territorialem, als auch die auf innerpolitischem Gebiete, 
hatten die Stadt bedeutende Summen gekostet. In den 
weitaus meisten Fällen hatte es sich zwar von Seiten 
des Bischofs und des hohen Adels vorderhand nur um 
Verpfändungen und nicht schon um definitiven Verkauf 
gehandelt, aber bei der augenscheinlichen Aussichts- 
losigkeit, die nicht unbeträchtlichen Pfaudsummen je- 
mals zurückzahlen zu können, kamen diese Versetzungen 
regelrechten Verkäufen doch so ziemlich gleich. Freilich 
währte es manchmal noch recht lange, bis die einzelnen 
Punkte wirklich definitiv geregelt waren, und gerade 
in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts schien die 
Angelegenheit einen für Basel nichts weniger als gün- 
stigen Verlauf nehmen zu wollen, indem die Bischöfe 
in ihrem blinden Hass gegen die immer selbstständiger 
werdende Stadt mehrmals ernstlich Miene machten, durch 
Zurückerstattung der Pfandsunune die verpfändeten 
Rechte und Gebiete wiederum zu lösen. Selbstredend 
hätte es sich aber bei der notorischen Geldnot der 
Bischöfe für diese dabei um nichts anderes handeln 
können als einfach um einen Wechsel in der Person 
ihrer Gläubiger. Aber gerade dies musste die Stadt 
vor allem zu hintertreiben suchen, wenn sie irgendwie 
auf den Fortbestand ihrer politischen Unabhängigkeit 
und Selbstständigkeit bedacht sein wollte. Gläubiger des 



408 

Bischofs war in diesem Falle gleichbedeutend mit Herrn 
von Klein-Basel und Inhaber des Schultheissen-Greriehtes 
auch der mehreren Stadt u. s. w. Dass aber diese wich- 
tigen Stellen in österreichischen Besitz übergingen — 
und andere Reflektanten kamen damals kaum in Be- 
tracht — das konnte und durfte Basel nie und nimmer- 
mehr zugeben. Die österreichische Partei war schon 
ohnedies in der Stadt nur zu mächtig und einflussreich, 
indem damals noch gemäss der A^erfassung die Burger- 
meister aus der Mitte der Ritterschaft genonunen werden 
mussten, im Rat femer sonst noch vier Ritter, sowie 
acht ilitglieder der hohen Stube — die sogenannten 
Achtburger — sitzen sollten. Was aber für Unzukömm- 
lichkeiten daraus entstehen konnten, dass die Feinde 
der Stadt in deren obersten Behörden sassen, das hat 
Basel zur Genüge erfahren in den Zeiten des Armag- 
nakenkrieges und flinfeig Jahre später im Schw^aben- 
krieg, wenn auch die schweren Anschuldigungen, die 
gerade gegen den damaligen Bürgermeister, Ritter Imer 
von Gilgenberg, schon von seinen Zeitgenossen erhoben 
wurden, nicht in ihrem ganzen Umfange den Thatsachen 
entsprechen mochten.^) Wenn man dazu noch in Be- 
tracht zieht, wie dieser selbe Adel stets nur mit Wider- 
willen die Lasten seines städtischen Bürgerrechtes mit- 
trug, namentlich die Steuer- und Dienstpflicht, ja wie 
er oft fönnlich vom Rat dazu gezwungen werden musste, 
denselben zu gentigen, so begreift sich eigentlich der 
Hass und das stets wachsende Misstrauen der übrigen 
Bürger gegen denselben nur zu leicht. Dass dasselbe 
mitunter auch unschuldige und um die Stadt reich ver- 
diente Männer traf, wie z. B. Ritter Hemman Offen- 
burg, ist zwar bedauerlich, war aber schwer zu A^er- 
meiden. 



409 

Mit der Zeit entfremdeten sich die Edelleute immer 
mehi" von der ihnen feindlich gesinnten Stadt; meistens 
zogen sie fort, ohne das Burgerrecht aufeugeben und 
wandten sich nach ihren vorderösterreichischen, nament- 
lich elsässischen Besitzungen und Lehengütem, dort 
bessere Zeiten abwartend, welche ihre Rückkehr nach 
Basel unter günstigeren Verhältnissen ermöglichen 
würden. Wenn wir dazu die häufigen Adelsausweisun- 
gen jener Tage nehmen, wie eine solche besonders 
grosse z. B. im Jahre 1445 stattfand, bald nach dem 
Frieden zu Ensisheim zwischen Basel und dem Dauphin, 
und die damals mehr als 60 der Stadt feindliche Edel- 
leute und Achtburger betraf, ^) so wird es uns begreif- 
lich, dass es mit der Zeit immer schwerer halten musste, 
die laut der Verfassung diesen beiden Bevölkerungs- 
klassen reservierten Staatsämter richtig zu besetzen. 
Das natürliche Bestreben der Stadt musste daher bei 
diesen auf die Dauer wirklich unhaltbaren Zuständen 
darauf hinausgehen, auch hier baldmöglichst Wandlung 
zu schaffen dadurch, dass man eben einfach die Bedin- 
gung der Kitterbürtigkeit bei Bekleidung der Bürger- 
meisterwürde fallen liess, was dann wirklich, freilich 
erst im Jahre 1515, von den Zünften durchgesetzt 
worden ist. Es ist dies die andere wichtige Folge der 
langjährigen Kämpfe zwischen Adel und Bürgerschaft. 

Mit dem Abschluss der sogenannten Breisacher 
Richtung vom 14. Mai 1449, die den Frieden Basels 
mit Österreich brachte, schien nun allendlich auch die 
mehr als hundertjährige Fehde zwischen der Stadt und 
dem Bischof, sowie der mit diesem einiggehenden Ritter- 
schaft ihr Ende gefunden zu haben. Die nächsten 32 
Jahre ruhten denn auch die Streitigkeiten so ziemlich. 
Es waren Jahre — wenigstens äusserlich — der grössten 



410 

Blüte nach Innen und nach Aussen, die der Stadt nicht 
nur die Gründung der Universität brachten, sondern 
in die auch Basels ruhmreiche Teilnahme am Bur- 
gunderkriege fällt, sowie seine feste, mannhafte und 
selbstbewusste Haltung gegenüber Papst und Kaiser 
im Handel des unglücklichen Erzbischofs Andreas von 
Krain. Dass aber trotz dieser scheinbaren Ruhe der 
Kampf vom Bischof und dem mit ihm durch Interessen- 
gemeinschaft verbundenen Adel noch keineswegs auf- 
gegeben war, beweist der Aufstandsvei'such von Peter 
und Hans Bischoff. Die Jahre 1449 — 1482 wurden von 
den der Stadt feindlichen Parteien eben nur als eine 
Art von Waffenstillstand angesehen, der im Geheimen 
dazu benutzt wurde, um sich mit veimehrtem Eifer auf 
den entscheidenden letzten Schlag zu rüsten und vor- 
zubereiten. Besonders seitdem im Jahre 1458 der 
energische Johannes von Venningen als Nachfolger des 
der Stadt eher günstig gesinnten Arnold von Rotberg 
den Basler Bischofsstuhl bestiegen hatte, war, wie wir 
im einzelnen später noch sehen werden, das Verhältnis 
der Parteien zu einander wieder ein viel gespannteres 
geworden. Obgleich es zwar nirgends ausdrücklich 
gesagt wird, ist es doch, wie sich im Verlauf der Dar- 
stellung zeigen wird, aus verschiedenen Gründen im 
höchsten Grade wahrscheinlich, dass auch die Ver- 
schwörung des Jahres 1482 irgendwie im Zusammen- 
hang steht mit den oben angedeuteten Kämpfen. 

Merkwürdigerweise ist diese recht dunkle Episode 
aus der Geschichte unserer Vaterstadt bisher noch nicht 
behandelt worden, was um so mehr auffallen muss, da 
zahlreiche auf dieselbe bezügliche Akten sich im Staats- 
archiv vorfinden. Mit ein Grund für diese Vernach- 
lässigung dürfte wohl darin liegen, dass die' genannten 



411 

Akten bis zu der — bekanntlich erst vor kurzem erfolgten 
— Neuordnung des Archivs in der sogenannten Geheimen 
Registratur aufbewahrt wurden, deren Benützung, wenig- 
stens in früheren Jahren, nicht leicht gestattet wurde. *) 
Weiter mag der für Basel nichts weniger als erfreuliche 
Ausgang der ganzen Angelegenheit von deren Veröffent- 
lichung abgehalten haben; eben dieser wenig erquick- 
liche Verlauf und Ausgang der Sache wird anderseits 
dann auch die Veranlassung gewesen sein, dass das 
darauf bezügliche Material in der geheimen Registratur 
vergraben wurde. Wir aber lernen durch diese Ge- 
schichte an einem neuen und besonders markanten Bei- 
spiele erkennen, unter was für enormen Schwierigkeiten 
die Stadt damals sich ihre Unabhängigkeit erstritten 
und bewahrt hat. Bevor wir nun aber an Hand des 
reichen uns darüber zur Verfugung stehenden Akten- 
materials zur Darstellung der Verschwörung selbst über- 
gehen, wird es am Platze sein, noch erst mitzuteilen, 
was über die Hauptpersonen des Dramas, die Brüder 
Peter und Hans Bischoflf und Lienhard von Aarau, die 
Metzger, bekannt ist. 



II. 

Die Verschwörer und ihre Familie. 

Die genannten Peter und Hans Bischoff nun sind, 
wie ausdrücklich bezeugt wird, ^) Söhne von Heinrich 
und Grosssöhne von Peter Bischoff, die beide ihres 
Berufes ebenfalls schon Metzger waren. Dieser ältere 
Peter Bischoff, der Grossvater der Tumultuanten 
von 1482, kam schon 1409 in den Rat, dem er bis 1434 
abwechselnd als Meister und Ratsherr zu Metzgern an- 
gehörte/) Er war ein reicher Mann, was wir aus dem 
ansehnlichen Vermögen ersehen, das er versteuerte; 
dasselbe beträgt 1429 nicht weniger als 2000 Gulden, 
zu einer Zeit, da in Basel auch das grösste Vermögen 
höchstens 12,000 Guldeu, also etwa das sechsfache des 
seinigen betrug. ^ Diese ganz grossen Vermögen von 
10,000 Gulden und darüber befanden sich, wie beiläufig 
bemerkt werden mag, um jene Zeit noch fast ausschliess- 
lich in den Händen des Adels und der Achtburger; es 
ist aber bemerkenswert, wie schon damals gerade der 
Metzgemzunft viele vermögliche Leute angehörten. Die 
Zunft rangierte in eben diesem «Tahre, was die Ver- 
mögensverteilung anbelangt, als die siebente unter sechs- 
zehn (die hohe Stube miteingerechnet); währenddem 
nun in der letzteren das durchschnittliche Vermögen 
4010 (xulden betrug, so beläuft sich dasselbe in der erstem 
auf 324 Gulden. ^) In seiner Zunft nun war Peter 
Bischoff im Jahre 1429 der drittreichste. Schon 1421 
übrigens muss Peter Bischoff ein Vermögen von min- 
destens 2000 Gulden besessen haben, da er in eben 



413 

diesem Jahre unter denjenigen mitaufgezählt wird, die 
zu den Kriegszügen der Stadt entweder selbst beritten 
zu erscheinen oder aber einen Eeiter auf ihre Kosten 
auszurüsten verpflichtet waren. ®) Als weiterer Beweis 
von Peter Bischoflfs nicht unbedeutendem Reichtume 
mag endlich hier noch angeführt werden, dass er im 
Jahre 1427 von Suselin von Nortgassen um 45 Pfd. 
(nach heutigem Geldwerte etwa 2500 Fr.) Güter im 
Dorfe und Dinghof von Zimmersheim (südöstlich von 
Mülhausen) erwarb. ^^) 

Ich habe mich bei diesen Vermögensverhältnissen 
etwas länger aufgehalten, weil es mir darauf ankommt, 
darzuthun, dass die Beweggründe zu der Verschwörung 
von 1482 durchaus nicht etwa in der ökonomischen 
Notlage weder der an dem Aufstand Nächstbeteiligten, 
noch auch der weiterstehenden Teilnehmer an demselben 
gelegen haben können, ebensowenig wie schon bei 
einem ähnlichen Versuche aus dem Jahre 1402, auf den 
wir noch zurückzukommen haben werden. Aus den- 
selben Gründen werde ich im Folgenden die ökonomische 
und soziale Stellung auch der übrigen im Verlaufe der 
zu schildernden Ereignisse noch vorkommenden Per- 
sonen möglichst ausführlich behandeln. 

Dass sich Peter Bischoff femer schon früh grossen 
Ansehens bei seinen Mitbürgern erfreute, ersehen wii* 
daraus, dass, als im Jahre 1410 während des Krieges 
gegen Katharina von Burgund eine neue Kriegsordnung 
eingeführt und dabei die grosse Stadt in vier Quartiere 
eingeteilt wurde, er mit unter den aus den Bäten ge- 
nommenen Quartiervorstehern oder — wie sie später 
meist genannt wurden — Quartierhauptleuten erscheint. 
Weil zu St. Peter wohnhaft, war er dem aus den Kirch- 
gemeinden St. Peter und St. Johann gebildeten ersten 



Quartier als „Offizier" zugeteilt worden, dessen Mann- 
schaft — bestehend aus der gesamten über 14 Jahre 
alten, männlichen kriegstüchtigen Einwohnerschaft des 
Quartiers — sich bei Alarm auf dem Fischmarkt ver- 
sammeln sollte um das damals durch Conrad zum Haupt, 
Meister zu Safran, geführte Panner. ") Als femer 1432 
ein Streit zwischen der Stadt und Junker Hans von 
Müllenheim ausgebrochen war, finden wir mit unter 
den Vermittlern wiederum Peter Bischoff, den Metzger 
genannt. ^^) 

Er ist wohl 1434 oder 35 gestorben, seit welcher 
Zeit er nicht mehr in den Ratsbesatzungen vorkommt. 
Er war zweimal verheiratet gewesen, in erster Ehe mit 
Margaretha, ^^) in zweiter mit Ennelina, die noch 1451 
nebst einer Tochter genannt wird.") Ausser dieser 
hinterliess Peter Bischoff jedenfalls noch zwei Söhne, 
den einen, Peter, wohl aus erster, den andern, Heinrich, 
aus zweiter Ehe. 

Bevor wir uns zu diesen wenden, noch einige Worte 
über ihren mutmasslichen Grossvater, den Metzger Xiklaus 
Bischoff, zubenannt von Vislis, von 1379 bis 1382 Rats- 
herr, seit 1383 Meister seiner Zunft, ^^) der für uns 
darum wichtig ist, weil auch er schon, wie dann 80 
Jahre später seine ürgrosssöhne, sich an einem Auf- 
rulir gegen die damalige Regierung der Stadt beteiligt 
hatte. ^^) Im November des Jahres 1402 nämlich war 
infolge des kurz vorher eingeführten und mit Strenge 
erhobeneu Umgeldes und der zu gleicher Zeit durchge- 
führten Aenderung der Münze in der Stadt ein Tumult 
ausgebrochen, bei welchem aber die eben angeführten 
Massnahmen wohl nicht die erste Ursache der Bewegung 
gewesen waren; vielmehr scheint es, dass bei der unter 
den Handwerkern schon längst gährenden Unzufrieden- 



415 

heit über die wenig demokratische Regierungsweise 
diese neuen Einrichtungen nur den letzten Anlass ab- 
gaben und den vielleicht nicht unwillkommenen Vor- 
wand zum Aufstand, der dann aber von der Regierung 
rasch unterdrückt und strenge bestraft wurde. So muss 
man wenigstens aus den in den Leistungsbüchem noch 
erhaltenen Aussagen der Haupträdelsführer schliessen; 
und gerade aus Niklaus Bischoffs Aussagen ergiebt sich 
der wahre Grund der Empörung ganz deutlich, lieber 
seine Beteiligung heisst es nämlich in den Kundschaften 
wörtlich: ^') „Item Clewin Byschoff, der metziger, sol 
ein iar vor den crutzen leysten und ab zu den wandel 
haben umb daz er sprach zu sinem meister, da in der 
fragte eb er gehorsam wölte sin: „,>nian möchte in 
das heissen, er gelte ^®) es nieraer und wolte ouch wider 
das getige ^*) nit tun ; man hiesse sie allwegen swigen, 
es kerne aber ettwen der tag, si würdent ouch reden."" 
Es waren ihrer im Ganzen 42 Verschwörer ge- 
wesen, unter denen Claus Bischoff erst der 35*^^^ war, der 
ja darum auch noch sehr glimpflich davonkam. Der 
Haupträdelsführer scheint Matliis, der Messerschmied, 
gewesen zu sein, der dann aber allerdings auch dazu 
verurteilt wird, ewiglich eine Meile vor der Stadt zu 
leisten, welche Strafe nachträglich sogar noch dahin 
verschärft wurde, dass „mag man in aber begrifen, so 
sol von ime gerichtet werden umb das er vil siner 
zunftgesellen, rate und meister, ungehorsam gemachet 
hat und gesprochen: „„den besten krützegange, den 
man gemachen kende, der were das man gan sölte von 
huse ze huse, nemlich in der huser, die gute und zinse 
an den reten hettent; und sölte man denen ir brieff 
und ingesigel zerbrechen, so bezalte man."" Und als 
meister Eberhart in umb die Worte straffte, zu dem 



416 

sprach er: „„Ob er wollte ir meynung, der si alle ein- 
trechtig werent worden, widertriben, es tele im niemer *^) 
l?ut,"" und sprach: „„er were ein zerblöcheler,*^) er söUe 
usshin gan zu andern löhelern; ^^) und hülffe im, box 
wunden! ^^ es mtiste gan als sie wöltent und nit als 
die rete wöltent, und eb si iem **) retent oder gehorsam 
wurdent, das rete und meister an si vorderent, es 
müsste ee darum blut vergossen werden, und sölte man 
ime darumbe sin höpte abschlachen."" Und sprach 
ouch an ettelicher statt : „ „ Wolan es beginnet sich aflen ; -^) 
möchte mir einer werden, der mir vil zerung möchte 
geben, der keme mir eben."" 

Am Schluss des ganzen Aktenstückes finden sich 
dann noch folgende strenge Bestimmungen, betreffend 
die Ausführung der im vorhergehenden ausgesprochenen 
Strafen über die am Aufruhr beteiligt gewesenen; man 
kann aus denselben ermessen, für wie ernst die Ge- 
schichte von den Regierenden angesehen worden sein 
muss: „Item rate und meister, ntiwe und alte, hand er- 
kennet einhelliklichen by der vorgeschribenen erkant- 
nusse, so über yegklichen vorgenant geschechen ist von 
des uffsatzes und ungehorsamkeit wegen, ze belibent 
und keinen keyser, kunig, hertzogen, forsten noch heren, 
frowen noch man, geistlich noch weltlich, di für si 
bittende wurdent, si in unser statt ze lassende, nit ze 
erende und ouch keinem burgermeister noch Zunftmeister 
daz ze tunde gewalt ze gebende, und sölent ouch si sich 
des gewaltes niemer anzenemmen. Und were das de- 
hein heimischer, er were in den reten oder ussthalb 
gesessen, für si oder in deheinen iem gebette si harin 
ze lassent, der sol ein halb iare ane gnade vor den 
crutzen leysten. Und dise vorgeschriben erkantnusse 
soll ie ein alter rat einem nuwen rate in den eyde 



417 

geben ze haltende und dawider nit ze tunde in de- 
heiner wise. 

Trote der starken Betonung rein materieller For- 
derungen in den vorhin angeführten leidenschaftlich er- 
regten Worten Mathis, des Messerschmieds, — die ja 
allerdings für ihn persönlich auch wirklich die Hauptsache 
gewesen sein mögen — ist es doch unzweifelhaft, wie 
dies also auch ganz deutlich aus den Aussagen Bischoffs 
und Anderer hervorgeht, die Unzufriedenheit über die 
damaligen wirklich im höchsten Grade ungerechten und 
ungesunden politischen Verhältnisse gewesen, die in 
erster Linie zum Tumult geführt hat. Unter denen, die 
bisher nur zum Schweigen verurteilt gewesen waren, 
wie sich Bischoff ausgedrückt hatte, ist ohne Zweifel 
die weitere Zunftgemeinde verstanden, die das Recht 
der Meisterwahl an die Sechser hatte abtreten müssen. 
Der Grund zu dieser, man möchte fast sagen reaktio- 
nären Massnahme lag darin, dass viele Zünftige nicht 
einmal Bürger waren, welche darum, wie der Rat viel- 
leicht nicht ganz mit Unrecht klagte, „als zu merken 
nit als wol in den Sachen gedenken noch besorgen können, 
was gemeiner stadt, der zunft und dem lande nützlich, 
erlich und gut were, davon etwas gebresten kommen ist und 
fiirbaszer kommen möchte unsrer Stadt, uns und inen 
zum schaden." '^^) Da nun femer aus praktischen Rück- 
sichten und nicht selten wohl auch aus Bequemlichkeit 
die alten Räte jeweilen nach einem Jahre der Müsse 
wieder gewählt wurden und somit oft während sehr 
langer Zeiträume — selbst von 30 und 40 Jahren — 
in einzelnen Ratsstellen keine Wechsel eintraten, so 
bildete sich mit der Zeit eine Art Oligarchie aus, die 
dem Willen sowohl der weiteren Bürgerschaft, als auch 
der Sechser nicht entsprechen konnte, weil sie dadurch 

Beiträge XV. 27 



418 



nur sehr selten mehr zur Wahl von neuen Ratsglie- 
dern kamen. '^^) 

Beiläufig mag hier noch bemerkt werden, dass 
auch dieser Nikiaus Bischoff seineraeit mit unter die 
reichsten Bürger der Stadt muss gezäldt haben, indem 
er schon 1390 als Gläubiger des tief verschuldeten Grafen 
Hans von Habsburg-Laufenburg erscheint, und zwar für 
die nicht unbedeutende Summe von 200 Gulden, die 
dann allerdings mit 8^0 vom Grafen verzinst wird. -^) 
Bei der sodann im Jahre 1401 erhobenen ausserordent- 
lichen Vermögenssteuer, die, wie schon bemerkt, die 
äussere Veranlassung zum Ausbruch des eben behan- 
delten Tumultes gewesen ist, versteuerte er — in achter 
Klasse — ein Vermögen von gegen 1500 Gulden.^') Auf 
Grund desselben war schon er im Jahre 1409, wie also 
auch später dann sein Sohn Peter, der Reiterei zuge- 
teilt. Doch hatte der Rat seine liebe Not mit ihm : nicht 
nur ist er unter denjenigen, die erst, trotz des Aufge- 
botes, saumselig in der Beschaffung eines Pferdes waren 
und schliesslich mit einem solchen, das „gebrestete,'' 
anrückten, sondern er fehlte auch bei den angeordneten 
Musterungen („Monstren"), wobei er sich übrigens in 
vornehmster Gesellschaft befand. ^^) Was wir noch 
weiteres über seine Lebensumstände wissen, ist in wenig 
Worten folgendes: Er wai- Sohn eines Peter Bischoff, 
der ursprünglich Bürger von Basel, später nach Visli.s 
(östlich von Pfirt) gezogen war und — wohl auch noch 
dort — vor 1382 gestorben ist. ^^) Dieses Peter Bi- 
schoffs, zubenannt von Vislis, ältester Sohn war nun 
wohl unser Nikiaus, der schon seit 1361 in Basel vor- 
kommt und der 1414 zum letzten Male hier genannt 
wird. P> war allem nach, was wir aus den Leistungs- 
büchern von ihm erfahren, ein unruhiger, streitsüchtiger 



419 

und gewaltthätiger Mann, als welcher er sich ja auch 
im Jahre 1402 gezeigt hatte. ^^ Dieselben Charakter- 
eigenschaften nun zeigen sich auch, wie wir es des 
näheren später noch sehen werden, bei den meisten 
seiner Nachkommen. Seine Ehefrau Greda wird zum 
ersten Mal im Jahre 1396 genannt ^^ und erscheint 
zum letzten Male in den Steuerlisten von 1429, laut 
welchen sie damals noch ein Vermögen von 2(K) Gulden 
versteuerte. ^*) Ausser dem schon genannten Sohne 
Peter wird uns — ebenfalls zum Jahre 1396 — für 
Nikiaus Bischoff noch eine Tochter Namens (ireda be- 
zeugt, die Witwe Henmans von Schliengen und Schwie- 
gertochter Heinrichs von Schliengen, genannt Kolsack, ^^) 
der für die Jahre 1378 und 1385 als Ratsherr von Acht- 
burgem nachgewiesen ist. ^^) Als Bruder des Nikiaus 
Bischoff wird mehrfach genannt der Metzger Ulrich von 
Vislis (1382—1429). ^') Wahrscheinliche weitere Brüder 
sind sodann noch Henman (1386 — 1414), ^®) sowie Werner 
von Vislis (einstweilen nur bezeugt für das Jahr 1411), ^•) 
beide ebenfalls Metzger; wir gehen darum wohl kaum 
zu weit, wenn wir die Vermutung aussprechen, dass 
schon deren Vater, Peter von Vislis, Metzger ge- 
wesen war. 

Doch wenden wir uns jetzt wieder zu dessen schon 
genannten Urgrosssöhnen Peter und Heinrich, den 
Söhnen des Ratsherrn Peter Bischoff. Von ersterem, 
der im Jahre 1429 in den Steuerlisten als „Peter 
Bischoff der Jung" angeführt ist, erfahren wir, dass er 
als Nachfolger seines Vaters von 1439 bis 1445 Rats- 
herr zu Metzgern war.^^ 1446 sodann wird in den 
Steuerlisten schon „Peter Byschoffs sei. des Jungen 
Wib" nebst einem Kind genannt, die zusammen ein 
Vermögen von 700 Gulden versteuern.**) W^er unter 



420 

^Petrus Bischoff junior, carnifex, filius Petri Bischoff, 
camificis'', der im Jahre 1442 ans weiter nicht be- 
kannten Ursachen Urfehde schwören muss,^^ zu ver- 
stehen ist, ob das 1446 mit der Mutter genannte und 
damals also schon majorenne Kind, dessen Geschlecht wir 
freilich nicht kennen, oder dessen Vater, mag dahin- 
gestellt bleiben, wahrscheinlicher scheint mir allerdings 
letzteres zu sein. Als Nachfolger dieses seines Bruders 
ist sodann Heinrich Bischoff von 1446 bis 1471 — wohl 
seinem Todesjahr — Ratsherr zu Metzgern.*^) Auch er 
ist, wie schon sein Vater, zweimal verheiratet gewesen: 
in erster, offenbar nur kurzer und wie es scheint, auch 
kinderloser Ehe mit Agnes, in zweiter mit Margaretha,**) 
die von 1445 bis 1484 genannt wird und die also noch 
in ihrem hohen Alter die Katastrophe in ihrer Familie 
miterleben musste. Zum ersten Male begegnen wir ihm 
1433, in welchem Jahre folgende, ganz zweifellos auf 
ihn bezügliche Notiz im Leistungsbuch sich findet: „Des 
jungen Bischoffs bul sol leisten eine mile ennert rins unz 
uff der reten gnade." *^) 

Heinrich Bischoff war ein sehr vermöglicher Mann, 
der z. B. im Jahre 1446 mit 3600 Gulden unter den 
40 reichsten Einwohneni der Stadt figurierte. **) Seine 
Kinder, von denen wir jedenfalls vier (vielleicht sogar 
sechs) noch mit Namen kennen,*^) müssen, da sie hier 
nicht mitaufgezählt sind, damals noch mindeijährig, d. h. 
unter 14 Jahren alt gewesen sein; denn schon mit 
diesem frühen Alter fieng in jener Zeit sowohl die Steuer-, 
pflicht**^ als auch, wie wir gesehen haben, für die 
männliche Jugend die Wehrpflicht an. Er bewohnte auf 
dem Heuberg das Haus „zur Schüren** gegenüber dem 
Hause „zum Spiess** (das heutige No. 6). *^) Daneben 
aber besass er in der Stadt noch verschiedene andere 



421 

Liegenschaften, wie z. B. Haus und Gärtlein, genannt 
„Fryburgershaus", an der Spalen „zem steini crutz 
gelegen", (d. h. an der späteren Fröschgasse), ^^) ferner 
— zum mindesten seit 1461 — das Haus „zur roten 
Säge" (Nadelberg No. 28) ^^) und endlich noch das Haus 
„zum Schliflfstein" am Gemsberg. ^') Da die grosse An- 
zahl von in Heinrich Bischoffs Besitz befindlichen Häusern 
auffallen könnte, so sei hier darauf hingewiesen, wie 
eine der damals und überhaupt schon das ganze soge- 
nannte Mittelalter hindurch beliebtesten Arten der Kapi- 
talanlage, sowohl für Korporationen — namentlich geist- 
liche — als auch für Private, eben im Erwerb und 
Wiederverkauf von Liegenschaften, d. h. also mit anderen 
Worten in Häuserspekulation bestand. Ich vei-weise 
hiebei zunächst auf die Eberler, genannt Grünenzweig, 
die ebenfalls in der zweiten Hälfte des XV. Jahr- 
hunderts eine stattliche Reihe von Häusern ihr eigen 
nannten, ^^) femer schon aus dem XIII. Jahrhundert 
auf den reichen „Hebrinmelwer" (d. h. Mehlhändler) 
Rudolf Haldahüsli, der bei seinem Tode im Jahre 1296 
seiner Tochter Mechtild, der Ehefrau des Werner Kalt- 
schmit, nicht weniger als drei zu Spalen gelegene Häuser 
hinterliess, und der femer 1270 je ein Haus zu St. Peter 
und in der Gerbergasse besass. ^*) Endlich ist ja be- 
kannt, wie seinerzeit auch Thomas Platter sein Ver- 
mögen zum guten Teil durch solche Häusei-spekula- 
tionen zusammengebracht hat. ^^) 

Es ist eine alte Erfahrungsthatsache, dass die 
Umgebung, in der wir aufgewachsen, die verwandt- 
schaftlichen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse, 
in die wir bei unserer Geburt hineingestellt worden 
sind, und in denen wir in unserer Jugend lebten, nur 
zu oft den grössten Einfluss auch auf unser späteres 



422 

Leben und auf unsere spätern Anschauungen auszuüben 
pflegen und dass z. B. nicht selten eine harte und ent- 
behrungsreiche Jugendzeit die erste Ursache einer später 
sich zeigenden Verbitterung und Unzufriedenheit gewesen 
ist. Es war daher ßr uns nicht ohne Wert, zu erfahren, 
wie in dieser Hinsicht die uns hauptsächlich interes- 
sierenden Brüder Peter und Hans Bischoff gestellt 
waren. Das Eesultat unserer Nachforschungen ist nun 
also, dass sie von sehr vermöglichen — um nicht zu 
sagen reichen — und angesehenen, seit drei Gene- 
rationen im Rate der Stadt sitzenden Vorfahren ab- 
stammten. Gleichzeitig ist uns dabei aber auch aufge- 
fallen, wie eine gewisse Unruhe und eine eigentliche 
Rauflust in der Familie gleichsam erblich waren, und, wie 
sich im folgenden zeigen wird, gerade auch bei Peter 
und Hans Bischoff sich besonders stark ausgeprägt vor- 
finden. Wir wenden uns nun zu diesen selbst, zu- 
nächst zu Peter, der allem nach der ältere der Brüder 
gewesen ist. 

Zum ersten Male begegnet er uns in den Steuer- 
listen von 1470 mit einem Vermögen von 500 Gulden. 
Wir ersehen aus denselben ferner auch, dass er damals 
schon verheiratet gewesen sein muss, da er nicht mehr 
mit seinem Vater zusammenwohnt, der bei den Be- 
wohnern des Nadelbergs genannt wird, während Peter 
damals schon auf dem Heuberg sesshaft war. ^*) Folgende 
Notiz sodann aus dem Jahre 1471 bezieht sich höchst 
wahrscheinlich ebenfalls auf ihn, wohl eher als auf 
seinen jüngeren Bruder Hans, der allein sonst noch in 
Betracht kommen könnte: „Der junge Bischoff und 
syne gesellen band zyl unz dass unser herr von Basel 
hinwiederum kumpt von Regenspurg, der schmachheit 
halb, so sy Langmesser, dem metzker, und in der schol 



423 

geton band und von bitt wegen unser berreu von Basel, 
und alsdann soll man für rate mytt inen reden ob sy 
sich in der raten straff geben oder lieber an eyn recht 
gon und zwüschen klagen lassen wellend." °0 Um was 
es sich hiebei handelte, konnte nicht ermittelt werden, 
da weder die ürteilsbücher noch die Kundschaften 
irgend etwas darüber enthalten. 1474 und 1475 so- 
dann schwört er „syn lib und gut von der stat one 
des rats wissen und willen nit zu entfrömden, sonder 
zu erwarten die erkantniss der reten und was über 
im erkant wirt zu voUzihen." "^) Auch um was es sich 
hier handelte, wissen wir nicht, da er aber 1474 femer 
schwören muss, „den stattfriden gegen syn hussfrowen 
und iren fründen zu halten," so liegt die Vermutung 
nahe, dass es sich um Erbstreitigkeiten möchte gehan- 
delt haben. Aber, wie schon gesagt, etwas sicheres 
wissen wir auch darüber nicht. 1476 scheint er an 
der Schlacht von Grandson teilgenommen zu haben; 
wenigstens wird er mit unter den Basler Bürgern ge- 
nannt, über die sich später beim Rate Friedrich von 
Fleckenstein, unter dessen Befehl die vornehmlich aus 
dem Basler Fussvolk gebildete Nachhut damals gestanden 
hatte, bitter beklagte, dass sie ihn „der geschefft halb 
hievor zu Grannse verloffen, anders denn sich wol zimpt, 
verunglimphet sollen haben." Die meisten der Basler 
Fussknechte hatten sich nämlich dem von den Haupt- 
leuten von Zürich und Luzern ausgegangenen Befehl, 
dass die Basler bei der Nachhut bleiben sollten, nur 
sehr ungerne gefügt gehabt, wie sich dies besonders 
deutlich gerade auch aus den Aussagen Peter Bischoffs 
ergiebt. Er erklärte vor Rat darüber folgendes: „Es 
sye nit one, er sye hievor zu Nu^venburg gewesen, an 
dem ende sye er des handeis sich zu Granson be- 



424 

geben hatt gefragt, da hab er wol under andern 
Worten gerett, dasz die unsern mit dem vennlin nit by 
dem angriff gewesen, deszhalb im die ding nit gantz 
kunt noch wissent, und sunderlich so syent die durch 
dich (seil. Fleckenstein) verhalten in der gestalt dasz 
du zu verstand geben habest, die houptlute haben dir 
bevolhen sy uffzehalten, sust weren sy by den ersten 
gewesen; wol syent ettlich der unser über solichs 
hinfur geruckt, die by dem angriff gewesen syent, dir 
sye aber solichs von unserm houptman nit bevolhen 
gewesen ; doch nachdem er daniach von unserm houpt- 
mann vermerckt, das die houptlute von Zürich und 
Lutzem dir solichs befolhen haben, habe er das daby 
laszen bliben." *') 

Im Jahre 1478 bewarb sich sodann Peter Bischoff, 
wie wir aus dem Öffnungsbuch erfahren — allerdings 
vergeblich — um das Oberstamt, d. h. die Stelle des 
Oberstratsdieners. 1481 hatten er und seine Ehefrau 
Ennelina vom Stift St. Leonhard das Haus, genannt 
„Benkenhaus" auf dem Heuberg (No. 21), das sie aber 
wohl schon vorher bewohnt hatten, erworben ; bei Peters 
Tode im Jahre 1610 übernahm dasselbe sein Tochter- 
mann Georg Bylarsier (oder richtiger Belorsier), Vogt 
zu St. Ursitz, der es sodann im Jahre 1524 um den 
Preis von 100 Gulden wieder weiter verkaufte. *®) Über 
Belorsier sei kurz folgendes bemerkt: Zum ersten Male 
begegnen wir seinem Namen in der Zeugenreihe einer 
Urkunde aus dem Jahre 1600; er wird hier Rektor der 
Schulen von St. Ursanne genannt. 1505 sodann wird er 
als Kanonikus der dortigen KoUegiatkirche und noch 
im selben Jahre auch als öffentlicher und kaiserlicher 
geschworener Notarius erwähnt; als solcher tritt er 
auch noch im Jahre 1511, anlässlich der Gründung 



425 

eines Hospitales in St. Ursanne, auf. ^^ Seit 1622 (bis 
1547?) war er Vogt (Chätelain) des Städtchens. «^ Weiter 
begegnen, wir ihm zu Anfang des Jahres 1626, und zwar 
in Biel, wo damals gemeinschaftlich durch Abgeord- 
nete von Bern und vom Bistum Basel eine Vermittlung 
zwischen dem Hat und der Gemeinde, die infolge der 
Glaubensspaltung in Streitigkeiten miteinander geraten 
waren, versucht und auch wirklich zu Stande gebracht 
wurde. *^) In ähnlich ehrenvoller SteUung treffen wir 
ihn wieder im Jahre 1538 zu Grandson.®*) Als nicht 
ungeschickten Poeten lernen wir ihn endlich kennen, 
als er im Jahre 1606, anlässlich der Hebung der Re- 
liquien der Kirche zu St. Ursanne dieses Ereignis in 
einem längeren Gedicht verherrlichte.®'*) 

Wir wenden uns zu Hans BischoflF. Die älteste Nach- 
richt, die wir von ihm haben, ist, dass er im Jahre 1475 
gemeinschaftlich mit seinem Bruder Peter das elterliche 
Haus „zur Schüren" auf dem Heuberg an Lienhard von 
Aarau, den Metzger, und dessen Ehefrau Margaretha 
verkauft.**®) Wie ich vermute ist letztere die Schwester 
von Peter und Hans Bischoff und identisch mit Heinrichs 
schon genannter Tochter Greda. ®^) Lienhard von Aarau 
ist zudem auch neben den Brüdern Bischoff die am 
Tumult von 1482 am meisten beteiligte Person; wir 
werden daher noch des nähern auf ihn zurückzukommen 
haben. Über die zweite, ebenfalls schon genannte, 
Schwester von Peter und Hans Bischoff, Anna, und noch 
einen weiteren Bruder Namens Heinrich ist — um dies 
gleich hier vorwegzunehmen — ausser ihrer nur ganz 
beiläufigen Nennung anlässlich einer Jahrzeitstiftung 
nichts bekannt. ®®) Ein ferneres Kind des Katsherm 
Heinrich Bischoff und somit eine Schwester der vorhin 
Genannten, dürfte endlich auch noch Dorothea sein, die 



426 

als Ehefrau des Metzgers und Zunftmeisters Leonhard 
David erwähnt Avird. Dass diese eine geborene Bischoff 
war — ihr Geschlechtsname findet sich nämlich nicht 
angegeben — und zwar eine Tochter Heinrich's, glaube 
ich daraus schliessen zu dürfen, dass sie und ihr vorhin 
genannter Ehemann schon 1464 aus Heinrich Bischoffi; 
Besitz stammende Gülten besassen/^) 

Auch Hans Bischoff hat gleich seinem Bruder Peter 
an der Schlacht von Grandson teilgenommen, und gleich 
seinem Bruder gab auch er nachträglich noch Anlass 
zu Klagen über sein damaliges, der Disziplin wider- 
sprechendes Benehmen. Es ist bekannt wie, als nach 
der Schlacht die Sieger von der Verfolgung des flüchtigen 
Gegners nach Grandson zurückkehrten und im feindlichen 
Lager Quartier nehmen wollten, sie dasselbe schon von 
allerlei Volk — namentlich den sogenannten Freiheits- 
knaben und Trossknechten — angefüllt fanden, die sich 
nicht nur nach Herzenslust an Speise und Trank er- 
labten, sondern vor allem auch plünderten, ohne nach 
der für solche Fälle bestehenden Beute-Ordnung zu 
fragen/®) Wie aber folgende Notiz lehrt, haben sich 
auch noch andere Leute, von denen man es wohl kaum 
erwartet hätte, an diesem wüsten Treiben mitbeteiligt ; 
unter denjenigen, die nach der Schlacht „sich etwan 
ouf die seit gemacht haben, die für sich selbs urlob 
über das verbott gelouffeu," findet sich auch Hans 
Bischoff, der Metzger. Wir erfahren auch, was er 
alles von der reichen Burgunder Beute damals wider- 
rechtlich an sich gebracht hatte: mehrere „Messer" 
(d. h. Dolche), einen „geelen rock," sowie endlich 
zwei Pferde, welch' letztere aber, als er sich später 
vor dem Rat deshalb verantworten musste, nicht mehr 
beigebracht werden konnten, da er dieselben sofort 



427 

weiter gegeben hatte, das eine für zwei, das andere 
für drei Gulden. ^^) 

„Anno 1479" sodann, „uff sambstag vor purifica- 
tionis marie, da hat Hanns Bischoff, der metzger, zu 
Gott und den heiligen gesworen nach erkanntniss der 
reten sün und friden zu halten für sich und all sin 
verwandte gegen Walther Kussphennig von Colmar und 
wider inn nutzit zu gebruchen denne mit recht in forma, 
praeseutibus melioribus ") her Peter Eott und her Thoman 
Surlin." ") Das EatsprotokoU der Stadt Colmar giebt 
uns Auskunft darüber, um was es sich hier handelt;^*) 
wir lassen die wichtigsten darauf bezüglichen Stellen 
hier folgen. Es heisst nun daselbst wörtlich: „Wir der 
Meister und der Rate zu Colmar kundent allermeng- 
lichem mit diesem brieffe, das für uns in unsemi offe- 
nen Rate zum Rechten kommen sint Hanns Bischoff, 
burger zu Basel, mit und In bywesen etwie vil siner 
herren und gutten frunde an eynem, und Walther 
Kusspfennyng, unser bywoner, anderssteils, spenne halb 
zwüschent Innen hienach begriffen. Und hat do der 
vorgenant Hanns Bischoff durch sinen gegunten Redener 
angefangen und erzalt: „„Demnohe und er sich inn 
vergangenen mit des vesten Bartholome von Wonnen- 
bergs, wilent unsers hindersessen seligen ") tochter inn 
die Ee verändert ^^) und dieselbe sin gemahel heym 
gefiirt, habe ir der genant Walther Kusspfennyng inu 
kurtzen tagen darnoch einen bulebrieff zugeschickt inn 
dem schine als obe dz durch meister Hütter, unsern 
stettemeister, bescheen. Derselbe brieff ime ze banden 
worden und er die meynunge wie der siner gemaheln 
in ere und glimpff berüren, bedocht habe, ine solichs an 
den meister Hutter, als den ihenen, ") der siner ge- 
maheln sipschafft halb gewandt, eben hohe, als nit , 



428 

unbillich befrömdet, und sig gegen im zu ungatte be- 
wegt. Nu demnohe so habe sich der genant Walther 
gon Basel gefugt und eynen botten zu siner frouwen 
geschickt, aber inn dem schin als obe der meister 
Hütter nach ir hette geschicket, zu im inn die herbei^e 
ze kommen; das er ouch vernommen und habe daruff 
froge uohe meister Hfitter gehept inn meynunge inn 
zu Rede ze stellen us was Ursache er also siner frouwen 
schribe oder nach ir schickte, sunder mit im ze handeln, 
daruss wol ze bedencken mercklich unrodt entstanden 
möhte sin. Und als er nohe im täte fragen, wer er 
nit zu Basel. Kurz demnohe so hab Walther Kuss- 
pfennyng aber siner frouwen einen brieff geschickt als 
ob der von dem meister Hütter uss were gangen. Do- 
mitt in ouch nit benügt, sunder er habe im geschriben, 
darynne abgeseit, getrouwen ze erstechen, ouch doby 
gemeldet und ine geschuldiget er sige ein veitflüchtiger, 
erloser, meyneydiger bösewicht, und im solichen brieff, 
den er ouch daruff mit den andern liess hören, by einem 
unserm burger, under unserer statt büchsse^^ zngescliickt, 
das doch wider Innhalt der guldin bulle,'") der ge- 
meynen Reformacion ®^ und Satzung der ßehte **^) be- 
scheen. Darumbe und wile nu der genant Walther 
im an sollicher schuldigung siner eren unrecht getan 
hette und das mit worheit nyemer bibriugen möchte, 
.... so begerte er den genanten Walthem ze wisen 
ime umb obgemelt im zugezogen smohe und scbuldi- 
gunge mitsampt allem kosten und schadenkerunge ab- 
trag und wandel ze tunde nohe siner eren notdurfft, 
und ine doby umb solichen mysshandel, daruss andern 
mit Unschulden mercklicher unlust und schade möhte 
sin begegent, ze stroffen nohe ordenunge Rechtz und 
besunder nohe Innhalt gemelter guldin bulle und Refor- 



429 

macion, als er hoffte billich beschee."" Daruff der 
benant Walther Kussphennyng durch sinen erloubten 
forsprechen geantwurt: „„Sige nit one; er sye des 
genanten Hanns Bischoffs gemahel, als die noch denn ^^) 
Jumpfrow, inn eren und inn dheinem argen gunstig gesin 
und habe ir insolichemgeschriben und nit verstanden noch 
bedocht daran jemand leit oder smohe ze tunde, inn- 
dem sige im gloiplich inn warnungewise fürkommen und 
geseit — sunder zu Basel — das er sich von der statt 
machen, dann ime Hanns Bischoff getrouwen und geredt 
hette: Wo er ine ankeme, so wolte er im sinen hals 
abstechen, dodurch er sige bewegt im den lesten brieff 
ze schicken. Möge sin, hette er siner frunde oder gön- 
ner Rätt darynn gehept oder sich selbs der sache ver- 
ständen, es were vermitten bliben, als er ouch gerne wolte 
bescheen were. Und darumb — wie dem allem — so were 
sin ernstliche bitte und beger zu uns, mit dem gemalten 
Hanns Bischoffe und sinen bistendern gutlich daran zu 
sinde, egerurten handel inn der gestalt nit ze bedencken, 
sunder im das ze lossen. (?) Konde er das nachmols umb 
uns, ine und alle die sinen yend®^) verdienen, weite 
er alzit willig und geneigt sin."" 

Auf diese sehr schwach ausgefallene EntgegnungKuss- 
pfennigs, in der er eigentlich alle ihm zur Last gelegten 
Vergehungen offen zugesteht, antwortet dann wiederum 
Bischoff: Was seine angebliche Drohung an Kusspfennig, 
denselben zu erstechen, betreffe, so sei dieselbe von 
seinem Gegner rein erfunden, denn „er habe ine der 
zit nit gekaut, ouch von im nüdt gewüsset, dorumb er 
im unbillich eyn vyentschafft zugeschriben unervolgt und 
unerlangt alles Rechten." Im ferneren aber verlangte 
er von Kusspfennig Beweise für seine weitere schwere 
Beschuldigung, als sei er ein feldflüchtiger und mein- 



430 

eidiger Mann. „Und stallend damitte," heisst es dann 
im EatsprotokoU darüber, „die sache beider site nohe 
vil nie Worten, dissmol nit not hieby zeschriben, zu ims 
und unsere urteil. Und nohedem wir, meister und 
Eäte obgenant, also beiderteil clage, antwurt, rede und 
wideiTede, verhört so habent wir inn vorurteilwyse zu 
Rehte erkannt: Wile Walther Kussphennyng dem ge- 
melten Hannsen Bischoff, als er selbs gestanden, ge- 
schriben : er sige ein veitflüchtiger, erloser, meyneydiger 
bösewicht, welle oder möge do Walther Kussphennj^ng 
inn drigen tagen und sechs wochen nochkunfftig fur- 
bringen, des zu Recht genüg das sollich sin schuldigung 
also an im selbs und wore. So solle zu der zit umb 
das und die andern stucke in vorgemelter klage be- 
griffen beschehen sovil und Reht. Wolte oder möhte 
er aber das nit also furbringen, so sol die zit aber 
umb das und die andern stucke beschehen vor Reht 
were, und den partien domitte solich furbringen ze 
tunde und des Rehten ze warten einen tag für uns 
angesetzt und bestiropt uff samstag nach Sant Kathri- 
nentag nechstvergangen." ^*) 

An dem festgesetzten Tage sind dann wieder beide 
Parteien „mit und inn bywesen etwie vil irer herren 
frunde und gönner" in Colmar vor Gericht erschienen. 
,,Und hat do der obgemelt Walther Kusspfennyng durch 
sinen gegönnten fürsprecher angefangen und lossen er- 
zalen: wie dz er egemelt unser Vorurteil nohe kunt- 
schäfften gesucht und eryagt, leyt die dar mit beger 
die ze lesen und ze hören, und als dz beschah, lies er fiir- 
ter darzu reden: Er hoffte das wir durch verhörunge 
solicher kuntschäfften wolbericht, das er solichs, so er 
emols Hannsen Bischoff gesclmldiget und inne fürzii- 
bringen bekannt, wol und gnugsamklich fürbrocht hette, 



431 

inn hoffen des zu geniessen. Uff das der obgedadite 
Hanns Bischoff durch sinen gegönnten Redener geant- 
wni-t und reden lossen hat: Er hoffe, das der genant 
Walther Kusspfennyng durch sine bigeleiten verlesenen 
kuntschafften dz und im fürzubringen erkant des zu 
Rehte genüge, inn dheiner wege fürbroht solle oder 
möge haben, us der Ursache, das alle dieihene — usge- 
nomen zwene — von denen kuntschafften ingeleit alleine 
von horensagen geseit, dz doch inn dheiner Rehten 
noch zu Reht gnüg eynem sine ere und glimpff' abze- 
sagen gelten. Das dann die andern geseit, dsz er im 
slos Wirden ^'^) gesworen, solle noch möge sich mit 
worheit nyemer erfinden. Aber nit destermynder 
so wer er selbs bekantlich wo ein byderman inn eynem 
slosse by frommen luten als an dem ende betretten 
dz er by sinen eren schuldig und pflichtig sige helffen 
das beste ze tunde, und sonder im sin übe und leben 
lange nit ze wichen. Und das, wie dann worlich des 
handeis und wie sich der sinthalp gemäht, bericht, so 
were wor dass er wielands mit etlichen gesellen den 
krieg ze suchen usgeritten und gon Wirdun kommen 
(trotzdem die Basler die Werbung in ihrer Stadt ver- 
boten hatten). **") Inndem und kurtz daruoeh so hetten 
sie die Frantzosen im selben stettelin überfallen ; ^") 
und als sie im stunn gestanden und an die letzen ge- 
teilt, do were innen an dem orte sins anstants ein 
buchsse gebrochen. Do wurde er selbe vierde an ein- 
ander orte in der statt nach eyner andern buchssen 
ze holen geschickt, und inndem sie die geholt, were 
Peter Rubin, ^^) als ein rottmeister und für einen edel- 
man geaht, mit sinen gesellen — ungevörlich by dris- 
sigen — kommen louffen und geseit: der stürm und 
die statt were verloren; darum wem gelegen möhte 



432 



underston mit im hinzekommen. Do bette er nttdt ann- 
ders gewüsset dann das dz also an im selbs gewesen, 
ime gegloubt und mit denen bis an die more gangen, 
doselbst sinen harnast nssgezogen und mit den andern 
über die mure uss und am wasser inn ein schiff kom- 
men, ubergefaren; und als sy hinüber an den staden 
sigend konmien, do habend sy sich gewendt, gehört und 
gesehen das ir venlin an eynem orte im stettelin noch 
uffrecht und ire fründe inn der were gewesen sigend. 
Do hettent er und etliche mee gerne gesehen dz Peter 
Rubin mit der gesellschäfft wider hinüber gefaren; 
und als man dorumb frogt, wart das mere das sy 
hin und enwegk wolten. Do habe er geredt: Er 
wolle ee darumb sterben oder wider zu sinen gesellen 
kommen. Und sige über das wasser geswommen, wider 
in die statt zu den gesellen an ire wer kommen und 
doselbs geton alles das ihene, das eynem frommen ge- 
bürt, unntz zum letsten, do sige er selb viertzehendst 
durch einen welschen herren angenomen, gefangen und 
geschetzt worden mit erbietung, wo des not, das en- 

berlichen (?) bizebringen Doby er hofft wir 

und menglich versteen sollend dz er an dem ende, wile 
er nit gesworen, nit meyneydig; und das ussfallen, so 
er uff Peter Rubins und siner gesellen worte, denen er 
gegloubt und nüdt anders gewusst, denn das der stürm 
und die statt die zit verloren gewesen, geton, und aber 
demnoch widergekert inn die statt und erste zum rehten 
Sturm und not kommen und lestes mit andern gefangen 
und geschetzt, so were er in hoffen das er dadurch 
sin ere uit verwirckt, sunder erberlich erstattet hette. 
Und das im der obgedohte Walther Kusspfennjmg umb 
sollichen unzimlichen und an ime unverschuldeten ge- 
zigk"^) kerunge und wandel nach siner eren notdurfft 



433 

mit ablegung allem kosten und schaden, den er des- 
halb empfangen, ze tunde erkant werden solte. Sodann 
der übrigen puncten halp, so er inn anfang siner clage 
geton und darumb nohe bestymung der Vorurteil euch 
bescheen solte von Recht wegen : erstmols das er siner 
gemaheln bulebrieve zugeschickt, sie und yne damitte 
gesmehet ; zum andern das solliche briefe inn scliine 
als ob die durch meister Hütter ussgangen geschriben 
und uberantwurt und dodurch demselben, als wol ge- 
burlich, Unlust und ubels begegent, das er ouch das 
unbillich und nit als ein frommer geton, sunder domitte 
und dorynne sin ere verwirckt; zum dritten das er im 
under siner hanutgeschrifft einen widersahsbrieff zuge- 
schriben und im den durch einen unseren hindersehssen 
und under unsere stat Colmar buchsse uberantwurt, 
das doch wider alle billicheit und unervolgt alles 
Rechten bescheen, hoffte er das er doran ouch unrecht 
geton und dorumb nach innhalt der guldin bulle und 
der gemeinen Reformacion als nohe ordnunge rehte 
swerlich gestrofft solte werden." 

Kusspfennig erwiderte auf diese wirklich recht ge- 
schickte Verteidigungsrede Bischoffs über sein allerdings 
etwas zweifelhaftes Verhalten inVerdun damit, dass er 
behauptete: „. . . Das Hanns Bischoff im zu glimpff loss 
melden das er wider über dz wasser geswummen, ann 
Sturm kommen oder gefangen, sige nüdt siner erberkeit, 
sunder deshalb bescheen das er vj-ende halb nit truwte 
hinwegk ze kommen, als das an aller handel wol ze 
entdecken; dorumb er sins fürbringens hoffte zu ge- 
nyessen. Sodann der andern stucke, der schrifften oder 
entsage halb : beschee dicke das einer dem andern ent- 
seit und wurde darnoch wider gericht, domitte so were 
die vyentschafft abe. Jnn meynung im deshalb ouch 

Beiträge XV. 28 



434 



nüdt pflichtig ze sinde. — Uff das der genant Hanns 
Bischoff hm siner slussrede aber hat lassen melden: 
.... das er widder über das wasser geswummen und 
ann stürm kommen, sige weder us betrange noch vorcht 
der vigende, sunder ns gutter, erberer meynunge be- 
scheen, und doby wol ze mercken, das Peter Eubin, 
als der Eottmeister, mit sinen gesellen nngeletzt der 
vigende hinkommen und an dem ende nit betrangs ge- 
wesen, dorumbe er dz by der antwurt wie vor lies bliben.*" 
Das Gericht schloss sich in allen Punkten Bischoffs 
Meinung und Auffassung au. Nachdem, sagen die Richter 
„wir im besten an beider teile lossen suchen und be- 
gert ze verwilligen die dinge güttlich hinzelegen und 
do wir deshalb nit volge erlangt» so habent wir frommer, 
gelerter, edeler und unedeler, wyser lüte Rats harynn ge- 
pflogen. Und sprechent doniff nohe Räte und ouch unnser 
selbs besten verstäntnysse zu recht : Des ersten dz Wal- 
ther Kusspfennyng das, und er Hanns Bischoff geschul- 
diget, nohe lute unser Vorurteil, des zu recht genug, nit 
furbrocht, und diewile er im des also unbillich geschuldi- 
get, zu müge und costen broht, das dann Walther Kuss- 
pfennyng Hannsen Bischoff sollichen sinen kosten, so er 
durch rechtvertigung der sache gehept, abtragen und be- 
zalen solle nohe zimlichen, billichen dingen. Sodann der 
übrigen stucke, als der brieve durch Walther Kusspfennyng 
ussgangen, ouch der schrifft halb, so derselbe Walther 
Kusspfennyng Hannsen Bischoff inn entsagewise under 
unser buchssen und by einem dem unsem zugeschickt, 
erkenuent wir zu Eehte: das er daran gefrevelt und un- 
reht geton. Und deshalb so behaltent wir uns selbs 
unser anspräche an ine alles ungenedlich. — Dise» 
unser urteil zu verkünden, so Habent wir, meister und 
rate, obiges unser statt secret ingesigel geton hencken 



435 

an disen brieff, deren zwene glich gesyn und versigelt 
sint, und yeder teil einen hatt, die geben sint uff zins- 
tag noch sant hylarientag, des heiligen bischoffs, noch 
der geburt Chrj^sti XIIII^ und LXXX iare.*^ *«) 

Ob Hans Bischoff von seiner schon genannten Ehe- 
frau Clara von Wunnenberg Kinder gehabt hat, wissen wir 
nicht; bezeugt ist uns hingegen ein natürlicher Sohn 
desselben Namens Rudolf und seines Zeichens ebenfalls 
Metzger, der sich 1492 vor Gericht wegen Bigamie zu 
verantworten hatte. ^*) Bis zum Jahre 1482 hatte er 
als Sechser dem Vorstände der Metzgemzunft und zu- 
gleich dem Grossen Rate angehört, •^) ebenso war er bis 
zu diesem Zeitpunkte sogenannter Fünferherr gewesen, 
d. h. Mitglied des städtischen Bauamtes. *^) Gestorben 
ist Hans Bischoff wohl im Frühjahr 1485; jedenfalls 
ist er am 3. August eben dieses Jahres schon tot. ®*) 

Ueber den letzten der drei Hauptverschwörer von 
1482, den Metzger Lienhard von Aarau, konnten wir 
folgendes eruieren: Er ist wohl der Sohn von Clewin 
Lienhard von Aarau, dem Metzger, der im Jahre 1443 
durch seine freiwillige Teilnahme am Zuge der Basler 
vor Laufenburg das hiesige Bürgerrecht unentgeltlich 
erlangt hatte. ®^) Wie wir schon erwähnt haben, wird 
er 1475 anlässlich eines Hauskaufes zum ersten Male 
genannt. Weiters begegnet er uns dann erst wieder 
in der Neujahrsnacht 1479 als Teilnehmer an einer 
blutigen Schlägerei zwischen einigen vom Trünke heim- 
kehrenden, offenbar schwer bezechten, Metzgern — es 
werden ausser Lienhard von Aarau noch genannt: Hans 
Mömach und Heinrich Zaeslin — und einem Zimmer- 
mannsgesellen, der dabei von jenen übel zugerichtet 
wurde. Die genannten Metzger mussten daher auch 
für die nicht unbeträchtlichen Heilungskosten ihres 



436 

Opfers aufkommen und dann ausserdem noch, wie es 
scheint, für einige Zeit vor der Stadt leisten. *®) Wei- 
teres wissen wir über Lienhards von Aarau Vergangen- 
heit nicht. Zum letzten Male wird er, wie wir noch 
sehen werden, 1497 genannt. 

Nachdem wir im bisherigen die Hauptteilnehmer 
am Aufstand und ihre persönlichen Verhältnisse kennen 
gelernt haben, wenden wir uns nun zur Darstellung 
dieses letzteren selbst. 



III. 

Die Verschwörung des Jahres 1482. 

Vergegenwärtigen wir uns erst noch kurz die innere 
Lage, in der sich die Stadt damals befand: Als Nach- 
folger des energischen und streitbaren Johann von Yen- 
ningen hatte am 4. Januar 1479 der nicht weniger 
schneidige Caspar ze Rhin den Basler Bischofsstuhl 
bestiegen, auch er gewillt, mit aller Kraft das von 
seinem Vorgänger begonnene Werk weiterzuführen, 
nämlich die Rückerwerbung der von früheren Bischöfen 
an die Stadt verpfändeten Hen*schaftsrechte. Den ersten 
und wichtigsten Schritt in dieser Richtung machte er 
mit dem Versuche einer Wiedereinlösung des Schult- 
heissengerichtes, indem er am 10. Januar 1481 bei dem 
Basler Wechsler Balthasar Hütschin die auf dem ge- 
nannten Amte stehenden 2000 Gulden hinterlegte und 
die Stadt aufforderte, die Pfandbriefe gegen Bezug 
dieser Summe ebenfalls dort zu deponieren. Doch ge- 
lang ihm die Sache ebensowenig als zehn Jahre früher 
Venningen. *") Das Verhältnis zwischen ihm und dem 
Rat aber blieb infolge dieser Dinge ein gespanntes und 
es fehlte auch in der Folgezeit nicht an gegenseitigen, 
oft wirklich kleinlichen Chikanen und Reibereien. 

Der Bischof wurde bei all diesen Versuchen, die 
verlorene Macht und die alte Stellung auch als welt- 
licher Herr der Stadt wieder zurückzuerlangen, nicht 
nur vom Adel und den Achtburgern — seinen natür- 
lichen, durch engste Interessengemeinschaft auf ihn an- 
gewiesenen Bundesgenossen — unterstützt, sondern es 



438 

war ihm gelungen, auch noch die übrigen, recht zahl- 
reichen unzufriedenen Elemente in der Stadt auf seine 
Seite liinüberzubringen — durch welche Versprechungen 
wissen wir nicht mehr. Dass aber in einem giossen 
Teile der Basler Bürgerschaft damals eine starke Ver- 
stimmung und tiefe Unzufriedenheit herrschte, dafür 
sind verschiedene Anzeichen vorhanden: Schon 1479 
war es infolge der unverhältnismässig hohen Steuern, 
die die Bürger schon seit Jahren zu zahlen hatten, 
zu einem Anstand mit der Kegierung gekommen. Da- 
mals hatten sie sich sogar geweigert — die Schneider- 
zunft an der Spitze — den jährlichen Treueid zu 
schwören. Sie seien nach allen Seiten beschwert und 
bedrückt und doch sei der Staatsschatz um so leerer, 
je mehr sie leisteten, während dagegen die Herren der 
Regierung an Geld und Gut zunähmen, voraus die Herren 
Oberstzunftmeisler — namentlich wurde schon damals 
der Oberstzunftmeister Heinrich Rieher der Unterschla- 
gung beschuldigt — ; so trieben es die Beamten; diese 
würden immer reicher und das Volk äiiner, u. s. w. ^^) 
Ganz genau die gleichen Anklagen und Beschuldigungen 
wurden auch im Jahre 1482 von den Brüdern Bischoff 
und ihrem Anhang gegen die Regierenden erhoben, wie 
wir im folgenden sehen werden. Weiteren Anlass zur 
Unzufriedenheit hatte dann das auf die Vorstellungen 
Ludwigs XI. hin erlassene Verbot des Reislaufens ge- 
geben; das Volk wollte nicht davon lassen und be- 
schuldigte die Herren, sie nähmen Pensionen, während 
sie ihnen einen Erwerb missgönnten. Wie wir gesehen 
haben, war gerade Hans Bischoff einer jener Bürger, 
die trotz des Verbotes im Jahre 1478 gegen die Fran- 
zosen ins Feld gezogen waren. Was endlich noch speziell 
die Mitglieder der Metzgernzunft, von denen der Auf- 



439 

stand von 1482 hauptsächlich ausgieng, gegen die Re- 
giernug aufbrachte, ist ausser der seit 1475 erhobenen, 
nicht unbedeutenden Fleischsteuer, ®*) die im Jahre 1480 
eingeführte neue Metzgerordnung, die den Metzgern 
einen nach ihrer Meinung zu niedrig angesetzten Maxi- 
malverkaufspreis vorschrieb. ^°®) 

Nach diesen einleitenden Bemerkungen gehen wir 
zur Darstellung des Aufstandes selbst über. Wie wir 
aus den verschiedenen Vergichten, namentlich des so- 
genannten Pfefferlin, erfahren, war der Plan zur Ver- 
schwörung gefasst worden am St. Johannstag, d. h. am 
27. Dezember des Jahres 1481 und schon damals als 
Tag der Ausfuhrung bestimmt worden der Geryeutag 
(23. April) des folgenden Jahres. Wir lassen daher zuerst 
die Aussagen Pfetferlin's, wie er dieselben im Dezember 
1483 vor Rat abgegeben hat, im Wortlaut folgen: ^^^ 
„Hanns Schuler genant Pfeiferlin ^°^) hatt veriehen : Es 
hab sich begeben dz er uif sant Johannstag, werde yetz 
zu St. Johannstag zu wyennacht schierest zwey iar, 
hinus von St. Johanns gan wölte, da er an vischmarckt 
komen, syen Hanns BischolF und ander daselbs by- 
enander gestanden und in gefragt wohin er wolle und 
daby mit inen uff der metzigerhus *"^) ze essen geladen 
haben, das er also getan. Hab Peter Bischoff in dem 
imbissmale angefangen ze reden daz man gross und 
schwer gewerff und stür der statt geben müsse, und 
nyemand wisse wohin solich gelt komme; es werden 
euch ettlich rieh, die der Reten syen, und doch da sy 
herkommen arme gewesen sind, und wo man im volgen 
wölte, er dermalen eins die heren, so sy versamelt weren, 
überfallen und innsonders Heinrichen Riecher. ^^*) — Item 
daniach inn der vastenwochen sye Peter Bischotf ander- 
werbe ^^'') zu im kommen in derselben rede, davor besehe- 



440 

eben, erinnert und habe in gebetten daruff den Sachen 
nachzedenken und vlys anzekeren inn miner zunflft ob 
ich ettlich derselben zunfftbrüderen zu solichem be- 
wegen möchte, ouch ander lüt, damit sy des willens 
mit im ouch wurden, dann er inn der metzigerzunflPt 
^il wisse, ob vieitzigen, die des willens vestenclich 
syeu, wollen besehen wo das gelt hinkomme, und die 
heren überfallen. — Item darnach nlt unlang sye Peter 
Bischoff zu im und zu Lienharten im Hag ^^•) kommen 
und sy gebetten mit im in die malatzgassen in einen 
garten ze gan, das sy also getan haben Und mit im gangen 
und in den garten kommen syen, hab derselb Peter 
Bischoff angefangen ze reden und übel sweren und ge- 
sprochen: „„Y botzlichen, wie laug wollen wir noch 
zusehen daz wir so gi'oss gelt geben müssen und nit 
wissen wohin es kompt; lassent uns ein male under- 
stan *^') und uff das richthus louffen, wann die heren 
byenander versamet sind, sy ze erstechen, metzigen 
und zum teil an die seil hencken und erfaren wohin 
solicli gelt hinkomme, das sy in namen einer statt 
empfachen ; ich wil selbs,"" hab Peter Bischoff gesprochen, 
„„voranlauffen, in den nechsten, so by der thtire sitzet, 
einen tegen stossen und sechs oder syben heinrichten 
und erstechen. Ouch so lassen uns ein hundert oder 
viere thütter ^°^) gesellen samlen, die wir wol finden, 
so wollen wir zusamen sweren und die sache also vol- 
tziehen."" — Item darnach sye Hanns Bischoff ouch zu 
im kommen und gesagt: „„lieber Pfefferlin, min bruder 
Peter hatt solichs in willen und im sinen willen obbe- 
griffen entdeckt ; ich kann noch mag in nit von solicher 
meynung bringen, und wo du uns nit helft'en wilt, 
wollen wir uns ander helffer besechen wenn wir ye des 
füi'gofasslen willens syen die ding anzefangen und nach 



441 

unserem willen ze ennde ze bringen, denn wir vil gutter 
gesellen finden, die des willens mit uns sind; und 
komme einsmales uflf der metzigerhuse, so wirst du by 
viertzig hören und sechen, die vestigklich uff grund 
sind uns solichs ze verhelffen/*". — Item derselb hab 
in ouch gebetten mit Thoman Kartenmoler, ^^^) Lenly 
Kürsener, Steffan Haffnern und vil andern uff söliche 
wege ze reden, sy ze bitten und anewegen inen solich 
hendel zu verhelffen, das er aber nit getan hab. Item 
darnach hab er in gebetten mit Rudoltfen zum Lufft ^^^) 
ze reden die meynung, inn inzebilden und ze bewegen, 
in sölichem hilff thun wolle und ouch dz derselb Ru- 
dolff die meynung in Ludwigen Gloggengiesser ^^^) ouch 
trage; die syen wol gefründt und haben gross anheng, 
damit unser fürsatz dester stattlich volbrocht werden 
möge. Da sye er uff sölichs zu Rudolffen zum Lufft 
uff der Prediger kilchhoff am Balmtag kommen, in aller 
masse, wie vorstat, die ding fürgehalten, der meynung 
in zu sölichem bösen willen wollen bewegen; da hab 
Rudolff geantwurt es syen bös sachen, er wolle müssig 
gan und nützit damit ze schaffen han. — Item so hab 
er den Bischoffeu zugesagt und versprochen inen sölichs 
zu volbringen wollen verhelffen und sich des gentzlich 
begeben hab, aber unlang darnach sye es in geruwen 
und uss sölichem ruwen zu hern Hanns von Berenfels ^^^) 
und Heinrichen Rieher gangen, inen die anslag entdeckt 
und ein statt gewarnet. Item, da solichs an einen rat 
gelanget und ein grosser ratt zu den predigern berufft 
worden, sye Hanns Bischoff ein sechser gewesen. Und 
da er also von den dingen im ratt rede gehört, hab 
er sich, da sy heruss kommen syen, zu Adam Walch 
getan, im sinen willen und hendell entdeckt, im ze 
raten ob er inn die freyheit solle gan in gebetten; 



442 

hatt derselb Adam Walch in vil bücher besechen und 
nach sölich besechung im geraten daz er in die fry- 
heit gan solle, das er und sin bruder also getan haben. "^ 
Item, da dieselben Bischoffe also inn die fryheit kom- 
men, haben sy Heinrichen Zesslin *^*) und Zymmer- 
mans tochterman zu im geschickt, die zu im kommen 
sind und geredt: „„Pfeiferlin, Peter und Hanns BischoflFe 
sind in die fryheit getretten und haben dir entbotten 
du sollest dich bewaren und ouch in ein fryheit gon."" 
— Iten) witters hatt er bekannt wie Peter Bischoff 
geredt hatt er wolle selbs daran sin daz man die rete 
an die zehen hencken täte. Item Peter Bischoff solle 
witters geredt han: „„Lassen uns vlys fürwenden ob 
wir ettlich der reten — zwey, diy oder nier — uff 
sölich weg an unser meynung bringen möchten, wir 
desterbass inn sölicheu Sachen hanndlen."" Item aber 
hab derselbe Peter geredt: „Ee und vor wir die Sachen 
anheben, sollen wir trachten nach einem wisen man, 
der wolberedt sye, wo es not wurde umb die rede ze 
thun; ich wil mit dem wirt zu der krönen ^^^) reden 
daz er uns die rede thu, wo das not tette."" Solichs 
hat er am kornmärckt zu im (seil. Pfefferlin) geredt. 
Item darnach hab Peter Bischoff aber geredt: „„Möch- 
ten nun die ding in still bliben biss uff ostern, so wölten 
wir biss uif sant Jörgentag ^^®) wol by vierhundert 
knechten oder menner uff sölich weg bracht und be- 
stelt han domit wir unseru willen volbringen mögen, 
und wenn sy die Sachen also anfachen, wollen wir ett- 
lich knecht für das büchssenhuss ordnen die büchssen 
ze verhalten damit keine heruss kommen möge."" — 
Item Peter Bischoff und er syen einmals miteinander 
gangen, haben sy Steöan Haffner sehen sitzen zum 
wissen thurn uff dem laden; ^'0 hab Peter Bischoft' in 



443 

gebetten niit demselben Steffan ze reden, in zu sölichem 
bewegen — das ist aber nit bescheen — und hab dar- 
zu witters gerett: „„Wann wir nu also etwan vil lüts 
uiF die weg gebracht haben, daz sy mit uns der mey- 
nung worden sind und also unsern punt und anslag 
gemacht, so wollen wir der heren warten, wann sy utf 
der brugg versammet werden, sy alßsdenn anloufen, by- 
fangen und die knecht und Söldner, so sich der dingen 
annemmen, sich undei-steen der heren entschütten wölten, 
die ze tod slachen und ze erstechen."" — Item Hanns 
Bischoff hab mit Heinrichen von Arx ^^^) ouch geredt, 
in willen in zu sölichem ze bewegen, er wisse aber nit, 
was er im zu antwurt geben hat. — Item aber hatt 
er witters bekannt wie er und ettlich ander zu dem 
imbiss uff sannt Johannstag, als sy in geladen hetten, 
uff der metzigerhuse gesessen, und als Peter Bischoff 
anfieng ze reden inmassen und obenbegriften ist: man 
müss gross und schwer stür geben etc. haben sy uuder- 
einander geredt uff meynung wie ob ein gutte sache 
were, wo sy es nun zuwegen bringen und voltziehen 
möchten, inen das wol gefiele. Item, darnach syen 
Peter und Hanns Bischoffe, er und ander byenander 
gewesen, von sölichem irem fürnemmen rede gehaltten, 
solich ire ansleg machende, hab er sy gefragt: „„So 
wir nun also unsern willen zu ende brechten und die 
heren gefangen oder sy erstochen hetten, wie wolten 
wir die statt behalten**"? haben sy im geantwurt: sie 
wölten sich an ettlich henckeu, die on das der statt 
nit hold syen und inen oder ir einem die statt über- 
geben. ^^^) Item darnach syen ettlich by Hannsen Bi- 
schoff am kornmärckt by einander gestanden, und da 
er sy gesechen, hab er sich zu inen getan, und so er 
zu inen kommen sye, haben sy also von den Sachen 



444 

rede gehalten, so hab Hanns Bischoff under anderm 
geredt, er wolle der tagen eins ein rumor in dem ratt 
machen, und daruff die ander bystender gefragt ob sy 
im hilff in solichem wölten thun, haben sy im zugesagt 
und er mit inen und sich alle miteinander in die sache 
begeben. Item, Peter Bischoff hab darnach aber zu im 
geredt und angezogen umb forderlich enndung der 
Sachen; wann wolle im sust nyeman helffen, so wolle 
er die meister in siner zunfft an sich hencken und 
allein zu im nemmen, die zn guttenteil guttwillig alle 
syen im zu verhelffen und des willens mit im syent, 
wann er die ding nit underwegen wolle lassen. — 
Item Peter Bischoff hab ettlich der houpteren und von 
den reten für die anderen gehasset und sye denselben 
grimmer denn anderen gewesen. — Item als er und 
die Bischoff inn die fryheit kommen weren, da keme 
her Friderich Hussler ^*^) zu inen inn die fryheit, derselb 
her Friderich Peter Bischoffs rat gewesen, vil umb die 
ding gewisst, hab Peter Bischoff uff ein ort genommen 
und geredt: „„Y daz tich lotzlich annsehendt! Warumb 
band ir üch so wyt gen Pfefferlin emplösst? und wo 
ir allein sölichs gehandelt und dem Pfefferlin nichts 
davon gesagt betten, were unser anslag in craft 
gangen."" — Item Michel Rützschly sye ouch an Sannt 
Johannstag, als sy in geladen betten, by demselben 
imbiss gewesen und hab in verwundert dz sy von 
solichen Sachen geredt haben, hab derselb Eützschly 
gesprochen: „„Lieber Pfefferlin, lass dich es nit wun- 
dern, es ist nit das erste male dz man uff diser Stuben 
von solichen auslegen geredt hat."" Item Peter und 
Hanns Bischoffe haben zu im geredt: „„Wir wöUeu 
trachten damitt wir ettwen vil gesellen uff bringen 
möchten, so wollen wir gon Sannt Jörgen liinussziehen, 



Üb 

und wo wir im veld versamlet werden, die nit wissten, 
in sy tragen, unnser söliche meynung in die, so mit 
uns ziehen werden, sy anzekommen uns ze verhelffen, 
und alsdenn uff ir zusagen, so wir herin kommen, ob 
wir dann die heren uff der brugg funden, sy byfangen 
oder ei-stechen, und die knecht mitsampt inen, wölten 
sy die heren entschütten, one den obersten knecht, 
der sye ir fründ."" — Item, er habe zu solichem ratt 
geben wie sy ir ansleg machen wollen und innsonders 
wann sy also die heren uff dem richthuse überfielen, 
die gassen ze bestellen und versorgen innmassen den 
heren nyemand ze hilff kommen möge. „„Item, es wer 
gut,"** hab Peter Bischoff geredt, „„daz wir die slüssel 
zu den thoren hetten, damit die heren uns hinuss nit 
enttrunnen möchten, und wenn wir die ding also fur- 
hannd nemmen und dich und minen bruder ordnen mit- 
sampt uweren helffem die gassen ze verhütten, daz 
nyemands zu den heren kommen möge,"" hab er ge- 
redt : „ „Lieber Peter, was du wilt, wil ich mit gantzem 
willen gern tun."" — Item, er hab ouch selbs darzu 
geredt: „„Lieber, gedencken ir dz ir lut und helffer 
überkommen, daz wil ich mit vlys ouch tun, damit un- 
ser ansleg volbracht und die heren an die köpff ge- 
slagen werden."" — Item, da er mit Rudolffen zum 
Lufft solichen sinen bösen willen geredt habe, wie 
dann vorstat, sye Jacob Meyger ^^^) zu im kommen, in 
gefragt was er also mit im geredt hab, er geantwurt 
wie ettlich inn willen syen den reten ein schmach ze 
erbieten und innsonnders dem Eiecher, hab der Jacob 
Meyger geredt: „„Ich möcht wol lyden was Unglücks 
sy angienge so verre ich nützit darzu tette, denn der 
Rieher hat mich verderpt, darzu im die heren geholffen 
band."" — Item, er sye ouch des willens gewesen mit 



446 

Clausen Haseu, dem sclinider, ouch uff die weg ze 
reden, beging in zu solicliem ze bewegen, das er doch 
nit getan, hab aber ganz gneigt und des entzündten 
willens gewesen, wo er vil lüte gereitzt, bewegt und 
zu solichen iren bösen auslegen hette mögen bringen, 
er das mit gantzer begirlicheit gern getan hette. Item 
er ouch der furgefasst meynung gewesen, wo er nit 
gnad by einer stat Basel funden oder erlanngt hette, 
sy ze bekriegen und ir vyend ze werden." 

Schon in einem früheren Verhöre (vom 24. Juni 1483) 
hatte Pfefferlin erzählt: wie an dem schon erwähnten 
Mahle auf der Metzgernstube, wo über die Ausführung 
des Complottes beraten wurde, „by werenden reden 
und auslegen (auch) Lienhart von Arow gesessen s)'e, 
ouch die hab helffen tun; und innsunders hab Lien- 
hart von Arow geredt : er wölte daran sin das man unns, 
die herren, an die zwige ufFhencken solte. Item, darnach 
syen Hanns und Peter Bischoff, ouch Lienhart von Arow, 
nach ettlich tagen wider zusammen kommen unnd haben 
irer fürgefassten meynung wytter rede gehalten, iren an- 
slag, den selb zu ennde zu ziehen, alls hab Pfefferlin ge- 
fragt: „„So wir nun allso unsern willen ze ennd pringen 
unnd unser herren gefanngen unnd erstochen hetteu, wie 
wölten wir die statt behalten?**" haben die anndem 
im geantwurt: einen nuwen rat wollen si setzen unnd 
sich an ettliche, die si mit namen bestympt haben unnd 
der statt nit hold syen, wollen si sich henngken und 
inen oder ir einem die statt übergeben." 

Ganz ähnlich spricht sich noch unter dem 3. Januar 
1484 der Alt-Claramüller Peter Keller aus: wie ihn 
ein gewisser Pfetferlin dazu habe bewegen wollen, an 
einem Zuge nach dem Eichthause teilzunehmen. Die 
Leiter der Bewegung, die ihm noch näheres darüber 



447 



mitteilen könnten, seien, so habe ihm Pfefferlin gesagt, 
Peter und namentlich dessen Bruder Hans Bischoflf. 
Der Grund, warum sie den Aufstand machen wollten, 
sei, ,,dass si mangel liden von minen herren;" ebenso 
habe ihm später auch noch Peter Bischoif selbst ge- 
sagt: „Mir gend gross gut uf das richthus, nu mögen 
mir es nit meh erliden ; der mir folgte, wir wölent der 
tag eins mit den reten reden dass wir soUichs vertragen 
werent.'- Keller behauptet dann im weiteren seine 
völlige Unschuld, indem er auf die Forderungen Pfeffer- 
lins und der Brüder Bischoff nicht eingegangen sei. Er 
scheint anfanglich auch nicht gross vom Eate deswegen 
behelligt worden zu sein ; immerhin hielt er sich später 
in Basel doch nicht mehr für sicher; er verliess daher die 
Stadt und begab sich nach „Wyttlikon", ^^'^) von wo aus 
er dann auch seine Aussagen schriftlich und durch einen 
Notar amtlich beglaubigt nach Basel einsandte. ^*^) Schon 
in einem früheren Verhöre, das Pfefferlins zweitem „Ver- 
gicht" angefügt ist, hatte er ferner ausgesagt: „Wie 
er uff sanct Görien abent dess iars als voi*stat (d. h. 
am 23. April 1483 und offenbar noch bevor ei* die Stadt 
für ganz verlassen hatte) mit sinen kinden gen Halt- 
ingen gevaren sye, unnd als er gen Otliken keme und 
daselbs mit sinen kinden hab wollen zeren, sye Lien- 
hart von Arow zu im kommen unnd wider inn geredt : 
„„Was glück hast du — unnd damit noch einen ge- 
nempt — das ir in der statt sind, und ich hieruss muss, 
unnd ir als vil als ich von den dingen, davor angezogen, 
wüssen,**" als hab Peter Müller geantwurt: „„Ich will 
mich selbs versprechen, wissest du als wenig uff derselben 
als ich,"*' also hab Lienhart von Arow das daby lassen." 
Nachdem der Anschlag durch Pfefferlin, der, wie 
wir gesehen haben, neben den Brüdern Bischoft' und 



448 

Lienhard von Aarau in der ganzen Sache am meisten 
kompromittiert war, dem Bürgermeister noch in letzter 
Stunde verraten und dadurch namenloses Unglück von 
der Stadt abgewendet worden war, suchten die Ver- 
schworenen sich so rasch wie möglich in Sicherheit zu 
bringen; die meisten verliessen die Stadt, drei — die 
Brüder Bischoff und Pfefferlin selbst, der eben trotz 
des an seinen Verbündeten geübten Verrates von der 
Stadt Strafe gewärtigen musste — begaben sich in die 
^Freiheit", d. h. suchten in einer der zahlreichen geist- 
lichen Korporationen zugehörigen Gebäulichkeiten der 
Stadt eine Freistätte. Zu was für unangenehmen Verwick- 
lungen die Inanspruchnahme des Asylrechtes seitens von 
der Stadt verfolgter Verbrecher unter Umständen führen 
konnte, das hatte der Rat vor wenig Jahren erst im soge- 
nannten Bisingerhandel reichlich erfahren. ^**) Leider er- 
fahren wir nicht, welches Asyl die drei aufgesucht haben 
— übrigens haben sie sich auch kaum lange Zeit darin 
aufgehalten. Aber auch ivohin sie sich nachher zu- 
nächst gewandt haben, wird uns nicht gesagt, vermut- 
lich aber nach Colmar, w^oher, wie wir wissen, Hans 
Bischoffs Ehefi^au stammte und wo auch damals noch 
der schon mehrfach genannte Hans Hütter, ein Ver- 
wandter derselben, ^^^) Stettmeister war. „Uff mentag 
nach misericordia domini (1. Mai) 1482" nämlich — 
also nur kurz nach dem für das Attentat bestimmten 
Tage — erschienen vor beiden Räten die „an erboren 
und gesipten fründe" der Brüder Peter und Hans Bi- 
schoff und baten — „nach erzälung, als sy meynen, 
ir unschulde — inen ein tröstung für rate und wider 
an die gewarsame ze geben", d. h. mit anderen Worten 
um freies Geleite nach Basel und ebenso wieder nach 
ihrem dennaligen Zufluchtsorte zurück. ^*^) Die Antwort 



449 

des Rates an die Gesuchsteller, von denen niit Namen 
nur „Meister Hutter, stettmeister zu Colmar" genannt 
ist, lautete: „Dz ein rat wol geneygt were inen ire 
byt ze willforen, aber nach grosse der sach könne ein * 
rat nit abstan in gebüren sy ze hören, doch wolle ein 
rat nach \^itter erfarung der sach darinn handehi allein 
dass der stat notturfft vördert und sich gebtiret." ^^'^) 
Femer schickte der Rat schon am 7. Mai an die Bruder 
Bischoff direkt folgendes Schreiben ab : ^*^) „Wir Hanns 
von Berenfels, ritter, burgermeister, und der rate der 
stat Basel lassent uch, Peter und Hanns Bischoff, ge- 
brüder, wissen dz wir uwer schriben mit meidung 
mercklicher unschulde, der so ir verdacht sin mechten, 
und uss was Ursache bewegt ir uch in friheit getan, 
verstanden haben, uch uwer unschulde wol mögen gön- 
nen — aber wyt anders sind, werden wir bericht — 
doch, wie dem, vern ir umb unser Verhandlung recht an 
uns erliden mögen, sind wir geneigt uch trostung und ge- 
leit zu solichen rechten ze geben, also dz ir an dem ende 
uwer unschulde oder schulde, weder sich erfunden, in 
recht gemessen oder entgelten, so vil urtel und recht gilt." 
Trotz dieses grossen Entgegenkommens von Seiten 
der Stadt, zögerten die Brüder doch noch, nach Basel 
zu kommen, um sich daselbst vor Rat zu verantworten, 
Sie gingen sogar noch weiter und sagten der Stadt, noch 
während der Unterhandlungen um freies Geleit, das 
Bürgerrecht auf; **^ zugleich begaben sie sich in den 
Schutz des Grafen Oswald von Tierstein, Basels altem 
Feind, der damals nicht nur Herzog Sigismunds Land- 
vogt in den vorderösterreichischen Landen — d. h. also 
im Schwarzwald, Sundgau und Elsass — war, sondern 
zugleich auch noch oberster Hauptmann der am 19. März 
1473 zwischen dem Markgrafen von Baden und den 

Beiträge XV. 29 



450 

Städten Strassburg» Basel, Oolmar, Schlettstadt and 
Mtilhausen abgeschlossenen sogenannten niederen -Ver- 
einigung. Im Schutz und Schirm dieses mächtigen Herrn 
stehend, ignorierten die Brüder einfach die verschie- 
denen Schreiben des Rats. ^^^) Am 15. August endlich 
erschien wenigstens Peter Bischoflf in Basel, um seine Aus- 
sagen vor versammeltem Rate zu machen. Er berichtete : 
„Wie er von ettlichen megdenn einest gewamet worden 
sye dz man zu im passen ; er hab aber nit wellen wichen 
und sye also in das bad gangen, sich anders nutzit denn 
gttts vertröstende. Indem hab Hanns, sin bruder, im 
botschafft in das bad getan und tun sagen wie er in 
eines siner frunden huss gewesen und dz das hus umb- 
leyt gewesen sye, also dz er davon nit gewiset habe 
ze kommen, denn allein dz sin frund im hin und ein- 
weg geholffen, der ursach er sich in die friheit getan 
habe, im möge raten sich ouch in die friheit ze tund, 
dadurch er bewegt worden sye sich in die friheit ze 
tund, dz er aber einich schulde oder mitwissen habe 
an dem, so im fürgehalten sye, sye nit, solle sich ouch 
zu ewigen tagen niemer nie erfinden, dz er utzit darin 
gehandelt noch yemand utzit nit davon geret habe: 
denn was solichs lescher^^^) wer, wölt er solichs selbs 
haben anbracht und nit haben verschwigen, darumb er 
tun möge, was einer frouwen gebüre (?), und sye noch 
bisher dehein anderer meynung biss uff uffschribung 
sins burgrechts gewesen. Wo er der stat schaden ge- 
wisst hette vorzesind, er hette das getruwlichen getan. 
Sye aber yemand, der in anderer schuldige, dz ms^ 
denselben neben in stelle, so wolle er solichs antwurt 
dai-zu geben, der er hoffe glimpff und er habe.** ^^^) 
Peter Bischoff also leugnete rundweg alle Mitwissen- 
schaft an dem Complott. 



451 

Unterdessen war am 13. September ein Brief von 
Graf Oswald von Tierstein eingegangen mit der An- 
zeige, er habe die Brüder Bischoff in seinen Schutz 
aufgenommen und ihnen das Bürgerrecht in Ensiaheim 
(das bekanntlich der Sitz der vorderösterreichischen 
Regierung war) verschafft; er verlange daher jetzt, 
dass man ihnen das ihre — das der Rat natürlich so- 
fort nach ihrer Flucht mit Arrest hatte belegen lassen — 
dorthin ausfolge ; ein im höchsten Grade unverschämtes 
Begehren. Der Rat antwortete schon tags darauf fol- 
gendes: „Wolgeborner her, uch syent unnser willig 
dienst altzyt (sie) bereit zuvor. Uwer schriben uns nechst 
getan, under anderem anzogende der beiden Bischoffen 
halb, dz ir vermeinen wollen billichen sy zu burger uff- 
genommen syen und begeren uff solichs nach fiyem 
zugsrecht inen das ir volgen ze lassen und mit mer 
Worten innhalt desselben briefs, haben wir verstanden 
und betten wol getrüwt ^'^) die bericht zu Brisach *^*) 
ussgangen weren indem bass betrachtet und die ge- 
melten Bischoff so schnell zu bürgern nit uffgenommen, 
dz wir inen ouch das ir schuldig syent zu diser zyt 
volgen ze lassen, hoffen wir in krafft der gemelten 
bericht nit ; und umb dz ir solich bericht uff einen synn 
und wir uff den anderen verstanden, erbietten wir uns 
dess zu einer luterung für unnser lieben und guten 
frund und getruwen puntgenossen : meister und rat der 
statt Strassburg, ze kommen und alda erckennen ze 
lassen, ob ir sy billichen oder nit, in ansehen derselben 
bericht, zu bürgern uffgenommen, und darüber den ge- 
dochten Bischoffen nit gestattet werde, utzit witters 
gegen uns und den unsem fUrzenemmen, dann allein 
diser lutrung ze erwarten, so geburlich gegen inen 
halten und erzeigen, das wir hoffen recht und glimpff 



452 

ze haben, bitten wir von uns im besten ze vermercken." 
Nach verschiedenem Hin- und Hei-schreiben in 
dieser Angelegenheit zwischen Basel und dem Grafen 
von Tierstein, der die Sache offenbar möglichst in die 
Länge zu ziehen trachtete, konnten die Basler endlich 
am 6. Januar 1483 ihr Anliegen den Strassburgem vor- 
legen ; sie schrieben : „Demnach unnd sich spenn zwischen 
unns und Hannsen und Peter Bischoffe, gebrüdere, hal- 
ten, darumb wir beder sytt uff uwer . liebe zu recht 
kommen sind, da ist unnser gar fruntlich bytt, dieselb 
sich solichs rechten ze beladen unnd unns rechtag da- 
rumb ze bestymen unnd ansetzen wollen, sind wir ge- 
neigt den zu suchen; wo wir das umb unser sunnder 
gutte fruntschaft verdienen können, wollen wir altzytt 
guttwillig gefunden werden.** 

Der Tag wurde auf den 8. August nach Strassburg 
angesetzt. In der Zwischenzeit aber erhielt die Stadt 
mehrfach Begehren der Brüder Bischoff um freies Ge- 
leit nach der Stadt, welche Ansuchen aber vom Rat 
zunächst abschlägig beantwortet wurden, so schrieb der- 
selbe noch am 7. April an Peter: „Wir Peter Rot, 
ritter, burgermeister etc. lassen dich, Peter Bischoff, 
wissen : diu schriben mit begerung eins geleits vur zehen 
tag empfangen haben, und zwifelt uns nit, du wol bricht 
syest, wie der wolgeboren Her Graf Oswalt, land- 
vogt, etc. von din und dins bruders wegen mit uns ein 
abredung getan, dess wir uns bisher enthalten haben 
und nachmals lassen bliben ; *^^) daby nit verstau mögen 
dir geleit ze geben notdurfftig" u. s. w. Auf ein er- 
neutes Begehren von Seiten Peter Bischoffs giengdann 
der Rat freilich ein und antwortete ihm unteim 7, Mai: 
„Wir Peter Rot, ritter etc. fugen dir, Peter Bischoff, 
zu wissen: din schriben mit begerung eins geleits dir 



453 

und dinem bruder Hannsen zuzewenden, haben wir em- 
pfangen und betten wol gemeindt du dich der abredung 
nach, durch den wolgebomen heren Groff Oswalden, 
landvogt etc. geschrifftlich uns zugesandt, bettest lassen 
bringen ; doch wie dem, so sagen wir und trösten dich, 
desglichen dinen bruder Hansen, harin unsere statt zu 
demselben tag durch den obgeraelten herren landvogt 
zwiischen uns und dich uff fritag nechstkunfftig ange- 
setzt ze kommen, darby ze sind und nach verschinen 
sollichem in ettlichen tagen wider von unns an unser 
gewarsame für uns zu versprechen ungeverlich.** 

Doch auch mit diesem neuen Zugeständnis von 
Seiten des auffallend nachgiebigen Kates war Hans 
Bischoff noch nicht zufriedenzustellen. Nur wenig 
Tage vor dem nach Strassburg angesetzten Termin — 
am 24. Juli — schrieb ihm der Rat als Antwort auf 
seine fortwährenden, im unverschämtesten Tone ge- 
haltenen Reklamationen sehr energisch: „Wir Hanns 
von Berenfels, ritter, burgeimeister, und der ratt der 
statt Basel fugen dir, Hanns Bischoff, zu wissenn daz 
wii- din schriben, unns getan mit anziechen, wie du 
keines rechten gegen unns bekommen mögest unnd be- 
ger dir das din noch hutt by tag one entgeltnuss vol- 
gen ze lassen etc. haben wir gelesen unnd nit klein 
befrömden ab solichem tratzlichem dinem schriben em- 
pfangen unnd das billich von dir vermitten were in 
betrachtung diner geschieht, euch diner dargethanen 
rechtpotten unnder denselben, wie das ein — nämlich uff 
unnser frund unnd getreuwen puntgenossen von Strass- 
burg — angenommen band, du aber dasselb verachtet hast, 
vermeinende zu recht ze kommen nit pflichtig ze sin, 
das din werde dir dann vor unnd ee zu banden ge- 
geben, desselben wir unns gewidert, getreuwende unns 



454 

nit gepuren unnd unns desselben zu rechtlich ussferti- 
guug erbotten für unnser gutten firund unnd puntge- 
nossen von Colmar, ob wir schuldig syen oder nit vor 
usstrag der houptsach ^®*) dir das diu volgen ze lassen 
und dasselb durch dich verachtet ist; desshalben wir 
dins unwarlichen dargebens, keins rechten gegen unns 
mögen bekommen, billich vertragen bliben etc. Umb 
das du aber kein brüst ^^0 der zimlicheitt an unns ver- 
merckest, so erbieten wir unns, wie vor, das durch uns 
angenommen ist, der houptsach halb für unnsem lieben, 
getreuwen puntgenossen von Strassburg. Ob aber du 
vermeinen woltest dir das din vor usstrag volgen ze 
lassen, erbietten wir unns des zu rechtlichen erlutteruug 
zu unnseren lieben und gutten frund und puntgenossen 
von Colmar; wo dir aber das nit gemeint were, für 
unnser gnedigen heren unnd frund, die fursten und 
stette gemeiner nideren vereyn zu rechtlicher fertigung 
ze kommen, alda rechtlich lutterung ze empfachen, ob 
wir pflichtig syent oder nit, das din vor usstrag der 
houptsach dir zu banden kommen ze lassen, in gutter 
hoflnung unnser obgemelt rechtlich erbieten durch dich 
nachmals nit verachtet, sunndem angenommen unnd 
nutzit unbillich darüber gegen unns gehandelt werde 
unnd des din antwurtt by dem bottn. Datum vigilia 
Jacoby anno etc. LXXXIIP.*' 

Hans Bischoff ignorierte dieses Schreiben gleich 
den vorhergehenden. Mit Peter Bischoff aber kam am 
8. August zu Strassburg folgender, für Basel allerdings 
eher ungünstiger, Vergleich zustande: „Es soll Peter 
Bischoff zu sinem burgrecht wider gelassen werden, 
desglichen zu siner zunfft wider kommen; item darzu 
zu siner hab und gut, wie das uff den huttigen tag 
stett, wider inhebig und ingesetzt werden.** Dagegen 



455 

steht Peter Bischoff von dem Verlangen einer Heraus- 
gabe des ganzen von der Stadt seinerzeit konfiszierten 
Gutes ab; ebenso verzichtet er auf eine Vergütung 
der im Exil gehabten Unkosten; endlich — und das 
ist wohl das wichtigste — sagt er sich von Junker 
Friedrich von Bezingen, der sich schon bereit erklärt 
hat, für ihn die Fehde mit der Stadt zu führen, wieder 
los. „Und damit sollen alle ir spenn und zwytracht gentz- 
lich hingelegt, gericht und betragen sin." 

Der Frieden mit Peter Bischoff war somit geschlos- 
sen; dennoch aber scheint er nicht in Basel geblieben 
zu sein, sondern vielmehr nur hier sein Vennögen liqui- 
diert zu haben und dann fortgezogen zu sein ; die Gründe 
dazu sind ziemlich klar. Es ist noch ein Brief erhalten, 
den Bürgermeister und Rat am 26. November an ihn ab- 
sandten, zur Zeit, als sie schon in offener Fehde mit seinem 
Bruder Hans standen ; es wird ihm darin sein Sünden- 
register noch einmal auf das deutlichste vorgehalten. 
Das Schriftstück lautet: „Wir Hans von Berenfels etc. 
lassen dich, Peter Bischoff, wissen dz uns uit zwiflet, 
du ingedenk syest, wie du in vergangener zitt in un- 
seren Ungnaden gestanden us ursach, dir wol kundbar, 
und demnach mit uns gericht bist, doch uuder andren 
al wegen geredt hast : was sich inkünftig nun und her- 
nach erfunden wurd, schuld an der sach haben, dafür 
nit gricht welle sin. Nun band wir Pfefferlin in ge- 
fengknuss, der tauglich dich der geschichten schuldiget 
und anzeiget deren ein anfang gewesen sie, und 
will daruff sterben. Wiewol wir nun glouben wellen, 
es also sye, als du uns dargeben hast, jedoch band 
Avir dir das nit wellen verhalten, sondern zu wissen 
geben ob du verwiudtst noch hütt bitag dess un- 
schuldig, wessen dich mögen verantwuilen und ent- 



466 

schlagen. Datum mittwochen nach Eatherinentag anno 
LXXXIIP." 

Peter Bischoff scheint sich nun dieses Mal allerdings 
nicht wieder haben herauslügen können wie im ersten Ver- 
höre ; ^^^) höchst wahrscheinlich hat er sich überhaupt 
gar nicht mehr ein zweites Mal zu stellen gewagt. Dass 
aber dann in diesem Falle die Stadt wieder zu neuen 
Repressalien ihm gegenüber griff, ist ja nur zu begreif- 
lich. Näheres wissen wir zw^ar darüber nicht, einige 
Andeutungen geben uns allein die Abschiede der am 
27. Oktober 1484 — also fast ein volles Jahr später — 
in Luzern abgehaltenen eidgenössischen Tagsatzung; 
es heisst dort, man solle Peter Bischoff empfehlen, da- 
mit ihm die Stadt Basel wieder geöffnet, oder aber 
sein und seines Weibes Gut wegzuziehen gestattet 
werde. ^^^) Wohin er dann damals gezogen ist, erfahren 
wir nicht; wir dürfen aber doch wohl daraus, dass 
seine Tochter — beiläufig gesagt, wie es scheint, sein 
einziges Kind — in der Folgezeit sich mit einem bi- 
schöflichen Beamten, dem Vogt von St. Ursanne, ver- 
heiratete, mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass er 
sich eben nach St. Ursanne oder doch sonstwo in die 
Nähe der bischöflichen Hofhaltung, die sich bekanntlich 
schon seit 1461 meist zu Pruntrut befand, begeben hat. 

Wir wenden uns wieder zu seinem Bruder Hans. 
Wie wir gesehen haben, ist er nicht miteingeschlossen 
worden in die am 8. August 1483 durch Vermittlung 
der Strassburger zustande gekommene Richtung,"^) die 
den — wenigstens vorläufigen — Frieden z\^ischen 
Basel und Peter Bischoff gebracht hatte, und zwar durch 
seine eigene Schuld; er selbst war davon zurückge- 
treten, weil er hoftte und glaubte, mit Hilfe des mäch- 
tigen Anhanges, den es ihm gelungen war, sich zu er- 



457 

werben, noch bessere Bedingungen von der Stadt er- 
pressen zu können, als die waren, welche sein Bruder 
von derselben erlangt hatte. Schon wenige Wochen 
später, nämlich am 18. Oktober, erliielt der Rat von 
Hans Bischoff folgenden Fehdebrief zugeschickt: „Ich 
Hans Bischoff lass uch, burgermeister, ratt und gantz 
gemeyn der statt Basel wiessen dass ich uwer fint sin 
wil mit minem helffer und helffershelffer und allem 
minem anhang, und aller der uweren, die uch zu ver- 
antworten und zu versprechen sint, umb dass ir mir 
uff min manchfeltige forderung, uch getan, rechts vor 
sint biss uff datum diess brieffs. Und was sich in dieser 
figentschafft begeben wiert oder ist, es wer mit brant, 
raup, dotschlack nit usgenommen, by dage oder nacht ; 
und ob ich eynthe bewamung meher indorfft, wolt ich 
mit diesem minem offenen brieff gedan hau und des 
mir ere bewart gegen uch alle und jegklichem besun- 
ders, den diese figentschafft berurt. Geben under minem 
ingesigel uff sant Luxdag anno dm. etc. LXXXIH." "^) 
Gleichzeitig sandte auch Ludwig von Thann,^*^ der 
für Bischoff die Fehde mit der Stadt führen wollte, der- 
selben folgenden Fehdebrief: „Ich Ludwig von Than 
lass uch, burgermeister, ratt und gantz gemeyn der 
statt Basell wiessen: als ir Hans Bischoff über die 
herforderung und recht gebott, er uch geschriben und 
gethan hatt, und ir im soliches zu dickmalen mit uwerem 
hohem gewalt noch biessher vorgehalten habent, darumb 
verkund ich uch dass ich denselben obgenannt Bischoff 
enthalten han, ^*^) husen und halten wil als lang und 
fiel biess dass im glüchs billichs von uch geschieht; 
solichs wolt ich uch unverkund nit lassen. Gegeben 
under minem ingesigel, gedruckt zu ende dieser schriefft, 
uff sant Luxtag anno etc. LXXXIII." Endlich schickten 



458 

noch zwölf weitere Edelleute kollektiv in einem einzigen, 
ebenfalls von Ludwig von Thann gesiegelten Schreiben 
ihre Absage an die Stadt. Ihre Namen sind: Hans 
Yen der jung, Johann von der Nuwenburg, Conrad von 
Wabern, Reinhard von Wyss, Mathys von Wyss, Fried- 
rich von Atzemith, Stoffel Gnor, Johann Schieid, Peter 
Ernss, Johann von Triech, Reinhard von Triech und Jo- 
hann von Rod. Ueber diese Leute ist nicht viel zu sagen; 
mit Ausnahme vielleicht von Johann von der Nuwen- 
burg, Conrads von Wabern und der beiden von Wyss ***) 
gehörten sie eben zu jener Gattung von Abenteurern, 
welche in den fortwährenden Fehden jener Zeit ihr 
Auskommen fanden, indem sie bald diesem, bald jenem 
als Söldner dienten. Da nun die damalige Kriega- 
fiihrung wesentlich auf Raub und Brand beruhte, also 
auf Thaten, welche nach gemeinem Recht als Verbrechen 
bestraft wurden, so musste jeder, der frei\\illig in einer 
Fehde half, vorher persönlich „seine Ehre wahren," d. h. 
seinen Namen auf einem Fehdebrief dem Feinde zur Kennte 
nis bringen. Wer diese Förmlichkeit unterliess, der 
musste gewärtig sein, vom Feinde — wenn gefangen — 
als Strassenräuber gerichtet zu werden. Deshalb enthalten 
solche Fehdebriefe in der Regel ganze Reihen sonst sehr 
obskurer, oft abenteuerlich klingenden Namen. ^*°) 

Der Rat von Basel antwortete Ludwig von Thann auf 
seinen Fehdebrief sofort mit folgendem Schreiben : ^Wir 
Hanns von Berenfels, ritter, burgenneister und der ratt 
der statt Basel lassen dich, Ludwig von Tan zu Tang- 
stein, wissen dz wir diu offenn brieff, des datum wiset 
uff sannt luxtag diss nachgeschriben iares, uff hutt 
datum empfanngeu haben, unnder anderem anzogende, 
nachdem wir Hanns Bischoff über die erforderung unnd 
rechtbott, unns bescheen, und wir im solichs zu dickem 



459 

malen mit unsenn hochen gwalt noch bissher vorge- 
halten haben sollen, dz dn denselben Hannsen Bischove 
enthalten habest, husen. unnd hofen wollest als lanng 
und vil biss das im glichs billichs von unns beschee, 
wie denn das din brieff usswiset, bieten wir uns ye 
versechen vor und ee du dich sin gen unns angenom- 
men, du bettest unns zuvor geschriben unnd unnser 
antwurtt dagegen vernommen; denn wir ye glouben 
wollen, wa du Hanns BischoiFs verhanndlang unnd wes 
wir gegen im inganugen sind, unns ouch gegen im er- 
botten haben, unnd was an im ervunden ist, warlich 
bericht werest, du bettest dich sin so wytt nit unnder- 
zogen, werest ouch zu solhem schriben nit bewegt, denn 
sich keins wegs eiHnden sol noch mag im recht vor- 
gewesen sin, sonnder das recht, so er ufi* unnsern guten 
ftnnd von Strassburg ^*^) one alle furwort furgeslagen hatt, 
haben wir guttlich uflfgenommen, ouch sy umb beladung 
des rechten unnd tag setzen gebetten. Er ist aber 
davon gefallen, vermeinende in des sinen vor inzesetzen, 
des aber wir nit gemeint haben schuldig sin, unnd 
unns darumb uff dieselben von Strassburg oder unnser 
gutt frund von Colmar zu recht erbotten haben, er- 
kennen ze lassen ob wir solich insetzung schuldig weren 
oder nit, des er sich doch aber gespertt unnd nit uff- 
genommen hatt, also daz der brüst des rechten an im 
und nit an unns gewesen, als denn solichs dem wol- 
gebomen hern Oswalden Grafen zu Tierstein, obersten 
houptman unnd lanndvogt etc. wissend ist. Darumb 
so begeren wir an dich, in nachmals daran ze wisen, 
sich solicher furgeslagner rechtbotten eins, deren wir 
im nit vorsin wellen, nachmals von unns bringen zu 
lassen unnd sin muttwillig vyndtschafft abzestellen ; wo 
aber solichs sin meynung nit wer, in darüber wider 



460 

unns nit ze enthalten, als du denn selbs erwegen magst, 
billich beschicht, wollen wir gen dir guttlich erkennen, 
unnd begeren des din antwurtt by dem botten. Geben 
unnd unnder unnser statt secret inngesigel besigelt uff 
der XI"^ megden tag a« LXXXIII^" Tags darauf 
schon schrieb dann der Bat in derselben Angelegenheit 
auch an Graf Oswald von Tierstein: ^*^) „Wolgeborner 
her, etc. Ir sind, als unns nit zwyiFelt, uss vilfaltiger 
Übung, bissher verloffen, gnügsamentlich bericht des 
fumemens unnd hendel Hannsen Bischoffs, des metzigers 
unnd was sich sinthalb bissher begeben hatt, w^ie ouch 
gen im innganngen sind, ouch erbotten haben. Ueber 
solichs alles hatt er unns unnd den unnsem für sich, 
sin helffer und helffershelffere unnd allem sinem anhang 
uff gesterigen tag ein vintschafft zugeschriben, der ur- 
sach im bissher rechts vorgewesen sin, wie denn das 
sin vynndsbrieff auzeygt, '*') daz wir aber annders nit 
denn für ein muttwillig vyndtschafft achten können, 
denn im rechts bissher vorgewesen sin, werden wir 
unbillich beschuldiget, sol sich ouch in warheitt njTuer 
erfinden, als uch am meisten wissend; denn daz ist 
war: als er unns nach vil henndel zuletzt das recht 
uff unnser gutten frunde unnd getreu wen puntgenossen 
von Strassljurg gebotten hatt, da haben wir solichs 
uffgenommen, uch das zugeschriben, ouch daruff die- 
selben unnser gutten frund von Strassburg umb be- 
ladung des rechten und tagsatzung gebetten, als sich 
w^arlich erfinden sol. Und wiewol er solich rechtbett 
on einich furwortt getan, wir ouch das also uffgenom- 
men haben, yedoch ist er davon gevallen unnd hatt 
gemeint im das sin by unns zuvor volgen ze lassen 
oder in darin setzen, das wir doch nit gemeint haben 
schuldig. Doch damit er nit flucht des rechten haben 



461 

mocht, ouch brast des rechten an unns nit were, sunn- 
der unnserthalb all billikeit vermerckt werde, haben 
wir unns solich insatzung, ob wir die schuldig weren 
ze tun oder nit, zu recht gebotten uff die gedachten 
unser frunde von Strassburg, oder, wa im das gemeint 
were, uff unnser glitten frund von Colmar, ouch uch 
das zugeschriben ; er hatt aber deren keines wollen 
uffnemmen, sundern ist der brüst des rechten an im 
und nit an unns, wirt ouch durch Ludwigen von Than 
wider unns enthalten, als er unns denn solichs selbs 
zugeschriben hatt. Wann nun die loblich Verein unnder 
anderen usswiset, daz dhein teil, in derselben begriffen, 
des anndem teyls vyend in sinen lannden, herschafften, 
stetten oder gebietten weder husen, hoven, atzen, 
trencken, hin oder furschieben, sundem sich deren müs- 
sigen und entslagen solle; harumb so bitten wir uch 
als oberster houptman unnd landtvogt mit hochem vlyss 
in unnser gnedigen heren von Osterreich furstenthum 
unnd landtschafft ze besorgen dem vermelten Hansen 
Bischoff, sinen helffern und anhengeru darinn noch da- 
durch dheinen furschub ze thund, sy ouch weder husen, 
noch hofen, noch ze enthalten, essen noch trincken ze 
geben, sundem deren gentzlichen ze entslachen als ir 
selbs verstanden billich beschicht, wir uch des gentz- 
lichen vertreuwen und zu uch verlassen, uch hierinn 
so guttwillig erzeigende ir weiten in sogetanen Sachen, 
ouch tetten, begeren wir umb uch mit willen altzytt 
zu dienen. Geben uffmittwuchen XI™ virginum anno etc. 
LXXXm^ Hanns von Berenfels, ritter etc." 

Aehnliche Schreiben giengen femer noch an sämt- 
liche weitere Glieder der niederen Vereinigung ab. End- 
lich wandte sich Basel in eben dieser Angelegenheit auch 
an die Eidgenossenschaft: unter den Abschieden der 



462 

am 14. Januar 1484 zu Münster abgehaltenen Tag- 
satzung findet sich auch ein Bericht der Basler über 
„die vergicht und die ansleg, die der Pfefferlj^ und die 
Bischöffe von Basel gegen denselben Käthen, sj' zu 
überfallen und ze erstechen vergehen und gehandelt 
haben sollend," mit Begehren, dass man sie in dieser 
Sache „verantworte",^") was ihnen zugesagt wird. ^^") 

Trotz ihres energischen Appelles an das Pflichtgefühl 
des Grafen von Thierstein, als obersten Hauptmannes der 
niederen Vereinigung, hatten die Basler von ihm in dieser 
Sache doch nicht viel Gutes zu erwarten. Ueberhaupt 
zeigte sich, wie durchaus ungenügend und unzuverlässig 
der Schutz war, den bei ihrer lockeren Organisation die 
niedere Vereinigung ihren einzelnen Gliedern zu ge- 
währen im Stande war. Besonders schlimm waren dabei 
allerdings gerade die Basler gestellt dadurch, dass ihr 
alter Gegner an der Spitze des Bundes stand; immer- 
hin werden sie, obwohl sie, eben im Hinblick darauf, 
die Lage nicht gerade optimistisch ansahen, es wohl 
kaum erwartet haben, dass Graf Oswald, statt sie in 
diesem Handel zu schützen, wie es seine Stellung ilim 
eigentlich vorschrieb, sich soweit vergass, dass er sogar 
ihren Feinden, wo er nur vermochte, Vorschub leistete. 
Es ist daher nur allzubegreiflich, dass die Stadt nach 
den schlimmen Erfahrungen, die sie mit dem niederen 
Verein gemacht hatte, sich nach einem anderen, festei-en 
Halt und Rücken umsah und glaubte den im oberen 
Bunde, demjenigen der schweizerischen Eidgenossen- 
schaft, gefunden zu haben. 

Als schon bald nach Ausbruch der Fehde, nämlich 
am 23. Dezember („mentäg nach St. Thomae apostoB") 
1483 zu Schlettstadt ein Tag der niederen Vereinigung 
stattfand, gab der Rat der Stadt Basel seinen Abge- 



463 

sandten dorthin folgende Instruktionen mit, die ein 
grelles Licht werfen auf die damaligen Zustände, und 
speziell auf das Verhältnis zwischen Basel und Graf 
Oswald von Tierstein, und die wir deshalb, obgleich 
sie viel schon Bekanntes bringen, dennoch hier im 
Wortlaut folgen lassen?') Es heisst da: „Vor der ver- 
eynung ufi* dem tag zu Sletstat sol man anbringen als 

hernach volget: darnach erzalen Hausen Bischoffs 

täte, sine flucht in die fryheit, wie er von dannen 
kommen sige gein Enisisheimb, daselbs mit siner mistat 
in schirm genommen und burger etc. im etliche briefe 
gegeben zu geleit und zu angriff, wie er sich semlich 
briefe beholffen und gerumt hatt, und rechtbott furge- 
slagen, davon gefallen, etc. und unbewamet angriffen 
hatt, als das die briefe wisend, etc. sol man begeren 
das der lantvogt die unseren enthebe Schadens und das 
Hanns Byschoff nit uffenthalten sundem gefangen und 
von im geurteylt werd nach siner schuld und rechts 
recht. Item man sol erzalen Hans Pfefferlins handel 
und vergicht, wie er vigend was und wie man den ge- 
sucht habe etc. mit begerung den lantvogt ze wisen 
von sinem furnemen. Wider den lantvogt: Er hatt 
Hans Bischoffen in schirm und burger uffgenommen, 
im underschleyff, bistand und briefe gegeben; er hatt 
dem angriff nit nachgeeylet, ouch nit derglichen geton. 
Er hatt Pfefferlin uffenthalten, er hatt das geleit ab- 
geslagen, er hatt den feilen kouff abgetan, ^^^ etc. 
Item wie Hans Bischoff umb argwenig Sachen etc. sich 
von Basel getan, manigerley clag angenommen und recht- 
botten uff ein statt von Strassburg etc. davon gefallen, 
wollen zuvor ingesetzt sin, etc. Da soll man lossen 
hören die missiven gein Strassburg, Ludwigen von Tan, 
etc. zugesant. ^^'^) Item über solichs hat Hans Bischoff 



464 

angriffen vor und ee der vyendtschafft in dem forsten- 
tum, hatt gehept underschleiff und noch ze Hapich- 
stein, ***) Heimersdorff, Ottendorf ^^*) wider die lobliche 
vereynung. Der begerung daran ze sind und ze ver- 
schaffen der unser ledig werden on entgeltnis, Hans 
Bischoff dhein underschleiff oder uffenthalt gestattet, 
sunder gehalten werden als der, der ein unredlich, 
mutwillige vyendtschafft gebracht, darumb gestrafft nach 
siner mistat an allen gerichten, wo er mag ergi-iffen 
werden, etc. Item man sol reden wie Hans Bischoff' 
ze burger uffgenommen und eynen brief hat, etc. wie 
wol solichs abgetan ist, hat er doch den brief noch. 
Item, ob die antwurt wirt, man will den dingen 
nachkommen, soll es daby beliben, ob aber sie ander 
antwurt geben werden, soll man reden wie man es 
nit erlide und wolle ratt haben und die ding witer 
bruchen; ob aber iemand gewin missfallen, so hett 
man es davor gesagt. Ob aber notdurfft erfordert, 
sich vor dem lantvogt zu beclagen, soll man melden 
. . . wie er Hans Bischoff in hangender sach und 
spen hat uffgenommen ze burger wider die bericht, 
ouch wider die vereynung, und im erloupt anzegriffen, 
etc. Item wie er der stat hat^^'*) abgeslagen das ge- 
leit zu geben. Item wie er gestattet die von Basel 
ze vahen und hinzefuren in der lantschafft und tut 
ntidt darzu." 

Die „Memoria uff den tag gen Nuwenburg** ^^^ 
lauten fast wörtlich gleich wie die eben gebrachten 
für den Tag zu Schlettstadt ; wir können dieselben da- 
her hier füglich übergehen. Dagegen dürfte es von 
Interesse sein, den Bericht zu vernehmen, den nach 
ihrer Zurückkunft die Basler Boten über die auf diesen 
beiden Tagen gepflogenen Verhandlungen dem Rate 



465 

vorlegten. Sie lauten: „Zum ersten" sei da vorge- 
bracht worden, „uff anbringen der statt Basel, antref- 
fend Hansen Bischoff, der sich von der statt durch sin 
ftirgenommen uffrure enthan, vor der absagung die 
ihren gefangen, geschätzt und über schrifftlich bit durch 
Ludwig von Than enthalten, mit begeren, wo derselb 
inn der vereyn oder landtschafft Osterrich hergriffen, 
uff recht zu banden zu nemmen, ouch in crafft der 
verschribung, dwil niemans nochgevolgt, zu verschaffen 
dieselben gefangen der engeltnuss ledig. Item Hanns 
Pfefferlin antreffennd, der mitsampt Hansen Bischoff 
unnd andern irem anhange understanden den Ratt von 
Basel zu überfallen und sich von der Statt entthan .... 
den sie nu uss irer notdurfft inn einem dorff, unnserm 
gnedigen herren landvogt zustande, zu iren banden ge- 
nommen, darumb dann sin gnode inen geschriben in 
meynung denselben wider zu banden und ennde er ge- 
bifengt zu stellen, mit beger unseren gnedigen herren 
landvogt daran zu wisenn, von sollichem fumemen zu 
standen, und besunder das sin gnode daran sin den 
brieff, so dann Hansen Bischoff gegeben, die von Basel 
dadurch inn die landtschafft Osterrich zu recht anfal- 
len mögen, dass derselb brieff herussgeben 

Darüff hatt unser gnediger her landvogt unnder andrem 
roden losenn mit entschuldigung, do by endeckt, was 
sin gnode ouch durch mitteil weg gesucht den unwillenn 
gegenn der statt Basel und Hansen Bischoff gütlich 
hinzulegen, besunder ouch nit wissenn gewesen Hansen 
Bischoffs furnemen der gefangenen halb, und desshal- 
benn nit vermeinen schuldig dieselbenn on entgeltnus 
ledig schüffenn. Darzu, dwil Hansen PfefferUn uss sinen 
gebieten und rechtenn hingefurt, hofft er die von Basel 
daran zu wisenn denselbenn wider an das ennde, do 

Beiträge XV. 30 



466 

er gebyfenngt, zu stellen unnd des preudss halb, an 
siner herlicheit begangenn, abtragk zu tünde unnd ob 
sü vermeinen nit billich desshalbenn, ettlich rehtbott 
fUrgeschlageu. Demnach habennt die senndbotten nach 
verhörung beider teil furwendenn die ding genommen 
hinder sich an ir herren zu bringenn, do sy geratslagt 
das unnser gnediger herre von Strassburg inn kurtzem 
die vereine, ouch bede parten uff einen komlichen tag 
beschribenn furter inn den sachenn zu rattslagenn, was 
gut sy und witer." ^^®) 

Die ebengenannten Vorstellungen der Basler, so be- 
rechtigt sie auch sein mochten, waren dennoch nicht 
von Erfolg begleitet, eben hauptsächlich darum, weil 
Graf Oswald im geheimen Hans Bischoff und dessen 
Anhängern jeden nur möglichen Vorschub that. Die 
Fehde ging daher ihren Weg fort; immer mehr Leut-e 
schlössen sich im weiteren Verlauf derselben Ludwig 
von Thann an. Schon am 18. Januar 1484 erhielt die 
Stadt neue Fehdebriefe von Gilgbrecht Schouff und 
Eeinhard von Sreins ; ebenso erneuerten an eben diesem 
Tage die schon früher (Seite 458) genannten Gefolgs- 
leute Ludwigs — wiederum in einem Kollektivschreiben 
— ihre Absage an den Eat.^^'^ Neben Ludwig von 
Thann warb nun aber auch noch ein anderer Herr: 
Hans Thüring von Fridingen, im Namen Hans Bischoffs 
Söldner zum Kampfe gegen die Stadt Basel. Es werden 
als seine Anhänger genannt: Hans von Pfaffenzeil, 
Maitin Bellek, Berchtold Spurius, Claus Ganser, Erhart 
Franck, Egken Kischacher, Henslin von Schramberg, 
Hans Bott und Eitterhans; wie ihre Namen anzeigen 
zum Teil Leute aus sehr vornehmer Familie — so nament- 
lich die Fridingen ^^^) und Eischach ^®^) — zum Teil 
auch Basler Bürger, wie z. B. Spurius. Jedoch gelang 



467 

es der Stadt, durch Vermittlung Wendeis von Hom- 
burg schon am 17. Januar 1486 sich mit Fridingen und 
dessen ebengenannten Anhängern zu vergleichen. "^ 
Länger dauerte die Fehde mit Ludwig von Thann, 
sogar über Hans BischoflFs, des Urhebers derselben, Tod 
hinaus, und erst nachdem auf beiden Seiten mehrere 
Gefangene gemacht und man sich auch sonst gegen- 
seitig auf mancherlei Art und Weise geschädiget hatte, "') 
wnrden wirklich ernstliche Versuche zur Beilegung des 
Streites gemacht. Der Vermittler war diesmal der 
Bischof von Strassburg, der zunächst am 2. August einen 
Waffenstillstand auf 14 Tage zwischen den Parteien 
vereinbarte ; ^®*) schon Tags darauf, am 3. August 1485, 
kam dann aber zu Zabem auch der endgültige Friedens- 
vertrag zwischen denselben zustande. Seine Bestim- 
mungen sind: Die beidseitig gemachten Gefangenen 
sollen gegen Urfehde und Bezahlung des „tumrechts 
und atzes** freigelassen werden, und wenn auch einige 
der Gefangenen schon geschätzt worden sein sollten, 
so soll das Lösegeld dennoch nicht mehr bezahlt werden ; 
endlich darf keine Partei, noch deren Anhänger an die 
andere weitere Forderungen mehr stellen, sondern es 
soll alle „vehde und vigentschafft" zwischen ihnen 
„dott und abe sin." *®^) 

Was den Abschluss der Richtung erleichtert haben 
mag, war der inzwischen erfolgte Tod Hans Bischoffs. "®) 
Die Fehde mit ihm und Ludwig von Thann hatte also 
volle 21 Monate gedauert und die Stadt arg zu Schaden 
gebracht, sodass sie, um überhaupt nur wieder den 
Frieden zu erlangen, sich schliesslich zur Eingehung 
aller auch nur einigermassen annehmbaren Bedingungen 
bequemen musste. Wir haben dieselben vorhin mitge- 
teilt und gesehen, dass von der ursprünglichen Haupt- 



,468 

forderung von Seiten Basels, nämlich der Bestrafimg 
der Teilnehmer am Aufstand von 1482, dabei gar nicht 
mehr die Rede ist; es handelte sich jetzt nur noch um 
die, anfänglich erst in zweiter Linie kommende Fehde ; 
und auch bei deren Schlichtung mussten es sich die 
Basier gefallen lassen, dass Ludwig von Thann und 
seine Anhänger als der Stadt vollständig ebenbürtige 
Gegner behandelt wurden. Die Frage nach der ersten 
Ursache der Fehde und ob dieselbe überhaupt berech- 
tigt gewesen, wurde eben jetzt gar nicht mehr berührt. 
Es ist dies schon die zweite Niederlage, die die Stadt 
in dieser Angelegenheit erlitt. Dafür aber hatte sie 
im selben Jahre auf einem anderen Gebiete einen ent- 
schiedenen Sieg zu verzeichnen, der jene Niederlage 
reichlich aufwog, indem es ihr nämlich gelungen war, trotz 
der Opposition von selten des Bischofs, die Wieder- 
wahl ihres Kandidaten, eben des von Peter und Hans 
BischoflF und ihrem Anhang so bitter gehassten Heinrich 
Eieher, zum Oberstzunftmeister durchzusetzen."'^) 

Mit einem der Tumultuanten von 1482 aber stand 
Basel noch immer auf dem Kriegsfusse: mit Lieuhard 
von Aarau; wenden wir uns daher jetzt noch ihm zu 
und sehen wir, was aus ihm geworden ist. 

Als die Verschwörung durch Pfefferlin verraten 
worden war, machte er sich gleich diesem und den 
andern in der Geschichte kompromittierten Personen 
aus der Stadt, worauf noch im selben Jahre (1482) vo m 
Eate sein Haus, als das eines flüchtigen Mannes, an 
öflfentliche Steigerung gebracht und dann Hans Irmy, 
des Rats, dem bekannten hervorragenden Basler Staats- 
manne, zugeschlagen wurde. "^ Doch schon bald dar- 
auf erschien er wieder unter dem Schutze eines ihm 
vom Rate ausgestellten Geleitsbriefes in der Stadt, um 



469 

sich daselbst zu rechtfertigen und die Beweggründe zu 
seiner Flucht darzulegen. Es war ihm dies damals 
auch so weit gelungen, sodass ihn die Stadt unange- 
fochten wieder entliess. Als er dann aber — wohl das 
Jahr darauf — durch Vermittlung der Bemer, in deren 
Gebiet er sich niedergelassen hatte, die Basler um einen 
Eechtsspruch bat zwischen ihm und Junker Bernhard 
von Blumenegg, damals Vogt zu Pflrt,'^**) mit dem er 
aus uns unbekannten Gründen in Streit lag, wurde ihm 
derselbe verweigert mit der Begründung, er sei der 
Teilnahme an dem „Mordhandel" von 1482 schuldig. 
Mittlerweile war nämlich, wie wir gesehen haben, 
Pfefferlin ergriffen worden, und hatte in seinem Ver- 
gicht auch gegen Lienhard von Aarau ausgesagt. Dieser 
verlangte deshalb ein zweites Mal unter Zusicherung 
sicheren Geleites vor Bat gestellt zu werden, um sich 
nochmals daselbst und zwar in Beisein von Abgeord- 
neten aus Bern, wegen des Tumultes von 1482 zu 
rechtfertigen. Es wurde ihm zugesagt, und so erschien 
er denn nebst dem Venner Ludwig Tittlinger "*^ 
wiederum in Basel vor Gericht; leider wissen wir 
nicht wann, jedenfalls aber erst nach Pfefferlin's Hin- 
richtung, demnach frühestens im Jahre 1484, wahr- 
scheinlich aber war es noch später. "^) Die Aussagen, die 
Lienhard von Aarau damals über seine Verhandlungen 
mit der Stadt machte, lauten nun folgendermassen "^ : 
„Wie daz er Hannsen Pfefferlin selig und siner mitge- 
sellschaft bösen hendeln unschuldigklich ge- 
schuldiget und beladen wurde, dann er all sin lebtag 
darby noch mit nie gewesen were, euch rat noch ge- 
tat nie geben hette, ^^') und daruff begert Pfefferiis 
vergicht gelesen zu werden. Und als sölich vergicht, 
in welicher er mit namen nit gemeldet noch bestimpt, "*) 



470 

des er fro gewesen were, darzu ouch ein ander ver- 
gicht, so Peter Keller, der mtiUer, getan solt haben, 
inn dero er aber ettlicher massen angezogen wurde, "*) 
gelesen worden weren, hett er ferer darzn geredt: 
„„Nu sye gott gelobt, ist doch Pfefferly ye ein böss- 
wicht, so ist er doch from an mir gewesen, daz er mich 
mit nammen inn siner vergicht nit berürt hatt**" aber 
Peter Müllers (d. h. Kellers, des ClaramtiUers) vergicht 
halb, beschehe im gantz ungütlich, und es sölte sich 
inn warheit niemer erfinden, daz er mit im solich sach 
halb all sin tag ye utzit geredt oder gehandelt hette. 
Und damit der grund der warheit funden würde, hette 
er begert denselben Peter, der denn noch in leben ge- 
wesen were, fiir einen rat daselbs zu beschicken, und 
könde in denn derselbe Peter underrichtten mit im, als 
er von im geseit hette geredt haben. Ob er aber nit 
inn der statt noch zu finden were, des ein tag zwen 
oder drig warten, damit er sich lümbden und ere retten 
möcht, als ouch von stund an ein stattkuecht denselben 
Peter Müller zu suchen geschickt wurde, dem er ein 
crützer geschenckt hett, umb das derselb dester viis- 
siger were; derselb aber in nit finden konnte, als er 
Sprech. Und als er sich obgemelter massen entschul- 
diget und erbotten gehept, da het der genant Ludwig 
Tittlinger in nammen siner hereu von Bern begert, 
dwil er inn Pfeflferlis vergicht mit namen nit stünde 
und sich uff Peter Müllers angeben gnügsamlich er- 
butte, "*) wie obstat, in gnediglich ze bedencken, by 
gemacht bericht beliben zu lassen und also unschuldig 
ze halten. Uff sölichs hette der burgermeister zu Basel 
den obgenanten Ludwig Tittlinger und in heissen uss- 
tretten, und da der rat uffgestund, da wurde inen im 
rathuss durch . . . Lienharten Grieb, der zit zunft- 



471 

meister, *") antwurt geben : sin heren könten in inn 
ansehen des ergangenen handeis nit unschuldig achten, 
und besunder so er geredt habe: ^„Man sölte die ret 
an die zehen hencken"**, "^ desselben er dennzumal 
nit gestendig gewesen, . . . . het ouch solichs nit ge- 
tan, und sich des von stund an für sin heren von Bern 
oder gemein eidgenossen oder für einen grossen rat zu 
Basel zu rechtvertigung erbotten, alda ze erwarten, 
was im da ze lieb und gut bekennt, uif das im kein 
ander antwurt worden noch geben were, müste also 
ungeschaiFt wider von dannen scheiden. Und über solich 
sin mer dann genügsam erbietten hettenn sich die ob- 
genant von Basel an obgemelter beschuldigung nit be- 
nügen lassen, sunder erst und darzu an sin heren von 
Bern schrifftlich begert, in gefengklich anzenemmen und 
in mit rechtvertigung, als sich mit semlichen lüten ge- 
bürt, ze handeln. Und als inen solichs durch sine me- 
gemelten heren von Bern mer denn einmal, mit meidung 
der Ursachen, warumb sich das nit geburt, und ouch 
ettliche rechtbotten, innhalt der schrifften an die von 
Basel desshalb ussgangen, abgeschlagen were, so het 
sy doch daran nit bentiget, sunder betten erst durch 
ir trefflich ratsbottschafft abermalen an sine heren von 
Bern gesunnen, in noch hüt bytag gefengklich anze- 
nemmen und mit im ze handien, wie vorgemelt ist; und 
do inen das nit gelingen mocht, sovil verschafft, daz 
er an die helgen het müssen sweren, so verre er in 
siner heren von Bern landen und gebieten wonen und 
bliben wölt, wider die von Basel nüt denn mit recht 
fttrzenemmen. "*) Uff das het er sine heren von Bern 
angeröfft, dwil er eben swer, durch die von Basel 
siner eren, glimpffe und lumbdens mit Unschulden ge- 
schuldiget und aber des nach zimlichen gestalten nit 



472 

erwisen were, im zu gebürlichem wandel und recht- 
lichem gang der sach zu verhelffen, das sin heren ge- 
than und denen von Basel geschriben und sy gebetten 
hetten, im nochmalen eins zimlichen rechtens nit vor- 
zusin und das gegen im an gebürlichen enden zu er- 
statten "^) Da betten sy (d. h. die Basler) 

sich .... erbotten im umb sin Zuspruch vor den er- 
samen, wisen, meister und rate zu Colmar oder, wo im 
das nit gemeint were, vor dem wolgebomen heren 
Wilhelm, graven zu Tierstein *®^) etc. an welchem der 
enden einem im das geliebte, gerecht zu werden, des er 
uff den yetz genanten graff Wilhelm kommen, und als 
derselb graff Wilhelm usser land, ee er umb beladnuss 
des rechtten gebetten, geritten, und sin zukunffit nit 
wissenlich — als er auch siderher nit im land ge- 
wesen were — het er, als der so swerlichen siner 
eren mit Unschuld beladen und damit siner gewerben 
und fryer wandeln gehindeit und des zu verderplichem 
schaden mit letzung sins lumbdens gefürt were, da- 
mit die sach zu end käme, so vil angerufft und ge- 
handelt, daz solich rechtbott uff . . . schultheiss und 
rat zu Rinfelden kommen und bracht und also durch 
die von Basel angenommen, wie denn das alles ir ge- 
schrifften, desshalb über und über ussgangen gar eigent- 
lich .... anzongen (sie) werent ^®^) wölt also hoffen 
und getruwen, dwil die von Basel in mit Unschulden 
eines morthandels und verreterye, des im sin sei, lib, 
ere, glimpff und gut beruren, er ouch des zu armut, 
eilend und teglich beschrien gewesen were, beschul- 
diget betten und im rechts an zimlichen und billichen 
enden so lang vorgewesen werent, mit recht erkennt 
solt werden, daz sy im ker und wandel, mit ablegung 
costens und Schadens tun sollen, als er ouch das durch 



473 

uns (d. h. Schultheiss und Rat von Rheinfelden, vor 
denen, als den. durch Lienhard von Aarau erbetenen 
Schiedsleuten, alle diese Verhandlungen gefuhrt wurden) 
zu erkennen begerte." 

Die Abgesandten Basels — ausser dem schon ge- 
nannten Lienhard Grieb noch der alte Oberstzunft- 
meister Heinrich Rieher und der Stadtschreiber Nikiaus 
Rüsch — erwiderten auf diese mannigfachen Anschul- 
digungen folgendes : Was Lienhards von Aarau Be- 
hauptung betreffe „wie im, als er mit Ludwig Titt^ 
linger, dem venner von Bern, vor gesessnem rat zu 
Basel erschinnen, Pfefferiis selig vergicht, inn dero er 
mit namen nit bestimpt, des er fro gewesen were, dess- 
glichen Peter Kellers, des mtiUers vergicht vorgelesen 
sin, und daz nach verbörung solicher vergichten und 
siner antwurt, ouch des venners bitt, sy beid wurden 
geheissen usstretten, und nach endung des rats inen 
unden im rathuss antwurt geben, wie dann durch in 
gemeldet were, möchte sin, im were dennzumal anfengk- 
lich die vergicht, so vor offnem rechten, do man Pfeffer- 
lin flir recht gestellt und verurteilt hett, darinn weder 
Lienhart noch andere, nit on ursach, bestimpt weren, 
vorgelesen, und als Lienhart dennzumal gemeint het, 
in solicher vergicht nit mit namen bestimpt sin, noch 
in die berüren solte, .... da betten ir heren in heissen 
usstretten und den venner by inen behalten, und damit 
derselb venner der geschieht, ouch Pfefferiis vergicht 
grundlicher bericht wurde, demselben venner die ver- 
gicht .... als die wäre vergicht, darinn Lienhart von 
Arow und andere bestimpt weren, eigentlich von wort 
zu wort gelesen; ^®^) und als derselb venner under 
anderm inn solicher vergicht hörte, daz Pfefferly selig 
uff Lienharten von Arow und die andern in solicher 



474 

vergicht domals bestimpt, ungezwungen und ungetrungen 
veriehen het, by sölichen anschlegen gewesen sin, dar- 
zu geholfen und geraten haben, .... hette derselb 
venner daruff geredt; dwil er nu die vergicht, ouch 
bestymmung Lienharts von Arow also gehört hett, so 
Hess er Lienharten das selbs verantwurten. Und als 
dennzumal mit demselben venner vil geredt, da so 
wurde er ouch geheissen usstretten, und nach Voll- 
endung des rats Lienharten geantwurt, wie durch sin 
fursprechen angezogen were und dessmals sinthalb 
nützit entlich beslossen, ungezwifelt, wo der venner 
nit so eigentlich und gruntlich des handeis bricht worden, 
er nit witter bittens abgestanden, sunder darnach wider 
für ir heren kommen, das aber nit beschehen, sunder 
also von dannen gescheiden were." Lienhards ferneres 
Verlangen, vor den grossen Rat der Stadt gestellt zu 
werden, hätten sie ihm, wie sie weiter ausführten, ab- 
geschlagen, „dann . . . flii einen grossen rat zu recht 
zu kommen were by inen nit bruchig noch inn Übung, 
sunder wider ir statt recht und harkommen, ouch ir 
fryheit, domit sy loblichen begnadet weren ; und soverre 
er sölichem rechten vor irem Stab statthun und des, 
wie obstat, erwarten wölt und inen das innerthalb vier- 
zehen tagen zuschrib, ouch umb tagsatzung anrufft und 
bete, so möcht er iren und der iren halb ungeverlich, 
fry und sicher wefern und wandlen, ^®*) doch dem rech- 
tten und was im mit recht zugeteilt wurde, unver- 
griffen und on schaden.** Er habe es aber vorgezogen, 
nicht mehr vor Rat und Stab der Stadt zu erscheinen, 
sondern habe sich wieder an die Berner und die üb- 
rigen Eidgenossen gewandt mit der Bitte, ihm dazu zu 
verhelfen, dass ihm die Stadt Basel wieder geöflfhet 
werde, bis er endlich, als er sah, dass die Basler in 



475 

diesem Punkte fest blieben, an ein Schiedsgericht ap- 
pellierte, wozu also auch sie, die Basler, sich einver- 
standen erklärt hätten, obgleich sie durchaus nicht dazu 
verpflichtet gewesen seien, nur damit sie der Vorwurf 
nicht treiFe, sie seien ihm Rechts vor. 

„Dargegen der obgenant Lienhart wie vor reden 
liess .... es sölte sich inn warheit niemer erfinden, 
PfeiFerlin selig utzit u£F in veriehen haben; denn wo 
dem also gewesen, so were er inn der vergicht, so 
oiFennlich vor gericht gelesen were, do mann Pfeffer- 
lin selig gerichtet het, als wol als andere so dennzu- 
mal genempt wurden, dessglichen inn der vergicht, so 
im der rat zu Basel inn bywesen des venners von Bern 
gelesen, bestimpt worden, das aber an keinem end be- 
schehen were. Und ob doch Pfefferly selig uff in ver- 
iehen het, das er hüt noch niemer mer gloubte, so 
were billich gewesen, daz die von Basel im solichs, 
dwil er sich vomacher selbs mündlich vor einem ge- 
sessnen rat entschuldiget het, by Pfefferiis leben, als 
wol als Peter Bischoffen, den Pfefferly selig angeben 
het, dem sy geschriben und sich ze entschlahen geleit 
geben, *®^) zu wüssen geton betten .... Zudem so 
were Pfefferly selig ein verachtteter, verschetztter, ver- 
zalter und erloser mann gewesen, der umb sin misstat 
und Verhandlung sin lib und leben verwürckt hett, 
dem nach keyserlichem rechtten nit zu glouben, als 
ouch keinem einigen, ob doch der vast from und uner- 
lumpt were, inn sogetanen Sachen, die lib und leben 
und eins guten liimbdens antreffen, zu gloubende sye; 
ouch bestünde "*) er nit, daz der venner one sin 
bywesen im rat zu Basel bliben und daz demsel- 
ben ein ander vergicht verlesen were, und daz der- 
selb darüber geantwurt het, wie die von Basel mel- 



476 

detten, sölt sich ouch nit erfinden, sölichs besche- 
hen sin." 

Die Basler antworteten darauf: „Als Lienhart mel- 
dette, in Pfefferiis vergicht, als die an offenem rechtt«n 
do man Pfefferlin richten wölt, gelesen wurd, er nit als 
ander bestimpt sin, etc. were nit one ursach beschehen, 
denn es werde weder by ftirsten, heren, stetten noch 
lendem gebrucht, wo einer also verlümbdt oder dar- 
geben wnrde, schuld einer getat haben, den offennlich 
vor menglichem , zu nennen; denn wenn das also be- 
schehen solt, würde ein jeglicher übelteter gewamet, 
und möcht das übel nit mer und kümberlich gestrofft 
werden.** Als Beweis dafür aber, dass Pfefferlin bis 
zu seinem Tode an seinen vor dem Rate abgegebenen 
Aussagen geblieben sei, legten die Basler nun noch 
drei vom Official des bischöflichen Hofes aufgenom- 
mene Kundschaften in einer vom Notar beglaubigten 
Abschrift vor. ^^^ 

Das Urteil des Schiedsgerichts lautete dann dahin, 
dass „burgermeister und rat der statt Basel von des 
egenanten Lienhart, des clegers, clag und anfordrung 
ledig und unemprosten, und daz yeder teil sinen costen 
und schaden an im selbs haben solle." *®®) Also noch 
ziemlich günstig für Lienhard von Aarau; der Grund 
dafür dürfte wohl der gewesen sein, dass eben nach 
der Auffassung der Schiedsleute die Basler damit, dass 
sie Lienhard seinerzeit in Basel nicht das wirkliche 
Vergicht Pfefferlins vorgelegt hatten, doch nicht ganz 
korrekt gehandelt hatten. Daneben aber hielten die 
Basler Lienhard gegenüber an dem Verbot, ihre Stadt 
wieder zu betreten, fest, und als er sich dann einige 
Jahre später — 1497 — dennoch in derselben blicken 
Hess, wurde er sofort gefangen gesetzt, aus Gnade dann 



477 

aber gegen Urfehde bald wieder freigelassen. ^^^ Es 
ist dies, so weit ich sehen kann, die letzte direkte 
Hindeutung auf die Verschwörung von 1482. 

Wir sind damit an den Schluss unserer Darstellung 
gelangt. Eine Bemerkung möge mir aber noch ge- 
stattet sein : Bekanntlich wird immer darauf hingewiesen 
— und zwar mit vollem Recht — wie, zum Teil schon 
seit der Schlacht bei St. Jakob an der Birs, bei der der 
Heldentod der Eidgenossen die Stadt gerettet, nament- 
lich aber seit dem Burgunderkriege, den die Basler 
Seite an Seite mit denselben Eidgenossen gekämpft 
hatten, die Zünfte und Handwerker Basels, vorab 
die Metzger, ^•^) mit Ungestüm zum Anschluss an die 
Eidgenossenschaft drängten und damit eben auch zur 
Emanzipation vom Bischof und vom Adel. In der Ge- 
schichte des Tumultes von 1482 aber haben wir das ge- 
rade Gegenteil davon sich vollziehen sehen: hier sind es 
die Metzger, die auf Seiten des Bischofs und des Adels 
stehend, der städtischen Regierung Opposition machten, 
und die dabei einen grossen Teil der Bürgerschaft, nament- 
lich der sogenannten kleinen Leute, hinter sich hatten, 
bei vierhundert Männer, wie sie selbst prahlten. ^^^) Die 
beste und einfachste Erklärung dieser doch im höchsten 
Grade auffallenden Thatsache dürfte wohl die sein, dass 
die Leiter der Bewegung, d. h. also die Brüder Bischoff, 
einesteils aus tiefgewurzeltem persönlichem Hass gegen 
einzelne Glieder der Regierung, wie namentlich gegen 
Rieher, andrenteils aber auch aus verletztem Ehrgeize 
und im Bestreben, eine Rolle zu spielen, vom eidgenös- 
sischen Lager, wohin sie doch die Tradition in ihrer Zunft 
hinwies, ins kaiserliche übergegangen waren. Daneben 
aber ist, wie schon früher angedeutet wurde, natürlich 
nicht ausgeschlossen, dass auch Bischof Caspar ze Rhin 



478 

unter der Hand durch seine geheimen Agenten und 
Vertrauensmänner, unter denen also einer der wichtigsten 
der Kronenwirt Adam Walch war, das Feuer zu schüren 
versuchte. Die Möglichkeit, dass die Brüder Peter und 
Hans Bischoff im Solde Caspars ze Ehin standen, ist 
durchaus nicht ohne weiteres von der Hand zuweisen; 
ihre engen Beziehungen zu Adam Walch sprechen doch 
eher dafür als dagegen. Auf die grosse, urteilslose, 
leicht umzustimmende und erregbare Masse waren dann 
die Schlagworte von den zu grossen Steuern, die ge- 
zahlt werden müssten, vom Staatsschatz, der verschleu- 
dert würde u. s. w. berechnet; sie haben, wie immer, 
auch damals ihre Wirkung nicht verfehlt. Auf diese 
Weise erklärt es sich leicht, wieso es Peter und Hans 
Bischoff gelungen ist, in verhältnismässig kurzer Zeit 
einen so grossen Anhang aus den unteren Schichten 
der Bürgerschaft sich zu erwerben. 



Anmerkungen. 



') Cfr. Arnold : „Zur Geschichte des Eigentums in den deut- 
schen Städten" (Basel, 1861), pag. X: „Cöln war vielleicht im 
12. Jahrhundert schon so weit, wie Frankfurt im 14. Und doch 
zeigt Frankfurt wieder vorgeschrittenere Verhältnisse als Basel,** 
o. 8. w. Aehnlich auch schon Roth v. Schreckenstein : „Das Patriziat 
in den deutschen Städten." 

*) Cfr. Karl Vischer - Merlan in den Beiträgen zur vater- 
ländischen Geschichte, Bd. 12, pagg. 249 und folgende : „Die Glas- 
gemälde von Meltingen und ihr Stifter Hans Imer von Gilgenberg, 
Büi^ermeister von Basel." 

») Cfr. Basler ürkundenbuch VII, No. 48. 

*) Weder Wurstisen in seiner Chronik, noch Ochs erwähnen den 
Aufruhr, ebensowenig der bekannte codex S. 2 der vaterländischen 
Bibliothek, dem wir doch sonst so manche wichtige Notiz gerade 
aus dem XV. Jahrhundert verdanken. Später freilich muss Wurst- 
isen davon Kenntnis erhalten haben, wie eine kurze Notiz auf einer 
der letzten Seiten seines, jetzt im historischen Museum befindlichen, 
handschriftlichen Wappenbuches beweist, auf die wir daher später 
noch ausführlicher zu sprechen kommen werden. Erst Boos hat 
dann wieder, so viel ich sehe, freilich nur mit ein paar Zeilen, 
auf dieses Ereignis hingewiesen, auf pagg. 378 und 379 seiner „Ge- 
schichte der Stadt Basel im Mittelalter." 

*) Cfr. St. Leonhard Urkunden, No. 809, laut welcher anno 
1481 Peter BischofF Zinse verkauft „ab dem huss und gertlin mit 
yrer zugehörung, genannt Fryburgershuss, als die in der statt Basel 

an den Spalen, zera steini crutz gelegen, nach lutt des hopt- 

brieffs, so in von Heinrich Bischoif, ßinem lieben vatter seligen, in 
erbswyse ankommen." — C fr. femer St. Peter E, fol. 76^, zum 22. Mai: 
„Anno domini MCCCCXLV Heinrich Byschoff, carnifex, adhuc vi- 
vens, statuit pro se et Agnete et Margaretha, successive suis ux- 
oribus legitimis, ac pro Petro Byschoff, eciam camifice, eins patre, 
necnon Ennelina, ipsius matre, ac Petro eiusque fratre, ac Agnete, 
einsque uxore, necnon omnium progenitorum ac successorum anni- 
versarium." 



480 



•) Von 1409—10 war er ein erstes Mal Meister, von 1411— U16 
ein erstes Mal Ratsherr, von 1417—1418 ein zweites Mai Meister, 
endlich von 1419 — 1434 ein zweites Mal Rat«herr seiner Zunft 
(cfr. Schönberg „Finanzverhältnisse der Stadt Basel im XIV. und 
XV. Jahrhundert," pagg. 775—784). 

Cfr. Schönberg, pagg. 525 und 538. — Der absolute Geld- 
wert des Guldens war 1429 = Fr. 7. — ; den Gebrauchswert des- 
selben aber dürfen wir wohl auf zirka Fr. 50. — ansetzen, sodass 
2000 Gulden etwa 100,000 Fr. entsprechen würden (cfr. Geering 
„Handel und Industrie der Stadt Basel," pagg. XXIII und XXIV). 
®) lieber die Vermögensverteilung in den einzelnen Zünften cfr. 
Geering, pag. 48. 

•) Cfr. Karl Vischer-Merian „Henman Sevogel von Basel und 
sein Geschlecht," pag. 90. 

^ö) Cfr. Domstift F, fol. 18^ — üeber das Geschlecht der 
Nordgassen, das im Mannsstamme schon zu Ende des XIV. Jahr- 
hunderts mit Ritter Sifermann v. N., der daher wohl Suselins Vater 
war, ausstarb, cfr. Kindler von Knobloch „Der alte Adel im Ober- 
elsass," pag. 62. 

") Cfr. Leistungsbuch II, fol. 60 ^ Wir bringen hier den voll- 
ständigen Text des interessanten Schriftstückes; es lautot dasselbe: 
„Von den vier pancr wegen. — Annö dm. millesimo quad- 
ringentesimo decimo, do her Johans Ludman von Ratberg burger- 
meister was, wart von rat und meistern die stat Basel in vier 
teil geteilt, von des vorgangen kryegs wegen, den frow Katherin 
von Burgunue, hertzogin ze Osterrich, ir lantvögt und amplüte 
desselben iars under uns gehept band, und ist dieselbe teylung 
beschechen darumb, ob dz wer, dz wir me bekrieget wurden, 
dz dann yederman ze Basel wüsse, wie er sich halten solle. 
Der erste teil ist aller der luten mannes nammen. leyen 
(Laien), die über vierzehen iaren alt sint in den zwein kilspelen 
Sant Peters und Sant Johans gesessen ; und sol derselbe teil ze- 
sammen kommen gewaflPent zu der paner, die Cunraten zem 
Houbt nu zemal cmpholen ist, und dem nünzehen erber man 
desselben kilchspels, hienach genempt, zugeben sint, mit munen, 
dez ersten von den reten: her Arnnolt von Berenfels, her 
Frantz Hagendorn, ritter, Mathis zer Sunnen, Wemher Rot, 
Götzman Rot, Peter Sürlin, Cüntzlin von Löffen, Lienhart. Schön- 
kint, Burekart Sintz, Cunrat Sintz, Heiczman Murer, Claus 
Hüller, Lienhart zem Blumen, Johans Wiler, meister Hen- 



481 

man Smidlin, meieter Heinrich Ton Zürich, Peter BischofT, der 
metzger, Canrat Huckrer und Besser, der vischer. Und sol 
derselb teil werden stan in dem vischmergt. — Zu denselben 
zwenzigen mannen werdent rat und meister demselben teile, 
so der ussziehen würt, einen höptman geben, dem der teil ge- 
horsam sol sin, wes er und die der rfiten sint oder der merteil 
under inen uff dem yelt oder hie in der statt uberkomment und 
ze rat werdent, das beste sin ze tunde oder ze lassende. 

Item, der ander teil sol sin aller der luten mannes nammen 
als yorstat, die in dem kilchspel Sant Lienharts gesessen sint. 
Und sol derselbe teile zesatumenkomen gewaffenet zu der paner, 
die Henman Buchbarten, zu dirre zit oberstem zunfftmeister, 
nn zemal empfolhen ist, und dem nünzehen erber manne des- 
selben kilchspels, hienach genempt, zugeben sint, mit nammen, 
des ersten von den raten: Jacob* Fröwler, Heinrich Kupfer- 
nagel, meister Johans Hennickin, meister Cunrat Hennickin, 
meister Meyger, meister Otman Emni, meister Ulrich Abcze, der 
metziger, meister Wernlin von Attemswilr, meister Alban, der 
ktirsener, meister Claus Botminger, der gerwer, meister Hen- 
man Hugs, der gartner, meister Engelfrid Scherer, meister Heicz- 
man Htis. üsswendig den reten : meister Mathis, der Schlosser, 
Heinrich Hertrich, der messersmyt, Henman im Stampff, der 
muller, Henman von Nuwilr, der metziger, Heiczman Hagental, 
der scherer und Henman Tanwalt, der weber; und sol derselb 
teil werden stan bei dem richtbrunnen vor der gerwerzunfthus. 
Zu denselben zwentzigen mannen werdent rat und meister dem- 
selben, so der ussziehen würt, einen höptman geben, dem och der- 
selb teil gehorsam sin sol, wes er und die der raten sind oder 
der merteil under inpn uff dem veld oder hie, heim in der stat, 
ttberkomment und ze rat werdent, dz beste sin ze tunde oder 
ze lassende. 

Item, der dritte teil sol sin aller der luten manns nammen 
als vorstat, die in den zwein kilchspelen Sant Albans und 
Sant Ulrichs gesessen sint. Und sol derselb teil zu der paner, 
die meister Heinrich von Bysel nu zemal empfolhen ist, und 
dem nünzehen erber mann desselben kilchspels, hienach ge- 
nempt, zugeben sint, mit nammen, dz ersten von den raten: 
her Johans Ludman von Katberg, unser burgermeister, her 
Cunzman und her Henman von Bamstein, her Burekart ze Eine, 
ritter, Claus Schilling, meister Cunrat Sybental, meister Wemher 

Beitrage XV. 31 



482 



zein Siegel, meister Heinrich von Esch, meister Ulrich im Hoff, 
meister Claus Schaffener, meister Henman Schlatter, meister 
Heinrich Bischoff, meister Burckart Seyler. Usserhalb den raten: 
Peter Synner, der watmanu, Henman Bömlin, meister Henman 
von Zürich, der scherer und Ulin von Löschdorff, der träjer. 
Und sol dersclb teil werden stan an den swellen vor unsenn 
spittal. Zu denselben zwentzig mannen werdent rat und meister 
demselben teil, so der ussziehen wirt, einen houptman geben, 
dem och derselb teil gehorsam sin sol, vves er und die der 
raten oder der merteil under inen uff dem veld oder hie, heim 
in der statt, Überkomment und ze rate werdent, dz best sin ze 
tunde oder ze lassende. 

Item der vierde teil sol sin aller der lüten manns nammen 
als vorstat, die in Sant Martins kilchspel gesessen sint; und 
sol derselb t^il zesammenkommen gewaffent zu der paner, die 
meister Oswalt Wartenberg, dem messersmit nu zemale em- 
pfolhen ist, und dem nünzehen erber mannen desselben kilch- 
spels, hienach genempt, zu geben sint, mit nammen, dez ersten 
von den reten : her Günther Marschalk, her Henman von Eren- 
fels, alte Zunftmeister, Werner Murnhart, Bernhart SevogeL 
Volmar von ütingen, Henman Zscheckabürlin, Jacob Fricklin, 
Johans Ziegler, Günther Stralenberg, meister Henman Bötzsch- 
mer, meister Bertzschi Phflegler, Ulmau Mörnach, meister Peter 
Neil, meister Claus Rapp, meister Claus Sungöwer. Usserhalb 
den raten : Otman Bösslin, Peter Thoman, Henman Snäler, der 
goltsmit und Cüntzlin Wentikom. Und sol derselb teil werden 
stan in dem kornmergt vor dem rathuse. Zu denselben zwentzig 
mannen werdent rat und meister demselben teil, so der uss- 
ziehen wirt, einen höptman geben, dem ouch deraelb teil ge- 
horsam sin sol, wes er und die der raten sint oder merteil 
under inen nff dem velde oder hie, heim in der statt, überkom- 
ment und ze rat werdent, dz beste sin ze tunde oder ze lassende, 

Ouch band rat und meister geordent, dz alle die mannes 
nammen leyen, als vorbescheyden ist, in unserer mynnren statd 
Basel gesessen, zesammen kommen söllent gewaffnet für sant 
Niclauscappel daselbs zu der stattpaner, die Martin • Seiler em- 
pholhen ist oder dem sy hernach empholhen wirt, und da warten 
untz daz inen von rat und meistern ze wissende getan wirt. 
waz si tun söllent, ussgenommen ob dheiner zuuft meister zu 
minnren Basel gesessen were, der sol nit da ennent by der 



483 

paner bliben, sonder in die mere statd gewaffnet kommen and 
die paner da denn ainer zunftbrüdern, allermeist ander ist and 
zesammenkompt. 

Und wand rat and meister bekennet band, dz die yor- 
geschriben teilang and ordnange ewiklich gestan nnd nit ge- 
endret werden sollen, ez sy denn naw and alt rete nnd darza 
nuw and alt sechsse aller znnften gemeinlich oder der merteii 
ander inen, die vorgeschriben ordnange endernt and einer 
andern ordnange, die sy besser bedancht, Überkomment, harnmb 
so werdent ir sweren za üwere panere, die ach zageordenet 
ist, ze kommende and die vorgeschriben ordnange and teylange 
och so lange ze haltende, alzo dz dirre eid, den ir ietz haramb 
sweren werdent, nüt von iar ze iar assgan noch emaweret 
werdent sol, als nmb etlich ander ordnange and gesätzce, daramb 
man ierlichs nawe eid swert. 

Ouch band rat nnd meister bekennet, wer der wer, der 
zn der paner nüt käme an die stat, so im davor benempt ist 
nnd mau sich besamen sol, der gesunt nnd in dex statt wer, 
dz der ze bessrnnge geben sol nnd mass ein marck silbers, es 
were denn dz er nrlob genommen bette und im geben wer, 
oder redlich sach gesagen könde, die in geirret bette, nnd die 
im billich helfen sölte. Wer och nit usszüge mit sinem teil, 
der gesunt und in der statt wer unerlobt, oder sich gevarlich 
uff die zit von der statt empfromte oder fugte, der sol und 
muss ane alle gnade vor unser stat crützen leisten zehen iar 
und darzu- zehen phunt pfennig ze bessrnnge geben ee er har- 
wider in kumpt. Item, weler öch von der paner uif dem velde 
flüchtig wurde und by der nüt blibe stan, dem wil man griffen 
an Übe und an gute. 

Ouch ist ze wissende, welem teil von rate und meistern 
bekennt und emphoUen wirt usszeziehende, daz die rate dem- 
selben teil einen houptman zugeben söUent, dem ouch derselbe 
teil gehorsam sol sin, waz er si uff dem velde heisset; wer 
aber, daz demselben houptman oder banerheren uf dem velde 
utzit fürkemme und si bedachte notdurftig sin, rate darumb ze 
habende, so söllen| si an ein ende berüffen alle, die von nuwen 
und alten reten by inen uff dem velde sint, und dazu ettlich, 
die nit der raten sint, der erbersten und wissesten, die sy be- 
kenneht, und was sich dieselben oder der merteii under inen 



484 

bekennent und ze rate werdent, darin ne ze tnnde oder ze las- 
sende, sin sol geschehen, und ieder teil des gehorsam sin.^ 

Es folgt dann zum Schlass noch eine Bestimmnng über die 
Handhabung der Feuerpolizei, die wir, so interessant sie auch ist, 
dennoch glauben hier weglassen zu dürfen. 

'■) Cfr. stadtische ürkupden, No. 1104. 

'■) Cfr. Anmerk. 6, woselbst, wie wir gesehen haben, die 
zweite Ehefrau, Ennelina, genannt wird, sowie St, Pet^r E, fol. 186 ' 
(zum 28. Dezember) : „Memoria Petri Bischoffs et Margarethae, eius 
nxoris, et omnium eorum progenitorum.^ 

'*) Cfr. Schönberg, pag. 5Ö0, wo unter den steuerpflichtigen 
Mitgliedern der Metzgerzunft im St. Leonhardsquartier genannt 
werden: „Byschoffin die alte und ir tochter,** die zusammen ein 
Vermögen von 800 Gulden Tersteuem. Auffallend ist, dass sie im 
Steuerrodel von 1446 nicht mitaufgezählt ist. — Zum 20. Februar 
findet sich im über benefactorum Carthusie folgender Eintrag: 
„Byschofin, camificis uxor, dedit unam blancam laneam casulam de 
tunica filie defuncte.^ Da kein Jahr angegeben wird, ist es schwer 
zu sagen, auf wen sich die Notiz bezieht ; drei Fälle sind möglich : 
erstens einmal, dass darunter die Witwe Peter Bischoffs des Jungen 
yerstanden ist, die schon ad annum 1446 mit einem Kinde, dessen 
Geschlecht wir allerdings nicht kennen, genannt wird, oder aber 
die eben genannte Witwe Peter Bischoffs des älteren ; endlich aber 
auch eine der Ehefrauen Heinrich Bischoffs. (Cfr. dazu die als 
Beilage gegebene Stammtafel.) Wir lassen die Frage offen. 

") Cfr. Basler Chroniken V, pagg. 555, 556 und 558. Da 
leider die Batsbesatzungen der Jahre 1384 — 1404 fehlen (cfr. 
Chroniken V, pag. 543), ist es uns nicht mehr möglich zu bestim- 
men, bis wann Nikiaus Bischoff dem Rate angehört hat, wohl kaum 
über das Jahr 1402 hinaus, vielleicht schon nicht mehr seit 1399 (cfr. 
Anmerkung 31); 1405 jedenfalls ist er nicht mehr Mitglied desselben. 

") Cfr. über denselben namentlich Ochs III. pagg. 20 und 
folgende, sowie Heusler „Verfassungsgeschichte der Stadt Basel im 
Mittelalter," pagg. 375 und folgende. Wurstisen erwähnt desselben 
noch nicht. 

^') Cfr. Leistungsbuch ü. foL 42»^ und folgende. 

'®) Gelten = bezahlen. 

") Getige oder gedigene, ursprünglich = Dienerschaft, hier 
im Sinne von Bürgerschaft. Cfr. darüber Heusler, pag. 129. 



485 

'•) Niemer = nimmermehr. 

'*) Zerblöcheler = Zerstörer; hier im Sinne von Spielver- 
derber. 

») Löheler = Löhl, d. h. Dummkopf, Einfaltspinsel. 

'•) ^Box wnnden," euphemistisch für „Gotts Wunden," eine da- 
mals sehr gebräuchliche und beliebte, häufig wiederkehrende Fluch- 
und Beteuerungsformel (cfr. auch Geering, pag. 89). 

'*) lern = ihm. 

'*) Aflen == eitern, reifen, aufgehen (ursprünglich von Ge- 
schwüren). „Wolan, es beginnet sich aflen," also --^ Wohlan, die 
Sache ist reif, das Mass ist voll. — Für diese, sowie die übrigen 
WorterklSrungen spreche ich auch hier noch Herrn Prof. Ad. Socin 
meinen besten Dank aus. 

'•) Cfr. Ochs m. pag. 16, sowie Geering, pag. 39. 

V) Cfr. Heusler, pag. 374, der hier auf einige besonders auf- 
HUlige Beispiele hinweist. 

*^) Cfr. Thommen „Urkunden zur Schweizergeschichte ans 
österreichischen Archiven," Bd. II. No. 259. 

••) Cfr. K. Yischer-Merian „Henman Scvogel," pag. 81. 

»<^) Cfr. Henman Sevogel, pagg. 82—88. 

'0 Cfr. erstens Leistungsbuch 11, fol. 81^, woselbst es zum 
Jahre 1399 heisst: „Item Ulman Bischoff, der metziger, sol zwei 
iare, und Clewin Bischoff, sin bruder, ein iar vor den crutzen leisten, 
umb daz Ulman einem vor der metziger meister einem an sinen 
hals schlug, und schuldete sich über daz im der meister gebot 
friden ze habende, und aber der egenant Clewin, sin bruder, sinen 
mantel ufwarf vor den meistern frevenlich und argwonlich; und 
sol man si in eyde nemen. Item, Nicolaus Bischoff iuravit in die 
Marie Magdalene." — Cfr. femer auch Leistungsbuch I, fol. 131^: 
„Item anno etc. LXXX secundo machtend dise nachgeschriben per- 
sonen kuntlichen vor rat und meister dz si von ir vater seligen 
wegen burger sint; und erkantent ouch rat und meister dz sie 
burgrecht geniessen und man sie ftlr burger haben solle: Ulemaii 
von Viselis, Peters seligen von Viselis sun, den man nampte 
Bischof, der metziger" u. s. w. 

**) Cfr. ausser der in Anmerkung 31 an erster Stelle ge- 
brachten Notiz auch noch Leistungsbuch I, fol. 10' vom Jahre 1361 : 
„Item Bischof, des son von Viselis, swur an der mitwuchen vor 
Saut Urbanstag ein halb iar für die crutze, das er den Unzuchten 



486 

nit wolt gehorsam sin und nit gehorsam sweren wolt ; und sei ein 
QDzncht gehen, so er geleist." Femer Leistungsbuch I, foL 14^ von 
1362 : „Item Bischof, des son von Viselis, sol ein iar leisten ; and 
swar an dem snnnentag nach sant Urbanstag, das er ... . (un- 
leserlich) knecht troute." Weiter Leistungsbuch II. fol. lO'^ zum 
Jahre 1392 : „Item Ulman und Clewin Byschof, die metziger, haut 
verwundet Bleken, den metziger, und darumb söllent si ein iar 
vor den crützen leisten." Weiter Leistungsbuch II, fol. 55 '^ zum 
Jahre 1407: „Item Clewin Bischoflf, der metziger, hat verwundet 
Ulman Weltin, den metziger ; darumb sol er ein iar vor den crützen 
leysten." Endlich Leistungsbuch II, fol. 77 ^, woselbst wir zum Jahre 
1414 lesen, dass Clewin und Henman Bischoff schwören, der Stadt 
gehorsam sein zu wollen. — Wie der Herr, so der Knecht; aus 
Leistungsbuch I, fol. 63', erfahren wir, dass 1371 „Wcmly, Nico- 
laus von Viselis, des metzigers, knecht," ein Jahr vor der Stadt 
leisten muss, weil er einen anderen Metzgerknecht verwundet hat. 
— Besonders auch kulturhistorisch interessant ist dann noch der 
folgende, ebenfalls dem Leistungsbuch 11 entnommene Bericht, in 
dem Clewin Bischoff freilich nur eine mehr passive Rolle spielt : 
Eine gewisse „Cläre Tremlin, Kurtzmans wip," eine übel beleum- 
dete Person, sagte im Jahre 1407 vor Gericht über ihre Bezie- 
hungen zu Rese Ackermann, die als Hexe bekannt war, folgendes 
aus : „Wie dass si Kiewin Byschoff, dem metziger, irem bulen, gar 
früntlich getan hette, und täte aber er ir yetz gar unfrüntlich und 
untmwelich;" da habe sie die Ackermanin gefragt: „Kände si ir 
da utzit ze geraten, das si das täte, bete si si umb früntlich. Also 
lerete die Ackermanin si den segen von den erstochenen lüten und 
von dem galgenholtz, den aber si nye gebruchet habe. Wol sie 
war, das si einen anderen segen könne, den habe si wol gesprochen 
über Clewin Byschoff und ander lüte, die si wolte, das ir die holt 
söltent werden, und vahet der segen also an : „„Du bist gewaltiger, 
Henman, über mich denn ich über dich, by den heiligen drü Worten, 
die der priester sprichet, das du mir siest hold und als getrüwe, 
als min frouw sant Maria irem truten kinde was, da si sin in der 
kryppffen gebar und si es des ersten under ougen anesach; also 
hold und also getruwe müssest du mir werden, das du min mögest 
als wenig vergessen als der priester des kelches und des wines in 
der heiligen stillen messe."" Das Straf urteil legte der Cläre Trem- 
lin ewige Leistung auf bei zehn Meilen fem von der Stadt, wegen 
der Zauberei, die sie getrieben und auch selber eingestanden hat, 



487 

dasa sie, „über Clewin Byschoff eiueu unreinen, teuflischen, bösen 
gegen gesprochen, darin angerufen werden alle ertrenckete, er- 
stochen, erhenket, gerederet und die von andern töden tot sint." 
Cfr. über den grossen Zaubereiprozess von 1407: Buxtorf-Falkeisen 
„Basler Zauberprozesse aus dem 14. und 15. Jahrhundert" in „Bas- 
lerische Stadt- und Landgeschichten," viertes Heft (1868). 

") Cfr. städtische Urkunden, No. 741, wonach Claus von Vislis 
und seine Ehefrau Greda am 20. März des Jahres 1396 ein Haus, 
im minderen Basel au der Rheingasse gelegen, um 15 Pfund an 
Rüli von Münster in Grendfelt verkaufen. 

'*) Cfr. Schönberg, pag. 539, woselbst genannt wird : „C lausen 
wittib von Vislis." 

") Cfr. Thommen „Urkunden zur Schweizergeschichte aus 
österreichischen Archiven," No. 378 (pag. 323), w^oselbst genannt 
wird „Greda, filia Nicolai Bischoff ac relicta . . . Heumani, olim 
nati quondam Heinrici de Sliengen .... olim civis Basiliensis in- 
scripti." — Thommen identifiziert diese ebengenannte Greda, die 
Witwe Henmans von Schliengen, mit der in derselben Urkunde 
genannten Greda, der Witwe des Schultheissen von Liestal, Völmi 
(cfr. Thommen, pag. 548, sub vocem Völmi), was ich aber kaum 
für richtig halte, da in diesem Falle doch entschieden ein „eius- 
dem" oder „prefatae" vor der zweiten Nennung des Namens stehen 
müsste. 

°*) Ueber diesen Heinrich von Schliengen, genannt Kolsack, 
cfr. Basler Chroniken V, pagg. 555 und 557, sowie Basler Urkunden- 
buch IV, pag. 804 und V, pag. 73. 

•') Cfr. über denselben Anmerkungen 31 und 32, sowie auch 
Schönberg, pagg. 539 und 556, an welch beiden Stelleu er als Ul- 
man Bischof resp. Byschoif aufgeführt wird. 

") Cfr. über denselben Anmerkung 32, sowie Leistungsbuch I, 
woselbst wir zum Jahre 1386 auf fol. 132 ^ lesen : „Item Henmannus 
de Viselis, camifex, emit civilegium et iuravit tertia post Mathie." 

■•) Cfr. städtische Urkunden No.899 (vom 21. Januar 1411): 
„Wemlin von Viszelins, der metziger," klagt, dass er im Kriege 
Katharinas von Burgund mit Basel durch die Leute des öster- 
reichischen Landvogtes, des Grafen Hans von Lupfen, noch vor 
der Absage nebst anderen Baslern gefangen genommen, nach Ensis- 
heim geführt und dort geschätzt worden sei um 22 Gulden, ein 
Pferd und ein Schürlitztuch, und dass man ihm ausserdem noch 
18 Gulden aus seiner Tasche geraubt habe. 



488 

**) Cfr. Schönberg, pagg. 539 und 785—787. 

*') Cfr. Schönberg, pag. 578. 

") Cfr. ürfchdenbuch I, pag. 389. 

*») Cfr. Schönberg. pagg. 787—795. 

**) Cfr. Anmerkung 5. 

") Cfr. Leistungsbuch n, fol. 113^. 

*•) Cfr. Schönberg, pag. 583. Das höchste damalige Vermögen 
betrug nicht ganz das yierfache des seinigen, nämlich 14,000 Gulden; 
der Besitzer desselben war Junker Heiczman Murer (cfr. Schönberg, 
pag. 581). 

*') Ausser den Söhnen Peter und Hans, den Rädelsfährem 
der Bewegung von 1482, scheint er noch einen dritten Sohn Namens 
Heinrich, sowie zwei Töchter, Anna und Greda, gehabt zu haben, 
die alle, nebst ihren Eltern, im Jahrzeitbuch yon St Peter genannt 
werden. Cfr. St. Peter E, fol. 85^: „Heinricus Bischof, Margaretha, 
uxor, Heinricus, Anna, Greda, nati eorum, ob." — Cfr. auch An- 
merkung 68. 

") Cfr. Schönberg, pag. 202, über das Steuergesetz von 1446, 
woselbst Artikel 2 folgendes bestimmt: „Item des ersten das ein 
iegklich mensch, so in unsrer stadt ist, es sie edel oder unedel, 
manne oder frow, dienstknecht oder dienstiungkfrow, er sie wer 
er welle, rieh oder arm, niemand ussgenommen noch yorgehept, 
das 14 iar alt ist und darttber, alle wuchen ein rappen in dis un- 
gelt zuvor ussgeben solle." 

*») Cfr. Domstift W. fol. 92 »^i „In parrochia S. Leonhardi: 
item domus zer schüren, sita in monte S. Leonhardi versus port- 
am Spalen, ex opposito domus zem spiess, quam (seil, domum zer 
schüren) nunc possidet Heinrich Bischoff, camifex; dat 1 libram 
census et 1 puUum." 

*<') Cfr. Anmerkung 5, 1. 

") Cfr. Fertigungsbuch ad ann. 1461 und 1471. 

^^) Cfr. Domstift W : „Item domus zem schliffstein, sit« ex 
opposito fontis dicti zem duren sod, iuxta domum ze fridberg, 
quam nunc possident liberi, quondam filii iuniores Petri Bjschoff, 
camificis." Das Haus zum Schliffstein scheint demnach Heinrichs 
elterliches Haus gewesen zu sein. — Es ist, wie beiläufig noch hier 
bemerkt werden mag, ganz auffallend, wie in damaliger Zeit die 
Metzger hauptsächlich sich im heutigen Spalenquartier, namentlich 
auf dem Heuberg und Nadelberg, angesiedelt hatten, wie dies z. B. ein 
Blick in die Steuerlisteu von 1470 lehrt (cfr. Schönberg, pag. 762), 



489 

da doch die Schol bekanntlich in der Sporengasse war. Peter 
Bischoffs Bank z. B. befand sich hier „an den nideren zilen, zer 
rechten band als man in die metzige gat^ (cfr. Urkundenbuch VII, 
No. 121). 

*') Mathis Eberler besass ausser dem Hanse „zum Agtstein^ 
an der Sporengasse, nach welchem er oft einfach als Mathis zum 
Agtstein bezeichnet wird, noch ein Haus im Klein -Basel (cfr. 
Schönberg, pag. 771 zum Jahre 1475) ; 1477 kaufte er dazu noch 
den „£ngelhof,^ an dem, wie bekannt, noch heutzutage sein Wappen 
in Stein gehauen zu sehen ist, 1488 sodann das Haus „zum SesseP' 
am Tot^ngässlein. Das Eberler'sche Stammhaus aber scheint das 
Haus „zum Gold^ (ebenfalls an der Sporengasse) gewesen zusein, 
nach welchem sich zwei Brüder des Mathis, Hans und Lienhard, 
nannten (cfr. Chroniken III). 

**) Cfr. Urkundenbuch HI, Nr. 379 und Trouillat II, pagg. 651 
und folgende, sowie Urkundenbuch II, Nr. 47 und Trouillat 11, 
pag. 202, an welch^ letzterer Stelle er als „Rudolfus dictus de Mus- 
pach," woselbst er verschiedene Gilter besass, bezeichnet wird. 

**) Cfr. Boos „Thomas und Felix Platter," pagg. 94 und 95, wo- 
selbst die Häuser „zum Gejägd** und „Wissenburg," sowie noch 
ein drittes, nicht mit Namen genanntes Haus als in Thomas Platters 
Besitz befindlich, erwähnt werden, und pag. 110, woselbst Thomas 
Platter am Schlüsse seiner Autobiographie selbst sich also Über seinen 
Besitzstand ausspricht : . . . „Do ich als vill als niit von den minen, 
und min hussfrow gar nüt von den iren überkummen band, denecht 
dohin sind kummen, das ich uff eins mall in der loblichen statt Basell 
yier hüser mit zimlichem hussradt mit grosser arbeit min und 
miner hussfrowen Überkummen band, desglichen huss und hofT, ein 
gut ouch uss der benedyung Gotts erlangt (nämlich Gundeldingen), 
darby ouch ein huss in der schull, do ich im anfang z^ Basell nit 
ein hüttlin wusst." 

*«) Cfr. Schönberg, pagg. 761 und 762. 

") Cfr. Oeifnungsbuch V, fol. 96v.— Cfr. auch Heusler Ver- 
fassungsgeschichte, pag, 393, woselbst es über Bischofs Johann von 
Venningen Aufenthalt in Regensburg heisst: „hervorragend durch 
Würde und Schönheit war er auf dem Reichstage zu Regensburg 1471 
durch die allgemeine Stimme bezeichnet als der das Reichsbanner 
gegen die Türken tragen solle." 

") Cfr. Oeifnungsbuch V, foU. 121 «^ und 140 v. 

*•) Cfr. Chroniken II, pag. 514 nach Missiven XIV, fol. 282»^. 



490 



«®) Ctr. St. Leonhardcorp. fol. 86*^, sowie Fertigungsbuch de 
1510 und 1524 ; letzterem Eintrage zufolge verkauft Georg Bylarsier, 
Vogt zu St. Uraitz, sein Haus „Benkenhaus, wie in dan das von 
Pett^r Bischoff, sinem s weher sei. erbswis ankommen ist," um 
100 Gulden. 

•^) Cfr. Chövre „histoire de St. Ursanne,« pagg. 288, 291 
und B37. 

") Cfr. Chfevre, pag. 788. 

•') Cfr. Strickler „Aktensammlung zur schweizerischen Refor- 
mationsgeschichte," I, pag. 441, No. 1355. Neben Turs Marschall 
war Belorsier in dieser Angelegenheit Bote des Bischofs ; diejenigen 
Berns waren Sebastian von Stein und Konrad Willading. 

") Cfr. eidgenössische Abschiede IV, Abteilung I C, pag. 1011. 
Cfr. über Belorsier auch noch Abschiede IV, Abteilung I A, pag. 443, 
woselbst er 1524 „Jörg von Bollesier, vogt zu St. ürsiz" genannt 
wird. 

") Cfr. Chevre, pagg. 293 und 294, woselbst ein grosser Bruch- 
teil des Gedichtes abgedruckt ist. 

•«) Cfr. Fertigungsbuch, fol. 477 '. 

*') Cfr. Anmerkungen 47 und 68. 

•®) Cfr. Anmerkung 47. Wie ich erst später merkte, als die 
Arbeit schon gedruckt war, ist der in Anmerkung 47 aus St. Peter E, 
fol. 85 V wiedergegebene Text dorthin aus St. Peter C, fol. 82 ^' (d. h. 
aus einem älteren Jahrzeitbuch des Stifts St. Peter) herüberge- 
nommen. Unverkürzt lautet der Eintrag nun aber hier folgender- 
massen: „Item Heinricus dictus Bischof, ein sp enge 1er, Margaretha 
uxor, Heinricus, filius, Anna et Greda, filie, obiernnt; de quibus 
dantur XVI denarii canonicis et sacerdotibus chori, qui iutersunt, 
de domo in vico Vardellingassen sita." Die ausdrückliche Be- 
zeichnung dieses Heinrich Bischofs als eines Spenglers macht aber 
selbstverständlich die Identifizierung desselben mit Heinrich Bischoff, 
dem Metzger, dem Vater der Tumultuanten von 1482, unmöglich; 
es ist allerdings ein eigentümliches Zusammentreffen, dass auch 
dieses letzteren Ehefrau Margaretha hiess (Cfr. Anmerkung b\ Die 
in der Jahrzeitstiftung genannte Vardellingasse ist das spätere 
Andreas-, jetzt Imbergässlein (cfr. Fechter „Topographie Basels im 
XIV. Jahrhundert,« pag. 78). 

®®) Cfr. Zinsbuch zum Jahre 1454. Es dürfte sich dabei am 
ehesten um eine Ehesteuer handeln. 



491 

'•) Cfr. Basier Neujahrsblatt von 1899, pag. 23, sowie Waeker- 
nagel „Der Anteil Basels an der Burgnnderbeute** (Separatabdruck 
aus den „Basler Nachrichten," 1888, No. 42 und 43). 

'*) Cfr. Akten Burgunderbeute im Staats-Archiv. 

^^j Meliores hier gleichbedeutend mit Achtburger. 

'») Cfr. Oeffnungsbuch VI, fol. lö'. 

^*) Cfr. RatsprotokoU von Colmar, Bd. 1479— 1482 (der vor- 
hergehende, die Jahre 1469—1478 umfassende Band ist verloren 
gegangen) pagg. 1—8. 

^*) Junker Bartholomeus von Wunnenberg ist für die Jahre 
1452 — 1493 bezeugt (cfr. Rappoltsein'sches Urkundenbuch IV, 
pagg. 147,. 150, 154, 160, 179, 329, 333, 353 und 476). Mehrfach 
erscheint er neben dem gleich zu nennenden Hans Hüter als Col- 
mars Abgesandter; 1464 wird er Mitglied des Colmarer Rates ge- 
nannt, für 1465 ist er mit dem Titel Junker bezeugt. Für 1493 
endlich ist er als Keichsschultheiss von Türkheim nachgewiesen 
(cfr. Kindler von Knobloch „Der Adel im Oberelsass," pag. 112). 

'*) Sie hiess Clara; cfr. Fertigungsbuch zum Jahre 1484: 
„Der schafiPner der Stift St. Peter im nameu siner herreu, och als 
ein caplan der ersten pfrönd des hl. cruzesaltar in der gemelten 
Stift, och etlich ander schultforderer, denen Hanns Bischoflf, der 
metziger, schuldig ist, öffneten : nachdem er flüchtig worden, betten 
sy sin hus, genant Birseck, uff dem nodelberg (das heutige Nr. 28), 
in gericht gezogen, und solichs ouch frauen Clara von Wunnen- 
berg, siner gemaheln, darzu frau Margret Bischoff in, siner mutter, 
verkünden lassen." Hans von Geringen, der Krämer, erwarb so- 
dann das Haus um 82 Pfund. 

^') Den ihenen -- denjenigen. 

^*) „Under unserer statt büchsse," d. h. unter der Stadt 
Siegel, das nach damaligem Gebrauch in einer hölzernen Büchse 
eingeschlossen war. 

'•) Die bekannte goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 
1356 enthielt unter anderm auch verschiedene Bestimmungen über 
den Landfrieden, die wohl Hans Bischoff mit seinem Hinweis meint. 

*•) Kaiser Friedrichs III. im Jahre 1442 erlassene gemeine 
Reformation ist im wesentlichen nichts anderes als eine Bestäti- 
gung und teilweise auch Erweiterung der eben genannten Be- 
stimmungen der goldenen Bulle über die Handhabung des Land- 
friedens, auf die Friedrich III. darin auch mit folgendenWorten zurück- 
weist: „Zum ersten daz nyman dem andern schaden tun oder zufügen 



492 

8ol, er hab in dann zuvor zu gleichen pillichen, lantldffigen rechten 
ervordert; und ob im solich recht yielleicht nit so balld, als er 
wollt oder begert, gedihen oder widerfaren möchte, so sol er dan- 
nocht den nit angreiffen noch beschedigen, er hab dann yor alles 
das YÖlliclich und ganzt getan und y ollbracht, das Eeyser Karls 
des yirden seliger gedechtnuss, unsere yorfaren am reiche gnldin 
bulle in dem capittel yon den widersagen eigintlicher innhalt und 
aussweiset^ (cfr. Chmel Begesten Friedrichs HL I, pagg. 37 and 
folgende). 

**) Reht hier für Recht. Bald schreibt die Colmarer Hand- 
schrift nur h, bald eh, ohne Konsequenz; ebenso bald a, bald fi 
(z. B. Kuntschäfiften). 

*•) Donn = damals. 
") Yend:=r jemals. 

»*) Samstag nach Sant Kathrinentag 1479 = 26.Noyember 1479. 
") Wirden = Verdun (an der Saöne). 

*«) Cfr. Chroniken III, pag. 191 und Boos, pagg. 372 und 373. 
^0 Ueber die Belagerung und Einnahme des durch eine bur- 
gundische Besatzung gehaltenen St&dtchens Verdun cfr. Chro- 
niken III, pag. 183, Anmerkung 2, sowie pag. 513. Die Belagerung 
fiel nach Commines Bericht in die ersten Tage des Juni 1478. 

^) Wer mit diesem Peter Rubin gemeint ist, ist schwer za. 
sagen; der Name scheint entstellt, jedenfalls in der yorliegenden 
Form germanisiert zu sein (aus Ronbais?)« Commines gibt keinen 
Anhaltspunkt, ebensowenig Gollut in den „M^moires des Bourgong- 
nons de la Franche-Compt^." 

®®) Gezick = Bezeugung, Vorhaltung, Vorwurf. 
^) Zinstag nach Sant Hylarientag 1480=18. Januar 1480. 
•0 Cfr. Missiven 18, pag. 143, woselbst sich folgendes Schreiben 
*an den Schultheiss und Rat yon Bern findet: 

. . . „Also wirt Rudolfif Bischoff, der metziger, Hannaen 
Bischoffs naturlicher sun, yon unserer stat bärtig, durch einen 
genant Flam geschuldiget dz er uff disen tag zwey eeliche 
wiber haben solle, darumb sy denn bedersyt gegenander yoi 
unserem Stab in recht kommen sind so wyt dz inen bedsyt 
kuntschafft erkannt ist, darumbe sy dann ir rechtlich tag, ir 
kuntscbafft ze sagen ussgenommen haben, wann nit der genannt 
Rudolff Bischoff nach folgung der kuntschafft nit statt hett, 
der nrsach dz er yencklich by uns behemmet ist, demnach und 
wir sy uff bedsite annemmen lassen haben, und er nit sostat* 



493 

hafft ist das recht haben ze versuchen, ob ze vertrösten dem 
wollen nachkommen, nnd wir aber warlichen wissen ach dem 
rechten also genügt das ze fnrdem ganzt begierig und gatt- 
willig; harambe so ist an uwer liebe unser gar flissig bitt, 
ttch welle umb furderang willen des rechten, ouch dem ver- 
melten Bischoff zu gut, der je vermeint, im an der gedachten 
schuldigung ungutlich beschee, und zu dem nachgenanden male 
anders nit denn uff verwilligung sins schwehers, der im ze er- 
kennen geben habe sin tochter und des Bischoffs erste huss- 
frouwe, von zyt gescheiden sin, sich anderwerts vermechlet 
haben, gelieben uch umb die sach gruntlich und eigentlich ze 
erkennen und ze erfaren, und was ir deren erlernen, uns bi 
disem unserm darumb zu Üch ussgesanten hotten in geschrifft 
ze berichten und sinthalb der Unschuld wie gar vil lieber denen 
anderer vernemmen wolten haben, wonach ze richten. Darin 
bewisent ir uns sunder fruntschafft, dero ir uch in derglich 
und mereren sachen hinwiderumbe zu uns ouch vertrösten 
mögent, und darzu genejgt, das uns uwer liebe guttwillickichen 
ze verdienen. Geben uff mentag vor des heiligen bluts tag 
ao. etc. LXXXXII. Hans von Berenfels." 
•') Cfr. pag. 441, Zeile 5 von unten. 

") Cfr. Oeffnungsbuch VI, fol. 58^: „Von Lienhart Mörnach 
und Hans Bischoffs wegen umb einen anderen fünferherren.^ 
•*) Cfr. städtische Urkunden No. 2237 (Anmerkung 165). 
»*) Cfr. Rotes Buch, pag. 199. Beim Vater Clewin ist das Wort 
„Lienhart^ noch Geschlechtsname, der dann aber schon in der nächsten 
Generation durch die Bezeichnung „von Arow^ verdrängt und zum 
Vornamen wird. Clewin Lienhard (ohne den Beinamen „von Aarau") 
wird noch 1451 unter den Metzgern der Stadt Basel aufgezählt 
(cfr. Schönberg, pag. 592). 

»«) Cfr. Oeffnungsbuch VI, fol. 14'. 

•^) Für alles nähere über dje darüber zwischen dem Bischof 
und der Stadt geführten Verhandlungen cfr. namentlich Heusler 
(pagg. 401 und folgende). 

•*) Cfr. darüber Boos, pag. 378, sowie namentlich auch Ochs, 
der (IV., pagg. 377 und folgende) auch diesen Aufstand schon als 
eine Frucht der fortwährenden Hetzereien Caspars ze Rhin dar- 
stellt: „Der Bischof versuchte auch ein anderes Mittel, seinen 
Zweck zu erreichen. Er stiftete gemeine Leute auf. Er brachte 
es sogar dahin, dass die Schneiderznnft, oder die Vorgesetzten 



494 

derselben ihre Stiftungsurkunde bey ihm erneuern oder vielmehr 
bestätigen Hessen" u. s. w. 

»•) Cfr. Boos, pagg. 337 und folgende. 

*°«) Cfr. Oeffnungsbuch VI, foll. 27 ^ und 33 V; namentlich aber 
fol. 46 ^ , woselbst wir folgendes über diese Angelegenheit lesen : 
„Anno etc. LXXXI, ufF unser frowen abend nativitatis (= 8. Sep- 
tember) ist durch bed rät, allt und nuw sechs, umb der statt ge- 
meinen nutzes willen erkannt : die fleischstür, wie die bissher geben 
und uifgehept ist, die also die nechsten funff iare fürer gegen 
menglichem ze beharren und daby ze bliben, doch unergriffen ob 
der statt ee geholffen werden möchte, dz denn solich fleischstüre 
ee abgan solle, demnach und einem rät das ye beduncken will, 
der statt und der iren notdurfft vordem ; und ob die erberen meister 
metzgerzuiifft und handwercks sich dawider setzen wollten, dz dest- 
minder ein rate by dirr erkanntnuss bliben und die übertretter 
solicher Ordnung nach iren schulden straffen solle." Auch später- 
hin noch lesen wir öfter: „von der fleischstüre wegen" oder „von 
der metziger wegen." Auf fol. 48^ endlich heisst es: „Uff zinstag 
sant Barbaren tag {=^ 4. Dezember) anno etc. LXXXI ist durch den 
alt und nuw rat einhelliglich erkannt: was Ordnung den metzgern 
zu metzgen vormals gegeben und bissher gehallten ist, das die- 
selben Ordnungen hinfür daby bliben und gehalten und nit wnter 
geendert werden sollen." 

*°*) Cfr. Staatsarchiv: Unsignierte Akten und Fehden des 
XV. Jahrhunderts. 

"-) Er wird in den Missiven etc. bald Schuler, bald Schaler 
genannt, einmal sogar Hans Bär. Cfr. Missiven XVI, pag. 288 vom 
1. Mai 1483: „An Hans Baren, den man nampt Pfefferlin. — ^Vi^ 
Peter Rot, ritt er, burgermeister und der rat der statt Basel lassen 
dich, Hans Beren, den iungen, genannt Pfefferlin, wissen: Diu 
schriben empfangen haben und zwiffelt unns nit, du noch w^ol in- 
gedenck syest in was geschefften du gegen unns bissher gestanden 
syest, und dinthalb unnd antwurt noch hutt bittag schwebest. 
Wenn du dich dero, als billich ist, entschlechst und verantwurtest, 
wollen wir unns davon machen, aber gegen dir nach aller gepur- 
dicheit hallten und erzeigen, magstu von unns in bestem ver- 
mercken, dann du dich vormalen dess vor unns begeben hast. 
Geben uff zinstag vor Philippi et Jacobi." — Oder sind es viel- 
leicht doch zwei verschiedene Personen ? Ein Nikiaus Schüler, der 



495 

Brotbeck, wird schon 1450 erwähnt (cfr. kleines Weissbnch, fbl. 168 ^' ) ; 
er dürfte der Vater unseres Pfeflferlin gewesen sein. 

*°") Das Metzgernzunfthaus stand an der Sporengasse, neben 
der Schol (cfr. noch Basler Adressbücher von 1798 und von 1862). 

*°*) Heinrich Rieher, seit 1472 Ratsherr zu Gärtnern, wurde 
1475 Oberstzunftmeister. 1481 musste er als solcher Oswald Holz- 
ach, bisher Meister zu Schiffleuten, weichen; doch schon 1488 
wurde er ein zweites Mal zum Oberstzunftmeister gewählt (als 
städtischer Gegenkandidat des vom Bischof por'ticrten Adam Walch). 
Er wird viel mit seinem gleichnamigen Sohn verwechselt, der 1499 
als Gegner der Eidgenossen genannt wird (z. B. noch von Leu) ; 
Ochs hat hier zum ersten Male klar geschieden (cfr. Ochs IV, 
pag. 451). 

*®*) Anderwerbe wieder, ein anderes Mal. 

^^•) Lienhard im Hag, der Metzger, gelobt am 28. Januar 1484, 
nachdem er von Bürgenneistcr und Rat von Basel wegen Verdachts 
der Teilnahme am Mordhandel des Peter und Hans Bischoff ge- 
fänglich eingezogen worden war, nun aber aus Gnaden wieder frei- 
gelassen wird, deswegen in keiner Weise an ihnen sich rächen zu 
wollen (cfr. städtische Urkunden No. 2191). 

*°^) Understan :-- unterstehen, wagen. 

»0») Thütt = tüchtig, brauchbar (?) 

*°®) Mit Thoman Kartenmoler ist wahrscheinlich Thoman 
Schwarz, der Karten- oder Heiligenmaler, gemeint, der von 1477 
bis zu seinem im Jahre 1516 erfolgten Tode in Basel nachweisbar 
ist (cfr. Stehlin „Regesten zur Geschichte des Buchdrucks") : 1477 
erwirbt er die Safranzuuft (Regest, No. 1347), 1492 verzichtet er 
jedoch auf das Basler Bürgerrecht (No. 1227), doch schon 1504 
wird er wieder Bürger genannt (No. 1700) ; seit 1501 kommt er 
als Weinschenk vor (No. 1642) und bewirbt sich 1503 um das 
Weinsticheramt (No. 1689) ; 1504 muss er wegen doppelten Ehe- 
bruchs zehn Meilen vor den Kreuzen leisten (No. 1703). Seit 1506 
kommt er aber wieder in Basel vor und bewirbt sich 1507 um das 
Zolleramt an der Wiesenbrücke (No. 1766), 1511 um das Sinner- 
amt (No. 1884), endlich 1512 ein zweites Mal um das Weinsticher- 
amt (No. 1977). 

"^) Rudolf zum Luft war der Sohn Ulrichs, Ratsherrn zu 
Weinleuten, und der Magdalena (alias Anna) Eberler und Bruder 
des Domherrn und Professors der Rechte Dr. Arnold zum Luft ; 
femer Schwager des Ratsherrn und Dreierherm Mathias Iselin, so- 



496 

wie des Unterschreiben (d. h. GeMchtsschreibers (Clans Heyer znm 
Pfeil. Zngleich mit diesem letzteren, der bekanntlich eine der 
Hauptpersonen im sogenannten Bisingerhandel gewesen war (cfr. 
ttber denselben Wilhelm Vischer in den Beiträgen zur vaterlän- 
dischen Geschichte, Band 12, pagg. 227—246), hatte er im Früh- 
jahr 1479 die Stadt Basel verlassen, das Btlrgerrecht daselbst auf- 
gegeben und sich ins Solothunier Bürgerrecht aufnehmen lassen 
(cfr. Oeffnungsbnch VI, fol. 27 ' ). Mit Meyer zusammen wird er 
dann auch, nach dessen Aussöhnung mit der Stadt, wieder nach 
Basel zurückgekehrt sein. 1482 musste er sodann, nachdem er 
durch Pfeiferlins Aussagen mit den Brüdern Peter und Hans 
Bischoff in Verbindung gebracht worden war, wieder vor Gericht 
erscheinen; im Oeffnungsbuch (VI, fol. 53^) findet sich folgender 
Bericht darüber vor: 

„Rudolffs zem Luift gef engknuss halb. — Anno etc. LXXXII", 
uff fritag vor misericordia domiui (:= 19. April) haben uff die 
byt und ernstlich beger und erbietten sins vatters, bmders, 
Schwager und vettern hienach bestimpt sunder in uff ein wider- 
antwurten inen uss gefengknusse ze geben, oueh uff nach eins 
rats erkanntnusse Ulrich zem Lufft, Clauws 3Ieyer und Radolff 
Schlierbach geschworen, ob und wenn sy von einem rfite ge- 
mant werden und erfordert, Rudolffen zem Lufft davor gemelt 
on einich inrede und verhindemusse wider in die gefengknusse, 
darin er bissher gewesen ist, ze antwurten und dafür hafft und 
were ze sinde. Dessglichen hatt doctor Amolt zem Lufft mit 
inen hantgelenden (d. h. durch Handgelübde) truwen glopt und 
versprochen. Sodenn hatt Rudolff zem Lufft für sich selbs ge- 
schworen sunder in Ulrichs zem Lufft, sins vatters, huse darinn 
ze bliben und nit daruss ze kommen denn mit erloubung eins 
räts. Item so haben Bartholome Studiin, Peterhaniis Wecker 
und Mathis Ysennlin uff sambstag vor misericordia domini 
(r^ 20. April) dem glicherwise geschworen wie Ulrich zem Lufft 
und ander davor bestimpt. — Uff fritag vor dem suntag can- 
tate (= 3. Mai) haben Hanns Ysennlin und Mathis Eberler der 
iunger glicherwise geschworen wie Ulrich zem Lufft und ander 
davor geschworen haben. Eadem die ist Rudolff zem Lufft von 
bitt wegen der bestimpten sins vatter, bruder, vettern und 
anderer vergönt — doch der verpflicht davor unergriffen — uss 
sins vatters huse mögen kommen und siner notturfft nach we- 
feni und wandlen; und wenn er gemant wirt, sich alsdenn 



497 

wider in sins yatters hose ze stellen, als er onch das zu tnnd 
geschworen hatt. Dessglichen haben sich sin yatter, brnder, 
Schwäger und yettem dayor bestimpt yerpflichtet, dafür hafft 
und were ze sind and snst, wenn sy gemant werden, dem rede 
ze liehen, wie yorstat." 

. Im Erkantnisbuch I, fol. 26 ^ findet sich dann noch folgender 
auf die gleiche Angelegenheit bezüglicher Eintrag: 

„Uff sampstag vor Mathei (r=r 20. September) anno LXXXIIP 
ist Rudolff zum Lofft nnd die bürgen, so yormalen in verbürgt 
hatten der gefangenschafft halb, als er gefangen wart der 
Bischoffen halb etc. der gelüpd nnd eydes und verschribung 
yormalen über sich gegeben ledig gezallt, doch mit einer ur- 
fecht nach notdurfft etc. Und ob sach were, dz iukunfftigen 
sich mit warheit erfunde, schuld an der sach haben, so wellen 
ein rat in nngestrafft nit lassen.^ 
Bartholome Stndlin, den wir vorhin auch mit unter den Bürgen 
für Rudolf zum Luft aufgezählt gefunden haben, ist ein Ver- 
wandter desselben mütterlicherseits, indem dessen Ehefrau Agnes 
eine Schwester von Ulrichs zum Luft Ehefrau Magdalena Eberler 
war; ein Bruder dieser Frauen ist dann der ebenfalls vorhin unter 
den Bürgen genannte Mathias Eberler, der jüngere, Herr zu Hilta- 
lingen, später Ratsherr zum Schlüssel, Übel berüchtigt wegen 
seines Ehezwistes und seines langjährigen Prozesses gegen die 
Ulmer von Eonstanz. Welches die Verwandtschaft mit Peterhans 
Wecker, Meister zu Weinleuten, sowie mit Rudolf Schlierbach, 
Ratsherrn von Achtburgern, ist, kann ich nicht sagen. Der ge- 
nannte Hans Iselin endlich ist der Vater von Rudolf zum Lnfts 
Schwager Mathias, auch er, wie sein Sohn, Mitglied des Rats. 
Rudolf zum Luft also wurde auf Fürbitte seiner Verwandten 
der Haft entlassen und statt dessen nur ins Haus „bannisiert^ ; 
die elterliche Wohnung, in der er diesen Hausarrest abzusitzen 
hatte, war das Haus „zum Hasen^ auf dem Marktplatz. 

"*) Mit Ludwig Gloggengiesser ist gemeint Ludwig Peyer 
(oder auch Feiger), der ölockengiesser, Meister zu Hausgenossen 
(cfr. Chroniken III, pag. 408), gest. 1496. Seine Schwester Anna 
war die erste Ehefrau Mathis Eberler^s zum Agtstein, des Besitzers 
des berühmten Stadhofes zu Ober-Baden, gewesen (cfr. Welti „Die 
Urkunden des Stadtarchives zu Baden im Aargau^ II, pagg. 881 
bis 883); durch diese Verwandtschaft erklärt sich der grosse An- 
hang leicht, den Peyer laut den Aussagen Pfefferlins gehabt hat. 
Beitrtge XV. 32 



498 

Für die Pfarrkirche zu Baden hat Ludwig Peyer 1485 die Eatha- 
rinenglocke gegossen ; über weitere Glocken, die aas seiner Werk- 
statt hervorgingen, cfr. Sntermeister ,,Die Glockengiesser in BaseP 
(Basler Nachrichten 1901, Nr. 22, vom 22. Januar). 

"') Hans von Berenfels war von 1462—1457 des Rats von 
Rittern und von 1457 — 1494, da er „wegen Unvennögenheit seines 
Leibes^ aus dem Kate trat, Bürgermeister. 

"') Anno etc. LXXVII, uff zinstag nach sant Margrethen- 
tag virginis da so hat Adam Walch von Ranspach, der wirt zur 
cronen, nach ervordrang miner herren der ret«n offenlich vor rat 
den burgereyd in allen pnncten, wie der burgereyd das oswiset, 
als andre barger gesworen" (cfr. Oeffnungsbuch V, fol. 187'"); d. h. 
er schwur nur den Treueid, ohne dazu auch das Bürgerrecht an- 
zunehmen. Wegen seiner Beteiligung am Anfstandsversuch der 
Brüder Bischoff musste er dann am 20. August 1482 Urfehde 
schwören (cfr. städtische Urkunden No. 2116). Als dann Bischof 
Caspar ze Rhin den Baslem im Jahre 1483 diesen Adam Walch 
zum Oberstzunftmeister aufdringen wollte, weigerten sie sich, ihn 
aufzunehmen und zwar aus folgenden Gründen : 1) dass er wider 
der Stadt Basel alter Herkommen und gute Gewohnheit, welche 
der Bischof selbst bestätiget habe, vom Bischof sei ernannt worden; 
2) dass sich Adam Walch für einen Edelmann dargegeben habe, 
da doch die Ordnung der Stadt die sei, dass keiner vom Adel den 
Rat besitzen solle, er wäre denn Ritter; 3) dass gesagter Walch 
kein Bürger, sondern ein fremder Mann sei, der hernach der Stadt 
Heimlichkeiten zu ihrem grossen Nachteil ausbringen möchte; 
4) dass er auch der Stadt Basel mit Eid und Urfehde hafte, da 
denn nicht billig sei, dass ein verhafteter Mann den Rat besitzen 
sollte; 5) dass kurz vorher, auf einem Tage zu Baden, über die 
obschwebenden Spennungen verabschiedet worden sei, dass der 
Bischof bis Bartholomaei keine Neuerung und Unfreundlichkeit 
wider sie vornehmen sollte (cfr. Ochs IV, pagg. 398 und 99 nach 
Wurstisens collectanea). Caspar ze Rhin musste dann nachgeben, 
da auch der Kaiser sich inzwischen auf Seiten der Basler gestellt 
und dem Bischof geschrieben hatte, er gebiete ihm bei Strafe von 
60 Mark Goldes die von Basel bei ihren Freiheiten zu lassen, 
wie sie bisher als eine Stadt des heiligen Reiches mit andern 
Reichsstädten in Uebung gewesen sei (cfr. Heusler, pag. 404). 
Adam Walch verschwindet von diesem Augenblick an für uns voll- 
ständig. 



499 

^^*) Heinrich ZäBÜn, dem wir schon znm Jahre 1479 begeg- 
net sind (cfr. pag. 435)) wurde 1492 Meister za Metzgern. Er ist 
wohl der Sohn von Clewi Zesselin, dem Metzger, der zum Jahre 1461 
zum ersten Male in Basel genannt wird (cfr. Schönberg, pag. 593). 

'^') Der Wirt znr Krone ist eben der schon genannte Adam 
Walch (cfr. Anmerkung 113). 1478 wird ttber ihn geklagt, dass 
er wider die Ordnung Wirtschaft führe (cfr. Ochs IV, pag. 394.) 
"•) Der Jörgen- oder Geryentag ist der 23. April, der in 
Basel damals offenbar, gleich wie in anderen Gegenden gewöhnlich 
der I.Mai, als der Hauptfrühlingstag durch besondere Gebräuche 
— namentlich Ausfahrten (Maifahrten!) — von der erwachsenen 
Jugend gefeiert wurde. Für Basel ist die Sitte, so viel ich sehen 
kann, sonst nicht bezeugt, wohl aber bis in die neueste Zeit für 
das benachbarte Grossherzogtum Baden (cfr. Elard Hugo Mejer 
„Badisches Volksleben im neunzehnten Jahrhundert,^ pagg« 219 
und folgende. Für die Hinweisung auf dieses Buch spreche ich Herrn 
Prof. Ed. Hoffmann auch hier noch meinen besten Dank aus). Ueber 
die Art und Weise, wie dieses Fest in Basel gefeiert wurde, er- 
fahren wir nicht viel. Folgendes allein scheint sich aus den ver- 
schiedenen Berichten, die wir anlässlich des Mordhandels von 1482 
darüber besitzen, mit einiger Wahrscheinlichkeit zu ergeben : Erstens 
einmal, dass das Fest augenscheinlich ein spezielles Elein-Basler- 
Fest war, das ausserhalb der Mauern der minderen Stadt gefeiert 
wurde, da es ausdrücklich heisst, dass die Verschworenen „an der 
widerfart alle, die so sy der reten uff unser rinbrugk versamnet 
betretten, mitsampt den knechten erstechen und umbbringen^ 
wollten (cfr. des Rats Schreiben vom 22. Dezember 1483 an die 
Mitglieder der niederen Vereinigung, bei Boos, pag. 379). Auch 
Pfeff erlin gibt in seinem Vergicht an, wie sie wollten „die sachen 
Yolziehen in dem rate oder uff der rinbrucken.** Weiter heisst es 
dann daselbst, wie „das mort solt geschehen sin uff sant Jorgen- 
tag, so das iung volck sich samlet^ (cfr. Beilage zu der „Memoria 
uff den Tag gen Nuwenburg,^ von der noch später die Bede sein 
wird). Cfr. auch pag. 444 dieses Aufsatzes, letzte Zeile, woselbst 
Pfefferlin spricht, wie die Verschworenen wollten „gon sannt Jörgen 
hinussziehen, und wo wir im veld versamlet werden, die nit wissten, 
in sy tragen unnser söliche meynuug^ u. s. w. Noch deutlicher 
drückt sich der Bat aus in dem schon erwähnten Schreiben an die 
Glieder der niederen Vereinigung: „. . . Und was solicher irmort- 
licher anschlag in den fügen nit furtgang gewinnen mochte, wolten 



500 

sie sich nff sant Geiyenta^, als man denn by nns denselben 
Geryen uff ein halb mil weg:e8 von anaer atat pfligt se 
anchen, yeraamnen, dahin ziehen nnd an der widerfart** etc. Was 
es mit diesem Suchen des heiligen €^org fUr eine Bewandtnis 
hatte, iat mir unbekannt ; das aber ersehen wir aus den ang^efuhrten 
Stellen, dass wenn es auch ein Fest der erwachsenen Jag«nd war, 
dennoch die ganse Stadt daran teilnahm, auch sogar der Rat. 

Nicht zu yerwechseln mit dem St. Georgstag ist der St. Gre- 
gorstag (der 12. M&rz), den fräher in Basel die Schu^ugend fest- 
lich beging (cfr. Fechter „Geschichte des Schulwesens in Basel bis 
mm Jahre 1589,^ Einladungsschrift zur Promotionsfeier des Gym- 
nasiums und der B«alschule, Basel, 1837, pagg. 80 und 31, sowie 
denselben in der Topographie, pag. 97.) 

"0 Cfr. Fechter, Topographie, pag. 41 : „Da, wo die Strasse 
„„unter den Bechern^*' auf den Kommarkt ausmündete, st'and in 
den ältesten Zeiten ein Turm, genannt ^^^der weisse Turm ;^^ schon in 
der Mitte des XHI. Jahrhunderts stand er nicht mehr, sondern auf 
seinem Areale war ein den Namen „„weisser Turm,*^** später „„roter 
Turm^^ tragendes Haus erbaut worden^ (jetzt Freiestrasse 2). 

"*) Der hier genannte Heinrich von Arx, wohl Sohn von 
Heinrich von Arx, Meister und Ratsherr zu Webern, war später, 
von 1486 — 1496, Landvogt auf Homburg (cfr. Über denselben auch 
Basler Jahrbuch 1888, pag. 263). 

"^ „Die ohnedies der Stadt nicht hold waren,'' das waren 
der Bischof und hauptsächlich und in erster Linie der zahlreiche, 
österreichisch gesinnte Adel. 

^*^) üeber diesen Friedrich Heussler konnte weiter nichts 
sicheres ausfindig gemacht werden ; er dürfte aber wohl der Vater 
sein von Friedrich Heussler, der schon 1505 um das Wachtmeister- 
amt bittet und der dann 1529 Sechser zu Safran wurde. Auffallend 
ist seine Bezeichnung als Herr; sie wird sich wohl am ehesten so 
erklären lassen, dass Heussler vielleicht damals Meister der Safran - 
zunft gewesen ist, die bekanntlich die letzte der vier sogenannten 
Herrenzünfte war, deren Vorsteher nicht „Meister,** wie diejenigen 
der eigentlichen Handwerkerzünfte, sondern ^Herr*' tituliert wurden. 
Einen absolut zwingenden Beweis für diese Behauptung können 
wir freilich nicht vorbringen; doch möge es erlaubt sein, auf fol- 
gende Thatsachen, die einigermassen für diese Annahme sprechen, 
noch kurz hier hinzuweisen: Wenn wir die Ratsbesatzungen der 
1480®"* Jahre durchgehen, so finden wir als Meister der Safran- 



601 

znnft Yon 1477—1482 Hans Iray genannt und seit 1485 (bis 1492) 
Hans Bftr. Nur für das Amtsjahr 1488/84 ist der Name des Meisters 
nicht überliefert; doch kann es weder Hans Bär gewesen sein, 
noch auch der schon genannte Hans Irmy, der seit 1483 bis su 
«einem im Jahre 1487 erfolgten Tode Ratsherr der Zunft war. 
Von 1477—1482 hatte Jakob Ton Sennheim diese Würde bekleidet 
gehabt. In den geraden Jahren war von 1478 — 148ö Hans Iselin 
Meister, Ratsherr aber Von 1478—1491 Ludwig Zschekenpttrlin. Wie 
wir aus diesen Daten ersehen, ist also gerade für das in Frage kom- 
mende Jahr 1488/84 der Name des Meisters zu Safran unbekannt ; 
es steht demnach der Vermutung, dass dies Friedrich Heussler 
könnte gewesen sein, nichts entgegen. Dass dann schon 1485 ein 
anderer Meister (Hans Bär) auftritt, wttrde sich leicht aus der 
Teilnahme Heusslers am Tumult von 1482, die ja erst nach den 
Wahlen, im Dezember 1483, durch Pfefferlins Vergicht bekannt ge- 
worden war, erklären lassen. Dass Heussler vorher nicht Sechser 
gewesen ist, ist zwar auffallend, aber durchaus nicht ganz unge- 
wöhnlich. So ist z. B. in derselben Safranzunft in ein und dem- 
selben Jahre (1486) Heinrich von Sennheim Sechser und zugleich 
auch Meister geworden ; Heinrich von Brunn wurde 1468 Ratsherr 
zum Schlüssel, ohne vorher Sechser gewesen zu sein ; endlich ist be- 
kannt, wie Nikiaus Rüsch, seit 1474 Stadtschreiber zu Basel, nachdem 
er Ende 1496 dieses Amt niedergelegt hatte, 1497 Oberstzunftmeister 
und erst das Jahr darauf auch noch Ratsherr zu Safran wurde, 
ohne je Sechser der Zunft gewesen zu sein. Ich verdanke die Kennt- 
nis dieser Ratslisten der Zuvorkommenheit von Hm. Dr. Aug.BernouUi, 
dem ich dafür auch hier noch meinen besten Dank ausspreche. 

£s mag noch beigefügt werden, dass die Heussler -- ursprüng- 
lich Fischer und Schiffleute— seit 1480, da Hans Heussler, „dertessen- 
macher,** als der erste des Geschlechtes die Safranzunft erworben 
hatte, bis zu Ende des Xvill. Jahrhunderts dieser Zunft angehörten. 

*^*) Dieser Jakob Meyer ist weder mit Jakob Meyer zum 
Hasen, noch mit demjenigen zum Hirzen, die beide 1482 noch 
minderjährig waren, zu identifizieren ; hingegen dürfen wir wohl 
in Jakob Meyer, dem Krämer, der 1484 und 1490 als Gläubiger 
Bischof Caspars ze Rhin genannt wird (cfr. Chroniken IV, pag. 408), 
dieselbe Person wiedererkennen. Seine Ehefrau war Anna Gallicion 
(cfr. städt. Urkunden No. 2172). Es ist nicht ausgeschlossen, dass 
wir in ihm den Vater des späteren Bürgermeisters Jakob Meyer 
zum Hasen zu sehen haben. 



502 



'") Wyttlikon wohl gleich Wislikon in der Grafschaft Baden. 
«") Cfir. Städtische Urkunden Nr. 2189. 
»•*) Cfr. darüber Choniken IH, pagg. 533—549, sowie Bei- 
triige 12, pagg. 225—246. Dass etwa einmal der Rat das Asyl- 
jecfat auch nicht respektierte, ersehen wir aus Ochs IV, pag. 412, 
woselbst zum Jahre 1486 berichtet wird : „Am Frohnleichnamstage 
floh ein Todschläger in die Martinskirche, zum Altar, wo eben der 
Priester Messe las. Er wurde aber von den Stadtknechten ange- 
halten, weggeführt und enthauptet.^ 

'*') Cfr. pag. 427 unserer Abhandlung, woselbs Hans Bischoff 
Hutter bezeichnet als zu „siner gemaheln sipschafft*^ gehörig. 
**•) Trösten — : freies Gheleit zusichern. 
'") Cfr. Oeffnungsbuch VI, fol.54r. 
*«•) Cfr. Missiven XVI. 
»») Cfr. Oeffnungsbuch VI, fol. 59^. 

''^) Am 31. Juli hatte der Rat an Peter Bischoff folgendes 
Schreiben abgesandt:. 

„Wir Peter Rot, ritter, burgermeister und die rate der 
stat Basel lassent dich, Peter Bischoff, wissen: Nachdem diu 
begerung an uns ist, dir ein geleit für uns ze geben und 
din antwurt und unschulde ze yememmen, und so veme diu 
antwurt gut sye, dz du soliche antwurt geniessest, sye damit^ 
dz wir dich alsdann stroffen mögen etc. dz wir da uff solich 
din beger und erbieten dich getrost und solcher gestalt haben 
in acht tagen den nechsten bar in unser stat ze kommen, 
sind wir geneigt din antwurt ze hören und wollen din un- 
schulde oder din schulde yememmen. Geben uff mittwoch vor 
vincula Petri anno etc. LXXXTP." 
Am 7. August (also acht Tage später) schrieb der Rat wieder- 
um an Peter Bischoff: 

„Wir Peter Rot, ritter, burgermeister und der rat der stat 
Basel lassent dich, Peter Bischoff, wissen, dz wir din schriben 
empfangen, und wie vorher din begerung gewesen ist-, in der 
gestalt haben wir dir unser tröstung zugeschriben; ob da an- 
ders din meynung gewesen ist, haben wir nit mögen wissen, 
denn demnach under uns angelang hatt, also haben wir oucfa 
gehandelt. Doch, wie dem, damit du nochmals spürest, dir nit 
wellen verziehen do zu hören, machst du dich in VIII tagen 
den nechsten harein und fügen und du verantwurten, wollen 
wir dich gutlich hören und uff das so trösten, sagen wir dich 



503 

sicher har in unser atat ze kommen, und nach yerhörung; diner 
antwurt wider von uns an din gewaresamm für nns und die 
üweren an die ende zu yersprechen stand ungeTarlich. Geben 
uff mittwochen nach Sixti anno etc. LXXXIP.^ 

^^) Lescher, ursprünglich = dummer, niederträchtiger Mensch, 
hier = dummes Zeug (?). 

"•) Cfr. Oeffnungsbuch VI, fol. 61 r. 

*") Truwen = Zuversicht haben, erwarten. 

*'*) Mit der Bericht zu Brisach sind die Bestimmungen der 
sogenannten Breisacher Richtung Tom 14. Mai 1449 gemeint ; über 
die hauptsächlichsten Bestimmungen derselben cfr. Heusler, pagg. 
307 und folgende. 

*") Mit diesen Worten verweist der Rat die Brüder Peter 
und Hans Bischoff auf den Tag zu Strassburg; vorher will der- 
selbe auf keine Unterhandlungen mehr eingehen. 

*■•) Nicht vor Austrag der Hauptsache, d. h. nicht bevor Über 
ihn, (Hans Bischoff) wegen seiner Teilnahme an der Verschwörung 
gerichtet worden ist. 

"') Brust des rechten oder auch, wie hier, der Ziemlichkeit 
= Rechtsbruch ^ Unrecht, Verfehlung. 

'") Dasselbe hatte, wie wir gesehen haben, (cfr. oben pag. 450), 
am 15. August 1482, stattgefunden. 

"•) Cfr. Abschiede IH, Nr. 225 (pag. 195). 

"<^) Cfr. oben pagg. 454 und 455. 

^*^) Das noch gut erhaltene Siegel Hans Bischoffs — nur die 
Unterschrift ist nicht mehr recht leserlich — besteht aus einem 
T-artigen Balken, ähnlich dem der Hütschin (cfr. Über letzteres 
Wurstisens Chronik, pag. 506), nur ohne den hier darunter befind- 
lichen Dreiberg. In dem nun in der Berliner Zeughausbibliothek 
aufbewahrten Basler Armorial (des Matheus Han?) befindet sich 
pag. 885 dasselbe Wappen, freilich ohne Namen, aber mit Farben- 
bezeichnung: weisser Balken in blauem Feld. Da nun, wie wir 
wissen, Hans Bischoff seinerzeit Sechser zu Metzgern gewesen ist, 
so ist es, meiner Ansicht nach, nicht ausgeschlossen, dass der 
Verfertiger des Armorials das Wappen einem ehemaligen Wappen- 
buch der Zunft entnommen hat. 

Hans Bischoffs Bruder Peter führte in seinem Siegel ein ein- 
faches B. 

"') In Wurstisens Wappenbuch findet sich pag. 111 folgender 
Eintrag: »1485 Ludwig von Tann zu Tangstein. Nescio eins in- 



504 

signia. Diesef enthielt Hans Bischof, den metziger, so der statt 
Basel ahgesagt.^ Es ist dies, wie schon bemerkt, bis anf Boos 
hinab der einzige Hinweis anf dieses Ereignis. Vermntlich ge- 
hörte Ludwig von Thann zn dem im Jahre 1608 mit ebenfalls 
einem Ludwig aussterbenden Geschlechte, das in Rot drei weisse 
Adler führte (cfr. Eündler v. Knobloch „Der alte Adel im Ober-- 
elsass,^^ pag. 94). 

"") Enthalten = Aufenthalt gewähren. 

"*) Conrad von Wabern gehört wohl sicher zu dem Bemer 
Geschlechte dieses Namens, die beiden Wyss zu dem Zürcher Ge- 
schlecht. Ein Mathias von Wyss (gest. 1528) war von 1502<-ldlO 
Bürgermeister zu Zürich, nachdem er schon seit 1489 dem Rate 
der Stadt angehört hatte. 

"*) Cfr. August BemoulU „Die Basler vor Blochmont^ in den 
Beiträgen, Band 12, pagg. 186 und 187. 

"•) D. h. den Bischof von Strassburg, der ebenfalls neben der 
Stadt Mitglied der niederen Vereinigung war. Bischof von Strass- 
burg war damals, seit 1478 und bis 1506 Albert, Pfalzgraf bei 
Rhein und Herzog in Bayern, mit dem Spottnamen „Butterbüchse. '^ 

"') Alle diese Briefe sind den Missiven, Band XVI, ent- 
nommen. 

^^) Der Rat liess diese Fehdebriefe Hans Bischofs und Ludwigs 
von Thann durch den Notar Johannes Struss am 24. Mai 14S4 vidi- 
mieren (cfr. städtische Urkunden No. 2204). 

**•) Verantworten hier =:: zur Verantwortung, Rechtfertigung 
zulassen. 

»«») Cfr. Abschiede HI, Nr. 204 (pag. 173). 

"*) Politisches (alte Signatur : L. 114, No. 25): „Abgeschrifften 
und abscheidt und allerley hendel uff den tagen zu Nuwenburg und 
Schlettstatt : von Craynen, von des veylen kouifs, von Hanns Bi- 
schoffen, von Pf eff erlin und ander glich sachen wegen." 

"*) Die Breisacher Richtung bestimmte darüber: „Von der 
Zölle, des Geleits und des feilen Kaufs wegen sollen sich Oester- 
reich und die, so die Aemter und Lande im Lande im obem Elsass 
und Sundgau jeweilen von ihm innehaben, gegen denen von Basel 
halten wie von Alter herkommen ist, und wie diese drei Stücke 
von des Herzogs Vorfahren sind gehalten worden, bevor die Aemter 
Pfirt, Landser und Altkirch verpfändet wurden ; und die seitherigen 
Neuerungen und Beschwerungen sollen abgethan sein. Ebenso 
sollen die Basler mit dem Geleit und dem feilen Kauf im Breiagau 



605 

und Schwarzwald gehalten werden (cfr. Hensler, pag. 807). Der 
feile Kauf und der freie Zog wnrde den Baslem z. B. gewehrt 
durch die Mörsberg und Bamstein, welche Pfirt nnd Altkirch inne 
hatten, und durch die fiptingen^ welche im Sundgan reiche Lehen 
besasBen (cfr. Heusler, pag. 291). Cfr. auch Geering (pag. 298) über 
Graf Oswalds von Tierstein Plackereien Basel gegenüber. 
**^ Cfr. oben pag. 458. 

"*) Wohl Verschreibung für Hapichsheim {= Habsheim, südöst- 
lich Mülhausen), woselbst die Schaler den Zoll besassen (cfr. Heusler, 
pag. 290). 

^") Heimersdorf, südlich Altkirch; Ottendorf, südwestlich Pfirt. 
^**) Wörtlich „at;** das ganze Aktenstück ist sehr schlecht 
nnd flüchtig geschrieben nnd ist offenbar nur Konzept. 

"') Cfr. auch Anmerkung 151. Das genaue Datum kennen 
wir nicht, jedenfalls aber bald nach dem Tage von Schlettstadt, 
also etwa Dezember 1483 bis Januar 1484. 

*") Als Beweisstück für die Bichtigkeit der von ihnen vor- 
gebrachten Anklagen war den Boten eine gedrängte Darstellung 
von Pfefferlins vergicht mitgegeben worden, die, da sie die schon 
früher von uns darüber gebrachten Berichte nicht unwesentlich er- 
gänzt, hier noch im Wortlaut folgen mag: 

„Hans Schuler genannt Pfefferlin hat veryechen: Hans 
Bischoff, Pfefferlin und ettliche andere, nit not ist ze bestymen, 
haben etliche versamlungen gemacht, sich ze stercken, und vil 
ander gesellen zu inen verpflichten, und unterstanden den eynen 
gesessnen rate zu überfallen, zu ermorden, ufflauff in der statt 
Basel ze machen, dadurch die erberkeit ermordt, die stat von 
Basel in fremde band zu oberkeit komen und übergeben Wurden. 
— Item, semlicher anslag hatt lange zit gewert, und ent- 
sprungen ze wyhenacht im LXXXI iore. Dazwuschent hat ire 
ieder gearbeit in siner ' zunfft und an andern orten, uff das 
semlich mort mocht bescheen, als euch zuledst derselben losen 
knaben vil worden sint und ob XI in ejner zunfft. Item si 
haben sich zem dickermale und an manigen orten etc. in husem 
und in garten besamlet und semlicher wort gebrucht : „„Lassend 
uns uff das richthus louffen wann die herren by einander sitzen 
si ze erstechen, zu metzigen und zem teyl an die seile hencken; 
ich will selbs anfangen an dem nesten by der tür und sechs 
oder süben erstechen. Wir finden wol ein hundert gesellen 
oder vier, so wollen wir zesammen sweren und die sachen vol- 



506 

ziehen in dem rate oder uff der rinbracken/*^ — Item Hans 
Bischoff and Pfefferlin haben an vil gesellen, fremd und heimisch, 
arm und rieh, semliches gesucht; ettlich haben zugesagt^ ett- 
liehe wolten nüdt damit ze schaffen haben. Item das mort solt 
gescheen sin uff saut Jorgentag, . so das iung yolck sich samlet etc. 
Item : „^Man soll die herren, die rete, an die zehen uffhencken.''^ 
— Item sie haben ouch angeslagen wie sie ettliche zwey oder 
dry der reten mochten bringen in ire gesellschafft, und wiesle 
wolten die buchsen verwarten etc. wolten ouch alle die erstechen, 
so den herren wolten helffen. — Item es sigent ouch etüieh 
der reten mit nammen süben oder acht, nit die mynder, be- 
stimpt und genennt worden, denen Hans Bischoff und sin ge- 
sellen vjend sind. Item Pfefferlin was in willen eyuer statt 
vyend ze sind." 
Cfr. damit auch noch Boos, pagg. 378 und 379. Der schon ge- 
nannte Friedrich Heussler dürfte eben eines der Batsglieder ge- 
wesen sein, die auf Seiten der Verschwörer standen. 

*»•) Cfr. stadtische Urkunden No. 2208. Die Namen der beiden 
Listen stimmen zwar nicht ganz miteinander überein (cfr. für die 
zweite Liste: Urkundenbuch VIII, pag 524). 

'^ Hans Thüring yon Fridingen zu Hohenkrähen, Sohn Hans 
Wilhelms yon F. auf Hohenkrähen, Herrn zu Schenkenberg etc. 
und der Anna yon Grünenberg, ist urkundlich bezeugt für die 
Jahre 1479—14:97 ; 1510 ist er jedenfalls tot Seine Ehefrau war 
Yeronica yon Homburg, die Witwe des Ritters Sigmund yom Stein. 
Ihre Ehe war kinderlos (cfr. Kindler y. Knobloch „Oberbadisches 
Geschlechterbuch"). Cfr. über ihn und seine Brüder Hans und Eitel- 
hans auch noch: Abschiede III. Es ergiebt sich daraus, dass die- 
selben ganz gewöhnliche Raubritter waren. 

'"^) Ueber Egk yon Rischach lesen wir, ebenfalls in den Ab- 
schieden (III, pag. 213) zum Jahre 1485, dass er im Verdacht stehe, 
dem Sonnenberg yon Luzem ein Pferd auf dem Rafzerfeld ent- 
wendet zu haben. 

*•«) Cfr. städtische Urkunden No. 2222 und 2223. — Wendel 
von Homburg, Sohn Conrads und der Eya you Wembdingen, ist 
urkundlich bezeugt für die Jahre 1485—1507. Er war Rat und 
Diener des Pfalzgrafen bei Rhein, sowie Pfleger zu Loehningen. 
1500 yerbündete er sich mit Graf Heinrich yon Tierstein und 
anderen wider ihre Feinde, die Eidgenossen. In erster Ehe war 
er yerheiratet mit Susanna yom Haus, in zweiter Ehe mit Dorothea 



507 

Fuchs Ton Fachsberg (cfr. Kindler t. Knobloch „OberbadischeB Ge- 
ichlechterbach^). 

'^ Cfr. st&dtische Urkunden No.2226: Ludwig Busch, Bürger 
2U Basel, den Bürgermeister und Rat von Basel seiner „yerschul- 
digung halb an ettlichen den Iren nnnd annderen in dem koufhuse, 
darinne mengklich gefryet ist, unnd nserthalb begangen, onch der 
tröuwortten halb, so ich dann ye dickest gebrucht hab, snnder den 
Termelten minen gnedigen herren der statt Basel ein vynndtschafft 
woUen sagen, sy onch annders denn Hanns Bischoff wellen suchen 
und schedigen mit me ungeburlichen wortten und wercken, durch 
mich Tolbracht,^ ins Geföugnis gelegt, schwort, wieder freigelassen, 
Urfehde (3. Februar 1486). 

Städtische Urkunden Nr. 2288 : Lorenz A^ch, der in der Fehde 
der Basler mit Hans Bischoff, dem MetEger, g«gen die Basler ge- 
halten, von diesen dann dabei gefangen genommen und geschätzt 
worden, schliesslich aber auf Verwendung mehrerer hochstehender 
Personen begnadigt worden ist, „also daz sy strenngkeitt des 
rechten, ouch die Schätzung, uff mich geleitt, hindangesetzt,** wird 
„mit abtrag des atzes und tnrmlSsy^ freigelassen und schwört Ur- 
fehde. (Datum : 11. August 1485.) 

Städtische Urkunden No. 2240 : Melchior Lenzli, der ebenfalls 
in der Fehde der Basler mit Hans Bischoff yon jenen gefangen 
genommen und schon „Tom leben zum tod bekannt worden ist ze 
richten," dann aber auf Fürbitte des Grafen Wilhelm von Tierstein 
wieder freigelassen worden ist, schwört Urfehde (8. Oktober 1485). 

'•*) Cfr. Geheime Registratur Y. I. H. 

»•») Cfr. städtische Urkunden No^ 2237. 

^^) In dem ebengenannten Friedensvertrage vom 8. August 
1485 wird Hans Bischoffs als eines Toten gedacht; die Fehde 
zwischen der Stadt Basel und Ludwig von Thann wird bezeichnet 
als „harrürende von Hannsen Bischoff, dem metziger von Basel 
seligen." Ueber die näheren Umstände seines Todes jedoch er- 
fahren wir leider gar nichts. 

*•') Cfr. Ochs IV, pag. 407, sowie oben Anmerkung 104. 

*••) Cfr. über denselben : Holzach in „Basler Biographien" I, 
pagg. 38 und folgende. 

^^) Bernhard von Blumeneck, Sohn fingelhards und der Ana- 
stasia von Randeck, wird seit 1477 als Fürsten bergischer Lehens- 
mann genannt ; gestorben ist er 1484. Cfr. über denselben : Kind- 
ler V. Knobloch „Oberbadisches Geschlechterbuch." Als Pfandherr 



508 

zu Pfirt ist er mir zoni erBten Male begegnet im Jahre 1481 (cfr. 
Rappoltstein. Urknndenbuch V, pag. 261). 

^^^) Ludwig Tittlinger (oder auch Dittlinger), gest 1501, war 
Hauptmann der Bemer in der Schlacht bei Murten und wurde 1479 
des Rats, sowie 1480 ein erstes Mal Venner. Cfr. ttber denselben 
Holzhalbs Supplemente zu Leu's helvetischem Lexikon, n, pagg. 55 
und 56. Ueber des Geschlechtes sagenhafte Abstammung von den 
Herren Ton Sax und Grafen Ton Hoya cfr, ebendort pagg. 49 und 
folgende. 

*") Cfr. Missiven, die erst seit 1487 in dieser Angelegenheit 
zwischen Basel und Bern gewechselt werden. 

"') Cfr. den Richtungsbrief zwischen Basel und Lienhard Ton 
Aarau, ausgestellt am 25. Januar 1491 von Schultbeias und Rat zu 
Rheinfelden (städtische Urkunden No. 2354). 

"•) Lienhard von Aarau gieht dann als Grund seiner ver- 
dächtigen Flucht aus Basel, gleich nachdem durch Pfefiferlin der 
Anschlag der Brüder Bischoff verraten worden war, vor Rat und 
Schultheiss zu Rheinfelden folgendes an: 

„Es were nit on, demnach und er vor ettlichen veigangen 

iaren uff ein zit by Peter und Hannsen Bischoffen, gebrftdem, 

und Lienh arten im Hag, dozumal den metzigem zu Basel, uff 

dem kommerckt gestanden were und ettlich wort von denselben 

gehört und darnach vernommen hett, daz dieselben Biscfaoffe 

inn die fryheit gangen, da so weren im die wort, die er von 

innen gehört hett, ingebildet und hett besorgt, dwil man in by 

inen het sehen stan, so möchte er verargwendt und umb Sachen, 

der er unschuldig were, angenommen und gemartert werden ee 

er zu verantwurten kSm, und uss der fürsorg, daz er solidi 

martcr und gewalt mer den recht gefurcht hette, were er von 

der statt Basel — doch nit vem darvon — gewichen.** 

Die Entgegnung der Basler auf diesen ziemlich verunglfickten 

Rechtfertigungsversuch Lienhards von Aarau, sowie seine Übrigen 

Aussa4ren» lautet ebendort wörtlich also: 

. . . . ^Zu solichem der obgenant von Basel obgestimpten 
aiiwelt furer redtent und des ersten uff Lienharts ersten artickel, 
iu dem er zuletzst meldet, daz er marter und gewalt mer den 
nn-ht getorcht und sieh von der statt Basel getan etc. im nit 
not iretan het» denn ir heren sich dheinswegs aigs zu im Ter- 
st^hen, so were oueh von den gnaden gottes, noch me von iren 
hertMi gehört, daz sy yemanden gewalt oder wider recht get«n. 



509 

ouch jemanden on mercklich nrsach, daniff denn biilichen zn 
gründen were, gepingefe hetten, werent onch sölichs billich von 
im Tertragen; und als er dann fnrer snm andern mal meldete, 
Tor einem geseaanen rate zu Basel die Ursachen sins abwichens, 
onch die wort, so er Ton den Bischoffen obgenant geh'ört und 
was er darzn geantwnrt entdeckt und sich sölichermass ent- 
schuldiget hett, daz ir heren ein benügen daran gehept und in 
sicher geseit hetten, etc, were war: demnach derselb Lienhart 
von der statt Basel gewichen were, by welichem abwichen ir 
heren nüt anders betten können abnemmen, denn sich selbs des 
bemelten handele ouch schuldig wissen, und darnach umb ein 
geleit geworben und ye gemeint hett, sölichs fttrgenommen 
morthandels nit schuld noch wissen haben, mit erbietung sin 
Unschuld wollen findtlich machen, und ir heren in daruff ein 
geleit geben und sin entscfauldigung gehört, da so betten ir 
herren dennzumal sinen werten und doch nit anders gloubt, 
denn wo sich dheinest tlber kurtz oder lang anders erfunde, 
in darumb nit ledig gezalt wollen haben ; dwil es sich aber 
darnach begeben hett, daz ir heren Hannsen Pfefferlin selig 
als einen mitsecher solichs obgemelten fürgenommen morthan- 
dels zu iren banden bracht und an im sovil erfunden betten, 
daz Lienhart desselben handeis witter denn er sich vor ent- 
schlagen ouch schuld und mitwissen gehept hett, dessglichen 
von Peter Keller, dem müller, den ir heren umb obgemelten 
handel ouch angenommen betten, innhalt ir beider vergichtten, 
die sy für uns inn recht bitten und uff ir beger Terlesen und 
gehört wurden, da so betten ir heren uff ir guten fründ und 
getruwen eidgenossen tou Bern obgemelt schriben geantwurt, 
wie dann Tor zu guter mass inn ir antwurt angezogen were, 
aber wie yor hoffende, daran nit unrecht getan, sölt sich ouch 
niemer erfinden si in einicher verreterie geschuldiget haben." 
"*) Cfr. oben pagg. 439—446, woselbst Pfefferlins Vergicht 
in extenso mitgeteilt worden ist; Lienhard tou Aarau wird in 
demselben allerdings nicht mit Namen genannt. 
"») Cfr. pagg. 446 und 447. 
*'•) Erbieten = erweisen, sich zeigen. 

"0 Jnnker Lienhard Grieb der ältere, seit 1469 Mitglied des 
Bats von Achtbnrgem, wurde im Jahre 1484 Oberstzunftmeister 
(cfr. Chroniken lY, pag. 74, Anmerkung 4). Sein gleichnamiger 
Sohn, mit dem er viel verwechselt wird, wurde 1504 ebenfalls 



510 

Oberstznnftmeiater. Zum letzten Male wird er, so viel ich sehe, 
1497 genannt als Mitglied der neu errichteten NenneriEommission, 
die „der Stadt Begiment, Wesen und Stand zu ordnen** hatte 
(cfr. Heusler, pag. 419). Er war einer der bedeutendsten und ge- 
wandtesten Basler Diplomaten jener Zeit und wurde zu zahllosen 
Gesandtschaften verwendet (cfr. Heusler, pag. 412). 

"*) Cfr. oben pag. 446, Pfefferlins erstes Vergicht. 

"•) D. h. ihnen nicht eine Fehde anzusagen, wie dies also 
Hans Bischoff getan hatte, sondern die Entscheidung einem Schieda- 
gerichte anheimzustellen. 

'^) Cfr. über diese ganze Angelegenheit auch Missiven von 
1487—1490. 

"*) Graf Wilhelm von Tierstein, der jüngere Bruder des 
schon mehrfach genannten, im Jahre 1487 gestorbenen Grafen Os- 
wald von Tierstein. Er selbst starb erst 1498. Cfr. ttber denselben 
Birmann im Basier Jahrbuch von 1883, pag. 88. 

"') Cfr. oben Anmerkung 180, sowie auch Missiven XVn, 
pag. 302, vom 14. August 1490, wonach schon damals Bürgermeister 
und Rat der Stadt Basel Lienhard Grieb, Heinrich Rieher und 
Stadtecbreiber Nikiaus Rttsch Vollmacht gaben, sie vor Schultheiss 
und Rat zu Rheinfelden gegen Lienhard von Aarau zu vertreten. 

*") Bezieht sich auf die von uns an zweiter Stelle — pag. 446 — 
gebrachte Vergicht Pfefferlin's. 

"*) Wefem = sich hin- und herbewegen. Noch heutzutage 
wird dialektisch gebraucht „sich verwefem** im Sinne von unruhig 
sein, sich aufregen ; ursprünglich also : in der Aufregung hin- und 
herspringen. Die Wortverbindung „wefem und wandlen" ist ein 
ähnlicher formelhafter Ausdruck wie „Mann und Maus*^ oder „Kind 
und Kegel." 

"•) Cfr. oben pag. 465. 

"•) Bestehen = verstehen. 

"') Cfr. städtische Urkunden No. 2344, 2346 und namentlich 
2347, vom 7. September 1490, in welcher „Gregorius Bruuswiler 
genant Swegler, clericus von Costentz, und mit einer einigen und 
iunckfrowen vermehelt, von bäpstlichen und keyserlichen ge walten 
ein offner und des geistlichen bischofflichen hofes zu Basel ge- 
sworener notarius und schriber," bezeugt, wie im Handel der Stadt 
Basel mit Lienhard von Aarau im Beisein des Stadtschreibers 
Nikiaus Rüsch, an eben diesem Tage (dem 7. September 1490) vor 
Rat folgende Aussagen über Pfefferlins letzte Aussagen gemacht 



611 

worden sind: „Nemlich des ersten Henrich von Sennheim, ob 
Tiertzi^ iaren alt oder daby, seit by sinom eyd, das der genant 
Pfefferlin sälig, als yetz by siben iaren sien ungevarlich, uff dem 
eselthnmlin zu Basel gntwilligklich, anzwangen nnd antrungen, 
gesander sinnen and vemnnft, an alle pingang oder martrang, 
alsbald er za disem zagen and andren, so darza von einem rat 
geordnet warend, kam bekennen und sagen, wie das er und Lien- 
hart von Arow and ander, die zyt darch in bestimpt, des willens 
und gemüts gewesen wlirind sunder einen versamneten rat zu 
Basel . . , zu tiberfallen" a. s. w. Es folgen die aus den ver- 
schiedenen Vergichten schon bekannten Details, namentlich werden 
auch die Drohworte, die Lienhard von Aarau gesprochen haben 
soll, alle wieder aufgezählt. — „Hanns von Kilchen des rats obge- 
nant, ob dryssig iaren alt, sagt, uff die vorgeschribnen meynung 
gefragt, by sinem eyd, das im nit wyter ze wissend, dann das 
war sie, do man Pfefferlin s&ligen ussfürte des willens das man 
zu im wolt richten umb siner obgeschriben missetat willen und 
enthopten, wie recht und urteil geben, was stünde diser-zögan der 
gassen zu Basel by Steffan Maltres, bargers zu Basel, huss, nnd 
do Pfefferlin biss dar kam, ficnge her Conrad t Hanf Stengel, priester 
und caplan zu Basel, zu Sant Petersthumb, der ouch da nebend 
disem zögen stund, zu Pfefferlin säligen sprechen und reden sollich 
meynung : „„Pfefferlin, du hast ettlich miner vettern vor einem rat 
geschuldiget und angeben; mm diner sei, es ist doch daran und 
hastu ettlich angeben und etwas von inen gesagt, darinn du inen 
unrecht gethan hast, so besinn und denck doch daruff und sich diner 
sei heil an und widertifs."" Daruff Pfefferlin her Oonraten antwnrtet 
also: „„Lieber her, land mich yetz onbekumbert; ich hab andres 
ze schaffen ; was ich minen heren geseit hab, daby lass ichs beliben 
nnd wil also sterben das es die warheit ist.*^*^ Sei ouch also ge- 
storben derselben stund und enthoptet worden, das diser ztig nie 
verstanden hab, das Pfefferly einicherley wideruf gethon hab. — 
Burekart Besserer, kürsenerknecht, zweyundzwentzig iaren alt oder 
darob, by sinem geschwomen eyd gefragt, was im der obge- 
schriben Bach halb zu wissen seye, sagt, er wüsse wol und hab 
das gesechen und gehört, als yetz by siben iaren ongevarlich sey, 
do Pfefferlin sälig hinuss wurde gefürt und an die stat kam, do 
man in wolt enthopten (vor dem Steinentor), spräche Hans Breit- 
Bchwert, burger zu Basel, zu Pfefferlin: „„Pfefferlin, sich diner sei 
heil an und besinn dich wol, habest du yemand geschuldiget oder 



512 

utzit gesagt in diner yergicht^ das nit war sie, so sag es und 
offens daruff;^*' antwnrtet der genant Pfefferlin and sprach: Was 
er sinen heren den raten veriechen und gesagt het, das war war 
und neme das uff sin letztes end und wil onch also sterben. 
Wurde ouch derselbe Pfefferlin glich daruff enthoptet on alles 
widerruffen, das het diser zog gesechen und gehört* Wyter weysst 
er nit ze sagen. ^ 

'^) Der SchluBssatz des umfangreichen Richtungsbriefes lautet 
wörtlich also: 

„Dises unsers rechtlichen Spruchs zu warem Urkunde haben 
wir obgenant schultheiss und rat dem begerenden teil disen 
urteilsbrieff, uff sechs permentinbletter geschriben, mit unser 
statt Rinfelden secretingesigel an ein sydenschnur roter und 
gelwer farwen durch dieselben sechss bletter gezogen, offenlich 
gehenckt, besigelt. Geben uff zinstag sannt Paulus bekenmg- 
tag des iares als man zalt nach Christi, unsers heren, geburt 
yiertzehenhundert nüntzigk und ein iare.^ 
»«•) Cfr. städtische Urkunden No. 2480. 
»•«) Cfr. Basler Neiyahrsblatt von 1901, pag. 18. 
"») Cfr. z. B. oben, pag. 442. 



. und XV. Jahrhundert. 



der Metzger Werner von Vislis, der Metzger 

4). (1411). 



Tochter (1451). 



Bischoff Heinrich Bischoff 

Jo [?] ). (1445). 

•dv.Aarau, 

rer (?) 

.497). 



Dorothea Bischoff (?) 

(1454). 

mar.: Lienhard David, 

der Metzger, des Rata (?) 

(1446-1467). 



Inhalts-Verzeichnis 

def , 

Beiträge zur vaterländischen Gescliiclite 

Band I-XV. 



(Die rümischen Zahlen geben den Band, die arabischen die Seitenzahl an.) 



I. Autorenregister. 

Bernoulliy August, Die Eroberung des Steins zu Rhein- 
felden XI. 93-^120 

Bernoulli, August, Hans und Peter Rot's Pilgerreisen 1440 
und 1453 XI. 329-408 

Bernoulli, August, Die Pilgerfahrt Hans Bernhardts von 
Eptingen XII. 13 — 76 

Bernoulli, August, Die Basler vor Blochmont XII. 125—158 

Bernoulli, Karl Christoph, Der Landvogt Peter von Hagen- 
bach. Erster Teil .... XIII. 313—380 

Burckhardt, Achilles, Worte der Erinnerung an Wilhelm 
Vischer XH. 343—356 

Burckhardt, Achilles, Christian Wurstisen XU. 357—398 

Burckhardt, Achilles, Worte der Erinnerung an Pfan-er 
Eman. La Roche XII. 523—530 

Burckhardt-Finsler, Alb., Die Gauverhältnisse im alten 
Bisthum Basel XI. 1 — 38 

Burckhardt-Finsler, Alb., Eine Geschichte aus dem Steinen- 
kloster XIII. 141—166 

Beitrage XV. 33 



514 

Burckhardt, August, Der Aufstaudsversuch der Brüder 
Peter und Hans Bischoffim Jahre 1482 XV. 401—512 

Burckhardt, Eman., Theodor Falkeisen V. 139—173 

Burckhardt, Jak., Antistes, Aus der Jugendgeschichte des 
Bürgermeisters J. R. Wettstein . I. 140 — 168 

Burckhardt, Jak., Professor, Erzbischof Andreas von Krain 
und der letzte Konzilsversuch 1482—1484. 

V. 1—106 

Burckhardt, Joh. Rud., Kardinal Joseph Fäsch. 

ni. 203—363 

Burckhardt, Joh. Rud., Baslerische politische und perio- 
dische Presse vor 1831 ... X. 209—248 

Burckhardt-Burckhardt, Karl, Begehren der Basler Bürger- 
ausschtisse im Jahre 1691 . . Vm. 69—100 

Burckhardt-Burckhardt, Karl, Die Sendung BenediktVischer's 
nach Paris 1815 .... XIII. 261—312 

Burckhardt-Burckhardt, Karl, Aus dem Tagebuche einer 
Baslerin\ur Zeit des Durchmarsches der Alliierten 

XIV. 363—400 

Burckhardt, Ludw. Aug., Geschichte der dramatischen 
Kunst zu Basel I. 169-211 

Burckhardt, Ludw. Aug., Verfassung der Landgrafschaft 
Sissgau n. 277—443 

Burckhardt, Ludw. Aug., Die französischen Religionsflücht- 
linge in Basel VII. 301—333 

Burckhardt-Piguet, Theophil, Aventicum IV. 107—150 

Burckhardt-PIguet, Theophil, Aus der Socin'schen Familien- 
geschichte XII. 295—342 

Burckhardt-Piguet, Theophil, Oberstzunftmeister Bened. 
Socin 1594— 1664 .... XHI. 31 — 82 

Burckhardt-Piguet, Theophil, Bürgermeister Emanuel Socin 
1628—1717 Xm. 167—212 



516 

Burckhardt-Biedermann, Theophil, Ueber die Basler Toten- 
tänze XI. 39 — 92 

Burckhardt-Biedermann, Theophil, Die Staatsumwälzung des 
Jahres 1798 XU. 183—223 

Burcl(hardt-Biedermann, Theophil, Worte der Erinnerung 
an Dr. Achilles Burckhardt . . Xni. 441—465 

Burckhardt-Biedermann, Theophii, Die Erneuerung der Uni- 
versität zu Basel in den Jahren 1629—39. 

XIV. 401—487 

Ehinger, Ludwig, Franz Hotmann, ein französischer Ge- 
lehrter, Staatsmann und Publizist des XVI. Jahr- 
hunderts XTV. 1—121 

Fechter, Dan. Albr., Bonifacius Amerbach n. 167—229 

Fechter, Dan. Albr., Studienleben in Paris zu Anfang des 
XVI. Jahrhunderts nach Briefen . IH. 147—179 

Fechter, Dan. Albr., Basels Armen- und Krankenanstalten 
im Mittelalter IV. 379—404 

Fechter, Dan. Albr., Job. Müller*s Briefwechsel mit Peter 
Ochs 1776—1786 .... Vm. 131-170 

Fechter, Dan. Albr., Zur Basler Buchdruckergeschichte 
(Job. Frohen u. s. w.) ... IX. 526—632 

Fechter, Dan. Albr., Ein renitenter Bischof des XVn. Jahr- 
hunderts X. 363—359 

Fischer, Friedr., Paracelsus in Basel . V. 107—137 

Frey, Hans, Die Eroberung des Aargaus 1416. 

IX. 217-289 

Frey, Hans, Basels Neutralität im Schwabenkrieg. 

X. 317—349 

Hagenbach, Karl. Rud., Jakob Sarasin und seine Freunde. 

IV. 1—103 

Hagenbach, Karl. Rud., Luther und der Koran vor dem 
Eat zu Basel. (Mit Brief Luthers.) IX. 291—326 



516 

Herzog, Joh. Jak., Christoph von üttenheim I. 33 — 93 

Nachtrag I. 305->307 

Hess, Joh. Wahrmund, Pater Gregor Girard VI. 241 -275 

Hess, Joh. Wahrmund, Kaspar Bauhin VII. 105—275 

Hess, Joh. Wahrmund, Geschichte der historischen Ge- 
sellschaft 1836—1861 . . Vm. S. VII-XVIII 

Hess, Joh. Wahrmund, Geschichte des Schulwesens der 
Landschaft Basel bis 1830 . . XIV. 123—304 

Heusler-Ryhiner, Andr., Durchmarsch General Mercy's 
durch Basel 1709 .... II. 233—273 

Heusler-Ryliiiner, Andr., Ueber den Bund Berns mit den 
Waldstätten, 6. März 1353 . . IH. 181-201 

Heusler-Ryhiner, Andr., Bund Zürichs mit den Waldstätten 
1351 V. 199—244 

Heusler-Ryhiner, Andr., Aus den Basler Ratsbüchem au9 
den Reiten des 30jährigen Krieges. (Mit 2 Fortifi- 
kationsplänen) VIII. 171—343 

Heuster-Ryhiner, Andr., Andreas RyiT. (Mit 2 Photo- 
graphien) IX. 1 — 34 

Heusler-Sarasin, Andr., Berührungen Basel's mit den 
westphälischen Gerichten ^ . . ArEII. 1 — 68 

Heusler-Sarasin, Andr., Basel'-s Teilnahme an dem nieder- 
ländischen Krieg 1488. (nach Peter Offenburg). 

IX. 183—216 

His-Heusler, Ed., Die neuesten Forschungen über Hans 
Holbein des Jüngeren Geburt, Leben und Tod. 

vm. 345—372 
Nachtrag VIII. 373-383 

Holzach, Ferd., Der Mülhauser Finingerhandel uud der 
Aufruhr von 1590 ' .... XV. 289—398 

Joneli, A., Anton Philipp von Segesser als Historiker. 

Xm. 213—260 



517 

Iselin-RUtimeyer, Frledr., Zur Geschichte der Vorstadt- 

gesellschaften BaseFs (zu St. Johann und St Alban). 

XL 121-190 
Kraus, Dan., Bürgerliche Unruhen in Mülhausen 1586 

und 1587 I. 246—304 

La Roche, Eman., Bauhütte und Bauverwaltung des Baslei 

Münsters im Mittelalter . . . XII. 77—112 
Lichtenhahn, Karl, Die Säkularisation der Klöster und 

Stifter Basels ..... I. 94—139 

Lichtenhahn, Karl, Das Basler Bürgerrecht im Bisthum. 

III. 1 — 64 
Mähly, Jak., Beatus Ehenanus . . VI. 151—207 
Merlan, Peter, Reisebemerkungen von Jakob Bernoulli. 

III. 125-145 
Meyer, Remigius, Zur Entstehungsgeschichte des ewigen 

Bundes der Eidgenossen. (Gleichzeitige Chronisten, 
Verhältnis Herzog Johaüiis zu Albrecht.) 

IV. 153—194 
Meyer, Remigius, Chronik des weissen Buches VI. 1 — 34 
Meyer, Remigius, Gertrud Anna, Gemahlin Rudolfs von 

Habsburg V. 175—198 

Meyer, Remigius, Die Schweiz vom Tode Rudolfs III. von 
Burgund bis zum Erlöschen der Zähringer. 

X. 1 — 29 
Meyer, Remigius, Briefe eines Baslers über den Vill- 
merger Krieg. (Mit Beilagen.) . X. 30 — 86 
Meyer-Merian, Theod., Die Armenherberge in Basel. 

VI. 209— 240 
Miasitowski, Aug. von, Isaak Iselin X. 87—208 

Mooyer, E. F., Reihenfolge der altem Basler Bischöfe. 

VII. 1 — 43 
Oser, Leonhard, Zunahme und Abnahme von BaseFs Be- 
völkerung I. 202—245 



518 

Oser, Leonhard, Die Stadt Basel und ihr Bischof. 

IV. 231—296 

Oser, Leonhard, Schirmhrief des Rats von Basel für zwei 
Juden VI. 279—283 

Ostertag, Albert, Ursprang und Entmcklung der deutschen 
Christentumsgesellschaft in Basel IV. 197—228 

Pfeiffer, Franz, Zwei historische Lieder auf den Beitritt 
Basels zur Eidgenossenschaft . VI. 35 — 43 

Reber, Balthasar, Ital Beding . II. 1 — 51 

Reber, Balthasar, Zwingli's politisches Wirken bis zur 
Schlacht von Pavia .... V. 245—295 

Reber, Balthasar, Reise der eidgenössischen Gesandten 
nach Paris 1663 (Bund mit Ludwig XIV.) 

VL 45—121 

Reber, Balthasar, Georg Jenatsch . VII. 177—300 

Riggenbach, Chr. Joh., Der Kirchengesang in Basel seit 
der Reformation. (Mit Beilagen.) . IX. 327—524 

Riggenbach, Chr. Joh., Nachträge zur Geschichte des 
Kirchengesangs in Basel . . X. 365—382 

Rocholl, Heinr., Die Vertreibung evangelischer Bürger 
aus der freien Reichsstadt Colmar und ihre Auf- 
nahme in der Stadt Basel . . XIV. 305—362 

Roth, Moritz, Andreas Vesalius in Basel XII. 159—182 

Salis, Arnold von, Peter Werenfels, Antistes Eccl.Basil.Vin. 
(1675—1703) XV. 1 — 116 

Sarasin, Ad., Versuch einer Geschichte des Basler 
Münsters. (Mit Titelvignette.) . I. 1 — 32 

Sarasin, Ad., Historische Entwicklung des Psalmenge- 
sangs in unserer reform. Kirche . IV. 297 — 320 

Schmidt, Karl, Der Strassburger Maler Hermann von 
Basel Xn. 4 — 12 

Schmidt, Karl, Die Briefe Joh. Oporins an den Strass- 
burger Prediger Konrad Hubert . XIH. 381—428 



519 

Sieber, Ludwig, Neue Nachrichten über das Erdbeben 
von 1366. (MitBeüagen.) . . X. 249—272 

Sieber, Ludwig, Thomas Murner und sein juristisches 
Kartenspiel. (Mit Beilagen.) . - X. 273—316 

Sieber, Ludwig, Ueber Bruder Claus . X. 360—364 

Sieber, Ludwig, Zwei neue Berichte über das Erdbeben 
von 1356 XII. 113—124 

Sieber, Ludwig (NachJass), Paul Cherler's Sendbrief über 
Oporin's Leben und Tod . . . Xin. 429—440 

Stähelin, Rudolf, Die reformatorische Wirksamkeit des 
St. Galler Humanisten Vadian . XI. 191—262 

Stehlin, Karl, Diplomatische Verbindungen Englands mit 
der Schweizim 16. u. 17. Jahrhundert VII. 45—103 

Stockmeyer, Imm., Ulrich von Hütten II. 55—107 

Anhang II. 447—451 

Streuber, Wilh. Theod., Neue Beiträge zur Basler Buch- 
druckergeschichte .... III. 65 — 124 

Streuber, Wilh. Theod., Erste Berufung der Jesuiten nach 
Luzem und Stiftung des borroraäischen Bundes. 

IV. 321-378 

StUrler, Moritz von, Urkunden über Hexenprozesse aus 
dem Staatsarchiv in Bern . . VI. 284—291 

Thommen, Rud., Basler Annalen. Auszüge aus den Ge- 
schichtsquellen des Mittelalters bis 1500. Erster 
Teil XV. 123-286 

Vischer-Merian, Karl, Die Glasgemälde in Meltingen und 
ihr Stifter Haus Imer von Gilgenberg, Bürgermeister 
von Basel XII. 247—294 

Vischer-Bilfinger, Wilhelm, Aktenstücke zur Geschichte der 
Reformation in Basel aus dem Berner Staatsarchiv. 

V. 297-318 

Vischer-Heusler, Wilhelm, Beilagen zu Heusler's Andreas 
Ryif : Ryffs Selbstbiographie, Briefe aus dem Rappen- 



620 

krieg, Ausgrabungen in Äugst, Verzeichnis der 
Schriften Ryrs IX. 35—181 

Vischer-Heusler, Wilhelm, Ein Streit des Rates zu Basel 
mit dem Deutschen Hause 1478 . Xu. 224—246 

Wackernagel, Rud., Beschreibung des Basler Münsters 
und seiner Umgebung von Christian Wurstisen. 

Xn. 399—522 

Wackernagel, Rud., Andreas Rjrff, der Stadt Basel Regi- 
ment und Ordnung 1697 , . XIII. 1 — 30 

Wackernagel, Rud., Das Kirchen- und Schulgut des Kan- 
tons Basel-Stadt .... XIH. 83—140 

Wackernagel, Wilh., Die Gottesfreunde in Basel. 

IL 111—163 

Wackernagel, Wilh., Bischof Udalrich von Basel. 

m. 367—369 

Wackernagel, Wilh., Schrutan von Winkelried. 

m. 369—372 

Wackernagel, Wilh., Das Roseubad und der Rosengarten 
von St. Jakob III. 372-375 

Wackernagel, Wilh., Bnck Dich .Täcklin! du musst in 
Ofen III. 375—379 

Werder, Julius, Zwingli als politischer Reformator. 

XI. 263—290 

Wieland, Karl, Briefe von Bürgermeister Joh. Heinrich 
Wieland VI. 123—150 

Wieland, Karl, Leonhard Thurneysser zum Thurm. 

XI. 291—328 

WSIfflin, Ed., Das CoUegium musicum und die Konzerte 
in Basel VH. 336—388 

Zehntner, Heinr., Streitigkeiten der Gerberzunft und der 
Landgerber Vm. 101—130 



521 

U. Sachregister. 



1. Quellenpublikationen. 

A. Erzählende Qnellen, Briefe, Bericbte, historische 
AnfzeichnuDgen. 

(In chronologischer Reihenfolge.) 

Thommen, Rud., Basler Annalen. Auszüge aas den Ge- 
schichtsquellen des Mittelalters, 1. Teil, von den 
ältesten Zeiten bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. 

XV. 123-286 

Sieber, Ludwig, Neue Nachrichten über das Erdbeben 
von 1356 X. 249—272 

Sieber, Ludwig, Zwei neue Berichte über das Erdbeben 
von 1356 XII. 113—124 

Sieber, Ludwig, üeber Bruder Claus . X. 360—364 

Pfeiffer, Franz, Zwei historische Lieder (ein Loblied und 
ein Schmachlied) auf den Beitritt Basels zur Eid- 
genossenschaft VI. 35 — 43 

Schmidt, Karl, Die Briefe Joh. Oporins an den Strass- 
burger Prediger Conrad Hubert . XIII. 381—428 

Sieber, Ludwig, Paul Cherlers Sendbrief über Oporins 
Leben und Tod XIII. 429—440 

Wacicernagel, Rud., Beschreibung des Basler Münsters und 
seiner Umgebung v. Christ. Wurstisen XII. 399—522 

Wackernagel, Rud., Andreas Ryff, der Stadt Basel Regi- 
ment und Ordnung 1597 . . Xm. 1 — 30 

Vischer-Heusler, Wilhelm, Beilagen zu dem Vortrag (von 
Prof. Andreas Heusler) über Andreas Ryflf (Ryffs 
Selbstbiographie, Briefe etc.) . IX. 35—181 

Meyer, Remigius, Briefe eines Baslers über den Vill- 
merger Krieg, nebst einem Briefe des spanischen 



522 

Gesandten Beretti-Landi und einem Verzeichnis von 

Schriften über den Zwölferkrieg . X. 30 — 86 
Merian, Peter, Eeisebemerkungen von Jakob Bernoulli. 

in. 125—145 
Fechter, D. A., Der Geschichtsschreiber Johannes Müller 

in seinem Briefwechsel mit Peter Ochs von Basel, 

1775-1786 VIII. 131—170 

Wieland, Karl, Briefe von Bürgermeister Joh. Heinrich 

Wielandaus den Jahren 1797-1808 VI. 123—150 
Burckhardt-Bledermann, Theophil, Die Staatsumwälzung des 

Jahres 1798 nach den Papieren eines alten Baslers. 

Xn. 183—223 
Burckhardt-Burckhardt, Karl, Aus dem Tagebuch einer 

Baslerin zur Zeit des Durchmarsches der AUiiei-ten. 

XIV. 363—400 

B. Urkunden und Aktenstücke. 

Oser, Leonhard, Schirmbrief des Rats von Basel für zwei 
Juden VI. 279—283 

Heusler-Sarasin, Andreas, Die Berührungen Basels mit 
den westphälischen Gerichten . VDI. 1 — 68 

Vischer-Bilfinger, Wilhelm, Aktenstücke zur Geschichte der 
Reformation in Basel aus dem Staats-Archiv in 
Bern V. 297—318 

Hi$-Heusler, Ed., Die neuesten Forschungen über Hans 
Holbein, des Jüngeren, Geburt, Leben und Tod. 

Vni. 345—372 

Heusler-Ryhiner, Andreas, Mitteilungen aus den Basler 
Ratsbüchern aus den Zeiten des dreissigjährigen 
Krieges VHI. 171—343 

StUrler, Moritz von, Urkunden über Hexenprozesse aus 
dem Staatsarchive in Bern . . VI. 284 — 291. 



62$ 



2. Bearbeitungen. 



A. GescUcUe. 

a) Studien Über Quellen. 
Meyer, Remigius, Zur Entstehungsgeschichte des ewigen 
Bundes der Eidgenossen. Die Chronik des weissen 
Buches von Obwalden, zusammengestellt und ver- 
glichen mit den Berichten ,der übrigen Chronisten. 

VI. 1 — 34 

Meyer, Remigius, Zur Entstehungsgeschichte des ewigen 

Bundes der Eidgenossen. I. Die gleichzeitigen 

Chronisten, n. das Verhältnis Herzog Johanns zu 

König Albrecht und die Ursache des Königsmordes. 

IV. 153-194 
b) SchweizergeschicMe. 
Meyer, Remigius, Die Schweiz von dem Tode Rudolfs IIL 
von Burgund bis zum Erlöschen der Zähringer. 

X, 1-29 

Heusler-Ryhiner, Andreas, Der Bund Zürichs mit den vier 

Waldstätten vom ersten Mai 1351 V. 199—244 

Heusler-Ryhiner, Andreas, Historisch-politische Betrach* 

tungenüber den Bund der Stadt Bern mit den 

Waldstätten vom 6. März 1353 . III. 181—201 

Frey, Hans, Die Eroberung des Aargaus 1415. 

IX. 217—289 

Reber, Balthasar, Ital Beding II. 1 — 51 

Reber, Balthasar, Zwingli's politisches Wirken bis zur 

Schlacht von Pavia .... V. 245—295 

Werder, Julius, Zwingli als politischer Beformator. 

XL 263-299 
Streuber, Wilhelm Theodor, Die erste Berufung der Je- 
suiten nach Luzern und die Stiftung des borro- 
mäischen Bundes .... IV. 321—37» 



524 

Stehlin, Karl, üeber die diplomatischen Verbindungen 
Englands mit der Schweiz im 16. und 17. Jahr-- 
hundert VII. 45—103 

Reber, Balthasar, Die Reise der eidgenössischen Gre- 
sandten nach Paris im Jahre 1663, zur Beschwörung 
des Bundes der Schweiz mit Ludwig XIV. von 
Frankreich VI. 45—121 

Meyer, Remigius, Briefe . eines Baslers über den Vill- 
merger Krieg X. 30 — 86 

Fechter, D. A., Ein renitenter Bischof des XVII. Jahr- 
hunderts X. 353—359 

c) Basler Geschichte, 

Thommen, Rud., Basler Annalen. Äuszi^ge aus den Ge- 
schichtsquellen des Mittelalters. I.Teil XV. 123—286 

Sieber, Ludwig, Neue Nachrichten über das Erdbeben 
von 1356 . X. 249—272 und XH. 113—124 

Bernoulli, August, Die Basler vor Blochmont XII. 125 — 158 

Bernoulli, August, Die Eroberung des Steins zu Bhein- 
felden XL 93-120 

Vischer-Heusler, Wilhelm, Ein Streit des Sates zu Basel 
mit dem deutschen Hause 1478 . Xn. 224—246 

Burckhardt, August, Der Aufstandsversuch der Brüder 
Peter und Hans Bischoff im Jahre 1482 (nebst Mit- 
teilungen über den Tumult von 1402, sowie Notizen 
zur Genealogie der Familie Bischoff im XEQ. und 
XIV. Jahrhundert) .... XV. 401—512 

Burckhardt, Jakob, Prof., Erzbischof Andreas von Krain 
und der letzte Konzilsversuch 1482 — 1484. 

V. 1—106 

Heusler-Sarasin, Andreas, Basels Teilnahme an dem nieder- 
ländischen Krieg 1488 (nach Peter Offenburg's 
Korrespondenz) IX. 183—216 



525 

Vischer-Merian, Karl, Die Glasgemälde in Meltingen und 

ihr Stifter Hans Imer von Gilgenberg, Bürgermeister 

von Basel XII. 247—294 

Frey, Hans, Ueber Basels Neutralität während des 

Schwabenkrieges .... X. 317—349 
Herzog, J. J., Christoph vonUttenheim, Bischof von Basel 

zur Zeit der Reformation I. 33—93 und 305—307 
Lichtenhahn, Karl, Die Säkularisation der Klöster und 

Stifter Basels I. 94—139 

Vischer-Bilfinger, Wilhelm, Aktenstücke zur Geschichte 

der Reformation in Basel aus dem Staatsarchiv in 

Bern V. 297—318 

Heusler-Ryhiner, Andreas, Mitteilungen aus den Basler 

Ratsbüchem aus den Zeiten des dreissigjährigen 

Krieges VÖI. 171—343 

Burckhardt-Burckhardt, Karl, Begehren der Basler Btirger- 

ausschüsse im Jahre 1691 . . Vni. 69—100 
Heusler-Ryhiner, Andreas, Der Durchmarsch des Generals 

Mercy durch den Kanton Basel im August 1709. 

II. 233-273 
Burckhardt-Biedermann, Theophil, Die Staatsumwälzung des 

Jahres 1798, nach den Papieren eines alten Baslers. 

XII. 183—223 
Burckhardt-Burckhardt, Karl, Aus dem Tagebuch einer 

Baslerin zur Zeit des Durchmarsches der AUiieiten. 

XIY. 363—400 
Burckhardt-Burckhardt, Karl, Die Sendung Benedikt Vischer's 

nach Paris im Jahre 1815 . . . XIII. 261—312 

d) Atisserschweieerische Geschichte, 

Heusler-Sarasin, Andreas, Die Berührungen Basel's mit 
den westphälischen Gerichten . VIII. 1 — 68 



526 

Bernoulli, Karl Christoph, Der Landvogt Peter von Hagen- 
bach, I. Teil Xm. 313—380 

Heusler-Sarasin, Andreas, Basels Teilnahme an dem nieder- 
ländischen Krieg 1488 ... IX. 183—216 

Kraus, Daniel, Die bürgerlichen Unruhen in der Stadt 
Mtilhausen in den Jahien 1586 n. 1587 I. 246—304 

Holzach, Ferdinand, Der Mülhauser Finiugerhandel und 
der Aufruhr von 1590 ... XV. 289—398 

Rocholl, Heinrich, Die Vertreibung evangelischer Bürger 
aus der freien Reichsstadt Colmar und ihre Auf- 
nahme in der Stadt Basel. Ein Geschichtsbild 
aus der Zeit der katholischen Gegenreformation 

• 1628—1630 XrV\ 305—362 

B. Litteratir-, Schal- und Gelehrten-Geschichte, Geschichte 
des Bnchdrocks. 

Streuber, Wilhelm Theodor, Neue Beiträge zur Basler 
Buchdruckergeschichte . . III. 65 — 124 

Fechter, D. A., Miscellen zur Basler Buchdruckerge- 
schichte IX. 525—532 

Burckhardt, Ludw. August, Geschichte der dramatischen 
Kunst in Basel I. 169—211 

Sieber, Ludwig, Thomas Mumer und sein juristisches 
Kartenspiel X. 273—316 

Mähly, Jal(ob, Beatus ßhenanus . . VI. 151—207 

Burcichardt-Biedermann, Theophil, Die Erneuerung der 
Universität Basel in den Jahren 1529—1539. 

XIV. 401-487 

Fischer, Friedrich, Paracelsus in Basel V. 107—137 

Stähelin, Rudolf, Die reformatorische Wirksamkeit des 
St. Galler Humanisten Vadian; Auf Grund seiner neu 
veröffentlichten Schriften . . XI. 191—262 



527 

Ehinger, Ludwig, Franz Hotmann, ein französischer Ge- 
lehrter, Staatsmann und Publizist des XYI. Jahr- 
hunderts XIV. 1—121 

Wieiand, Karl, Leonhard Thumeysser zum Thurm. 

XI. 291—328 

Burckhardt, Achilles, ChrisüanWurstisen XH. 357-^398 

Roth, Wilhelm, Andreas Vesalius in Basel XII. 159—182 

Hagenbach, Karl Rudolf, Luther und der Koran vor dem 
Eat zu Basel IX. 291—326 

Fechter, D. A., Das Studienleben in Paris zu Anfang 
des XVT. Jahrhunderts . . . IIT. 147—179 

Fechter, D. A., Bonifacius Amerbach . II. 167—229 

Hess, J. W., Kaspar Bauhin's, des ersten Professors der 
Anatomie und Botanik an der Universität Basel, 
Leben und Charakter . . . VII. 105—176 

Wackernagel, Rud., Das Kirchen- und Schulgut des Kan- 
tons Baselstadt . . . . . XIII. 83—140 

Burckhardt, Emanuel, Theodor Falkeisen V. 139—173 

Hess, J. W., Geschichte des Schulwesens der Landschaft 
Basel bis 1830 ... . . . XIV. 123—304 

Burckhardt, J. Rud., Die Schicksale der baslerischen poli- 
tischen u. periodischen Presse vor 1831. X. 209 — 248 

Hagenbach, Karl Rudolf, Jakob Sarasin und seine Freunde. 
Ein Beitrag zur Litteraturgeschichte IV. 1 — 1 03 

Hess, J. W., Pater Gregor Girard . VI. 241—275 

Joneli, A., Anton Philipp von Segesser als Historiker. 

XIII. 213—260 

Hess, J. W., Geschichte der historischen Gesellschaft von 
1836-1861 VIII, VII— Xni 

C. MnslkgescMclite. 

Riggenbach, Chr. Joh., Der Kirchengesang in Basel seit 
der Reformation mit neuen Aufschlüssen über die 



528 

Anfänge des französischen Psalmengesangs. 

rx. 327—524 

Riggenbach, Chr. Joh., Nachträge zur Geschichte des 
Kirchengesangs in Basel . . X. 365—382 

Sarasin, Adolf, Die historische Entwicklung des Psalmen- 
gesangs in unserer reformierten Kirche. IV. 297—320 

WQIfflin, Ed., Das Collegium musicum und die Konzerte 
in Basel VII. 335—388 

D. Konstgeschichte. 

Schmidt, C, Der Strassburger Maler Hermann von Basel. 

XII. 4 — 12 

Burckhardt-Biedermann, Theophil, Ueber die Basler Toten- 
tänze XL 39 — 92 

Vischer-Merian, Karl, Die Glasgemälde in Meltingen and 
ihr Stifter Hans Imer von Gilgenberg, Bürgermeistei* 
von Basel XII. 247—294 

His-Heusler, Ed., Die neuesten Forschungen über Hans 
Holbein, des Jüngeren, Geburt, Leben und Tod, 

Vm. 345—372 

Sarasin, Adolf, Versuch einer Geschichte des Basler 
Münsters I. 1 — 32 

La Roche, Emanuel, Bauhütte und Bauverwaltung des 
Basler Münsters im Mittelalter . XII. 77—112 

E. Rechts- and Yertassnngsgeschlchte. 

Burckhardt, Ludw. August, Die Verfassung der Landgraf- 
schaft Sissgau IL 277—443 

Burckhardt-Finsler, Albert, Die Gauverhältnisse im alten 
Bisthum Basel und die Landgrafschaft im Sissgau. 

XL 1 — 38 

Heusler-Sarasin, Andreas, Die Berührungen Basels mit den 
westphälischen Gerichten . . VIII. 1 — 68 



5^9 

Oser, Leonhard, Die Stadt Basel und ihr Bischof. 

IV. 281-296 
Lichtenbahn, Karl, Das Basler Bürgerrecht im Bisthum. 

III. 1 — 64 
Wackernagel, Rud., Andreas Ryff, der Stadt Basel Regi- 
ment und Ordnung 1597 . . XIII. 1 — 30 

F. GeojlrapUe, Topographie nnd Relsebeschrelbimgen. 

Burckhardt-Piguet, Theophil, Aventicum . IV. 107—160 

Bernoulli, August, Hans und Peter ßot's Pilgerreisen 
1440 und 1453 XI. 329—408 

Bernoulli, August, Die Pilgerfahrt Hans Bemhard's von 
Eptingen XII. 13 — 76 

Reber, Balthasar, Die ßeise der eidgenössischen Ge- 
sandten nach Paris im Jahre 1663 zur Beschwörung 
des Bundes der Schweiz mit Ludwig XIV. von 
Frankreich VI.. 45—121 

Merlan, Peter, Reisebemerkungen von Jakob Bernoulli. 

m. 125-145 

6. Biographie. 

Meyer, Remigius, Gertrud Anna, die Gemahlin Rudolfs 
von Habsburg V. 175—198 

Wackemagel, Wilhelm, Bischof Udalrich von Basel. 

III. 867—369 
Schmidt, C, Der Strassburger Maler Hermann von Basel. 

Xn. 4-12 
Reber, Balthasar, Ital Beding II. 1 — 51 

Bernoulli, Karl. Chr., Der Landvogt Peter von Hagenbach. 

I. Teü XIII. 313-380 

Herzog, J. J., Christoph von Uttenheim, Bischof von Basel 
zur Zeit der Reformation. I. 33—93 und 305—307 

Beiträge XV. 34 



530 

Vischer-Merian, Karl, Die Glasgemälde in Meltingen and 
ihr Stifter Hans Imer von Gilgenberg, Bürgermeister 
von Basel XII. 247—294 

Mähly, Jakob, Beatus Rhenanus . . VI. 151—207 

Stockmeyer, Immanuel, Ulrich von Hütten. 

II. 55—107 und 447—451 

Fechter, D. A., Bonifacius Amerbach . . 11. 167—229 

HIs-Heusler, Ed., Die neuesten Forschungen über Hans 
Holbein des Jüngeren Geburt, Leben und Tod. 

Vm. 345—372 

Hess, J. W., Kaspar Bauhin's, des ersten Professors der 
Anatomie und Botanik an der Universität Basel, 
Leben und Charakter . . . VII. 105—175 

Roth, M., Andreas Vesalius in Basel . XII. 159—182 

Ehinger, L., Franz Hotmann, ein französischer Gelehrter, 
Staatsmann und Publizist des XVI. Jahrhunderts. 

XIV. 1—121 

Wieland, Karl, Leonhard Thurneysser zum Thurm. 

XI. 291—328 

Burckhardt, Achilles, Christian Wurstisen XIL 357—398 

Heusler-Ryhiner, Andreas, Andreas ßyff IX. 1 — 34 

Burckhardt-Piguet, Th., Aus der Socin'schen Familienge- 
schichte Xn. 295—342 

Burckhardt-Piguet, Th., Oberstzunftmeister Benedict Socin. 
1594-1664 Xm. 31—82 

Burckhardt, Jakob, Antistes, Aus der Jugendgescbichte des 
Bürgermeisters Joh. Rudolf Wettstein L 140 — 168 

Reber, Balthasar, Georg Jenatsch, Graubünden's Pfarrer 
und Held während des dreissigj ährigen Kriegs. 

VIL 177—300 

Burckhardt-Piguet, Th., Bürgermeister Emanuel Socin. 
1628-1717 XIIL 167—212 

Burckhardt, Emanuel, Theodor Falkeisen V. 139—173 



531 

Salis, Arnold von, Peter Werenfel», Antistes Ecd. Basil VIII. 
1676-1703 XV. 1—116 

Miaskowski, Aug. von, Isaakiselin . X. 87—208 

Hagenbach, K. R., Jakob Sarasin und seine Freunde. 

IV. 1-103 

Burckhardt, Job. Rud., Der Kardinal Joseph Fäsch, Oheim 
Napoleons, Erzbischof von Lyon, Primas von Gallien, 
Coadjutor des Fürst-Primas von Germanien, Senator 
und Grossalmosenier von Frankreich III. 203—363 

Hess, J. W., Pater Gregor Girard. Eine biographische 
Skizze VI. 241—275 

H. Kultur- und Wirtschaftsgescblchte. 

Wackernagel, Wilhelm, Die Gottesfreunde in Basel. 

IL 111—163 

Fechter, D. A., Basel's Armen- und Krankenanstalten im 
Mittelalter IV. 379—404 

Meyer-Merian, Theod., Die Armeuherberge in Basel. 

VI. 209—240 

Burckhardt- Finsler, Albert, Eine Geschichte aus dem 
Steinenkloster XIH. 141—166 

Oser, Leonhard, Die Zunahme und Abnahme der Be- 
völkerung der Stadt Basel . . I. 212—245 

Sieber, Ludwig, Thomas Murner und sein juristisches 
Kartenspiel X. 273—316 

Fechter, D. A., Das Studienleben in Paris zu Anfang des 
XVI. Jahrhunderts .... III. 147-179 

Wieland, Karl, Leonhard Thurneysser zum Thurm. 

XI. 291-328 

Iselin-RUtimeyer, Friedrich, Zur Geschichte der Vorstadt- 
gesellschaften Basel's : 1) Die Vorstadtgesellschaft zu 
St. Johann. 2) Die Vorstadtgesellschaft zu St. Alban. 

XI. 121—190 



532 

StUrler, Moritz von, Urkunden über Hexenprozesse aus 
dem Staatsarchiv in Bern . . VI. 284—291 
Zehntner, Heinrich, Streitigkeiten zwischen der Gerber- 
zunft in Basel und den Landgerbem im XVm. Jahr- 

. hundert . Vm. 101—130 

Hagenbacb, K. R., Jakob Sarasin und seine Freunde. 

IV. 1—103 
Ostertag, Albert, Ueber den Ursprung und die Entwick- 
lung der deutschen Christentumsgesellschaft in Basel. 

IV. 197—228 

J. Kirchengeschichte. 

Mooyer, E. F., Zur Feststellung der Reihenfolge der 
älteren Bischöfe des Hochstifts Basel. 

Vn. 1 — 43 
Wacl(ernagel, Wilhelm, Bischof Udalrich von Basel. 

in. 367—369 
Oser, Leonhard, Die Stadt Basel und ihr Bischof. 

IV. 231—296 
Wackernagel, Wilhelm, Die Grottesfreunde in Basel. 

IL 111—163 
Burckhardt-Finsler, Albert, Eine Geschichte aus dem 

Steinenkloster XIH. 141—166 

Burckhardt, Jakob, Prof., Erzbischof Andreas von Krain 
und der letzte Konzilsversuch in Basel 1482 — 1484. 

V. 1—106 

Herzog, J. J., Christoph von Uttenheim, Bischof von Basel, 

zur Zeit der Reformation. . I. 33—93 und 305—307 

Vischer-Bilfinger, Wilhelm, Aktenstücke zur Geschichte 

der Reformation in Basel aus dem Staatsarchiv in 

Bern V. 297—318 

Lichtenhahn, Karl, Die Säkularisation der Klöster und 
Stifter Basels I, 94-139 



533 



Hagenbach, K. R., Luther und der Koran vor dem Rate 
zu Basel IX. 291—326 

Stähelin, Rudolf, Die reformatorische Thätigkeit des 
St. Galler Humanisten Vadian. Auf Grund seiner 
neu veröffentlichten Schriften . XL 191 — 262 

Stockmeyer, Immanuel, Ulrich von Hütten. 

IL 55-107 und 447-451 

Streuber, Wilh, Theodor, Die erste Berufung der Jesuiten 
nach Luzern und die Stiftung des borromäischen 
Bundes IV. 321-378 

Salis, Arnold von, Peter Werenfels, Antistes eccl. Basil.VIII. 
1675—1703 XV.' 1-116 

Rocholl, Heinrich, Die Vertreibung evangelischer Bürger 
aus der freien Reichsstadt Colmar und ihre Auf- 
nahme in der Stadt Basel. Ein Geschichtsbild aus 
der Zeit der katholischen Gegenreformation 1628 
bis 1630 XIV. 305-362 

Burckhardt, L. Aug., Die französischen Religionsflüchtlinge 
in Basel VH. 301—333 

Fechter, D. A., Ein renitenter Bischof des XVII. Jahr- 
hunderts X. 353—359 

Ostertag, Albert, Ueber den Ursprung und die Entwick- 
lung der deutschen Christentumsgesellschaft in 
Basel IV. 197—228 

K. Nekrologe. 

Burckhardt, Achilles, Worte der Erinnerung an Wilhelm 
Vischer XII. 343—356 

Burckhardt, Achilles, Worte der Erinnerung an Pfarrer 
Emanuel La Roche .... XII. 523—530 

Burckhardt-Biedermann,Worte derErinnerung an Dr.Achilles 
Burckhardt XIII. 441—455 



534 



L Verschiedenes. 



Wackernagel, Wilhelm, Bnck dich, Jäcklin! du mas8t in 
den Ofen HL 375—379 

Wackernagel, Wilhelm, Das Eosenbad und der Rosengarten 
von St. Jakob HL 372—375 

Wackemagei, Wilhelm, Schruthan von Winkelried. 

m. 369—372 



3. Verzeichnis der Tafeln und Abbildungen. 

Band I: Titel Vignette : Basler Stadtsiegel. 

Band VIII: 2 Karten: Basels Fortifikationen zur Zeit 

des dreissigjährigen Krieges. 
Band IX: a) Portrait von Andreas Ryff. 

b) Auf den Rappenkrieg bezügliches Glas- 
gemälde. 
Band XIV: Portrait Franz Hotmanns. 



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